Suche im Blog

Sonntag, 10. Dezember 2017

Meine Abenteuer mit Sky Ticket

Seit mehr als 15 Jahren pfeife ich aufs lineare Fernsehen. Ich bin weder über Kabel noch Satellit angeschlossen, und neuerdings empfange ich über DVBT nur noch die öffentlichen Sender. Selbst bei Arte schaue ich nicht mehr vorbei (früher habe ich dort ab und an einen Film aufgenommen). Neben Konserven (Blu-ray) greife ich in den letzten Jahren mehr und mehr auf Streamingdienste zu. Wie man meinem Blog unschwer entnehmen kann, ist dort Netflix mein Favorit, schon weil dort praktisch jeder Film und jede Serie auch im (meist englischen) Original verfügbar ist. Aber auch bei Amazon Prime werde ich gelegentlich fündig, zuletzt mit den jeweils zweiten Staffeln von Lucifer, Preacher und den Shannara-Chroniken (das ist die ultimative Guilty Pleasure unter den Fluchtfantasien: schöne junge Menschen vergnügen sich in tollen Landschaften - ein wunderbarer Ausgleich zu Babylon Berlin).

Embed from Getty Images

Aufgrund der immer noch unverschämten Preise nutze ich nur sehr selten PayPerView zum Streamen. Schwer erhältliche Folgen oder Filme kaufe ich schonmal bei iTunes oder Amazon, aber der übliche Preis von 5 Euro für die HD-Version steht in keinem Verhältnis zu den Preisen, der Qualität und dem Zusatzkomfort physischer Medien.

Embed from Getty Images

Nach der Abwicklung des Amazon-eigenen Lovefilm-Versands nutze ich übrigens nun ein vergleichbares Leihpaket von Videobuster. Der größte Unterschied zu Lovefilm ist, dass die pfiffigerweise immer gleich zwei Scheiben im Umschlag versenden, der ansonsten auf dem gleichen Patent beruht. Tip: Man sollte die Flex-Option zunächst deaktivieren, denn ansonsten bekommt man zusätzlich zu der vorgesehenen monatlichen Anzahl von Filmen automatisch weitere Sendungen, die zusätzliches Geld kosten (soweit ich das verstanden habe). Das Angebot von Videobuster scheint mir ähnlich wie das von Lovefilm, aber wahrscheinlich ist der Service noch nicht so überlaufen, denn bisher habe ich stets die Titel mit der höchsten Priorität meiner Wunschliste sofort bekommen. Dabei waren übrigens auch schon UHD-Blu-rays!

Embed from Getty Images

Da nun O2 einen Einsteigetarif bot und dort exklusiv Twin Peaks: The Return, Game of Thrones und Babylon Berlin laufen, habe ich mich nun für ein halbes Jahr auf Sky Ticket eingelassen. Nachdem die genannten Serien nun abgelaufen sind, bin ich froh, mein Abonnement wieder kündigen zu können. Dass sich der Premiere-Nachfolger überhaupt hierzulande halten kann, liegt wohl nur an der Fußballvernarrtheit der Deutschen. Einige Gründe für meinen Frust:

Der Preis

10 Euro im Monat erscheinen zunächst fair und wären vergleichbar mit den Kosten der Konkurrenz. Das ist allerdings nur der Preis für das sogenannte "Entertainment Ticket" für TV-Serien. Kinofilme und Sport müsste man separat dazubuchen, das wären dann 30 Euro pro Monat. Lächerlich.

Das Angebot

Sky wirbt damit, Partner von HBO zu sein. Prima, dachte ich, dann schaue ich mal in Westworld rein. Pustekuchen - der neue Hoffnungsträger des GoT-Studios war im Sommer nicht verfügbar. Im Herbst, als ich mir bereits die UHD-Veröffentlichung bestellt hatte, wurde die Staffel dann mit großem Tamtam wieder bereitgestellt. Darüber hinaus finden sich viele Ladenhüter oder Serien, die auch woanders verfügbar sind, oft nicht in englischer Sprache (was in der Übersicht gar nicht leicht feststellbar ist).

Allgemein gilt darüber hinaus, dass oft nur einzelne Staffeln oder sogar nur einzelne Folgen der beworbenen Serien zur Verfügung stehen, die gerade auf den Sky-Kanälen gelaufen sind. Sky Ticket ist kein Streaming-Service, sondern eine wurmstichige Mediathek für das altbackene Premiere-Programm.

Die Technik

Auch bei der Technik hinkt Sky hinterher. Die Neuigkeit vom Digitalton hat sich noch nicht bis zu diesem Anbieter durchgesprochen. Dolby Surround ist das Maximum, was man erwarten kann. Von UHD ganz zu schweigen - meist scheint die Bildqualität nur bis 720P zu reichen. Auch die Wartezeiten bis zum Streaming-Start sind länger als gewohnt. Dazu passt, dass bei "Twin Peaks" zunächst die Folgen 13/14 vertauscht wurden, so dass zum gewohnten Tag dann keine neue Folge angeboten wurde. Bei "Game of Thrones" bin ich deshalb doch auf iTunes-Folgen ausgewiechen.

Sky sieht das Serienangebot offenbar als eine bunte Sammlung von Einzelepisoden. Hat denn Netflix die einzig sinnvolle Herangehensweise patentiert? Logisch wäre die Navigation von der Serie zur Staffel zur Einzelfolge. Schon bei Amazon Prime stehen die Einzelstaffeln (oft noch getrennt nach deutscher und Originalfassung) separat, auch etwa in den Suchergebnissen (dort gibt es dann oft eine Mischung von Flatrate- und Bezahlinhalten). Sky muss diesem Unfug noch einen draufsetzen. Selbst die Liste der gesehenen Titel enthält eine bunte, ungeordnete Mischung von Einzelfolgen, oft auch noch mit abgelaufenen (nicht mehr verfügbaren) Folgen: "This content has currently expired". Das kommt übrigens so häufig vor, dass es (immerhin) eine Suchkategorie "Letzte Chance" gibt. Bei Twin Peaks etwa lief das so: zwei Tage lang war die neue Folge nur in OF im Programm. Dann wurde die OF auf "abgelaufen" gesetzt (aber nicht entfernt), und es kam die deutsch-englische Variante hinzu.

Die Bedienung

Hier beurteile ich im wesentlichen die App meines modernen Samsung-Fernsehers. Auf dem iPad sieht es aber wohl nicht besser aus. Zunächst einmal muss ich mich bei jedem Aufruf (sogar mehrmals innerhalb eines Tages) erneut mit meiner vierstelligen Pin-Nummer anmelden. Und zum Anmeldebildschirm muss man erstmal hinnavigieren! Dazu kommt, dass bereits ab FSK16 der Jugendschutz greift und ich dafür zusätzlich nochmals eine Pin eingeben muss. Aber vielleicht ist es schon ein Fortschritt, dass ich solche Inhalte überhaupt tagsüber anschauen darf. Im linearen Fernsehen gelten immer noch die bizarren Regeln aus den 60ern: FSK16 ab 22 Uhr und FSK18 ab 23 Uhr. Jugendliche würden sich bestimmt darüber amüsieren, wenn sie am alten Fernsehmodell noch Interesse hätten.

Habe ich mich also angemeldet, lande ich immer erst bei den Filmen, die aber gar nicht Teil meines Tickets sind. Zu den Serien muss ich erst mühsam hinnavigieren. Auch die zuletzt gesehene Serie ist nicht so einfach zu finden. In der "Merkliste" wie auch unter "Zuletzt gesehen" stehen Einzelfolgen. Manchmal gibt es einen Button, um die aktuelle Serie fortzusetzen, aber eine Regelmäßigkeit habe ich dort nicht erkennen können. Bei "Babylon Berlin" habe ich mir angewöhnt, immer schon die ersten Sekunden der nächsten Folge abzuwarten, damit diese dann unter "Zuletzt gesehen" auf mich wartet. Trotzdem bin ich einmal versehentlich mitten in der zweiten Staffel gelandet. Das habe ich allerdings schnell aufgrund der Zusammenfassung am Anfang ("Bisher bei Babylon Berlin") erkannt, die man übrigens nicht überspringen kann (nicht gerade dem Binge-Watching zuträglich).

Kaum erwähnenswert ist das Ärgernis, dass die Sprachumschaltung (sofern denn vorgesehen) nur mit der gelben Taste der Fernbedienung möglich ist. Die gibt es auf der Smart Remote aber gar nicht. Na super - jetzt habe ich nur deswegen wieder Batterien in die herkömmliche Fernbedienung gepackt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen