Look at your children
See their faces in golden rays
Don't kid yourself they belong to you
They're the start of a coming race
The earth is a bitch
We've finished our news
Homo Sapiens have outgrown their use
All the strangers came today
And it looks as though they're here to stay
Oh You Pretty Things
Don't you know you're driving your
Mamas and Papas insane
Let me make it plain
You gotta make way
for the Homo Superior
David Bowie machte sich bereits mit 24 Jahren Gedanken über die kommende Generation. 40 Jahre später ist klar, daß der Traum vom Homo Superior längst gestorben ist. Dafür sorgen Fernsehen, Internet, soziale Netzwerke. Ganze Subkulturen versinken im Sumpf der Modediktatur.
Die Teenager in The Bling Ring sind zwar alle ausgesprochen hübsch, aber keiner ist auch nur entfernt attraktiv. Man hat schon Seifenblasen mit komplexerer Persönlichkeit beobachtet. Daß man im Film von ihrem Innenleben nichts erfährt, mag noch Programm sein, aber auch ihr Außenleben bleibt unklar. Abgesehen von einem einzigen Kuß im Hintergrund und einer Dialogzeile ("I would totally do that manager") erscheinen sie komplett asexuell, eigentlich eine Unmöglichkeit für 17-19jährige. Dann ist da Marc (Israel Broussard), der einzige Junge, mit Modefimmel und Spaß am Crossdressing. In seinem keuschen Umgang mit den heißen Mädels kommt er weniger als schwul denn als geschlechtslos rüber. Und wie kommt es, daß das In-Girl Rebecca (potentiell atemberaubend: Neuling Katie Chang) den eher nerdig aussehenden Marc anspricht und sofort in ihren Kreis aufnimmt? Vielleicht ist mir nur der besonders hippe Rucksack oder ein tagesprogressiver Look entgangen. Emma Watson als mit dauerfröhlich-pseudoreligiöser Mutter geschlagenes Homeschooling-Opfer liefert ihre dumpfbackigen Sprüche, die als Motto jeder Mißwahl-Gewinnerin peinlich wären, immerhin mit soviel Überzeugung, daß man am liebsten weggucken möchte.
Die Attraktion des Films, der wohl aus den falschen Gründen vor allem junge Frauen anzieht, scheinen die Häuser von Paris Hilton (in echt) und anderen Starlets (nachgestellt) zu sein, die Boudoirs und begehbaren Kleiderschränke vollgestopft mit teurem Markenschrott. Bei Orlando Bloom findet sich eine urige Schatzkiste mit acht Rolex-Uhren und einem dicken Geldbündel, offenbar für künftige Notkäufe weiterer Chronometer. Die Entdeckungsreise in die Unterkünfte der Stars könnte Spaß machen, wenn sie im Großteil nicht so oberflächlich und überhastet gefilmt wäre. Wenigstens haben wir jetzt eine Vorstellung, wofür Jungmillionäre so ihr Geld rausschmeißen. Eine ordentliche Dokumentation wäre aber bestimmt erhellender gewesen. So zementiert Sofia Coppola leider ihren Ruf, nur noch Oberflächlichkeit zu zelebrieren. Die stimmige Atmosphäre ihres süß-melancholischen kleinen Meisterwerks Lost in Translation hat sie in ihren drei Nachfolgefilmen der letzten zehn Jahre nicht annähernd erreicht. Als erschreckendes Portrait einer hedonistischen jungen Generation sei denn eher Harmony Korines Spring Breakers (2012, 7/10) empfohlen - nicht auf wahren Ereignissen basierend, aber deutlich wahrhaftiger.
Allein eine gewisse philosophisch anregende Nachwirkung rettet die durchschnittliche Wertung: Annehmbar (5/10).