Suche im Blog

Freitag, 25. November 2016

Enttäuschender Abschluss von Cixin Lius Trilogie: Death's End

Vielleicht war meine Erwartungshaltung zu hoch, aber andere Rezensenten sehen das genauso: Mit Death's End dümpelt die vielversprechende Trilogie zu einem unbefriedigendem Abschluss, deren erster Band The Three-Body Problem 2015 verdient den Hugo gewonnen hatte. Hauptproblem scheinen mir dabei, bis auf zwei Ausnahmen, die Charaktere zu sein, die so unscheinbar geraten sind, als ob der Autor sie nur aus dem Orbit beobachtet hätte. Aber auch die Handlungsentwicklung ist enttäuschend. Wie so oft, wenn Science Fiction in eine Äonen entfernte Zukunft blickt, weicht fundierte Spekulation immer mehr esoterischen Szenarien. Berühmtestes Beispiel dafür ist sicher das Ende von Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum (nach der Novelle von Arthur C. Clarke).

Im Zentrum des dritten Bandes steht Cheng Xin, eine junge Wissenschaftlerin, die zwar begabt und beliebt ist, aber eher zufällig die Geschicke der Menschheit beeinflusst. Durch lange Kälteschlafphasen erlebt sie die entscheidenden Kapitel der Geschichte und ist nebenbei noch in eine tatsächlich kosmische Romanze verstrickt. Sie ist für mich die einzige Identifikationsfigur. Allerdings strotzt der Band nur so vor nüchterner Exposition, nicht nur in den kurzen essayistischen Zwischenkapiteln, sondern auch in den übrigen Abschnitten.

Der erste Teil wirkt fast wie eine Resteverwertung. Besonders irritiert hat mich der Prolog, der 1453 den Fall Konstantinopels schildert, mit einer kleinen magischen Ausschmückung, die wohl eine Vorahnung auf zu entdeckende fünfdimensionale Phänomene geben soll. Dann geht es in die frühen Jahre der Trisolar-Krise, mit der Beschreibung eines parallelen Projekts zum Wallfacer-Programm (Wallfacer Luo Ji aus The Dark Forest taucht noch ab und an auf), mit dem aberwitzigen Ziel, der trisolarischen Invasionsflotte das gefrorenes Gehirn des todkranken Yun Tianming entgegenzuschicken - diese Figur ist die zweite, die etwas plastischer wirkt, verschwindet aber zu schnell aus der Erzählung.

************ ES FOLGEN KLEINE SPOILER *************************

Im zweiten Drittel versucht dieser Yun Tianming, von den Trisolarern tatsächlich reanimiert, über ein dreiteiliges Märchen der Menschheit hinter dem Rücken der Trisolarer Informationen zukommen zu lassen. Das ist tatsächlich eine hübsche, gut ausgeführte Idee. Die sich dahinter verbergenden technischen Konzepte sind allerdings teilweise haarsträubend (insbesondere die Konvertierung von dreidimensionalen in zweidimensionale Objekte). Aus der Entschlüsselung des Märchens resultiert dann die "Bunkerphase", in der sich ein Großteil der Menschheit in Habitaten im Schatten der Großplaneten (Jupiter, Saturn etc.) vor der drohenden Zerstörung der Sonne zu verstecken versucht. Wie viele der Hard SF zuzuordnende Autoren unterschätzt m.E. Liu hier die gesellschaftlichen Probleme und überschätzt die technischen Möglichkeiten. Eine realistischere (wenngleich dramaturgisch auch nicht bessere) Darstellung einer solchen Flucht ins Weltall kann man in Neal Stephensons Seveneves nachlesen. Die Idee eines Teilchenbeschleunigers im Orbit um die Sonne ist allerdings nett.

Danach wurde es mir dann endgültig zu bunt, mit der Manipulation von physikalischen Konstanten (Verringerung der Lichtgeschwindigkeit), relativistischen Reisen durch die Äonen und außerdimensionalen Blasen, die Douglas Adams Restaurant am Ende des Universums Konkurrenz machen könnten.Dass am Ende dann die kosmische Romanze auch noch in den Weiten des Universums verpufft, passt zum Gesamteindruck. Die Übersetzung scheint mir übrigens sehr gut gelungen, die Kindle-Ausgabe ist tadellos formatiert. Zum Glück hat sich Cixin Liu  mit den beiden Vorgängern bei mir bereits fest etabliert - gerade habe ich zum fairen Preis seinen Kurzgeschichtenband "The Wandering Earth" erstanden und bin schon sehr gespannt...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen