Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Mittwoch, 28. August 2013
Samstag, 24. August 2013
Privatbehandlung für alle: Elysium (3/10)
In Elysium sind die Welten von Arm und Reich sauber getrennt. Die Elite hat sich in die paradiesische Raumstation zurückgezogen, die Erde ist zum Ghetto verkommen. (Das Paradies macht jedoch einen ziemlich spießigen Eindruck) Agent Bourne muß nun aus komplett uneigennützigen Motiven (nur in Elysium kann er geheilt werden) die Station erreichen. Auf dem Weg dorthin gibt es reichlich Prügeleien, und am Ende verwandelt er fast versehentlich alle Erdbewohner zu priviligierten Privatpatienten. Die Science-Fiction-Aspekte sind geradezu hanebüchen realisiert, so etwa die Sicherheitsmaßnahmen der Raumstation (es gibt doch genug SF-Experten, die man als Berater hätte einsetzen können). Tiefpunkt ist die Manipulation eines Computerprogramms, in dem einfach die Zeile "Illegal" durch "legal" ersetzt wird - selbst die Hackerkunst von Will Smith in Independence Day war überzeugender.
Welch eine vertane Chance! Regisseur Neill Blomkamp hat 2009 mit seinem überraschende Debut District 9 eine brillante Alegorie auf die Apartheit seiner südafrikanischen Heimat gedreht, mit kleinem Geld, fast im Guerilla-Stil à la CNN-Footage oder Reality TV. Nun versucht er mit Blockbuster-Budget etwas ähnliches und scheitert kläglich. Zum einen funktioniert die Sozialkritik nicht, zum anderen wirken die für ein erweitertes Zielpublikum notwendigen Actionszenen gezwungen und unbeholfen inszeniert. Seine Stilmittel (verwackelte Handkamera, schwer verständliche Slang-Dialoge, der Mix von Schrott und Zukunftstechnologie) nerven hier eher, als daß sie eine Botschaft transportieren.
Hauptproblem ist jedoch die naive Idee, man könne die Privilegien der Reichen einfach auf die Masse der Armen erweitern. Aber es gibt ja gerade ein Verteilungsproblem für knappe Ressourcen. Klar ist es unethisch, daß immer weniger Personen Zugang zu immer höheren medizinischen Standards haben. Auf der einen Seite stehen hochkomplizierte Organtransplantationen und exorbitant teure Medikamente, auf der anderen bekommt man nicht einmal einfache Infektionskrankheiten wie Malaria, Lepra und Cholera in den Griff. Eine gerechte Umverteilung würde aber einen Verzicht auf Privilegien für alle bedeuten.
Mäßig interessant (3/10).
Welch eine vertane Chance! Regisseur Neill Blomkamp hat 2009 mit seinem überraschende Debut District 9 eine brillante Alegorie auf die Apartheit seiner südafrikanischen Heimat gedreht, mit kleinem Geld, fast im Guerilla-Stil à la CNN-Footage oder Reality TV. Nun versucht er mit Blockbuster-Budget etwas ähnliches und scheitert kläglich. Zum einen funktioniert die Sozialkritik nicht, zum anderen wirken die für ein erweitertes Zielpublikum notwendigen Actionszenen gezwungen und unbeholfen inszeniert. Seine Stilmittel (verwackelte Handkamera, schwer verständliche Slang-Dialoge, der Mix von Schrott und Zukunftstechnologie) nerven hier eher, als daß sie eine Botschaft transportieren.
Hauptproblem ist jedoch die naive Idee, man könne die Privilegien der Reichen einfach auf die Masse der Armen erweitern. Aber es gibt ja gerade ein Verteilungsproblem für knappe Ressourcen. Klar ist es unethisch, daß immer weniger Personen Zugang zu immer höheren medizinischen Standards haben. Auf der einen Seite stehen hochkomplizierte Organtransplantationen und exorbitant teure Medikamente, auf der anderen bekommt man nicht einmal einfache Infektionskrankheiten wie Malaria, Lepra und Cholera in den Griff. Eine gerechte Umverteilung würde aber einen Verzicht auf Privilegien für alle bedeuten.
Mäßig interessant (3/10).
Montag, 12. August 2013
Klassiker auf Blu-ray #7: High Noon/12 Uhr Mittags (1952)
Zu den karg-prächtigen schwarz-weißen Bildern von Floyd Crosby (dem Vater von David Crosby) erklingen die ersten perkussiven Takten der Eingangsmusik von Dimitri Tiomkin. Später heizt das Motiv der tickenden Uhr immer wieder die atemlose Spannung an, die für die fast in Echtzeit erzählten 90 Minuten kaum nachläßt. Das vom abgehalfterten Cowboy Tex Ritter gesungene Titellied erklärt in wenigen Zeilen die komplette Ausgangssituation:
Bis zum Showdown sehen wir einen schwitzenden Helden, der bettelt und fleht, mehrfach zur Flucht ansetzt, sich im Pferdemist prügelt, müde und verzweifelt wirkt. In der Tat keine Rolle für John Wayne - der gut 50jährige Gary Cooper wurde dafür mit seinem einzigen Oscar belohnt. In ihrer ersten Hauptrolle sehen wir eine junge, unsichere (und natürlich strahlend schöne) Grace Kelly, trotz des Altersunterschieds eine perfekte Besetzung. Oscars gab es auch für Musik und den Schnitt, aber nicht in den Hauptkategorien. Bester Film wurde damals DeMilles Größte Schau der Welt, ein mittelmäßiges, längst vergessenes Zirkusepos, als bester Regisseur wurde John Ford für den zugegeben tollen Film Der Sieger ausgezeichnet. Der Exil-Österreicher Fred Zinneman gewann später zweimal, 1954 für sein zweites Meisterwerk Verdammt in alle Ewigkeit und 1967 für seine herausragende Thomas-Morus-Biographie Ein Mann zu jeder Jahreszeit. Tatsächlich ist High Noon ein Beispiel für eine perfekte Zusammenarbeit aller Beteiligten und ist heute als einer der besten amerikanischen Filme überhaupt anerkannt.
Aus moderner Sicht erscheint es fast selbstverständlich, daß der klassische Western eine Phantasie ist, die Illusion einer Zeit starker Helden, aufrichtiger Bürger und einiger weniger üblen Geschäftemacher und Banditen. In den 50ern war etwa Howard Hawks derart erbost über diese Entzauberung des Mythos, daß er 1959 mit Rio Bravo eine Art Gegenthese veröffentlichte (ein schöner Abenteuerfilm, aber nicht mehr). Selbst in späteren revisionistischen Western, etwa John Fords Der Mann, der Liberty Valance erschoß (1962) oder sogar Costners Der mit dem Wolf tanzt (1990) wird die Pionierzeit immer noch romantisch verklärt, bis dann die Coen-Brüder mit True Grit, einer düsteren Neuinterpretation ausgerechnet eines John-Wayne-Abenteuers, dem Genre den Todesstoß versetzten.
Aber 12 Uhr Mittags ist ja nur formal ein Western. Im Kern wird eine Gemeinschaft gezeigt, wie sie leider nur zu plausibel ist, ohne Zivilcourage, ohne echte Freundschaft, ohne gelebte christliche Nächstenliebe. Natürlich ist das eine Allegorie auf das Hollywood der McCarthy-Ära, als viele Filmschaffende mit realen oder vermuteten Verbindungen zu kommunistischen Ideen plötzlich allein dastanden, ohne Arbeit und ohne Unterstützung der Kollegen. Selbst die Arbeit an diesem "linken" Film führte für die Mitwirkenden zu Schwierigkeiten, wie etwa Lloyd Bridges (Vater von Beau und Jeff) später bezeugte, der in der kleinen Rolle des stellvertretenden Marshalls zu sehen ist.
Dieses Thema ist leider viel universeller und auch heute noch aktuell. Gerade in den USA mag die Angst vor den Roten Horden in den Hintergrund getreten sein, aber dafür gibt es etwas ähnlich Schlimmes, nämlich eine übertriebene politische Korrektheit. Die Bürgerrechte von Minderheiten werden immer noch mit Füßen getreten, aber der Polizist, der den schwarzen Verdächtigen ansonsten recht ruppig behandelt, muß ihn heute respektvoll mit "Sir" ansprechen, das steht in den Vorschriften. Homosexuelle werden immer noch vielfach geächtet, aber wehe, ein Komödiant (wie vor einigen Jahren Michael Richards, "Kramer" aus Seinfeld) bedient sich in einem improvisierten Monolog homophober Klischees. In jüngerer Zeit gab es den Fall der TV-Köchin Paula Deen, die zugegeben hatte, gelegentlich das "N-Wort" ("Nigger") benutzt zu haben. Niemand fragt, wie sei denn ihre schwarzen Angestellten behandelt haben mag, aber dieser äußere Anschein von Rassismus führt zur Ausgrenzung und faktisch zum Blacklisting im Fernsehgeschäft. Ähnliche Ausgrenzung droht in den USA oft auch Politikern, die des Ehebruchs überführt werden - plötzlich will niemand etwas mit ihnen zu tun haben. Leider gilt gleiches nicht, wenn jemand Dummheit nachgewiesen wird - vielleicht weil es keine entsprechende Interessengemeinschaft gibt (Tina Fey hat allerdings jüngst für 30 Rock.eine solche erfunden: Idiots Are People Two! ;-) In allen geschilderten Fällen können die Betroffenen jedenfalls froh sein, wenn ihre Liebsten zu ihnen halten - auf die Gemeinschaft ist trotz aller ehemaligen Verdienste kein Verlaß. O mein Liebling, verlaß mich bitte nicht...
Die gerade weltweit erschienene Blu-ray des Klassikers bietet ein brillant restauriertes Bild im Originalformat (4:3), tadellosen Originalton und eine Fülle von empfehlenswerten Extras.
Do not forsake me, oh, my darlin',
On this, our wedding day.
Do not forsake me, oh, my darlin',
Wait; wait alone.
I do not know what fate awaits me.
I only know I must be brave.
For I must face a man who hates me,
Or lie a coward, a craven coward;
Or lie a coward in my grave.
Bis zum Showdown sehen wir einen schwitzenden Helden, der bettelt und fleht, mehrfach zur Flucht ansetzt, sich im Pferdemist prügelt, müde und verzweifelt wirkt. In der Tat keine Rolle für John Wayne - der gut 50jährige Gary Cooper wurde dafür mit seinem einzigen Oscar belohnt. In ihrer ersten Hauptrolle sehen wir eine junge, unsichere (und natürlich strahlend schöne) Grace Kelly, trotz des Altersunterschieds eine perfekte Besetzung. Oscars gab es auch für Musik und den Schnitt, aber nicht in den Hauptkategorien. Bester Film wurde damals DeMilles Größte Schau der Welt, ein mittelmäßiges, längst vergessenes Zirkusepos, als bester Regisseur wurde John Ford für den zugegeben tollen Film Der Sieger ausgezeichnet. Der Exil-Österreicher Fred Zinneman gewann später zweimal, 1954 für sein zweites Meisterwerk Verdammt in alle Ewigkeit und 1967 für seine herausragende Thomas-Morus-Biographie Ein Mann zu jeder Jahreszeit. Tatsächlich ist High Noon ein Beispiel für eine perfekte Zusammenarbeit aller Beteiligten und ist heute als einer der besten amerikanischen Filme überhaupt anerkannt.
Aus moderner Sicht erscheint es fast selbstverständlich, daß der klassische Western eine Phantasie ist, die Illusion einer Zeit starker Helden, aufrichtiger Bürger und einiger weniger üblen Geschäftemacher und Banditen. In den 50ern war etwa Howard Hawks derart erbost über diese Entzauberung des Mythos, daß er 1959 mit Rio Bravo eine Art Gegenthese veröffentlichte (ein schöner Abenteuerfilm, aber nicht mehr). Selbst in späteren revisionistischen Western, etwa John Fords Der Mann, der Liberty Valance erschoß (1962) oder sogar Costners Der mit dem Wolf tanzt (1990) wird die Pionierzeit immer noch romantisch verklärt, bis dann die Coen-Brüder mit True Grit, einer düsteren Neuinterpretation ausgerechnet eines John-Wayne-Abenteuers, dem Genre den Todesstoß versetzten.
Aber 12 Uhr Mittags ist ja nur formal ein Western. Im Kern wird eine Gemeinschaft gezeigt, wie sie leider nur zu plausibel ist, ohne Zivilcourage, ohne echte Freundschaft, ohne gelebte christliche Nächstenliebe. Natürlich ist das eine Allegorie auf das Hollywood der McCarthy-Ära, als viele Filmschaffende mit realen oder vermuteten Verbindungen zu kommunistischen Ideen plötzlich allein dastanden, ohne Arbeit und ohne Unterstützung der Kollegen. Selbst die Arbeit an diesem "linken" Film führte für die Mitwirkenden zu Schwierigkeiten, wie etwa Lloyd Bridges (Vater von Beau und Jeff) später bezeugte, der in der kleinen Rolle des stellvertretenden Marshalls zu sehen ist.
Dieses Thema ist leider viel universeller und auch heute noch aktuell. Gerade in den USA mag die Angst vor den Roten Horden in den Hintergrund getreten sein, aber dafür gibt es etwas ähnlich Schlimmes, nämlich eine übertriebene politische Korrektheit. Die Bürgerrechte von Minderheiten werden immer noch mit Füßen getreten, aber der Polizist, der den schwarzen Verdächtigen ansonsten recht ruppig behandelt, muß ihn heute respektvoll mit "Sir" ansprechen, das steht in den Vorschriften. Homosexuelle werden immer noch vielfach geächtet, aber wehe, ein Komödiant (wie vor einigen Jahren Michael Richards, "Kramer" aus Seinfeld) bedient sich in einem improvisierten Monolog homophober Klischees. In jüngerer Zeit gab es den Fall der TV-Köchin Paula Deen, die zugegeben hatte, gelegentlich das "N-Wort" ("Nigger") benutzt zu haben. Niemand fragt, wie sei denn ihre schwarzen Angestellten behandelt haben mag, aber dieser äußere Anschein von Rassismus führt zur Ausgrenzung und faktisch zum Blacklisting im Fernsehgeschäft. Ähnliche Ausgrenzung droht in den USA oft auch Politikern, die des Ehebruchs überführt werden - plötzlich will niemand etwas mit ihnen zu tun haben. Leider gilt gleiches nicht, wenn jemand Dummheit nachgewiesen wird - vielleicht weil es keine entsprechende Interessengemeinschaft gibt (Tina Fey hat allerdings jüngst für 30 Rock.eine solche erfunden: Idiots Are People Two! ;-) In allen geschilderten Fällen können die Betroffenen jedenfalls froh sein, wenn ihre Liebsten zu ihnen halten - auf die Gemeinschaft ist trotz aller ehemaligen Verdienste kein Verlaß. O mein Liebling, verlaß mich bitte nicht...
Die gerade weltweit erschienene Blu-ray des Klassikers bietet ein brillant restauriertes Bild im Originalformat (4:3), tadellosen Originalton und eine Fülle von empfehlenswerten Extras.
Unfaßbar schlecht: The Lone Ranger (1/10)
Zum Glück hat es sich bereits rumgesprochen; der Saal ist gähnend leer - was auch eine Beschreibung für meinen Gemühtszustand sein könnte. Selten habe ich so oft auf die Uhr geschaut - noch eine Explosion, noch ein Rohrkrepierer von Gag, noch ein inhaltsloser Dialog. Disney schreibt zwischen 100 und 200 Millionen Dollar ab für diesen halbherzigen Versuch, den Erfolg von Fluch der Karibik zu wiederholen. Der war damals eine Überraschung, basierte aber auf einem einigermaßen schlüssigen Konzept, einer exquisit entwickelten Hauptfigur und dem opportunen Casting gleich zweier kommender Jungstars. Aber keine Sorge, das Geld kommt schon wieder rein, spätestens wenn der zugehörige ödeste Themenpark der Welt eröffnet wird!
Es ist in Hollywood ein offenes Geheimnis, daß viele Blockbuster-Drehbücher inzwischen Computer-generiert sind (CGS = Computer Generated Scripts). Noch kontrovers diskutiert wird, ob bei den Oscars eine entsprechende dritte Drehbuch-Kategorie eingeführt werden soll (dann hätten wir orginale, adaptierte und generische). Einem anderen Vorschlag zufolge soll nicht das CGS selbst, sondern die Vorgabe für den Algorithmus geehrt werden, so wie es bis 1957 den Oscar für die beste zugrundeliegende Story gab. Meine Internet-Recherche ergab für The Lone Ranger folgenden Input:
Nicht dem Computer anzulasten ist die Realisierung des Machwerks. Tom Wilkinson hat den gleichen Typ Bösewicht schon intensiver gegeben (ich habe mich nach dem Gespann Mario Adorf und Klaus Kinski gesehnt), Helena Bonham-Carter erinnert uns nur daran, in wie vielen guten Filme sie mitgespielt hat, Armie Hammer muß zwei Stunden lang wie der letzte Depp agieren, und Johnny Depp hämmert uns seine Sparrow-Kopie in die Birne. Angeblich hat er Respekt für seine (vage) indianische Herkunft ausdrücken wollen. Mir scheint, ihm ist der Respekt vor seinem Beruf abhanden gekommen. Gleiches scheint übrigens auch für den Komponisten Hans Zimmer zu gelten, denn der Soundtrack wirkt mehr wie eine lahme Zusammenstellung von Gassenhauern. Die Wilhelm-Tell-Ouvertüre, wirklich? Die Gesamtverantwortung hatte übrigens Gore Bruckheimer.
Ärgerlich (1/10).
Es ist in Hollywood ein offenes Geheimnis, daß viele Blockbuster-Drehbücher inzwischen Computer-generiert sind (CGS = Computer Generated Scripts). Noch kontrovers diskutiert wird, ob bei den Oscars eine entsprechende dritte Drehbuch-Kategorie eingeführt werden soll (dann hätten wir orginale, adaptierte und generische). Einem anderen Vorschlag zufolge soll nicht das CGS selbst, sondern die Vorgabe für den Algorithmus geehrt werden, so wie es bis 1957 den Oscar für die beste zugrundeliegende Story gab. Meine Internet-Recherche ergab für The Lone Ranger folgenden Input:
- Ursprungsgeschichten sind gerade hip, also weg mit dem Mythos!
- Wir haben die Rechte auf die alte Fernsehserie, aber wer schaut schon 221 Folgen. Die Titelbilder sind aussagekräftig genug.
- Die Handlung könnten wir eigentlich vom Schatz im Silbersee übernehmen.
- Man könnte die beiden Hauptfiguren aneinanderketten, damit sie auch ohne sonstige Gründe zueinander finden. Das hat schon 1958 in Flucht in Ketten funktioniert, aufgrund der heutigen durchschnittlichen Aufmerksamskeitsspanne machen wir das aber nur drei Minuten lang.
- Henry Fonda und Jason Robards und Eisenbahn-Salon - war cool in Spiel mir das Lied vom Tod, kennt bestimmt keiner mehr. Wir erinnern uns auch nur noch dunkel, aber was kann schon schiefgehen?
- Slapstick kann nicht schaden, also bedienen wir uns bei den Klassikern, z.B. bei Buster Keatons The General. Fürs heutige Publikum muß die Verfolgungsjagd per Zug allerdings so verkompliziert werden, daß niemand nachvollziehen kann, was gerade los ist.
- Die Komantschen hatten so ein schlimmes Schicksal, also mähnen wir mal ein paar Dutzend mit dem Maschinengewehr nieder.
- Die Tabakindustrie hat nicht genug fürs Product Placement rausgerückt, also lassen wir die Indianer saufen statt Pfeife rauchen.
- Fleischfressende Karnickel sind lustig.
- Werw%246%lfe tötet man mit silbernen Kugeln.
- Wenn die Helden sich in eine Ecke manövriert haben, lassen wir einfach das Zauberpferd die Situation lösen.
- Da wir nicht sicher sind, ob uns der Quatsch abgenommen wird, bauen wir eine noch abstrusere Rahmengeschichte drum rum.
Nicht dem Computer anzulasten ist die Realisierung des Machwerks. Tom Wilkinson hat den gleichen Typ Bösewicht schon intensiver gegeben (ich habe mich nach dem Gespann Mario Adorf und Klaus Kinski gesehnt), Helena Bonham-Carter erinnert uns nur daran, in wie vielen guten Filme sie mitgespielt hat, Armie Hammer muß zwei Stunden lang wie der letzte Depp agieren, und Johnny Depp hämmert uns seine Sparrow-Kopie in die Birne. Angeblich hat er Respekt für seine (vage) indianische Herkunft ausdrücken wollen. Mir scheint, ihm ist der Respekt vor seinem Beruf abhanden gekommen. Gleiches scheint übrigens auch für den Komponisten Hans Zimmer zu gelten, denn der Soundtrack wirkt mehr wie eine lahme Zusammenstellung von Gassenhauern. Die Wilhelm-Tell-Ouvertüre, wirklich? Die Gesamtverantwortung hatte übrigens Gore Bruckheimer.
Ärgerlich (1/10).
Samstag, 10. August 2013
SF-Klassiker #3: Barrayar (Lois McMaster Bujold, 1991)
Barrayar (1991) ist chronologisch der zweite Roman in der Vorkosigan-Saga (abgesehen von Falling Free (1988), das 200 Jahre vor der Haupthandlung spielt). , Er entstand aber in seiner veröffentlichten Form als siebter Teil der inzwischen über zwanzig Romane und Novellen der Reihe. Daher kann man schriftstellerisch auch einen deutlichen Qualitätssprung zwischen dem Erstling Scherben der Ehre/Shards of Honor und "Barrayar" erkennen. Kurioserweise war dies der dritte Hugo-Gewinner aus der Serie, nach der Novelle "The Mountains of Mourning" (1989) und dem Roman The Vor Game (1990).
Der Roman ist aus der Sicht von Cordelia Naismith Vorkosigan erzählt. Sie stammt vom hochtechnologisierten, egalitären, notdürftig terrageformten Planeten Beta. Im Vorgänger Shards of Honor hatte sie als Leiterin einer wissenschaftlichen Expedition Lord Aral Vorkosigan kennen- und liebengelernt und muß sich nun in ihrer neuen Rolle als Lady Vorkosigan in ihrer "hinterwäldlerischen", aber ökologisch erdähnlichen neuen Heimat Barrayar zurechtfinden. Das bedingt politische, gesellschaftliche und auch alltägliche Herausforderungen; herrlich Cordelias Reaktion auf die furchteinflößenden Ungeheuer ihres Schwiegervaters: von der Erde stammende Reitpferde. Erschwerend kommt hinzu, daß Aral, der sich eigentlich vom aktiven Militärdienst zurückgezogen hat, bald als Regent des fünfjährigen Imperators Gregor Vorbarrar im Mittelpunkt politischer Intrigen steht. Während sich ein blutiger Bürgerkrieg ankündigt, wird Cordelia schwanger mit dem langersehnten Erben des Hauses Vorkosigan...
Bis zur Entdeckung einer neuen Wurmloch-Passage war der Planet Barrayar jahrhundertelang von den übrigen galaktischen Zivilisationen abgeschnitten. Alle Macht liegt beim Imperator und einem Rat von "Grafen", der Vor-Klasse, mit Namen wie Vorrutyer, Vorpatril, Vorhartung etc. Auch wenn Fluggeräte und moderne Waffen bekannt sind, handelt es sich doch eher um eine mittelalterliche Welt, geprägt von der Landwirtschaft und erst am Beginn einer industriellen Revolution. Durch die Konfrontation mit "benachbarten" Welten bricht die Moderne über Barrayar herein, und die konservativen Kräfte (unter ihnen Arals Vater, Graf Piotr Vorkosigan) müssen um ihre Vorherrschaft bangen. Neben der Entwicklung der Charaktere und dem Heranwachsen einer neuen Generation legen diese übergreifenden Konflikte die Grundlage für eine komplexe, spannende Sternensaga.
Die Autorin schreibt im Nachwort zum Sammelband "Cordelia's Honor", der Subtext der beiden Romane sei ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Elternschaft. Und beim nachträglichen Reflektieren erkennt man tatsächlich deutlich diesen roten Faden, der die Handlung und die Entwicklung der Charaktere vorantreibt. Auch unter diesem Gesichtspunkt steht das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne. Auf Beta werden die meisten Säuglinge nach einigen Schwangerschaftsmonaten in "Uterin-Replikatoren" verpflanzt. Auf Barrayar dagegen werden mutierte, andersartige Babys gleich nach der (stets natürlichen) Geburt entsorgt. Cordelia und Aral sind dabei übrigens nicht die einzigen Eltern, die im Fokus stehen. Da sind die drei Generationen der Imperatorfamilie, mit dem sterbenden Großvater, der eine schwere Entscheidung bezüglich seines psychopathischen Sohns Serg fällen mußte, seiner nun verwitwete Schwiegertochter, die im Bürgerkrieg zwischen allen Fronten steht, und ihrem Sohn Gregor, auf dessen Schultern die Zukunft des Planeten liegt. Da ist der psychisch labile Sergeant Bothari, dessen Tochter Elena im Krieg durch eine (befohlene) Vergewaltigung gezeugt wurde, und da sind die Vorpatrils, deren Sohn Ivan auf der Flucht geboren wird.
Bujolds Kunst liegt darin, ihre tiefgehenden Anliegen zu einem derart spannenden, mitreißenden Garn zu verspinnen, daß sich der Leser zu keinem Zeitpunkt belehrt oder gar durch philosophische Ausführungen gelangweilt fühlt. Selten in der Geschichte der Science Fiction ist eine Welt derart plastisch dargestellt worden, und selten sind den Lesern die Figuren einer Saga so ans Herz gewachsen. Für viele Leser liegt die Bedeutung dieses Romans natürlich in der Geburtsstunde von Miles Naismith Vorkosigan, der wohl beliebtesten Figur der SF-Literatur der letzen 25 Jahre (Harry Potter zählen wir zur Fantasy). Der Erfolg der Serie ist für mich darin begründet, daß die Autorin immer wieder grundlegende menschliche Themen behandelt, vor einem wohldurchdachten technischen Hintergrund, neben reinen Abenteuerromanen und (in letzter Zeit) Romanzen, die immer noch willkommene Beiträge sind. Unglaubliche acht Teile der Saga wurden in der Roman-Kategorie für den Hugo nominiert, und mit Gewinnen für Mirror Dance (1995) und den zweiten Teil einer Fantasytrilogie, Paladin of Souls (2004), ist Bujold (Jahrgang 1949) der meistausgezeichnete lebende SF-Autor in dieser Kategorie (nur Heinlein gewann ebenfalls viermal).
Der Roman ist aus der Sicht von Cordelia Naismith Vorkosigan erzählt. Sie stammt vom hochtechnologisierten, egalitären, notdürftig terrageformten Planeten Beta. Im Vorgänger Shards of Honor hatte sie als Leiterin einer wissenschaftlichen Expedition Lord Aral Vorkosigan kennen- und liebengelernt und muß sich nun in ihrer neuen Rolle als Lady Vorkosigan in ihrer "hinterwäldlerischen", aber ökologisch erdähnlichen neuen Heimat Barrayar zurechtfinden. Das bedingt politische, gesellschaftliche und auch alltägliche Herausforderungen; herrlich Cordelias Reaktion auf die furchteinflößenden Ungeheuer ihres Schwiegervaters: von der Erde stammende Reitpferde. Erschwerend kommt hinzu, daß Aral, der sich eigentlich vom aktiven Militärdienst zurückgezogen hat, bald als Regent des fünfjährigen Imperators Gregor Vorbarrar im Mittelpunkt politischer Intrigen steht. Während sich ein blutiger Bürgerkrieg ankündigt, wird Cordelia schwanger mit dem langersehnten Erben des Hauses Vorkosigan...
Bis zur Entdeckung einer neuen Wurmloch-Passage war der Planet Barrayar jahrhundertelang von den übrigen galaktischen Zivilisationen abgeschnitten. Alle Macht liegt beim Imperator und einem Rat von "Grafen", der Vor-Klasse, mit Namen wie Vorrutyer, Vorpatril, Vorhartung etc. Auch wenn Fluggeräte und moderne Waffen bekannt sind, handelt es sich doch eher um eine mittelalterliche Welt, geprägt von der Landwirtschaft und erst am Beginn einer industriellen Revolution. Durch die Konfrontation mit "benachbarten" Welten bricht die Moderne über Barrayar herein, und die konservativen Kräfte (unter ihnen Arals Vater, Graf Piotr Vorkosigan) müssen um ihre Vorherrschaft bangen. Neben der Entwicklung der Charaktere und dem Heranwachsen einer neuen Generation legen diese übergreifenden Konflikte die Grundlage für eine komplexe, spannende Sternensaga.
Die Autorin schreibt im Nachwort zum Sammelband "Cordelia's Honor", der Subtext der beiden Romane sei ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Elternschaft. Und beim nachträglichen Reflektieren erkennt man tatsächlich deutlich diesen roten Faden, der die Handlung und die Entwicklung der Charaktere vorantreibt. Auch unter diesem Gesichtspunkt steht das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne. Auf Beta werden die meisten Säuglinge nach einigen Schwangerschaftsmonaten in "Uterin-Replikatoren" verpflanzt. Auf Barrayar dagegen werden mutierte, andersartige Babys gleich nach der (stets natürlichen) Geburt entsorgt. Cordelia und Aral sind dabei übrigens nicht die einzigen Eltern, die im Fokus stehen. Da sind die drei Generationen der Imperatorfamilie, mit dem sterbenden Großvater, der eine schwere Entscheidung bezüglich seines psychopathischen Sohns Serg fällen mußte, seiner nun verwitwete Schwiegertochter, die im Bürgerkrieg zwischen allen Fronten steht, und ihrem Sohn Gregor, auf dessen Schultern die Zukunft des Planeten liegt. Da ist der psychisch labile Sergeant Bothari, dessen Tochter Elena im Krieg durch eine (befohlene) Vergewaltigung gezeugt wurde, und da sind die Vorpatrils, deren Sohn Ivan auf der Flucht geboren wird.
Bujolds Kunst liegt darin, ihre tiefgehenden Anliegen zu einem derart spannenden, mitreißenden Garn zu verspinnen, daß sich der Leser zu keinem Zeitpunkt belehrt oder gar durch philosophische Ausführungen gelangweilt fühlt. Selten in der Geschichte der Science Fiction ist eine Welt derart plastisch dargestellt worden, und selten sind den Lesern die Figuren einer Saga so ans Herz gewachsen. Für viele Leser liegt die Bedeutung dieses Romans natürlich in der Geburtsstunde von Miles Naismith Vorkosigan, der wohl beliebtesten Figur der SF-Literatur der letzen 25 Jahre (Harry Potter zählen wir zur Fantasy). Der Erfolg der Serie ist für mich darin begründet, daß die Autorin immer wieder grundlegende menschliche Themen behandelt, vor einem wohldurchdachten technischen Hintergrund, neben reinen Abenteuerromanen und (in letzter Zeit) Romanzen, die immer noch willkommene Beiträge sind. Unglaubliche acht Teile der Saga wurden in der Roman-Kategorie für den Hugo nominiert, und mit Gewinnen für Mirror Dance (1995) und den zweiten Teil einer Fantasytrilogie, Paladin of Souls (2004), ist Bujold (Jahrgang 1949) der meistausgezeichnete lebende SF-Autor in dieser Kategorie (nur Heinlein gewann ebenfalls viermal).
Mittwoch, 7. August 2013
Proud to be Takei: Oh Myyy! (There goes the Internet)
In der vielversprechenden ersten Staffel der NBC-Serie Heroes (bevor diese unter ihrem eigenen Anspruch zusammenbrach) gibt es eine Schlüsselszene, in der Hiro (Masi Oka) das erste Mal seiner Nemesis begegnet. Als der geheimnisvolle Mann aus der Limousine aussteigt, bringt Hiro nur ein einziges Wort heraus - Otosa? (Vater?) Was dem SF-Fan eine Gänsehaut bereitet, ist jedoch die Besetzung von Hiros Vater mit George Takei, besser bekannt als Hikaru Sulu, Navigator der Enterprise und später Kapitän der Excelsior im Star-Trek-Universum.
George Takei, Jahrgang 1937, ist immer noch gefragt auf vielen Plattformen: Fernsehen, Kino, Bühne, Radio - Jimmy "Scotty" Doohan hatte vielleicht die vielseitigste, Takei aber sicher die sonorste Stimme der Originaldarsteller. Zusätzlich ist er profilierter Autor und seit Jahren ein Star der neuen Medien. Er hat Millionen Fans auf Twitter und Facebook. Auf seinen Aprilscherz mit der Nachricht, es sei ein Kinofilm mit Sulu als Kapitän der Excelsior geplant, fielen Tausende herein. Aber auch wenn er vor allem unterhalten möchte, nutzt er seinen Prominentenstatus auch für ernsthafte, insbesondere bürgerrechtliche Anliegen. So war er eine der führenden Stimmen im Kampf um die gleichgeschlechtliche Ehe und arbeitet das Unrecht der Inhaftierungslager für japanstämmige Amerikaner im Zweiten Weltkrieg auf - stets mit dem ihm eigenen unbekümmerten Humor:
Ein großes Verdienst ist auch die Schlichtung im Streit zwischen den Lagern von Star Wars und Star Trek, personifiziert durch eine Fehde zwischen Carrie Fisher und William Shatner. Seine Vermittlung (übrigens auf Anregung von Roger Ebert) vereinte die Lager gegen den gemeinsamen Feind: das dümmliche Twilight-Franchise. Den vergnüglichen Schlagabtausch kann man bei YouTube nachverfolgen.
Als der Staat Tennessee in Grundschulen den Gebrauch des Wortes "gay" (schwul) und damit jede Erwähnung von Homosexualität verbieten wollte, stellte Takei selbstlos seinen eigenen Namen als Ersatzwort zur Verfügung, etwa für eine Takei-Parade. Dazu verkaufte er T-Shirts mit der Aufschrift "Proud to be Takei". Das umstrittene Gesetz kam nicht zustande.
In Oh Myyy! (There goes the Internet) berichtet Takei nun von diesen und anderen Abenteuern mit den neuen Medien. Ohne Ghostwriter, in elegeganter, klarer Sprache, gelingt es ihm dabei zu unterhalten und zu informieren. Ich persönlich habe viel über die mir unbekannten Welten von Twitter und Facebook gelernt, aber auch Experten können sicher von seinen Erfahrungen profitieren. Seine Facebook-Seite ist eine der beliebtesten überhaupt, und er hat sogar einen direkten Draht zu den Entwicklern gefunden, um technische Probleme zu diskutieren.
Die Fernsehwelt hat Sulu eine Tochter spendiert. In der Realität begnügt sich George Takei damit, der schwule, freche Lieblingsonkel von Tausenden zu sein, und geht nicht den Weg von Elton John, der mit seinem Ehemann im Rentenalter noch ein Kind adoptiert hat.
George Takei, Jahrgang 1937, ist immer noch gefragt auf vielen Plattformen: Fernsehen, Kino, Bühne, Radio - Jimmy "Scotty" Doohan hatte vielleicht die vielseitigste, Takei aber sicher die sonorste Stimme der Originaldarsteller. Zusätzlich ist er profilierter Autor und seit Jahren ein Star der neuen Medien. Er hat Millionen Fans auf Twitter und Facebook. Auf seinen Aprilscherz mit der Nachricht, es sei ein Kinofilm mit Sulu als Kapitän der Excelsior geplant, fielen Tausende herein. Aber auch wenn er vor allem unterhalten möchte, nutzt er seinen Prominentenstatus auch für ernsthafte, insbesondere bürgerrechtliche Anliegen. So war er eine der führenden Stimmen im Kampf um die gleichgeschlechtliche Ehe und arbeitet das Unrecht der Inhaftierungslager für japanstämmige Amerikaner im Zweiten Weltkrieg auf - stets mit dem ihm eigenen unbekümmerten Humor:
Warum sind japanstämmige Amerikaner so gut in Mathe? - Weil sie Jahre im Konzentrationslager waren!
Ein großes Verdienst ist auch die Schlichtung im Streit zwischen den Lagern von Star Wars und Star Trek, personifiziert durch eine Fehde zwischen Carrie Fisher und William Shatner. Seine Vermittlung (übrigens auf Anregung von Roger Ebert) vereinte die Lager gegen den gemeinsamen Feind: das dümmliche Twilight-Franchise. Den vergnüglichen Schlagabtausch kann man bei YouTube nachverfolgen.
Als der Staat Tennessee in Grundschulen den Gebrauch des Wortes "gay" (schwul) und damit jede Erwähnung von Homosexualität verbieten wollte, stellte Takei selbstlos seinen eigenen Namen als Ersatzwort zur Verfügung, etwa für eine Takei-Parade. Dazu verkaufte er T-Shirts mit der Aufschrift "Proud to be Takei". Das umstrittene Gesetz kam nicht zustande.
In Oh Myyy! (There goes the Internet) berichtet Takei nun von diesen und anderen Abenteuern mit den neuen Medien. Ohne Ghostwriter, in elegeganter, klarer Sprache, gelingt es ihm dabei zu unterhalten und zu informieren. Ich persönlich habe viel über die mir unbekannten Welten von Twitter und Facebook gelernt, aber auch Experten können sicher von seinen Erfahrungen profitieren. Seine Facebook-Seite ist eine der beliebtesten überhaupt, und er hat sogar einen direkten Draht zu den Entwicklern gefunden, um technische Probleme zu diskutieren.
Die Fernsehwelt hat Sulu eine Tochter spendiert. In der Realität begnügt sich George Takei damit, der schwule, freche Lieblingsonkel von Tausenden zu sein, und geht nicht den Weg von Elton John, der mit seinem Ehemann im Rentenalter noch ein Kind adoptiert hat.
Klassiker auf Blu-ray #6: Hayao Miyazakis "Kikis kleiner Lieferservice" (1989)
Kiki ist eine dreizehnjährige Hexe und muß für ihre Ausbildung ein Jahr lang ihr Glück in einer fremden Stadt versuchen. Sie schwingt sich also mit ihrem Kater Jiji auf ihren Besen und braust davon - nun ja, der Start gerät noch etwas holprig, und unterwegs sucht sie auch schon mal Schutz vor Regen in einem Güterzug. Aber dann findet sie eine Großstadt am Meer, die ihr gefällt. Zwar sind ihre ersten Begegnungen nicht vielversprechend, daber dann kommt sie bei einer freundlichen Bäckerin unter und versucht, mit ihrer einzigen Hexenbegabung - dem Fliegen - einen Lieferservice aufzubauen.
Bereits in den ersten Momenten zaubert der Überschwang des jungen Mädchens ein Lächeln ins Gesicht des Zuschauers, das dann 90 Minuten lang höchstens mal ein paar Tränen der Rührung weichen muß. Kiki erlebt einfache und doch packende Abenteuer in einer verklärten europäischen Welt mit Straßenbahnen und Automobilen, in denen eine fliegende Hexe nur ein weiteres Kuriosum ist. Zeppeline sind im Flugverkehr die Norm, und Teenager bauen eigene Flugapparate auf Fahrradbasis. Die beschwingte (und uns Westlern recht zugängliche) Musik von Joe Hisaishi und natürlich die farbenprächtigen, mal eher impressionistischen, mal sehr detailreich realistischen Animationen des Teams vom japanischen Studio Ghibli erzeugen eine wunderbar märchenhafte Stimmung.
Regisseur Hayao Miyazaki, geboren 1941 in Tokyo, wird gern der japanische Walt Disney genannt. Er hat japanische Anime-Traditionen und unterschiedliche europäische Einflüsse zu einem einmaligen eigenen Stil verbunden und ist wie einstmals Disney ein begnadeter Erzähler. Seine Filme sind immer noch handgemalt, obgleich inzwischen zusätzliche Computertechniken zum Einsatz kommen, und gehören nach dem durch Pixar eingeläuteten Siegeszug der Computeranimation wohl zu den letzten ihrer Art. Miyazakis junge Helden behaupten sich in perfekt inszenierten Fantasiewelten. Als Grundthema könnte man die Suche nach Harmonie betrachten, oft in einem ökologischen Kontext. Die meisten seiner Filme sind komplett der Fantasy zuzuordnen, die besten davon Nausicaa (1984, 9/10), Prinzessin Mononoke (1997, 8/10) und das oscargekrönte Chihiros Reise ins Zauberland (2001, 8/10).
Meine Lieblingsfilme des japanischen Meisters sind aber Kikis kleiner Lieferservice (1989) und sein vielleicht sogar noch besserer Vorgänger, Mein Nachbar Totoro (1988). Sie enthalten nur leichte Fantasy-Elemente, sind für Kinder und Erwachsene gleichsam geeignet und stehen für mich auf einer Stufe mit Disneys frühen Meisterwerken. Trotz aller technischer Raffinessen der Pixar-Produktionen ist Pete Docters Oben (2009) der einzige Zeichentrickfilm der letzten Jahrzehnte, der mich ähnlich berührt hat. Neben Disneys Dschungelbuch sind die genannten auch die einzigen Trickfilme, für die ich die Höchstwertung 10/10 vergeben mag.
Bereits in den ersten Momenten zaubert der Überschwang des jungen Mädchens ein Lächeln ins Gesicht des Zuschauers, das dann 90 Minuten lang höchstens mal ein paar Tränen der Rührung weichen muß. Kiki erlebt einfache und doch packende Abenteuer in einer verklärten europäischen Welt mit Straßenbahnen und Automobilen, in denen eine fliegende Hexe nur ein weiteres Kuriosum ist. Zeppeline sind im Flugverkehr die Norm, und Teenager bauen eigene Flugapparate auf Fahrradbasis. Die beschwingte (und uns Westlern recht zugängliche) Musik von Joe Hisaishi und natürlich die farbenprächtigen, mal eher impressionistischen, mal sehr detailreich realistischen Animationen des Teams vom japanischen Studio Ghibli erzeugen eine wunderbar märchenhafte Stimmung.
Regisseur Hayao Miyazaki, geboren 1941 in Tokyo, wird gern der japanische Walt Disney genannt. Er hat japanische Anime-Traditionen und unterschiedliche europäische Einflüsse zu einem einmaligen eigenen Stil verbunden und ist wie einstmals Disney ein begnadeter Erzähler. Seine Filme sind immer noch handgemalt, obgleich inzwischen zusätzliche Computertechniken zum Einsatz kommen, und gehören nach dem durch Pixar eingeläuteten Siegeszug der Computeranimation wohl zu den letzten ihrer Art. Miyazakis junge Helden behaupten sich in perfekt inszenierten Fantasiewelten. Als Grundthema könnte man die Suche nach Harmonie betrachten, oft in einem ökologischen Kontext. Die meisten seiner Filme sind komplett der Fantasy zuzuordnen, die besten davon Nausicaa (1984, 9/10), Prinzessin Mononoke (1997, 8/10) und das oscargekrönte Chihiros Reise ins Zauberland (2001, 8/10).
Meine Lieblingsfilme des japanischen Meisters sind aber Kikis kleiner Lieferservice (1989) und sein vielleicht sogar noch besserer Vorgänger, Mein Nachbar Totoro (1988). Sie enthalten nur leichte Fantasy-Elemente, sind für Kinder und Erwachsene gleichsam geeignet und stehen für mich auf einer Stufe mit Disneys frühen Meisterwerken. Trotz aller technischer Raffinessen der Pixar-Produktionen ist Pete Docters Oben (2009) der einzige Zeichentrickfilm der letzten Jahrzehnte, der mich ähnlich berührt hat. Neben Disneys Dschungelbuch sind die genannten auch die einzigen Trickfilme, für die ich die Höchstwertung 10/10 vergeben mag.
Sonntag, 4. August 2013
Grobe Prügeleien: Pacific Rim (4/10)
Wenn es nicht immer noch ein paar erfolgreiche Franchises gäbe, müßte Hollywood schon längst unter der Last seiner gescheiterten Blockbuster implodiert sein. Alle zwei Wochen wird versucht, uns die neueste Sensation zu verkaufen. Jedes vorstellbare Zelt würde unter dem Gewicht derart vieler Zeltstangen ("Tentpoles") im Erdboden versinken. Manchmal wünscht man sich die alten autokratischen Studioköpfe zurück, Louis B. Mayer, Jack Warner, Samuel Goldwyn. Was hätten diese Haudegen wohl von den heutigen sogenannten "High Concepts" gehalten, bei denen selbst in die Verfilmung simpler Brettspiele Hunderte Millionen Dollars versenkt werden - siehe Battleship (Schiffe versenken).
Hinter Guillermo del Toros Pacific Rim steht wenigstens eine gewisse Vision, nämlich die Fortführung der japanischen Kaiju-Filme (Godzilla!) mit modernen Mitteln. Die Herkunft der Monster wird mit dem bekannten SF-Konzept eines Paralleluniversums "erklärt". Leider verlieren sie dadurch viel von ihrem Mythos. Godzilla war ja vor allem die Inkarnation der japanischen Urängste vor der Atombombe und allgemein unvorhersehbaren Naturgewalten. Jetzt kommen die Monster also durch eine tektonischen Spalte als Vorhut einer Alien-Invasion und werden mit von jeweils zwei Menschen gesteuerten gigantischen Androiden bekämpft.
Die Action besteht im wesentlichen aus Prügeleien zwischen CGI-Monstern und CGI-Robotern, schnell geschnitten, mit im Halbdunkel oft verschwimmenden Details. Inmitten des Getöses ab und zu brüllende, kaum zu verstehende Kommunikation zwischen dem Kommandozentrum und den eingesetzten Soldaten. Totenöde also - gerade im Vergleich mit dem hocheleganten Stab-Zweikampf zwischen den Hauptdarstellern (bzw. ihren Stuntdoubles), bei dem ihre "Kompatibilität" geprüft werden soll.
Dann gibt es noch die menschliche Ebene, die Dynamik zwischen den Steuerungspartnern und der dahinterstehenden militärischen Organisation. Del Toro ist es allerdings noch selten gelungen, menschliche Interaktion über eine Handlungskurve hinweg überzeugend darzustellen - daran haben auch seine visuell sehenswerten Hellboy-Filme gekrankt. Die hatten immerhin eine charismatische zentrale Figur - hier schmerzlich vermisst gerade beim herrlichen Cameo von Ron Perlman. Auf die Knallchargen von Wissenschaftlern, die selbst in der Big Bang Theory überzogen wirken würden, hätte man besser verzichtet. Anderseits gibt es Sprenkel von (vorwiegend visuellem) Humor, die durchaus mal für ein befreiendes Lachen gut sind.
Nach dieser frustrierenden Erfahrung kann man wohl froh sein, daß Peter Jackson den Hobbit doch selbst in die Hand genommen hat. Guillermo del Toro sollte sich vielleicht mehr auf kleinere, intime Filme konzentrieren. Schließlich hat er 2006 mit Pans Labyrinth einen herausragenden, erschütternden Film über die Schrecken des spanischen Bürgerkriegs abgeliefert. Davon würde ich gern mehr sehen, bestimmt aber keine Fortsetzung dieses mißlungenen Blockbusters. Erträglich (4/10).
Hinter Guillermo del Toros Pacific Rim steht wenigstens eine gewisse Vision, nämlich die Fortführung der japanischen Kaiju-Filme (Godzilla!) mit modernen Mitteln. Die Herkunft der Monster wird mit dem bekannten SF-Konzept eines Paralleluniversums "erklärt". Leider verlieren sie dadurch viel von ihrem Mythos. Godzilla war ja vor allem die Inkarnation der japanischen Urängste vor der Atombombe und allgemein unvorhersehbaren Naturgewalten. Jetzt kommen die Monster also durch eine tektonischen Spalte als Vorhut einer Alien-Invasion und werden mit von jeweils zwei Menschen gesteuerten gigantischen Androiden bekämpft.
Die Action besteht im wesentlichen aus Prügeleien zwischen CGI-Monstern und CGI-Robotern, schnell geschnitten, mit im Halbdunkel oft verschwimmenden Details. Inmitten des Getöses ab und zu brüllende, kaum zu verstehende Kommunikation zwischen dem Kommandozentrum und den eingesetzten Soldaten. Totenöde also - gerade im Vergleich mit dem hocheleganten Stab-Zweikampf zwischen den Hauptdarstellern (bzw. ihren Stuntdoubles), bei dem ihre "Kompatibilität" geprüft werden soll.
Dann gibt es noch die menschliche Ebene, die Dynamik zwischen den Steuerungspartnern und der dahinterstehenden militärischen Organisation. Del Toro ist es allerdings noch selten gelungen, menschliche Interaktion über eine Handlungskurve hinweg überzeugend darzustellen - daran haben auch seine visuell sehenswerten Hellboy-Filme gekrankt. Die hatten immerhin eine charismatische zentrale Figur - hier schmerzlich vermisst gerade beim herrlichen Cameo von Ron Perlman. Auf die Knallchargen von Wissenschaftlern, die selbst in der Big Bang Theory überzogen wirken würden, hätte man besser verzichtet. Anderseits gibt es Sprenkel von (vorwiegend visuellem) Humor, die durchaus mal für ein befreiendes Lachen gut sind.
Nach dieser frustrierenden Erfahrung kann man wohl froh sein, daß Peter Jackson den Hobbit doch selbst in die Hand genommen hat. Guillermo del Toro sollte sich vielleicht mehr auf kleinere, intime Filme konzentrieren. Schließlich hat er 2006 mit Pans Labyrinth einen herausragenden, erschütternden Film über die Schrecken des spanischen Bürgerkriegs abgeliefert. Davon würde ich gern mehr sehen, bestimmt aber keine Fortsetzung dieses mißlungenen Blockbusters. Erträglich (4/10).
Flüchtiges Komödchen von Almodóvar: Fliegende Liebende (6/10)
Pedro Almodóvar, der weltweit berühmteste (lebende) spanische Regisseur, begann seine Karriere mit schrillen, ab und zu die Grenzen des guten Geschmacks überschreitenden Komödien (Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs), die oft grotesk fast alle Schattierungen der menschlichen Sexualität ausloteten. Zunächst nur in Arthaus-Kreisen bekannt, gelang ihm 1999 mit Alles über meine Mutter der internationale Durchbruch (Oscar für den besten fremdsprachigen Film), 2002 folgte mit Sprich mit ihr der nächste Triumph (Oscar für das beste Originaldrehbuch). Das waren vielschichtige Mischungen aus Drama und Komödie, zwar im Vergleich zu seinem Frühwerk gemäßigt, aber immer noch kraftvoll und mutig in der Darstellung von Subkulturen und abweichenden Geschlechterrollen.Er hat ein Auge für ungewöhnliche Gesichter und ein Herz für starke Frauenfiguren. Zwei seiner Lieblingsdarsteller sind inzwischen Weltstars und eröffnen in einem Cameo seine neueste Komödie: Penélope Cruz und Antonio Banderas.
Nach der teilweise schwer verdaulichen Kost der letzten Dekade (den Vorgänger Die Haut, in der ich wohne fand ich ziemlich unerträglich) erklärt Pedro diesmal die Leichtigkeit zum Programm. Herausgekommen ist dabei ein flüchtiges Komödchen ohne Tiefe und leider auch ohne viel Witz - nett, aber schnell vergessen. Es ist ein Kammerspiel, das sich vorwiegend in der Ersten Klasse des Fliegers abspielt. Da gibt es die drei herzallerliebsten schwulen Stewards, die in einer der besten Szenen zum größten Hit der Pointer Sisters posieren - daher übrigens auch der US-Titel: "I'm So Excited". Dazu gesellen sich weitere trinkfreudige Crewmitglieder und einige mild karikierte Passagiere, darunter Almodóvar-"Veteranen" Lola Dueñas als Noch-Jungfrau Bruna und Cecilia Roth als Pornokönigin. Durch freigiebige Mescalin-Zugabe zu den Drinks wird die Stimmung schnell ausgelassen. Es gibt eine ärgerliche Szene, als Bruna einen schlafenden Passagier vergewaltigt - es wäre im abgedrehten Kontext so einfach gewesen, ihn aufzuwecken und zu verführen! Dann bekommen wir, über Telefonate aus dem Flieger heraus verknüpft, einige Szenen mit den Ex-Freundinnen (Augenweiden: Paz Vega und die junge Blanca Suárez) eines Passagiers zu sehen - vielversprechend und dann doch erzählerische Seifenblasen.
Fliegende Liebende, im Original sowohl "Flüchtige Liebende" als auch "Liebende Passagiere", bedeuten für den Meister nur Mittelmaß. Mit viel Sympathie für Pedro und sein Ensemble vergebe ich noch ein Ordentlich (6/10).
Nach der teilweise schwer verdaulichen Kost der letzten Dekade (den Vorgänger Die Haut, in der ich wohne fand ich ziemlich unerträglich) erklärt Pedro diesmal die Leichtigkeit zum Programm. Herausgekommen ist dabei ein flüchtiges Komödchen ohne Tiefe und leider auch ohne viel Witz - nett, aber schnell vergessen. Es ist ein Kammerspiel, das sich vorwiegend in der Ersten Klasse des Fliegers abspielt. Da gibt es die drei herzallerliebsten schwulen Stewards, die in einer der besten Szenen zum größten Hit der Pointer Sisters posieren - daher übrigens auch der US-Titel: "I'm So Excited". Dazu gesellen sich weitere trinkfreudige Crewmitglieder und einige mild karikierte Passagiere, darunter Almodóvar-"Veteranen" Lola Dueñas als Noch-Jungfrau Bruna und Cecilia Roth als Pornokönigin. Durch freigiebige Mescalin-Zugabe zu den Drinks wird die Stimmung schnell ausgelassen. Es gibt eine ärgerliche Szene, als Bruna einen schlafenden Passagier vergewaltigt - es wäre im abgedrehten Kontext so einfach gewesen, ihn aufzuwecken und zu verführen! Dann bekommen wir, über Telefonate aus dem Flieger heraus verknüpft, einige Szenen mit den Ex-Freundinnen (Augenweiden: Paz Vega und die junge Blanca Suárez) eines Passagiers zu sehen - vielversprechend und dann doch erzählerische Seifenblasen.
Fliegende Liebende, im Original sowohl "Flüchtige Liebende" als auch "Liebende Passagiere", bedeuten für den Meister nur Mittelmaß. Mit viel Sympathie für Pedro und sein Ensemble vergebe ich noch ein Ordentlich (6/10).
Freitag, 2. August 2013
Momentaufnahmen von Ikonen: Hitchcock (8/10), Hyde Park am Hudson (7/10)
Eines der größten Vergnügen für den Kinozuschauer ist es, wenn ein Film historische Figuren zum Leben erweckt. Ohne das hätte z.B. Scorseses Aviator nur halb so viel Spaß gemacht: Leonardo DiCaprio beeindruckend als Howard Hughes, Jude Law schmissig als Errol Flynn, Cate Blanchett technisch perfekt als Katherine Hepburn (Oscar!), sogar Kate Beckinsale als Ava Gardner zumindest optisch angemessen. Für Schauspieler sind solche Aufgaben Traum und Albtraum zugleich. Die Erwartungshaltung ist groß, und der Spott bei Mißlingen ebenso. Den mußte jüngst sogar Oscar-Preisträger Adrien Brody für sein Cameo als Salvadore Dalí in Woody Allens Midnight in Paris einstecken. Meist erinnern wir uns aber an gelungene, oft preisgekrönte Porträts, die Drehbuchschwächen vergessen machen und auch mittelmäßigen Filmen einen besonderen Glanz verleihen können - zuletzt etwa Daniel Day-Lewis als Abraham Lincoln, Colin Firth als King George VI. und Michelle Williams als Marilyn Monroe,
Bei der Darstellung von Figuren der jüngeren Geschichte kommen oft sehr spezifische Erwartungen ins Spiel. Es sind Fotos, Ton- oder sogar Filmaufnahmen bekannt, manchmal sind sie in der Öffentlichkeit bis zur Legende verklärt. Anthony Hopkins als Alfred Hitchcock in Hitchcock und Bill Murray als Franklin D. Roosevelt in Hyde Park on the Hudson gelingen eindrucksvolle Porträts, Momentaufnahmen, die ikonische Figuren nicht einfach kopieren, sondern plausible Einblicke in die Menschen jenseits des offiziellen Bildes konstruieren. Die schärfsten Kritiker der beiden Filme hadern mit ihren nicht erfüllten Erwartungen. Es ist aber nicht fair, an möglicherweise falschem Marketing einen Mißerfolg festzumachen. Hitchcock ist trotz des Titels eher die faszinierende Geschichte von Alma und Alfred, kein reines Porträt des genialen Regisseurs und schon gar keine Dokumentation seiner einzigartigen Arbeitsweise. Hyde Park am Hudson zeigt keinen idealisierten, fast schon als nationales Heiligtum kanonisierten Präsidenten, sondern einen Menschen mit Schwächen und Fehlern.
Anthony Hopkins sieht trotz Makeup und Figuranpassung nicht wirklich wie der medienpräsenteste Regisseur des 20. Jahrhunderts aus, trifft dessen markante Sprechweise auch nur annähernd. Trotzdem habe ich mich gern auf dieses Spiel eingelassen und nie Hannibal Lector oder eine andere von Hopkins' berühmten Figuren gesehen. Der Film zeigt Hitchcock an einem entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben. Gerade 60 geworden, hatte er mit Der unsichtbare Dritte sein erfolgreichstes (und für mich auch bestes) Werk abgeliefert. Die amerikanische Kritik, die seine Kunst ja schändlicherweise nie anerkannt hatte, bezweifelte, ob er diesen Erfolg wiederholen könne. Er selbst wollte keine weiteren Filme nach dem gleichen Schema drehen. Er spürte wohl das Nachlassen seiner Energie, wollte es aber zumindest einmal noch allen zeigen, und das ausgerechnet mit einem Horrorfilm, zum Schrecken der Finanziers und der Zensurbehörde.
Hopkins zeigt all diese widersprüchlichen Emotionen und wird dabei kongenial unterstützt von Helen Mirren (Oscar für Die Queen) als Alma Reville, Hitchcocks Ehefrau und Mitstreiterin. Filmemachen ist ja keine einsame Kunst, sondern erfordert konstruktive Zusammenarbeit und die Schaffung einer kreativen Atmosphäre in allen Stadien des Prozesses. Das Beiträge Almas insbesondere zu Script und Post Production sind nicht zu unterschätzen, und obwohl Schauspieler lt. dem Meister "wie Vieh behandelt werden sollten", merkt man doch, daß Hitch auch Inspiration von seinen Darstellern bezog. Hervorzuheben hier Scarlett Johannson als Janet Leigh und James D'Arcy als Anthony Perkins. Und was wäre die Duschszene ohne Bernard Hermanns stechende Musik? Ob die vom Drehbuch stipulierte Ehekrise tatsächlich der Realität entspricht, ist für den Erfolg des Films unwesentlich. Sie illustriert in einer gelungenen Parallele die kreativen Probleme und ist daher Teil der filmischen Wahrheit. Sehr gut (8/10).
Bill Murray zeigt als FDR eine abgeschwächte Form der humorvollen Lebensüberdrüssigkeit seiner Figur aus Lost in Translation, allerdings gepaart mit einem scharfen Verstand und charismatischem Auftreten. Ihm ebenbürtig Samuel West und Olivia Colman als das britische Königspaar, nicht so glamourös wie Firth und Bonham-Carter in Die Rede des Königs, dafür mit mehr Humor und genauso authentisch. Herrlich das Hin und Her zur Frage, ob ein Monarch einen Hot Dog essen sollte, und bewegend das Zwiegespräch zwischen dem lahmen Präsidenten und dem stotternden König. Zur Besetzung frage ich mich allerdings schon, ob die an sich wunderbare Olivia Williams nicht effektiver als Königin denn als Eleanor Roosevelt gewesen wäre: eine undankbare Rolle, in der sie recht blass wirkt. Genauso kommt Laura Linney als FDRs Geliebte Daisy nicht so recht zum Zuge, was aber auch an der schlecht strukturierten Geschichte liegt. Hier hätte das Drehbuch die überlieferten Fakten (DaisysTagebuch wurde nach ihrem Tod veröffentlicht) in eine filmische Wahrheit wandeln müssen. Nach kurzweiligen, eher episodischen 90 Minuten vermißt man doch einen roten Faden. Gut (7/10).
Beide Filme sind gerade als Blu-rays erschienen.
Bei der Darstellung von Figuren der jüngeren Geschichte kommen oft sehr spezifische Erwartungen ins Spiel. Es sind Fotos, Ton- oder sogar Filmaufnahmen bekannt, manchmal sind sie in der Öffentlichkeit bis zur Legende verklärt. Anthony Hopkins als Alfred Hitchcock in Hitchcock und Bill Murray als Franklin D. Roosevelt in Hyde Park on the Hudson gelingen eindrucksvolle Porträts, Momentaufnahmen, die ikonische Figuren nicht einfach kopieren, sondern plausible Einblicke in die Menschen jenseits des offiziellen Bildes konstruieren. Die schärfsten Kritiker der beiden Filme hadern mit ihren nicht erfüllten Erwartungen. Es ist aber nicht fair, an möglicherweise falschem Marketing einen Mißerfolg festzumachen. Hitchcock ist trotz des Titels eher die faszinierende Geschichte von Alma und Alfred, kein reines Porträt des genialen Regisseurs und schon gar keine Dokumentation seiner einzigartigen Arbeitsweise. Hyde Park am Hudson zeigt keinen idealisierten, fast schon als nationales Heiligtum kanonisierten Präsidenten, sondern einen Menschen mit Schwächen und Fehlern.
Anthony Hopkins sieht trotz Makeup und Figuranpassung nicht wirklich wie der medienpräsenteste Regisseur des 20. Jahrhunderts aus, trifft dessen markante Sprechweise auch nur annähernd. Trotzdem habe ich mich gern auf dieses Spiel eingelassen und nie Hannibal Lector oder eine andere von Hopkins' berühmten Figuren gesehen. Der Film zeigt Hitchcock an einem entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben. Gerade 60 geworden, hatte er mit Der unsichtbare Dritte sein erfolgreichstes (und für mich auch bestes) Werk abgeliefert. Die amerikanische Kritik, die seine Kunst ja schändlicherweise nie anerkannt hatte, bezweifelte, ob er diesen Erfolg wiederholen könne. Er selbst wollte keine weiteren Filme nach dem gleichen Schema drehen. Er spürte wohl das Nachlassen seiner Energie, wollte es aber zumindest einmal noch allen zeigen, und das ausgerechnet mit einem Horrorfilm, zum Schrecken der Finanziers und der Zensurbehörde.
Hopkins zeigt all diese widersprüchlichen Emotionen und wird dabei kongenial unterstützt von Helen Mirren (Oscar für Die Queen) als Alma Reville, Hitchcocks Ehefrau und Mitstreiterin. Filmemachen ist ja keine einsame Kunst, sondern erfordert konstruktive Zusammenarbeit und die Schaffung einer kreativen Atmosphäre in allen Stadien des Prozesses. Das Beiträge Almas insbesondere zu Script und Post Production sind nicht zu unterschätzen, und obwohl Schauspieler lt. dem Meister "wie Vieh behandelt werden sollten", merkt man doch, daß Hitch auch Inspiration von seinen Darstellern bezog. Hervorzuheben hier Scarlett Johannson als Janet Leigh und James D'Arcy als Anthony Perkins. Und was wäre die Duschszene ohne Bernard Hermanns stechende Musik? Ob die vom Drehbuch stipulierte Ehekrise tatsächlich der Realität entspricht, ist für den Erfolg des Films unwesentlich. Sie illustriert in einer gelungenen Parallele die kreativen Probleme und ist daher Teil der filmischen Wahrheit. Sehr gut (8/10).
Bill Murray zeigt als FDR eine abgeschwächte Form der humorvollen Lebensüberdrüssigkeit seiner Figur aus Lost in Translation, allerdings gepaart mit einem scharfen Verstand und charismatischem Auftreten. Ihm ebenbürtig Samuel West und Olivia Colman als das britische Königspaar, nicht so glamourös wie Firth und Bonham-Carter in Die Rede des Königs, dafür mit mehr Humor und genauso authentisch. Herrlich das Hin und Her zur Frage, ob ein Monarch einen Hot Dog essen sollte, und bewegend das Zwiegespräch zwischen dem lahmen Präsidenten und dem stotternden König. Zur Besetzung frage ich mich allerdings schon, ob die an sich wunderbare Olivia Williams nicht effektiver als Königin denn als Eleanor Roosevelt gewesen wäre: eine undankbare Rolle, in der sie recht blass wirkt. Genauso kommt Laura Linney als FDRs Geliebte Daisy nicht so recht zum Zuge, was aber auch an der schlecht strukturierten Geschichte liegt. Hier hätte das Drehbuch die überlieferten Fakten (DaisysTagebuch wurde nach ihrem Tod veröffentlicht) in eine filmische Wahrheit wandeln müssen. Nach kurzweiligen, eher episodischen 90 Minuten vermißt man doch einen roten Faden. Gut (7/10).
Beide Filme sind gerade als Blu-rays erschienen.
Hugh Jackman Superstar: The Wolverine (7/10)
Chronologisch als Überleitung zwischen X:3 und dem für Mai nächsten Jahres angekündigten X-Men: Days of Future Past angelegt, ist The Wolverine der fünfte Film mit Hugh Jackman als Logan, dem Mutanten mit grenzenlosen Selbstheilungskräften, dem Adamantium-Skelett und den ausfahrbaren Stahlklauen. Dabei nicht gezählt: ein herrliches Cameo in X-Men: Erste Entscheidung. Damit ist Hugh Jackman neben Robert Downey Jr. (Iron Man) der erfolgreichste Comicdarsteller der letzten Dekaden. Es ist nur zu hoffen, daß dem bald 45jährigen demnächst die Computertechnik zur Seite steht, denn es muß doch langsam eine Qual sein, für jeden Dreh diesen eindrucksvollen Oberkörper eines Bodybuilders mit herkömmlichen Mitteln aufzubauen.
Nach einem kurzen Flashback ins Jahr 1945 setzt die Erzählung direkt nach den Ereignissen von X:3 an, als Logan gezwungen war, die Liebe seines Lebens zu töten, nachdem ihre telekinetische Kräfte unkontrollierbar geworden waren. Jetzt führt er ein verzotteltes Einsiedlerleben in der kanadischen Wildnis, mit einem Grizzlybär als gleichgesinnten Nachbar. Hier spürt ihn die bizarre junge Japanerin Yukio auf, die mit ihrem ausdrucksstarken Gesichtchen, ihren grellroten Haaren und ihren artistischen Kampfkünsten direkt einem Manga entsprungen sein könnte. Sie überredet ihn, sie nach Japan zu ihrem Boss Yashida zu begleiten, dem Logan in Nagasaki einst das Leben rettete, und der sich vor seinem Tod endlich bei seinem Retter bedanken möchte. In Japan gerät Wolverine in ein dichtes Intrigenspiel mit der mächtigen Industriellenfamilie Yashidas, korrupten Politikern und der Yakuza. Eine wichtige Rolle scheint die aparte Enkelin Mariko des alten Freundes zu spielen, und schon bald sprühen in jeder Hinsicht die Funken. Zudem scheinen Logans Heilungskräfte nachzulassen, was die Identitätskrise des ewigen Soldaten zu einem Höhepunkt bringt...
Technisch ist The Wolverine eine willkommene Rückbesinnung auf altmodische Stunts, mit so wenig CGI wie möglich. Die Kämpfe sind packend und nachvollziehbar. Ausnahme bleibt genrebedingt das explosive Finale, das mal wieder übertrieben und unlogisch erscheint. Daneben gibt es erstaunlich viele leise Charaktermomente, so etwa Traumszenen mit Famke Janssen als Jean Grey, in denen die Todessehnsucht des Unsterblichen zum Ausdruck kommt. Japan mit seinen traditionellen Pagoden und hochtechnisierten Verkehrsmitteln ist eine wunderbare Kulisse und bietet ungesehene Landschaften (auch wenn vieles wohl in Sydney gedreht wurde) und frische Gesichter. Die beiden so unterschiedlichen jungen Frauen Tao Okamoto und Rila Fukushima waren laut IMDB zumindest noch in keinem westlichen Film zu sehen, können es an Attraktivität und Talent aber mit den meisten Mittzwanzigern aus Hollywood aufnehmen.
Nach der enttäuschenden Ursprungsgeschichte von 2009 war die Erwartungshaltung für dieses zweite Soloabenteuer eher gering. Vielleicht deshalb hat es mir sehr viel Spaß gemacht. Es ist nicht die dem Material innewohnende große Tragödie geworden, aber doch ein recht vielschichtiger Film. Regisseur James Mangold (bisher berühmtester Film: Walk the Line, die bewegende Johnny-Cash-Biographie) hat hiermit die X-Men-Saga nach langem Stillstand erfolgreich fortgesetzt. Für mich (da ich Erste Entscheidung nur mittelmäßig fand) ist dies sogar der beste Beitrag seit dem herausragenden X:2. Gut (7/10).
Nach einem kurzen Flashback ins Jahr 1945 setzt die Erzählung direkt nach den Ereignissen von X:3 an, als Logan gezwungen war, die Liebe seines Lebens zu töten, nachdem ihre telekinetische Kräfte unkontrollierbar geworden waren. Jetzt führt er ein verzotteltes Einsiedlerleben in der kanadischen Wildnis, mit einem Grizzlybär als gleichgesinnten Nachbar. Hier spürt ihn die bizarre junge Japanerin Yukio auf, die mit ihrem ausdrucksstarken Gesichtchen, ihren grellroten Haaren und ihren artistischen Kampfkünsten direkt einem Manga entsprungen sein könnte. Sie überredet ihn, sie nach Japan zu ihrem Boss Yashida zu begleiten, dem Logan in Nagasaki einst das Leben rettete, und der sich vor seinem Tod endlich bei seinem Retter bedanken möchte. In Japan gerät Wolverine in ein dichtes Intrigenspiel mit der mächtigen Industriellenfamilie Yashidas, korrupten Politikern und der Yakuza. Eine wichtige Rolle scheint die aparte Enkelin Mariko des alten Freundes zu spielen, und schon bald sprühen in jeder Hinsicht die Funken. Zudem scheinen Logans Heilungskräfte nachzulassen, was die Identitätskrise des ewigen Soldaten zu einem Höhepunkt bringt...
Technisch ist The Wolverine eine willkommene Rückbesinnung auf altmodische Stunts, mit so wenig CGI wie möglich. Die Kämpfe sind packend und nachvollziehbar. Ausnahme bleibt genrebedingt das explosive Finale, das mal wieder übertrieben und unlogisch erscheint. Daneben gibt es erstaunlich viele leise Charaktermomente, so etwa Traumszenen mit Famke Janssen als Jean Grey, in denen die Todessehnsucht des Unsterblichen zum Ausdruck kommt. Japan mit seinen traditionellen Pagoden und hochtechnisierten Verkehrsmitteln ist eine wunderbare Kulisse und bietet ungesehene Landschaften (auch wenn vieles wohl in Sydney gedreht wurde) und frische Gesichter. Die beiden so unterschiedlichen jungen Frauen Tao Okamoto und Rila Fukushima waren laut IMDB zumindest noch in keinem westlichen Film zu sehen, können es an Attraktivität und Talent aber mit den meisten Mittzwanzigern aus Hollywood aufnehmen.
Nach der enttäuschenden Ursprungsgeschichte von 2009 war die Erwartungshaltung für dieses zweite Soloabenteuer eher gering. Vielleicht deshalb hat es mir sehr viel Spaß gemacht. Es ist nicht die dem Material innewohnende große Tragödie geworden, aber doch ein recht vielschichtiger Film. Regisseur James Mangold (bisher berühmtester Film: Walk the Line, die bewegende Johnny-Cash-Biographie) hat hiermit die X-Men-Saga nach langem Stillstand erfolgreich fortgesetzt. Für mich (da ich Erste Entscheidung nur mittelmäßig fand) ist dies sogar der beste Beitrag seit dem herausragenden X:2. Gut (7/10).
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