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Samstag, 23. September 2017

Triumphaler Abschluss von N.K. Jemisins Hugo-prämierter Trilogie: The Stone Sky

Zu Beginn ist es mir schwergefallen, mich mit der "Broken Earth"-Trilogie der gerade 45 Jahre gewordenen Afroamerikanerin N.K. Jemisin anzufreunden. Sie erschien mir stilistisch sperrig, die Figuren waren mir zunächst unsympathisch. Es stellt sich heraus, dass sich die anfängliche Anstrengung gelohnt hat. Der Hugo-Gewinn des ersten Bandes gegen meinen Favoriten, Naomi Noviks Märchen Uprooted, hatte vielleicht tatsächlich politische Gründe. Schon der zweite Band landete allerdings auf Platz Eins meines eigenen Stimmzettels und gewann erneut den begehrten Preis als Bester Roman des Jahres. Nun ist mit The Stone Sky der Abschlussband erschienen, der die Geschichte spannend und bewegend zu einem glücklichen Ende bringt.

Nach ihrem Pyrrhussieg über die feindliche Enklave verwandelt sich Essun wie ihr Ex und Mentor Alabaster Körperteil für Körperteil in Stein. Sie muss mit ihren Kräften haushalten, um noch eine Chance zu haben, mit Hilfe der Obelisken das seismische Gleichgewicht der Welt wieder in Ordnung zu bringen. Das bedeutet aber, dass sie für die Castrima-Gemeinschaft auf der Suche nach einem neuen Zufluchtsort nur eine Bürde ist. Zunächst geht es also ums nackte Überleben.

Nassun und der ehemalige Guardian Schaffa haben sich dem Einfluss der übrigen Guardians entzogen und entdecken mit Hilfe des Steinfressers ("Stone Eater") Steel funktionierende Überbleibsel einer uralten Zivilisation. Essuns 11jährige Tochter entwickelt bereits erstaunliche orogenische Kräfte und findet einen intuitiven Zugang zur Magie der Obelisken. Das Ziel des traumatisierten Kindes ist allerdings nicht Heilung, sondern Rache...

In Zwischenkapiteln erzählt der Steinfresser Hoa (oder Houwha), der sich als der bisher versteckte Ich-Erzähler entpuppt, die Jahrtausende zurückliegende Geschichte der hochmütigen Zivilisation von Syl Anagist, deren rücksichtslose Suche nach einer unerschöpflichen Energiequelle die "Fünfte Saison" auslöste und zudem durch den Beinahverlust des Mondes "Vater Erde" zum Feind der Menschen gemacht hatte. Es ist die Historie eines Genozids, der kapitalistischen Ausbeutung von Individuen und blinder Technologiegläubigkeit. Dass die ursprünglich als Werkzeuge "gezüchteten" Steinfresser unverschämterweise begannen, Persönlichkeiten zu entwickeln, war einer der entscheidenden Faktoren bei der Zerstörung von Syl Anagist, deren Bewohner übrigens alle orogenische Fähigkeiten hatten...

Die Autorin verarbeitet eine Vielzahl von schwerwiegenden Themen: Sklaverei, Pogrome, Diskriminierung, rücksichtslose Umweltzerstörung, Raubkapitalismus. Zentral waren für sie allerdings (wie sie im Nachwort zugibt, geprägt vom Leidensweg ihrer eigenen Mutter) unterschiedliche Ausprägungen von Mutterschaft. Ihre Figurenzeichnung leidet allerdings darunter, dass diese gleich eine ganze Welt retten müssen. Diese Überhöhung steht im Widerspruch zur Erörterung grundlegender menschlicher Wesenszüge, und dadurch verliert der Leser nie eine gewisse Distanz zu den Charakteren. Der Weltenbau ist allerdings phänomenal, und ich würde das Werk nachträglich eher der Science Fiction als der Fantasy zuordnen. Der SF-Geschichte wird eigentlich nur eine phantastische Ebene übergestülpt, in Gestalt der magisch anmutenden Fähigkeiten der Bewohner von Syl Anagist, unterschiedlich vererbt an die Orogene und die Steinfresser, und natürlich der Zeichnung von "Vater Erde" als eigenständige Intelligenz.

Grundsätzlich verstehe ich die Trilogie als einen einzigen Roman in drei nicht in sich abgeschlossenen Teilen, und das ist mein Hauptproblem mit den vergebenen Preisen. Falls "The Stone Sky" das bisher nicht dagewesene Kunststück gelingen sollte, dass ein Autor den Hugo dreimal hintereinander gewinnt (und das hängt natürlich stark von der Konkurrenz ab), so handelt es sich dann eigentlich um drei Auszeichnungen für das gleiche Werk. Die Situation ist also ganz anders als die bisherigen vergleichbaren Fälle in der Hugo-Geschichte. Der erste Autor, der zweimal hintereinander für den Besten Roman gewann, war Orson Scott Card: 1986 für "Ender's Game" und 1987 für die Fortsetzung "Speaker for the Dead". Dies sind aber zwei in sich abgeschlossene, sehr unterschiedliche Meisterwerke, die erst nachträglich in das sogenannten "Ender-Quartett" eingeordnet wurden (inzwischen hat Card leider aus rein kommerziellen Gründen noch etliche weitere Romane im Ender-Universum veröffentlicht). Ähnlich verhält es sich mit den Vorkosigan-Romanen von Lois McMaster Bujold, die 1991/92 und 1995 den Preis gewannen, wobei übrigens der Gewinner von 1992, Barrayar, in der Timeline von Miles Vorkosigan ein Prequel des Vorgängers war (wenn ich es richtig verstehe, entstanden die Bände konzeptionell schon chronologisch, aber "The Vor Game" kam als kommerziell vielversprechender zuerst heraus).

Es bleibt zu hoffen, dass J.K. Jemisin sich in ihren nächsten Projekten vielleicht besser auf glaubwürdige Charaktere fokussiert, die nicht gleich eine ganze Welt retten müssen. Aber wie auch immer, sie ist eine fantastische neue Stimme in der SF, die das Genre mit ungewohnten Sichtweisen bereichert. Dafür lohnt sich auch ein wenig Lese-Arbeit, bis man von ihrem Erzählstil mitgerissen wird.

Nachtrag: Die Hugos für 2017


Bei den literarischen Formen haben sich zu meiner Freude stets meine Favoriten durchgesetzt, entweder Platz Eins oder Zwei meines Stimmzettels, übrigens mit knappem Ergebnis bei den Romanen. Bei den dramatischen Formen sieht es wie so oft anders aus. Für die Langform gewann Arrival (auf Platz Zwei abgeschlagen Hidden Figures), für die Kurzform die Expanse-Episode, die immerhin meine Anerkennung als SF für Erwachsene fand (mal sehen, was die zweite Staffel zu bieten hat, die inzwischen auf Netflix verfügbar ist). Hier landete mein Favorit San Junipero auf Platz 2, die Black-Mirror-Episode konnte zum Trost allerdings gerade zwei Emmys einheimsen.

Wen's interessiert: Hier sind alle Nominierungen und das genaue Abstimmungsergebnis.

Samstag, 16. September 2017

Klassiker auf Blu-ray #19: Eins, zwei, drei (Billy Wilder, 1961)

Sitzen machen!
Mr. MacNamara (James Cagney), der Leiter der Berliner Coca-Cola-Niederlassung, hat seine Angestellten im Griff. Nur das Habacht-Stehen und Hackenknallen seines Adjutanten Assistenten Schlemmer (Hanns Lothar) geht ihm auf die Nerven, und so hofft er sehnsüchtig auf seine Versetzung aus dieser "halben Stadt" nach London, als Europa-Leiter. Den für einen britischen Gentleman passenden Regenschirm hat er bereits erstanden, doch natürlich kommt alles anders. Dafür sorgt die 17jährige Tochter seines Chefs, die er für einige Monate babysitten muss, was diese allzu wörtlich nimmt...
Raus machen!
Natürlich wusste Wilder, was er da schrieb. Gut 25 Jahre nach seiner Emigration hatte der Starregisseur seine Muttersprache noch nicht verlernt. 13 Jahre nach Eine auswärtige Affäre begab er sich erneut an seine alte Wirkungsstätte und teilte fleissig aus. Kapitalisten und Kommunisten, Arme und Reiche, Ost und West, Amerikaner, Russen und Deutsche bekamen ihr Fett ab. Als Schauplätze sind das Brandenburger Tor, die Gedächtniskirche und der Flughafen Tempelhof zu sehen. Dann ist da das Ost-Berliner Hotel Potemkin (vormals Göring, vormals Bismarck) und natürlich die Coca-Cola-Zentrale in Lichterfelde. Heute würde man wohl eine Firma erfinden und der Satire damit die Schärfe entziehen. Auch damals gab es Unmut, etwa von einer gewissen Joan Crawford, Aufsichtsrätin von Pepsi, derzuliebe Wilder immerhin einen Schlussgag am Getränkeautomaten hinzufügte. Schlemmer!
Schneller machen!
Es war eine Tour de Force des 62jährigen James Cagney, der in den 30ern durch Gangsterfilme bekannt geworden war, seinen Oscar dann aber 1943 in der Musikbiographie Yankee Doodle Dandee eintanzte. Auch sein MacNamara (für den er eigentlich 10 Jahre zu alt war) hat Rhythmus im Blut, spätestens im hektischen Finale, als er über Nacht einen Kommunisten in einen Grafen verwandelt und dazu die besten Schneider, Hutmacher, Barbiere und Maler (für das Wappen) der Stadt herankommandiert (mit virtuosem Fingerschnippen). Später beklagte sich Cagney über den herrschsüchtigen Perfektionisten Wilder, sah das Ergebnis dann aber doch als würdigen Abschied (erst 20 Jahre später konnte ihn Milos Foreman zu einem Cameo im leider nicht überzeugenden Ragtime überreden). Wie schön, dass ihm Wilder zwei nostalgische Momente gestattete, erst mit einem Zitat von Edward G. Robinsons Kleinem Cäsar ("Is this the end of Rico?"), dann, indem er ihn sein Mündel mit einer Pampelmuse bedrohen lässt, in Erinnerung an die Szene aus Der öffentliche Feind, die 1931 Amerika schockierte. Auch gibt es erneut ein kurzes Musik-Intermezzo mit Bandleader Friedrich Hollaender (Ausgerechnet Bananen). Ansonsten liefert sich Cagney tolle Wortgefechte, u.a. mit der Komödiantin Arlene Francis als seine patente Ehefrau Phyllis (den doppelten Nerzmantel bekommt allerdings nicht sie, sondern die Putzfrau)  und der äusserlich hübschen, ansonsten unscheinbaren 19jährigen Pamela Tiffin als die ihm anvertraute Scarlett, die dann auch prompt wie vom Winde verweht ist. "You're underage, and I'm under orders!°



Als jener sozialistischer Wendehals, der erst die Millionärstochter verführt und dann dem Kapital zum Opfer fällt (am Ende hat er 10.000 Dollar Schulden), ist übrigens der 28jährige Horst Buchholz zu sehen. Frisch nach seinem Erfolg bei den Glorreichen Sieben ging er mit seinen Starallüren wohl vor allem Cagney auf die Nerven, konnte dem Veteranen aber keineswegs die Schau stehlen. Einige der herrlichsten Szenen hat der andere deutsche Co-Star: Lilo Pulver als fesche Sekretärin mit platinblonder Perücke und Wonderbra, die ihrem Chef den Umlaut nahebringt, ist einfach wunderbar, gerade weil sie gegen ihr Image besetzt war - nach Ich denke oft an Piroschka und den Spessart-Komödien war sie eher für Hosenrollen berühmt. Kein Wunder, dass sie den drei russischen Kommissaren den Kopf verdreht. Die verpflanzte Wilder übrigens fast unverändert aus der geistesverwandten, aber viel romantischeren Lubitsch-Komödie Ninotchka von 1939 mit der unvergleichlichen Garbo. Am Drehbuch war er damals schon maßgeblich beteiligt, also warum nicht daraus stehlen? Diesmal liefern sich die Funktionäre, darunter der Österreicher Leon Askin und der spätere Sam Hawkens Ralf Wolter, eine rasante Verfolgungsjagd, mit vorhersehbarem Sieg der Mercedes-Limousine vor ihrem Trabant-ähnlichen Vehikel, welches fast das Brandenburger Tor zum Einsturz bringt. Übrigens war dies wohl (zum Glück) ein Nachbau in den Münchner Studios, nachdem die Kommunisten zum Ärger der Filmemacher über Nacht die Grenze zugemauert hatten.



Das war übrigens auch der (verständliche) Grund, warum der Film in Deutschland zunächst kein Erfolg war (Anerkennung kam erst mit der Wiederaufführung 1985). Über eine Ost-West-Komödie konnte man plötzlich nicht mehr lachen. Das ist zumindest die offizielle Lesart. Zusätzlich glaube ich, dass Wilders zynische Sicht auf das Nachkriegsdeutschland 1961 dort ohnehin nicht besonders populär gewesen wäre. So entpuppt sich ein neugieriger Reporter als ehemaliger SS-Offizier, während Assistent Schlemmer im Krieg im "Untergrund" war, nämlich beim U-Bahn-Bau, und daher gar keinen Adolf kannte. Jawoll!



Der Misserfolg in den USA ist schon schwerer zu erklären. Noch ein Jahr zuvor war schließlich die beinhart sozialkritische Komödie Das Apartment gefeiert worden und brachte Wilder seinen zweiten Regie-Oscar und dritten Drehbuch-Oscar ein (und seinen insgesamt sechsten und letzten Oscar für den Besten Film). War es der Spott über das zu dieser Zeit jämmerliche amerikanische Raketenprogramm, der Kapitalismus im Zerrspiegel (in der Kuckucksuhr war der Kuckuck durch einen fahnenschwingenden Yankee Doodle Dandy ersetzt) oder doch ein ungutes Gefühl ob des düsterer werdenden Kalten Krieges?



Pauline Kael konnte mit dem Film nichts anfangen, sie fand die Witze schal und die Darsteller chargierend - aber sie mochte Wilder ohnehin nicht (für Manche mögen's heiss fand sie zähneknirschend ein paar anerkennende Worte). Für mich persönlich ist Wilders Reihung von vier Komödienknallern in Folge beispiellos in der Filmgeschichte. Dabei war er eigentlich für sehr diverse Werke bekannt, zu meinen Lieblingsfilmen gehören u.a. Die Frau ohne Gewissen (Schwarze Serie, 1944), Das verlorene Wochenende (Alkoholiker-Drama, 1945) und Boulevard der Dämmerung (Hollywood-Drama, 1950). Aber nach den (sehr unterschiedlichen) Meisterwerken Zeugin der Anklage (1957, mit Charles Laughton und Marlene Dietrich), Manche mögen's heiß (1959) und Das Apartment (1960) hatte der deutsche Trailer vielleicht Recht, Wilder als Komödienspezialist zu verkaufen. Eins, Zwei, Drei ist leider das Stiefkind des Quartetts, das es heutzutage wegen der Schwarzweiss-Bilder ohnehin schwer hat, neue Freunde zu finden (Das Apartment war das letzte Schwarzweiss-Werk, das als Bester Film ausgezeichnet wurde, zumindest bis Schindlers Liste und The Artist). Wilder drehte noch ein paar schöne Filme (am überzeugendsten davon fand ich Avanti, Avanti) von 1972, aber Eins, Zwei, Drei ist für mich sein letzter herausragender (9/10), den es bisher übrigens auf Blu-ray nur als US-Import mit Regionalcode A zu kaufen gibt, dafür aber in perfekter Bildqualität. Nicht nur für Berliner zu empfehlen!

Zugabe: Meine 15 Jahre alte Amazon-Kritik zur DVD von "Manche mögen's heiß":


Niemand ist perfekt - aber wenn man die perfekte Komödie küren wollte, dann wäre "Some Like It Hot" der erste Anwärter auf die Krone. Selten waren die Oscars so unverdient wie die Preise von 1960 für "Ben-Hur". In der AFI-Liste der besten amerikanischen Filme taucht "Some Like It Hot" auf Platz 14, "Ben-Hur" nur auf Platz 72 auf; späte Genugtuung für Billy Wilder, der hier quasi im Vorübergehen ein zweites Mal (nach "The Seven Year Itch") die Monroe so in Szene setzte, wie sie es öfter verdient gehabt hätte. Aber genug von Marilyn - die Hauptdarsteller hießen Tony Curtis und Jack Lemmon, und beiden hätte man den Oscar (und den Millionärsgatten, und Sugar Cane) gegönnt. Und natürlich dem vielleicht spritzigsten Drehbuch seit "Leoparden küßt man nicht". Es ist fraglich, ob man mehr unvergeßliche Szenen und Dialoge in einen Film packen kann, und der einzige Kritikpunkt ist denn auch, daß die zwei Stunden viel zu schnell vorüber sind...

Sonntag, 10. September 2017

The Owls Are Not What They Seem

Ich entschuldige mich im voraus für den Gebrauch der englischen Sprache.
I apologize in advance for Albert my bad use of the english language.
A Dream Within a Dream (Edgar Allan Poe)
Take this kiss upon the brow!
And, in parting from you now,
Thus much let me avow-
You are not wrong, who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem
Is but a dream within a dream. 
I stand amid the roar
Of a surf-tormented shore,
And I hold within my hand
Grains of the golden sand-
How few! yet how they creep
Through my fingers to the deep,
While I weep- while I weep!
O God! can I not grasp
Them with a tighter clasp?
O God! can I not save
One from the pitiless wave?
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?
Maybe we all live inside a dream. Or the Black Lodge? Backwards speaking not. Enjoying Garmonbozia. And David Lynch is the only sane person in the world.



But maybe not. Maybe David Lynch just shared an 18 hour nightmare with his audience. And from the mind of this cracked genius, that is quite something. Just not entertaining. Or, heaven forbid, fun! Or even just watchable. Showtime handed him a shitload of money, and he let his imagination run wild. At least it payed for a date with Monica Bellucci (in Paris, no less). But where was his collaborator, Mark Frost? Wasn't he supposed to temper his extremes? The cable network is playing it down, saying The Return won it new subscribers. But it's a safe bet that from now on, no one will offer the 71-year-old money to film a funeral, let alone a movie or tv series.

Through the darkness of future past / The magician longs to see / One chants out between two worlds / Fire walk with me. I'll catch you with my death bag. You may think I've gone insane, but I promise I will kill again!

This is certainly not an objective opinion. I love the Original, especially the first half (say, until the "resolution" of Laura's murder). It's right up there with my favourite drama shows: Star Trek (TOS), Buffy, The West Wing, Lost, Game of Thrones, Sense8. I also love most of David's movies, though not Lost Highway (1997), which is referenced quite a lot in the Return. But  I certainly consider Blue Velvet (1986) and Mulholland Dr. (2001) to be minor masterpieces, which (to my astonishment) garnered him Best Director Nominations from the Academy. Of course, Hollywood preferred his "mainstream" movies. I certainly don't agree, but I still think The Elephant Man (1980) is his most satisfying movie. I even liked his strange debut Eraserhead (1977) and still enjoy the immensely flawed Dune (1984) now and then. However, that is in the past. Even ten years ago, Inland Empire was an unmitigated desaster. So I'm especially pissed off by this new pile of garbage in 18 pieces.



Lynch's best and most personal work always had surreal parts. But it was all grounded in reality, never weirdness for weirdness's sake. Lynch showed us the rot beneath the veneer. But now the veneer is gone, and everything is rotten. I've never experienced more meanness and hopelessness. The new show almost completely lacks love and compassion, and most of the comfort comes from old characters who are only shadows of their former selves. I never felt that I was spending quality time with these people. The Original was sad (and funny, and suspenseful, and romantic), but the Return is just depressing. Gordon Cole may be hard of hearing, but David Lynch certainly is tone-deaf.



And what's up with all the dead people? Is it really a proper way to say goodbye to so many fine actors by dragging them before a camera? Have Catherine E. Coulson (the "Log Lady") talk about her fear of death? Put a sick Warren Frost on display via Skype? Put Miguel Ferrer in a lot of scenes but not give him anything of note to do (but have Gordon Cole cast sad looks at him)? By the way, Michael Ontkean (Sheriff Harry Truman) might as well be dead, what with all the good wishes for his health (stand-in Robert Forster is still with us, though). And then there's the "photograph" and flashback cameos: Major Briggs (Don S. Davis, 1942-2008), Bob (Frank Silva, 1950-1995), Pete Martell (Jack Nance, 1943-1996). And Bowie is a a smoking kettle now...



And what's up with all the old people? Of course, Peggy Lipton (Norma) still looks mighty pretty at 70. The same cannot be said for Grace Zabriskie (Sarah Palmer), not just because she plays a monster. For most of the others, it's quite embarrassing to watch them shuffle across the screen, especially Harry Goaz (Andy) and Michael Horse (Hawk). Richard Beymer (Benjamin Horne) at least has some energy left (well, who wouldn't be invigorated by the presence of beautiful Ashley Judd).



And what's up with all the middle-aged people? It's downright cruel to display a picture of the young Laura Palmer throughout the series and then show us a haggard 50ish Sheryl Lee (whom I never liked anyway). Equally cruel are the scenes with Sherilyn Fenn, whose Audrey may have the worst fate of all her peers in the show. James Marshall/Hurley is not treated much better. Dana Ashbrook as (Deputy - who'd have thunk) Bobby Briggs fares a bit better, and Mädchen Amick as Shelly is still sexy as hell (no thanks to Lynch). I think Lara Flynn Boyle made the right decision not to return. Now I can at least imagine bright young Donna having a happy future.



And what's up with all the new characters? Not much, to be frank. The greatest impact is made by Diane, who we only knew as the recipient of Cooper's voice recordings. Maybe they should have left it that way (I used to like Laura Dern, but not anymore). Then there's Naomi Watts, wife of Cooper Doppelgänger Dougie, who is nice to look at but whose character is almost as frustrating as vegetable Cooper, Amanda Seyfried as Rebecca looks pretty, which makes sense for the daughter of Shelly. Caleb Landry Jones (her husband Steven) and Eamon Farren (devil-spawn Richard Horne) seem to have been cast for their asymmetric looks. Others are just returning actors from Lynch movies, e.g. Patrick Fischler as a gangster. His funny counterparts, James Belushi and Robert Knepper as the Mitchum Brothers, do have some of the best scenes, and they are always accompanied by eye candy (Sandie, Mandie and Candie). The most clueless must be Chrysta Bell as FBI agent  Tammy Preston. Blue Rose, anyone?



And what's up with all the homages? The obvious one would be Tarantino - none other than Tim Roth and Jennifer Jason Lee play a homicidal couple (sounds familiar?) Sadly, David Lynch was not able to provide them with Tarantinesque dialogue, just generous amounts of blood. There's also pretty obscure references - why would you name three detectives "Fusco" if not to make a nod to Jonathan Nolan's Person of Interest? The most embarrassing homage, alas, is the appearance of Michael Cera as the Wild Son (of Lucy and Andy, of all possible parents) in what must be the worst Brando parody I could imagine. And that's just off the top of my head - I'm certain there's lots of stuff to discover for masochists on a Return watch.
Is the coffee on?

And what's up with Agent Cooper? He used to be the cheerful, intense center of the show. Kyle MacLachlan still has presence and acting chops, but the two (and a half) characters he plays do not engage the viewers enough. Some of Dougie's antics are funny, some of Bad Cooper's poses are menacing, but everything is stretched out to nothingness. Coffee and cherry pie just remind us of happier times. At least, Lucy (now even dimmer than before) can tell Bad Cooper apart from Good Cooper for his appreciation of a damn fine cup of coffee.
You all live inside a dream.
25 years ago, Twin Peaks was a cultural phenomenon, like Game of Thrones today. People discussed it by the water cooler: Who murdered Laura Palmer, what was the significance of the red room, the one-armed man, the strange dwarf ("I am the arm") and the giant? Twin Peaks: The Return came and went and will soon be forgotten. The outrageously high IMDB ratings stem from a small population of geeks. Of those, many sceptics now will fondly remember episode 17 and forget all the anguish that came before. Perhaps if the return of Agent Cooper had been placed in the middle of the series, I could tolerate all the lunacy that went on before. But by episode 17, it was too late, and I'm not gonna talk about episode 18 at all. It's really pathetic how most of the critics disected each episode to find some good entrails. Let me tell you: If you have to dig that deep, it's not worth the effort! And as for Lynch directing (and writing): Scenes don't breathe, minor events are played out until no-one cares anymore. There is so much fan-service (or self-service?) that he forgot to put in intriguing drama for any characters. Some have lauded the special effects. They must have never seen movies or shows with good effects (see Zelig or The Curious Case of Benjamin Button). The Return feels like an artist finishing an oil painting with water color. It is said that not all entertainment is art, but that all art is entertainment. I conclude logically that Twin Peaks: The Return is NOT art.
David Lynch (via the "Woodsman")
This is the water, and this is the well. Drink full, and descend. The horse is the white of the eyes, and dark within.
Gotta light?

Klassische Rezension: Mulholland Drive (David Lynch 2001, 9/10)

Hollywood, vom Mulholland Drive aus betrachtet. Unzählige Lichterketten, Reichtum und Macht locken, aber auch dunkle Abgründe. Wege zum Ruhm oder Vorhof der Hölle, Traum oder Alptraum?

Eine alternde Künstlerin singt eine spanische Version von Roy Orbisons Hit "Crying". Sie intoniert die schmerzlichen Textzeilen offenbar aus tiefster Seele, bringt sich und das Publikum zum Schluchzen - und tritt plötzlich vom Mikrofon zurück. Das Lied erklingt weiter, es kommt vom Tonband. "No hay una banda", "Es gibt keine (Live-)Band". Was, wenn auch das Leben zum Playback wird?

Der "Cowboy", eine geheimnisvolle Gestalt mit "elektrischer" Aura, stellt eine wichtige Frage: Ist der Lebensweg des jungen Regisseurs von seiner Einstellung zu einer einzelnen Besetzungsfrage abhängig? Offenbar geht es um ein Angebot, das er nicht ablehnen kann...

Ein Mann, der im "Weenie's" am Sunset Bvd sitzt, ist zu Tode verängstigt. Er ist überzeugt, daß hinter dem Haus eine furchterregende Erscheinung auf ihn wartet, die ihm im Schlaf bereits begegnet ist. Aber war es Traum oder selbsterfüllende Vorahnung?

Ein Vorsprechtermin. Alle sind erfreut, einander kennenzulernen. Die hilfreiche Anweisung des ausgebrannten Regisseurs: Laß es nicht wirklich werden, bevor es wirklich ist! Und was bei der Probe mit der Freundin noch wie ein heftiger Streit wirkte, ist auf einmal eine zärtliche Liebesszene...

Sorgfältig werden die Fingerabdrücke von der Waffe gewischt, bevor sie dem Toten in die Hand gelegt wird. Oh je, da löst sich versehentlich noch ein Schuß! Im Nebenraum ein Aufschrei: die Putzfrau glaubt, sie sei gebissen worden. Also wartet noch mehr Arbeit auf den Killer...

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Mit einem erstaunlichen kleinen Werk voller Schönheit und milder Versponnenheit, der geradlinigen Straight Story, hat sich David Lynch eine beachtliche neue Fangemeinde geschaffen. Doch mehr noch als sein Wüstenplanet (der übrigens nicht so schlecht ist wie sein Ruf) war jenes Roadmovie untypisch für den unabhängigen Amerikaner, der zuvor eher durch verwirrende Visionen à la Blue Velvet und Wild at Heart bekannt war. Mit Mulholland Drive erreicht er einen Höhepunkt seines Hauptwerkes. Kaum verwunderlich, daß in der (ohnehin spärlich besuchten) Vorpremiere etliche Besucher vorzeitig den Saal verließen - die gebotene Kost entsprach wohl nicht der Erwartungshaltung.

Tatsächlich dauert es eine Weile, bis man sich in diesem "Mystery Thriller" (so das Plakat) orientiert hat. Stück für Stück muß man die puzzleartig dargebotene Handlung für sich zusammenbauen. Wenn man später merkt, daß die Teile nicht reibungslos ineinandergreifen, ist man bereits derart gefesselt, daß dies keine Rolle mehr spielt. Viele Einzelszenen (einige habe ich zu Beginn skizziert) sind intensiver als die meisten Hollywood-Blockbuster des Jahres zusammengenommen. Lynch hat eine einmalige Begabung, emotionale Spannungen aufzubauen, mit der andere vielleicht triefenden Kitsch produzieren würden. Ihm geht es aber darum, Unbehagen zu erzeugen Erwartungsstrukturen aufzubrechen. Seine Werkzeuge sind u. a. irrsinnige Kameraperspektiven, morbide Musikuntermalung, in ihrer Wirkung beängstigende Schnitte und beunruhigende Kamerafahrten durch schattendurchsetzte Zimmerfluchten. Dabei gelingt ihm ein fabelhaftes schwarzhumoriges Abbild der hollywoodschen Alptraumfabrik.

Trotzdem empfindet man Sympathie, wenigstens Mitleid mit den meisten Figuren. Das ist auch den großartigen Schauspielern zu verdanken, sämtlich unbekannte Gesichter, von denen man noch viel erwarten kann. Die (blonde) Debütantin Naomi Watts muß man dabei hervorheben, sie hat bereits mehrere Preise für ihre Rolle gewonnen. Als Betty ist sie zu Beginn herzzerreißend naiv und begeisterungsfähig, als Diane im zweiten Teil desillusioniert und verzweifelt, beides mit hoher Glaubwürdigkeit. Ihr dunkelhaariger Gegenpart Laura Elena Harring hat es im weniger dankbaren Part etwas schwerer, weiß aber durchaus zu überzeugen. Justin Theroux als weltfremder Künstler stolpert souverän staunend durch den Hollywood-Dschungel und sieht zudem Steven Soderbergh recht ähnlich, einem möglichen Vorbild für diese Figur.

Nun mal ein paar Kritikpunkte. Die Struktur, das "Puzzle, das nicht aufgeht" (übrigens das in den vorhandenen Kritiken am häufgisten benutzte Bild), ist zwar hochinteressant und schafft nie endenden Gesprächsstoff. Trotzdem hätte ein wenig Straffung dem ganzen durchaus gut getan. Einige Episoden passen nur bedingt in die Handlung, das erklärt sich offenbar aus der Entstehungsgeschichte. Das ursprünglich Konzept war für eine Fernsehserie entwickelt worden, eine Form, die naturgemäß von offenen Handlungssträngen genauso wie von wiederkehrenden Elementen lebt. Und 140 Minuten Beklemmung können einem emotional ganz schön zu schaffen machen. Viele Bilder brennen sich im Gedächtnis fest. Ich muß gestehen, daß ich nach diesem Kinoerlebnis nicht besonders gut geschlafen habe. Nun ja, so ging es mir auch nach Kubricks letztem Meisterwerk, The Shining. Das Horror-Genre ist eigentlich nicht mein Ding, umso bemerkenswerter, wenn mir mal ein Film mit Horror-Elementen gefällt.

David Lynch wird wahrscheinlich keinen Oscar für Mulholland Drive gewinnen (auch wenn ich auf seine dann dritte Nominierung tippe), so wenig wie das vor ihm etwa Spike Lee oder Jim Jarmusch mit ihren besten Beiträgen gelungen ist. Aber festzustellen ist, daß trotz aller Widrigkeiten auch heute noch solche Abweichler vom amerikanischen Mainstream entstehen können und sogar ihr Publikum finden. Dies haben im vergangenen Jahr außerdem Christopher Nolan mit Memento und Terry Zwigoff mit Ghost World bewiesen. Und wer die Abwechslung liebt und sich vom Kino anregen und nicht nur unterhalten lassen möchte, ist hier goldrichtig. Herausragend (9/10).

Samstag, 2. September 2017

Fatal: The Fate of the Furious (1/10)

Zugegeben, ich mag Vin Diesel nicht. Meine erste Begegnung halte ich in schaudernder Erinnerung, eine Sneak Preview von Riddick: ein lächerliches Machwerk, das des SF-Genres nicht würdig ist. Diesel schwitzt reines Testosteron aus. Mimisch verfügt er über vielleicht zwei Gesichtsausdrücke, nennen wir sie "verstopft" und "dämlich". Im Film wird ein Fahndungsfoto eingeblendet, in dem sein Körperbau "muskulös" genannt wird - auf den gerade 50 gewordenen Glatzkopf dürfte inzwischen eher "fleischig" zutreffen. Seine Mutter ist Astrologin - gerade im Zuge des aktuellen Diesel-Skandals sollte sie ihm bestätigen können, dass sein Stern sich im Sinkflug befindet. Da hilft auch seine neueste Marvel-Sprechrolle nicht, für die er wahrscheinlich eine Million pro Wort verdient: "I am Groot!"



Die "Fast & Furious"-Reihe ist so ziemlich das unerwartetste Milliarden-Franchise des Jahrhunderts. Erst 2009 nahm es mit Teil Vier Fahrt auf, wobei dem deutschen Verleih übrigens ausnahmsweise mal ein passender Untertitel einfiel. "Neues Modell. Originalteile" bezog sich natürlich auf die Rückkehr von Paul Walker und Vin Diesel, der nun auch Produzentenstatus bekam.Trotz mehr und mehr mechanischer Drehbücher von Chris Morgan explodierten ab nun die Umsätze, mit der siebten Episode als kommerziellem Höhepunkt, der mit gut 1,5 Milliarden Umsatz momentan Platz Sechs der erfolgreichsten Filme der Welt einnimmt (entscheidender Faktor war wohl der inszenierte Abschied von Star Paul Walker, der bei einem von ihm unverschuldeten Autounfall starb). Natürlich sind diese Kinoumsätze ein Klacks im Vergleich zu den Einnahmen der geistesverwandten Computerspielreihe "Grand Theft Auto" (GTA), welche die Milliardengrenze gewöhnlich schon wenige Tage nach der Veröffentlichung einer neuen Version knackt.



Zunächst fand ich die Auto-Pornos durchaus spaßig. Da gab es wohldurchdachte, nachvollziehbare Actionszenen, die trotz Computerunterstützung noch einigermaßen realistisch wirkten. Dazu kam eine Riege durchaus sympathischer Darsteller, allen voran Dwayne "The Rock" Johnson, der sein Debut im für mich unterhaltsamsten Teil 5 gab.. Der ehemalige Wrestler ist vergleichbar mit dem Schwarzenegger der 80er. Er stellt seine Muskelberge durchaus selbstironisch zur Schau und macht seine mangelnde schauspielerische Bandbreite mit seinem absolut entwaffnenden Grinsen wett. In diesem Jahr ist musste er den ersten Platz als bestbezahlter Schauspieler der Welt zwar an "Transformer" Mark Wahlberg abgeben, steht aber immer noch vor Vin Diesel, was möglicherweise mit zu den kolportierten Reibungen der beiden Alphamännchen geführt hat. Meist auf dem Beifahrersitz finden sich allerdings die Frauen wieder, von denen Letty (Michelle Rodriguez) immerhin ab und zu selbst zuschlagen darf, meist aber doch von den Herren der Schöpfung gerettet werden muss. Aus ihrem Posing liest man dann auch eher "Schau mal, wie toll mein Mann ist!" heraus.



Die nunmehr achte Fortsetzung, The Fate of the Furious, hat zwar auch die Milliardengrenze an den Kinokassen überschritten, gilt aber auch bei vielen Fans als Enttäuschung. Zu sichtbar sind die Retorteneffekte aus dem Computer, zu groß die Logiklöcher. Wenn die Schurkin per Fernsteuerung drei Autos aus einem Parkhaus hätte stürzen lassen, wäre das vielleicht pfiffig gewesen. Bei 300 Autos wirkt das nur noch ermüdend. Die Naturgesetze werden derart nachlässig auf den Kopf gestellt, dass kaum jemand noch zur Suspension of Disbelief fähig ist. Am Ende gibt es ein Wettrennen auf dem Eis, zwischen dem Team in verschiedenen Sportwagen und, um die Fallschirmabsprünge (der Autos!) aus Teil 7 zu toppen - einem U-Boot! Da scheint der unsichtbare Aston Martin aus Bond 20 plötzlich technisch plausibel...



Schwerer wiegt für mich, wie weit die Übertreibungen in eine andere Richtung gehen. Nehmen wir die Anfangsszene in Rio, das Wettrennen über die brasilianische Meile (welches gefühlt wenig rekordverdächtige fünf Minuten dauert). Das geht mitten am Tage durch die Stadt - ein paar Motorräder sorgen für Adhoc-Verkehrsregelungen. Zum Glück sind alle Unbeteiligten geistesgegenwärtig und agil genug, um rechtzeitig aus dem Weg zu springen. Egal, ob das Rennen über den Bügersteig oder verstopfte Kreuzungen geht, kein Fußgänger und kein Fahrer kommt zu Schaden. Will uns der Film glauben machen. Wirklich? GTA auf den Straßen von Rio? Das ist nicht nur unsensibel im Angesicht von zunehmenden terroristisch motivierten Mordfahrten in den Hauptstädten unserer Welt, sondern ist auch unrühmliches Vorbild für illegale Autorennen, die zunehmend Todesopfer in Kauf nehmen.



Ein weiteres Franchise-Übel ist, dass kein Bösewicht zurückgelassen wird. Hobbs (Dwayne Johnson) war zunächst Gegenspieler des Teams, dann war Deckard (Jason Staham) der Big Bad. Beide arbeiten nun mit dem Team zusammen. Unglaublich, wie sich die Actionstars aufplustern, wie sie posieren und sich in der Rolle des coolsten Typs behaupten wollen. Leider reiht sich da auch Charlize Theron als neueste Schurkin Cipher ein. Trotzdem haben die jungen Möchtegernhelden alle keine Chance, denn mit seinem kurzen Auftritt als Mr. Nobody zeigt Altstar Kurt Russell allen, was Coolness wirklich bedeutet. Auch wenn ich schon wieder vergessen habe, ob er nun einen Kriminellen oder einen Regierungsagenten darstellen soll. Nicht dass seine Handlungen und Motive weniger lächerlich wären. So veranstaltet er ein ungeprobtes Ausbruchsrennen aus einem Hochsicherheitstrakt zwischen Hobbs und Deckard, mit Stunts, die Captain America Ehre gemacht hätten. Nur: Niemand nimmt Dwayne Johnson ab, dass er mit seiner beachtlichen Muskelmasse auch noch athletische Purzelbäume schlagen kann (später stellt sich raus, dass er mit dem kleinen Finger sogar einen Torpedo umlenken kann). Selbst Wonder Woman käme ins Staunen, sie wurde allerdings in Teil 6 verschrottet, um - nun ja, Wonder Woman zu werden. Übrigens fließt hier wie auch sonst kein Blut, nicht einmal Kunstblut, obwohl dutzendweise Mithäftlinge und Wärter niedergemetzelt werden. Na dann kann man das ganze wohl ab 12 freigeben...



Lohnt es sich, die Handlung zu beschreiben? Ok, ich versuche es - SPOILER ahead (sofern man einen solchen Unsinn spoilern kann). Also, Dom verbringt mit Letty glückliche Zeiten in Rio (dämlich), bis er von Cipher mit einem Filius ex machina erpresst wird und sich gegen sein Team stellen muss (verstopft). Die Kameraden sind ganz unglücklich, können ihn aber nicht stoppen, denn er ist ein ganz toller Fahrer (aber immer noch verstopft).  Hobbs und Deckard brechen aus dem Knast aus, denn nur ihr vereinter Testosteronspiegel kann Doms das Wasser reichen. Misandei und Ludacris (oder Tyrese Gibson?) hacken für Mr. Nobody God's Eye (warum nicht den dreiäugigen Raben fragen?), um Dom zu finden, werden aber von Cipher überfallen, die aber alle am Leben lässt, weil sie sonst nicht für die Fortsetzung bezahlt würde. Keine Inder da, um die Computer zu bedienen - so müssen halt die Schwarzen ran, weil sie sonst gar keine Handlungsfunktion hätten. Dom (verstopft dämlich) trifft sich heimlich mit der Queen Mum Helen Mirren und heckt einen Plan aus, um Cipher auszutricksen. Bis dahin muss er aber immer noch Verstopfung vortäuschen. Deckard wird von Ciphers Henchman Tormund Giantsbane erschossen. Dom ist todtraurig (verstopft), alle Übeltaten Deckards im Vorgängerfilm sind vergessen. Dom überfällt fast im Alleingang eine russische Arktisstation, um ein U-Boot zu stehlen (verbissen verstopft). Das Team versucht ihn zu stoppen, unzählige russische Rebellen verlieren blutlos ihr Leben. Deckard ist doch nicht tot und entführt mit seinem hierfür aus dem Koma reanimierten Bruder Doms Sohn aus Ciphers Flugzeug, in einer plumpen Hommage an John Woos Actionklassiker Hard Boiled, dank kugelsicherem Babysitz. Dom rettet sein Team (und die Welt), denn er ist ja der Tollste (dämlich), das Team rettet ihn, weil er ja der Produzent ist (immer noch dämlich). Am Ende sind alle eine glückliche Familie (ganz doll dämlich).



Das Schicksal der furiosen Sieben wendet sich also wenig überraschend zum Guten. Unser Schicksal scheint es zu sein, noch mindestens zwei weitere Fortsetzungen ertragen zu müssen. Aber irgendwann wird sich die Reihe schon totfahren. Ärgerlich (1/10).