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Sonntag, 5. April 2015

Die Hugo-Nominierungen 2015

Die diesjährigen Nominierungen bieten neben dem Erwarteten auch einige Überraschungen.

Beginnen wir mit der "Dramatischen Präsentation, Langform". Obwohl mir von verschiedenen Seiten signalisiert wurde, daß ich mit meiner Meinung falsch liege, hatte ich trotzdem Luc Bessons Lucy nominiert - hat natürlich nicht geklappt. In der überraschungslosen Kategorie kann ich gleich meine Stimmreihenfolge mitteilen:
  1. Guardians of the Galaxy (nach dem Heimkino-Genuß auf 9/10 aufgewertet)
  2. Edge Of Tomorrow (8/10)
  3. Captain America - The Winter Soldier (8/10)
  4. No Award
  5. Interstellar (4/10)
  6. Der Lego-Film (3/10)
Der Preis wird wohl zwischen Guardians und Interstellar ausgefochten werden. Noch ein paar Worte zum Lego-Film: Chaotisch, nicht kindgerecht, albern, pathetisch, peinlich.

Bei der Kurzform beginnen dann die Überraschungen. Nominiert hatte ich neben den beiden Top-Episoden von Game of Thrones noch (in der Hoffnung, in der Kategorie ein wenig Abwechslung zu erreichen) das explosive Winterfinale von "Agents of Shield" (leider dümpelt die Serie nach diesem Höhepunkt inzwischen wieder in seichten Gewässern) und (blind) eine Folge von Person of Interest (obwohl ich dort noch gar nicht bei der dritten Staffel angelangt bin).

Nominiert wurden schließlich (noch ohne Rangfolge):
  • Doctor Who: “Listen”
  • The Flash: “Pilot”
  • Game of Thrones: “The Mountain and the Viper” (S04E08)
  • Grimm: “Once We Were Gods” (S03E15)
  • Orphan Black: “By Means Which Have Never Yet Been Tried” (S02E10)
Wow! Nur einmal "Dr. Who", dazu wie letztes Jahr "Orphan Black", und mein Favorit "The Mountain and the Viper". Aber dann:

Grimm ist nach Game of Thrones momentan meine Lieblingsserie, aber Chancen hätte ich mir wirklich nicht ausgerechnet. Da ich die Show zeitversetzt auf Blu-ray genieße (wie übrigens auch Person of Interest, wo ich noch in der zweiten Staffel stecke), bin ich noch gar nicht zu dieser Folge vorgedrungen. Aber was sagt man über Vorfreude...

Den Arrow-Ableger The Flash verfolge ich wie die in der dritten Staffel befindliche Mutterserie mehr als Guilty Pleasure. Das ist seichte Unterhaltung mit netten Figuren, wobei The Flash gegenüber Arrow einen angenehm lockeren Ton anschlägt. Da ich keine Comics lese, erschließt sich mir allerdings die Faszination der Fangemeinde mit dem "schnellsten lebenden Mann" nicht so ganz. Die Beliebtheit der Figur unter Nerds kann man jedenfalls anhand etlicher Folgen der Big Bang Theory belegen. Was mich an beiden Serien stört, ist neben dem für Superhelden-Shows fast notwendig abstrusen, unlogischen Weltenaufbau die Beliebigkeit der Figuren, deren Charakteristiken und Loyalitäten allzu oft dem Bedürfnis der Zuschauer nach überraschenden Twists zum Opfer fallen. Hingegen bemüht sich Agents of Shield wenigstens, in alter Whedon-Tradition ein glaubwürdiges Ensemble aufzubauen (macht dabei aber leider wenig Spaß).

Nun aber zu den Hauptkategorien, als die immer noch die belletristischen Formen gelten müssen.



Bei den Kurzformen muß ich wohl auf das Voter Package warten, da ich wirklich nicht einen einzigen Autor auch nur vom Namen her kenne. Auffällig sind die fünf Nominierungen in drei Kategorien für einen gewissen John C. Wright.


Bei den Romanen ist erwartungsgemäß die Fortsetzung des letztjährigen Gewinners Ancillary Justice dabei, leider aber nicht die Fortsetzung von Mira Grants Parasit, der mir mehr Freude bereitet hatte (ich bin aber selbst schuld, denn ich selbst bin auch noch nicht dazu gekommen, sie zu lesen). Dabei ist dafür als (freudige) Osterüberraschung Jim Butchers 15. (fünfzehnter) Dresden-Roman, den ich nicht zu nominieren gewagt hätte, obwohl ich immer noch einen Riesenspaß an der auf ca. 20 Bände angelegten Reihe um den Magier aus Chicago habe (die übrigens wenig mehr als den Titel mit der schnell wieder eingestellten TV-Serie zu tun hat). Es ist Butchers erste Nominierung überhaupt; neben den Dresden Files hat er mit dem Codex Alera auch noch eine schönes (wenngleich konventionelles) fünfbändiges Fantasy-Epos veröffentlicht. Kevin J. Anderson ist ein Vielschreiber, den ich bisher eher dem Mittelmaß zugeordnet hätte. Katherine Addison (eigentlich Sarah Monette) ist eine recht junge Autorin. "The Goblin Emperor" scheint ein alleinstehender Fantasy-Roman zu sein, ich bin sehr gespannt (neben Ann Leckie ist sie als einzige auch zusätzlich für den Nebula nominiert). "Lines of Departure" ist der zweite Band einer Reihe aus der Ecke Militärische SF. Da er offenbar in der Kindle-Leihbibliothek erhältlich ist, nehme ich mir den wohl als nächstes vor.


Nachdem über Jahrzehnte die Hugo-Nominierungen für mich eine Fundgrube für tolle Romane waren, sehe ich mindestens die Beiträge im 21. Jahrhundert sehr skeptisch. 5000 Hardcore-Fans sind natürlich nicht unbedingt repräsentativ für die weltweite Leserschaft. Vielleicht trägt auch der kommerzielle Siegeszug der Fantasy dazu bei, daß weniger hochwertige Science Fiction veröffentlicht wird. Ich hätte mir jedenfalls mehr SF und mehr Vielfalt gewünscht (bei den Nebulas wird immerhin ein jüngst ins Englische übertragener chinesischer Roman gelistet). Wie auch immer, hier sind die Nominierungen für den besten Roman des Jahres 2014:

  • Ancillary Sword, Ann Leckie
  • The Dark Between the Stars, Kevin J. Anderson
  • The Goblin Emperor, Katherine Addison
  • Lines of Departure, Marko Kloos
  • Skin Game, Jim Butcher 

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