Natürlich verzichte ich auf viele Filme. Kinobesuche plane ich nach meinen Vorlieben und dem Kritikerspiegel im Vorfeld. Einiges spare ich mir fürs Heimkino auf, anderes kommt auf die Liste "Kann man sich vielleicht mal anschauen, wenn's auf Netflix verfügbar ist". So muss ich sicher nicht erklären, warum ich mir trotz gewisser Sympathie für den Regisseur Duncan Jones' Warcraft nicht antun werde.
Tim Burtons Alice im Wunderland ritt 2010 die Erfolgswelle von Avatar und wurde zum bis dahin erfolgreichsten 3D-"Familienfilm". Es steht immer noch auf Platz 23 im exklusiven Club der Dollar-Milliardäre (inzwischen von einigen Disney-Produkten überholt). Ich mochte den seelenlosen Film überhaupt nicht, wie ich auch die Hauptdarstellerin Mia Wasikowska höchstens mal als Schurkin ertragen kann (etwa bei Jarmusch in Only Lovers Left Alive). Der einst so innovative, stilsichere Tim Burton hat leider seit zehn Jahren (mit seiner fabelhaften Neuverfilmung von Roald Dahls Charlie und die Schokoladenfabrik) nichts sehenswertes mehr geliefert, allenfalls Durchschnittskost wie Big Eyes. Sein nächstes Projekt soll eine Fortsetzung seiner schräg-genialen Komödie Beetlejuice sein - was aufgrund des aktuellen Comebacks von Michael Keaton eher kommerzielle Erwägungen vermuten läßt...
Beim kommerztechnisch verspäteten Nachfolger Alice hinter den Spiegeln des Regisseurs James Bobin, der auch die uninspirierten Muppets-Revivals mitzuverantworten hat, passe ich nun und verweise beispielhaft auf die herrliche Kritik von Matt Zoller Seitz auf der (von Kollegen fortgeführten) Website des jüngst verstorbenen Roger Ebert: Alice Through the Looking Glass.
Auch das Mitleid (bei mir eher: Schadenfreude) für Johnny Depp, der sich im Scheidungskampf mit der Barbie Amber Heard befindet, wird seinen nervigen Auftritt als Mad Hatter nicht erträglicher machen.Hoffentlich ist Vanessa klug genug, ihn nicht zurückzunehmen. Ein Foto aus glücklicheren Zeiten mit der Mutter seiner beiden (bald erwachsenen) Kinder:
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Samstag, 28. Mai 2016
Sonntag, 22. Mai 2016
Ein Satz mit X - X-Men: Apocalypse (6/10)
Muss es eigentlich immer der Weltuntergang sein? Wenn ich Zerstörungsorgien ohne Sinn und Verstand sehen möchte, gibt es demnächst ja Independence Day: Wiederkehr (und dank Jeff Goldblum macht zumindest der Trailer Spaß - sein trockener Humor ist selbst schon eine Sehenswürdigkeit). Schon bei Avengers: Age of Ultron war das drohende Armageddon das geringste Spannungselement. Die Steigerung kann dann eigentlich nur noch die Auslöschung des Universums sein. Für den Kampf gegen Thanos in Avengers: Infinity War schwant mir Böses...
Trotz einer fulminanten Eröffnungsszene, einem 3D-Achterbahnritt ins Innere einer Pyramide, bleibt der Gestalt gewordene, titelgebende Weltuntergang von X-Men: Apocalypse enttäuschend blass. Da hatte Arnold Vosloo im spaßigen 90erJahre-Remake von Die Mumie viel mehr Ausstrahlung, und deutlich klarere Motivationen. Das liegt allerdings nicht an Oscar Isaac, der sich hier nach Star Wars klammheimlich und erneut kaum wiedererkennbar in ein weiteres Franchise einschleicht. Seine Figur ist einfach zu schlecht entwickelt, seine Dialoge wirken banal, er ist ganz Oberfläche.
Von seinen vier "apokalyptischen Reitern" mag ich schon gar nicht sprechen. Dabei ist eine von ihnen (Alexandra Shipp aus Straight Outta Compton) die "neue" Storm, deren Werdegang hier in zwei Miniszenen verschenkt wird, eine weitere ein Wonder-Woman-Klon (Olivia Munn als Psylocke), der dritte eine schlechte Angel-Kopie, und der vierte Nebenschurke - wer hätte es erraten - ist mal wieder Magneto, dessen Geschichte gut anfängt, um dann in ausgefahrenen Untiefen zu versinken.
Was diesen dritten Auftritt der "Next Generation" der X-Men trotzdem sehenswert macht, ist also nicht der große Handlungsbogen, sondern es sind die vielen kleinen Szenen der ansonsten hervorragenden Darstellerriege. Ich persönlich fand es jedenfalls herrlich, wie Xavier angesichts der hübschen CIA-Agentin Moira (Rose Byrne, die bereits in Erste Entscheidung dabei war, aber kaum gealtert ist; im Foto mit ihrem Partner Bobby Cannavale) zum Teenager mutiert, oder wie Cyclops beim Training Xaviers Lieblingsbaum zerstört. Nicholas Hoult als Hank und Jennifer Lawrence als Raven sind immer noch phantastische Identifikationsfiguren. Die junge Oscar-Preisträgerin wirkt allerdings gerade in 3D noch wie ein pausbäckiger Teenager (ich nehme an, dass Mystique einfach nicht wie andere altert).
Der Zeitsprung in die 80er und die im Vorgängerfilm erreichte Veränderung der Timeline sorgen für einige Verwirrung. So müßten Prof. X, Magneto, Mystique und Beast jetzt so um die 40 Jahre alt sein. Es ist also bereits Platz für die nächste Generation. Dabei stiehlt Evan Peters als Quicksilver mal wieder die Show (diesmal zeitgemäß zu Sweet Dreams von den Eurythmics). Kodi Smith-McPhee als Kurt Wagner alias Nightcrawler steht ihm an Unterhaltungswert kaum nach (aber warum muss nach dem Schotten Alan Cumming nun ein Australier in Deutsch radebrechen?) Scott Summers alias Cyclops (Neuling Tye Sheridan) fand ich als Figur immer schon langweilig, die Autoren machen noch das Beste draus. Und übrigens: Die Entstehungsgeschichte von Xaviers Glatze wirkt ziemlich an den Haaren herbeigezogen und ist aufgrund der neuen Zeitlinie auch unnötig.
Die wichtigste Neubesetzung war allerdings die der Telepathie und Telekinese mächtige Supermutantin Jean Grey. Nach einem holprigen Start hat mich die gerade 20jährige Sophie Turner, Lady Sansa aus Game of Thrones, allerdings schnell für sich eingenommen, und am Ende konnte man in ihrer Darstellung durchaus eine junge Famke Janssen erahnen. Kompliment an die rothaarige Engländerin, die sich in der HBO-Serie von Jahr zu Jahr steigern konnte. Und Schwamm drüber, was das misslungene Cameo ihres Soulmates Wolverine angeht - Hugh Jackman kann uns ja nächstes Jahr in seinem dritten Solofilm zeigen, dass er's noch drauf hat...
Nachdem einige der jungen Mutanten eines Abends ausbüxen und sich Return of the Jedi anschauen, fällt der von Bryan Singer hoffentlich selbstironisch gemeinte Spruch, dass "der dritte Teil" stets der schlechteste sei. Natürlich ist das zunächst ein Seitenhieb auf den Abschluss der ursprünglichen X-Men-Saga, den Brett Ratner mit unfassbarer Inkompetenz vor zehn Jahren in den Sand gesetzt hatte. Aber auch Apokalypse ist ein dritter Teil (allerdings kaum der Abschluss), und gerade im Vergleich zum Vorgänger kommt er schlecht weg. Days of Future Passed hat schließlich dem Star-Trek-Franchise gezeigt, wie man ein Treffen der Generationen mit einem Reboot zu einer fesselnden Geschichte verknüpfen kann. Aber diesmal haben sich Autor Simon Kinberg und Regisseur Bryan Singer übernommen. Anders als beim Bürgerkrieg der Avengers ist dies auch der Tenor der Filmkritiker. Obwohl ich einen Tick mehr Freude an Apokalypse als am Civil War hatte (vielleicht auch aufgrund einer geringeren Erwartungshaltung), reicht es bei mir doch nur für ein Ordentlich (6/10).
Trotz einer fulminanten Eröffnungsszene, einem 3D-Achterbahnritt ins Innere einer Pyramide, bleibt der Gestalt gewordene, titelgebende Weltuntergang von X-Men: Apocalypse enttäuschend blass. Da hatte Arnold Vosloo im spaßigen 90erJahre-Remake von Die Mumie viel mehr Ausstrahlung, und deutlich klarere Motivationen. Das liegt allerdings nicht an Oscar Isaac, der sich hier nach Star Wars klammheimlich und erneut kaum wiedererkennbar in ein weiteres Franchise einschleicht. Seine Figur ist einfach zu schlecht entwickelt, seine Dialoge wirken banal, er ist ganz Oberfläche.
Von seinen vier "apokalyptischen Reitern" mag ich schon gar nicht sprechen. Dabei ist eine von ihnen (Alexandra Shipp aus Straight Outta Compton) die "neue" Storm, deren Werdegang hier in zwei Miniszenen verschenkt wird, eine weitere ein Wonder-Woman-Klon (Olivia Munn als Psylocke), der dritte eine schlechte Angel-Kopie, und der vierte Nebenschurke - wer hätte es erraten - ist mal wieder Magneto, dessen Geschichte gut anfängt, um dann in ausgefahrenen Untiefen zu versinken.
Was diesen dritten Auftritt der "Next Generation" der X-Men trotzdem sehenswert macht, ist also nicht der große Handlungsbogen, sondern es sind die vielen kleinen Szenen der ansonsten hervorragenden Darstellerriege. Ich persönlich fand es jedenfalls herrlich, wie Xavier angesichts der hübschen CIA-Agentin Moira (Rose Byrne, die bereits in Erste Entscheidung dabei war, aber kaum gealtert ist; im Foto mit ihrem Partner Bobby Cannavale) zum Teenager mutiert, oder wie Cyclops beim Training Xaviers Lieblingsbaum zerstört. Nicholas Hoult als Hank und Jennifer Lawrence als Raven sind immer noch phantastische Identifikationsfiguren. Die junge Oscar-Preisträgerin wirkt allerdings gerade in 3D noch wie ein pausbäckiger Teenager (ich nehme an, dass Mystique einfach nicht wie andere altert).
Der Zeitsprung in die 80er und die im Vorgängerfilm erreichte Veränderung der Timeline sorgen für einige Verwirrung. So müßten Prof. X, Magneto, Mystique und Beast jetzt so um die 40 Jahre alt sein. Es ist also bereits Platz für die nächste Generation. Dabei stiehlt Evan Peters als Quicksilver mal wieder die Show (diesmal zeitgemäß zu Sweet Dreams von den Eurythmics). Kodi Smith-McPhee als Kurt Wagner alias Nightcrawler steht ihm an Unterhaltungswert kaum nach (aber warum muss nach dem Schotten Alan Cumming nun ein Australier in Deutsch radebrechen?) Scott Summers alias Cyclops (Neuling Tye Sheridan) fand ich als Figur immer schon langweilig, die Autoren machen noch das Beste draus. Und übrigens: Die Entstehungsgeschichte von Xaviers Glatze wirkt ziemlich an den Haaren herbeigezogen und ist aufgrund der neuen Zeitlinie auch unnötig.
Die wichtigste Neubesetzung war allerdings die der Telepathie und Telekinese mächtige Supermutantin Jean Grey. Nach einem holprigen Start hat mich die gerade 20jährige Sophie Turner, Lady Sansa aus Game of Thrones, allerdings schnell für sich eingenommen, und am Ende konnte man in ihrer Darstellung durchaus eine junge Famke Janssen erahnen. Kompliment an die rothaarige Engländerin, die sich in der HBO-Serie von Jahr zu Jahr steigern konnte. Und Schwamm drüber, was das misslungene Cameo ihres Soulmates Wolverine angeht - Hugh Jackman kann uns ja nächstes Jahr in seinem dritten Solofilm zeigen, dass er's noch drauf hat...
Nachdem einige der jungen Mutanten eines Abends ausbüxen und sich Return of the Jedi anschauen, fällt der von Bryan Singer hoffentlich selbstironisch gemeinte Spruch, dass "der dritte Teil" stets der schlechteste sei. Natürlich ist das zunächst ein Seitenhieb auf den Abschluss der ursprünglichen X-Men-Saga, den Brett Ratner mit unfassbarer Inkompetenz vor zehn Jahren in den Sand gesetzt hatte. Aber auch Apokalypse ist ein dritter Teil (allerdings kaum der Abschluss), und gerade im Vergleich zum Vorgänger kommt er schlecht weg. Days of Future Passed hat schließlich dem Star-Trek-Franchise gezeigt, wie man ein Treffen der Generationen mit einem Reboot zu einer fesselnden Geschichte verknüpfen kann. Aber diesmal haben sich Autor Simon Kinberg und Regisseur Bryan Singer übernommen. Anders als beim Bürgerkrieg der Avengers ist dies auch der Tenor der Filmkritiker. Obwohl ich einen Tick mehr Freude an Apokalypse als am Civil War hatte (vielleicht auch aufgrund einer geringeren Erwartungshaltung), reicht es bei mir doch nur für ein Ordentlich (6/10).
Montag, 16. Mai 2016
Hugo-nominiert: Neal Stephensons "Seveneves"
Der 1959 geborene Amerikaner Neal Stephenson schlug vor 25 Jahren wie ein Meteor im Science-Fiction-Genre ein. Seine drei Romane Zodiac (1988), Snow Crash (1992) und Diamond Age (1995) vereinten Originalität, naturwissenschaftliches Verständnis und einen reichhaltigen und doch präzisen Sprachstil. Das drittgenannte Werk, ein futuristisches Cyberpunk-Abenteuer im viktorianischen Stil, gewann 1996 den Hugo für den Besten Roman (bei starker Konkurrenz durch Baxter, Brin, Sawyer und Willis). Danach allerdings verfiel Stephenson in meinen Augen in eine Art megalomanische Selbstverliebtheit - die technischen Ideen wurden wichtiger als die Geschichten. Der Nachfolger Cryptonomicon, 2000 für einen Hugo nominiert, war bereits ein Wälzer von über 900 Seiten. Die anschließende, etliche tausend Seiten umfassende "Barock"-Trilogie habe ich mir bislang gespart, und das 2009 nominierte, wieder über tausend Seiten lange (für 1€ erstandene) Anathem liegt jetzt schon fast zwei Jahre ungelesen in meinem Kindle-Eingangsordner. Dagegen sind die 860 Seiten seines nunmehr vierten nominierten Romans Seveneves fast ein Klacks (Kurzgeschichten von Stephenson gibt es übrigens nur wenige).
Die meisten Autoren hätten die drei Teile von Seveneves wahrscheinlich als Trilogie veröffentlicht, und das hätte der Ausarbeitung insbesondere des Abschlusses sicher gut getan. Die Geschichte beginnt in naher Zukunft mit einer ungeklärten Katastrophe, durch die der Mond in sieben Teile zerbricht. Das wird für einige Wochen als Kuriosum betrachtet, bis Wissenschaftler die resultierenden exponentiellen Prozesse analysieren und erkennen, dass die Lebensgrundlagen der Erde binnen zwei Jahren in einem gewaltigen Feuersturm und Meteoritenbombardement untergehen werden - was immerhin nach wenigen Jahrtausenden in einen attraktiven Trümmerring münden wird. Die internationale Gemeinschaft lenkt daher alle irdischen Ressourcen in den Aufbau einer schwarmartigen Orbitalarche um die internationalen Space Station ISS (mit dem knuffigen Spitznamen Izzy), die inzwischen an einen kleinen eisenerzhaltigen Asteroiden angekoppelt ist.
Es ist schwer vorstellbar, wie eine Menschheit, die schon den gut belegten Klimawandel nicht wahrhaben will, derart rational auf die Vorhersage eines solchen Armageddons reagieren würde. Wenn man diese Pille aber erstmal geschluckt hat, macht es schon Spaß, den brillant beschriebenen technischen Herausforderungen und Lösungen zu folgen. Auch einige der eingeführten Figuren wissen zu überzeugen, insbesondere die weiblichen, so die Kommandantin der ISS Ivy und die Roboterspezialistin Dinah, deren von Nano bis Makro variierenden Maschinen zum wichtigsten Werkzeug der neuen Weltraum-Menschheit werden sollen. Zum Ende des ersten Teils beobachten etwa 2.000 Überlebende die Auslöschung der erdgebundenen Zivilisation aus dem All.
Im zweiten Teil kämpft nun diese sehr heterogene Gemeinschaft im geosynchronen Orbit ums Überleben. Insbesondere unberechenbare Boliden bilden eine ständige Gefahr, und die Ressourcen sind knapp. Ein kleines Team versucht daher, einen Eiskometen mittels eines Atomreaktors in eine angepaßte Umlaufbahn zu bringen. Zu allem Überfluß gibt es jetzt (endlich?!) politische Differenzen und Intrigenspiele, natürlich auch Depressionen, Selbstmorde und Kämpfe um die Ressourcenverteilung und die Langzeitstrategie. Hier wird allerdings eine traurige Wahrheit veranschaulicht. Politiker wissen zwar Statistiken gekonnt für sich zu manipulieren, vertrauen aber statt statistischen wissenschaftlichen Berechnungen (etwa der Wahrscheinlichkeiten für Bolidentreffer) lieber ihrer Intuition. Der insbesondere durch eine gewisse amerikanische Politikerin ausgelöste Machtkampf führt schließlich zu einer durch Menschen ausgelösten Katastrophe, und die Zahl der Überlebenden schwindet. Ohne zu viel verraten zu wollen, erreichen zum Ende des zweiten Teils zumindest einige Protagonisten einen sicheren Hafen. Hier gibt der Romantitel einen gewissen Hinweis...
Gerade wenn es spannend wird, nerven nun die detailverliebten Schilderungen der sicher wohlrecherchierten technischen Anstrengungen. Ohne ein grundsätzliches naturwissenschaftliches Verständnis ist hier der Leser schnell abgehängt, und selbst Fans von Hard SF überschlagen hier wohl so manche Seite mit Beschreibungen. Trotzdem Respekt dem Autor, der inzwischen auch als "Futurist" für Technologieunternehmen arbeitet. Er ist zwar immer noch typischer Technikoptimist (wie auch viele seiner Kollegen, etwa David Brin), aber in seiner Vorstellungskraft und dem grundsätzlichen Verständnis etwa Andy Weirs Marsianer (mir nur in der Verfilmung bekannt) weit voraus. Was die Charaktere betrifft, stellt sich nun eine gewisse Ermüdung ein, auch durch die (allerdings plausible) Sterblichkeitsrate.
============================== SPOILER ==============================
Den dritten Teil kann man ohne Spoiler nicht so recht zusammenfassen, geschweige denn kritisieren. Wir machen einen Zeitsprung von 5.000 Jahren. Die Orbitalgemeinschaft besteht aus etwa drei Milliarden Menschen, alles Nachkommen der ursprünglichen sieben Evas, die sich in den ersten Generationen im wesentlichen klonen mussten, so dass sieben klar unterscheidbare "Rassen" entstanden, inklusive zweier rivalisierender Supermächte, hier Rot und Blau genannt. Seit einigen hundert Jahren haben sie begonnen, die Erde wieder bewohnbar zu machen (ReTerraForm), u.a. mittels Beschuss durch wasserhaltige Kometen und den Kickstart der Ökosphäre durch künstlich erzeugte Organismen.
Es ist natürlich immer schwer, derart weit in die Zukunft zu spekulieren und doch im Rahmen des wissenschaftlich Plausiblen zu bleiben. Trotzdem war ich ein wenig enttäuscht von dieser recht unwahrscheinlichen Konstellation. Das betrifft das Vertrauen in gezielte genetische Manipulationen noch mehr als die ingenieurtechnischen Husarenstücke. Dazu kommt, dass das Szenario weder soziologisch plausibel ist noch mit überzeugenden Figuren aufwarten kann. Trotzdem gibt es dann einige Spannungsmomente, wenngleich aufmerksame Leser die großen "Enthüllungen" sicher lange vorhersehen können.
============================== Ende SPOILER ==========================
Am Ende hatte ich eher das Gefühl, eine Leseaufgabe bewältigt zu haben, ohne im Ausgang der Geschichte eine angemessene Belohnung zu spüren. Wenn ein kluger Lektor den Autor zur Kürzung auf die Hälfte des Umfangs gedrängt hätte, wäre vielleicht ein Meisterwerk dabei herausgekommen. Dem dritten Teil hingegen wäre mehr Arbeit an den Figuren zugute gekommen, vielleicht hätte man ihn tatsächlich besser als Folgeroman konzipiert. Stephenson hat angeblich übrigens keine Fortsetzung im Sinn, auch wenn der eigentliche Auslöser des ganzen (die Zerstörung des Monds) nicht geklärt wird. So geht die Nominierung vielleicht in Ordnung, aber einen würdigen Gewinner habe ich auch hier nicht gesehen.
Die meisten Autoren hätten die drei Teile von Seveneves wahrscheinlich als Trilogie veröffentlicht, und das hätte der Ausarbeitung insbesondere des Abschlusses sicher gut getan. Die Geschichte beginnt in naher Zukunft mit einer ungeklärten Katastrophe, durch die der Mond in sieben Teile zerbricht. Das wird für einige Wochen als Kuriosum betrachtet, bis Wissenschaftler die resultierenden exponentiellen Prozesse analysieren und erkennen, dass die Lebensgrundlagen der Erde binnen zwei Jahren in einem gewaltigen Feuersturm und Meteoritenbombardement untergehen werden - was immerhin nach wenigen Jahrtausenden in einen attraktiven Trümmerring münden wird. Die internationale Gemeinschaft lenkt daher alle irdischen Ressourcen in den Aufbau einer schwarmartigen Orbitalarche um die internationalen Space Station ISS (mit dem knuffigen Spitznamen Izzy), die inzwischen an einen kleinen eisenerzhaltigen Asteroiden angekoppelt ist.
Es ist schwer vorstellbar, wie eine Menschheit, die schon den gut belegten Klimawandel nicht wahrhaben will, derart rational auf die Vorhersage eines solchen Armageddons reagieren würde. Wenn man diese Pille aber erstmal geschluckt hat, macht es schon Spaß, den brillant beschriebenen technischen Herausforderungen und Lösungen zu folgen. Auch einige der eingeführten Figuren wissen zu überzeugen, insbesondere die weiblichen, so die Kommandantin der ISS Ivy und die Roboterspezialistin Dinah, deren von Nano bis Makro variierenden Maschinen zum wichtigsten Werkzeug der neuen Weltraum-Menschheit werden sollen. Zum Ende des ersten Teils beobachten etwa 2.000 Überlebende die Auslöschung der erdgebundenen Zivilisation aus dem All.
Im zweiten Teil kämpft nun diese sehr heterogene Gemeinschaft im geosynchronen Orbit ums Überleben. Insbesondere unberechenbare Boliden bilden eine ständige Gefahr, und die Ressourcen sind knapp. Ein kleines Team versucht daher, einen Eiskometen mittels eines Atomreaktors in eine angepaßte Umlaufbahn zu bringen. Zu allem Überfluß gibt es jetzt (endlich?!) politische Differenzen und Intrigenspiele, natürlich auch Depressionen, Selbstmorde und Kämpfe um die Ressourcenverteilung und die Langzeitstrategie. Hier wird allerdings eine traurige Wahrheit veranschaulicht. Politiker wissen zwar Statistiken gekonnt für sich zu manipulieren, vertrauen aber statt statistischen wissenschaftlichen Berechnungen (etwa der Wahrscheinlichkeiten für Bolidentreffer) lieber ihrer Intuition. Der insbesondere durch eine gewisse amerikanische Politikerin ausgelöste Machtkampf führt schließlich zu einer durch Menschen ausgelösten Katastrophe, und die Zahl der Überlebenden schwindet. Ohne zu viel verraten zu wollen, erreichen zum Ende des zweiten Teils zumindest einige Protagonisten einen sicheren Hafen. Hier gibt der Romantitel einen gewissen Hinweis...
Gerade wenn es spannend wird, nerven nun die detailverliebten Schilderungen der sicher wohlrecherchierten technischen Anstrengungen. Ohne ein grundsätzliches naturwissenschaftliches Verständnis ist hier der Leser schnell abgehängt, und selbst Fans von Hard SF überschlagen hier wohl so manche Seite mit Beschreibungen. Trotzdem Respekt dem Autor, der inzwischen auch als "Futurist" für Technologieunternehmen arbeitet. Er ist zwar immer noch typischer Technikoptimist (wie auch viele seiner Kollegen, etwa David Brin), aber in seiner Vorstellungskraft und dem grundsätzlichen Verständnis etwa Andy Weirs Marsianer (mir nur in der Verfilmung bekannt) weit voraus. Was die Charaktere betrifft, stellt sich nun eine gewisse Ermüdung ein, auch durch die (allerdings plausible) Sterblichkeitsrate.
============================== SPOILER ==============================
Den dritten Teil kann man ohne Spoiler nicht so recht zusammenfassen, geschweige denn kritisieren. Wir machen einen Zeitsprung von 5.000 Jahren. Die Orbitalgemeinschaft besteht aus etwa drei Milliarden Menschen, alles Nachkommen der ursprünglichen sieben Evas, die sich in den ersten Generationen im wesentlichen klonen mussten, so dass sieben klar unterscheidbare "Rassen" entstanden, inklusive zweier rivalisierender Supermächte, hier Rot und Blau genannt. Seit einigen hundert Jahren haben sie begonnen, die Erde wieder bewohnbar zu machen (ReTerraForm), u.a. mittels Beschuss durch wasserhaltige Kometen und den Kickstart der Ökosphäre durch künstlich erzeugte Organismen.
Es ist natürlich immer schwer, derart weit in die Zukunft zu spekulieren und doch im Rahmen des wissenschaftlich Plausiblen zu bleiben. Trotzdem war ich ein wenig enttäuscht von dieser recht unwahrscheinlichen Konstellation. Das betrifft das Vertrauen in gezielte genetische Manipulationen noch mehr als die ingenieurtechnischen Husarenstücke. Dazu kommt, dass das Szenario weder soziologisch plausibel ist noch mit überzeugenden Figuren aufwarten kann. Trotzdem gibt es dann einige Spannungsmomente, wenngleich aufmerksame Leser die großen "Enthüllungen" sicher lange vorhersehen können.
============================== Ende SPOILER ==========================
Am Ende hatte ich eher das Gefühl, eine Leseaufgabe bewältigt zu haben, ohne im Ausgang der Geschichte eine angemessene Belohnung zu spüren. Wenn ein kluger Lektor den Autor zur Kürzung auf die Hälfte des Umfangs gedrängt hätte, wäre vielleicht ein Meisterwerk dabei herausgekommen. Dem dritten Teil hingegen wäre mehr Arbeit an den Figuren zugute gekommen, vielleicht hätte man ihn tatsächlich besser als Folgeroman konzipiert. Stephenson hat angeblich übrigens keine Fortsetzung im Sinn, auch wenn der eigentliche Auslöser des ganzen (die Zerstörung des Monds) nicht geklärt wird. So geht die Nominierung vielleicht in Ordnung, aber einen würdigen Gewinner habe ich auch hier nicht gesehen.
Sonntag, 8. Mai 2016
Dark Knights: Captain America - Civil War (6/10)
Jetzt ist es doch passiert. Das erste Dutzend der Avenger-Filme ist voll, und ich bin übersättigt. Während alle Welt über den "vielleicht besten" Marvel-Film jubelt, versuche ich zu analysieren, warum ich so wenig Spaß im Kino hatte. Hier ein paar Thesen:
Na ja, es war doch etwas besser als die Prügelei zwischen den beiden DC-Helden - bessere Darsteller, bessere Dialoge - aber die Erwartungen waren auch höher. Ordentlich (6/10).
Da mich der Film einigermaßen ratlos zurückließ, habe ich mir eine zweite Meinung aus der wichtigsten Zielgruppe dazugeholt. Der knapp 13jährige Sohn von Freunden ist wohl noch etwas hungriger als ich und schreibt (leichter Spoiler für Batman vs. Superman):
- Christopher Nolan ist schuld! Seit seiner überaus erfolgreichen Dark-Knight-Trilogie meinen alle, Superhelden ernst nehmen zu müssen. So viel Düsternis möchte ich aber gar nicht sehen.
- Im Winter Soldier haben die Russos alles richtig gemacht - diesmal fand ich die Action zu hektisch und alles andere zu lang - aus dem 146-Minuten-Spektakel hätte man vielleicht einen dichten 100-Minuten-Thriller machen können.
- Warum soll ich mit Freude zusehen, wenn Freunde sich verprügeln? Boxkämpfe und MMA sind schließlich auch nicht mein Ding.
- Wenn schon Ernsthaftigkeit, dann auch richtig! Mit Schrecken habe ich darauf gewartet, dass Tony einen Herzinfarkt bekommt. Pustekuchen - Playboy-Billionäre sind unzerstörbar (Batman lässt grüßen).
- Die Integration von Wanda ("Scarlett Witch") und Vision (vormals Jarvis) ist noch ein wenig holprig (und nein, im Foto ist nicht Elizabeth Olsen (sie kommt weiter unten), sondern Paul Bettanys Ehefrau Jennifer Connelly, die ansonsten nichts mit dem Film zu tun hat. Aber ich lasse bestimmt keine Gelegenheit aus, eine meiner Lieblingsschauspielerinnen zu präsentieren).
- Spidey (mit 19 Lenzen der bislang jüngste: Tom Holland) ist als Comic Relief ganz witzig, aber wer will denn einen kompletten Film um diesen Rotzbengel sehen?
- Paul Rudds Gastauftritt war dagegen mehr als willkommen (Wer ist das? - Wirklich?) Müssen wir tatsächlich noch zwei Jahre auf Ant-Man and the Wasp warten?
- Drei schwarze Avengers sind offenbar zuviel für die Amerikaner, daher wird bei Einführung des dritten einer der anderen in Rente geschickt (Chadwick Boseman als Black Panther hat aber ein vielversprechendes Debut).
- Tony Stark könnte fast jeden der übrigen Avengers mit dem kleinen Finger seiner stählernen Faust K.O. schlagen. Wie insbesondere Natasha und Clint die brutalen Scharmützel überstehen, übersteigt meine Suspension of Disbelief (das heißt im Deutschen laut Wikipedia übrigens "Willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit" ;-). Scarlett Johannson hat wohl keine Promotion gemacht. Sie ist im Gegensatz zum Vorgängerfilm, in dem sie praktisch die zweite Hauptrolle hatte, kaum zu sehen...
- Der Bösewicht gewinnt! Bin ich der einzige, dem das missfällt? Auch wenn Daniel Brühl mit gekonntem Underplaying eine gute Figur macht und die (vor allem bei Bond gefestigte) Tradition renommierter deutscher Darsteller in Schurkenrollen aufrechterhält. Den sekovischen Akzent hat er jedenfalls drauf. Damit sei ihm auch sein hölzerner Auftritt als schwuler Chef von Bradley Cooper im schwer verbrannten Burnt ("Im Rausch der Sterne") verziehen. Schade nur, dass er in seiner Heimat kein Kassenmagnet mehr ist - dazu müsste er ein "Schweig" im Namen haben.
Na ja, es war doch etwas besser als die Prügelei zwischen den beiden DC-Helden - bessere Darsteller, bessere Dialoge - aber die Erwartungen waren auch höher. Ordentlich (6/10).
Da mich der Film einigermaßen ratlos zurückließ, habe ich mir eine zweite Meinung aus der wichtigsten Zielgruppe dazugeholt. Der knapp 13jährige Sohn von Freunden ist wohl noch etwas hungriger als ich und schreibt (leichter Spoiler für Batman vs. Superman):
Der Film (in 3D jedenfalls) war sehr actionreich und voller Effekte. Die Effekte sind manchmal ziemlich irritierend, aber die Geschichte ziemlich gut. Mir fiel auf, dass es in diesem Film wenige einfallsreiche Dialoge gab und es mehr um die Kämpfe ging, die sehr zahlreich waren. Tony Stark hat sehr mit seinem Humor nachgelassen. Ant-Man hätte ein wenig mehr Sprechrolle bekommen sollen, da er wenig gesagt hat, obwohl er eine einen sehr humorvollen Charakter hat.Der Auftritt vom Schwarzen Panther war sehr gut. Dass er den anderen einfach bis zum Ende gefolgt ist, war eine sehr gute Idee, da er eine neue Figur ist.Er ist zwar eine sehr draufgängerische Person, aber der Schauspieler spielt seine Rolle sehr gut. Die Musik war nicht so besonders, mir jedenfalls ist der Soundtrack zu keinem Zeitpunkt besonders aufgefallen. Im Vergleich ist dieser Film besser als der Film Batman vs. Superman. Der Film hat mir nicht ganz so gut gefallen gehabt, da er in einer einzigen Richtung gelaufen ist, das heißt, es war wie immer das gleiche !!!!!!!! Die Welt wird bedroht, und Superman rettet sie wieder. Dass er am Ende gestorben ist, hat mir dann auch ganz gut gefallen ;-) !!! Dass Captain America eine Überlänge hat, ist mir erst am Ende aufgefallen, der Film war so actionreich, da konnte man gar nicht auf die Uhr schauen und fragen, wo die Zeit geblieben ist. :-D
Freitag, 6. Mai 2016
Verschenkter Stoff: Ein Hologramm für den König (6/10)
Der zugrundeliegende Roman von Dave Eggers soll eine düstere Parabel auf den schwindenden amerikanischen Einfluss auf Weltpolitik und Weltwirtschaft sein. Die Adaption von Regisseur Tom Tykwer kann sich leider nicht für einen durchgängigen Ton entscheiden und schwankt zwischen Reisebericht, Farce und einer Romanze mit aufgesetztem Happy-End. Insbesondere die letzte halbe Stunde entbehrt jeglicher Glaubwürdigkeit. Aber schon zu Beginn hätte ich mir mehr Mut des Lola rennt-Schöpfers gewünscht, als eine an sich tolle Idee mit angezogener Handbremse umgesetzt wird. Beim Telegraph kann man sich die komplette surreale Tanzszene anschauen, in der Tom Hanks den leicht abgewandelten Text von David Byrnes Talking-Heads-Hit Once in a Lifetime interpretiert:
Als das schöne Haus und die schöne Ehefrau verpuffen, reist der gescheiterte Fahrradverkäufer nach Saudi-Arabien, um dem König (dessen Neffen er mal am Pissoir kennenlernte) ein Videokonferenz-Konzept auf Hologramm-Basis zu präsentieren. Damit wäre der Titel schon mal erklärt. Alles weitere gehört zum Merkwürdigsten, was ich in den letzten Jahren im Kino gesehen habe. Es gibt wundervolle (zumeist in Marokko gedrehte) Bilder, gute Schauspieler (u.a. die Borgen-Ministerpräsidentin Sidse Babett Knudsen) und tolle Momente, aber selbst über die an sich kurzen 98 Minuten entwickelt sich kein zusammenhängendes Ganzes. Auf der einen Seite hat die Handlung auch für flüchtige Kenner der arabischen Welt nichts mit der Realität zu tun, auf der anderen Seite ist sie auch nicht so satirisch übertrieben, dass mehr als eine platte Entlarvung der amerikanischen Hauruck-Mentalität dabei rauskommt.
Hier hätte ich mir einen jungen Werner Herzog am Ruder gewünscht, der dem originellen Stoff vielleicht die verdiente Umsetzung entrungen hätte. Leider ist auch dem inzwischen 73jährigen Altmeister längst die Luft ausgegangen, sein eigener Arabienfilm Königin der Wüste mit Nicole Kidman war nur noch eine fade, immerhin atemberaubend bebilderte Romanze. Von Tykwer, international der angesehenste deutsche Regisseur seiner Generation, hätte ich mir nach seinen tollen Adaptionen Das Parfum und Cloud Atlas mehr versprochen. So ist Ein Hologramm für den König ähnlich enttäuschend geraten wie The International von 2009, damals trotz Starbesetzung mit Clive Owen, Naomi Watts und Armin Müller-Stahl ein Flop. Auch diesmal sieht's an den Kinokassen nicht besser aus. Ordentlich (6/10).
You may find yourself living in a shotgun shack
And you may find yourself in another part of the world
And you may find yourself behind the wheel of a large automobile
You may find yourself in a beautiful house, with a beautiful wife
You may ask yourself, "Well, how did I get here?"
Letting the days go by, let the water hold me down
Letting the days go by, water flowing underground
Into the blue again, after the money's gone
Once in a lifetime, water flowing underground
Same as it ever was...
Als das schöne Haus und die schöne Ehefrau verpuffen, reist der gescheiterte Fahrradverkäufer nach Saudi-Arabien, um dem König (dessen Neffen er mal am Pissoir kennenlernte) ein Videokonferenz-Konzept auf Hologramm-Basis zu präsentieren. Damit wäre der Titel schon mal erklärt. Alles weitere gehört zum Merkwürdigsten, was ich in den letzten Jahren im Kino gesehen habe. Es gibt wundervolle (zumeist in Marokko gedrehte) Bilder, gute Schauspieler (u.a. die Borgen-Ministerpräsidentin Sidse Babett Knudsen) und tolle Momente, aber selbst über die an sich kurzen 98 Minuten entwickelt sich kein zusammenhängendes Ganzes. Auf der einen Seite hat die Handlung auch für flüchtige Kenner der arabischen Welt nichts mit der Realität zu tun, auf der anderen Seite ist sie auch nicht so satirisch übertrieben, dass mehr als eine platte Entlarvung der amerikanischen Hauruck-Mentalität dabei rauskommt.
Hier hätte ich mir einen jungen Werner Herzog am Ruder gewünscht, der dem originellen Stoff vielleicht die verdiente Umsetzung entrungen hätte. Leider ist auch dem inzwischen 73jährigen Altmeister längst die Luft ausgegangen, sein eigener Arabienfilm Königin der Wüste mit Nicole Kidman war nur noch eine fade, immerhin atemberaubend bebilderte Romanze. Von Tykwer, international der angesehenste deutsche Regisseur seiner Generation, hätte ich mir nach seinen tollen Adaptionen Das Parfum und Cloud Atlas mehr versprochen. So ist Ein Hologramm für den König ähnlich enttäuschend geraten wie The International von 2009, damals trotz Starbesetzung mit Clive Owen, Naomi Watts und Armin Müller-Stahl ein Flop. Auch diesmal sieht's an den Kinokassen nicht besser aus. Ordentlich (6/10).
Donnerstag, 5. Mai 2016
Hugo-nominiert: "Ancillary Mercy" von Ann Leckie
Die notorische Traurige-Welpen-Kampagne hat bei den diesjährigen Hugo-Nominierungen einen etwas anderen Effekt als zuvor. Statt fragwürdiger militärischer SF kommt diesmal der Mainstream zum Zuge. Es wurden vor allem Werke etablierter Autoren nominiert, die meisten davon sind auch für den Nebula und andere Preise im Rennen. Leider fehlen dadurch überraschende Neuentdeckungen, und mein einziger nominierter Roman, The Dark Forest von Cixin Liu, hat es auch nicht unter die letzten Fünf geschafft. Beigetragen zu dieser Situation hat sicher auch die Rekordzahl von über 4.000 abgegebenen (elektronischen) Stimmzetteln.
Der erste übliche Verdächtige bei den Romanen ist Ann Leckies Abschluss ihrer "Imperial Radch"-Trilogie. Nachdem ich beim zweiten Band vermutet hatte, dass es nicht bei einer Trilogie bleiben werde, bringt Ancillary Mercy die Geschichte nun doch etwas überhastet zum Abschluss. Insbesondere der systemumspannende Rahmen fällt dabei ziemlich in sich zusammen, was auch von vielen Lesern moniert wird. Insgesamt kann man nun höchstens von einer Weltraum-Operette sprechen (sogar mit Gesangspassagen, die beim Lesen allerdings nicht besonders überzeugen). Die persönliche Entwicklung der inzwischen etablierten Figuren fand ich dann aber doch fesselnd, und zwischendurch sorgt insbesondere Dilique, Verzeihung, Zeiat, der skurille Übersetzer der Presger, für willkommene komische Momente. Welche der Figuren übrigens männlich und welche weiblich waren, hatte ich längst vergessen, und durch die konsequente Nutzung des weiblichen Pronoms blieb dies auch so - vielleicht hat die Autorin damit genau ihr Ziel erreicht. Schließlich stellt sich heraus, dass es eine wesentlichere Unterscheidung gibt - die zwischen Menschen und anderen "signifikanten" Wesen, etwa Ancillaries und den KIs der beteiligten Schiffe und Stationen. Ohne den Hugo für Ancillary Justice hätte ich die Trilogie wohl trotzdem nicht zu Ende gelesen, aber schmerzhaft war es nun auch nicht. Ob ein zweiter Gewinn drin ist, wage ich momentan nicht vorherzusagen. Abwarten und Tee trinken!
Der erste übliche Verdächtige bei den Romanen ist Ann Leckies Abschluss ihrer "Imperial Radch"-Trilogie. Nachdem ich beim zweiten Band vermutet hatte, dass es nicht bei einer Trilogie bleiben werde, bringt Ancillary Mercy die Geschichte nun doch etwas überhastet zum Abschluss. Insbesondere der systemumspannende Rahmen fällt dabei ziemlich in sich zusammen, was auch von vielen Lesern moniert wird. Insgesamt kann man nun höchstens von einer Weltraum-Operette sprechen (sogar mit Gesangspassagen, die beim Lesen allerdings nicht besonders überzeugen). Die persönliche Entwicklung der inzwischen etablierten Figuren fand ich dann aber doch fesselnd, und zwischendurch sorgt insbesondere Dilique, Verzeihung, Zeiat, der skurille Übersetzer der Presger, für willkommene komische Momente. Welche der Figuren übrigens männlich und welche weiblich waren, hatte ich längst vergessen, und durch die konsequente Nutzung des weiblichen Pronoms blieb dies auch so - vielleicht hat die Autorin damit genau ihr Ziel erreicht. Schließlich stellt sich heraus, dass es eine wesentlichere Unterscheidung gibt - die zwischen Menschen und anderen "signifikanten" Wesen, etwa Ancillaries und den KIs der beteiligten Schiffe und Stationen. Ohne den Hugo für Ancillary Justice hätte ich die Trilogie wohl trotzdem nicht zu Ende gelesen, aber schmerzhaft war es nun auch nicht. Ob ein zweiter Gewinn drin ist, wage ich momentan nicht vorherzusagen. Abwarten und Tee trinken!
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