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Dienstag, 7. Juli 2015

Die Hugo-Kurzformen: No Award

Nachdem ich mich nun endlich durch alle Kurzgeschichten, Noveletten und Novellen des (in diesen Kategorien vollständigen) Voters Package gequält habe, habe ich mich in allen drei Kategorien für "No Award" als erste Wahl entschieden. Klar, daß mir nicht alles gefallen muß, gerade da ich kein Freund der Kurzform bin. Aber durch die traurigen oder gar räudigen Welpen-Vorschlagslisten bietet die Auswahl weder solide Unterhaltung (was ja eigentlich eines der Ziele der üblen Kampagne war) noch irgendwie intelligente oder neue Ideen. Stattdessen gibt es abstruse Abenteuer, undurchschaubare Charaktere, wirre Weltenaufbauten und dämliche metaphysische oder religiöse Sichtweisen. Hervorzuheben ist dabei der selbsternannte neue Star und Erneuerer der Science Fiction, John C. Wright. Er ist ein guter Beleg für das Scheitern der amerikanischen Ivy-League-Erziehung, denn trotz umfangreicher klassischer Bildung kann er sein Faktenwissen nicht vernünftig auf die Realität anwenden (er brüstet sich damit, daß er Marx mit Aristoteles widerlegen kann). Dazu hat er dieser wenig erfolgreiche Schreiberling noch die Dreistigkeit, Tips für den Autorennachwuchs zu veröffentlichen (seine Aufsatzsammlung "Transhuman and Subhuman" ist als "Best Related Work" nominiert). Ach gäbe es doch die Möglichkeit (wie in seiner wirren Novelle "The Plural of Helen of Troy"), ihn per Zeitmaschine ins fünfte Jahrhundert v.Chr. zu transportieren! Ihm zufolge war übrigens Marilyn Monroe eine Inkarnation der Schönen Helena und hat JFK derart den Kopf verdreht, daß dieser am Ende sich selbst (als sein älteres Ich) umgebracht hat...

Es gibt eine kleine Ausnahme bei den Kurzgeschichten, wo es durch verschiedene Rückzieher tatsächlich einen Beitrag jenseits der Vorschlagslisten gab. Das ist "The Day the World Turned Upside Down" des Niederländers Thomas Olde Heuvelt, übersetzt von Lia Belt. Das ist eine hübsche Fantasy-Geschichte um Trauer und Liebesverlust, mit dem zugegeben schrägen Gimmick, daß die Welt des Erzählers eines Tages buchstäblich auf den Kopf gestellt wird und alles nicht Niet- und Nagelfeste gen Himmel verschwindet. Ein einziger preiswürdiger Beitrag pro Kategorie ist aber zu wenig, und daher habe ich das Werk auch nur auf Platz Zwei hinter "No Award" gesetzt.

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