Es gibt zwei Persönlichkeitstypen, die Psychologen werden wollen. Die einen wollen ihre Mitmenschen verstehen lernen, was aber kein Studium vermitteln kann. Die anderen haben bereits einen gutes Verständnis ihrer Mitmenschen und wollen dieses auf eine anerkannte Grundlage stellen. Bei diesen kann man nur hoffen, dass ihnen das Studium ihre Instinkte nicht mit theoretischen Modellen übertüncht.
Zum zweiten Typ gehört definitiv Dr. Mumford (Loren Dean), der eines Tages in der Kleinstadt Mumford auftaucht und eine psychotherapeutische Praxis eröffnet. Seine Instinkte sind unverfälscht, denn tatsächlich hat er sein Studium, seine Zeugnisse und Zertifikate erfunden. Trotzdem hat er schnell eine florierende Praxis, denn er kann zuhören und bringt selbst für die merkwürdigsten Macken Verständnis auf. Da ist der Apotheker Henry (Pruitt Taylor Vince), dessen romantisch-sexuellen Phantasien als Film im Film in elegantem Schwarzweiß inszeniert sind (tatsächlich beginnt Mumford mit einer solchen Sequenz, mit Henrys Voiceover im Stil von Marlowe, wobei sein Alter Ego eine, sagen wir, stark idealisierte Version seiner selbst ist). Da sind die Goth-Schülerin Nessa (Multitalent Zooey Deschanel in ihrer ersten Rolle), die Mumford unentgeltlich behandelt (pro Boner, wie Nessa sarkastisch bemerkt), Besserwisser-Anwalt Lionel (Martin Short), die frustrierte Hausfrau Althea (Galactica-Präsidentin Mary McDonnell) mit einem Shopping-Problem, und Tech-Billionär Skip, der vom Patienten zu Mumfords Freund wird. Ex-Profi Jason Lee zeigt als Skip nebenbei ein paar Skateboard-Kunststücke, aber er hat noch eine größere Überraschung in der Garage...
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Zu Mumfords wichtigster Patientin wird allerdings die chronisch erschöpfte Sofie (Hope Davis), die er mit Spaziergängen und anregenden Unterhaltungen wieder auf die Beine bringt. Und natürlich entwickelt sich mehr zwischen Therapeut und Patientin als die Regularien erlauben. Zu den genannten Personen gesellen sich noch Alfre Woodard als Mumfords hübsche Nachbarin, Ted Danson als Altheas egomanischer Ehemann sowie David Paymer und Jane Adams als Mumfords misstrauische Kollegen. Fürwahr eine illustre Gesellschaft.
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Mumford ist also eine romantische Komödie, aber auch so viel mehr. Der deutsche Verleihtitel Dr. Mumford verkürzt dies leider, denn gleichberechtigt neben dem Doktor steht die Kleinstadt Mumford im Zentrum der Handlung, oder vielmehr ihre Bewohner. Die meisten von Lawrence Kasdans Regieprojekten zwischen 1981 und 1999 sind solche Ensemble-Werke, sorgfältig konstruiert und besiedelt mit faszinierenden Figuren, die leicht stilisiert und doch erkennbar menschlich gezeichnet sind. In seinen besten Filmen erzielte Kasdan einen Realmärchen-Effekt, der dem Zuschauer das Herz erwärmt, ohne kitschig zu wirken. Glanzstück dieser Phase ist Der große Frust (The Big Chill, 1983), der zu meinen zwanzig Lieblingsfilmen zählt. Ähnlich gelungen sind Silverado (1985) und Grand Canyon (1991). Nebenbei war er als Autor noch an ein paar kleinen Filmen beteiligt, Abenteuergeschichten wie Raiders of the Lost Ark und The Empire Strikes Back. Er schrieb auch das Drehbuch zu Bodyguard (1992) mit Kevin Costner und Whitney Houston. Vielleicht wäre das unter seiner eigenen Führung toll geworden, aber unter Mick Jackson wurde die Kitsch-Schmonzette zwar zum Kassenerfolg, kann heute aber höchstens als Guilty Pleasure genossen werden.
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Mumford wollte im Kino niemand sehen. Vielleicht liegt es am unscheinbaren Hauptdarsteller-Paar Loren Dean und Hope Davis, die zwar wunderbar agieren, denen aber ein Quentchen Star-Qualität fehlt. Unvorstellbar allerdings, dass Johnny Depp für die Hauptrolle im Gespräch war. Das wäre ein komplett anderer Film geworden, und wahrscheinlich kein besserer. Kritiker packen den Regisseur Lawrence Kasdan gern in die Ecke Kunsthandwerk. Ist das die Strafe für wohlkonstruierte Geschichten und humanistische Botschaften? Immerhin sind ein paar Oscar-Nominierungen abgefallen, für die Drehbücher von Der Große Frust, Grand Canyon und Die Reisen des Mr. Leary (Accidental Tourist, 1988). Für letzteren gewann "Thelma" Geena Davis übrigens ihren Oscar als beste Nebendarstellerin. Immerhin vergab Roger Ebert für Mumford 4,5/5 Sternen, mehr als für Der große Frust (2,5/5). Vielleicht war er in der Zwischenzeit auf den Geschmack gekommen. Meine Wertung: Herausragend (9/10).
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Mumford ist nicht als Blu-ray erhältlich, dafür aber in tadelloser HD-Qualität mit deutschem und Originalton bei iTunes. Amazon Prime bietet nur die deutsche Fassung, andere Anbieter ebenfalls die OV. Siehe die informative Seite Wer streamt es?
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Sonntag, 24. November 2019
Samstag, 16. November 2019
Von vorgestern: Yesterday (5/10)
Eine Welt ohne die Beatles kann ich mir nicht vorstellen, aber ob sie so aussehen würde wie in Yesterday? Darin ist der Endzwanziger Jack Malik nach einem globalen Blackout offenbar der einzige, der sich an die Fab Four erinnern kann. Als (erfolgloser) Singer-Songwriter kann er etliche ihrer Klassiker rekonstruieren und kommt damit mächtig ins Geschäft. Merkwürdig, dass ihm ausgerechnet Can't Buy Me Love nicht einfällt, denn dieser frühe Titel enthält die bescheidene Moral des Films. Kleiner Gag am Rande: An seiner Pinwand mit den möglichen ausschlachtbaren Songs steht auch John Lennons Soundcollage Revolution No. 9...
Der aus Cambridgeshire stammende TV-Darsteller Himesh Patel ist keine schlechte Wahl für die Hauptrolle. Er singt und spielt alle Lieder selbst. Yesterday zur Gitarre und The Long and Winding Road am Klavier klingen hübsch, Back in the USSR rockt ganz gut ab, aber oft gehen die Nuancen flöten. Mit am besten gefiel mir übrigens seine gefühlvolle Something-Darbietung in der James-Corden-Show (inspiriert vom künftigen Bond-Girl Ana de Armas), die leider aus dem ohnehin schon zu langen Film rausgeschnitten wurde (zu sehen in den Extras der UHD-Blu-ray). Dazu ist es unwahrscheinlich, dass die frühen Knaller wie She Loves You und I Want To Hold Your Hand ein heutiges Publikum noch elektrisieren könnten. Jacks Help-Version schließlich klingt fast wie ein Grunge-Song und wäre damit vielleicht schon wieder hitfähig. Aber insgesamt halte ich es für eine Utopie, dass die rohen Songs bei Millennials eine Resonanz erzeugen könnten, auch wenn eine super aufgelegte Kate McKinnon (Ghostbusters) als Marketingspezialistin ihr übelstes tut, um Jacks eher an Bob Dylan angelehnte Persona den Massen zu verkaufen.
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Überhaupt glaube ich nicht an den Verlauf der Ereignisse. Im Film wird Superstar Ed Sheeran über einen lokale TV-Auftritt auf Jack aufmerksam und nimmt ihn fürs Vorprogramm mit auf Tour, bevor die Amerikaner ihn vereinnahmen. In der Realität hätte das Studio Jack wahrscheinlich in einen Kellerraum gesetzt und Songs schreiben lassen, die dann von Taylor Swift und anderen Stars mit markttauglichem Image verwurschtelt worden wären - und dabei wären sicherlich schlimmere Dinge rausgekommen als "Hey Dude". Jacks Karriereverlauf dient im Film allerdings nur als Hindernis in der Romanze mit seiner Jugendfreundin Ellie (Lily James aus Mamma Mia: Here We Go Again). Und ach, ist das alles brav, fast möchte ich sagen, feige konstruiert: You've Got To Hide Your Love Away! Einzig nette Idee ist es, Robert Carlyle als einen 76jährigen, abgeklärten John Lennon auftreten zu lassen (der ohne Ruhm natürlich nicht mit 40 von einem enttäuschten Fan erstochen wurde), auch wenn er am Ende doch nur die übliche Weisheit von sich gibt: All You Need is Love!
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Yesterday ist ein gutes Beispiel für destruktive Interferenz im Filmgeschäft. Da gab es eine nette Idee vom TV-Autor Jack Barth, die in die Hände von Romantik-Routinier Richard Curtis geriet. Der variiert aber inzwischen nur noch sein geniales Frühwerk, mit stark abfallenden Ergebnissen. Jack Malik hat weder den spitzbübigen Charme von Hugh Grant in Vier Hochzeiten und ein Todesfall noch dessen schrulligen Freundeskreis aus Notting Hill (Joel Fry als Jacks Roady Rocky ist wirklich eine schlechte Kopie von Rhys Ifans Spike) noch dessen unbeholfenenTanzkünste aus Tatsächlich... Liebe. Und nachdem Curtis mit seinen jüngeren Regieleistungen Radio Rock Revolution und Alles eine Frage der Zeit kommerziell nicht überzeugen konnte, wurde nun ausgerechnet Danny Boyle als Regisseur angeheuert, dessen trocken-realistischer Humor aus Trainspotting und Tontaubheit aus Slumdog Millionaire sich kaum stärker von Curtis' Empfindsamkeit unterscheiden könnten. Die Making-Of-Featuretten wollen uns weismachen, dass die beiden an einem Strang gezogen haben - höchstens im Sinne eines Seilziehen-Wettbewerbs. Curtis wird nächstes Jahr 64, und Paul McCartneys berühmte Frage müssen wir wohl mit Nein beantworten: Will you still need me, will you still feed me, when I'm 64? Annehmbar (5/10).
Der aus Cambridgeshire stammende TV-Darsteller Himesh Patel ist keine schlechte Wahl für die Hauptrolle. Er singt und spielt alle Lieder selbst. Yesterday zur Gitarre und The Long and Winding Road am Klavier klingen hübsch, Back in the USSR rockt ganz gut ab, aber oft gehen die Nuancen flöten. Mit am besten gefiel mir übrigens seine gefühlvolle Something-Darbietung in der James-Corden-Show (inspiriert vom künftigen Bond-Girl Ana de Armas), die leider aus dem ohnehin schon zu langen Film rausgeschnitten wurde (zu sehen in den Extras der UHD-Blu-ray). Dazu ist es unwahrscheinlich, dass die frühen Knaller wie She Loves You und I Want To Hold Your Hand ein heutiges Publikum noch elektrisieren könnten. Jacks Help-Version schließlich klingt fast wie ein Grunge-Song und wäre damit vielleicht schon wieder hitfähig. Aber insgesamt halte ich es für eine Utopie, dass die rohen Songs bei Millennials eine Resonanz erzeugen könnten, auch wenn eine super aufgelegte Kate McKinnon (Ghostbusters) als Marketingspezialistin ihr übelstes tut, um Jacks eher an Bob Dylan angelehnte Persona den Massen zu verkaufen.
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Überhaupt glaube ich nicht an den Verlauf der Ereignisse. Im Film wird Superstar Ed Sheeran über einen lokale TV-Auftritt auf Jack aufmerksam und nimmt ihn fürs Vorprogramm mit auf Tour, bevor die Amerikaner ihn vereinnahmen. In der Realität hätte das Studio Jack wahrscheinlich in einen Kellerraum gesetzt und Songs schreiben lassen, die dann von Taylor Swift und anderen Stars mit markttauglichem Image verwurschtelt worden wären - und dabei wären sicherlich schlimmere Dinge rausgekommen als "Hey Dude". Jacks Karriereverlauf dient im Film allerdings nur als Hindernis in der Romanze mit seiner Jugendfreundin Ellie (Lily James aus Mamma Mia: Here We Go Again). Und ach, ist das alles brav, fast möchte ich sagen, feige konstruiert: You've Got To Hide Your Love Away! Einzig nette Idee ist es, Robert Carlyle als einen 76jährigen, abgeklärten John Lennon auftreten zu lassen (der ohne Ruhm natürlich nicht mit 40 von einem enttäuschten Fan erstochen wurde), auch wenn er am Ende doch nur die übliche Weisheit von sich gibt: All You Need is Love!
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Yesterday ist ein gutes Beispiel für destruktive Interferenz im Filmgeschäft. Da gab es eine nette Idee vom TV-Autor Jack Barth, die in die Hände von Romantik-Routinier Richard Curtis geriet. Der variiert aber inzwischen nur noch sein geniales Frühwerk, mit stark abfallenden Ergebnissen. Jack Malik hat weder den spitzbübigen Charme von Hugh Grant in Vier Hochzeiten und ein Todesfall noch dessen schrulligen Freundeskreis aus Notting Hill (Joel Fry als Jacks Roady Rocky ist wirklich eine schlechte Kopie von Rhys Ifans Spike) noch dessen unbeholfenenTanzkünste aus Tatsächlich... Liebe. Und nachdem Curtis mit seinen jüngeren Regieleistungen Radio Rock Revolution und Alles eine Frage der Zeit kommerziell nicht überzeugen konnte, wurde nun ausgerechnet Danny Boyle als Regisseur angeheuert, dessen trocken-realistischer Humor aus Trainspotting und Tontaubheit aus Slumdog Millionaire sich kaum stärker von Curtis' Empfindsamkeit unterscheiden könnten. Die Making-Of-Featuretten wollen uns weismachen, dass die beiden an einem Strang gezogen haben - höchstens im Sinne eines Seilziehen-Wettbewerbs. Curtis wird nächstes Jahr 64, und Paul McCartneys berühmte Frage müssen wir wohl mit Nein beantworten: Will you still need me, will you still feed me, when I'm 64? Annehmbar (5/10).
Samstag, 9. November 2019
Bill Murray Double Tap
Wer hätte gedacht, dass Bill Murray auf seine alten Tage noch unter die Zombies geht - er wird nächsten September 70! Vor zehn Jahren hatte er ja bereits sein Cameo in Zombieland, aber in diesem Jahr folgt gleich ein Doppelschlag. Und der zeigt, wie unterschiedlich die lebenden Toten auf Film gebannt werden können.
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Bei Jim Jarmusch kündigt die Auferstehung der Toten einen Weltuntergang an. Deshalb wäre The Dead Live Again auch ein besserer Titel für seinen 13. Film als The Dead Don't Die. Trotz vieler Zitate bricht Jarmusch denn auch mit den meisten Konventionen. Niemand wächst über sich hinaus und wird zum Helden, und niemand wird gerettet, bis auf Tilda Swinton. Die spielt diesmal aber wirklich sich selbst, wovon nicht mal ihr übertrieben schottischer Akzent ablenken kann, und wird schließlich stilgerecht von einem Raumschiff abgeholt, nachdem sie mit ihrem Katana noch ein paar Zombies fachgerecht geköpft hat. Zwischendurch taucht auch noch ein verzottelter Tom Waits auf - der wird im Dezember bereits 70 (und nein, das ist nicht sein eigenes Haar, er hat seine eigene Perückenmacherin).
Bill Murray, Adam Driver und Chloë Sevigny als depperte Dorfpolizisten schaut man eine Weile lang gern zu, bis sich irgendwann herausstellt, dass das Drehbuch des 65jährigen Independant-Urgesteins diesmal konzeptlos ins Leere eiert, ganz ähnlich wie vor zehn Jahren in Limits of Control. Auch das Durchbrechen der vierten Wand hilft hier nicht mehr, und Mel Brooks hat das in Spaceballs ohnehin schon besser vorgemacht. Die besten Szenen finden sich bereits im Trailer. Schade - Jarmusch' Vampirfilm Only Lovers Left Alive war schließlich ein Heidenspaß! Erträglich (4/10).
In Zombieland: Double Tap ("Doppelt hält besser") dürfte Bill Murray eigentlich nicht mehr vorkommen, schließlich wurde er bereits im Vorgänger entleibt. Aber quasi als Entschuldigung bekommen wir im Abspann noch eine herrliche Rückblende präsentiert, die insbesondere um Murrays Virtuosität mit einem Klappstuhl kreist. Bis dahin dürfen wir uns an weiteren Eskapaden des ursprünglichen Quartetts vergnügen, immer auf der Suche nach dem Zombie Kill of the Year, wiederum mit viel Charme erzählt von Columbus Jesse Eisenberg. Außer der Reihenfolge in den Credits hat sich da nicht viel verändert - statt Woody Harrelson gebührt jetzt natürlich Oscar-Preisträgerin Emma Stone die "und"-Position. Übrigens herzlichen Glückwunsch nachträglich zum 31, Geburtstag, Emma! Und obwohl Little Rocks' Suche nach Gleichaltrigen die Handlung bestimmt, hat Big Miss Sunshine Abigail Breslin doch am wenigsten zu tun (und darf ich die Vermutung äußern, dass sie sich nicht wohl in ihrer Haut fühlt?) Ansonsten habe ich in diesem Jahr noch nie so viel gelacht, und gegen Ende wird's sogar ein bisschen spannend!
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Willkommen sind allemal die Neuzugänge, vor allem die 25jährige Zoey Deutch als blondes, rosaumhülltes Klischee Madison. Ich war bislang immer ein bisschen irritiert von ihren toten Augen (selbst in Vampire Academy), aber als Wichitas strohdoofe Rivalin ist die Tochter von Lea Thompson (Marty McFlys Mutter!) und dem renommierten TV-Regisseur Howard Deutch wirklich fabelhaft. In einem weniger ausgefeilten Part ist Rosario Dawson (Sin City, Death Proof, Clerks II) eher verschwendet, aber immerhin inspiriert sie Woody Harrelson zu einer spaßigen Elvis-Parodie (die Suche nach Little Rock führt die Truppe nämlich nach Graceland). Originell ist das Ganze sicher nicht, aber auch kein Cash-In, sondern ein Werk der Liebe und einer der unterhaltsamsten Filme des Jahres. Ich hätte nichts gegen einen dritten Teil in weiteren zehn Jahren! Deshalb vergebe ich auch die gleiche Wertung wie für den Vorgänger: Sehr gut (8/10).
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Bei Jim Jarmusch kündigt die Auferstehung der Toten einen Weltuntergang an. Deshalb wäre The Dead Live Again auch ein besserer Titel für seinen 13. Film als The Dead Don't Die. Trotz vieler Zitate bricht Jarmusch denn auch mit den meisten Konventionen. Niemand wächst über sich hinaus und wird zum Helden, und niemand wird gerettet, bis auf Tilda Swinton. Die spielt diesmal aber wirklich sich selbst, wovon nicht mal ihr übertrieben schottischer Akzent ablenken kann, und wird schließlich stilgerecht von einem Raumschiff abgeholt, nachdem sie mit ihrem Katana noch ein paar Zombies fachgerecht geköpft hat. Zwischendurch taucht auch noch ein verzottelter Tom Waits auf - der wird im Dezember bereits 70 (und nein, das ist nicht sein eigenes Haar, er hat seine eigene Perückenmacherin).
Bill Murray, Adam Driver und Chloë Sevigny als depperte Dorfpolizisten schaut man eine Weile lang gern zu, bis sich irgendwann herausstellt, dass das Drehbuch des 65jährigen Independant-Urgesteins diesmal konzeptlos ins Leere eiert, ganz ähnlich wie vor zehn Jahren in Limits of Control. Auch das Durchbrechen der vierten Wand hilft hier nicht mehr, und Mel Brooks hat das in Spaceballs ohnehin schon besser vorgemacht. Die besten Szenen finden sich bereits im Trailer. Schade - Jarmusch' Vampirfilm Only Lovers Left Alive war schließlich ein Heidenspaß! Erträglich (4/10).
In Zombieland: Double Tap ("Doppelt hält besser") dürfte Bill Murray eigentlich nicht mehr vorkommen, schließlich wurde er bereits im Vorgänger entleibt. Aber quasi als Entschuldigung bekommen wir im Abspann noch eine herrliche Rückblende präsentiert, die insbesondere um Murrays Virtuosität mit einem Klappstuhl kreist. Bis dahin dürfen wir uns an weiteren Eskapaden des ursprünglichen Quartetts vergnügen, immer auf der Suche nach dem Zombie Kill of the Year, wiederum mit viel Charme erzählt von Columbus Jesse Eisenberg. Außer der Reihenfolge in den Credits hat sich da nicht viel verändert - statt Woody Harrelson gebührt jetzt natürlich Oscar-Preisträgerin Emma Stone die "und"-Position. Übrigens herzlichen Glückwunsch nachträglich zum 31, Geburtstag, Emma! Und obwohl Little Rocks' Suche nach Gleichaltrigen die Handlung bestimmt, hat Big Miss Sunshine Abigail Breslin doch am wenigsten zu tun (und darf ich die Vermutung äußern, dass sie sich nicht wohl in ihrer Haut fühlt?) Ansonsten habe ich in diesem Jahr noch nie so viel gelacht, und gegen Ende wird's sogar ein bisschen spannend!
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Willkommen sind allemal die Neuzugänge, vor allem die 25jährige Zoey Deutch als blondes, rosaumhülltes Klischee Madison. Ich war bislang immer ein bisschen irritiert von ihren toten Augen (selbst in Vampire Academy), aber als Wichitas strohdoofe Rivalin ist die Tochter von Lea Thompson (Marty McFlys Mutter!) und dem renommierten TV-Regisseur Howard Deutch wirklich fabelhaft. In einem weniger ausgefeilten Part ist Rosario Dawson (Sin City, Death Proof, Clerks II) eher verschwendet, aber immerhin inspiriert sie Woody Harrelson zu einer spaßigen Elvis-Parodie (die Suche nach Little Rock führt die Truppe nämlich nach Graceland). Originell ist das Ganze sicher nicht, aber auch kein Cash-In, sondern ein Werk der Liebe und einer der unterhaltsamsten Filme des Jahres. Ich hätte nichts gegen einen dritten Teil in weiteren zehn Jahren! Deshalb vergebe ich auch die gleiche Wertung wie für den Vorgänger: Sehr gut (8/10).
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