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Freitag, 22. Dezember 2017

Das Wars: Die letzten Jedi (4/10)

Die beste Option für Episode 8 ist möglicherweise, die Augen zu schließen und die herrliche Musik von Altmeister John Williams zu genießen. Die wird leider ab und zu durch Explosionen und Schießereien unterbrochen, auch mal durch meist peinliche Dialoge. Zwar würde man dann auch die tollen Darstellungen der Althelden Mark Hamill und Carrie Fisher verpassen, die allerdings, vom Script im Stich gelassen, weitgehend im luftleeren Raum agieren - Leia sogar buchstäblich. Auch den Jungschauspielern kann man nichts vorwerfen, vor allem Daisy Ridley, die Rey bravourös als Ritterin ohne Furcht und Tadel verkörpert. Sogar Fiesling Adam Driver vermag seiner Rolle ein paar Nuancen zu geben, nachdem er endlich die doofe Maske ablegen darf (hier spricht mir Supreme Leader Snoke aus der Seele). Ich wünschte allerdings, er hätte sein T-Shirt angelassen.

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Leider habe ich dem Verhängnis offenen Auges ins Gesicht gestarrt. Zunächst wohlwollend, dann immer mehr irritiert, wegen mancher Längen auch gelangweilt, wurde mir immer unwohler bei der Ausbreitung dieses Puzzles von Versatzstücken, die nicht zusammenpassen und am Ende weniger als die Summe ihrer Teile ergeben. In meiner Kritik zur Vorgängerepisode hatte ich bereits vermerkt, dass Nostalgie nun von Neuerungen abgelöst werden müsse. Aber man hätte schon versuchen können, den Ton von Star Wars zu treffen. Nichts gegen ein bisschen Humor (über die putzigen Porgs konnte ich durchaus schmunzeln), nichts gegen ein Kommandounternehmen, welches zur Abwechslung mal schiefläuf, aber Twists um der Twists willen kotzen mich langsam an. Und der Twist, der im Vorfeld am meisten gehypt wurde, entpuppt sich als kein Twist. Mehr ist den Autoren nicht eingefallen? Man kann gegen George Lucas eine Menge einwenden, aber die Ursprungstrilogie folgte einem schlüssigen Konzept, und die aufgebauten Geheimnisse wurden zufriedenstellend aufgelöst. Dabei blieb ein gesundes Maß an Mysterium erhalten. Erst in der Folgetrilogie bekam etwa der Imperator eine Backstory, die diese Figur aber eher entzaubert hat. In der neuen Trilogie hat sich der zweite Autor (und Regisseur) Rian Johnson bereits soweit von J.J. Abrams' Ansatz getrennt, dass ich für dessen Abschlussepisode (er wird mangels Freiwilligen auf den Regiestuhl zurückkehren) nur noch Dunkelheit sehen kann.

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Star Wars war noch nie Science Fiction, aber nun entschwebt es endgültig ins Reich der Fantasy. Alle Regeln, die bislang für die Macht galten, werden gesprengt, Potestas ex machina sozusagen. Dass Rey im ersten Film bereits einem ausgebildeten Jedi (oder Sith) im Lichtschwertduell ebenbürtig war, konnte man gerade noch schlucken. Was nun aber alles möglich ist, hätte man sich nicht träumen lassen. Auch wurde die Macht bisher nie als Religion dargestellt - das ist eine Interpretation übereifriger Fans. Ich habe sie immer als eine leicht pantheistisch angehauchte Weltanschauung betrachtet. Nun finden sich sogar mystische Bäume und heilige Texte. Das passt übrigens zur modernen amerikanischen Unternehmenskultur, gemäß derer Ausbildung überflüssig und alles aus Büchern erlernbar ist. Apropos Lehrer - wie kann man ein Cameo von Kermit the Frog Master Yoda nur so verhunzen (Frank Oz, wie konnten Sie nur?)

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Die komplette Handlung der Episode 8 spielt sich an einem einzigen Tag ab und lässt sich spoilerfrei so zusammenfassen: "Die Rebellenflotte ist auf der Flucht vor der Ersten Ordnung, und ihr geht langsam der Sprit aus." Innerhalb dieses Tages besuchen zwei Figuren mal eben einen exotisch-kapitalistischen Waffenhändlerplaneten, um einen Codebreaker aufzutreiben (gab es jemals eine sinnlosere Nebenhandlung?). Gleichzeitig durchläuft Rey ihre Jedi-Ausbildung, ist aber rechtzeitig zurück, um den "Funken der Rebellion" zu retten. Erinnert sich noch jemand an die komplizierte Karte zu Luke Skywalkers Eremitage, um die es in Episode 7 ging? Das Ziel war offenbar gleich um die Ecke, denn der Millenium Falcon kann die Entfernung binnen Stunden zurücklegen (hin und zurück). So wie die Entfernungen in Westeros jüngst auf Drachenflugweite zusammengeschrumpft sind, so winzig scheint die Galaxie "weit, weit weg" nun plötzlich zu sein. Für eine epische Erzählung braucht es Geduld, aber die wird jungen Zuschauern wohl nicht mehr zugetraut.

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Und was bleibt am Ende übrig? Oder vielmehr wer? Ich finde es schon reichlich zynisch, dass die Rettung einer Handvoll Rebellen als Erfolg gewertet wird (Hauptsache, die Hauptfiguren sind dabei). Nicht einmal Star Trek entledigt sich so skrupellos Tausender von Redshirts. Das ist auch nicht "düster", sondern einfach nur gefühllos. Es erinnert mich an die zweite (und wahrscheinlich letzte) Staffel der Shannara-Chroniken, zu deren Ende es nun endgültig alle Handlungstragenden über 30 dahingerafft hat, so dass die Teenager endlich unter sich sind und sich ungestört ihren Balzproblemen widmen können. Gut, dass Carrie Fisher das nicht mehr erleben musste (Mark Hamill hat schon überraschend deutlich erklärt, dass er mit dem Weg seiner Figur nicht einverstanden war). Hoffen wir mal, dass Leia in Episode 9 nicht per Zombie-Technik am Leben erhalten wird. Unnötig verschenkt ist die Kunst von Andy Serkis, der als Supreme Leader Snoke zwar alle Register seines Könnens zieht, aber von den Autoren jämmerlich verraten. Von Captain Fantastic Gwendoline Christie ganz zu schweigen (führt man den Kalauer fort, dann wäre Finn der Dirt Brown Cowboy - politisch total unkorrekt. Pfui, Bernie Taupin!).

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Eigentlich habe ich gar nichts gegen einen Generationswechsel. Daisy Ridley als Rey habe ich schon gelobt, auch John Boyega als Finn gefällt mir trotz seines albernen Handlungsbogens nach wie vor. Gleiches gilt für Oscar Isaac als Cameron Crowe Poe Dameron, eine Figur, die Eltern wohl kaum bei der Namensgebung inspirieren wird. Er hat mehr zu tun als im Vorgängerfilm, muss aber auch als Prügelknabe und Möchtegernheld herhalten. Finn bekommt übrigens einen Sidekick spendiert, in Form der Kalifornierin (mit vietnamesischen Vorfahren) Kelly Marie Tran. Dass ihre Figur auf Dauer nervt, will ich der sympathischen Darstellerin nicht ankreiden (Diversität ist immer positiv, aber diese Besetzung ist sicher auch eine Anbiederung an den asiatischen Markt). Oscarpreisträger Benicio del Toro als Codebreaker hat so ungefähr zwei gute Momente, sein Talent ist ansonsten aber verschwendet. Für Laura Dern entwickle ich langsam Hassgefühle. Nach ihrem unangenehmen Auftritt in Twin Peaks: The Return spielt sie nun eine unpassend militärisch geprägte Vizeadmiralin (sagt man das so?) Niemals hatte eine Figur den Zuspruch "Möge die Macht mit dir sein!" mehr nötig als Holdo, denn vor ihrer neonfarbenen Perücke schreckt sicher selbst die Macht zurück.

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Ausnahmsweise sprechen die IMDB-Nutzerkritiken mir mal aus der Seele (noch deutlicher als beim Bastard Rogue One). Die letzten Jedi ist kein echter Star-Wars-Film, aber schlimmer: es ist ein schlechter Film. Fragt sich, wer all die Kritiker bestochen hat, die einen Metascore von momentan 86/100 spendiert haben. Oder wer denn diese sogenannten Kritiker überhaupt sind. Wegen der sympathischen Darsteller und aus (allerdings verblichenem) nostalgischen Gefühl heraus ergibt sich meine persönliche Wertung: Erträglich (4/10).

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