Nach meiner Kritik zu Das ewige Leben sollte klar sein, daß ich Brenner-Fan bin (auch wenn ich noch keinen der Romane gelesen habe). Da war die Box mit allen vier Filmen natürlich Pflichtkauf, auch wenn die ersten beiden Teile nur als Upscales geliefert werden. Dafür gibt's jede Menge Interviews und Szenen vom Dreh, die oft fast genauso unterhaltsam wie die Filme selbst sind. Beim Wiederschauen war ich übrigens verblüfft, welch unterschiedliche Geschichten um den unfreiwilligen Ermittler dort entstanden sind. Neben dem (vorläufigen?) Abschluß gefiel mir die Einführung schon immer am besten, daher hier meine Kritik von 2001:
Es ist kein Geheimnis, daß "die Österreicher" von den Deutschen ein wenig belächelt werden. Politisch folgen sie manch fragwürdigen Götzen, sind von spießiger Lebensart, halt ein kleines Volk mit einem großen Minderwertigkeitskomplex. So weit die Vorurteile - es gibt aber auch eine andere Seite. Wer einmal den großartigen Wiener Liedermacher und Schrammelgitarristen Roland Neuwirth erlebt hat, kann "den Österreicher" weder für humorlos noch spießig halten. Im Gegenteil kann er sehr gut über sich selbst lachen. Dies hat auch der österreichische Film schon bewiesen, zum Beispiel mit dem herrlichen Road-Movie Indien, ebenfalls mit Josef Hader in einer Hauptrolle. Komm, süßer Tod ist ein weiterer Beleg dafür.
Wolfgang Murnberger verfilmte einen Krimi von Wolf Haas. Das Drehbuch haben die beiden mit Josef Hader zusammen verzapft. Eigentlich ist es mehr eine Wild-West-Geschichte geworden, zwischen den Rettungsdiensten "Die Kreuzretter" (Cowboys) und dem "Rettungsbund" (Indianer). Und die Polizei (Kavallerie) kommt immer zu spät... Brenner (Hader: sympathisch und zum Brüllen komisch) war bei der Polizei, bis er mit der Frau seines Vorgesetzten... Nun ist er Kreuzretter, sein Chef zum Glück ledig. Dafür hat der eine Menge Traubenzucker in der Schublade. Ein Piefke (Deutscher) kommt auch vor - er faßt Angelika in der Kneipe an die Brust und darf österreichische Gastfreundschaft ... Und daß ausgerechnet der Zivi am Ende - aber ich will ja nichts verraten! Überhaupt habe ich die Kriminalhandlung nicht ganz verstanden - aber das macht gar nichts. Zwischendrin gibt es so viele Leichen, daß die Leichtverletzten allein nach Hause humpeln müssen. Aber verprügelt zu werden ist gar nicht so schlimm, wenn man danach per Mitleidstour bei Barbara Rudnik landen kann...
Es ist offenbar nicht leicht, diesen Film zu beschreiben. Ich versuch's noch mal. Wir haben hier einen schwarzhumorigen Krimi, der seine Figuren ernst nimmt, weil er sie über sich selbst lachen läßt (alle, die überleben). Die Charaktere sind nur angedeutet und lassen doch eine Tiefe ahnen, die in 90 Minuten nicht auszuloten ist. Es gibt brillante Dialoge (für uns Nordlichter mit hilfreichen Untertiteln) und einen nicht minder vor Witz sprühenden Off-Kommentar. Kamera und Schnitt sind sehr modern, was keine MTV-Ästhetik bedeuten soll, sondern: einfallsreich, zweckdienlich, überraschend, übertreibend, präzise, Schockeffekte abmildernd. Die skurrile Musik paßt sich nahtlos ein und stammt von einer Gruppe namens "Sofa Surfers", die ich auf meinem Sofa nicht surfen lassen würde. Keine Familienunterhaltung also, aber ein intelligentes, höchst kurzweiliges, gegen Ende gnadenlos spannendes, vor satirischer Kraft strotzendes Werk. Sehr gut (8/10)!
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