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Samstag, 18. November 2017

Eher zweite Liga: Justice League (6/10)

DC versucht verzweifelt, sich vom MCU abzusetzen. Statt wie Marvel auf überraschende, fachfremde Regisseure und unbekannte Gesichter zu setzen, hält man seit fünf Jahren am gleichen stümperhaften Hack Zack Snyder fest und schürte mit der Besetzung von Ben Affleck als Batman eine PR-Pleite ersten Grades. Nun präsentiert man die Justice League, mit der Absicht, die einzelnen Mitgliedern in Folge nach und nach in Einzelfilmen genauer vorzustellen. So funktioniert Teambildung aber nicht, und die sechs Hauptstreiter agieren meist nebeneinander statt miteinander. Der Ensemblefilm zerfällt in Einzelepisoden mit viel Exposition, darunter immerhin ein paar recht hübsche Szenen. Ansonsten könnte man die Handlung in zwei Sätzen zusammenfassen, spare ich mir aber. Na ja, ok: Steppenwolf sammelt drei Zauberwürfel ein, um die Welt zu zerstören, und die Justice League versucht das zu verhindern. Thank you, and good night...

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Nach ihrem furiosen Durchstarten im Sommer muss sich niemand wundern, dass Wonder Woman den Herren die Schau stiehlt, sobald sie auch nur am Rande der Leinwand zu sehen ist. Leider verpufft gleich zu Beginn ein Heldenmoment (der schon im Trailer zu sehen war) im Snyder-typischen Chaos von schnellen Schnitten und unklaren Kameraperspektiven. Aber Dianas innere Entwicklung, die sie aus dem Schatten ins Rampenlicht katapultiert, bleibt weitgehend intakt. In einer Welt, in der Superman Reden vor der UN schwingen kann, verdient auch ihre Botschaft gehört zu werden.

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Wie bei Marvel Spiderman, so ist auch bei DC der Junior im Team für die Witze zuständig. Ezra Miller als Barry Allen schlägt sich besser als erwartet, wobei ihm auch ein paar gelungene visuelle Tricks helfen. The Flash (wenn ich nicht irre, fällt dieser Name übrigens gar nicht) hat dafür die dünnste Backstory. Nur kurz taucht Billy Crudup als sein Vater auf. Für mehr wird man wohl noch Jahre warten müssen - sein Solofilm Flashpoint ist für 2020 angedacht.

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Verschenkt ist der Auftritt der Amazonen, noch immer angeführt von Dianas Mutter Hippolyta (Connie Nielsen). Im direkten Vergleich zeigt sich nochmals das Genie von Patty Jenkins, die beim spektakulären Gefecht am Strand jeder Figur Gewicht zu geben vermochte. Bei Snyder ist das Äquivalent nur eine Massenkeilerei, deren Ergebnis allein der Handlungsfortführung dient (Bösewicht Steppenwolf ergattert den ersten Zauberwürfel).

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Henry Cavill als Mann aus Stahl hat mich noch nie so recht überzeugt (besser war er allerdings in Codename U.N.C.L.E.). Diesmal kommt auch noch das Debakel um seine vom Computer rasierte Oberlippe hinzu. Supermans Rückkehr ist keine Überraschung, aber das Wie ist doch recht enttäuschend geraten - hier wäre ein interessanter Handlungsbogen drin gewesen! Immerhin reissen "seine" Nebendarsteller einiges wieder raus. Diane Lane hat einen sympathischen Auftritt, und Amy Adams wird endlich mal wieder (möglicherweise von Frauenverehrer Whedon) ins rechte Licht gerückt; buchstäblich, mit einer atemberaubenden Einstellung beim Sonnenuntergang.



Von den Neulingen im Team schlägt Jason Momoa ("Khal Drogo") als Aquaman die größten Wellen. Er hat sichtlich Spaß daran, seinen muskulären, tätowierten Oberkörper zu präsentieren und den Teamkameraden Seemannsgarn aufzutischen (nach etwas Nachhilfe durch das Wahrheits-Lasso). Aber auch für ihn wird nicht hinreichend erklärt, warum er sich dem Team anschließt - er ist irgendwann plötzlich dabei, natürlich zu einem opportunen Zeitpunkt. Sein kurzer Exkurs in sein Unterwasserreich macht mir jedenfalls Hoffnung auf sein Soloabenteuer, das Ende nächsten Jahres ins Kino kommt. Auch wenn die Atlantier diesmal nach kurzem Gefecht den zweiten Zauberwürfel an Steppenwolf verlieren.

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Ben Affleck als Batman gefällt mir immer noch. Hier spielt der 45jährige selbstironisch mit den altersbedingten Grenzen seiner Heldenpersona und muss sich von einer Frau (nun ja, technisch gesehen einer Halbgöttin) die Schulter einrenken lassen. Aber auch eine gewisse Altersmüdigkeit lässt sich feststellen - inmitten von Alkoholentzug, Scheidungsproblemen und der Verhöhnung durch die Fans könnte dies Afflecks Abschiedsvorstellung gewesen sein. Die besten Dialoge hat mal wieder Altstar Jeremy Irons als Alfred (zum Skillset des Butlers gehört heute offenbar das Hacken von Computern). Auch für ein Cameo von Commissioner Gordon (glänzend: J.K. Simmons) reicht es noch, aber von Lex Luthor (Jesse Eisenberg) fast keine Spur (ich möchte die Postcredit-Szene nicht spoil... - ups, passiert).

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Cyborg Victor Stone (Neuling Ray Fisher) schließlich  hat eine reine McGuffin-Funktion. Auch für seine Entstehungsgeschichte steht ein Altstar Pate, diesmal Joe Morton (Eureka), aber im Endeffekt bleibt seine Entwicklung unerklärt. Sie ist aber praktischerweise mit dem Schurken Steppenwolf verquickt, so dass er irgendwie zum Sieg beitragen kann. Und übrigens Steppenwolf - bis auf den Namen und die Hörner bleibt nicht viel in Erinnerung. Ciarán Hinds ("The King Beyond the Wall" Mance Ryder) tut mir schon leid, denn sein markantes Gesicht bleibt unter der Maske verborgen, und obwohl er die Figur per Motion Capture zum Leben erweckte, taucht er in den Credits nur als "Stimme" auf.

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Aus Mangel an Alternativen werden die DC-Fans trotzdem in die Multiplexe strömen. Wenn da nicht Wonder Woman gewesen wäre, könnte man die Justice League ja sogar als kleinen Schritt vorwärts betrachten. Und da viele Fans auf Zack Snyder nix kommen lassen, bietet sich als Sündenbock der Mann an, der ohnehin vom Feind kommt und dessen "romantischer" Stil sich arg mit Snyders schmutziger Unlogik beisst: Joss Whedon, der das Drehbuch von Chris Terrio überarbeitete und dann die Nachdrehs übernahm (ca. 20 Prozent des Endergebnisses sollen von ihm stammen). Na ja, wenn man nichts besonderes erwartet, kann man durchaus seinen Spaß haben. Ordentlich (6/10).

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