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Donnerstag, 12. Februar 2015

Unsportlich: Foxcatcher (3/10)

Sportfilme sind nicht so mein Fall. Sicher gibt es Ausnahmen - Schlittschuhlaufen (Moderne Zeiten, Blade Runner),  Billard (Haie der Großstadt/The Hustler) und Schach (Das Siebente Siegel) sind noch ok. Auch Bend it Like Beckham ist ein toller Film, aber Frauenfußball wird hierzulande ja auch nicht ernstgenommen. Am schlimmsten die amerikanische Dreifaltigkeit: Football, Baseball, Basketball - gähn. Vom Ringen habe ich eigentlich bereits durch John Irving eine reichliche Portion abbekommen, jetzt kommt mit dem diesjährigen Oscar-Kandidaten Foxcatcher die Überdosis.

Aus diesem Stoff, "basierend auf einer wahren Geschichte", hätte David O. Russell vielleicht eine schöne Satire machen können (ihm bin ich allerdings immer noch böse für American Hustle). Da kauft also in den 80ern der alternde Milliardär John Du Pont den jungen Olympiasieger Mark Schultz, spielt sich als sein Trainer auf und hofft, daß die nächste Medaille auf ihn abfärbt. Meist steht er nur im Trainingsraum rum und läßt die Profis gewähren. Einmal jedoch möchte er seine greise Mutter beeindrucken, und sein Versuch, ein echtes Training zu leiten, könnte tragisch oder komisch sein, wirkt hier aber nur peinlich. Dabei hilft es nicht, daß Du Pont von einem mit viel Oscar-nominiertem Makeup verunstalteten Steve Carrell gespielt wird. Der Starkomiker (The Office, Crazy Stupid Love) konnte bisher durchaus auch in dramatischen Rollen bestehen (etwa als selbstmordgefährdeter Onkel in Litte Miss Sunshine), scheint hier aber mehr damit beschäftigt, trotz seiner Zahnprotese verständlich zu sprechen. Die meiste Zeit wirkt er fast katatonisch, und die Oscar-Nominierung scheint mehr eine Belohnung für die Demütigungen, die er in den Ringszenen auf sich nimmt, ohne seine falsche Nase zu verlieren. Das mit der Mutter (um die Küchenpsychologie des Films zu erwähnen) ist übrigens so: Sie hält Ringen für eine schmutzige Sportart und schwört auf den Pferdesport. Da stimme ich allerdings mit ihr überein. Zumindest sind mir Kleines Mädchen, Großes Herz (1944, mit der entzückenden 12jährigen Liz Taylor) und Der Schwarze Hengst (1979, mit Mickey Rooney) in guter Erinnerung.

Drei Dinge möchte ich noch erwähnen.
  • Muskelprotz Channing Tatum (gerade auch in Jupiter Ascending zu bestaunen) gibt besagten Olympiasieger mit minimalem Ausdruck als beschränkte Dumpfbacke ohne einen einzigen unabhängigen Gedanken. Das kann dem historischen Vorbild kaum entsprechen, das immerhin einen ordentlichen Universitätsabschluß vorzuweisen hatte. 
  • Zum anderen bekommt man im Film niemals einen Eindruck vom Alltag amerikanischer Ringer. Von der Weltmeisterschaft geht es da zur Qualifikation und weiter zu den Olympischen Spielen. Gibt es da keine Liga, keine zwischenzeitlichen Mannschaftswettbewerbe? Einige Rezensenten haben Mark Schultz als "Profiringer" bezeichnet. Wer hat ihn denn dann bezahlt? Am Anfang gibt es eine alleinstehende Szene, in der er dankbar einen Scheck über 20 Dollar für einen Vortrag vor einer Schulklasse entgegennimmt...
  • Als drittes scheint mir der Schluß (Du Pont erschießt Marks Bruder, den Cheftrainer der Mannschaft) dramaturgisch völlig aus der Luft geholt, auch wenn er entgegen der "wahren Geschichte" chronologisch direkt an das Debakel bei der Olympiade von 1988 anzuschließen scheint (tatsächlich geschah der Mord erst Mitte der 90er).
Das Erkaufen von Prestige und narzissistischer Patriotismus könnten nicht nur im Sportzusammenhang ergiebige Themen sein. Regisseur Bennett Miller macht aus diesem Stoff leider ein humorloses Drama ohne Dramatik, eine Charakterstudie ohne Charaktere. Beim Regie-Zweig der amerikanischen Akademie ist er damit tatsächlich unter die fünf Nominierten gekommen. Bezeichnenderweise konnte Foxcatcher trotzdem keine der acht (!) Nominierungen für den Besten Film ergattern. Diese werden nämlich von der kompletten Mitgliedschaft benannt. Mir unverständlich, wie auf das herausragende Capote (2005) und das ordentliche Moneyball (2011 - Baseball!) ein solcher Flop folgen kann. Die Nominierung für Mark Ruffalo als Bester Nebendarsteller geht aber in Ordnung, mit ihm weht immer mal wieder eine frische Brise durch diesen öden Film. Lustigerweise tritt damit in diesem Jahr der aktuelle Hulk gegen seinen Vorgänger Edward Norton an (gesetzt ist aber der wunderbare J.K. Simmons für Whiplash - Rezi folgt hoffentlich zum Kinostart nächste Woche). Ruffalo war im letzten Jahr auch noch im schönen Musikdrama Begin Again an der Seite von Keira Knightley zu sehen. Ihm verdankt Foxcatcher, der Höchststrafe entgangen zu sein. Mäßig interessant (3/10).

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