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Samstag, 27. Januar 2018

The Bizarre Brainchildren of Max Landis: "Bright" & "Dirk Gentlys holistische Detektei"

Vor 2.000 Jahren hat eine Allianz von Menschen, Elben und abtrünnigen Orcs den Dunklen Herrscher besiegt. Nun leben ihre Nachkommen in einem modernen Los Angeles. Allerdings sind die Rassengrenzen nicht überwunden: Elben sind die Reichen und Schönen, Orcs leben in von Gangsterbanden beherrschten Ghettos, und Menschen bilden eine Art Mittelschicht (von Zwergen und Hobbits ist bislang nichts bekannt). Daher ist Officer Daryl Ward (Will Smith) auch nicht begeistert, als ihm mit Nick Jacoby (Joel Edgerton) der erste Orc-Polizist von L.A. als Partner zugeteilt wird. Der macht sich gleich verdächtig, als er einen orcischen (ist das die politisch korrekte Bezeichnung?) Räuber nicht dingfest machen kann, der zuvor Ward eine Schrotladung in die kugelsichere Weste verpasst hatte. Selbst die interne Revision möchte den Fremdkörper loswerden, doch dann spitzen sich die Ereignisse zu...


Alles klar, oder? Ein x-ter neuer Aufguss der Buddy-Komödie, mit einem Twist, der 1991 als Spacecop L.A. 1991 ("Alien Nation") schon kläglich gescheitert war, trotz der sympathischen Stars James Caan und Mandy Patinkin (ich kann gar nicht genug betonen, wie grauenvoll dieses Machwerk nach einem Buch von Rockne S. O'Bannon war, welches trotzdem eine kurzlebige Fernsehserie auskotzte). Die Brachialgewalt, mit der Netflix seit einem Monat versuchte, mir dieses Prestigeobjekt Bright in den Schlund zu rammen, hatte meine Skepsis nur verstärkt (über Wochen startete der Film jedesmal durch, sobald ich auf meinem Samsung-Fernseher die Netflix-App aufrief).

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Soweit die Vorurteile. Aber dann habe ich erkannt, wer denn hinter dem 90-Millionen-Projekt steckt. Drehbuchautor Max Landis hat sich mal eben 3,5 Millionen vom Kuchen einverleibt - selbstredend nur ein Bruchteil der Gage für den Star Will Smith, aber ein dickes Tortenstück für einen Schreiberling. Und eines sind die Werke von Max Landis niemals: vorhersehbar. Klar spielt er mit gängigen Klischees, setzt diese aber mit ungeheurem Erfindungsgeist neu zusammen, nach dem bewährten Tarantino-Prinzip. Der Sohn von Kultregisseur John Landis (Blues Brothers) und seiner Kostümdesignerin Deborah Nadoolman (Oscar-nominiert für Der Prinz aus Zamunda) ist gerade 32 Jahre alt und für Autorenverhältnisse schon ein Veteran. American Ultra mit Jesse Eisenberg und Kristen Stewart sowie Mr. Right mit Sam Rockwell und Anna Kendrick waren zwar keine Publikumsrenner, aber ragen aus dem Studioeinerlei der letzten Jahre allemal heraus.

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Ein "Bright" ist ein magisches Wesen, meist eine Elbenfrau, dessen Kernfähigkeit erstmal darin besteht, nicht zu explodieren, wenn es einen Zauberstab berührt. Man müsste das mit "Lichtwesen" übersetzen, auch wenn die Brights, denen wir in Bright begegnen, eher der Dunkelheit zugetan sind (und den Dunklen Herrscher von den Toten auferwecken wollen). Hier findet sich endlich einmal wieder eine passende Rolle für Noomi Rapace, die eindrucksvolle Originalbesetzung der Lisbeth Salander in Verblendung, deren schwedische Merkwürdigkeit und Intensität zuletzt in Prometheus verschenkt waren. Hier leuchtet sie als Antagonistin Leilah mit mindestens 10.000 Lumen. Will Smith dagegen macht ein klein wenig auf Tommy Lee Jones, spielt aber doch nur eine mürrische Variante seiner patentierten Persona. Max Landis hat ihm aber tolle Dialoge auf den Leib geschrieben ("Wir sind nicht in einer Prophezeiung, sondern in einem Toyota Corolla"). Und die Chemie zwischen ihm und Joel Edgerton stimmt. Der verschwindet zwar fast hinter der Orc-Maske, was aber ein Vorteil ist, denn etwa als Ehemann der wunderbaren Ruth Negga im auch sonst sehr konventionellen Loving war er doch arg farblos. Den Tolkien-Analogien darf man übrigens nicht zu weit folgen, sonst landet man im Land der Copyright-Verletzungen. Also wohl doch keine Hobbits, auch nicht in der (bereits beauftragten) Fortsetzung...

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Bright ist sicher nicht perfekt. Ich hätte gern noch intensiver das allegorische Alternativ-L.A. ausgekostet, in das man übrigens fast ohne dröge Erklärungen hineinkatapultiert wird. Aber mehr noch hätte ich mir eine kompetentere Regie gewünscht (Landis selbst hat sich bislang erst an einem Langfilm versucht, der noch auf meiner Liste steht). Warum er ausgerechnet Suicide-Squad-Hack David Ayer favorisiert hat, entzieht sich meinem Verständnis - dessen schmutzige Erzählweise, die Denzel Washington in Training Day 2002 immerhin einen Oscar einbrachte, entspricht einfach nicht meinem Geschmack. In den Händen etwa von Edgar Wright hätte dies ein kleines Meisterwerk werden können. Wenn ein Autor solch komplexe Welten wie Max Landis erfindet, sollte ein Regisseur eher gegensteuern und den Zuschauer nicht durch unklare Schnitte noch weiter verwirren. So bin ich mir immer noch nicht sicher, wer wen wo umgebracht hat - aber das ist auch nicht die Hauptsache. Stattdessen gibt es massenhaft Spannung und Spaß, wenn man sich auf die aberwitzigen, übrigens ziemlich blutigen Geschehnisse einlässt. Sehr gut (8/10)!



Vielleicht ist das Fernsehen das bessere Medium für die Ausgeburten von Max Landis' verquerer Phantasie. Sie benötigen Raum, um sich auszubreiten, und Darsteller, die nicht davor zurückschrecken, mal über die Stränge zu schlagen. Daher bin ich auch besonders betrübt, dass BBC America seine Serie Dirk Gentlys holistische Detektei nun nach der zweiten Staffel einstellt (Netflix war nur Ko-Produzent und Zweitauswerter, wie inzwischen bei den meisten BBC-Produktionen). Nach der Freischaltung der letzten Staffel gehörte die Show zwar zu den meistnachgefragten in der IMDB, die Zahlen scheinen aber trotzdem nicht zu genügen. Wie alle Stoffe von Max Landis polarisiert auch diese Serie (Bright hat einen riesigen Zuschauerzuspruch, aber nur einen Kritikerscore von 29/100). Was die Douglas-Adams-Fans anbelangt, wäre man vielleicht besser beraten gewesen, sie nur als "inspiriert von Douglas Adams Romanen" statt "nach den Romanen von" zu bewerben.

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Man stelle sich vor, es hätte Dirk Gently nach seinen Abenteuern mit dem elektrischen Mönch und der langen Tee-Zeit der Seele nach Amerika verschlagen. Plausibel, dass er mit der feinen englischen Art überall aneckt und sich schließlich einen einheimischen Assistenten sucht. Mangels sozialer Fähigkeiten wählt er den holistischen Ansatz - er zerstört systematisch das Leben des Hotelpagen Todd, bis dieser mangels Alternativen und höchst unfreiwillig nachgibt. Es entwickelt sich eine höchst unkonventionelle Freundschaft, und nebenbei werden ein paar phantastische Fälle aufgeklärt. Nacherzählen kann man die allerdings nicht, und allein die Aufzählung der Figuren würde Seiten verschlingen. Da gibt es gewöhnliche Polizisten, Bundespolizisten, CIA-Agenten, Mitglieder einer geheimen Regierungsorganisation, Kriminelle, Privatdetektive, Psychovampire und unangenehme Nachbarn. Und damit sind wir noch nicht bei den wirklich merkwürdigen Personen. Es gibt mit Dirk nicht nur einen holistischen Detektiv, sondern in Bart auch eine holistische Attentäterin und (kleiner Spoiler für die zweite Staffel) eine holistische Schauspielerin 😏

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All das presst Landis in die 8+10 Episoden der zwei Staffeln - die erste kreist um eine Zeitmaschine und eine 15jährige Millionenerbin, deren Bewußtsein in einen Hund verpflanzt wird, die zweite um eine Taschenmärchendimension mit Schmunzelmond, einem bösen Magier (mit noch böserer Assistentin) und die ineinander verliebten Prinzen zweier verfeindeter Clans. Für soviel Skurrilität muss man schon aufnahmebereit sein. Erzählkonventionen gehen gleich den Bach runter, und es dauert mehrere Folgen, bevor man überhaupt grob versteht, worum es hier geht. Aber man wird reichlich belohnt, mit liebenswerten Figuren, schönen Dialogen und herrlichen Situationen. In der ersten Staffel sorgt Bart für einige der schönsten. Es ist beispielsweise nicht empfehlenswert, eine holistische Attentäterin an einen Baum zu fesseln und mit einer Pistole auf sie zu zielen - im Gegenteil, in der Welt von Max Landis ist das eine sichere Selbstmordmethode.

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Im Zentrum der Geschichte steht nicht, wie man erwarten würde, die Titelfigur, sondern als naheliegendere Bezugsperson für den Zuschauer eher Assistent Todd, perfekt besetzt mit "Frodo" Elijah Wood. Er hat mit Mitte 30 immer noch diese anbetungswürdigen Telleraugen, vermag aber auch die Frustration und die Verwirrtheit des verhinderten Rockstars zu vermitteln, der plötzlich in Dirks verrückte Welt versetzt wird. Dirk selbst (Samuel Barnett - ihn kannte ich bislang nicht) nervt gelegentlich den Zuschauer noch mehr als Todd, gewinnt in der zweiten Staffel aber an Profil, natürlich durch eine Sinnkrise (er kommt auf die aberwitzige und fast fatale Idee, den Fall doch mal konventionell durch Kombinieren zu lösen). Dritte im Bunde und zuständig für phyische Konfrontationen (denen Dirk und Todd nicht so recht gewachsen sind) wird Farah, ursprünglich Bodyguard der erwähnten Millionenerbin, verschmitzt taff gespielt von der jungen Jade Eshete mit mörderischer Afrofrisur.

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Im Orbit  des Trios befinden sich auch Hannah Marks als Todds Schwester Amanda (die aber schnell mit den Psychovampiren durchbrennt) und Mpho Koaho (Falling Skies) als lakonischer IT-Experte Ken, der versehentlich von Bart nicht umgebracht wird (Als sie in der 2. Staffel nach ihm sucht, muss sie entgeistert feststellen: "Es gibt mehr als einen Ken?") Überhaupt Bart: Wenn man auf ein Klischee ein weiteres packt, neutralisieren sich die beiden dann? Offenbar schon, denn Brad Dourifs Tochter Fiona kann ihre Gene nicht verleugnen, ist aber einfach herrlich als Bart mit ihren ewig-blutverschmierten wirren Haaren, ihrer Alles-Egal-Einstellung und der schmutzigen Schnauze. Auch hier muss ich wieder die Dialoge von Max Landis erwähnen, die jeder Figur passgenau auf den Mund geschrieben sind. So hat auch jeder Nebendarsteller mal Gelegenheit zu glänzen, und die meisten nehmen die Chance bravourös wahr.

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Es gehört sicher eine gehörige Portion Mut dazu, einen Hund in Menschengestalt, einen Ritter mit pinken Haaren oder eine Hexe mit Chitinpanzer zu spielen. Die Effekte und Kostüme sind ja gewollt grellbunt, für eine Fernsehproduktion konnte man sich zumindest aus einer prallgefüllten Phantasietüte bedienen. Hervorheben möchte ich noch Michael Eklund als charismatischen Anführer der Psychovampire, der schon in Wynonna Earp als Bobo Del Rey beeindruckte und in Mr. Right als Gangster auftaucht. Dazu kommen in Staffel 2 einige Schwergewichte als wichtige Gäste: John Hannah (Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Agents of SHIELD) als verrückter Magier, Amanda Walsh als seine durchgeknallte Assistentin Suzie und "Wash" Alan Tudyk als Blackwing-Kommando "Priest" (ist das ein Nod zur geistesverwandten Amazon-Serie Preacher? Die hat man übrigens noch nicht abgesetzt.) Mit Sicherheit keine Einheitskost, allerdings auch recht blutig (aber brutal nur in überzeichneter Weise), kann ich Dirk Gently's Holistic Detective Agency trotz der Absetzung uneingeschränkt empfehlen (es gibt nur kleine unaufgelöste Cliffhanger).

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Samstag, 20. Januar 2018

Klassiker auf Blu-ray #21: Kleine Haie (Sönke Wortmann, 1992)

Lang, lang ist's her, dass ich regelmäßig freiwillig für deutsche Komödien ins Kino gegangen bin. Aber so um 1990 herum gab es plötzlich neben der etablierten Kost (Otto, Loriot) freche Filme von jungen Regisseuren mit Typen, mit denen man sich identifizieren konnte. Das gab es vorher nur punktuell, etwa 1980 (und für mich zu früh) mit Marius Müller-Westernhagen in Theo gegen den Rest der Welt. Dann kam 1985 Doris Dörrie (*1955) mit ihrem Megahit Männer (über 5 Millionen Zuschauer). Aber mich persönlich haben vor allem die frühen Filme von Detlev Buck (*1962) und Sönke Wortmann (*1959) begeistert, die ich teilweise wohl erst als Wiederaufführung in den Programmkinos erlebt habe (ich habe aus dieser Zeit keine Aufzeichnungen über meine Kinobesuche). Ein früher Höhepunkt ist nun zum 25jährigen Jubiläum als schöne Blu-ray-Edition wiederveröffentlicht worden: Kleine Haie.



Ingo, Johannes und Ali sind tatsächlich nur sehr kleine Fische im Aquarium Deutschland. Ingo, Tellerwäscher aus Gelsenkirchen, will eigentlich Schriftsteller werden, Johannes und Ali Schauspieler. Der Filmtitel ist denn auch ein Wortspiel auf den "Kleinen Hey", ein Standardwerk zum Sprachtraining ("Es grünt so grün" - nein, falscher Film). Die Jungs sind Anfang 20 und treffen sich bei der Aufnahmeprüfung an der Folkwang-Schule in Essen bzw. per Anhalter auf dem Weg nach München, wo die nächste Prüfung stattfindet. Für ein Roadmovie sind die Jungs eigentlich zu wenig unterwegs, die Entdeckungsreise bezieht sich eher aufs Innenleben der drei so unterschiedlichen Kumpel (zu denen sich in München dann noch die Straßenmusikerin Herta zugesellt). Das ist aber überhaupt nicht abgehoben - Ingo erfindet lausiges SF-Garn, Johannes deklamiert hinreißend unnuanciert Schiller, und Schönling Ali ist eigentlich mehr am Aufreißen von Frauen (am besten mit Übernachtungsmöglichkeit) interessiert. Je weniger man ansonsten von der Geschichte weiß, umso spaßiger ist das ganze. Sei noch erwähnt, dass in einem Anflug von magischem Realismus gelegentlich ein Rettungsengel in Gestalt von Ford-Mustang-Fahrer Ulf vorfährt - Kampfname "Bierchen": "Fahrbier ist ok!" Diese Paraderolle durfte Armin Rohde in Wortmanns nur teilweise geglückten Folgefilm Mr. Bluesman noch einmal aufgreifen. Die Figur wurde übrigens von Wortmanns Co-Autor Jürgen Egger (1959-2009) erfunden.

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Selbst wer von den Kleinen Haien noch nie etwas gehört hat, kennt doch die Darsteller: Für Jürgen Vogel (*1968) als Ingo, schon damals mit Vorzeigegebiss, war es der Durchbruch, ebenso für Kai Wiesinger (*1966) als Johannes, hier tatsächlich noch mit Babyspeck. Gedeon Burkhard (*1969) als smarter Ali konnte schon auf eine kleine Fernsehkarriere zurückblicken. Meret Becker (*1969) als Herta, inzwischen natürlich deutscher Schauspiel-Adel, war zuvor schon in Werner - Beinhart und Wortmanns Erstling Allein unter Frauen zu sehen. Diese ursprünglich fürs Fernsehen auf 16mm gedrehte Klamotte traf wohl einen Nerv und zog über eine Million Zuschauer ins Kino. Das konnte Kleine Haie nicht wiederholen, die ca. 500.000 Tickets waren gemessen am immer noch bescheidenen Budget aber trotzdem ein Erfolg. Wortmanns übernächster Film schoss 1994 dann allerdings den Vogel ab. Der bewegte Mann wurde mit 6,6 Millionen Zuschauern der erfolgreichste deutsche Film der 90er und machte weitere Jungdarsteller berühmt, so Katja Riemann, Joachim Król und leider auch Til Schweiger 😓

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Leider versiegte dann irgendwann der Quell autobiographischer Geschichten, bei Wortmann wie auch bei Buck. Der deutsche Film leidet einfach unter einem Mangel an guten Büchern. Buck war nach seinen in der norddeutschen Tiefebene verwurzelten Beiträgen Karniggels und Wir können auch anders und seinem nachträglich verbreiteten Abschlussfilm Erst die Arbeit und dann?, der die Stallarbeit auf dem elterlichen Hof auf einmalige Weise mit der Hamburger Schickimickiszene kontrastrierte, nie wieder so authentisch (und macht inzwischen vor allem Kinderfilme). Wortmann aus dem Ruhrpott hatte ein wenig mehr Glück, ihm gelang u.a. 2003 mit Das Wunder von Bern noch ein schöner Publikumserfolg. Aber die neue deutsche Komödie war schnell wieder Geschichte. Heute dominieren die aus Klischees zusammengeschusterten Komödien von Til Schweiger (der in dieser Hinsicht so etwas wie der deutsche Stallone ist) und Starvehikel etwa für Matthias Schweighöfer (dem auch der Absturz als Roter Baron nichts geschadet hat). Aber vielleicht schreibt ja in 20 Jahren jemand ähnlich nostalgisch über Fack Ju Göhte...

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Wie auch immer, schön, dass Kleine Haie jetzt hervorragend aufgefrischt auf Blu-ray veröffentlicht wurde, mit einer Einleitung, einem halbstündigen Interview und einem Audiokommentar vom Regisseur und einem kurzen, knackigen Videogruß von Jürgen Vogel. Da verzeihe ich auch gern, dass im informativen, umfangreichen Booklet Jörg Schallenberg den von Heinrich Schafmeister (Comedian Harmonists) gespielten "Mercedes-Fahrer" in leider noch immer typisch schwammiger Wortwahl als "Pädophilen" bezeichnet, obwohl dieser nur ein (allerdings ekliger) schwuler Geschäftsmann ist, der versucht, junge Anhalter aufzureissen ("Schau mal ins Handschuhfach!").

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Bleibt zu hoffen, dass auch weitere Höhepunkte dieser Ära ausgegraben werden. Auf meiner Wunschliste ständen die genannten Filme von Buck und Wortmann (Der bewegte Mann!) und, einer meiner Favoriten, Keiner liebt mich von 1994, wo die Sache mal aus weiblicher Sicht geglückt ist, mit Maria Schrader in der Hauptrolle und Doris Dörrie auf dem Regiestuhl (es gab damals auch noch Katja von Garnier, Rainer Kaufmann und andere). Kleine Haie jedenfalls wirkt nicht nur von der Bild- und Tonqualität immer noch frisch, auch wenn natürlich die Autos wie Oldtimer und die Kommunikationstechnik vorsintflutlich erscheinen mögen. Filmwertung: Sehr gut (8/10).

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Bemerkung: Bei den Fotos muss man jeweils gedanklich 25 Jahre abziehen - GettyImages kennt deutsche Schauspieler noch nicht so lang...

Montag, 1. Januar 2018

Jahresrückblick 2017

2017 war das Jahr der verlorenen Illusionen. Den Jubel über die #MeToo-Debatte halte ich allerdings für übertrieben. An den Machtverhältnissen ändert sich so schnell nichts - es gab nur ein paar Kratzer im Lack. Die Besetzungscouch ist nicht abgeschafft, sie wird nur ins Hinterzimmer gerückt. Wurden wirklich die schlimmsten Übeltäter gebrandmarkt oder nur die tolldreisten, jene mit der schlimmsten Publicity-Wirkung? Besonders schade, dass mit Jeffrey Tambor (Transparent) ausgerechnet ein Vorreiter für Toleranz als Heuchler entlarvt wurde. Noch mehr hat mich persönlich getroffen, dass beim Vorzeige-Studio Pixar, mit seinem fleissig beschworenen alternativen Arbeitsethos, der Chef John Lasseter offenbar jahrelang willkürlich Kolleginnen begrapscht und abgeknutscht hat. Inmitten dieser Debatte fast untergegangen ist die Meldung, dass sich Kai Whedon von ihrem Mann getrennt hat - der Feminismusvorreiter Joss hatte wohl ein paar Affären zu viel. Da ist ihm der Erfolg ins falsche Körperteil gestiegen, offenbar schon seit den Zeiten von Buffy. Hoffentlich ist das nicht die Erklärung, warum er so lange an Charisma Carpenter festgehalten hat - meine Vermutung wäre eine Liaison mit Eliza Dushku, aber das geht mich nun wirklich nichts an 😎

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Auch wenn ich mir einige wichtige Filme gespart habe - Baywatch, Fack ju Göhte 3, Fifty Shades Darker, Transformers Teil 5  - kann ich erneut nachdrücklich ein lausigen Kinojahr bezeugen. In die Säle bemüht habe ich mich ohnehin nur noch 29mal, ein Negativrekord, den ich 2018 noch unterbieten werde (ich werde mich auf die Comic-, Fantasy- und SF-Titel konzentrieren und den Rest ins Heimkino verlagern). Tatsächlich habe ich 2017 nur acht der 20 erfolgreichsten Filme in Deutschland gesehen. Gerettet haben mich einige solide Marvel-Beiträge und zwei wundervolle Frauen: Patty Jenkins und Gal Gadot. Hier meine TOP-Filme des Jahres:

Meisterwerk (10/10)

  • Wonder Woman (Patty Jenkins)
    In Deutschland nur auf Platz 38 der Zuschauerstatistik gelandet, war dies in den USA der meistbesuchte Film des Jahres. Lesenswert: die Kritik von Matt Zoller Seitz, Chefredakteur von RogerEbert.com: 60 Minutes on "Wonder Woman"

Herausragend (9/10)

Sehr gut (8/10)

Gut (7/10)

  • Fences (Denzel Washington)
  • Hidden Figures (Theodore Melfi)
  • Passengers (Morten Tyldum)
  • Aus dem Nichts (Fatih Akin)
    Unsere Hoffnung für den Oscar ("In the Fade" - hat wohl nur Außenseiterchancen) ist eigentlich eine einfach gestrickte Rachegeschichte mit Bezügen zu den NSU-Morden. Die geschickte Regie des Hamburgers (Tschick) und eine überwältigende Diane Kruger in der Hauptrolle machen dies jedoch allemal sehenswert. Wer hätte das von der Schönen Helena erwartet?
  • Bridget Jones' Baby (Sharon Maguire)
    Deutlich besser als die direkte Fortsetzung von 2004, wenn auch lange nicht so toll wie das Original. War nur in Großbritannien wirklich erfolgreich, so dass man wohl nicht von einem Comeback für Renée Zellweger sprechen kann. Chartwunder Ed Sheeran spielt sich übrigens (sehr überzeugend) selbst.
  • Ein ganzes halbes Jahr (Thea Sharrock)
    Ein charmantes Stück Kitsch mit Emilia Clarke als tölpelhafte Pflegerin eines jungen gelähmten Millionärs. Mother of Dragons!
  • In den Tiefen des Infernos (Werner Herzog)
    Mal wieder eine schöne Dokumentation des Altmeisters, wenngleich ohne die Sogwirkung seiner besten Werke. Quasi eine Fortsetzung seines 40 Jahre alten Kurzfilms La Soufrière - Warten auf eine unausweichliche Katastrophe.
  • Vaiana (Ron Clements)
    Der einzige der fünf Oscar-nominierten Trickfilme, der mir wirklich Spaß gemacht hat

 

Der schäbige Rest


Unter den prominenten Flops des Jahres finden sich neben den üblichen Verdächtigen - Alien: Covenant, Die Mumie, Ghost in the Shell (5/10) - auch die US-chinesische Koproduktion The Great Wall und die europäische Extravaganz Valerian. Besonders Erwähnungen:
  • King Arthur: Legend of the Sword (3/10)
    In Guy Ritchies Verhunzung, oder sollte ich sagen: Verhunnamung, der Legende wird uns der 36jährige Charlie Hunnam, der eher wie 45 aussieht, als Teenager verkauft, und Astrid Berges-Frisbey erneut (nach Piraten der Karibik 4) als Schauspielerin. Da können auch Jude Law und Eric Bana nichts mehr retten. Das Geld für die wild in die Gegend verstreuten Kulissen hätte man wirklich besser in eine Fortsetzung von Codename U.N.C.L.E. stecken können (welches auch gefloppt war, was nur zeigt, dass Kassenerfolg und Qualität selten korrelieren).
  • Life (David Espinosa, 2/10)
    Unfassbar, wie man einen solch leblosen Thriller über einen Alien in der ISS drehen kann. Karrieretiefs von Ryan Reynolds, Rebecca Ferguson und Jake Gyllenhaal.

Persönliche Enttäuschungen waren für mich Edgar Wrights Baby Driver, Matthew Vaughns Kingsman: The Golden Circle und James Mangolds Logan. Grauenvoll war der mit 1,26 Milliarden Dollar Umsatz erfolgreichste Film des Jahres, Die Schöne und das Biest, mit einer schrecklich fehlbesetzten Emma Watson in der Titelrolle (nein, leider nicht als Biest).

Geärgert habe ich mich auch sonst reichlich, besonders über:
  • The Fate of the Furious (F. Gary Gray)
  • Blade Runner 2049 (Denis Villeneuve)
  • Get Out (Jordan Peele)
    Rat mal, wer zur Gehirntransplantation kommt? Als bösartig-satirische Variante des Oscar-nominierten Feelgood-Films mit Sidney Poitier, Spencer Tracy und Katherine Hepburn wäre "Get Out" in den 60ern vielleicht zeitgemäß gewesen. Heute ist es einfach nur eine Ansammlung von Klischees und sehr unangenehm anzuschauen. Die Weißen sind böse, die Schwarzen gut. Hier ist eine Idee: Nehmen wir an, der Bruder des Lockvogels (Allison Williams) wäre von der Familie entfremdet, fände sich nur zufällig zu diesem Wochenende ein und schlüge sich am Ende auf die Seite des schwarzen Opfers (Daniel Kaluuya)? Aber niemand besetzt Caleb Landry Jones als Gutmenschen. Ansonsten innerhalb der Grenzen des bescheidenen Drehbuchs aber gut gespielt. Horror-Fans fehlt der Horror, mir fehlt die Qualität. Kein professioneller Kritiker hat sich getraut, die Schwächen des Films aufzuzeigen. Politische Korrektheit führt offenbar zu Feigheit oder Dummheit.
  • Silence (Martin Scorsese)
    Si tacuisset.
  • Hacksaw Ridge (Mel Gibson)
    Religiös verbrämter Schwachsinn.
  • Elle (Paul Verhoeven)
    Eine Vergewaltigung in ein Sexspiel umzudeuten, das gelingt nur dem Fliegenden Holländer (Total Recall, Basic Instinct, Starship Troopers), dessen kontroverse Werke ich ansonsten meist mochte (ok, außer Showgirls).

 

Auch keine Rettung: Fernsehserien

Inzwischen zieht es eine Menge zugkräftiger Schauspieler zum Fernsehen, und die Gelder fließen, vor allem durch die neuen Streaming-Dienste. Ob dabei Qualität rauskommt, ist allerdings Glücksache. Mir scheint, es gibt einen Mangel an guten Autoren, die Visionen jenseits der bekannten Schablonen entwickeln. Und klappt das einmal, findet sich nicht unbedingt ein Publikum dafür  - siehe Sense8 oder die gerade erst abgesetzte Dirk-Gently-Neuinterpretation mit Elijah Wood (die zweite Staffel läuft erst diesen Monat bei Netflix an).

Etablierte Serien

  • Game of Thrones
    Die siebte Staffel war unterhaltsam, aber man hat nicht mehr das Gefühl, dass die Überraschungen sorgfältig genug vorbereitet sind. Dazu gibt es nun eine Menge Fan-Service. Die Entfernungen in Westeros scheinen um ein Zehntel geschrumpft zu sein, um Treffen aller wichtigen Handlungsträger zu ermöglichen, mit entsprechend spöttischen Reaktionen kritischer Zuschauer. Die Memes um Gendry Maratheon etwa sind Legende.
  • Stranger Things
    Die zweite Staffel bot erneut kurzweilige Unterhaltung. Winona Ryder agiert nicht gar so hysterisch, und die Kids entwickeln Persönlichkeit. Das größte Talent, die dreizehnjährige Millie Bobby Brown, wird diesmal vom Buch leider nicht so gut in Szene gesetzt, eine erneute Emmy-Nominierung ist unwahrscheinlich.
  • iZombie
    Die Serie um die gar nicht blasse Rose McIver hat in der zweiten Staffel Fahrt aufgenommen - hoffen wir mal, dass es noch dauert, bis die Verwesung einsetzt.
  • Lucifer
    Meine Freude an der Serie um den leibhaftigen Teufel, der einen Club in LA aufmacht (und mit britischem Akzent Frauenherzen bricht), beichte ich hier nur als Guilty Pleasure. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass mir Lauren German mal in einer Rolle gefallen würde, nach ihrem katastrophalen Kurzeinsatz bei Hawai Five-0 (welches man sich inzwischen wirklich nicht mehr anschauen kann).

Revivals

  •  Twin Peaks
    Wird in der Gesamtheit von Kritikern gern auf die Jahresbestenliste für Kinofilme gesetzt. Von mir nicht.
  • Gilmore Girls: A Year in the Life
    Außer Spesen nichts gewesen? Na ja, kann man sich gut anschauen, und es sei der Erfinderin Amy Sherman-Palladino gegönnt, die Geschichte zum geplanten Abschluss zu bringen. Aber Funken versprüht hat der Vierteiler nun auch nicht gerade. Ich hatte mehr Spaß an ihrer kurzlebigen Ballettgeschichte Bunheads. Mit ihrer neuesten Serie, The Marvelous Mrs. Maisel, um eine Standup-Komikerin im New York um 1960 konnte ich mich noch nicht anfreunden (sie läuft bei Amazon Prime).
  • Akte X
    Am Mittwoch läuft bereits die elfte und damit zweite "neue" Staffel an. Solange es wieder eine Comedy-Episode von Darin Morgan gibt, quäle ich mich da gern durch. Zuletzt gab es die herrliche Werwolf-Legende aus der Sicht des Monsters, Mulder & Scully Meet the Were-Monster, nun angekündigt ist The Lost Art of Forehead Sweat (schweißtreibender Titel!)

Neue Serien


Wer hätte nach dem müden Einstieg gedacht, dass Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. sich sechs Jahre halten würde? Die Agenten um Phil Coulson sind zwar nie so richtig durchgestartet, aber ihre Abenteuer können mich immerhin noch gelegentlich fesseln, und ich mag die meisten Hauptfiguren. Gleiches kann man von den neuesten Starts nicht gerade sagen. Marvel ist mit den Inhumans nun nicht nur der Tiefpunkt des Jahres geglückt, sondern die vielleicht schlechteste Comic-Verfilmung aller Zeiten. Etwas besser scheint The Gifted zu sein, davon habe ich bisher aber nur den Piloten gesehen. Die schwerfälligen, trübsinnigen Netflix-Reihen (Daredevil, Jessica Jones etc.) lasse ich längst links liegen, genauso wie die schematischen DC-Teenager-Vergnügungen (Arrow, The Flash etc.)

Die traurigste Vorstellung gab es allerdings im SF-Bereich. Star Trek: Discovery ist ein heilloses Durcheinander, welches exakt die Produktionsgeschichte widerspiegelt. Geblieben ist eine funkelnde Oberfläche mit viel Leerraum dahinter. Besonders peinlich die Klingonen, die dank aufwändiger Zahnprothesen so undeutlich artikulieren, dass selbst ein Professor für Klingonisch Untertitel benötigt. Die Offiziere der Sternenflotte dagegen haben ein akutes Akneproblem, welches ihnen in UHD besonders schlecht zu Gesicht steht. Ich rechne übrigens fest damit, dass die Crew der Discovery nach der Winterpause entdeckt, dass sie einem Spiegeluniversum entstammt (Mirror, Mirror!) Das entschuldigt aber nicht die dämlichen Geschichten, hanebüchen ausgeführte Sternenflottentechnik und unsympathischen Figuren.

Fast zeitgleich angelaufen ist ein Star-Trek-Clone, den viele, ich allerdings nicht, als die bessere Serie betrachten. Seth McFarlanes The Orville ist Star Drek mit gut geputzten Raumschiffen und Fäkalienhumor. Ein Novum, dass der Captain überhaupt nicht schauspielern kann. Und Adrienne Palicki als seine Ex und Erste Offizierin mag ich ohnehin nicht. Nach diesen neuen SF-Versuchen bekomme ich das Gefühl, das Universum sei so flach wie meine Mattscheibe. Plötzlich entwickle ich richtig Lust auf die zweite Expanse-Staffel...

Abschied


Martin Landau kannte ich nicht aus seinem Riesenerfolg Kobra, übernehmen Sie ("Mission: Impossible", 1966-1973), sondern als Kommandant John Koenig der Mondbasis Alpha 1 ("Space: 1999", 1975-1977), die ich als Jugendlicher mangels SF-Alternativen geliebt habe. Als Erwachsener schaut man sich das aber besser nicht an. Die Geschichten sind nicht besser als das dämliche Grundkonzept (der Mond reist jede Woche durch ein neues Sonnensystem). In den 80ern etablierte sich Landau dann als gefragter Charakterdarsteller und war u.a. für Woody Allens Verbrechen und andere Kleinigkeiten für einen Oscar nominiert. Den gewann er schließlich 1995 verdient für seine berührende Darstellung des alternden Bela Legusi in Tim Burtons liebevoller Biographie des "schlechtesten Regisseurs aller Zeiten", Ed Wood. Martin Landau starb im Juli mit 89 Jahren.

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Einen deutlich stärkeren Eindruck als Mondbasis Alpha 1 hinterließ bei mir die Originalserie Kampfstern Galactica, vor allem die beiden extrahierten Kinofilme. In meiner Erinnerung steht die epische Odyssee der zwölf Stämme unter Führung von "Moses" Commander Adama (Lorne Greene) gleichwertig neben dem Krieg der Sterne, und Adamas Sohn Apollo war einer der Helden meiner Kindheit. Richard Hatch sah gut aus, hatte eine TV-freundliche Ausstrahlung und nahm sich selbst nicht zu ernst. Er trat noch in vielen Fernsehserien auf, aber Apollo blieb seine Signaturrolle. Im düsteren Remake hatte er einen sehr überzeugenden Gastauftritt als rebellierender Gefangener Tom Zarek. Richard Hatch wurde 71 Jahre alt.

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Kurz nacheinander sind die Hauptdarsteller aus zweien meiner liebsten Wenders-Epen gestorben: Harry Dean Stanton aus Paris, Texas (1984) und Sam Shepard aus Don't Come Knocking (2005), der auch an beiden Drehbüchern beteiligt war. Shepard war als Dramaturg so rührig wie als Charakterdarsteller. An Stantons wettergegerbtes Gesicht erinnert man sich vielleicht aus Alien oder Martin Scorseses Die letzte Versuchung Christi (als Saulus/Paulus).

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Noch ein weiteres Mitglied der Alien-Crew hat es 2017 dahingerafft. John Hurt war es, der in einer ikonischen Szene ein Alien zur Welt brachte und dies höchstpersönlich in Spaceballs persiflierte. Er war in Komödie und Drama zu Hause, sein zerfurchtes Gesicht konnte Pathos und Entschlossenheit ausdrücken. Wie Harry Dean Stanton war auch er für David Lynch tätig: Er verbarg sich unter der Maske des Elefantenmenschen und erhielt dafür eine seiner zwei Oscar-Nominierungen. In seiner dritten Zusammenarbeit mit Jim Jarmusch war er der anrührende Mentor des Vampirpaars in Only Lovers Left Alive. Jüngeren ist der Engländer eher als Zauberstab-Experte Ollivander bekannt.

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Die Dick van Dyke Show war in den 60ern so bahnbrechend (und unterhaltsam) wie Seinfeld in den 90ern. Sie ist immer noch höchst sehenswert, auch wenn sie ein wenig Muff angesetzt hat (insbesondere bei den Geschlechterrollen). Der Titelheld Dick von Dyke ist gerade 92 geworden. Er ist am bekanntesten als Schornsteinfeger in Mary Poppins (Chim Chim Cheree). In der von Carl Reiner (*1922) ersonnenen Show spielt er Dick Petrie, den Chefautor für einen Komiker (hin und wieder als Gast zu sehen: Carl Reiner selbst), mit den Kollegen Buddy Sorrell (Morey Amsterdam, 1908-1996) und Sally Rogers (Rose Marie, die nun 94jährig starb). In einigen der besten Episoden betrat das Team auch selbst die Bühne. Rose Marie sang bereits als Fünfjährige vor Publikum. Bei Youtube findet man ihre Parodie auf ihren Mentor Jimmy Durante, aber auch diesen frühen Auftritt, bei dem sie schon ihre typische Stimme gefunden hatte (mit sechs Jahren!)

Bei diesen Gelegenheiten stieß oft auch Dicks Ehefrau Laura dazu, die ebenfalls tanzen und singen konnte, siehe etwa dieses Duett. Für Mary Tyler Moore war diese Rolle der Durchbruch, nachdem zuvor in einer Detektivshow vor allem ihre Beine zu sehen waren. Sie hatte später höchst erfolgreiche Soloshows und wurde zu einer Ikone der Feminismusbewegung (und ein Favorit von Pauline Kael). Sie war schön, komisch und klug, gelegentlich wohl auch kratzbürstig. 1981 gesellte sich zu ihren sechs Emmys und drei Golden Globes eine Oscar-Nominierung für die Hauptrolle in Robert Redfords Familiendrama Ordinary People. Einen ihrer letzten Auftritte hatte sie 2006 in der achten Staffel der Wilden 70er. Mary Tyler Moore starb bereits im Januar im Alter von 80 Jahren.

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