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Donnerstag, 28. Juli 2016

Spielberg und Dahl mischen sich nicht: The BFG (5/10)

GFR - der Große Freundliche Riese
GFR/BFG ist gar nicht so groß - jedenfalls ist er der Kleinste und Schmächtigste im Riesenland. Dafür hat er als einziger einen Job - er fängt und verteilt Träume. Und er ist Vegetarier, im Gegensatz zu seinen Kollegen, die auch gern mal einen Menschenhappen verspeisen. Der frischgebackene Oscar-Gewinner Mark Rylance in der Titelrolle ist grandios, er allein kann dem Geschehen allerdings keine rechte Richtung geben. Seine Kapriolen sind aber nie weniger als amüsant, und der Brite hat die Wortspelunken des Reisen gut drunter.


BFG - Barely Funny Guys!
Leider ist die Besetzung der zweiten Hauptrolle mit der unerfahrenen 11jährigen Ruby Barnhill nicht besonders gelungen. Es ist ja schön, dass hier keine Disney-Prinzessin agiert, aber vielleicht wäre Mut zu echter Häßlichkeit angebracht gewesen (wenigstens die für Briten traditionellen schiefen Zähne;-) So ist Sophie nur langweilig, und das Drehbuch tut ihr auch keinen Gefallen. Das Leiden unter dem Leben im Waisenhaus ist lediglich behauptet, und eine Lesebrille und eine Ausgabe von Nicholas Nickleby ergeben noch keinen überzeugenden Nerd.


GFR - Grusel-Faktor Reduziert
Ähnlich wie in Scorseses Hugo Cabret kann ich hier nicht so recht eine Zielgruppe ausmachen. Die Verfilmung des Bilderbuchs von Roald Dahl (Charlie und die Schokoladenfabrik) ist technisch aufwändig, wirkt aber seltsam uninspiriert. Für kleine Kinder ist das vielleicht zu gruselig, für Größere aber schon zu langweilig. Die Geschichte ist geradlinig erzählt und bietet kaum Überraschungen. Die Spielberg-Magie ist trotz des (letzten) Drehbuchs der E.T.-Erfinderin Melssia Mathison kaum spürbar. Besonders müde ist der Score von Altmeister John Williams, der hier zum 24. Mal mit Spielberg gearbeitet hat.


BFG - Better Fart Green
Im dritten Akt wird dann endgültig jedes vernünftiges Maß von Albernheit überschritten. Wir befinden uns zwar in den 80ern, allerdings offenbar in einer Alternativwelt, in der die Queen (Penelope Wilton) Generäle befiehlt und zu den Klängen von "Rule Britannia" in Marsch setzt (von Prince Philip übrigens keine Spur). Rebecca Hall (Vicky Cristina Barcelona, Iron Man 3) darf als Kammerfrau mal unbeschwert lieb sein. Rafe Spall lädt immerhin zum Schmunzeln ein mit seinen Versuchen, auch beim Dinner mit einem Riesen das Protokoll aufrecht zu halten. Und keine Sorge, bei der Produktion dieses Films kam kein Riese zu Schaden.



Annehmbar (5/10).

Sonntag, 24. Juli 2016

Hugo-nominiert: Jim Butchers "The Aeronaut's Windlass"

Aeronauten? Die Menschheit lebt in kilometerhohen Habitaten im Luftraum über einem lebensfeindlichen Planeten, den sogenannten "Cinder Spires" (etwa "Betontürme"). Die Technologie beruht im wesentlichen auf gezüchteten Kristallen, mit deren Hilfe Elektrizität erzeugt wird, die aber auch als zu Waffen verarbeitet werden. Ihr wichtigster Einsatz ist der Antrieb der zivilen und militärischen Luftschiffe eben jener Aeronauten, die den Luftraum beherrschen. Aufgrund des frühindustriellen Status dieser Zivilisation ordnen viele diesen Fantasy-Roman dem sogenannten Steam Punk zu, ein Untergenre, das nach dem Technikniveau von Dampfmaschinen benannt ist.

Ich würde diesen ersten Band einer angeblich auf neun Bände ausgelegten Reihe zunächst aber eher der militärischen SF zuschlagen. Er beginnt mit einem Luftkampf und endet mit einer ausgedehnten Luftschlacht. Zentrale Figur dabei ist Kapitän Grimm, ein für den Autor typisch aufrechter, aber missverstandener Held, der auch mit gebrochenem Arm noch klaglos weiterkämpft. Unehrenhaft aus dem Militärdienst geworfen, lenkt er nun das Piratenschiff Predator, steht aber selbstverständlich auf der Seite der "Guten". Welche wären: der Spire Albion, eine einigermaßen demokratische, brav kapitalistische Gesellschaft, in der sogar die Ganoven einem Ehrenkodex folgen. Sie steht im Konflikt mit dem Spire Aurora, dessen System seine Bewohner unterdrückt und wirtschaftlich in relativer Armut hält. Zumindest bisher scheint mir das eine ziemlich schablonenhafte Kopie des Kalten Krieges zwischen den USA und der UdSSR zu sein.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der Hauptfiguren geschildert. Ausser Grimm wären da noch die 16jährige Gwen, Erbin des mächtigen Hauses Lancaster; Benedict, ihr Cousin und durch seine Raubkatzengene ein geborener Kämpfer; Bridget, Tochter eines fast vergessenen Hauses, deren Vater als besserer Metzger sein Brot verdient. Das sind alles fürchterlich gute Menschen, denen gerade genug (und leider vorhersehbare) Charakterfehler mitgegeben werden, dass sie nicht todlangweilig werden: Gwen ist arrogant, Benedict leidet unter den Vorurteilen wegen seiner Hybrid-Gene, und Bridget schämt sich ihrer ärmlichen Herkunft.

Zum Glück gibt es noch Meister Ferus und seinen Lehrling Folly. Sie sind Etherealisten, die Magier-Variante in den Spires, die Kristallenergie auch ohne technische Hilfsmittel bündeln und sogar gelegentlich in die Zukunft blicken können. Ihre Fähigkeiten haben allerdings den Preis, dass sie sich mental irgendwo zwischen Exzentrik und Wahnsinn bewegen. Meister Ferus z.B. ist nicht mehr in der Lage, Türgriffe zu bedienen, und Folly kann nicht mehr direkt mit anderen kommunizieren (sie spricht aber laut mit ihrer Kristallsammlung, die sie stets mit sich führt). Jedenfalls sind die beiden mit ihren Merkwürdigkeiten die unterhaltsamsten Figuren der Erzählung.

Und dann gibt es noch Rowl, Beschützer und Freund von Bridget und Erbe der Dynastie der Samtpfoten. Diese Figur richtet sich an alle Leser, die mit Vergnügen das Internet nach Katzenvideos durchstöbern und glauben, dass Katzen die besseren Menschen sind. Butcher nimmt diesen Scherz ernst, und so unterhält sich Rowl mit Bridget in der Katzensprache, versteht sich als ihr "Besitzer" und verhält sich ansonsten genau so, wie es all die witzigen Internet-Fotos erwarten lassen. Ich selbst bin bei der Beurteilung dieser Figur ein wenig zwiespältig.

Jim Butcher versteht es natürlich, Spannung aufzubauen, und das letzte Drittel des Buchs ist wie erwartet eine atemlose Action-Achterbahn. Leider sind die Charaktere selbst für seine Verhältnisse sehr holzschnittartig. Seine Dresden Files sind auch nicht gerade Dostojewski, aber in jener wunderbaren Urban-Fantasy-Reihe und auch in seinem gelungenen, der klassischen Fantasy zugehörigen Codex-Alera-Zyklus fand ich Figuren und Situationen deutlich überzeugender. The Aeronaut's Windlass ist tadellos konstruiert, wirkt aber irgendwie müde und wenig originell. Preiswürdig ist das nun wirklich nicht, und ich bin skeptisch, wie sich die Serie über neun Bände hinweg entwickeln soll. Lesenswert ist das bisher trotzdem. In gewisser Hinsicht sind Butchers Romane das Pendant zum hirnlosen Actionkino à la Fast & Furious. Man kann sich davon widerstandslos unterhalten lassen, aber es hinterlässt bei Überdosierung doch ein hohles Gefühl. Und so wie ich F&F nur fürs Heimkino ausleihe, so warte ich bei den Cinder Spires, bis aufgrund der Taschenbuchveröffentlichung der Kindle-Preis akzeptabel ist.

Samstag, 23. Juli 2016

Star Shit Beyond Repair (1/10)

Fast Five, die wohl beste F&F-Folge, beginnt damit, dass das Team um Brian (Paul Walker) mit fünf Pkw einen Gefangenentransport überfällt (man stelle sich einen Planwagen vor, der von Indianern verfolgt wird). Der Transporter überschlägt sich, aber die Insassen bleiben unversehrt, und außer Dom (Vin Diesel) werden auch alle wieder von der Polizei eingesammelt. Das ist so albern und gleichzeitig so Comic-mäßig überhöht, dass es doch wieder Spaß macht. Überhaupt sind die meisten Actionszenen des unvorstellbar erfolgreichen Franchise oft zwar im Detail (und durch die Handkamera und schnelle Schnitte) ein wenig undurchschaubar, im Ganzen aber gut durchdacht. Sie bieten überraschende Wendungen und folgen einer absurden inneren Logik, auf die man sich als Zuschauer gern einläßt. Regisseur Justin Lin führte mit den Teilen Vier bis Sechs diese Autopornos in finanziell schwindelerregende Höhen. Nun hatte das Produktionsteam von Star Trek nach dem Abgang Abrams die Hoffnung, Lin könne diese Qualitäten auf die Paramount-Property übertragen. Ergebnis: Totalschaden. Die (bereits im Trailer zu sehende) Zerstörung der Enterprise nach kaum einer halben Stunde ist genau das Gegenteil der oben beschriebenen Szene. Unübersichtlich, dröhnend, voller Verachtung der Komparsen/Redshirts, von denen gleich Dutzende draufgehen, ohne dass einer der (selbstverständlich überlebenden) Offiziere eine Miene verzieht. Aber im Weltall hört dich ja keiner schreien...



Wo soll ich anfangen? Also die Enterprise ist bereits drei Jahre auf Mission, und die Verbreitung von Friede, Freude und Eierkuchen für die Föderation füllt Captain Kirk nicht mehr aus - der Action-Held hat sich um einen Schreibtischjob beworben. Jung-Spock dagegen möchte nach dem Tod von Alt-Spock kleine spitzohrige Vulkanier zeugen und die Sternenflotte ganz verlassen. Während die "alte" Crew Jahrzehnte brauchte, um einen ähnlichen Status von Altersmüdigkeit zu erreichen, genügen den Jungstars also wenige Jahre. Ein Hoch auf die Generation Y! Darsteller Zachary Quinto hat ja bereits im amerikanischen Fernsehen erklärt, dass man so langweilige Geschichten wie in den 60ern heute nicht mehr erzählen könne. Er unterstreicht damit aber nur, dass man ikonische Rollen nicht mit langweiligen Schauspielern besetzen sollte. Und das Einrahmen der Handlung mit Fotos von Leonard Nimoy bleibt eine plumpe Anbiederung an die Fans.



Also Kirk mag nicht mehr Kapitän sein. Aber nichts kann die Freude am Fliegen so gut wiederherstellen wie ein ordentlicher Crash. Also wird die Enterprise geschrottet, und alles ist wieder gut, nach ein paar Komplikationen und der Ausschaltung des (durch die Gesichtsprothese buchstäblich) undurchschaubaren Krall, der von Idris Elba als Variation seines Warlords aus Beast of No Nations gegeben wird, afrikanischer Akzent inklusive. Ähnliches gilt für die gute Sofia Boutella, die in Kingsman mit ihren tödlichen Beinprothesen zu begeistern wusste. Hier agiert sie in ebenfalls entstellendem Makeup irgendwie neben den Stars, ohne dass irgendeine emotionale Verbindung spürbar wäre. Im Zentrum der Handlung steht dann eine archaische Waffe, die mit ihrer puren McGuffin-Funktion direkt aus Indiana Jones geklaut sein könnte. Irgendwelche Science-Fiction-Ideen konnte ich hingegen nicht entdecken.



Hatte ich erwähnt, dass die Crew angeblich schon drei Jahre gemeinsam unterwegs ist (unendliche Weiten und so)? Nach all dieser Zeit haben Kirk und Spock aber noch immer nicht den Dreh raus, wer als erster den Aufzug verlässt: "Nach Ihnen." "Nein, nach Ihnen. Ich bestehe darauf!". McCoy muss immer noch raten, wo bei Vulkaniern das Herz platziert ist. Chekovs russischer Akzent ist inzwischen so schleppend, dass man besser eine Rauchen geht, wenn er mehr als eine Dialogzeile aufzusagen hat. Scottys Parodie eines Schotten ist ähnlich nervig, aber Simon Pegg hat sich immerhin die besten Gags auf den Leib geschrieben (nur den Charme von Jimmy Doohan kann er leider nicht kopieren und damit seinem Chauvinismus auch nicht entwaffnen). Wie es sich gehört, ist Uhura neben dem Offenhalten der Grußfrequenzen nur Damsel in Distress, das von Spock gerettet werden muss. Frauen und Autos Raumschiffe passen halt nicht zusammen. Zu keinem Augenblick habe ich an ein zusammengeschweißtes Team geglaubt. All die gemeinsam verbrachten Jahre sind lediglich behauptet, während sowohl die Originalbesatzung als auch die Next Generation durch ihre TV-Staffeln genau diese gemeinsamen Erfahrungen vorweisen konnten. Nur dadurch war es damals gerechtfertigt, in den Kinofilmen neben der Rettung des Universums die Persönlichkeitsentwicklung der Hauptfiguren in den Mittelpunkt zu stellen.



Oh, und Sulu hat eine Tochter und einen Ehemann. Damit hatte George Takei im Vorfeld ein Problem, das ich auch nachvollziehen kann, denn Takeis Sulu war nicht schwul (da hat wohl jemand Darsteller und Figur verwechselt). Takei hätte lieber eine neue homosexuelle Figur gesehen - ich selbst hätte lieber überhaupt neue Figuren gesehen.. Spätestens seit ihrem zweiten Auftritt haben Kirk, Spock, Pille/Bones, Scotty und die anderen rein gar nichts mehr mit den ursprünglichen Charakteren zu tun. Ich kam mir vor wie im neusten Remake der Invasion of the Body Snatchers. Schlimmste Szene dabei: Kirk wird ob eines nahenden Geburtstages schwermütig. Nun ist der Kerl aber gerade mal 35, was nicht mal zur Midlife Crisis reicht - das ist genauso jung wie Shatner, als dieser 1966 erstmals in unendliche Weiten aufbrach. Vielleicht kamen sich die Autoren besonders klug vor, als sie McCoy toasten ließen auf "einen vollen Haarschopf und perfekte Sehkraft". Damit referenzieren sie sowohl Glatzkopf Picard als auch Kirks Brille in Zorn des Khan (die später noch eine Rolle in Zurück in die Gegenwart spielen sollte). Aber Shatner und Stewart waren halt in ihren Kinofilmen (Khan und Das unentdeckte Land bzw. First Contact und Der Aufstand) genau im richtigen Alter, um sich mit Karriereende und Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Gegenüber diesen Giganten wirkt Chris Pine plötzlich wie ein aufsässiger Teenager (was aber genau dem Zielpublikum dieser Travestie entspricht).



Dunkel ist's übrigens gemäß dem Motto des Vorgängers tatsächlich reichlich, besonders in 3D, das ansonsten nur unvorteilhaft die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die Nasen der Darsteller lenkt. Bei flackernder Beleuchtung, Wackelkamera und Stakkatoschnitten weiss man selten, was in diesen CGI-Sets überhaupt passiert. Immerhin sehen die Landschaften auch mit moderener Computertechnik noch wie gemalt aus. Und dann gibt's da die dröhnende Musik, die Pathos suggeriert, wo keiner zu finden ist. In Star Trek - Der Film gab es diese wunderbar nostalgische Szene, als Kirk im Shuttle die neue Enterprise erkundet. Dazu passte die elegische Untermalung von Jerry Goldsmith, ein Liebesmotiv für Schiff und Kapitän. In Beyond versucht Michael Giacchino einen ähnlichen Effekt, nur leider beim Zeigen einer Raumstation, die wir nicht kennen und auch keinen Bezug zu den Figuren hat, aber bei den anonymen Programmierern der Effekte bestimmt für eine Gänsehaut gut war.

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Die Sternenflotte ist inzwischen übrigens so sagenhaft effizient, dass das Nachfolgemodell des Flagschiffs bereits in Arbeit ist. Dem sympathischen Anton Yelchin hätte ich einen besseren Abschlussfilm gegönnt. Aber in einem zweifachen Zeitreisetulip hat das Studio für den vierten Film bereits die Rückkehr von Chris Hemsworth als Kirks Vater angekündigt. Der war zwar gleich nach der ersten halben Stunde des Reboots draufgegangen, aber da wusste man natürlich noch nicht, welch ein großer Star aus dem Darsteller werden würde. Da stehst du nun, du armer Thor, und bist so klug als wie zuvor...



Ach wären doch aller guten Dinge 13. Jetzt habe ich tatsächlich wieder Lust bekommen, mir doch noch mal Nemesis anzuschauen. Wer hätte damals gedacht, dass dieser unwürdige Abgesang der Next Generation noch zu unterbieten wäre? Und das zum 50. Jubiläum, das ansonsten lediglich mit dem restaurierten Director's Cut von Zorn des Khan aufwarten kann. Schande über Paramount! Ärgerlich (1/10).

Sonntag, 17. Juli 2016

Übergeschwappt: Independence Day - Resurgence ("Die Wiederkehr") (4/10)

Es gab eine Zeit, als Aliens noch putzig waren und nur nach Hause telefonieren wollten  Doch dann kam Independence Day. Es gab eine Zeit, als sich Action-Filme noch ernst nahmen. Doch dann kam Independence Day. Es gab eine Zeit, in der Will Smith nur als Prinz von Bel-Air bekannt war. Doch dann kam Independence Day. Es gab eine Zeit, als Kriegsführung mit Computerviren unerhört war. Doch dann kam Independence Day.



Der erfolgreichste Film von 1996 war beileibe kein Meisterwerk. Er war kitschig, albern und unglaubwürdig. Und doch kann man auch heute noch Spaß daran haben (insbesondere in der gerade veröffentlichten, perfekt aufbereiteten Jubiläumsedition). Beim Wiedersehen stellt sich schnell ein Nostalgie-Gefühl ein, mit Überraschungen: Da finden sich ein strammer junger Adam "Jayne" Baldwin als aufrechter Major, die strahlend-schöne junge Vivica A. "Copperhead" Fox als Ehefrau von Will Smith, und Mary McDonnell als First Lady, lange bevor sie in Battlestar Galactica zur Präsidentin der zwölf Kolonien vereidigt wurde. Vor zwanzig Jahren war die Welt noch in Ordnung ;-)



Es war die Zeit, als Patriotismus noch eine amerikanische Angelegenheit war. Doch dann kam der globale Kinomarkt. Es war die Zeit der Komiker in Heldenrollen. Doch dann kamen die vermarktbaren Models. Es war die Zeit der liebevoll von Hand gemachten Zerstörungsorgien. Doch dann kam der CGI-Overkill. Es war die Zeit, als Brent Spiner auch als schwuler Hippie-Wissenschaftler noch Data war. Doch dann kam J.J. Abrams. Es war die große Zeit des Schwaben Roland Emmerich in Hollywood. Doch dann kamen die Pleiten: God(awful)zilla. The Day After Tomorrow. 10.000 BC (Beyond Compare). Und 2012.



Vielleicht konnte nur ein Deutscher den Patriotismus der Amerikaner zu ihrem Unabhängigkeitstag so unverfroren aufs Korn nehmen. Das ist Emmerich gleich nochmal gelungen, im Jahr 2000 mit dem unerträglichen Der Patriot (mit Mel Gibson und Heath Ledger). Aber heute greift diese Marketingstragie offenbar nicht mehr. Natürlich hätte es geholfen, wenn Die Wiederkehr sich zwischen Nostalgie und neuen Ideen hätte entscheiden können. Stattdessen ist sie ein müder Abklatsch geworden, und ein Franchise wird daraus mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr (wie das heute so üblich ist, wurden im Vorfeld bereits großkotzig mehrere Fortsetzungen in Aussicht gestellt).



Das zurückkehrende Komikerteam hätte vielleicht den Feiertag retten können, wenn man ihm ein paar neue Gags spendiert hätte. Stattdessen bekommen wir nur Aufgewärmtes, wobei Jeff Goldblum noch am besten weg kommt (warum hat man ihn nicht für Jurassic World wiederbelebt?) Brent Spiners Dr. Brakish Okun war eigentlich schon tot, wacht hier aber aus einem Koma auf, um das gleiche Minidrama erneut zu durchleben. Bill Pullman darf noch eine feurige Motivationsrede halten, auch wenn das Drehbuch ziemliche Kapriolen schlagen muss, um das zu ermöglichen. Am schmerzhaftesten ist allerdings der Auftritt des inzwischen 80jährigen Judd Hirsch (in der Rolle von Goldblums meschuggem Vater). Der sympathische Star der bahnbrechenden SitCom Taxi (1978 - 1983) ist leider nie so berühmt geworden wie seine Kollegen von damals: Danny DeVito, Christopher Lloyd und Andy Kaufman. Diesmal muss er eine Busladung voll Schulkinder retten, dabei verhindert er fast die Retttung der Welt (Spoiler: Sie wird trotzdem gerettet!)



Nun zu den Neuzugängen. Sela Ward ist als Präsidentin so blass, dass sie kaum als Wahlhilfe für Hillary Clinton durchgeht. Hier ist meine Alternatividee: Warum hat man nicht Vivica A. Fox, die im ersten Film so heldenmütig einen Hund retten durfte, zur Präsidentin gemacht? Das wäre mal progressiv gewesen: eine schwarze Frau mit Stripper-Vergangenheit. Stattdessen muss sie sich diesmal für ein jämmerliches menschliches Baby opfern.  Dann gibt es da Charlotte Gainsbourg, der man ja eigentlich gewisse schauspielerische Fähigkeiten nicht absprechen kann. Sie stolpert allerdings so unmotiviert durch die Szenerie, dass ich ihre Rolle bis zum Schluss nicht verstanden habe. Vielleicht hat sich Jeff Goldblum eine Kuss-Szene  mit einer einigermaßen alterskompatiblen Französin ins Drehbuch schreiben lassen (nach Hollywood-Logik ist sie dementsprechend kaum 20 Jahre jünger als das lange Elend)...



Die eigentliche Katastrophe sind allerdings die jungen Models im Zentrum der Action. Jessie T. Usher geht in keinem Universum als Sohn von Will Smith durch - er ist farblos und unkomisch, dazu derart unbeholfen, dass man bei einem Catwalk wohl befürchten müsste, dass er vom Laufsteg fällt. Im Vergleich macht selbst Milchgesicht Liam Hemsworth (Die Tribute von Panem) einen besseren Eindruck, auch wenn wenig vom Talent und Charisma seines großen Bruders erkennbar ist (der übrigens ein Highlight des kommenden Ghostbusters-Refemakes sein soll).



Bei den jungen Damen bin ich hormonell bedingt ein wenig nachsichtiger. Maika Monroe ist zwar ganz hübsch, wird ihrem Namen aber naturgemäß nicht gerecht. Ihre Figur ist der eigentliche Superstar des Films: eine 22jährige (die Tochter von Präsident Pullman-Whitman), die Reden für die Präsidentin schreibt und nebenbei ausgebildete Kampfpilotin ist - wow, da halte ich die Godzilla-große Alienqueen für glaubhafter. Und zuletzt ist da Angelababy (ein Künstlername, über den in China offenbar niemand lacht), eine generische asiatische Schönheit mit ganzen vier Dialogzeilen, deren Aussehen angeblich der größte Spezialeffekt des Films ist (siehe dieses Bild).



Dass die gesamte Handlung des Films keinen Sinn ergibt, brauche ich kaum zu erwähnen, oder? Da gibt's auch noch einen Warlord mit einem Herz aus Gold (und tätowierten Strichlisten für die erlegten Aliens), der auch die an ägyptische Hieroglyphen erinnerende Schriftsprache der Invasoren entziffern kann (gab's das nicht schon in Stargate?) Zwar zieht niemand einen Nutzen daraus, aber jetzt wissen wir immerhin, dass das Symbol für Furcht/Feind einem Eurozeichen mit nur einem Strich ähnelt - der Brexit lässt grüßen. Am Ende spielen auch die (russischen?) Schatzsucher eine Rolle, die unter primitivsten Voraussetzungen ein Computerprogramm mit hübscher grafischer Oberfläche zusammengebastelt haben, das den Countdown bis zum Weltuntergang sekundengenau darstellen kann (und die längsten vier Minuten der Filmgeschichte anzählt).



Je mehr ich schreibe, desto klarer wird mir, dass man diesen Film gar nicht spoilern kann (wenn man das Original kennt). Man muss diesen Unfug gesehen haben, um ihn zu glauben. Aber wer würde das wollen? Fünf Drehbuchautoren zeichnen verantwortlich, und dann klauen sie für ihren Hundekampf im Luftraum Dialoge aus der ehrwürdig-originalen Galactica-Fernsehserie ("I can't shake him!" - "I'm almost there!")... Gerade noch erträglich (4/10).

Sonntag, 10. Juli 2016

Hugo-nominiert: "The Fifth Season" von N.K. Jemisin

Von den drei in diesem Jahr nominierten Fantasy-Romanen ist dies sicherlich der ungewöhnlichste, und mit seinen fühlbaren Einflüssen von SF auch am schwersten einzuordnen (meine Hugo-Favoritin Naomi Novik schrieb eine positive, wenngleich ziemlich vage Kritik für die New York Times). Er spielt in einer seismisch instabilen Welt, deren Bewohner ständig von Erdbeben und Vulkanausbrüchen bedroht sind. Nimmt ein solches Ereignis katastrophale Ausmaße an, läutet es eine sogenannte fünfte Jahreszeit ein, die Jahre dauern kann und die Menschheit immer wieder an den Rand des Aussterbens bringt.  Das mächtige Imperium Sanze mit seiner am Äquator gelegenen Hauptstadt Yumenes hat allerdings die menschliche Zivilisation schon über mehrere solche Leidenszeiten aufrechterhalten. Nun aber wird (bereits im Prolog) Yumenes zerstört, und es beginnt die vielleicht längste und tödlichste fünfte Jahreszeit.

Neben sorgfältig geplanter Vorratshaltung bedient sich das Imperium des Könnens der sogenannten Orogene, Mutanten, die seismische Ereignisse auslösen und beeinflussen können. Sie werden aufgrund ihrer potentiell zerstörerischen Kräfte von den sogenannten Guardians in Schach gehalten, die selbst über geheimnisvolle Fähigkeiten verfügen. Die Versklavung der Orogene und der schizophrene Umgang mit ihren Kräften ist das zentrale Thema dieser Geschichte.

Sie beginnt mit jenem kryptischen Prolog, der zwar praktisch alle beteiligten Personen und Machtkonstellationen vorstellt, aber für sich vollkommen unverständlich ist (es empfiehlt sich, ihn am Ende erneut zu lesen). Dann teilt sie sich in drei Erzählstränge auf, die in drei Zeitebenen jeweils eine orogenische Frau im Mittelpunkt haben und (was ich schon nicht besonders mag) alle in der Gegenwartsform stehen: Damaya, die als Teenager in das Fulcrum, das imperiale Zwangsinternat für Orogene, gebracht wird; Syenite, eine bereits erfahrene "Gesellin", die mit dem erfahrenen Fulcrum-Agenten Alabaster einen Auftrag erledigen soll und sich nebenbei ein Kind von ihm zeugen lassen soll; Essun, die ihre Fähigkeiten verheimlichend in einem kleinen Dorf lebt, bis ihr Ehemann ihren dreijährigen Sohn zu Tode prügelt und ihre Tochter entführt. Essuns Geschichte ist zu allem Überfluss in der zweiten Person geschildert. Hätte es nicht genügt, diese (offenbar nach allen anderen, nämlich nach der Zerstörung von Yumenes spielende) Handlungsebene in der Gegenwartsform zu erzählen? So setzt die Autorin dem Leser zusätzlich stilistische Hindernisse in diesem ersten Band einer Trilogie, in der man sich schon inhaltlich nur langsam zurechtfindet. Auch die verspielten Kapitelüberschriften (die immerhin die jeweilige Handlungsebene klären) haben mich eher irritiert: "Damaya at the fulcturm of it all", "Syenite, cut and polished", "you plus one is two"...

Hat man all diese Hindernisse genommen, entwickeln sich durchaus spannende Abenteuergeschichten, deren Figuren vielleicht nicht sofort sympathisch erscheinen, mit denen man aber durchaus mitfühlen kann. Leider wirken diese gelegentlich eher wie Archetypen als Menschen aus Fleisch und Blut. Auch manche Situationen (gerade Damayas Auseinandersetzung mit neidischen Mitschülern) erscheinen schablonenhaft. Vor dem Hintergrund einer gut ausgedachten exotischen Welt ergab das trotzdem genug Lesevergnügen, dass ich mit dem nächsten Band (der für August angekündigt ist) fortfahren werde. Entscheidend beigetragen haben dabei auch die SF-Elemente, so die geheimnisvollen Obelisken, Überbleibsel einer vergangenen Zivilisation, die vielleicht mit der seismischen Instabilität der Welt (und der Zerstörung des Mondes???) zusammenhängen.

Die in New York lebende Afroamerikanerin N.K. Jemisin war bereits 2011 für ihren ersten Roman "The Hundred Thousand Kingdoms" Hugo-nominiert, ebenfalls der erste Band einer Fantasy-Trilogie, die ich mir aufgrund gemischter Kritiken damals gespart hatte. Sie setzt sich in ihrem Werk gezielt mit der Unterdrückung von Minderheiten auseinander. In "The Fifth Season" tauchen beiläufig bisexuelle und Transgender-Charaktere auf, was zwar generell lobenswert ist, aber in einer eher mittelalterlich geprägten Gesellschaft ein klein wenig unglaubwürdig erscheint. Wie auch immer, sie ist als schwarze Frau mit liberalen Ansichten eine beliebte Zielscheibe der Rechtsaußen-Populisten um Puppy-Initiator Vox Day (Theodore Beale), dessen rassistische Ausfälle gegen Jemisin zu seinem Ausschluss aus der Organisation der amerikanischen SF-Autoren (SFWA) führten.