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Samstag, 11. Januar 2020

Gewitzte Messer: Knives Out (8/10)

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Was macht man, wenn man plötzlich zum meistgehassten Regisseur des Planeten geworden ist? Rian Johnson hat sich nach The Last Jedi ein halbes Jahr zurückgezogen, ein Drehbuch geschrieben und dieses flugs mit einer Rige herausragender Darsteller verfilmt. Das Ergebnis ist das erste Wow-Erlebnis meines Kinojahrs: Knives Out.



Knives Out ist ein amerikanisches Original, das gleichzeitig eine liebevolle Hommage an Agatha Christie ist, besonders an Hercule Poirot. Der Bestsellerautor Harlan Thrombey (grandios gespielt vom 90jährigen Christopher Plummer) hat sich an seinem 85. Geburtstag die Kehle aufgeschlitzt. Auch wenn es in seinen Krimis so manche seltsame Todesart vorkommt, erscheint dies doch verdächtig. Und mehr und mehr stellt sich heraus, dass etliche der versammelten Familienmitglieder durchaus ein Motiv gehabt haben könnten, den Patriarchen zu beseitigen. Auftritt Benoit Blanc, ein für seine messerscharfen Deduktionen berühmter Detektiv, der am Schauplatz dieses merkwürdigen Selbstmordes auftaucht und die Polizei "berät". Und hier folgt gleich der zweite Besetzungscoup: Blanc wird von niemand anders gespielt als dem aktuellen 007 Daniel Craig, mit graumeliertem Haarschopf und einem herrlichen Südstaatenakzent. Und sollte Bond 25 floppen, hat Craig mit dieser Rolle seine Berufsehre allemal gerettet.

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Knives Out ist das Ensemble-Vergnügen, das die Neuverfilmung vom Mord im Orientexpress vor einigen Jahren leider nur versprochen hatte, trotz oder vielleicht wegen der Stars, darunter Judi Dench, Michelle Pfeiffer, Penélope Cruz, Johnny Depp, Derek Jacobi und Regisseur Kenneth Branagh als Poirot (es war allerdings erfolgreich genug, dass die Fortsetzung Tod auf dem Nil im kommenden Oktober folgt). Bei Rian Johnson gibt es keine Stars, dafür schillernde Figuren, denen von gewieften Charakterdarstellern Leben eingehaucht wird. Die Familie Thrombey bilden so u.a. Jamie Lee Curtis (Ein Fisch namens Wanda), Toni Collette (Little Miss Sunshine), Michael Shannon (Shape of Water), der 70jährige Don Johnson (Miami Vice) und Chris Evans, dessen Rolle kaum unterschiedlicher sein könnte zum Avengers-Anführer Steve Rogers.

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Heimlicher Star des ganzen ist allerdings die 31jährige Kubanerin Ana de Armas, die als Pflegerin Marta des greisen Thrombey zwar "zur Familie gehört", deren Herkunft allerdings in einem schönen Running Gag keines der Familienmitglieder korrekt zu benennen vermag. Eindrucksvoll immerhin, wie viele lateinamerikanische Staaten ihnen geläufig sind: Kolumbien - Brasilien - Ecuador - Venezuela... Ana de Armas, im Film übrigens viel zurückhaltender und gleichzeitig hübscher als ihr IMDB-Porträt, wird demnächst erneut an Daniel Craigs Seite zu sehen sein, nämlich als "Paloma" in Keine Zeit zu sterben. Mir war sie bereits in einer geschnittenen Szene von Yesterday aufgefallen. Ihre Beteiligung an Blade Runner 2049 will ich mal übersehen. Wie Craig (und der Film als beste Komödie) war sie gerade für einen Golden Globe nominiert, auch wenn es für eine Oscar-Nominierung wohl in diesem Jahr noch nicht reichen wird. Aber mit Ana wird in nächster Zeit zu rechnen sein.

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Knives Out ist nicht perfekt. Einige Handlungselemente sind genretypisch ziemlich weit hergeholt. Aber die innere Logik wird gewahrt, es darf geschmunzelt und gelacht werden, und für gut zwei Stunden fühlte ich mich glänzend unterhalten. Sehr gut (8/10)!


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