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Samstag, 26. März 2016

Klassiker auf Blu-ray #14: Der Spion, der mich liebte (1977)

Nobody does it better. Jede Generation hat wohl ihren Lieblings-Bond, und während die meiner Eltern auf Sean Connery schwörte, war das für mich immer schon Roger Moore. Wahrscheinlich war Moonraker meine erste Begegnung mit 007 im Kino, und auf der Woge des von Star Wars und Battlestar Galactica ausgelösten Weltraum-Enthusiasmus hatte jener aus Marketinggründen überhastet vorgezogene Nachfolger vom Spion, der mich liebte sicher den gewünschten Effekt (eigentlich war im Abspann In tödlicher Mission angekündigt). Im Rückblick war Moonraker allerdings ein schwächerer Beitrag für Moore, nur noch untertroffen von seinem Schwanengesang Im Angesicht des Todes.



In den 80ern konnte man die verpaßten Filme übrigens nur Jahre später bei ARD oder ZDF nachholen. Vor dem Zeitalter von Videos und DVDs waren diese Ausstrahlungen noch echte Straßenfeger, und obwohl Goldfinger sicher der unübertroffene Klassiker der Reihe war, entwickelte sich Der Spion, der mich liebte schnell zu meinem persönlichen Favoriten (wenn allerdings Connery oder Moore die Hauptrolle im von Lazenby abgesehen umwerfenden Geheimdienst ihrer Majestät angenommen hätten, sähe das wohl anders aus).



Vor 15 Jahren schrieb ich zur DVD unter anderem:
Der visuell eindrucksvollste Bond und wohl der beste mit Roger Moore. Der geniale Produktionsdesigner Ken Adam (u.a. verantwortlich für Kubricks Dr. Seltsam) hat sich hier selbst übertroffen, und mehr noch: die Kamera verweilt lange genug auf den Sets, daß der Zuschauer sie auch genießen kann. Offenbar hat es sich gelohnt, einen Enkel des Malers Jean Renoir als Kameramann zu engagieren. Hinzu kommt die passende Musik von Marvin Hamlisch, der nicht nur einen wunderschönen Titelsong schrieb, sondern dessen Score auch einen erfreulichen Hang zum Unerwarteten hat - von der peppigen Untermalung der Skisequenz zu Beginn bis zu passendem Konzertanten in Strombergs "Atlantis"-Residenz. Die Liebesgeschichte zwischen Moore und Barbara Bach funktioniert sehr gut, wenn sie auch nicht so emotional ist wie in Im Geheimdienst ihrer Majestät. Aber der Blondinenwitz des Vorgängers kann mit dieser starken Frauenfigur wohl als ausgeglichen gerechnet werden. Curd Jürgens ist ein guter Schurke, hat aber nur wenige Szenen. Heimlicher Star ist ohnehin Richard Kiel als "Jaws". Ihn und die wundervollen Bilder, gerade auch von Ägypten, behält man am besten im Gedächtnis.



Dem gibt es nicht viel hinzuzufügen. Mit dem Blondinenwitz war übrigens Britt Ekland als Bonds tölpelhafte Assistentin gemeint in Der Mann mit dem goldenen Colt. Etwas gezwungen komisch, gefällt mir ansonsten Roger Moores zweiter Auftritt auch schon recht gut, insbesondere durch den unvergessenen Christopher Lee in der Titelrolle. Und durch die Popularität von Bruce Lee (insbesondere dem packenden Der Mann mit der Todeskralle) bedingt, gab es dort bei Bond das erste Mal Kung Fu und asiatische Exotik, darunter die nacktbadende Schönheit "Chew Me" ;-) Aber erst beim dritten Auftritt des dritten (offiziellen) Bond stimmte die Balance aus Komik und Action.


Auf Blu-ray kommen die grandiosen Bilder von Claude Renoir noch besser zur Geltung, nicht nur die raffinierten, farbigen Schattenspiele in Luxor, Theben und Gizeh, sondern auch die sardinische Costa Smeralda, die eröffnende Ski-Sequenz von Willy Bogner und die u.a. auf den Bahamas entstandenen Unterwasseraufnahmen. Auch Barbara Bach, die einige Jahre später bei den Aufnahmen zur witzigen prähistorischen Farce Caveman Richard Starkey alias Ringo Starr kennen- und liebenlernen sollte, wurde toll in Szene gesetzt. Der Originalname des "Beißers" ist natürlich eine Verneigung vor Spielbergs Der weiße Hai, im Englischen schlicht "Jaws". Vielleicht aus rechtlichen Gründen konnte Marvin Hamlisch das berühmte Motiv daraus nicht verwenden, obwohl es super zum Auftauchen des Unterwasserautos am Badestrand gepasst hätte. Für die Wüstenszenen zitiert er aber sehr passend die Ouvertüre aus Lawrence von Arabien. Hier hat sich einfach ein tolles Team zusammengefunden und alles richtig gemacht. Herausragend (9/10)!

Samstag, 19. März 2016

Oscar-Gewinnerin Brie Larson in "Raum" (6/10)

Raum ist ein solch subtiler Horrorfilm, dass die meisten Zuschauer den Schrecken wohl gar nicht erfassen werden. Joy wurde mit 17 Jahren von "Old Nick" entführt und lebt seit sieben Jahren als seine Sexsklavin in einem winzigen Gartenschuppen. Als ihr in Gefangenschaft geborener Sohn Jack fünf Jahre alt wird, gelingt ihr mit einem verzweifelten Manöver die Flucht. Danach setzt sich die Leidensgeschichte der jungen Frau fort, in der langsamen Erkenntnis der verlorenen Jahre, in der Ablehnungshaltung ihres Vaters (William H. Macy) und der trampeligen Sensationshascherei der Medien. Fast unerträglich wird das übrigens, als eine Reporterin Joy tatsächlich dafür schilt, dass sie ihren Peiniger nicht dazu überzeugt hatte, den Sohn anonym auszusetzen.



Der zugrundeliegende, 2010 für den Man Booker Prize nominierte Roman der Kanadierin Emma Donoghue erzählt (wie ich anderen Kritiken entnehme) die Geschichte streng aus der Perspektive des Jungen. Obwohl die Autorin die Adaption selbst vornahm, hält der Film diese Haltung leider nicht durch. Mir fehlt ein überzeugendes Konzept, die Geschichte auf die Leinwand zu übertragen. Sowohl dem Drehbuch als auch der Regie hätten mehr Mut gutgetan (möglicherweise anstößige Aspekte wie Joys jahrelanges Stillen ihres Sohnes werden schamhaft fallengelassen). Stattdessen wirkt das Thema doch recht weichgespült, wozu auch die klebrige Musikuntermalung des Iren Stephen Rennicks beiträgt. So konnte ich trotz gutem Spiels der beiden Hauptdarsteller kaum eine emotionale Verbindung zu den Figuren spüren. Gerade Kenner des Buches werden hier sicher Gewichtiges zwischen den Zeilen interpretieren. Das entspricht aber nicht meinem Verständnis des Mediums.



Brie Larson spielt allerdings mutig und ungeschminkt auf, mit der bereits genannten Einschränkung, die ich aber mehr dem Regisseur anlaste. Natürlich ist die 26jährige jung und hübsch genug, um auch ohne Makeup ein angenehmes Bild zu bieten, und sie lässt durchaus die Komplexität ihrer Figur erahnen. Trotzdem bleibt es dabei, dass mich von den Oscar-Nominierten Saoirse Ronan am meisten überzeugt hat. Ohnehin ist das Herzstück des Films eher in Larsons Zusammenspiel mit ihrem jungen Co-Star Jacob Tremblay zu finden, was die Oscar-Gewinnerin in ihren Dankesreden auch immer wieder betont hat. Den inzwischen Neunjährigen bewegte Regisseur Lenny Abrahamson zu einer beeindruckenden Darstellung, auch wenn er mit seiner Langhaarperücke und seinem (wenn ich nicht irre) auf extra-niedlich geschminktem Gesicht gelegentlich befremdlich wirkt. Bei einem Kritiker las ich gar, er habe die Hälfte des Films auf die Enthüllung Jacks als Mädchen gewartet. Es ist aber verständlich, dass der Junge mit seiner Mutter als einziger Bezugsperson weibliche Züge entwickelt. Es würde mich wundern, wenn noch niemand aus geschlechtspolitischer Perspektive Jacks Entwicklung kritisiert hätte, wenn er gegen Ende zur Freude seiner Großmutter (sympathisch: Joan Allen) wie ein ordentlicher Junge mit Kurzhaarfrisur Fußball spielt.



So reiht sich für mich Raum in die durchschnittliche diesjährige Oscar-Kost ein, aus der nur der Gewinner Spotlight sowie The Big Short (welches Raum zu Recht den Preis für die Drehbuchadaption wegschnappte) und Spielbergs Der Unterhändler herausragen. Zum Vergleich möchte ich mal die zehn Jahre zurückliegenden Nominierungen aufzählen: München (Steven Spielberg, 8/10), Good Night, and Good Luck (George Clooney, 8/10), Capote (Bennett Miller, 9/10), L.A. Crash (Paul Haggis, 10/10) und Brokeback Mountain (Ang Lee, 10/10).

Ordentlich (6/10).

Sonntag, 13. März 2016

Enttäuschung: Ken Lius "The Grace of Kings"

Der in China geborene Ken Liu, Jahrgang 1976, lebt seit seinem zwölften Lebensjahr in den USA und hat in den letzten Jahren mit seinen Kurzgeschichten etliche Preise gewonnen, darunter 2012 und 2013 jeweils den Hugo. Für "The Paper Menagerie" gewann er zusätzlich einen Nebula und einen World Fantasy Award. Liu hat den letztjährigen Hugo-Gewinner für den Besten Roman ins Englische übersetzt: The Three-Body Problem von Xixin Liu.

Nachdem sein Romandebut in diesem Jahr prompt für den Nebula der amerikanischen Autorenvereinigung SFWA nominiert wurde, war ich schon sehr gespannt auf diesen ersten Band einer Fantasy-Reihe mit dem Anspruch, chinesische und amerikanische Einflüsse zu verarbeiten. Leider ist "The Grace of Kings" eine ziemliche Enttäuschung. Bei diversen Rezensionen auf amazon.com, z.B. hier, kann man nachlesen, dass es sich im wesentlichen um die Nacherzählung des Werks eines berühmten Historikers handelt. Das ist durchaus legitim, die Verarbeitung der Artus-Legende durch T.H. White in "The Once and Future King" etwa ist auch 70 Jahre nach seiner Entstehung noch ein lesenswerter Klassiker der Fantasy-Literatur. Dazu darf die Ausführung aber nicht derart schwach geraten. Der Handlungsaufbau dieses ersten Bandes der "Löwenzahn"-Reihe ist unbeholfen, der Erzählfokus wechselt unmotiviert zwischen einigen als Hauptpersonen etablierten Figuren und zahlreichen Nebencharaktere. Es gibt viel zu viel direkte Exposition, anstatt die Welt durch die Augen der Protagonisten zu zeigen. Man begegnet einer Figur, ihr Hintergrund wird in einigen Sätzen skizziert, und im Extremfall führt das zur Erwähnung einer weiteren Figur, die nun in einigen weiteren Sätzen beschrieben wird. Das macht das Lesen mühsam, und keine der Figuren konnte mein Interesse halten. Dazu kommen gestelzte Dialoge, die mir schon in The Three-Body Problem aufgefallen waren. Das ist mir in der von Joel Martinsen übertragenen Fortsetzung nicht so aufgestoßen, die insgesamt einen besseren Sprachfluss hat.

Vielleicht war meine Erwartungshaltung zu hoch, vielleicht war ich zu ungeduldig, jedenfalls habe ich nur ein Viertel des Buches (etwa 100 Seiten) geschafft, bevor ich es aufgegeben habe. Warum ausgerechnet die Autorenkollegen mit ihrer Nebula-Nominierung solche Begeisterung zeigen, ist mir unklar, vielleicht sind sie auf den für sie exotischen Weltenaufbau reingefallen. Für den diesjährigen Hugo werde ich diesen Roman jedenfalls nicht vorschlagen.