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Montag, 2. Oktober 2017

Für den Stinkefinger: Kingsman - The Golden Circle (5/10)

Es war ja zu erwarten, dass die amerikanische Statesman-Organisation ähnlich ausgetretene Klischees bedient wie Kingsman für die Briten. Hüben Gentlemen im Massanzug, drüben Cowboys im Stetson. Hüben der kugelspeiende Regenschirm, drüben das tödliche Lasso. Aber musste es denn gar so viel John Denver im Soundtrack sein? Besonders wenn sein Gegenstück von der Insel derart lahm inszeniert wird...

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Das Spektakel beginnt mit einem Zweikampf zwischen Eggsy und einem Cyborg und erinnert an Captain America gegen den Winter Soldier. Was ist das Geheimnis des Kingsman-Drills, der in wenigen Wochen aus Waschlappen Superhelden formt? Na gut, kann man gerade noch akzeptieren. Aber dann wird in einer herzlosen Aktion sämtlicher Ballast des Vorfilms abgeworfen, einschließlich des Hündchens! Das ist harter Tobak - für die Ritter der Tafelrunde UND die Anonymen Alkoholiker war wohl kein Platz...

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Die Statesmen sind zwar bestens ausgerüstet mit Überschalljets und Cryotechnik, aber wenn's drauf ankommt, können sie doch nicht mehr als zwei Agenten entbehren, von denen einer sich mit illegalen Freizeitaktivitäten gleich selbst aus dem Rennen nimmt. "Tequila" Channing Tatum war zwar groß angekündigt, verschläft dann aber die Action - eine müde Visitenkarte für die erhoffte Fortsetzung (oder sogar einen Ableger). "Champ(agner)" Jeff Bridges wurde lediglich zur Exposition engagiert, und "Ginger Ale" Halle Berry sieht zwar mit 50 immer noch toll aus, kommt über eine Statistenrolle aber auch kaum hinaus. So steht "Whiskey" Pedro Pascal im Rampenlicht - nicht die schlechteste Option, aber der schnauzbärtige Chilene, der zuletzt schon Matt Damon an die Wand spielte, trägt sehr dick auf mit seinem Südstaaten-Akzent und seinen Amerikanismen. Starke Frauen: Fehlanzeige! Wo bleibt Charlize Theron, wenn man sie mal braucht?

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Ok, es gibt diesmal eine SchurkIN, durchaus amüsant von Julianne Moore personifiziert. Aber ihr Plot zur Erlangung der Weltherrschaft ist genauso unglaubwürdig wie ihr Rezept für den perfekten Hamburger. Von den Roboterhunden Benny und Jet ganz zu schweigen - dies übrigens eine holprige Hommage an Sir Elton John. Die übergewichtige Legende hat sich für sein erweitertes Cameo wohl ins Buch schreiben lassen, dass er am Ende seinen Wärtern in den Hintern treten darf. Wird trotzdem nichts mit dem zweiten Oscar!

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Neben Sir Elton habe ich bereits drei weitere Oscar-Preisträger aufgezählt (Berry, Moore, Bridges), - der Auftritt des vierten ist ein offenes Geheimnis, welches besser verschlossen geblieben wäre. In der 20. Instanz einer Filmreihe darf man reichlich zitieren, in der zweiten wirkt das nur peinlich. Und einfach eine alte Figur zu reaktivieren statt neue zu etablieren, ist nur ein Zeichen von Faulheit der Autoren (und Feigheit der Produzenten). Wenngleich ich durchaus über die Schmetterlinge schmunzeln konnte...

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Bleibt "Lancelot" Taron Egerton als Eggsy, dessen Wandlung vom Loser zum Gentleman das Herzstück des ersten Films war. Leider überschreitet er hier mehrfach die feine Linie zwischen Coolness und Arroganz (was seinem Mentor nie passiert wäre). So ließ mich das Innenleben der Hauptfiguren seltsam kalt, selbst das heroische Opfer einer an sich sympathischen weiteren Figur. Gleiches gilt für die romantischen Verwicklungen, bei der uns in einer computeranimierten Szene das pornographische Innenleben von Cara "Laureline" Delevinges älterer Schwester Poppy aufgedrängt wird. In den Zeiten des Megaerfolges Fifty Shades of Grey darf man sich wohl nicht wundern, dass Beziehungen mit Analverkehr beginnen und einer königlichen Hochzeit enden...

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The Golden Circle ist überlang, die dröhnende Musikuntermalung macht selbst bessere Momente schwer erträglich, und die Actionszenen wirken plötzlich reichlich mechanisch. Die futuristische Technik strapaziert die Glaubwürdigkeit (das Heilverfahren für Kopfverletzungen wäre selbst in der Stadt der tausend Planeten eine Sensation), und die Geschichte kippt mehr als einmal in Richtung geschmacklos. Die Teile, die mir gut gefallen haben, sind meist diejenigen, die aus dem Vorgänger kopiert wurden. Daher ist meine Wertung noch gutmütig: Annehmbar (5/10).

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