Meine Rangfolge der nominierten Beiträge in der Kategorie "Dramatische Kurzform" sieht wie folgt aus:
1. Game of Thrones, The Mountain and the Viper
Obwohl mir persönlich Episode 6, "The Laws of Gods and Men", etwas besser gefiel, ist diese Episode 8 allen übrigen Kandidaten qualitativ haushoch überlegen. Leider ist es D&D (so das Fankürzel für die Chefautoren David Benioff und D.B. Weiss) in diesem Jahr gelungen, die Staffel 5 ziemlich vor die Wand zu fahren (dazu vielleicht in einem späteren Beitrag mehr). Trotzdem ist auch diesmal wieder Folge 8, Hardhome, nominierungswürdig, wenngleich ihre Bedeutung durch das Ende des jämmerlich überladenen Staffelfinales leider fast negiert wird.
2. Grimm, Once We Were Gods
Die dritte Staffel von Grimm bietet nach wie vor solide Unterhaltung auf hohem Niveau, auch wenn der eine oder andere übergreifende Handlungsstrang leicht mißlungen ist. Die Serie lebt aber von ihren Figuren, vor allem dem Traumpaar Monroe und Rosalee, und dadurch macht für mich gerade den von vielen gehaßten "Fall der Woche" immer wieder am meisten Spaß. "Once We Were Gods" ist so eine Episode, nicht unbedingt die beste der Staffel, aber bestimmt erinnerungswürdig. Ägyptische Mythologie scheint bei SF-Fans immer noch punkten zu können (siehe "Stargate"), und das ist für mich als einfache Kehrseite-Schlich-kennen durchaus in Ordnung.
3. Orphan Black, By Means Which Have Never Yet Been Tried
Die Abenteuer der von Tatiana Maslany nach wie vor talentiert und unterhaltsam verkörperten Klone sind mir inzwischen dank Netflix ein wenig ans Herz gewachsen, auch wenn die Fortsetzung nur Variationen der ersten Staffel bietet (die Serie geht noch mindestens in die vierte Runde). Man muß halt die abstrusen Handlungswirren weitgehend ignorieren und Spaß an den Darstellungen finden. Meine Favoriten sind Sarahs schwuler Bruder Felix (Jordan Gavaris) und natürlich ihre lesbische, bebrillte Klonschwester Cosima, um deren Gesundheit man sich leider Sorgen machen muß. Die blumigen Episodentitel sind übrigens dem Werk von Francis Bacon entlehnt (eine Info, die ich dem Unaffiliated Critic verdanke). Das nominierte Staffelfinale bietet zwar die üblichen Cliffhanger und neuen Verwicklungen (u.a. eine neue Gruppe von männlichen Klonen), in Erinnerung bleibt aber die herzerwärmende Party, bei der Tatiana mit sich selbst (und sich selbst, und sich selbst, und sich selbst) tanzen darf.
4. No Award
Dabei hätte es preiswürdige Episoden von Person of Interest oder Agents of Shield gegeben...
5. The Flash, Pilot
Die Pilotfolge war zwar unterhaltsam und führte einige liebenswerte Figuren ein, der Handlungsverlauf beißt sich aber bereits in der ersten Staffel derart in den eigenen Schwanz, daß das Gesamterlebnis dieser DC-Show eher frustriert.
6. Dr. Who, Listen
Ebenfalls dank Netflix konnte ich mir diese Folge mal isoliert anschauen, was ja bei Dr. Who durch das Fehlen einer ernstzunehmenden fortlaufenden Handlung unproblematisch ist. Die Folge von Hauptautor Steven Moffat (der mit seinem Dr.-Who-Kollegen Mark Gatiss auch Sherlock ausgeheckt hat) hat leider meine Vorurteile gegen die Serie nur verstärkt, die gerade mit dem zwölften Doktor in die neunte Staffel der Neuauflage geht. Zu meiner Verteidigung möchte ich anbringen, daß ich immerhin die erste Staffel nach ihrem Erscheinen in Gänze konsumiert hatte (sie wurde vor zehn Jahren im digitalen Kabelnetz tatsächlich im Original angeboten). Mit dem neuen Doktor Peter Capaldi kann ich nun gar nichts anfangen (Christopher Eccleston hatte mich weitaus mehr überzeugt), aber seine aktuelle "Begleiterin" Clara gefällt mir immerhin vom Aussehen her (ok, Jenna Coleman ist bildhübsch), während Rose (Billie Piper) mir nur auf die Nerven ging. Die Geschichte von Listen jedenfalls ist hanebüchen, und ich bleibe bei meiner Meinung, daß die ehemalige Kinderserie Dr. Who als Zielgruppe höchstens noch für anspruchslose Jugendliche geeignet ist.
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Sonntag, 28. Juni 2015
Die Hugo-nominierten Romane
Hier meine Rangfolge der in diesem Jahr für den Hugo nominierten Romane:
1. The Three-Body-Problem von Liu Xixin
Dieser nachnominierte Roman ist für mich der einsame Spitzenreiter in der Kategorie. Das betrifft sowohl die literarische Qualität als auch die solide Zentrierung im Genre.
2. "Skin Game" von Jim Butcher
Es ist richtig, daß dieser 15. Teil nicht der stärkste in den Dresden Files ist, und es gibt auch keinen Grund, warum ausgerechnet dieser Band nun einen Preis gewinnen sollte. Aber er bietet das höchste Lesevergnügen in der Auswahl, und es sind noch keine Ermüdungserscheinungen sichtbar in der Saga des Warden von Chicago. Außerdem gibt es da diesen unglaublichen Jedi-Moment...
Ich verspreche, die nächsten Romane von Butcher an dieser Stelle ausführlich vorzustellen. Ansonsten verweise ich auf die Kritik (bzw. Lobhymne) von Patrick Rothfuss (einem wunderbaren Fantasy-Autor, der leider noch langsamer schreibt als George R.R. Martin), wenngleich ich den "Herrn der Ringe" und Robin Hobbs Werke höher ansiedeln würde, während ich mit Pratchett nichts anfangen kann ;-)
Gerade noch preiswürdig wäre dieser schöne Fantasy-Roman, der aber wohl zu Recht nur Außenseiterchancen hat. Das Werk der Autorin werde ich aber weiterverfolgen.
4. No Award
Irgendwo muß man die Grenze ziehen...
5. Ancillary Sword von Ann Leckie
Für den Nebula hat's dieses Jahr nicht gereicht, und viele Leser halten diesen Band für schwächer als den preisgekrönten Vorgänger. Siege eines Autors in aufeinander folgenden Jahren hat es nur zweimal gegeben, und Ann Leckie erreicht nun wirklich nicht die Klasse von Orson Scott Card ("Ender's Game" und "Speaker for the Dead") oder gar Lois McMaster Bujold ("The Vor Game" und Barrayar).
6. "The Dark Between the Stars" von Kevin J. Anderson
Diese überlange Space Opera war zum Glück im Voters Package enthalten. Trotzdem habe ich nicht viel mehr als 100 Seiten (lt. meinem Kindle genau 17%) ausgehalten. Die Schreibe strotzt nur so vor Ungenauigkeiten und schlampigen Konstrukten ("rundherum gab es nichts als Lichtjahre"). Es wird eine Unzahl von Figuren eingeführt, die mir als Leser alle völlig gleichgültig waren, und die gern exposéartig mit einer halben Seite Hintergrund vorgestellt werden. Diese Art von Quantität vor Qualität erinnert an Daily Soaps im Fernsehen, und dafür ist, wie ich glaube, das Wort "Schund" erfunden worden.
1. The Three-Body-Problem von Liu Xixin
Dieser nachnominierte Roman ist für mich der einsame Spitzenreiter in der Kategorie. Das betrifft sowohl die literarische Qualität als auch die solide Zentrierung im Genre.
2. "Skin Game" von Jim Butcher
Es ist richtig, daß dieser 15. Teil nicht der stärkste in den Dresden Files ist, und es gibt auch keinen Grund, warum ausgerechnet dieser Band nun einen Preis gewinnen sollte. Aber er bietet das höchste Lesevergnügen in der Auswahl, und es sind noch keine Ermüdungserscheinungen sichtbar in der Saga des Warden von Chicago. Außerdem gibt es da diesen unglaublichen Jedi-Moment...
Ich verspreche, die nächsten Romane von Butcher an dieser Stelle ausführlich vorzustellen. Ansonsten verweise ich auf die Kritik (bzw. Lobhymne) von Patrick Rothfuss (einem wunderbaren Fantasy-Autor, der leider noch langsamer schreibt als George R.R. Martin), wenngleich ich den "Herrn der Ringe" und Robin Hobbs Werke höher ansiedeln würde, während ich mit Pratchett nichts anfangen kann ;-)
Patrick's Review of Skin Game3. The Goblin Emperor von Katherine Addison
Gerade noch preiswürdig wäre dieser schöne Fantasy-Roman, der aber wohl zu Recht nur Außenseiterchancen hat. Das Werk der Autorin werde ich aber weiterverfolgen.
4. No Award
Irgendwo muß man die Grenze ziehen...
5. Ancillary Sword von Ann Leckie
Für den Nebula hat's dieses Jahr nicht gereicht, und viele Leser halten diesen Band für schwächer als den preisgekrönten Vorgänger. Siege eines Autors in aufeinander folgenden Jahren hat es nur zweimal gegeben, und Ann Leckie erreicht nun wirklich nicht die Klasse von Orson Scott Card ("Ender's Game" und "Speaker for the Dead") oder gar Lois McMaster Bujold ("The Vor Game" und Barrayar).
6. "The Dark Between the Stars" von Kevin J. Anderson
Diese überlange Space Opera war zum Glück im Voters Package enthalten. Trotzdem habe ich nicht viel mehr als 100 Seiten (lt. meinem Kindle genau 17%) ausgehalten. Die Schreibe strotzt nur so vor Ungenauigkeiten und schlampigen Konstrukten ("rundherum gab es nichts als Lichtjahre"). Es wird eine Unzahl von Figuren eingeführt, die mir als Leser alle völlig gleichgültig waren, und die gern exposéartig mit einer halben Seite Hintergrund vorgestellt werden. Diese Art von Quantität vor Qualität erinnert an Daily Soaps im Fernsehen, und dafür ist, wie ich glaube, das Wort "Schund" erfunden worden.
Sonntag, 21. Juni 2015
Die volle Dröhnung: Jurassic World (5/10)
Endlich sind sie zurück: die überheblichen Wissenschaftler, die diabolischen Profiteure, die dämlichen Söldner, die nerdigen Computer-Spezis und die quengeligen Kinder. Und wie das heute so ist bei der Wiederbelebung eines totgelaufenen Franchises, bekommen wir die volle Dröhnung. Subtil war vorgestern. Statt vibrierender Wassergläser gibt's gleich vollen Orchestereinsatz, jede Menge Monster und computergenerierte Menschenmengen.
Geblieben ist die Rekrutierung einiger bekannter Gesichter, vom Cameo bis zu stereotypen Nebenrollen: Vincent D'Onofrio darf grimmig gucken, Omar Sy (Ziemlich beste Freunde) soll wohl das europäische Publikum umwerben, Judy Greer vergießt eine Menge unmotivierter Tränen, und Irrfan Khan (der Erzähler aus Life of Pi) ist als CEO in Pilotenausbildung die lahme Pointe eines in die Länge gezogenen Witzes mit vorhersehbarem Ausgang.
Zum Glück wird das Projekt von einem Star ersten Ranges geerdet. Chris Pratt mag immer noch im Zwist mit seinem neu errungenen stählernen Körper sein, hält den Zuschauer mit seiner patenten Unbekümmertheit aber mühelos im Bann. Das Buch degradiert ohnehin alle übrigen Darsteller zu Redshirts. Ich kann mich gar nicht so recht erinnern, wer am Ende eigentlich überlebt hat. Das war 1993 bei Spielberg noch anders, als jedes Opfer zählte und selbst der Übeltäter Wayne "Newman" Knight noch eine erinnernswerte Todesszene bekam. Über Bryce Dallas Howard (Ron Howards "echte" Tochter, in Abgrenzung zu seinem fiktiven Sprößling in Arrested Development) verliere ich besser so wenig Worte wie möglich. Einem Blockbuster wie diesem Sexismus vorzuwerfen ist so zielführend wie den schlechten Mundgeruch der Dinos zu diskutieren.
Die wahre Heldin dieses Films hat ohnehin weder perfekte Zähne noch eine Trauerweidenfrisur. Stattdessen hat man ihr zwecks schönerer Hautfarbe Frosch-DNA spendiert, und sie macht in den Actionszenen tatsächlich eine gute Figur (sie soll all ihre Stunts selbst durchgeführt haben). Wenn es technisch etwas zu mäkeln gibt, dann scheint mir eher die sich im Schlamm wälzende Bryce unrealistisch gerendert zu sein. Ansonsten ist das von einem Komitee verfaßte Drehbuch so generisch wie die Regie des Hollywood-Neulings Colin Trevorrow uninspiriert.
Was die Phantasie des weltweiten Publikums anregt, bleibt unergründbar, und so stellt Jurassic World gerade die Boxoffice-Rekorde der Avengers ein (immerhin mit dem Trost, Chris Pratt als Marvel-Entdeckung buchen zu können). Offenbar genügt heute die Illusion von altmodischer Unterhaltung, um einen Hype auszulösen. Annehmbar (5/10).
Geblieben ist die Rekrutierung einiger bekannter Gesichter, vom Cameo bis zu stereotypen Nebenrollen: Vincent D'Onofrio darf grimmig gucken, Omar Sy (Ziemlich beste Freunde) soll wohl das europäische Publikum umwerben, Judy Greer vergießt eine Menge unmotivierter Tränen, und Irrfan Khan (der Erzähler aus Life of Pi) ist als CEO in Pilotenausbildung die lahme Pointe eines in die Länge gezogenen Witzes mit vorhersehbarem Ausgang.
Zum Glück wird das Projekt von einem Star ersten Ranges geerdet. Chris Pratt mag immer noch im Zwist mit seinem neu errungenen stählernen Körper sein, hält den Zuschauer mit seiner patenten Unbekümmertheit aber mühelos im Bann. Das Buch degradiert ohnehin alle übrigen Darsteller zu Redshirts. Ich kann mich gar nicht so recht erinnern, wer am Ende eigentlich überlebt hat. Das war 1993 bei Spielberg noch anders, als jedes Opfer zählte und selbst der Übeltäter Wayne "Newman" Knight noch eine erinnernswerte Todesszene bekam. Über Bryce Dallas Howard (Ron Howards "echte" Tochter, in Abgrenzung zu seinem fiktiven Sprößling in Arrested Development) verliere ich besser so wenig Worte wie möglich. Einem Blockbuster wie diesem Sexismus vorzuwerfen ist so zielführend wie den schlechten Mundgeruch der Dinos zu diskutieren.
Die wahre Heldin dieses Films hat ohnehin weder perfekte Zähne noch eine Trauerweidenfrisur. Stattdessen hat man ihr zwecks schönerer Hautfarbe Frosch-DNA spendiert, und sie macht in den Actionszenen tatsächlich eine gute Figur (sie soll all ihre Stunts selbst durchgeführt haben). Wenn es technisch etwas zu mäkeln gibt, dann scheint mir eher die sich im Schlamm wälzende Bryce unrealistisch gerendert zu sein. Ansonsten ist das von einem Komitee verfaßte Drehbuch so generisch wie die Regie des Hollywood-Neulings Colin Trevorrow uninspiriert.
Was die Phantasie des weltweiten Publikums anregt, bleibt unergründbar, und so stellt Jurassic World gerade die Boxoffice-Rekorde der Avengers ein (immerhin mit dem Trost, Chris Pratt als Marvel-Entdeckung buchen zu können). Offenbar genügt heute die Illusion von altmodischer Unterhaltung, um einen Hype auszulösen. Annehmbar (5/10).
Samstag, 6. Juni 2015
Klassiche Rezension: Jurassic Park III (2001, 5/10)
Um die Vorfreude auf Jurassic World zu schüren, hier ohne weiteren Kommentar meine damalige Kritik zum dritten Teil (schlicht Jurassic Park III betitelt).
Ist es nicht der Traum eines jeden Kindes geschiedener Eltern, diese durch einen Trick wieder zusammenzubringen? Dem kleinen Eric (erfrischend: Trevor Morgan) fällt dazu etwas besonders Gutes ein: Er richtet es ein, bei einem Ausflug auf einer einsamen Insel "Schiffbruch" zu erleiden. Und prompt fallen die Alten (William H. Macy brilliert als zwischen Kapitalist und Geschäftsmann schwankender Vater, Téa Leoni überzeugt als täuschend echte Blondine) darauf herein: Sie heuern ein paar Abenteurer an, um ihren Sohn zu retten, und starten eine Expedition. Sie landen mit einem Charterflugzeug auf der Insel, aber natürlich geht alles schief, und mehr als einmal geraten sie selbst in Lebensgefahr. Trotzdem, oder gerade deswegen, kommen sie sich wieder näher.
Eric weiß, wie schwer seine selbstgestellte Aufgabe ist: "Meine Eltern sind beide da? Das ist nicht gut, sie kommen nicht miteinander aus!" Doch gemeinsam durchlittene Gefahr schweißt zusammen, und bald schon werden am Lagerfeuer romantische Erinnerungen ausgetauscht ("Erinnerst Du Dich daran, wie ich erst den Wohnwagen in den Morast gesetzt habe und dann auch der Abschleppwagen im Schlamm versank?"). Natürlich darf auch der übermütige Held (Alessandro Nivola) nicht fehlen, der durch einen Fehler alle in Bedrängnis bringt, doch schließlich reumütig sein Leben riskiert, um den kleinen Eric zu retten, und sogar die Geistesgegenwart besitzt, den Hut des Expeditionsleiters (Sam Neill in der Rolle seines Lebens - als Expeditionsleiter, nicht als Hut) in Sicherheit zu bringen.
Zusätzlich zu diesem einzigartigen sozialen Drama bietet der Film auch noch auf sehr subtile Weise Zivilisationskritik. Ein Satellitentelefon wird zum Fanal für die Abhängigkeit des Menschen von der Technik. Es klingelt, wird aber nie rechtzeitig gefunden, um den Anruf entgegenzunehmen. Es hat sozusagen ein Eigenleben entwickelt, und erst nachdem es in einer bewegenden Szene aus einem Kothaufen gezogen wird und schließlich nach einer symbolischen Reinigung im Fluß in die Hand des erfahrenen Doktors gerät, wird es seiner Bestimmung zugeführt. Natürlich ruft er nicht irgendjemand an, sondern eine ganz besondere Frau (die ebenfalls blonde Laura Dern). Erst Eric gelingt es in seiner jugendlichen Unbefangenheit, daß Dr. Grant dies erkennt: "Sie ist die einzige, auf die ich mich immer verlassen konnte." - "Haben Sie ihr das je gesagt?" - "Nein, leider nicht." Die Schlußbilder machen deutlich, daß der Mensch nur eine kleine Schlacht gegen die Natur gewonnen hat. Umso deutlicher wird: Die Liebe hat triumphiert.
Klar, daß es ein solch emotionales, ja fast tiefenpsychologisches Script in Hollywood schwer hatte. Was 1960 als Dschungel der 1000 Gefahren ("Swiss Family Robinson") noch als publikumswirksam galt, lockt heute keinen Teenager mehr ins Kino. So kann man dankbar sein, daß mit Steven Spielberg einer der letzten idealistischen Filmemacher die Relevanz dieses Drehbuches erkannte und schließlich seine Realisierung finanzierte. Mit Joe Johnston wurde ein Regisseur gewonnen, der schon mehrfach ein junges Publikum für einen ernsten Stoff begeistert hat; man denke nur an die brillante Allegorie Swiftscher Dimensionen Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft!. Natürlich mußten ein paar Konzessionen an das 21. Jahrhundert gemacht werden. So wurden statt der geplanten Tiger und Giftschlangen etliche Arten urzeitlicher Dinosaurier hinzugefügt. Dies verwässert aber in keiner Weise die Kernaussagen dieses Meisterwerks, das künftig im gleichen Atemzug genannt werden wird mit Meilensteinen des Genres wie Kevin allein zu Hause oder Ein Schweinchen namens Babe.
Ist es nicht der Traum eines jeden Kindes geschiedener Eltern, diese durch einen Trick wieder zusammenzubringen? Dem kleinen Eric (erfrischend: Trevor Morgan) fällt dazu etwas besonders Gutes ein: Er richtet es ein, bei einem Ausflug auf einer einsamen Insel "Schiffbruch" zu erleiden. Und prompt fallen die Alten (William H. Macy brilliert als zwischen Kapitalist und Geschäftsmann schwankender Vater, Téa Leoni überzeugt als täuschend echte Blondine) darauf herein: Sie heuern ein paar Abenteurer an, um ihren Sohn zu retten, und starten eine Expedition. Sie landen mit einem Charterflugzeug auf der Insel, aber natürlich geht alles schief, und mehr als einmal geraten sie selbst in Lebensgefahr. Trotzdem, oder gerade deswegen, kommen sie sich wieder näher.
Eric weiß, wie schwer seine selbstgestellte Aufgabe ist: "Meine Eltern sind beide da? Das ist nicht gut, sie kommen nicht miteinander aus!" Doch gemeinsam durchlittene Gefahr schweißt zusammen, und bald schon werden am Lagerfeuer romantische Erinnerungen ausgetauscht ("Erinnerst Du Dich daran, wie ich erst den Wohnwagen in den Morast gesetzt habe und dann auch der Abschleppwagen im Schlamm versank?"). Natürlich darf auch der übermütige Held (Alessandro Nivola) nicht fehlen, der durch einen Fehler alle in Bedrängnis bringt, doch schließlich reumütig sein Leben riskiert, um den kleinen Eric zu retten, und sogar die Geistesgegenwart besitzt, den Hut des Expeditionsleiters (Sam Neill in der Rolle seines Lebens - als Expeditionsleiter, nicht als Hut) in Sicherheit zu bringen.
Zusätzlich zu diesem einzigartigen sozialen Drama bietet der Film auch noch auf sehr subtile Weise Zivilisationskritik. Ein Satellitentelefon wird zum Fanal für die Abhängigkeit des Menschen von der Technik. Es klingelt, wird aber nie rechtzeitig gefunden, um den Anruf entgegenzunehmen. Es hat sozusagen ein Eigenleben entwickelt, und erst nachdem es in einer bewegenden Szene aus einem Kothaufen gezogen wird und schließlich nach einer symbolischen Reinigung im Fluß in die Hand des erfahrenen Doktors gerät, wird es seiner Bestimmung zugeführt. Natürlich ruft er nicht irgendjemand an, sondern eine ganz besondere Frau (die ebenfalls blonde Laura Dern). Erst Eric gelingt es in seiner jugendlichen Unbefangenheit, daß Dr. Grant dies erkennt: "Sie ist die einzige, auf die ich mich immer verlassen konnte." - "Haben Sie ihr das je gesagt?" - "Nein, leider nicht." Die Schlußbilder machen deutlich, daß der Mensch nur eine kleine Schlacht gegen die Natur gewonnen hat. Umso deutlicher wird: Die Liebe hat triumphiert.
Klar, daß es ein solch emotionales, ja fast tiefenpsychologisches Script in Hollywood schwer hatte. Was 1960 als Dschungel der 1000 Gefahren ("Swiss Family Robinson") noch als publikumswirksam galt, lockt heute keinen Teenager mehr ins Kino. So kann man dankbar sein, daß mit Steven Spielberg einer der letzten idealistischen Filmemacher die Relevanz dieses Drehbuches erkannte und schließlich seine Realisierung finanzierte. Mit Joe Johnston wurde ein Regisseur gewonnen, der schon mehrfach ein junges Publikum für einen ernsten Stoff begeistert hat; man denke nur an die brillante Allegorie Swiftscher Dimensionen Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft!. Natürlich mußten ein paar Konzessionen an das 21. Jahrhundert gemacht werden. So wurden statt der geplanten Tiger und Giftschlangen etliche Arten urzeitlicher Dinosaurier hinzugefügt. Dies verwässert aber in keiner Weise die Kernaussagen dieses Meisterwerks, das künftig im gleichen Atemzug genannt werden wird mit Meilensteinen des Genres wie Kevin allein zu Hause oder Ein Schweinchen namens Babe.
Leckere Zwischenmahlzeit: Chef - Kiss the Cook (7/10)
In Kiss the Cook (so der dämliche deutsche Titel - warum nicht "Der Chefkoch", wenn man sich von der Suter-Verfilmung abheben möchte) wird der Koch höchstens mal beiläufig geküßt. Wenn es im Film eine Romanze gibt, dann die des Chefs Carl mit seinen raffiniert zubereiteten Speisen aus erlesenen Zutaten. Das Kochen wird allerdings ausführlich zelebriert, vorzugsweise untermalt von tanzbaren Latino-Rhythmen. Jon Favreau - Autor, Regisseur und Hauptdarsteller - hatte offenbar viel Spaß an dieser kleinen Komödie, die mit seinen Iron-Man-Blockbustern nur noch zwei Nebenfiguren gemeinsam hat: Scarlett Johansson als Weinkellnerin (besonders lasziv mit dunklen Haaren) und Robert Downey Jr. in einem Cameo als reicher Schnösel (einer Rolle, die er privat wie beruflich gut auszufüllen weiß). Auch bei der übrigen Besetzung kann der sympathische Regisseur (er spielte nebenbei auch Tony Starks tollpatschigen Sicherheitschef) auf eine beeindruckende Reihe von Improvissationstalenten bauen: John Leguizamo (der amerikanische Otto - er spricht Sid in Ice Age) und Bobby Cannavale (Blue Jasmine) als Sous-Chefs, der stets patente Oliver Platt als Gastronomieblogger, Legende Dustin Hoffman als Restaurantbesitzer und die erblondete Kolumbianerin Sofia Vergara (Modern Family) als Carls Ex-Frau Inez.
Die Geschichte beginnt etwas holprig in Miami, wo Carl nach 15 Jahren als angestellter Chefkoch überarbeitet und unterfordert in eine Krise schlittert, die von einer Twitter-Fehde in einen online dokumentierten Tobsuchtsanfall und schließlich seine Kündigung mündet. Der Tiefpunkt ist aber schnell erreicht, und nachdem Inez ihrem Ex von ihrem Ex-Ex einen Imbißwagen organisiert, macht sich dieser mit seinem vernachlässigten 10jährigen Sohn Percy auf eine kulinarische Fastfood-Tour durch den US-amerikanischen Süden. Und auch wenn es praktisch keine Hindernisse gibt und der Ausgang mehr als vorhersehbar ist, ist das ganze eine herzerwärmende Riesen-Gaudi, wenngleich mehr zum Schmunzeln als zum Loslachen. Als zeitgemäße Zutat bekommt man noch einen Einblick in die Marketingmacht der neuen sozialen Medien, die von Carls Sproß Percy virtuos bedient werden.
El Jefe ist das spaßigste Imbißunternehmen seit Stephen Frears' The Van ("Fish & Chips"), auch wenn hier keine Windeln serviert werden, sondern kubanische Sandwiches. Eine leckere Mahlzeit für zwischendurch halt. Gut (7/10).
Die Geschichte beginnt etwas holprig in Miami, wo Carl nach 15 Jahren als angestellter Chefkoch überarbeitet und unterfordert in eine Krise schlittert, die von einer Twitter-Fehde in einen online dokumentierten Tobsuchtsanfall und schließlich seine Kündigung mündet. Der Tiefpunkt ist aber schnell erreicht, und nachdem Inez ihrem Ex von ihrem Ex-Ex einen Imbißwagen organisiert, macht sich dieser mit seinem vernachlässigten 10jährigen Sohn Percy auf eine kulinarische Fastfood-Tour durch den US-amerikanischen Süden. Und auch wenn es praktisch keine Hindernisse gibt und der Ausgang mehr als vorhersehbar ist, ist das ganze eine herzerwärmende Riesen-Gaudi, wenngleich mehr zum Schmunzeln als zum Loslachen. Als zeitgemäße Zutat bekommt man noch einen Einblick in die Marketingmacht der neuen sozialen Medien, die von Carls Sproß Percy virtuos bedient werden.
El Jefe ist das spaßigste Imbißunternehmen seit Stephen Frears' The Van ("Fish & Chips"), auch wenn hier keine Windeln serviert werden, sondern kubanische Sandwiches. Eine leckere Mahlzeit für zwischendurch halt. Gut (7/10).
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