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Mittwoch, 31. Dezember 2014

Liebe statt Physik: Die Entdeckung der Unendlichkeit (7/10)

In der Anfangsszene der Star-Trek-Episode Descent (1994, TNG S06E26) spielt Data auf dem Holodeck eine Runde Poker mit  Isaac Newton, Albert Einstein und Stephen Hawking. Letzterer spielt sich selbst, gewinnt natürlich die Partie und fühlt sich sichtlich geschmeichelt, dieser illustren Gesellschaft anzugehören. Tatsächlich ist Hawking zwar ein Popstar unter den modernen Wissenschaftlern, kommt an Bedeutung aber nicht annähernd an seine fiktiven Mitspieler heran. Kosmologie ist ohnehin ein undankbares Feld, nirgendwo werden Theorien so oft angefeindet, widerrufen, verworfen. Hawking hat jedenfalls keinesfalls die Unendlichkeit entdeckt, und auch von der Theory of Everything (so der Originaltitel), der Relativität und Quantenphysik verbindenden Weltformel, ist seine Forschung weit entfernt.

Nicht nur darin ist der Titel des bisher eher durch Dokumentarfilme bekannt gewordenen James Marsh irreführend. Das Drehbuch des recht unbekannten Autors Anthony McCarten beruht auf den Erinnerungen von Hawkings erster Frau Jane (mit der er drei Kinder hat) und stellt daher eher den Familienmenschen als den Physiker in den Mittelpunkt. Hawking selbst spricht ungern über seine Krankheit, aber hier dienen die Stationen seines Verfalls fast als roter Faden durch eine Erzählung, die ansonsten offenbar eher für Jane wichtige Episoden herausgreift (etwa eine Ehrung durch die Queen, an der sie teilnehmen durfte). Der Verlauf von Hawkings akademischer Laufbahn bleibt unklar - seine Berufung auf den bedeutenden Lucasischen Lehrstuhl von Cambridge, im Geburtsjahr 1979 seines Sohnes Timothy, wird zum Beispiel kaum erwähnt.

Was bleibt (aber das ist allerhand), ist eine höchst ungewöhnliche Liebesgeschichte, die nur durch die fast unmenschliche Willenskraft beider Partner so lange gehalten hat. Getragen wird sie durch die beiden jungen Hauptdarsteller (beide sind kaum älter als 30). Felicity Jones, bisher vor allem durch Fernsehserien und als Austen-Heldin bekannt, agiert zurückhaltend und überzeugend, wirkt aber fast notgedrungen blaß  gegenüber Eddie Redmayne (der  2011 der junge Liebhaber von Marilyn war). Redmaynes Darstellung ist technisch absolut brillant, und man meint passagenweise, per Zeitfernglas den wirklichen Hawking zu sehen. Auch die u.a. mit David Thewlis und Emily Watson prominent besetzten Nebenfiguren treten dabei in den Hintergrund.

Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, daß hier Stoff für mehr als nur eine Liebesgeschichte gewesen wäre. Hätte man Hawkings Lebensumstände nicht mehr mit seinen kosmologischen Erkenntnissen verknüpfen können? Und hätte man den (übrigens in Jane und Stephens Ehe zentralen) Konflikt, das Ringen um die Existenz eines Gottes, nicht stärker thematisieren können? So ist Die Entdeckung der Unendlichkeit für mich zwar keine Enttäuschung, aber doch eine vertane Chance. Noch Gut (7/10).

Montag, 29. Dezember 2014

Überraschungshit des Jahres: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (7/10)

Shailene Woodley hat sich im laufenden Jahr als preisgünstige Alternative zu Jennifer Lawrence etabliert. Sie ist (für Hollywood-Verhältnisse) nur mittelmäßig hübsch und hat geringere mimische Fähigkeiten, übertrifft JLaw Superstar aber immerhin um etliche Zentimeter Oberweite. Mit 20 hatte sie 2011 bereits einen Golden Globe eingeheimst, für ihre Rolle als George Clooneys Tochter in Alexander Paynes Oscar-prämierten (und m.E. etwas überschätzten) The Descendants. Nachdem ihre Fernsehserie (The Secret Life of the American Teenager, offenbar nicht so doll) nun nach fünf Staffeln und 121 Folgen beendet ist, war sie 2014 zunächst in der Hauptrolle des ersten Teils einer neuen dystopischen Teenager-Trilogie zu sehen: Divergent ist inhaltlich zwar nur die Kopie eines Abklatsches, man kann es sich aber im Verhältnis zu anderen Rohrkrepierern des Genres relativ schmerzfrei anschauen. Aufgrund des moderaten Profits (ca. 280 Mio Dollar Umsatz bei 85 Mio Dollar Budget) drohen hier Fortsetzungen.

Und dann kam der Donnerschlag (für die Filmstudios): Bei nur 20 Mio Dollar Budget hat Das Schicksal ist ein mieser Verräter bisher etwa den gleichen Umsatz wie Divergent erzielt. Die Geschichte um Freundschaft und Liebe zwischen krebskranken Jugendlichen traf offenbar den Nerv des Teenager-Marktes. Sie beruht auf dem Bestseller (im Original etwas subtiler "The Fault in Our Stars" betitelt) des Mittdreißigers John Green, der darin offenbar seine Erfahrungen als Kaplan einer Kinderkrebsstation verarbeitet hat. Die Verfilmung durch den jungen Josh Boone (sein Erstling Love Stories - Erste Lieben, zweite Chancen mit Greg Kinnear und Jennifer Connelly von 2012 war ganz ok) trifft gemäß den meisten Meinungen den Ton der Vorlage recht gut. Sie kommt zum Glück recht unsentimental daher und legt den Schwerpunkt auf die Lebensfreude der jungen Leute, die sich wenig Illusionen über ihre Lebenserwartung machen. Woodley und (mit etwas geringerem Erfolg) ihr Leinwandpartner Ansel Elgort (der in Divergent ihren Bruder spielte) agieren recht natürlich. Natürlich werden die Leiden und Folgen der Krankheit nur sehr vorsichtig gezeigt, aber sie werden auch nicht komplett geleugnet. Eher gestört hat mich die allzu große Harmonie besonders in den Familien der Jugendlichen (u.a. spielen Laura Dern und Sam Trammell Shailenes fast immer gut gelaunte Eltern). Die einzige Figur, die zur Karikatur geriet, ist ironischerweise (?) der enthusiastische Leiter der Selbsthilfegruppe, der auf seiner Gitarre Übelkeit erregende Lieder nach dem Motto "Jesus ist dein bester Freund" schrammelt.

Natürlich gehöre ich nicht zum Zielpublikum dieses Streifens und habe ihn nur fürs Heimkino ausgeliehen. Ich gestehe auch freimütig, daß ich am Ende NICHT geweint habe, aber ich fand ihn trotzdem unterhaltsam und erfrischend. Gut (7/10).

Sonntag, 28. Dezember 2014

Klassiker auf Blu-ray #13: Gérard Depardieu in "Cyrano de Bergerac" (1990)

Lange bevor Gérard Depardieu sich zur Obelix-Karikatur entwickelte und mit russischen Oligarchen verbrüderte, galt er mal als ernsthafter Schauspieler. Sein internationaler Durchbruch und gleichzeitig der Höhepunkt seines Schaffens kam 1990, als Peter Weir ihn (und Mozarts wunderbares Klarinettenkonzert) dem amerikanischen Publikum in seiner charmanten romantischen Komödie Green Card präsentierte. Im gleichen Jahr war Depardieu für die Titelrolle in Jean-Paul Rappeneaus Verfilmung von Rostands Bühnenstück Cyrano de Bergerac für seinen einzigen Oscar nominiert (leider gewann Jeremy Irons). Und mit seiner einmaligen Mischung aus Feingeist, Verletzlichkeit und animalischer Lebenskraft war der damals 42jährige tatsächlich eine Idealbesetzung für den Fechtheld mit der großen Nase und dem noch größeren poetischen Herz.

Die Adaption dieser französischen Prestige-Produktion stammte vom profilierte Autor Jean-Claude Carrière (u.a. Zuarbeiter von Buñuel und Louis Malle) und modernisiert den aus dem Jahre 1897 stammenden Text nur behutsam - vor allem behielt sie die Versform bei. Das macht mehr Spaß, als man vermuten würde, so zum Beispiel beim ersten, unvergeßlichen Duell ("und beim letzten Verse stech' ich"). Der Film punktet aber auch mit opulenten Kostümen, Kulissen und nur leicht stilisierten Schlachtszenen, die die Theater-Herkunft des Materials fast vergessen machen. Getragen von der mitreißenden, mit dem BAFTA ausgezeichnete Musik von Jean-Claude Petit und immer wieder den vor Esprit sprühenden Versen, mündet das Spektakel nach zwei kurzweiligen Stunden in einer bewegenden Sterbeszene (sicher eine der längsten der Filmgeschichte) mit der Dichtung des eigenen Epitaphs (zitiert aus der Gutenberg-Ausgabe, die wahrscheinlich von der Film-Übersetzung abweicht):

Musiker und Reimedrechsler,
Physiker, Philosoph und Fechter,
Zungenfertiger Schlagwortwechsler,
Mondreisender ohne Sack und Pack,
Liebhaber auch   jedoch ein schlechter!  
Hier ruht und wartet des Jüngsten Gerichts
Cyrano Savinien Herkules von Bergerac,
Der alles gewesen und dennoch nichts.  

Der Stoff, aus dem Steve Martin drei Jahre zuvor (mit Daryl Hannah in der Titelrolle) mit Roxanne bereits eine sehr schöne, stark modernisierte Komödie geflochten hatte, ist einfach unverwüstlich. Jean-Paul Rappeneau rettete mit dieser Glanztat Frankreichs Ehre, auch wenn er bei insgesamt starker Konkurrenz bei den Oscars in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film (wie so oft) einem "wichtigen" Film unterlag (dem ansonsten sehr guten schweizerischen Beitrag Reise der Hoffnung). Komisch, tragisch, spannend, staunenswert, wenngleich manchmal etwas selbstverliebt, ist "Cyrano" für mich der schönste französische Film der 90er. Herausragend (9/10).

Die deutsche Blu-ray bietet ein ordentliches Bild im Originalformat mit deutschem und französischem Ton, leider nur mit (optionalen) deutschen Untertiteln.

Samstag, 20. Dezember 2014

Endlich vorbei: Des Hobbits Dritter Streich (6/10)

Während Peter Jacksons Team für den zweiten Film dieser aufgeblähten Trilogie noch eine befriedigende Struktur finden konnte, zeigen sich in diesem Abschied von Mittelerde die Adaptionsprobleme überdeutlich. Gleich im Vorspann wird mal eben der unbesiegbare Drache abgeschossen, dann retten die Mittelerde-Avengers schnell noch den geschlagenen Gandalf aus den Fängen des Nekromancers, und dann geschieht lange --- nichts. Die Figuren sind alle eingeführt, der Handlungsort ist bekannt, und dem Geschehen geht der Dampf aus. Fast in Zeitlupe hadern die Helden noch ein wenig mit ihrem Schicksal. Am interessantesten ist dabei noch Thorins Drachenfieber, alle anderen Zwerge treten unverständlicherweise noch weiter in den Hintergrund als bisher. Bard der Drachentöter stolpert nach seiner Heldentat nur noch ziellos durch die Gegend (er sucht seine Kinder - er findet seine Kinder - er bringt seine Kinder in Sicherheit), genauso wie Gandalf. Thranduil hat ein paar gute Momente, aber Legolas und sogar Tauriel wirken meist fehl am Platz. Die eigentliche Schlacht ist dann ziemlich langweilig, und (untypisch für Jackson) auch ziemlich unübersichtlich. Billy Connolly reitet ein Kampfschwein, und Ryan Gage als Alfrid sorgt mit etwas Slapstick für Comic Relief. Spannend wird's dann erst wieder in den entscheidenden Zweikämpfen. Thorin und Azog sichern sich die MTV-Trophäe für das beste Duell des Jahres, Legolas trotz zum wiederholten Male der Physik, und die Liebe von Kili und Tauriel (wer hätte es gedacht) endet tragisch. Der ansonsten großartige Martin Freeman als Bilbo wirkt gelegentlich eher amüsiert als bewegt. Und warum muß man ausgerechnet die schlechteste Dialogzeile der HdR-Trilogie zitieren? Oder ist das Schleichwerbung für eine abgehalfterte Country-Pop-Combo? Das wäre für mich dann eher eine Drohung: The Eagles are coming!

Als Abschluß der Trilogie ist Die Schlacht der fünf Heere akzeptabel, für sich gesehen aber ein recht mäßiger Film. Es fehlt das Gefühl von Abenteuer und eine gewisse Verschrobenheit, die die ersten beiden Teile so unterhaltsam gemacht hatten. Und die Brückenschläge zur HdR-Trilogie wirken aufgesetzt. Da kann auch das nette, von "Pippin" Billy Boyd gesungene Abschlußlied nicht drüber hinwegtrösten. Ordentlich (6/10).

Freitag, 19. Dezember 2014

"Klassische" Rezension: Peter Sellers in "Willkommen Mr. Chance" (9/10)

Gerade habe ich eine schöne Dokumentation über Peter Sellers gesehen, die fast ausschließlich aus "Home Videos" des Exzentrikers zusammengesetzt wurde (The Peter Sellers Story - As He Filmed It). Er war einer der großen Clowns des 20. Jahrhunderts, auch wenn er selbst lieber wie Alec Guiness  als ernsthafter Darsteller mit auch komischem Talent wahrgenommen worden wäre. Als Blu-ray gibt es den abschließenden Höhepunkt seiner Filmographie leider bisher nur als Import ohne deutsche Sprache. 2003 schrieb ich zur DVD:

Peter Sellers wird allein durch seine (ebenfalls Oscar-nominierten) Rollen in Kubricks Geniestreich Dr. Strangelove/Dr. Seltsam sicher auf immer im Gedächtnis der Filmliebhaber bleiben. Seine Verwandlungskunst und sein Talent für Slapstick schufen auch einen unvergeßlichen Inspector Clouseau (Der rosarote Panther). Mr. Chance war seine letzte große Rolle, bevor er 1980 mit 54 Jahren einem Herzinfarkt erlag. Im Oscar-Rennen unterlag er Dustin Hoffman (Kramer vs. Kramer). Komiker haben es bei der Akademie schon immer schwer gehabt...

Willkommen, Mr. Chance steht und fällt mit Peter Sellers. Ohne ihn wäre dies tatsächlich eine nette, auf Spielfilmlänge ausgewälzte Idee. Die Nebenrollen sind alle ein wenig flach, die Szenen ohne ihn eher uninteressant (der Präsident mit seiner Frau im Ehebett - die vergebliche Suche der Reporter nach Hintergrundinfos). . Selbst Shirley MacLaine scheint ihrer Rolle in der grotesken "Sex"-Szene nicht so recht gewachsen zu sein. Hier hätte man kürzen können. Doch Peter Sellers ist grandios.Er entwickelt eine Figur, die Gelassenheit und Würde ausstrahlt (was fast alle mit Weisheit verwechseln) und auf eine wunderbare Art zurückhaltend komisch ist. Und Hal Ashby gibt ihm reichlich Gelegenheit dazu. Unterstützt von der impressionistisch angehauchten Pianountermalung von Johnny Mandel entwickelt gerade die erste halbe Stunde einen hypnotischen Rhythmus, der ohne viele Worte auskommt.

Pauline Kael sieht nicht ein, wie ein fast autistischer Gärtner, dessen einziger Einfluß das Fernsehen ist, sich zur Figur des gutmütigen, Gärtnerlatein als Lebensweisen austeilenden Herrn entwickeln könnte. Natürlich nicht! "Being There" (so der schöne Originaltitel) ist weder Charakterstudie noch Satire. Mr. Chance kommt aus dem Nichts und verschwindet in der fabelhaften Schlußszene auch wieder im Nichts. Seine Anwesenheit hat eine traumartige Qualität, und auf diesen Traum muß sich der Zuschauer einlassen. Daß sich in seiner leeren Persönlichkeit Politiker, Reporter und Wirtschaftsfunktionäre spiegeln, hat nur oberflächlich satirische Aspekte. Ist er ein göttlicher Abgesandter, ein Gärtner, der nach den Menschen sieht? Meine Empfehlung ist, sich von ihm für zwei Stunden hypnotisieren zu lassen. Der therapeutische Effekt scheint mir beträchtlich. Und obwohl man ziemlich oft schmunzeln muß, gibt es für eine Komödie eigentlich zu wenig zu lachen. Daher wirkt die "Outtake"-Szene im Abspann auch eher unpassend. Also weniger eine Komödie denn ein leicht sentimentales Märchen.

Herausragend (9/10).

Samstag, 6. Dezember 2014

Wenig Magie: Woody Allens "Magic in the Moonlight" (5/10)

Der inzwischen 79jährige Woody Allen ist bekannt und beliebt für die starken Frauenrollen in seinen Filmen. Gleich fünf Darstellerinnen verhalf er zum Oscargewinn, von Diane Keaton über Dianne Wiest (zweimal), Mira Sorvino, Penélope Cruz zu Cate Blanchett. Aber auch unabhängig von den schauspielerischen Leistungen ist seine Kamera immer schon verliebt in schöne Frauen. Niemand sonst hat Mariel Hemingway so berückend wie in Manhattan, Barbara Hershey so sexy wie in Hannah und ihre Schwestern, Julia Roberts so bezaubernd wie in Alle sagen "I Love You", Freida Pinto so anbetungswürdig schön wie in Ich sehe den Mann deiner Träume eingefangen.

Doppelt gilt dies für seine "Musen", von Diane Keaton über Mia Farrow bis hin zu Scarlett Johansson, die jüngst in drei seiner schönsten europäischen Filme glänzen durfte. Nun hat Woody Emma Stone für sich entdeckt (ein Folgefilm mit ihr und Joaquin Phoenix ist bereits abgedreht). In der gleißenden Sonne, aber auch dem Sommerregen und Mondschein der Côte d'Azur kommen ihre großen Augen, ihr unbefangenes Lächeln und ihr unbeschreiblicher Charme gut zur Geltung. Leider scheint sie ansonsten doch sehr ins Korsett der Allenschen Dialoge und eine diesmal schmerzhaft einengenden Handlungsmechanik eingezwängt zu sein. Vielleicht ist sie auch einfach zu modern für eine Figur der 20er Jahre, mit ihrer funkelnden komischen Energie und ihrem koketten Mundwerk- bereits als Capone-Diva in Gangster Squad wirkte sie fehl am Platz. In The Help paßte ihre Besetzung wiederum gut, weil die Figur ihrer Zeit (den 50ern) voraus war. Anderseits würde ich ihr selbst beim Zähneputzen zuschauen (oder beim Lip-Syncen)...

Darüber hinaus teilt sie, abgesehen von ihren Auftritten als Gwen Stacy mit Spider-Man (und Lebenspartner) Andrew Garfield, einen Fluch mit Audrey Hepburn: Da kaum junge Darsteller neben ihr bestehen können, werden als ihre Leinwandpartner nun ältere Herren besetzt. Diesmal hat es Colin Firth erwischt. Nach seinem Auftritt als Darcy in der genialen BBC-Version von Stolz und Vorurteil immer noch der Schwarm aller Britinnen, inzwischen aber als "ernsthafter" Schauspieler akzeptiert (und Oscar-gekrönt für Die Rede des Königs), gibt er hier irgendwo zwischen Cary Grant und John Cleese angesiedelt den sarkastisch-zynischen, welterfahrenen Magier, der ein betrügerisches Medium entlarven soll und ihm stattdessen verfällt. Diese undankbare Aufgabe löst er eigentlich ganz gut, aber es sprühen nicht gerade Funken zwischen Emma und Colin (der trotz der Bemühungen der Haar- und Makeup-Abteilung nicht verbergen kann, daß er inzwischen ein attraktiver Mittfünfziger ist). Sein Rivale (der sympathische Hamish Linklater aus The Crazy Ones) wirkt mit seinen 37 Jahren dagegen nur mittelalt, auch wenn er mit amüsanten, schief intonierten Ukulele-Ständchen Punkte für jugendliche Dummheit sammelt.

Allerdings würde ich vermuten, daß die recht läppische Geschichte mit der banalen Moral (Magie findet man nicht im Ektoplasma, sondern in der Liebe) nicht aufgrund der Besetzung scheitert. Mir scheint, daß Woody mittendrin irgendwie die Lust verloren hat. Immerhin ist das bereits sein dritter Ausflug in die Welt der Illusionen, nach den weitaus ergiebigeren und unterhaltsameren Im Banne des Jade-Skorpions (2001) und Scoop (2006). So erscheint die Einleitung, in der Colin Firth als Wei Ling Soo immerhin einen Elefanten verschwinden läßt, seltsam uninspiriert. Dazu fehlt mindestens ein zweiter paralleler Handlungsstrang, vielleicht um die (übrigens mit Colin Firth gleichaltrige) Marcia Gay Harden als geschäftstüchtige Mutter des Mediums, die ab der Hälfte der (immerhin mit 97 Minuten kurzen) Laufzeit nicht mehr in Erscheinung tritt.

Wiederum hat mich die in dünnem Mono aus den Lautsprechern quäkende Salonmusik der 20er gestört. Da muß es selbst für diese Periode auch andere Optionen geben (wie wär's mit Al Jolson? Peter Jackson hat's in King Kong vorgemacht). Natürlich interessiert den inzwischen fast tauben Altmeister der Klang seiner Filme am wenigsten. Aber der Mangel an Magie und Mondlicht hätte ihm schon auffallen können. Annehmbar (5/10).