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Samstag, 10. Juni 2017

Witzloses Reboot: Die Mumie (3/10)

Nach mehreren Beiträgen zu "Prequels, Sequels, Squeakles" nun endlich wieder etwas aus der Reihe "Remakes, Reboots, Retreads": Die Mumie. Mutig: Nicht "Die Mumie beginnt" oder "Nick gegen die Mumie: Dämmerung im Dunklen Universum". Einfach nur "Die Mumie", als ob es das noch nie gegeben hätte.



Mit einem fatalen Startdatum zwischen Guardians und Wonder Woman wurde es kaum beworben, und doch haben es einige gemerkt (das Kino war zur Premiere fast halb gefüllt): Ethan Hunt Jack Reacher Tom Cruise hat zur Abwechslung mal wieder einen Action-Film gedreht. So aus den Augenwinkeln hatte ich irgendwas gelesen von Stunts in Schwerelosigkeit, und gleich an Mission: Impossible 6 gedacht. Die kommt zwar auch noch (nächstes Jahr), aber nein, Tom Cruise ist für Die Mumie zum Mars geflogen (na ja, bis in einen niedrigen Orbit). Passt ja auch gut zum alten Ägypten. Mitgeflogen ist als Jenny Halsey die 33jährige Annabelle Wallis ("Grace Burgess" aus Peaky Blinders), denn der bald 55jährige ehemalige Actionstar hat ein Auge für farblose Jungdarstellerinnen. Immerhin kann die athletische Blondine attraktiv rennen. Trotzdem entwickelt sich keine Chemie zwischen den beiden, weder im Flugzeug noch sonstwo (die Null-G-Szenen sind übrigens komplett als "noch mehr Action" an mir vorbeigeflogen). Dann gibt's noch eine Unterwasser-Sequenz, die wahrscheinlich aus übriggebliebenem Material aus MI:5 zusammengeschnitten wurde. Kann man alles (und ich meine ALLES) bereits im Trailer sehen.



Die Geschichte beginnt, ziemlich geschmacklos, im Irak, wo IS-Krieger antike Statuen zerschießen, bis die Söldner-Soldaten Nick (Tom Cruise) und Chris (Jake Johnson) ihnen zeigen, wie das geht, und einen Luftschlag per Drohne anfordern. Die Explosion fordert zufällig keine zivilen Opfer, sondern legt ein 5.000 Jahre altes ägyptisches Grab frei - oder ist es ein Gefängnis? (fragt die hinzukommende Jenny). Wer im Vorspann aufgepasst hat (denn bevor die Geschichte begann, gab es den üblichen Vorspann), weiss nun, dass es sich um die Prinzessin Ahmanet handelt, gut erhalten für ihr Alter, aber doch etwas bulimisch löchrig wirkend. Dass auch alle aufpassen, dafür hat ganz am Anfang das Voiceover von Russell Crowe gesorgt, der als geheimnisvoller Henry in London eine Grabesstätte für Kreuzritter entdeckt. Was diese mit einer in Mesopotamien verbuddelten ägyptischen Mumie zu tun haben, sorgt für das einzige Spannungsmoment, bleibt aber bis zum Schluss ungeklärt (wo bleibt Robert Langdon, wenn man ihn braucht?)



Jetzt kommt das genannte Flugzeug ins Spiel, denn irgendwie müssen die Protagonisten von Irak nach England und endlich ins Computer-animierte London kommen. Dort gibt es eine Reihe von Showdowns: In Waverley Abbey in Surrey kämpft man gegen Skelette, im Naturkundemuseum gegen noch mehr Skelette, und im Prodigium gibt es Pandemonium. Ab jetzt beginnen echte Spoiler! Oder auch nicht, konnte man alles schon vorher den Trailern und Werbeartikeln entnehmen.



Jedenfalls, das Prodigium ist offenbar die Schaltzentrale von Dr. Henry Jekyll, Monsterjäger und auch ohne Augenklappe ein offensichtlicher Klon von Nick Fury (der Name Nick war halt schon besetzt). Aber Russell Crowe ist nicht Samuel L. Jackson, trotz Oscar-Ehren und Klugscheisserbrille (die er zur Transformation in Mr. Hyde dann abnimmt - überraschend wiederum nur für Leute, die noch nie was von Stevensons Roman gehört haben). Dafür bekommt er den größten Lacher des Films, als er Tom Cruise als "junger Mann" anspricht. Tatsächlich ist der Gladiator mit dem Schönen Verstand zwei Jahre jünger als das Stuntwunder mit den geweissten Zähnen. Trotz dessen gut geöltem Oberkörper ist es weit hergeholt, dass Ahmanet den hübschen ägyptischen Jüngling aus dem Vorspann durch diesen ollen Scientology-Priester ersetzen will - auch wenn sein Gebiss noch gut erhalten ist. Zurück zum Prodigium - das wirkt mehr wie ein Provisorium mit Sicherheitstüren und allem Pipapo, allerdings gefüllt mit zerbrechlichen Glasvitrinen, damit es bei der Prügelei zwischen Nick und Henry ordentlich scheppert. Die Inhalte (Überbleibsel von Vampiren, Werwölfen etc.) rauschen am Zuschauer allerdings ähnlich schnell vorbei wie die Videoclips zu Aquaman, The Flash etc. in Batman vs. Superman.



Für alle, die dieser komplizierten Geschichte nicht folgen können, gibt es weitere Erklärungen von Russell Crowe, der sich beste Mühe gibt, Morgan Freeman den Rang abzusprechen. Hinzu kommt nun Chris, inzwischen zum Zombie mutiert (lange, langweilige Geschichte), der seinen Kumpel Nick immer wieder mit guten Ratschlägen heimsucht ("Tu was sie sagt, sie ist mächtig!"). Nichts gegen den Komiker Jake Johnson, der als "Nick" (schon wieder ein Nick? Wen wollt Ihr hier verwirren?) in der Sitcom New Girl an der Seite von Zooey Deschanel schlumpfig-spaßig agiert (es war sein peinlicher Kumpel "Schmidt", den ich nach einer Saison nicht mehr ertragen konnte).



Vor dem Mumifizieren werden der Leiche zunächst alle Organe entnommen (das Gehirn durch die Nase - argh). Leider ist dies ein gutes Bild für die Entstehung dieses Films. Regisseur Alex Kurtzman ist bestimmt ein netter Mensch, und hat sich als Autor der Genreshows Xena, Alias, und Fringe einen Namen gemacht, bevor er als "Schöpfer" von Sleepy Hollow (das immerhin eine tolle erste Staffel hatte), dem Reboot von Hawaii Five-0 und der neuen, nun endgültig noch für dieses Jahr erwarteten neuen Star-Trek-Serie Discovery zum Produzenten aufstieg. Nebenbei trug er zu mehr oder minder erfolgreichen Kinodrehbücher bei, so zu den Star-Trek-Reboots, Transformers und The Amazing Spider Man 2 (offenbar leidet er an Sequelphilia). Als Regisseur hat er aber bisher nur das nette, mit u.a. Chris Pine und Michelle Pfeiffer toll besetzte Comedy-Drama Zeit zu leben auf seinem Resümee, und mit diesem teuren Action-Spektakel hat er sich kräftig überhoben. Für das Studio war er ohnehin nur die dritte Wahl, nach u.a. Underworld-Regisseur Len Wiseman. Zusätzlich ist er als einer von sechs Autoren genannt, übrigens ohne seinen langjährigen Schreibpartner Roberto Orci.



Warum gerade die Mumie? Für meine jüngeren Leser muss ich jetzt ein wenig weiter ausholen. Das Studio Universal veröffentlichte in den 30er und 40er Jahren eine Reihe überaus erfolgreicher und auch heute noch sehenswerter Horrorfilme, darunter Dracula mit Bela Lugosi (1931), Der Wolfsmensch mit Lon Chaney Jr. (1941), James Whales Meisterwerke Frankenstein (1931) und Frankensteins Braut (1935) mit Boris Karloff als Monster, und eben Die Mumie (1931) mit erneut Karloff als Imhotep (und sein kaum weniger geheimnisvoller Widersacher). Das waren von den deutschen Expressionisten beeinflusste Kammerspiele in Schwarzweiss, mit wenig Action und umso mehr Atmosphäre. Als Mumie war Karloff, mithilfe eines damals bahnbrechenden Makeups, eine absolut magnetische Erscheinung. Die Geschichte des Schamanen Imhotep, der sich in die Frau des Pharaos verliebt und darum alles verliert, war wie alle guten Monstergeschichten im Kern eine Tragödie. Ist es wirklich eine gute Idee, diese Monster und/oder ihre Jäger nun zu Helden eines Dunklen Universums zu machen? Und ist es redlich, aus Whales' von vielen (nicht mir: ich mag beide, ziehe aber den ersten vor) als überlegen angesehenen Frankenstein-Fortsetzung den Spruch "To a new world of gods and monsters"zu zitieren, nachdem dieser bereits für Bill Condons bewegende Biographie seiner letzten Jahre Pate stand: Gods and Monsters mit Ian McKellen als James Whale und Brendan Fraser (s.u.) als seine (erfundene) letzte Liebe?



Warum gerade die Mumie? Ich bin gar nicht orientiert, ob die Flops Dracula Untold (2014, mit Luke Evans) und Wolfman (2010, mit Benicio Del Toro) schon dazugehören oder erneut neu erfunden werden sollen, aber rein von der "Mumie" ausgehend, scheint mir das Franchise-Projekt bereits in den Anfängen gescheitert. Und: Während Marvel weitgehend unbekannte oder zumindest überraschende Darsteller für seine Helden gefunden hat, versucht Universal Zuschauer mit abgehalfterten Altstars zu ködern (neben Russell Crowe und Tom Cruise sind u.a. Johnny Depp als der "unsichtbare Mann" und Angelina Jolie als Frankensteins Braut angekündigt). Einen Mumienfilm, bei dem die Titelfigur zur Staffage wird, halte ich jedenfalls für sinnlos. Dabei hat man mit Sofia Boutella eine elektrisierende Darstellerin gefunden, die in wenigen Minuten eine emotionale Bindung zum Zuschauer aufbauen kann, obwohl ihre Figur dazu nicht gerade einlädt. Anders als Imhotep handelt die Pharao-Tochter Ahmanat nämlich nicht aus Liebe, sondern rein aus Geltungssucht. Sie will den Thron erben und dreht durch, als ihre Stiefmutter dem Pharao doch noch einen Sohn gebärt. Keine Tragik, kein Mitleid - eigentlich, denn: Sofia Boutella. Man sieht hier zwar auch nicht viel mehr von ihren Beinen als in Kingsman, dafür hat sie neckische Tattoos und zwei (2!) Pupillen pro Auge.



Warum gerade die Mumie? Da gab es doch schon was um die Jahrhundertwende? Ja, und zwar Actionspektakel mit Brendan Fraser und Rachel Weisz, in der, wenn nicht Stein-, dann zumindest Bronzezeit der CGI-Effekten. Der erste Teil (1999) und seine Fortsetzung (2001) waren Überraschungshits, der dritte Teil 2008 dann ein müder Nachgedanke. Dazwischen gab es Spinoffs um eine Nebenfigur von Die Mumie kehrt zurück, nämlich den "Scorpion King". Wäre jetzt nicht weiter erwähnenswert, wenn der Hauptdarsteller nicht inzwischen der größte Boxoffice-Star Amerikas geworden wäre: Dwayne Johnson, damals noch mit seinem Wrestling-Alias "The Rock" angekündigt. Jedenfalls sind trotz veralteter Effekte die Originalfilme auch heute noch sehenswert (die sich übrigens ebenfalls am Imhotep-Mythos anlehnten, mit einem gut passenden Arnold Vosloo als Mumie). Ihren Charme beziehen sie nicht zuletzt aus der Handlungszeit zwischen den Weltkriegen. Zur DVD-Veröffentlichung notierte ich (Regisseur war Stephen Sommers, von dem man nach dem lachhaften Van Helsing von 2004 mit Hugh Jackman nicht mehr viel gehört hat):

Schon wieder habe ich keinen Regisseur parat - macht nix bei diesem Film. Ausschlaggebend waren wohl mehr ein gutes Buch, sympathische Hauptdarsteller und tolle Tricks aus dem Computer (aber filmdienlich, nicht als Selbstzweck). Beinahe wäre ich nicht in den Genuß gekommen, weil der Film als Horror verpackt war. Reingelegt - es war eine waschechte Komödie mit Thrillerelementen. Eine sehr positive Überraschung. Tut mir leid, wenn ich nicht gezittert habe, aber dafür hatte der Bösewicht zu viel Ausstrahlung, und an die menschenfressenden Käfer habe ich auch nicht geglaubt. Mal eine Neuverfilmung, die sich gelohnt hat (8/10).



Und zur direkten Fortsetzung:

Als 1999 "Die Mumie" in den Kinos anlief, war sie zwar überraschend erfolgreich, galt jedoch mit ihren eindrucksvollen digitalen Effekten eher als Generalprobe für George Lucas' erste Sternenwahn-Episode. Nur zwei Jahre später werden wir mit ähnlich aufwendigen Werken geradezu überrannt: "Jurassic Park III", "Tomb Raider", "Pearl Harbor", "Herr der Ringe", "Harry Potter" - all diese Projekte wurden erst durch die rasante Entwicklung der Computer-Technik möglich. Trotzdem ist das ganze immer noch ziemlich teuer - so muß man befürchten, daß nicht genug Geld für Drehbuchautoren übrig blieb. Jedenfalls erweckt "Die Mumie kehrt zurück" eher den Eindruck, da habe jemand die Geschichte des ersten Films in einen elektronischen Drehbuchgenerator gespeist und als Vorgaben "größer, unwahrscheinlicher, mehr von allem" hinzugefügt. Also wurden der Originalmumie Imhotep eine sadistische Gespielin und mit dem Scorpion-König ein weiterer finsterer Bösewicht zur Seite gestellt, letzterer bereits im Bewußtsein, gut für ein Prequel geeignet zu sein. Ansonsten haben die O'Connells aus Gründen der Familientauglichkeit inzwischen einen Sohn, der ähnlich unbefangen wie seine Eltern zwischen Spinnweben, Untoten und Giftschlangen zu Hause ist.

Wer den ersten Teil übrigens verpaßt hat, dem muß man erklären, daß es sich hier keineswegs um Horror handelt. Vielmehr sollte man eine (etwas alberne) Komödie mit eindrucksvoll inszenierten Kampfszenen, phantasievollen Kulissen und mäßiger Spannung erwarten. Dieses Rezept funktioniert auch beim zweiten Mal recht gut, wenngleich ich beim ersten Teil mehr Spaß hatte. Die Gags wirken etwas müde dargeboten, wofür aber einige nette Einfälle entschädigen (am besten die Enterprise-förmige Silhouette des Luftschiffes, die sich wie dereinst E.T. vor dem Vollmond abzeichnet). Natürlich werden zu keiner Zeit Atmosphäre, Spannung oder der trockene Humor etwa der Indiana-Jones-Trilogie erreicht. Insgesamt entfalten die Effekte aber ihre kurzweilige Wirkung, so daß ich das ganze als ordentliches Popcorn-Kino empfehlen kann (6/10).




Warum also jetzt erneut Die Mumie? Keine Ahnung! Noch zu erwähnen: Die 3D-Präsentation war eher schmerzhaft, die Musik vorhersehbar uninteressant. Selten allerdings, dass im Abspann soviele Darsteller als "Undead" aufgelistet werden. Das waren wohl all die Skelette, die Nick und Kumpane verkloppt haben. Warum noch drei Sterne? Ich mag halt Nutella. Mäßig interessant (3/10).

Nächste Woche: Wonder Woman! Freue mich schon ganz doll drauf, bin allerdings noch unschlüssig wegen meiner Kleiderwahl - ich habe gehört, da dürfen nur Frauen rein! Kilt oder Niquab?

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