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Samstag, 20. Mai 2017

Im Weltall hört dich keiner Gähnen: Alien: Covenant (4/10)

Es war einmal ein kleiner SF-Horror-Film, der durch eine Verkettung glücklicher Umstände über sich hinauswuchs, Fortsetzungen und Querschläger inspirierte und immer noch zurecht als Klassiker des Genres gefeiert wird. Alien nahm 1979 seinen Namen noch ernst und schlug maximales Kapital aus der Fremdartigkeit der Bedrohung, mit sparsamer Zurschaustellung der Designs des Schweizer Künstlers HR Giger. Daraus resultierte ein packender Überlebenskampf, aus dem (für die damalige Zeit ungewöhnlich) eine starke Frau als Siegerin hervorging. Regisseur Ridley Scott wurde damit berühmt.



Lange sorgten andere für das Fortleben der Aliens, aber nun versucht der inzwischen 79jährige, 2003 von der Queen zum Ritter geschlagene Engländer, Original und Fortsetzung als Eckpfosten seiner ansonsten durchwachsenen Karriere zu inszenieren. Aus meiner Sicht zerstört er damit eher den Mythos, den er miterschaffen hat, genauso wie bei der kommenden Fortsetzung seines Opus Magnissimum Blade Runner, die er allerdings lediglich produziert. Aber trotz gelegentlich hübschen Beiträgen (Ein gutes Jahr, 2006) und Publikumslieblingen (Der Marsianer, 2015) sind seine besten Zeiten lange vorbei. Oscar-Ehren gab es nur für das (tatsächlich feministische) Roadmovie Thelma & Louise (1991) und den ultrabrutalen Sandalenfilm Gladiator - der "Beste Film" des Jahres 2000 blieb für mich allerdings weit hinter seinen Vorbildern wie z.B. Spartacus zurück, und der Oscar für die Beste Regie ging an Steven Soderbergh (dessen Meisterwerk Traffic auch die Krone verdient gehabt hätte).



Alien: Covenant verkehrt die Stärken von Alien in ihr Gegenteil. Die Besatzung der Nostromo bestand aus sympathischen Typen, deren Schicksal den Zuschauer bewegte. Die Crew der Covenant ist weitgehend eine Nummernrevue von Komparsen, deren Beweggründe undurchschaubar bleiben und die mit ihren Aktionen lediglich die Handlung vorantreiben. Ist es zu viel verlangt von heutigen Drehbuchautoren, sich in eine futuristische Situation hineinzuversetzen und plausible Reaktionen zu erfinden? Stattdessen verhalten sich die Profi-Raumfahrer wie grüne Rekruten. Am menschlichsten wirken die Roboter: Sie leiden mehr unter den Verlusten als ihre Schöpfer.



Auch Alien: Covenant versucht eine starke Frau aufzubauen. Nichts gegen Katherine Waterston, die hier wie auch in Phantastische Tierwesen kompetent und nett rüberkommt, aber sie ist nicht Sigourney Weaver, und Daniels ist nicht Ripley. Aus politischer Korrektheit heraus gibt es heute oft eine Frauenquote von 1:2 (gegenüber 1:5 von vor 30 Jahren), aber was nützt das, wenn Männer- und Frauenfiguren beliebig austauschbar sind? Ripley war taff, hatte aber eine feminine Charakterisierung, was James Cameron in seiner fulminanten Action-Forsetzung Aliens zu einem Zweikampf der Mütter zuspitzte. Daniels dagegen hätte man ohne jegliche Drehbuchänderungen mit einem Mann besetzen können (analoges gilt übrigens für das kaum wahrnehmbare Männerpärchen).



Der schlimmste Fehler von Alien: Covenant ist aber ein anderer. Ich sprach schon von der Dekonstruktion eines Mythos. Das passiert hier leider buchstäblich. Fast jeder Schockeffekt des Originals wird hier wiederholt, aber in Großaufnahme und im Zeitraffer. Heutigen Zuschauern ist offenbar nicht zuzumuten, länger als fünf Minuten auf die Konsequenzen einer Infektion zu warten. Und als der Captain so unschuldig das Alien-Ei begutachtet, ist meine einzige Reaktion Verwunderung - über die Dummheit der Figur und die Dreistigkeit der Drehbuchautoren (während Alien vom Team O'Bannon/Shusett stammt, kam hier ein Komitee unter Teilnahme des Oscar-nominierten Veteranen John Logan zum Zuge). Daher mein Vorschlag für einen deutschen Verleihtitel: "Alien: Alte Bekannte".



Und wie üblich in sogenannten "Origin"-Filmen, wird jedes Geheimnis so lange auseinandergenommen, bis es auch jedes Schulkind verstanden hat. Willkürliches Zitieren von Byron und Shelley gibt dem Ganzen auch keinen doppelten Boden. Schon gar nicht das Gequängel des Ersten Offiziers, er werde nur wegen seines "Glaubens" nicht ernstgenommen (nichts gegen Billy Crudup, aber das war ziemlich lächerlich). Nachdem ich mich durchaus 40 Minuten auf die stilsicher ausgestattete SF-Welt einlassen wollte, habe ich mich nachfolgend nur noch amüsiert zurückgelehnt und die Geschehnisse aus der Ferne beobachtet. Nur durch Michael Fassbender, schon das einzige Highlight im Vorgänger Prometheus, hier in einer cleveren Doppelrolle, war das dann doch noch Erträglich (4/10).

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