Marriage Story (4/10)
Marriage Story hieße besser Divorce Story. Regisseur und Autor Noah Baumbach versucht hier, seine Scheidung von Jennifer Jason Lee zu verarbeiten, sicherlich mit dem Versuch, das persönliche Drama zu verallgemeinern. Für mich ergibt das nur eine anstrengende Szene nach der nächsten, mit Figuren, zu denen ich keine Beziehung aufbauen konnte: verwöhnte erfolgreiche Künstler mit aufgeblasenem Ich, die an unser Mitgefühl appellieren, weil sie die 2000 Dollar Anwaltskosten pro Stunde nicht sofort in bar bezahlen können. Am unsympathischsten kommt denn auch Laura Dern als Staradvokatin daher, was auch eine Leistung ist und bereits mit einem Golden Globe belohnt wurde. Vize-Admiral Holdo steuert wohl nach zwei Nominierungen auf ihren ersten Oscar hin. Den würde ich viel eher Scarlett Johansson gönnen, die in der Hauptrolle zwar auch zickig wirkt, aber immerhin so etwas wie eine glaubwürdige Figur schafft. Ihr zur Seite steht Kylo Ren Adam Driver, dessen Erfolg ich auch nach einem Dutzend Filmen nicht so recht nachvollziehen kann. Die Scheidungsgeschichte um Noah Baumbachs Eltern in The Squid and the Whale hatte ich vor 15 Jahren noch wohlwollend aufgenommen, aber seitdem kann ich mit seinen Filmen immer weniger anfangen. Erträglich (4/10).
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The Irishman (6/10)
Die Meinungen schwanken zwischen "Scorseses bestem Film" und "Gähnfest". Für mich liegt die Wahrheit leider irgendwo in der Mitte. Dreieinhalb Stunden sind für diesen Stoff einfach zu lang, und bei einer traditionellen Kinoauswertung hätte man Marty sicher auch genötigt, eine Stunde rauszuschneiden. So ist das Ding selbst für einen Fernsehabend zu aufgedunsen. Inhaltlich ist The Irishman eine merkwürdige Interpretation einer ohnehin schon wenig glaubwürdigen Vorlage (den Erinnerungen des Mafiakillers Frank Sheeran "I heard you paint houses", der angeblich auch mit Jimmy Hoffas Blut gemalt hatte). Trotzdem bietet er natürlich starke Szenen. Mit am besten haben mir die fast wortlosen Szenen mit Sheerans Tochter Peggy gefallen (Lucy Gallina und später Anna Paquin), sowie Joe Pesci als bedrohliche Eminenz im Hintergrund.
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Womit wir schon bei des Pudels Kern angekommen wären. Ein Großteil des Budgets und der Publicity dreht sich um die Verjüngung der Hauptdarsteller. Das funktioniert bei Joe Pesci ziemlich gut, bei Robert DeNiro so la la (solange er sich nicht viel bewegen musste) und bei Al Pacino überhaupt nicht (was die Hollywood Foreign Press Association nicht davon abhielt, ihn für einen Golden Globe zu nominieren). Es gibt auch keinen Grund, den bei seinem Verschwinden 63 Jahre alten Jimmy Hoffa mit einem 80jährigen zu besetzen (und dann hätte man auch Jack Nicholson nehmen können, der ja bereits Erfahrung mit dieser Figur hat). Einzige Erklärung ist, dass dies Scorseses letzte Chance war, mit der Legende Pacino zusammenzuarbeiten. Sam Mendes stellte bei seiner Dankesrede für den Golden Globe als bester Regisseur fest, dass alle lebenden Regisseure im Schatten von Martin Scorsese ständen. Kann es sein, das Marty nur noch ein Schatten seiner selbst ist? Ordentlich (6/10).
Die zwei Päpste (7/10)
Wer hätte gedacht, dass zwei Stunden erdachte Gespräche zwischen zwei Klerikern derart unterhaltsam sein könnten? Denn viel mehr passiert nicht in Die zwei Päpste, in dem die historischen Ereignisse nur Hintergrund sind, nämlich die Wahl und spätere Abdankung von Papst Benedict ("Wir sind Papst!") und die Nachfolge durch seinen größten innerkirchlichen Kritikers (wenn man dem Drehbuch trauen darf) Jorge Bergoglio (aka Francis). Als Bonus unterhalten sich die beiden alten Herren allerdings vor verblüffend echt wirkenden Kulissen, so ein atemberaubender Studionachbau der sixtinischen Kapelle. Zwischendurch gibt es ein paar meist in Schwarzweiss gehaltene Rückblenden aus Argentinien insbesondere in den Junta-Jahren (lobenswerterweise wie viele Passagen des Films mit Untertiteln; für Spanisch, Latein, Italienisch).
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Die zwei Päpste ist Schauspielerkino par excellence, vollkommen getragen von den Darbietungen der beiden Altstars Jonathan Pryce, zuletzt bereits ein Kirchenvater in Game of Thrones, und Anthony Hopkins, dem religiöse Epen auch nicht fremd sind - neben Methusalem in Darren Aronofskys Totaluntergang Noah verkörperte er schließlich jüngst noch den Gottvater Odin. Es ist herrlich, den Veteranen zuzuschauen und zuzuhören. Sie machen vergessen, dass es sich im Grunde um ein manipulatives Märchen handelt, das die Personen und Ereignisse verklärt. Kein Wunder bei einem Drehbuch von Anthony McCarten, der bereits in Die Entdeckung der Unendlichkeit und Bohemian Rhapsody Geschichtsfälschungen vornahm. Regie führte der brasilianische Katholik Fernando Meirelles, der 2002 durch das wuchtige City of God berühmt wurde, seitdem aber weniger Glück und Erfolg hatte- sein letztes hochkarätiges Projekt von 2008, die Stadt der Blinden nach einem Roman von Nobelpreisträger José Saramoga, muss man als gescheitert ansehen. Mit Die zwei Päpste liefert er nun wieder große Unterhaltung. Aufgrund des geschönten Drehbuchs kann ich leider nur ein Gut vergeben (7/10).
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