Selma ist erstaunlicherweise die erste Filmbiographie von Martin Luther King Jr. und als solche sicherlich überfällig. 50 Jahre nach den Märschen von Selma kann trotz eines schwarzen Präsidenten immer noch nicht behauptet werden, die Bürgerrechtsbewegung sei am Ziel angekommen. Insofern ist dies eine wichtige Geschichtsstunde zu einem Thema, mit dem sich die Amerikaner offenbar schwer tun. Abgesehen von der amerikanischen Regisseurin Ava DuVernay scheinen hier vor allem Briten beteiligt zu sein.
Anders als der letztjährige Butler fokussiert Selma auf ein spezifisches Ereignis, auch wenn es sich nicht verkneifen kann, mit der Verleihung des Friedensnobelpreises zu beginnen. Es wird versucht, den Menschen und Politiker King zu zeigen, aber weder das Drehbuch (der erste Credit eines weißen Autors) noch die Regie vermögen dem Stoff Außergewöhnliches zu entreißen. Gegen Ende zweier langer Stunden nimmt der Pathos dann endgültig überhand, und der (Oscar-nominierte) Rap zum Abspann versucht arg verkrampft, den Bezug zum Heute herzustellen.
David Oyelowo (im Butler spielte er wohl den Sohn von Forest Whitaker) ist sicherlich kompetent, aber begeistert hat mich seine Darstellung nicht. Insbesondere spricht er in den Familienszenen im gleichen Tonfall wie bei seinen berühmten Reden, was eine gewisse Monotonie erzeugt. Im übrigen erschließt es sich mir nicht, warum die beiden Hauptrollen (King und seine Frau) durch Briten besetzt wurden, genauso wie die allerdings überzeugenden Tom Wilkinson als Präsident Johnson und Tim Roth als Gouverneur Wallace.
Ich bin hier auf der Seite der Akademie-Mitglieder, die sich beleidigt fühlen, wenn von ihnen eine quotengerechte Abstimmung verlangt wird. Das Grundproblem ist doch, daß es in den USA zu wenige Filme von Schwarzen mit Schwarzen gibt (und daneben auch Filme von Frauen). Schuld daran sind nicht das Abstimmungsverhalten oder die Zusammensetzung der Akademie, sondern die Machtverhältnisse in der Filmindustrie insgesamt. Selma war übrigens ein kleiner Hit und hat seine Kosten locker eingespielt. Gut (7/10).
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