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Samstag, 28. Januar 2017

Casey Affleck sieht tote Kinder: Manchester by the Sea (3/10)

Manchester by the Sea ist so trübsinnig, dass ich es für klinische Studien zum Auslösen von Depressionen empfehlen kann. Traurige Filme verschiedenster Ausprägung haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Ob Krieg, Genozid, Diskriminierung, Armut, Ungerechtigkeit oder einfach nur gescheiterte Liebe - all dies sind Themen, mit denen sich Film beschäftigen kann und dabei gelegentlich sogar über sich hinauswächst- siehe Im Westen nichts Neues, Hotel Rwanda, Brokeback Mountain, Die Früchte des Zorns, Kinder des Olymp. Aber Kenneth Lonergans Oscar-Kandidat handelt lediglich von ein paar nicht besonders sympathischen Menschen, die einfach viel Pech im Leben hatten. Das ist für mich weder erbaulich noch erhellend, sondern einfach nur verzichtbar. Empfehlen kann ich das auch noch überlange Werk nur Masochisten. Warum finden sich für ein solches Buch Produzenten (es ist nun ein kleiner Hit in den USA)?



Schuld hat Matt Damon. Kenneth Lonergan war an sich recht erfolgreich mit seiner Drehbucharbeit an verschiedenen Komödien, so etwa der herrlichen Paarung von Robert De Niro und Billy Crystal in Reine Nervensache. Auch sein Regiedebut, das Comedy-Drama You Can Count On Me, konnte 1999 überzeugen und brachte ihm sogar eine Oscar-Nominierung ein. Nachdem der Nachfolger Margaret, ein trauriges starbesetztes Drama (sic!) mit Damon in einer Nebenrolle, nach einem Streit mit dem Produzenten allerdings gnadenlos floppte, zog sich Lonergan aus dem Geschäft zurück. Sein neues Drehbuch wurde in Hollywood offenbar jahrelang wie ein heisses Eisen umhergereicht. Schließlich wurde es als Prestige-Objekt vom Streamingdienst Amazon mitfinanziert, das nun noch vor Netflix seine erste Oscar-Nominierung vorweisen kann. Damon sollte eigentlich die Hauptrolle übernehmen, musste wegen anderer Verpflichtungen dann aber an seinen Kumpel Casey Affleck abgeben (Damon ist nun immerhin als Produzent nominiert).



Casey gilt als der bessere Schauspieler der beiden Affleck-Brüder. Wie auch immer man dazu steht, finde ich es doch ungerecht, dass Casey nun als Favorit zu den Oscars geht und Ben für seine Batman-Darstellung bei den Goldenen Himbeeren verhöhnt wird (und überhaupt: warum acht Nominierungen für BvS und nur zwei für Suicide Squad???) In die Gesellschaft von Ben Stiller und Gerard Butler gehört er jedenfalls nicht. Klar, die Ausdrucksfähigkeit seines aus Granit gemeisselten Gesichts ist begrenzt, aber für den Dunklen Ritter passte das hervorragend (es sind wohl eher eifersüchtige Christian-Bale-Fans, die mit ihm nicht einverstanden sind). Casey hat m.E. nicht viel mehr mimische Möglichkeiten, er ist halt eher der Typ für zerbrechliche, geschlagene Figuren. Die porträtiert er kompetent, aber die große Schauspielkunst projizieren wohl eher die Zuschauer auf ihn.



Was bleibt, sind ein paar atmosphärische Bilder aus dem 5000-Seelen-Örtchen Manchester-by-the-Sea in Massachusetts, zu salbungsvoller Orchestermusik u.a. von Georg Friedrich Händel. Das kompetente Ensemble hat sicher hart gearbeitet, um derart deprimierend zu wirken. Michelle Williams hat darin ja reichlich Erfahrung, schon im Finale von Dawson's Creek musste ihre Figur den Krebstod sterben. Der junge Lucas Hedges unterläuft immerhin die üblichen Teenager-Klischees, aber wirklich: Sollen wir es toll finden, wie der 16jährige seine beiden "Freundinnen" jongliert? Einzig Kyle Chandler (der FBI-Agent aus The Wolf of Wall Street) strahlt die ihm eigene Wärme aus, aber seine Figur ist ja auch schon tot, als wir sie kennenlernen. Es hilft alles nichts: Die Geschichte taugt nicht, sie ist langweilig, wenig plausibel und sinnlos. Sie ist für mich der bisherige Tiefpunkt bei den ohnehin unfassbar schwachen Oscar-Kandidaten 2017. Mäßig interessant (3/10).

Samstag, 21. Januar 2017

Macht trotz allem Spaß: The Great Wall (6/10)

The Great Wall sieht besser aus und hat auch einen größeren Unterhaltungswert als die meisten sogenannten Blockbuster des letzten Jahres. Das ist allerdings Lob auf niedrigem Niveau. Tatsächlich ist diese angeblich 150 Millionen teure US-chinesische Koproduktion ein kühl kalkuliertes Produkt, bei dem die Teile sich nur widerspenstig zu einem Ganzen fügen. Dabei ist die Grundidee dieses Fantasy-Films tatsächlich ganz nett: Die Chinesische Mauer wurde gebaut, um allesfressende Ungeheuer abzuwehren. Zur Zeit der Song-Dynastie verirren sich nach dem legendären Schwarzpulver suchende Europäer in die entscheidende Schlacht. "Helms Deep" in China, sozusagen.



Das von einem amerikanischen Komittee zusammengestückelte Drehbuch konzentriert sich, welche Überraschung, bei den Figuren auf die drei Westler. Die asiatischen Darsteller gehören zum malerischen Hintergrund, obwohl etwa mit Andy Lau (Infernal Affairs, House of Flying Daggers) ein veritabler Superstar den Strategen Wang gibt. In der weiblichen Hauptrolle ist die junge Tian Jing zu sehen, die mit liebreizendem Gesicht eine gute Figur in ihren farbenprächtigen Kostümen macht. Schauspielerische Fähigkeiten konnte ich jedoch nicht erkennen (man munkelt, sie habe einen einflussreichen "Onkel" in der chinesischen Filmindustrie). Jedenfalls wird man sie demnächst in weiteren Monster-Filmen bewundern können: in der vierten King-Kong-Auflage Kong: Skull Island und der Fortsetzung von Guillermo del Toros Pacific Rim.



Zu den abgebrühten Helden Matt Damon und Willem Dafoe gesellt sich der chilenische TV-Star Pedro Pascal, der als Viper Oberyn Martell bereits die vierte Staffel von Game of Thrones veredeln durfte (und nicht nur aufgrund seines spektakulären Zweikampfs mit dem Mountain, der am Ende doch ins Auge ging). Die drei Recken wetteifern um den gruseligsten britischen Akzent (wer weiss schon, wie sich europäische Weltenbummler vor über 1.000 Jahren verständigt haben - vielleicht eher durch Grunzen). Überhaupt finden sie sich in der Rolle der Barbaren, während als Kontrast tatsächliche und erfundene Errungenschaften der asiatischen Hochkultur offenbar den chinesischen Nationalstolz anfachen sollen (die chinesische Jugend ist allerdings an den Kinokassen nicht drauf reingefallen).



Ausstattung und Effekte brauchen sich vor keinem amerikanischen Fantasy-Film zu verstecken. Am unglaubwürdigsten sind wie so oft weder die Monster noch die Handlung, sondern die Figuren. Frauen in Machtpositionen hat es in der chinesischen Geschichte eher selten gegeben, und sicher keine mit Porzellan-Teint und Mannequinfigur. Und was Willem Dafoes Ballard nun 25 Jahre lang an der Mauer getrieben hat, bleibt auch unklar. Matt Damon kann natürlich mit oder ohne Bart einen Film tragen, aber Wills Freundschaft zu Pero bleibt vage.



Wie auch immer, man muss Regisseur Zhang Yimou ein großes Lob aussprechen, dass er unter diesen widrigen Umständen dem Material trotzdem eine unterhaltsame Geschichte enttrotzt hat. Natürlich ist er nicht irgendjemand, sondern (mal abgesehen vom Taiwan-Amerikaner Ang Lee) der weltweit angesehenste chinesische Regisseur. Ab den 80ern war er gerngesehener Gast bei den europäischen Festivals, gewann mit seinen Arthouse-Filmen, mit seiner damaligen Frau Gong Li in den Hauptrollen, u.a. einen Berliner Bären und eine Goldene Palme in Cannes. Mein Favorit aus dieser Zeit ist das anrührende metaphorische Ehedrama Rote Laterne von 1991.



Im Kielwasser von Ang Lees überraschendem Kassenschlager Tiger & Dragon (und nach seiner Trennung von Gong Li) feierte Zhang Yimou dann internationale Erfolge mit den poetischen Wuxia-Filmen Hero (2002) und House of Flying Daggers (2004, mit der von Ang Lee entdeckten zauberhaften und begabten Zhang Ziyi - keine Verwandte übrigens). 2011 stellte er in The Flowers of War mit Christian Bale schon einmal einen westlichen Schauspieler in den Mittelpunkt einer chinesischen Produktion. Mir gefiel das damals nicht besonders, aber in China fand die Geschichte aus dem Vorfeld des Zweiten Weltkriegs ein großes Publikum. Zwischendurch drehte er auch intimere, die chinesische Gegenwart spiegelnde Dramen (Happy Time, Keiner weniger), soweit ihm die staatliche Zensur das zuließ.



Die Kunst eines Regiemagiers ist es auch, aus minderwertigem Material das beste herauszuholen. Das ist Zhang Yimou hier für meinen Geschmack gelungen. Daher meine milde Wertung: Ordentlich (6/10).

Montag, 16. Januar 2017

So la la: La La Land (6/10)

Langsam fühle ich mich wie der Grinch, der das Kinovergnügen stiehlt. Dabei hatte ich mich als Fan klassischer Film-Musicals von Top Hat über Singin' in the Rain bis zur West Side Story wirklich auf den Golden-Globe-Gewinner gefreut. Von der Kritik gern vergessen wird, dass es auch in diesem Jahrhundert schon tolle und erfolgreiche Musicals gab, selbst wenn man Baz Luhrmann (Moulin Rouge) mal aussen vor lässt (let's!): Chicago (Oscar-Gewinner für den Besten Film 2003), The Producers (2005), Mamma Mia! (2008), und mein Favorit, Hairspray (2007). Damien Chazelles letzten, auch schon umjubelten Film Whiplash mochte ich zwar nicht, dafür Emma Stone umso mehr.



Diese ist auch schon das Beste an La La Land. Verständlich übrigens, dass sie Kristen Stewart die Hauptrolle in Café Society überließ, denn die Handlung beider Filme ist praktisch identisch, nur dass La La Land ohne die Komplikation der Onkel-Neffe-Rivalität auskommt und mehr oder weniger in der Gegenwart spielt. Jesse Eisenberg wäre allerdings ein besserer Partner gewesen, denn Ryan Gosling sieht zwar hübsch aus und hat mit Emma in Crazy, Stupid, Love auch wunderbar harmoniert, hier jedoch fällt sein Mangel an Ausdrucksfähigkeit extrem auf. Dabei haben mich nicht mal das laienhafte Tanzen oder der nur zweckdienliche Gesang gestört. Aber wie die Musik, die mit höchstens zwei netten Liedern aufwartet und ansonsten tatsächlich wenig mit Jazz zu tun hat, ist alles übrige einfach nur lauwarm. Am meisten Energie hat noch der Elektropop von John Legends Band, und dessen Plotpoint soll doch eigentlich sein, dass er ein Ausverkauf ist (?). Die Geschichte selbst ist im Endeffekt tragisch und ganz und gar nicht uplifting (aber vielleicht bin ich momentan einfach zu schwer zu begeistern). Bezeichnend auch, dass nicht eine einzige Nebenfigur im Gedächtnis bleibt (ausser vielleicht J.K. Simmons im Cameo als fieser Barbesitzer). Schade (6/10).

Ausführlicher haben übrigens die Fünf Filmfreunde den Film auseinandergenommen:  Kritik



Zugabe: Kurzrezension zur DVD-Ausgabe von Top Hat (1935):

"Top Hat" wird als bester Film des Traumpaares Fred Astaire - Ginger Rogers gehandelt, und in der Tat kann man sich kaum eine Verbesserung vorstellen. Hier gibt es die glaubhafte Romanze, Geist versprühende Dialoge, atemberaubende Tanzszenen, aberwitzige Pointen und über allem die Evergreens von Irving Berlin. Von der brillanten Eingansszene im Club (wehe, es raschelt jemand mit der Zeitung) bis zur Enthüllung des Butlers (grandios: Eric Blore), die zum Happy End führt, ist der Zuschauer an den Bildschirm gefesselt, lacht, weint, leidet, freut sich - wessen Herz könnte unberührt bleiben, wenn Fred Astaire "Cheek to Cheek" singt? Wer könnte seine Augen abwenden, wenn er seien Solo-Nummer mit tödlichem Spazierstock vorführt? Wer möchte nicht für alle Ewigkeit mit Ginger Rogers im Regen tanzen? Tatsächlich ein Top-Musical, in seinen Tanzszenen vielleicht nie wieder erreicht, aber auch in jeder anderen Disziplin herausragend (10/10).

SF-Klassiker #11: Way Station (Clifford D. Simak, 1963)

Clifford D. Simak (1904-1988, reimt sich auf Grzimek) war einer der produktivsten SF-Autoren des 20. Jahrhunderts. Er schrieb bereits im Goldenen Zeitalter der SF, ab den 30ern, unzählige Kurzgeschichten, und veröffentlichte bis zu seinem Tode etwa 30 Romane. 1977 wurde er von der amerikanischen Autorengemeinschaft, nach Robert A. Heinlein und Jack Williamson, zu deren drittem Grand Master ernannt. Trotzdem ist sein Name heute kaum noch ein Begriff, im Gegensatz zu den in den 80ern ernannten Großmeistern. Simak war nicht so wagemutig wie sein Freund Isaac Asimov, nicht so wissenschaftsorientiert wie Arthur C. Clarke, nicht so experimentierfreudig wie Alfred Bester oder so stilsicher wie Ray Bradbury. Vielleicht hat er einfach nicht laut genug geklappert, vielleicht war er zu "Middle of the Road" mit seiner sanften Erzählweise und seinen kleinen Geschichten, die sich auf Ideen und Figuren konzentrierten, aber nicht den üblichen Actionformeln genügten. Auf die Leinwand bzw. den Bildschirm haben es lediglich zwei seiner Romane (in Russland und Ungarn) und eine Handvoll Geschichten als Vorlagen von TV-Folgen einschlägiger Anthologieserien geschafft.

Simak schrieb nie den "großen" Roman, der die Fantasie auch der Nachfolgegenerationen hätte beflügeln können (wie etwa Larry Niven mit Ringwelt, dem er ansonsten durchaus ebenbürtig war). "Way Station", von den Fans 1964 mit dem Hugo für den Besten Roman ausgezeichnet, ist jedoch eine Wiederentdeckung wert (Simak gewann zwei weitere Hugos für Kurzformen). Im Mittelpunkt steht Enoch, ehemaliger Soldat aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, der seit fast hundert Jahren unerkannt eine galaktische Station auf der Erde betreut. Nun aber spitzen sich die Ereignisse zu; der Erde droht ein Atomkrieg, der CIA beginnt Enoch zu beobachten, und in den galaktischen Zivilisationen gibt es Unruhe um eine legendäre Maschine, die den Völkern den Zugang zu einer sprituellen Kraft des Universums ermöglichen soll.

Simak verbindet geschickt eine ganze Reihe von zunächst unabhängigen Ideen, die er ohne viel äußere Spannung in einem mild-kathartischen Finale zusammenführt. Trotzdem hat es dieser schmale, keine 200 Seiten umfassende Roman in sich. Er enthält ein plausibles futuristisches Szenario mit vielen faszinierenden, oft fast nebenbei erwähnten Details. Die Geschichte beginnt mit der Schilderung eines CIA-Agenten, der sich in die Dorfgemeinschaft eingeschleust hat, die Enoch als verschrobenen Sonderling akzeptiert hat, obwohl er seit vielen Jahrzehnten wie ein 30jähriger aussieht und bis auf den Postboten auch keine Kontakte pflegt. Doch schnell wechselt die Perspektive zum eigentlichen Helden und seiner geheimnisvollen Station. Enoch ist sicher einer der einsamsten Menschen der Welt, hat allerdings auch Zugang zu einem beneidenswerten Schatz von Informationen und Artefakten. Trotz seiner Isolation informiert er sich regelmäßig durch Zeitungen und Magazine über die Entwicklung der Menschheit. Nach der Kuba-Krise rechnet er sich fast mit Sicherheit den Dritten Weltkrieg aus.

Der Autor ist allerdings niemand, der diese pessimistische Ausgangslage in einen bedrohlichen Text wandelt (anders als Kurt Vonnegut, dessen tolle apokalyptische Satire "Cat's Cradle" im gleichen Jahr für den Hugo nominert war). Bei Simak sind die meisten Aliens gutmütig, und selbst der CIA-Agent zeigt sich verständnisvoll. Die Ereignisse werden ohne Hast in einem wohltuend-optimistischen Grundton geschildert (Simak hätte bestimmt gute Star-Trek-Folgen erfunden). Dabei ist der Hauptkonflikt eher in Enochs psychologischer Situation als den äußeren Umständen zu finden. Dazu macht die Sehnsucht nach einem friedlichen Zusammenleben und kulturellem Austausch "Way Station" auch heute noch zu einem zeitgemäßen Lesevergnügen.

Samstag, 7. Januar 2017

Hübsche Romanze im All: Passengers (7/10)

Jim und Aurora sind in einem Fernraumschiff auf dem Weg zu einem Kolonialplaneten. Die 120 Jahre dauernde Reise verbringen Besatzung und die 5.000 Passagiere im Kälteschlaf - eigentlich. Doch zunächst Jim und dann Aurora wachen 90 Jahre zu früh auf, ohne die Möglichkeit, sich erneut in Tiefschlaf zu versetzen. Ein Mann und eine Frau allein in einem riesigen Schiff  (mit dem robotischen Bartender Arthur - brillant: Michael Sheen aus Frost/Nixon). Was könnte da wohl passieren?



Passengers beruht auf einem Originaldrehbuch des New Yorkers Jon Spaihts, der u.a. am misslungenen Alien-Prequel Prometheus und an Dr. Strange mitgeschrieben hat. Weder bei Kritik noch bei den Zuschauern kommt dieser zweite englischsprachige Film des Norwegers Morten Tyldum (immerhin Oscar-nominiert für die Turing-Biographie The Imitation Game) besonders gut an. Er wird Mühe haben, das Budget von 120 Millionen Dollar wieder einzuspielen. Dabei bietet er solide Unterhaltung, solange man sich darauf einlässt.



Science-Fiction-Fans finden den Film nicht komplex genug. Das gewaltige Raumschiff ist tricktechnisch durchaus überzeugend realisiert, alle Voraussetzungen sind technologisch plausibel. Aber es fehlt auch mir der großartige Twist, der dieser Reise eine weitere Bedeutungsebene geben könnte. So habe ich einige Zeit darauf gewartet, dass vielleicht das komplette Trillionen schwere Kolonialisierungsgeschäft nur ein Scam und das Schiff ins Nirgendwo unterwegs ist. Dem scheint aber nicht so zu sein. Als SF-Grundlage genügt im Endeffekt allerdings das Dilemma des nicht wieder aufzunehmenden Kälteschlafs. Und als Zugabe hat noch die SF-Ikone Laurence "Morpheus" Fishburn einen Kurzauftritt.



Action-Fans finden den Film eher langweilig. Tatsächlich gelingt es dem Team nicht, das Weltall so unmittelbar fühlbar wie bei Gravity oder so lebensbedrohlich wie bei Der Marsianer zu vermitteln. Die unvermeidbaren Explosionen gibt es erst im letzten Drittel der Geschichte, und auch dann liegt der Fokus auf der Psychologie der Figuren. Ich persönlich habe mich aber zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Spannung kann schließlich auch ohne Hektik entstehen. Und mir gefällt auch der leichte Ton, in dem all dies dargeboten wird. Ob man allerdings dafür soviel Geld ausgeben musste, sei dahingestellt (mal abgesehen von den Gehältern für JLaw und CPratt, die jeden Dollar verdient haben).



Vielen Romantik-Fans steht ein entscheidendes moralisches Dilemma im Weg, welches ihnen den Spaß verdirbt. Jim trifft aus Verzweiflung eine zweifelsohne verwerfliche Entscheidung (die allerdings eher einer Entführung als einem Mord entspricht, but still, damn!). Leider ist es typisch für das moderne Klima politischer Korrektheit, dass die Zuschauer diese pauschal verurteilen und sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr differenziert mit dem Thema auseinandersetzen. Aber muss man es am Ende nicht dem Opfer Aurora überlassen, ob es Jim verzeihen kann?



Mich persönlich hat die Romanze berührt, und diese funktioniert wie immer nur, wenn man die Hauptfiguren mag. Aber wer könnte Chris "Starlord" Pratt und Jennifer "Katniss" Lawrence widerstehen? Insbesondere die erst 26jährige Oscar-Preisträgerin zieht hier alle Register ihres Könnens. Und sie wird von Jahr zu Jahr hübscher - vielleicht, weil sie langsam ihren Babyspeck im Gesicht verliert? Ich muss zugeben, dass mir ihr Anblick im futuristischen Badeanzug schon den Atem verschlug. Und im Gegensatz zu den Panem-Filmen profitiert sie hier von einem ebenbürtigen Partner, auch wenn dieser gut 10 Jahre älter ist. Ich hätte den beiden jedenfalls gern noch länger zugeschaut, ob beim Tanzen, Küssen oder Prügeln. Gut (7/10).