In den 80ern konnte man die verpaßten Filme übrigens nur Jahre später bei ARD oder ZDF nachholen. Vor dem Zeitalter von Videos und DVDs waren diese Ausstrahlungen noch echte Straßenfeger, und obwohl Goldfinger sicher der unübertroffene Klassiker der Reihe war, entwickelte sich Der Spion, der mich liebte schnell zu meinem persönlichen Favoriten (wenn allerdings Connery oder Moore die Hauptrolle im von Lazenby abgesehen umwerfenden Geheimdienst ihrer Majestät angenommen hätten, sähe das wohl anders aus).
Vor 15 Jahren schrieb ich zur DVD unter anderem:
Der visuell eindrucksvollste Bond und wohl der beste mit Roger Moore. Der geniale Produktionsdesigner Ken Adam (u.a. verantwortlich für Kubricks Dr. Seltsam) hat sich hier selbst übertroffen, und mehr noch: die Kamera verweilt lange genug auf den Sets, daß der Zuschauer sie auch genießen kann. Offenbar hat es sich gelohnt, einen Enkel des Malers Jean Renoir als Kameramann zu engagieren. Hinzu kommt die passende Musik von Marvin Hamlisch, der nicht nur einen wunderschönen Titelsong schrieb, sondern dessen Score auch einen erfreulichen Hang zum Unerwarteten hat - von der peppigen Untermalung der Skisequenz zu Beginn bis zu passendem Konzertanten in Strombergs "Atlantis"-Residenz. Die Liebesgeschichte zwischen Moore und Barbara Bach funktioniert sehr gut, wenn sie auch nicht so emotional ist wie in Im Geheimdienst ihrer Majestät. Aber der Blondinenwitz des Vorgängers kann mit dieser starken Frauenfigur wohl als ausgeglichen gerechnet werden. Curd Jürgens ist ein guter Schurke, hat aber nur wenige Szenen. Heimlicher Star ist ohnehin Richard Kiel als "Jaws". Ihn und die wundervollen Bilder, gerade auch von Ägypten, behält man am besten im Gedächtnis.
Dem gibt es nicht viel hinzuzufügen. Mit dem Blondinenwitz war übrigens Britt Ekland als Bonds tölpelhafte Assistentin gemeint in Der Mann mit dem goldenen Colt. Etwas gezwungen komisch, gefällt mir ansonsten Roger Moores zweiter Auftritt auch schon recht gut, insbesondere durch den unvergessenen Christopher Lee in der Titelrolle. Und durch die Popularität von Bruce Lee (insbesondere dem packenden Der Mann mit der Todeskralle) bedingt, gab es dort bei Bond das erste Mal Kung Fu und asiatische Exotik, darunter die nacktbadende Schönheit "Chew Me" ;-) Aber erst beim dritten Auftritt des dritten (offiziellen) Bond stimmte die Balance aus Komik und Action.
Auf Blu-ray kommen die grandiosen Bilder von Claude Renoir noch besser zur Geltung, nicht nur die raffinierten, farbigen Schattenspiele in Luxor, Theben und Gizeh, sondern auch die sardinische Costa Smeralda, die eröffnende Ski-Sequenz von Willy Bogner und die u.a. auf den Bahamas entstandenen Unterwasseraufnahmen. Auch Barbara Bach, die einige Jahre später bei den Aufnahmen zur witzigen prähistorischen Farce Caveman Richard Starkey alias Ringo Starr kennen- und liebenlernen sollte, wurde toll in Szene gesetzt. Der Originalname des "Beißers" ist natürlich eine Verneigung vor Spielbergs Der weiße Hai, im Englischen schlicht "Jaws". Vielleicht aus rechtlichen Gründen konnte Marvin Hamlisch das berühmte Motiv daraus nicht verwenden, obwohl es super zum Auftauchen des Unterwasserautos am Badestrand gepasst hätte. Für die Wüstenszenen zitiert er aber sehr passend die Ouvertüre aus Lawrence von Arabien. Hier hat sich einfach ein tolles Team zusammengefunden und alles richtig gemacht. Herausragend (9/10)!