Eine Meditation über Menschlichkeit, Hoffnung und Freundschaft. In der IMDB ist "The Shawshank Redemption" nach dem "Paten" der bestbewertete Film. Natürlich ist er nicht der zweitbeste Film des Jahrhunderts. Aber seine Qualität ist offenbar selten unumstritten (etwas im Gegensatz zum anderen Meisterwerk von 1994, "Pulp Fiction"). Er hat eine einfache Botschaft, die man mit Worten nicht ausdrücken kann. Und genau das ist es, was ein bedeutendes Kunstwerk ausmacht.
Doch auch wer "nur" Unterhaltung sucht, wird sie hier finden. Wenige Filme können den Zuschauer für zweieinhalb Stunden derart fesseln. Und das erreicht Frank Darabont völlig ohne Action! Ruhig, bedächtig läßt er 20 Jahre vor uns abrollen. In der geschlossenen Gesellschaft des Gefängnisses wird der Lauf der Zeit nur an Kleinigkeiten deutlich - etwa an der alle fünf Jahre erfolgenden Ablehnung eines Bewährungsantrages, oder dem Wechseln der Pinup-Girls von Rita Hayworth über Marilyn Monroe zu Raquel Welsh. Diese sind übrigens die einzigen weiblichen Wesen, die eine Rolle spielen: Nicht mal eine Liebesgeschichte gibt es. Doch auch das läßt die Freundschaft zwischen den Sträflingen Andy und Red vergessen.
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Die Intensität der Darstellung ist auch das Verdienst zweier großer Schauspieler: In Tim Robbins' Gesicht spiegeln sich alle Empfindungen, die ein Mensch in 20 Jahren haben kann, und in Morgan Freemans Stimme liegt die Weisheit dessen, der all dies beobachtet und verarbeitet hat (glücklich, wer die englische Originalfassung erleben darf). Übrigens sind beide noch ohne Oscar-Ehrungen (Morgan Freeman mußte sich 1994 Tom Hanks für "Forrest Gump" geschlagen geben; an Zemeckis' Film gingen auch die weiteren Nominierungen verloren). Wie ungerecht doch manchmal die Akademie sein kann...
Man fragt sich, wie die Hollywood-Maschinerie Frank Darabont einen solchen Erstling hat drehen lassen. Manchmal geschehen solche Unfälle; Costner war immerhin schon ein Schauspieler-Star, als er "Der mit dem Wolf tanzt" drehte; mit "American Beauty" ist ein ähnliches Kunststück fünf Jahre später Sam Mendes geglückt. Was nur zeigt, daß Qualität selbst in Hollywood nicht immer untergehen muß. Man fragt sich zweitens, ob die Romanvorlage von Stephen King genauso gut ist. Kings Werke sind ja mit sehr unterschiedlichem Ausgang verfilmt worden - vom ausgezeichneten "Stand By Me" über den Erfolg "Misery" zum miserablen zweiten Versuch von Darabont, "The Green Mile". Es zeigt sich wieder einmal, daß Kino eine unabhängige und unberechenbare Kunstform ist.
Bem.: Inzwischen steht der Film an der Spitze der IMDB-Top250.
Meine Anmerkung zu "Green Mile" von damals:
Hier hat Frank Darabont so ziemlich alles falsch gemacht, was seinen Erstling "Die Verurteilten" ("The Shawshank Redemption") zu einem Meisterwerk gemacht hatte. Die Handlung ist vorhersehbar, die Charaktere sind unglaublich eindimensional und lassen sich sofort in "Gut" und "Böse" einordnen. Wenn eine Botschaft beabsichtigt war, versucht "The Green Mile" sie uns mit dem Holzhammer einzuprügeln. Das ist Kitsch in Reinkultur - schade, daß derart gute Schauspieler ihr Talent hierfür vergeudet haben.
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