You are being watched. Du wirst beobachtet.
Die (US-)Regierung betreibt heimlich eine Maschine, eine künstliche Superintelligenz (KSI), die an alle Überwachungskameras, Telefon- und Computernetze angeschlossen ist. Ihre offizielle Aufgabe ist es, Terroranschläge vorherzusagen und damit ihre Verhinderung zu ermöglichen. Um die Privatsphäre der Bürger zu schützen und Machtmissbrauch zu verhindern, hat ihr Erfinder sie von jeglicher anderer Verwendung abgeschottet. Mit einer wesentlichen Ausnahme: Über eine Hintertür im Code bekommt er Informationen (meist nur die Sozialversicherungsnummer) über "irrelevante" Personen - Menschen, die im Begriff sind, Opfer oder Täter "gewöhnlicher" Verbrechen zu werden. So jemand ist eine "Person of Interest" (PoI).
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Der "Schöpfer" dieser Maschine, ihr Hauptprogrammierer, der von ihr immer noch als "Admin" anerkannt wird, heißt Harold Finch (Michael Emerson). Er hatte mit seiner IT-Firma Milliarden verdient, bevor er der Regierung die Krone seiner Schöpfung für einen symbolischen Dollar überließ. Aber er weiß, dass mächtige Kreise nach direktem Zugang zum Überwachungsapparat suchen. Sein Geschäftspartner kam bereits bei einer Bombenexplosion ums Leben. Er selbst hat damals seinen Tod fingiert und lebt seither in New York im Verborgenen. Aufgrund seiner moralischen Gewissensbisse beginnt er, ein Team aufzubauen, um jenen PoI zu helfen.
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Dies ist die Ausgangssituation für die prozedurale Struktur der Show, die in den ersten Staffeln jeweils für einen Fall der Woche sorgte. Parallel dazu gibt es natürlich Figurenentwicklungen, die allerdings nie in Seifenoper-Bereiche abdriften. Erstaunlicherweise werden auch keine Liebesbeziehungen der Teammitglieder in den Fokus gerückt. Nach und nach erfahren wir zwar, dass Finch seine große Liebe (Carrie Preston) verlassen hat, um sie zu schützen (die beiden Darsteller sind übrigens verheiratet, was der Beziehung eine besondere Wärme gibt). Das gehört aber mehr zum Hintergrundrauschen der Erzählung. Nur eine einzige Liebesbeziehung gewinnt gegen Ende der Serie an Kontur, und diese sorgte leider gleich für Kontroversen, weil sie sich zufällig zwischen zwei starken Frauen entwickelt...
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Aber der Reihe nach. Person of Interest lief zwischen 2011 und 2016 mit insgesamt 103 Folgen auf CBS und hat in dieser Zeit nie mehr als eine allerdings substantielle Fangemeinde als Publikum gefunden. Eine einzige jämmerliche Emmy-Nominerung (für die Klangmischung) gab es. Dabei kam die Serie von der Produktionsfirma von J.J. Abrams, der allerdings meines Wissens kaum kreativen Input geliefert hat. Der kam von den Showrunnern Greg Plageman und Jonathan "Jonah" Nolan, Bruder des Kultregisseurs und Mitautor einiger seiner stärksten Filme (Memento, Prestige). Dazu kam ein brillantes Autorenteam, aus dem ich Denise Thé hervorheben möchte, die für If-Then-Else das Drehbuch für die wohl beste Folge der Serie beisteuerte. Auch das fulminante Finale Return 0, welches die Serie zu einem runden Abschluss führt, schrieb sie gemeinsam mit Nolan. Die Absetzung war rechtzeitig bekannt - PoI war wohl zu intelligent, um ausreichende Zuschauerquoten zu erreichen (not being watched).
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Nomineller Hauptdarsteller der Serie ist Jim Caviezel, berühmt-berüchtigt durch die Titelrolle in Mel Gibsons Die Passion Christi, ansonsten im Kino eher in Nebenrollen tätig. Er ist nun Ende 40, dies war sicher eine seiner letzten Actionrollen. Ehrlich gesagt, kann ich ihn nicht besonders leiden. Er hat nur minimale mimische Fähigkeiten, und seine Stimme ist monoton und heiser. Es hilft auch nicht, dass er meist im Flüsterton spricht - er behauptet, das gehöre zur Rolle, bei der er meist per Headset mit seinen Teamkameraden kommuniziert. Aber gut zu wissen, dass er notfalls auch in aramäisch flüstern kann. Als Actionheld und potentiell tödlicher Attentäter ist er allerdings einigermaßen glaubwürdig. John Reese wird von Finch als erster rekrutiert; er wurde von der CIA bei einem Himmelfahrtskommandos fallengelassen und findet beim Team PoI zögerlich eine sinnvollere Aufgabe. Nun beginnt er Leben zu retten statt zu zerstören.
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Natürlich ist es Kalkül der Autoren, die Killermaschine John Reese in maximalen Kontrast zum Kopf des Teams zu stellen. Harold Finch ist ein genialer Programmierer und Hacker, ein Schöngeist, der voller moralischer Zweifel und Komplexe steckt und seit seinem fingierten Tod mit Rückenproblemen und einem Humpeln zu kämpfen hat. Dargestellt wird er vom heute 63jährigen anerkannten Theaterschauspieler Michael Emerson, der Genrefans selbstverständlich in Erinnerung ist als Ben Linus aus Lost. Das war ein so hinterhältiger und doch vielschichtiger Schurke, dass ich ihn oft durch den Bildschirm hindurch angebrüllt habe und ihn am liebsten erwürgt hätte. Für die Rolle gewann er 2009 seinen zweiten Emmy, den ersten erhielt er 2001 als Gaststar in der Anwaltsserie The Practice. Sicher in der Theaterpraxis geschult, verfügt er über eine ungeheuer geschmeidige, eigenwillige Stimme, die nicht nur den an sich eher banalen Einführungstext veredelt ("You are being watched. The government has built a secret machine...") Es ist unfassbar, dass der gleiche Schauspieler Ben Linus und Harold Finch verkörpern konnte. Hier jedenfalls steht er für Herzlichkeit und moralische Standfestigkeit, und mit seiner sich entwickelnden Freundschaft zu John Reese vermag er es, auch in Skeptikern wie mir Sympathie für diese Figur zu entfachen.
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Zu diesem Kernteam gesellt sich schnell die rechtschaffene NYPD-Detektivin Joss Carter (Taraji P. Henson), die bei komplexen Fällen hinzugezogen wird und mit viel Herzblut bei der Sache ist. Von Hensons Ausstieg in der dritten Staffel hat sich die Serie in mancher Hinsicht nie so recht erholt. Carters Ende ist bezeichnend für die zunehmende Düsterheit der Geschehnisse, einen Pessimismus, in dem die prozedurale Seite der Serie immer mehr in den Schatten der übergreifenden Handlung gerät. Es ist zwar toll, wie komplexe moralische Fragen aufgeworfen werden und die Figuren an den Widersprüchen zu zerbrechen drohen. Auch die Betonung der SF-Aspekte, u.a. mit der Einführung einer zweiten, feindlichen KSI "Samaritan", ist an sich gelungen. Aber der Spaß an den frühen Fällen, bei denen das Team in Superheldenmanier alltägliche Verbrechen verhindern konnte, geht unter dem Gewicht der Rahmenhandlung weitgehend verloren. Hensons Karriere ist dagegen mit ihrem Ausstieg erst richtig durchgestartet. Sie war ja bereits 2009 für Der seltsame Fall des Benjamin Button für einen Oscar nominiert worden. Inzwischen sind dazu Emmy-Nominierungen und 2016 ein Golden Globe für ihre Darstellung im HipHop-Drama Empire dazugekommen, und natürlich eine Hauptrolle im Oscar-nominierten Hidden Figures.
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Als Spiegel zu Carter kann man Lionel Fusco (Kevin Chapman) sehen. Er ist ein korrupter Cop, das genaue Gegenteil der gewissenhaften Joss. Zu Beginn wird er von John mehr oder weniger erpresst, ihm bei der Rettung einer PoI zu helfen. Mehr und mehr plagen ihn Gewissensbisse, und schließlich findet er den Mut, sich vom Kreis der kriminellen Polizisten abzusetzen. Im Laufe der Serie macht Fusco die größte Wandlung durch und stellt sich am Ende sogar gegen das Team, weil ihm Einzelschicksale wichtiger sind als der abstrakte Kampf gegen Samaritan. Zu diesem Zeitpunkt hat er fast so viele Sympathiepunkte gewonnen wie das heimliche Herz des Teams, der Deutsche Schäferhund Bär (Bear), der nur auf holländische Befehle hört.
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Um die Lücke beim Weggang von Taraji P. Henson zu schließen und, wie ich glaube, um Jim Caviezel zu signalisieren, dass die Serie auch ohne ihn weitergeführt werden könnte, gab es in der dritten Staffel einen weiteren Neuzugang. Ähnlich wie früher John erledigte auch Sameen Shaw die Drecksarbeit für den CIA, noch mehr als John ist sie soziopathisch veranlagt und muss vom Team erst davon überzeugt werden, dass Töten vielleicht nicht immer die beste Lösung ist. Gespielt wird sie von der heute 37jährigen Texanerin Sarah Shahi, eine aparte Mischung eines iranischen Vaters und einer spanischen Mutter. Vom physischen Aspekt her ist die ehemalige Schönheitskönigin vielleicht nicht völlig glaubwürdig, macht dies aber durch eine Tour de Force der unterdrückten Gefühle wieder wett, als sie in der vorletzten Staffel vom "Feind" gefangengenommen wird - ein Handlungsbogen, der bis fast zum Schluss für Spannung sorgt.
Neben den Hauptfiguren sorgen auch die oft hochkarätig besetzten Nebenfiguren für Furore, oft als PoI eingeführt, die später aus Dankbarkeit das Team unterstützen. Hervorzuheben sind Paige Turco als High-Society-Vermittlerin Zoe Morgan (die sogar eine kleine Liaison mit John spendiert bekommt, aber leider in der letzten Staffel keinen Auftritt mehr hat), und Enrico Colantoni als Elias, der zunächst vom Team gerettet wird, sich dann aber als dubioser Gangsterboss entpuppt, in der Tradition von Keyser Söze. Als finsterer Repräsentant John Greer der feindlichen KSI Samaritan glänzt John Nolan, Onkel von Jonathan und Christopher, in dessen Filmen der fast 80jährige Londoner auch öfter ein Cameo hat.
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Die faszinierendste PoI ist aber sicherlich Samantha Groves, eine junge Frau, deren Fall ähnlich wie der von Elias anders gelagert ist, als das Team zunächst vermutet. Das hat zunächst tragische Folgen, als sie sich als soziopathische Hackerin "Root" (das ist der Admin-Account bei Unix-Systemen) zu erkennen gibt. Ja, brave Familienmenschen kommen bei PoI selten vor ;-) Jedenfalls spielte sich Amy Acker in dieser Rolle schnell ins Herz der Fans und stieg in der dritten Staffel zur Hauptdarstellerin auf, womit sie sich auch endgültig vom Whedon-Universum emanzipierte. Es ist einfach fabelhaft, wie sie zur "analogen Schnittstelle" der Maschine wird und in direkter Interaktion Gott-gleich agiert ("in God mode"). Ihre Figur verbindet Computer-Zauberei mit einem Actionfeuerwerk, und das ist cool as fuck. Nun ist die hübsche Amy bereits vierzig Jahre alt und spielt in der besseren neuen Marvel-Serie The Gifted zum ersten Mal eine (immer noch ziemlich attraktive) Mutter zweier Mutanten-Teenager...
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Person of Interest findet eine gute Balance zwischen Action, Charakteren und SciFi-Elementen. Titelsequenz, Kapitelübergänge und Zeitsprünge werden geschickt als Überwachungsbilder aus Computersicht dargestellt. Dazu passt die variable Musik des Duisburger Erfolgskomponisten Ramin Djawadi (Game of Thrones). Die Kampfszenen, ob im Nahkampf oder mit Schusswaffen, sind meist aufregend und überraschend inszeniert, auch wenn gelegentlich die Fernsehkonventionen durchscheinen. Viele erwischte Täter würden sicher einen Kopfschuss den Knieschüssen von John, Sameen und Root und damit ein Restleben im Rollstuhl vorziehen. Das ist halt TV-Logik, so wie die wundersame Heilung der Hauptfiguren von zahlreichen Schuss- und Stichverletzungen innerhalb weniger Wochen. Aber gutes Fernsehen soll ja Kopf und Herz ansprechen, und das macht PoI auf unvergleichliche Weise.
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Die SF-Idee des Überwachungsstaates wurde 2013 fast von den Snowden-Entwicklungen überholt. Wie in den meisten aktuellen Krimiserien wird in PoI allerdings kräftig übertrieben. Da werden lückenlose Bewegungsprofile erstellt, Smartphones per Knopfdruck geclont, praktisch jede Firewall in Minuten überlistet. Allein zur sinnvollen Verarbeitung der Datenmengen bräuchte man einen Quantencomputer, auch dies eine Utopie. Technologisch sind wir noch weit von echten künstlichen Intelligenzen entfernt. Sogenannte Künstliche Intelligenz beschränkt sich heute auf mehr oder weniger clevere Marketing- und Einkaufshilfen, siehe Siri, Alexa und Echo. Trotz der publikumswirksamen Warnungen sogenannter Zukunftsforscher wird das auch noch für Jahrzehnte so bleiben. Der Judgment Day ist noch weit entfernt. Natürlich braucht die Menschheit keine KIs, um ihren Untergang zu betreiben.
Person of Interest ist seit Anfang des Jahres komplett in perfekter Qualität auf Blu-ray erhältlich, exklusiv bei Amazon auch als Gesamtausgabe. Netflix hat die Serie leider kürzlich aus dem Programm genommen.
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Sonntag, 26. November 2017
Samstag, 25. November 2017
Klassiche Rezension: Memento (Christopher Nolan, 2000)
Um zu zeigen, dass ich nicht immer ein Nolan-Hasser war, und wegen der wesentlichen Beteiligung seines Bruders Jonathan Nolan, der nach der eher unter dem Radar gelaufenen SF-Actionserie Person of Interest nun bei HBO mit Westworld einen Hit bei Kritikern und Publikum gelandet hat, hier meine damalige Kinokritik zu Memento. Wenn das Kino des 21. Jahrhunderts doch gehalten hätte, was jenes Jahr versprach! (Meine Meinung zu Fincher habe ich übrigens inzwischen deutlich revidiert.)Wenn ich in Vorankündigungen und Kritiken Begriffe wie "revolutionärer Filmsprache" finde, gehe ich mit sehr viel Skepsis ins Kino. Dazu muß ich erklären, daß ich in Cineasten-Kreisen eher ein Outcast bin: Ich mag nämlich den berühmten und vielgeliebten Klassiker Citizen Kane nicht besonders. Weder die Geschichte noch die Charaktere vermochten mich in diesem Erstling von Orson Welles zu überzeugen, und bei aller Anerkennung für seine technische Virtuosität konnte ich mich doch nur zu einer knapp überdurchschnittlichen Wertung entschließen. (Daß das Wunderkind erzählen konnte, hat er mir allerdings mit seinem nächsten Film, The Magnificent Ambersons, bewiesen, den ich trotz entstellender Kürzungen tatsächlich für ein kleines Meisterwerk halte.)
Und wenn ich auch noch von einem überraschenden Ende höre, erinnere ich mich mich Grauen an Sixth Sense, dessen tatsächlich origineller Schluß für mich keineswegs die banalen Dialoge und die größtenteils dröge Handlung entschuldigt. Diese Art Trickserei funktioniert für mich nicht. Niemand würde einen Maler allein aufgrund seiner technischen Brillanz für ein Genie halten - warum fallen Filmliebhaber trotzdem immer wieder auf die (David) Finchers, (Oliver) Stones und (Michael) Manns herein?
Also, ich bin altmodisch, ich mag die traditionelle Erzählform, Stil allein genügt mir nicht. In diesem deutschen Kinojahr habe ich bereits für drei eher herkömmlich strukturierte Werke mit gut ausgeführten Figuren und starkem Anliegen die Höchstwertung vergeben: Traffic von Soderbergh, Almost Famous von Crowe und Das Experiment von Hirschbiegel (!). Jetzt kommt zu meiner Verblüffung ein vierter, ganz anderer Film hinzu: Memento von einem gewissen Christopher Nolan, bei den Oscars nicht mal erwähnt, ohne Stars und sicherlich mit geringem Budget abgedreht. Was gefällt mir daran?
Ich glaube, daß die Sache mit der "revolutionären Filmsprache" falsch ist. Vielmehr haben wir hier eine geniale Geschichte, die nur auf eine einzige Art erzählt werden kann - nämlich (fast möchte ich sagen, zufällig) rückwärts. Und genau das macht Nolan - zugegeben die technischen Möglichkeiten recht geschickt ausnutzend. Nur die allererste (und chronologisch letzte) Szene wird tatsächlich entgegen unserem Zeitsinn gezeigt (was übrigens sehr reizvoll ist), danach werden lediglich die kurzen Episoden in umgekehrter Reihenfolge hintereinandergeschnitten, durchbrochen von einer längeren, in fahlem Schwarzweiß abgesetzten, den Rahmen erklärenden Handlung, deren zeitliche Einordnung etwas schwer fällt.
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Das Thema des ganzen ist das menschliche Gedächtnis, mit seinen Möglichkeiten und seinen Beschränktheiten. Wahrscheinlich werden bei genauer Analyse der Konstruktion Logikbrüche und Ungereimtheiten sichtbar werden. Das ist aber für die Qualität des Filmes bedeutungslos. Was zählt, sind die vielfältigen Anregungen zum Nachdenken und die schöpferische Kraft, die sich hier offenbart. Das Ergebnis ist ungeheuer spannend, allerdings auch absolute Aufmerksamkeit fordernd. Das muß nicht als anstrengend empfunden werden, eignet sich aber nicht als Popcorn-Kino für ein samstägliches Rendezvous (was übrigens auch auf Traffic zutraf). Bleibt zu erwähnen, daß alle Darsteller perfekt agieren, allen voran Guy Pearce in der Hauptrolle. Also haben wir hier das vierte Meisterwerk der Saison, allen empfohlen, die intelligentes Kino mögen. Ob der "Herr der Ringe" noch einen draufsetzen wird?
Auf Blu-ray ist Nolans Durchbruch (es war sein zweiter Film) in Deutschland leider ein Stiefkind, die Edition zum zehnjährigen Jubiläum ist hier nicht erschienen (ich besitze die amerikanische Ausgabe). Auch die angekündigte Nolan-Edition mit sieben Filmen in UHD-Qualität wird seinen für mich immer noch besten Film nicht enthalten, genauso wenig wie den tollen Nachfolger Insomnia mit Al Pacino und Robin Williams.
Samstag, 18. November 2017
Eher zweite Liga: Justice League (6/10)
DC versucht verzweifelt, sich vom MCU abzusetzen. Statt wie Marvel auf überraschende, fachfremde Regisseure und unbekannte Gesichter zu setzen, hält man seit fünf Jahren am gleichen stümperhaften Hack Zack Snyder fest und schürte mit der Besetzung von Ben Affleck als Batman eine PR-Pleite ersten Grades. Nun präsentiert man die Justice League, mit der Absicht, die einzelnen Mitgliedern in Folge nach und nach in Einzelfilmen genauer vorzustellen. So funktioniert Teambildung aber nicht, und die sechs Hauptstreiter agieren meist nebeneinander statt miteinander. Der Ensemblefilm zerfällt in Einzelepisoden mit viel Exposition, darunter immerhin ein paar recht hübsche Szenen. Ansonsten könnte man die Handlung in zwei Sätzen zusammenfassen, spare ich mir aber. Na ja, ok: Steppenwolf sammelt drei Zauberwürfel ein, um die Welt zu zerstören, und die Justice League versucht das zu verhindern. Thank you, and good night...
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Nach ihrem furiosen Durchstarten im Sommer muss sich niemand wundern, dass Wonder Woman den Herren die Schau stiehlt, sobald sie auch nur am Rande der Leinwand zu sehen ist. Leider verpufft gleich zu Beginn ein Heldenmoment (der schon im Trailer zu sehen war) im Snyder-typischen Chaos von schnellen Schnitten und unklaren Kameraperspektiven. Aber Dianas innere Entwicklung, die sie aus dem Schatten ins Rampenlicht katapultiert, bleibt weitgehend intakt. In einer Welt, in der Superman Reden vor der UN schwingen kann, verdient auch ihre Botschaft gehört zu werden.
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Wie bei Marvel Spiderman, so ist auch bei DC der Junior im Team für die Witze zuständig. Ezra Miller als Barry Allen schlägt sich besser als erwartet, wobei ihm auch ein paar gelungene visuelle Tricks helfen. The Flash (wenn ich nicht irre, fällt dieser Name übrigens gar nicht) hat dafür die dünnste Backstory. Nur kurz taucht Billy Crudup als sein Vater auf. Für mehr wird man wohl noch Jahre warten müssen - sein Solofilm Flashpoint ist für 2020 angedacht.
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Verschenkt ist der Auftritt der Amazonen, noch immer angeführt von Dianas Mutter Hippolyta (Connie Nielsen). Im direkten Vergleich zeigt sich nochmals das Genie von Patty Jenkins, die beim spektakulären Gefecht am Strand jeder Figur Gewicht zu geben vermochte. Bei Snyder ist das Äquivalent nur eine Massenkeilerei, deren Ergebnis allein der Handlungsfortführung dient (Bösewicht Steppenwolf ergattert den ersten Zauberwürfel).
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Henry Cavill als Mann aus Stahl hat mich noch nie so recht überzeugt (besser war er allerdings in Codename U.N.C.L.E.). Diesmal kommt auch noch das Debakel um seine vom Computer rasierte Oberlippe hinzu. Supermans Rückkehr ist keine Überraschung, aber das Wie ist doch recht enttäuschend geraten - hier wäre ein interessanter Handlungsbogen drin gewesen! Immerhin reissen "seine" Nebendarsteller einiges wieder raus. Diane Lane hat einen sympathischen Auftritt, und Amy Adams wird endlich mal wieder (möglicherweise von Frauenverehrer Whedon) ins rechte Licht gerückt; buchstäblich, mit einer atemberaubenden Einstellung beim Sonnenuntergang.
Von den Neulingen im Team schlägt Jason Momoa ("Khal Drogo") als Aquaman die größten Wellen. Er hat sichtlich Spaß daran, seinen muskulären, tätowierten Oberkörper zu präsentieren und den Teamkameraden Seemannsgarn aufzutischen (nach etwas Nachhilfe durch das Wahrheits-Lasso). Aber auch für ihn wird nicht hinreichend erklärt, warum er sich dem Team anschließt - er ist irgendwann plötzlich dabei, natürlich zu einem opportunen Zeitpunkt. Sein kurzer Exkurs in sein Unterwasserreich macht mir jedenfalls Hoffnung auf sein Soloabenteuer, das Ende nächsten Jahres ins Kino kommt. Auch wenn die Atlantier diesmal nach kurzem Gefecht den zweiten Zauberwürfel an Steppenwolf verlieren.
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Ben Affleck als Batman gefällt mir immer noch. Hier spielt der 45jährige selbstironisch mit den altersbedingten Grenzen seiner Heldenpersona und muss sich von einer Frau (nun ja, technisch gesehen einer Halbgöttin) die Schulter einrenken lassen. Aber auch eine gewisse Altersmüdigkeit lässt sich feststellen - inmitten von Alkoholentzug, Scheidungsproblemen und der Verhöhnung durch die Fans könnte dies Afflecks Abschiedsvorstellung gewesen sein. Die besten Dialoge hat mal wieder Altstar Jeremy Irons als Alfred (zum Skillset des Butlers gehört heute offenbar das Hacken von Computern). Auch für ein Cameo von Commissioner Gordon (glänzend: J.K. Simmons) reicht es noch, aber von Lex Luthor (Jesse Eisenberg) fast keine Spur (ich möchte die Postcredit-Szene nicht spoil... - ups, passiert).
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Cyborg Victor Stone (Neuling Ray Fisher) schließlich hat eine reine McGuffin-Funktion. Auch für seine Entstehungsgeschichte steht ein Altstar Pate, diesmal Joe Morton (Eureka), aber im Endeffekt bleibt seine Entwicklung unerklärt. Sie ist aber praktischerweise mit dem Schurken Steppenwolf verquickt, so dass er irgendwie zum Sieg beitragen kann. Und übrigens Steppenwolf - bis auf den Namen und die Hörner bleibt nicht viel in Erinnerung. Ciarán Hinds ("The King Beyond the Wall" Mance Ryder) tut mir schon leid, denn sein markantes Gesicht bleibt unter der Maske verborgen, und obwohl er die Figur per Motion Capture zum Leben erweckte, taucht er in den Credits nur als "Stimme" auf.
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Aus Mangel an Alternativen werden die DC-Fans trotzdem in die Multiplexe strömen. Wenn da nicht Wonder Woman gewesen wäre, könnte man die Justice League ja sogar als kleinen Schritt vorwärts betrachten. Und da viele Fans auf Zack Snyder nix kommen lassen, bietet sich als Sündenbock der Mann an, der ohnehin vom Feind kommt und dessen "romantischer" Stil sich arg mit Snyders schmutziger Unlogik beisst: Joss Whedon, der das Drehbuch von Chris Terrio überarbeitete und dann die Nachdrehs übernahm (ca. 20 Prozent des Endergebnisses sollen von ihm stammen). Na ja, wenn man nichts besonderes erwartet, kann man durchaus seinen Spaß haben. Ordentlich (6/10).
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Nach ihrem furiosen Durchstarten im Sommer muss sich niemand wundern, dass Wonder Woman den Herren die Schau stiehlt, sobald sie auch nur am Rande der Leinwand zu sehen ist. Leider verpufft gleich zu Beginn ein Heldenmoment (der schon im Trailer zu sehen war) im Snyder-typischen Chaos von schnellen Schnitten und unklaren Kameraperspektiven. Aber Dianas innere Entwicklung, die sie aus dem Schatten ins Rampenlicht katapultiert, bleibt weitgehend intakt. In einer Welt, in der Superman Reden vor der UN schwingen kann, verdient auch ihre Botschaft gehört zu werden.
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Wie bei Marvel Spiderman, so ist auch bei DC der Junior im Team für die Witze zuständig. Ezra Miller als Barry Allen schlägt sich besser als erwartet, wobei ihm auch ein paar gelungene visuelle Tricks helfen. The Flash (wenn ich nicht irre, fällt dieser Name übrigens gar nicht) hat dafür die dünnste Backstory. Nur kurz taucht Billy Crudup als sein Vater auf. Für mehr wird man wohl noch Jahre warten müssen - sein Solofilm Flashpoint ist für 2020 angedacht.
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Verschenkt ist der Auftritt der Amazonen, noch immer angeführt von Dianas Mutter Hippolyta (Connie Nielsen). Im direkten Vergleich zeigt sich nochmals das Genie von Patty Jenkins, die beim spektakulären Gefecht am Strand jeder Figur Gewicht zu geben vermochte. Bei Snyder ist das Äquivalent nur eine Massenkeilerei, deren Ergebnis allein der Handlungsfortführung dient (Bösewicht Steppenwolf ergattert den ersten Zauberwürfel).
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Henry Cavill als Mann aus Stahl hat mich noch nie so recht überzeugt (besser war er allerdings in Codename U.N.C.L.E.). Diesmal kommt auch noch das Debakel um seine vom Computer rasierte Oberlippe hinzu. Supermans Rückkehr ist keine Überraschung, aber das Wie ist doch recht enttäuschend geraten - hier wäre ein interessanter Handlungsbogen drin gewesen! Immerhin reissen "seine" Nebendarsteller einiges wieder raus. Diane Lane hat einen sympathischen Auftritt, und Amy Adams wird endlich mal wieder (möglicherweise von Frauenverehrer Whedon) ins rechte Licht gerückt; buchstäblich, mit einer atemberaubenden Einstellung beim Sonnenuntergang.
Von den Neulingen im Team schlägt Jason Momoa ("Khal Drogo") als Aquaman die größten Wellen. Er hat sichtlich Spaß daran, seinen muskulären, tätowierten Oberkörper zu präsentieren und den Teamkameraden Seemannsgarn aufzutischen (nach etwas Nachhilfe durch das Wahrheits-Lasso). Aber auch für ihn wird nicht hinreichend erklärt, warum er sich dem Team anschließt - er ist irgendwann plötzlich dabei, natürlich zu einem opportunen Zeitpunkt. Sein kurzer Exkurs in sein Unterwasserreich macht mir jedenfalls Hoffnung auf sein Soloabenteuer, das Ende nächsten Jahres ins Kino kommt. Auch wenn die Atlantier diesmal nach kurzem Gefecht den zweiten Zauberwürfel an Steppenwolf verlieren.
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Ben Affleck als Batman gefällt mir immer noch. Hier spielt der 45jährige selbstironisch mit den altersbedingten Grenzen seiner Heldenpersona und muss sich von einer Frau (nun ja, technisch gesehen einer Halbgöttin) die Schulter einrenken lassen. Aber auch eine gewisse Altersmüdigkeit lässt sich feststellen - inmitten von Alkoholentzug, Scheidungsproblemen und der Verhöhnung durch die Fans könnte dies Afflecks Abschiedsvorstellung gewesen sein. Die besten Dialoge hat mal wieder Altstar Jeremy Irons als Alfred (zum Skillset des Butlers gehört heute offenbar das Hacken von Computern). Auch für ein Cameo von Commissioner Gordon (glänzend: J.K. Simmons) reicht es noch, aber von Lex Luthor (Jesse Eisenberg) fast keine Spur (ich möchte die Postcredit-Szene nicht spoil... - ups, passiert).
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Cyborg Victor Stone (Neuling Ray Fisher) schließlich hat eine reine McGuffin-Funktion. Auch für seine Entstehungsgeschichte steht ein Altstar Pate, diesmal Joe Morton (Eureka), aber im Endeffekt bleibt seine Entwicklung unerklärt. Sie ist aber praktischerweise mit dem Schurken Steppenwolf verquickt, so dass er irgendwie zum Sieg beitragen kann. Und übrigens Steppenwolf - bis auf den Namen und die Hörner bleibt nicht viel in Erinnerung. Ciarán Hinds ("The King Beyond the Wall" Mance Ryder) tut mir schon leid, denn sein markantes Gesicht bleibt unter der Maske verborgen, und obwohl er die Figur per Motion Capture zum Leben erweckte, taucht er in den Credits nur als "Stimme" auf.
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Aus Mangel an Alternativen werden die DC-Fans trotzdem in die Multiplexe strömen. Wenn da nicht Wonder Woman gewesen wäre, könnte man die Justice League ja sogar als kleinen Schritt vorwärts betrachten. Und da viele Fans auf Zack Snyder nix kommen lassen, bietet sich als Sündenbock der Mann an, der ohnehin vom Feind kommt und dessen "romantischer" Stil sich arg mit Snyders schmutziger Unlogik beisst: Joss Whedon, der das Drehbuch von Chris Terrio überarbeitete und dann die Nachdrehs übernahm (ca. 20 Prozent des Endergebnisses sollen von ihm stammen). Na ja, wenn man nichts besonderes erwartet, kann man durchaus seinen Spaß haben. Ordentlich (6/10).
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Sonntag, 12. November 2017
Der Skandal um Kevin Spacey
Bei der Diskussion von Rassismus, sexueller Belästigung oder gar Pädophilie gelten plötzlich, insbesondere in den Online-Medien, keine journalistischen Regeln mehr. Abwägung von Tatsachen und Aussagen, differenzierte Bewertungen, selbst rechtsstaatliche Prinzipien fallen unter den Tisch. Vergewaltiger werden mit Grapschern in einen Topf geworfen, ältere Verführer junger Menschen mit Pädophilen. Jeder versucht, seine persönlichen Moralvorstellungen auf die gesamte Menschheit anzuwenden. Heuchelei ist Trumph. Sensationsgier ist erlaubt, solange man sich auf die Seite der Opfer schlägt. Unabhängig von der Art, vom Kontext oder sogar der Widerlegbarkeit der Verfehlung ist der Ruf des "Täters" ruiniert. Das habe ich vor langen Jahren auch schon persönlich erlebt. Als Student bin ich nach einem Streit mit einen griechischen Mitbewohner selbst als Rassist hingestellt worden. In diesem Fall hatte ich praktisch keine Möglichkeit der Verteidigung. Es spielte auch keine Rolle, dass ich demselben Mitbewohner zuvor wochenlang mit hohem Zeitaufwand bei der Ausformulierung seiner Seminararbeit geholfen hatte. Solche Vorwürfe entwickeln eine Eigendynamik, bei der plötzlich sämtliche Indizien im Sinne der Anklage uminterpretiert werden.
Bei den ersten Berichten über das Fehlverhalten von Kevin Spacey war ich daher noch versucht, ihn innerlich zu verteidigen. Unzählige Menschen sind schon auf Partys von Betrunkenen bedrängt worden. Es ist unrealistisch, solches Verhalten ausmerzen zu wollen. Natürlich hat ein 15jähriger nichts auf einer alkoholseligen Erwachsenenparty zu suchen, darf schon gar nicht als letzter Gast zurückbleiben. Das entschuldigt Spaceys Verhalten zwar nicht. Aber kein amerikanisches Gericht hätte aufgrund der Geschehnisse Anklage erhoben. Die Annahme, dass ein solches Erlebnis den jungen Mann fürs Leben traumatisiert hat, ist eine Beleidigung für alle Opfer sexueller Gewalt. Die Veröffentlichung dieses Berichts 30 Jahre später weckt in mir die Vermutung, dass ein Therapeut diese Erinnerung ausgegraben und verstärkt hat und nun alle persönlichen Probleme des Patienten darauf zu reduzieren sucht.
Leider hat sich anhand von zahlreichen Zeugenaussagen nun herausgestellt, dass das Verhalten des damals 26jährigen Theaterschauspielers Spacey kein Ausrutscher war, sondern sich systematisch wiederholte und verstärkte. Viel deutlicher als im Fall von Harvey Weinstein, der ja auch nach außen als unangenehmer Zeitgenosse bekannt war, zeigt der Fall Spacey, welche üblen Verhältnisse hinter den Kulissen der Traumfabrik herrschen. Und leider ist dies nur ein Spiegelbild der übrigen Geschäftswelt. Verstärktes Echo fand der Fall dann noch wegen Spaceys schwammigen Aussagen zu seiner sexuellen Identität. Die amerikanische LGBT-Community hat zwar ideologisch verknöcherte Vorstellungen, wie ein Coming Out vonstatten zu gehen hat, aber in diesem Fall muss ich zustimmen, dass Spacey sich auch in dieser Hinsicht sehr ungeschickt verhalten hat. Schließlich war das spätestens mit seinem Bobby-Darin-Muscial Beyond the Sea ein offenes Geheimnis. Hätte es wirklich solch einen Karriereknick für ihn bedeutet, sich zu diesem Zeitpunkt als schwul zu outen?
Der eigentliche Skandal ist, dass die Studios Kevin Spacey nun fallenlassen, weil er ein Imageproblem darstellt, nicht etwa weil er seine Machtposition ausnutzte und eine giftige Atmosphäre beim Dreh erzeugte. Bei House of Cards etwa war er von Beginn an nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produzent und damit Chef. Hat wirklich keiner seiner Co-Produzenten und Regisseure etwas gemerkt? Sein Kollege Jon Bernthal berichtet nun im nachhinein von den Dreharbeiten zu Baby Driver, dass er vom Verhalten seines Idols Spacey enttäuscht gewesen sei. "Wenn das Opfer eine Frau gewesen wäre, hätte ich etwas gesagt." Es ist leider inhärent sexistisch anzunehmen, dass sich Männer gegen Belästigung selbst wehren können. Es geht gar nicht ums Geschlecht, sondern um das Machtgefälle, in dem Nebendarsteller Bernthal im Verhältnis zum zweifachen Oscar-Preisträger auch nur ein kleines Rädchen war. Daher kann ich es auch Robin Wright, Co-Star in House of Cards, nicht übelnehmen, dass sie nicht gegengesteuert hat. Sie hat sich zwar als eine von wenigen Frauen schließlich einen Titel als Executive Producer erkämpft (unter der Produzentenkategorie listet die IMDB mehr als 30 Personen), sie konnte aber trotz ihrer gewachsenen Popularität nicht einmal ihre Forderung nach gleichem Gehalt durchsetzen.
Was Kevin Spacey betrifft, so ist seine Karriere nun beendet, egal ob die Vergewaltigungsvorwürfe zu strafrechlichen Konsequenzen führen. Das heißt nicht, dass man nun seine bisherigen darstellerischen Leistungen geringer schätzen oder gar verteufeln muss. Möglich, dass er deshalb so überzeugend in der Rolle von aalglatten Schurken war, weil er den soziopathischen Teil seiner Persönlichkeit einbringen konnte. Aber hier muss die Trennung von Werk und Künstler gelten. American Beauty bleibt für mich eines der prägenden Werke der 90er, Die üblichen Verdächtigen und L.A. Confidential sind immer noch tolle Thriller. Wir sehen ohnehin nur die Spitze des Eisbergs, und es wäre scheinheilig, nun Filme nur aufgrund der Beteiligung einer zwielichtigen Person zu boykottieren. Schließlich haben wir auch heute noch Spaß an der Nackte-Kanone-Trilogie, trotz des verurteilten Gewaltverbrechers und offenkundigen Mörders O.J. Simpson in der Rolle des Co-Deppen Nordberg. Anders kann es sein, wenn die fragwürdige Weltanschauung der Regisseure oder Hauptdarsteller ins Werk einsickern. So schmecken mir heute so manche John-Wayne-Filme nicht, etwa der weltberühmte Ford-Western Der schwarze Falke/The Searchers (andere sehe ich immer noch gern, etwa Der Sieger/The Quiet Man).
Die Kehrseite der an sich begrüßenswerten aktuellen Debatte ist allerdings die Gefahr einer Hexenjagd (wovor ungeschickterweise Woody Allen warnte - mehr dazu später). Es entsteht auch eine unangenehme Arbeitsatmosphäre, wenn jede Bemerkung und jede Interaktion auf die Goldwaage gelegt wird. Das erkennt man am besten im Fall Dustin Hoffman. Wer ihn jemals in Talkshows erlebt hat (etwa Letterman oder Leno, mit einer herrlichen De-Niro-Imitation), weiss, dass er einen recht derben Humor hat, der sicher nicht allen gefällt. Auch am Set spielt er gern den Clown, und in diesem Kontext (und nachdem ihn u.a. der damalige Regisseur Volker Schlöndorff in Schutz genommen hat) muss man die Aussagen der damals 17jährigen Praktikantin betrachten, die sich von ihm belästigt fühlte. Hoffman hat sich nun bei ihr entschuldigt, aber es handelte sich definitiv nicht um Machtmissbrauch, sondern die junge Frau ist einfach mit seiner Art nicht klargekommen. Mehr als Unsensibilität kann man Hoffman nicht vorwerfen. Der gerade 80 gewordene zweifache Oscar-Preisträger muss sich zwar keine Sorgen um ein Karriereende machen, aber der Vorwurf der sexuellen Belästigung wird ihm nun noch lange anhängen (das kann man auch an den Kommentaren bei den referenzierten Youtube-Videos sehen).
Für Vorwürfe sexueller Belästigung gelten offenbar auch keine Verjährungsfristen. Natürlich kann ein Gang an die Öffentlichkeit manchen Opfern auch nach Jahrzehnten noch helfen, so etwa bei Scheusal Klaus Kinskis Tochter Pola. Anderseits ist es nach langer Zeit sehr schwer, die tatsächliche Beweislage zu beurteilen. Rassistische und antisemitische Tiraden werden offenbar leichter verziehen, denn Mel Gibson gelang mit seinem neuesten (und wieder stumpf-religösen) Machwerk Hacksaw Ridge (einer der ärgerlichsten Filme des Jahres) die Rückkehr in die Gunst seiner Kollegen. Geld ist halt doch der wahre Gott Hollywoods.
Dafür wird immer wieder der Fall Roman Polanski aufgewärmt. Dabei hat er mit der aktuellen Debatte nur wenig zu tun, und die Sachlage ist klar. Er hat vor vierzig Jahren eine 13jährige ("fast 14jährige") vergewaltigt, und zwar nicht nur als "Statutory Rape", der bei Geschlechtsverkehr mit Kindern immer angenommen wird. Er hat das Mädchen eindeutig zum Sex gezwungen (und sicher seine Machtposition gegenüber dem jungen Fotomodell ausgenutzt). Dafür hätte man ihn für zehn Jahre ins Gefängnis stecken sollen, so traurig der Verlust für die Filmwelt auch gewesen wäre. Er hat sich den juristischen Konsequenzen aber entzogen. Dass das Opfer ihm vergeben hat, ändert nichts an den Tatsachen, und echte Reue kann ich bei ihm nicht erkennen. Er ist einfach ein scheusslicher Mensch, der trotzdem fabelhafte Filme gemacht hat. Trotzdem ist er nicht pädophil, sondern einfach ein Arschloch. Schon Charlie Chaplin und Errol Flynn hatten eine unangenehme Vorliebe für junge Teenager-Mädchen. Das ist keine Pädophilie, sondern moralische Schwäche und mangelnde Urteilsfähigkeit.
In den gleichen Topf wird gern Woody Allen geworfen, der (unbestritten) eine Beziehung mit der jungen (aber bereits 21jährigen) Stieftochter seiner damaligen Lebensgefährtin Mia Farrow einging, Das ist moralisch zweifelhaft, aber weder strafrechtlich relevant noch selten. Man muss wissen, dass Woody Allen nie mit Mia Farrow zusammengelebt hatte, er war immer nur Gast bei ihren (großenteils adoptierten) Kindern. Ich halte es für heuchlerisch, solche Fälle pauschal zu verurteilen. Es kommt immer auf den Einzelfall an, und nach allem, was wir wissen, feiern Soon-Yi Previn und Woody Allen im Dezember den 20. Jahrestag einer glücklichen Ehe, mit zwei eigenen Adoptivtöchtern. Diese Situation erschwert es aber, objektiv die Vorwürfe zu beurteilen, er habe damals seine siebenjährige Adoptivtocher Dylan missbraucht. Damals wurde bei einer gerichtlichen Untersuchung keinerlei Indiz gefunden. Die zugezogenen Kinderpsychologen kamen zu dem Schluss, dass die Erinnerungen der Tochter von der Mutter Mia Farrow eingepflanzt worden waren. Für die erwachsene Dylan ist dieses Trauma so oder so eine Tragödie. Ich kann verstehen, dass sie die Erinnerungen für real hält, aber es ist nachgewiesen, dass wir bei frühen Kindheitserinnerungen nicht immer zwischen "echten" und anhand von Erzählungen "nachgebauten" Erinnerungen unterscheiden können, Inzwischen hat sich Dylans Bruder Moses auf die Seite seines Vaters geschlagen und schildert unangenehme private Seiten seiner Mutter. Für mich bedeutet das vor allem, dass ich die Freude an den Darstellungen von Mia Farrow verloren habe, vor allem bei Hannah und ihre Schwestern, einem meiner Lieblingsfilme von Woody, ausgerechnet seine Liebeserklärung an Mia Farrows mütterliche Wärme.
Das Internet-Publikum ist in seiner Gesamtheit noch ein paar Grade dümmer als die Menschheit an sich, die ja schon in jämmerlicher Weise auf den eigenen Untergang (und vor allem den Untergang der weltweiten Zivilisation) hinsteuert. Daher glaube ich nicht, dass die aktuelle Debatte grundsätzliche Änderungen bewirken wird. Einige Auswüchse werden abgestellt, aber das System bleibt bestehen. Den Menschen kann man halt nicht ändern, und die Evolution ist einfach zu langsam, um dieser Spezie eine Zukunft zu ermöglichen.
Bei den ersten Berichten über das Fehlverhalten von Kevin Spacey war ich daher noch versucht, ihn innerlich zu verteidigen. Unzählige Menschen sind schon auf Partys von Betrunkenen bedrängt worden. Es ist unrealistisch, solches Verhalten ausmerzen zu wollen. Natürlich hat ein 15jähriger nichts auf einer alkoholseligen Erwachsenenparty zu suchen, darf schon gar nicht als letzter Gast zurückbleiben. Das entschuldigt Spaceys Verhalten zwar nicht. Aber kein amerikanisches Gericht hätte aufgrund der Geschehnisse Anklage erhoben. Die Annahme, dass ein solches Erlebnis den jungen Mann fürs Leben traumatisiert hat, ist eine Beleidigung für alle Opfer sexueller Gewalt. Die Veröffentlichung dieses Berichts 30 Jahre später weckt in mir die Vermutung, dass ein Therapeut diese Erinnerung ausgegraben und verstärkt hat und nun alle persönlichen Probleme des Patienten darauf zu reduzieren sucht.
Leider hat sich anhand von zahlreichen Zeugenaussagen nun herausgestellt, dass das Verhalten des damals 26jährigen Theaterschauspielers Spacey kein Ausrutscher war, sondern sich systematisch wiederholte und verstärkte. Viel deutlicher als im Fall von Harvey Weinstein, der ja auch nach außen als unangenehmer Zeitgenosse bekannt war, zeigt der Fall Spacey, welche üblen Verhältnisse hinter den Kulissen der Traumfabrik herrschen. Und leider ist dies nur ein Spiegelbild der übrigen Geschäftswelt. Verstärktes Echo fand der Fall dann noch wegen Spaceys schwammigen Aussagen zu seiner sexuellen Identität. Die amerikanische LGBT-Community hat zwar ideologisch verknöcherte Vorstellungen, wie ein Coming Out vonstatten zu gehen hat, aber in diesem Fall muss ich zustimmen, dass Spacey sich auch in dieser Hinsicht sehr ungeschickt verhalten hat. Schließlich war das spätestens mit seinem Bobby-Darin-Muscial Beyond the Sea ein offenes Geheimnis. Hätte es wirklich solch einen Karriereknick für ihn bedeutet, sich zu diesem Zeitpunkt als schwul zu outen?
Der eigentliche Skandal ist, dass die Studios Kevin Spacey nun fallenlassen, weil er ein Imageproblem darstellt, nicht etwa weil er seine Machtposition ausnutzte und eine giftige Atmosphäre beim Dreh erzeugte. Bei House of Cards etwa war er von Beginn an nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produzent und damit Chef. Hat wirklich keiner seiner Co-Produzenten und Regisseure etwas gemerkt? Sein Kollege Jon Bernthal berichtet nun im nachhinein von den Dreharbeiten zu Baby Driver, dass er vom Verhalten seines Idols Spacey enttäuscht gewesen sei. "Wenn das Opfer eine Frau gewesen wäre, hätte ich etwas gesagt." Es ist leider inhärent sexistisch anzunehmen, dass sich Männer gegen Belästigung selbst wehren können. Es geht gar nicht ums Geschlecht, sondern um das Machtgefälle, in dem Nebendarsteller Bernthal im Verhältnis zum zweifachen Oscar-Preisträger auch nur ein kleines Rädchen war. Daher kann ich es auch Robin Wright, Co-Star in House of Cards, nicht übelnehmen, dass sie nicht gegengesteuert hat. Sie hat sich zwar als eine von wenigen Frauen schließlich einen Titel als Executive Producer erkämpft (unter der Produzentenkategorie listet die IMDB mehr als 30 Personen), sie konnte aber trotz ihrer gewachsenen Popularität nicht einmal ihre Forderung nach gleichem Gehalt durchsetzen.
Was Kevin Spacey betrifft, so ist seine Karriere nun beendet, egal ob die Vergewaltigungsvorwürfe zu strafrechlichen Konsequenzen führen. Das heißt nicht, dass man nun seine bisherigen darstellerischen Leistungen geringer schätzen oder gar verteufeln muss. Möglich, dass er deshalb so überzeugend in der Rolle von aalglatten Schurken war, weil er den soziopathischen Teil seiner Persönlichkeit einbringen konnte. Aber hier muss die Trennung von Werk und Künstler gelten. American Beauty bleibt für mich eines der prägenden Werke der 90er, Die üblichen Verdächtigen und L.A. Confidential sind immer noch tolle Thriller. Wir sehen ohnehin nur die Spitze des Eisbergs, und es wäre scheinheilig, nun Filme nur aufgrund der Beteiligung einer zwielichtigen Person zu boykottieren. Schließlich haben wir auch heute noch Spaß an der Nackte-Kanone-Trilogie, trotz des verurteilten Gewaltverbrechers und offenkundigen Mörders O.J. Simpson in der Rolle des Co-Deppen Nordberg. Anders kann es sein, wenn die fragwürdige Weltanschauung der Regisseure oder Hauptdarsteller ins Werk einsickern. So schmecken mir heute so manche John-Wayne-Filme nicht, etwa der weltberühmte Ford-Western Der schwarze Falke/The Searchers (andere sehe ich immer noch gern, etwa Der Sieger/The Quiet Man).
Die Kehrseite der an sich begrüßenswerten aktuellen Debatte ist allerdings die Gefahr einer Hexenjagd (wovor ungeschickterweise Woody Allen warnte - mehr dazu später). Es entsteht auch eine unangenehme Arbeitsatmosphäre, wenn jede Bemerkung und jede Interaktion auf die Goldwaage gelegt wird. Das erkennt man am besten im Fall Dustin Hoffman. Wer ihn jemals in Talkshows erlebt hat (etwa Letterman oder Leno, mit einer herrlichen De-Niro-Imitation), weiss, dass er einen recht derben Humor hat, der sicher nicht allen gefällt. Auch am Set spielt er gern den Clown, und in diesem Kontext (und nachdem ihn u.a. der damalige Regisseur Volker Schlöndorff in Schutz genommen hat) muss man die Aussagen der damals 17jährigen Praktikantin betrachten, die sich von ihm belästigt fühlte. Hoffman hat sich nun bei ihr entschuldigt, aber es handelte sich definitiv nicht um Machtmissbrauch, sondern die junge Frau ist einfach mit seiner Art nicht klargekommen. Mehr als Unsensibilität kann man Hoffman nicht vorwerfen. Der gerade 80 gewordene zweifache Oscar-Preisträger muss sich zwar keine Sorgen um ein Karriereende machen, aber der Vorwurf der sexuellen Belästigung wird ihm nun noch lange anhängen (das kann man auch an den Kommentaren bei den referenzierten Youtube-Videos sehen).
Für Vorwürfe sexueller Belästigung gelten offenbar auch keine Verjährungsfristen. Natürlich kann ein Gang an die Öffentlichkeit manchen Opfern auch nach Jahrzehnten noch helfen, so etwa bei Scheusal Klaus Kinskis Tochter Pola. Anderseits ist es nach langer Zeit sehr schwer, die tatsächliche Beweislage zu beurteilen. Rassistische und antisemitische Tiraden werden offenbar leichter verziehen, denn Mel Gibson gelang mit seinem neuesten (und wieder stumpf-religösen) Machwerk Hacksaw Ridge (einer der ärgerlichsten Filme des Jahres) die Rückkehr in die Gunst seiner Kollegen. Geld ist halt doch der wahre Gott Hollywoods.
Dafür wird immer wieder der Fall Roman Polanski aufgewärmt. Dabei hat er mit der aktuellen Debatte nur wenig zu tun, und die Sachlage ist klar. Er hat vor vierzig Jahren eine 13jährige ("fast 14jährige") vergewaltigt, und zwar nicht nur als "Statutory Rape", der bei Geschlechtsverkehr mit Kindern immer angenommen wird. Er hat das Mädchen eindeutig zum Sex gezwungen (und sicher seine Machtposition gegenüber dem jungen Fotomodell ausgenutzt). Dafür hätte man ihn für zehn Jahre ins Gefängnis stecken sollen, so traurig der Verlust für die Filmwelt auch gewesen wäre. Er hat sich den juristischen Konsequenzen aber entzogen. Dass das Opfer ihm vergeben hat, ändert nichts an den Tatsachen, und echte Reue kann ich bei ihm nicht erkennen. Er ist einfach ein scheusslicher Mensch, der trotzdem fabelhafte Filme gemacht hat. Trotzdem ist er nicht pädophil, sondern einfach ein Arschloch. Schon Charlie Chaplin und Errol Flynn hatten eine unangenehme Vorliebe für junge Teenager-Mädchen. Das ist keine Pädophilie, sondern moralische Schwäche und mangelnde Urteilsfähigkeit.
In den gleichen Topf wird gern Woody Allen geworfen, der (unbestritten) eine Beziehung mit der jungen (aber bereits 21jährigen) Stieftochter seiner damaligen Lebensgefährtin Mia Farrow einging, Das ist moralisch zweifelhaft, aber weder strafrechtlich relevant noch selten. Man muss wissen, dass Woody Allen nie mit Mia Farrow zusammengelebt hatte, er war immer nur Gast bei ihren (großenteils adoptierten) Kindern. Ich halte es für heuchlerisch, solche Fälle pauschal zu verurteilen. Es kommt immer auf den Einzelfall an, und nach allem, was wir wissen, feiern Soon-Yi Previn und Woody Allen im Dezember den 20. Jahrestag einer glücklichen Ehe, mit zwei eigenen Adoptivtöchtern. Diese Situation erschwert es aber, objektiv die Vorwürfe zu beurteilen, er habe damals seine siebenjährige Adoptivtocher Dylan missbraucht. Damals wurde bei einer gerichtlichen Untersuchung keinerlei Indiz gefunden. Die zugezogenen Kinderpsychologen kamen zu dem Schluss, dass die Erinnerungen der Tochter von der Mutter Mia Farrow eingepflanzt worden waren. Für die erwachsene Dylan ist dieses Trauma so oder so eine Tragödie. Ich kann verstehen, dass sie die Erinnerungen für real hält, aber es ist nachgewiesen, dass wir bei frühen Kindheitserinnerungen nicht immer zwischen "echten" und anhand von Erzählungen "nachgebauten" Erinnerungen unterscheiden können, Inzwischen hat sich Dylans Bruder Moses auf die Seite seines Vaters geschlagen und schildert unangenehme private Seiten seiner Mutter. Für mich bedeutet das vor allem, dass ich die Freude an den Darstellungen von Mia Farrow verloren habe, vor allem bei Hannah und ihre Schwestern, einem meiner Lieblingsfilme von Woody, ausgerechnet seine Liebeserklärung an Mia Farrows mütterliche Wärme.
Das Internet-Publikum ist in seiner Gesamtheit noch ein paar Grade dümmer als die Menschheit an sich, die ja schon in jämmerlicher Weise auf den eigenen Untergang (und vor allem den Untergang der weltweiten Zivilisation) hinsteuert. Daher glaube ich nicht, dass die aktuelle Debatte grundsätzliche Änderungen bewirken wird. Einige Auswüchse werden abgestellt, aber das System bleibt bestehen. Den Menschen kann man halt nicht ändern, und die Evolution ist einfach zu langsam, um dieser Spezie eine Zukunft zu ermöglichen.
Klassische Rezension: American Beauty (Sam Mendes, 1999)
Selten nur wagt man es direkt nach einem Kinobesuch, von einem Meisterwerk zu sprechen. Oft muß man einen Film ein zweites Mal sehen, bevor man ihn wirklich einzuschätzen weiß. Aber hier gab es keine Zweifel, hier war unmittelbar zu spüren, daß Kinogeschichte geschrieben worden war. Trotz Schindlers Liste, trotz Pulp Fiction, trotz Das Leben ist schön: Dies ist für mich der beste Film der 90er. Umso erstaunlicher, daß dieser Film das "Amerikanisch" sogar im Titel trägt, nachdem zuvor zweimal in Folge ein Italiener den für mich besten Film des Jahres abgeliefert hat (Benignis Das Leben ist schön und Tornatores Die Legende vom Ozeanpianisten). Und da Kritik und Publikum sich selten derart einig waren, braucht man eigentlich nicht viel mehr Worte zu verlieren. Ein Glücksfall von Drehbuch, ein Theaterregisseur in seinem Kinodebüt, der erstaunlich cineastisch inszenieren kann, und sensationelle Darsteller wirkten zusammen, um dies zu ermöglichen. Und treibende Kraft war wieder einmal Steven Spielberg, dessen Produktionsfirma Dreamworks das Projekt anging; damit ist dies quasi das dritte Meisterwerk der 90er, für das er verantwortlich zeichnet (nach seinen eigenen Filmen Schindlers Liste und Der Soldat James Ryan).
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Nach solch abstraktem Lob trotzdem ein paar Bemerkungen zum Film selbst: American Beauty ist ein vielschichtiges Werk, dem es gelingt, Zugang zu den verschiedensten Zuschauern zu finden. Es ist höchst philosophisch, ohne sich aufzudrängen. Es ist unmoralisch, aber zutiefst ethisch (nicht das gesellschafliche Tabu bewegt Lester Burnham , die Verführung der Freundin seiner Tochter abzubrechen, sondern die Erkenntnis ihrer Unschuld). Es fordert Toleranz nicht nur für Schwule, sondern auch für Menschen, die Angst vor Homosexualität haben. Es zeigt eine (nicht nur amerikanische) Schönheit des Lebens, die selbst einer Plastiktüte im Wind anhaften kann. Es ist komisch, ohne jemals der Albernheit zu verfallen. Es zeichnet Menschen, die es so nicht gibt, in denen sich aber jeder wiedererkennen kann, der es nur genug versucht. Und es illustriert den Zerfall einer Gesellschaft, die auf Lügen und falschen Idealen gebaut ist.
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Nach solch abstraktem Lob trotzdem ein paar Bemerkungen zum Film selbst: American Beauty ist ein vielschichtiges Werk, dem es gelingt, Zugang zu den verschiedensten Zuschauern zu finden. Es ist höchst philosophisch, ohne sich aufzudrängen. Es ist unmoralisch, aber zutiefst ethisch (nicht das gesellschafliche Tabu bewegt Lester Burnham , die Verführung der Freundin seiner Tochter abzubrechen, sondern die Erkenntnis ihrer Unschuld). Es fordert Toleranz nicht nur für Schwule, sondern auch für Menschen, die Angst vor Homosexualität haben. Es zeigt eine (nicht nur amerikanische) Schönheit des Lebens, die selbst einer Plastiktüte im Wind anhaften kann. Es ist komisch, ohne jemals der Albernheit zu verfallen. Es zeichnet Menschen, die es so nicht gibt, in denen sich aber jeder wiedererkennen kann, der es nur genug versucht. Und es illustriert den Zerfall einer Gesellschaft, die auf Lügen und falschen Idealen gebaut ist.
Mittwoch, 1. November 2017
Thöricht: Ragnarök (8/10)
Thor war noch nie der plausibelste Avenger. Genaugenommen zwar kein Gott (wie Phil Coulson nicht müde wird zu erklären), entstammen er und seine dysfunktionale Familie doch der nordischen Mythologie und nicht der Welt der Comic-Wissenschaft. Hulk und Spiderman verdanken ihre Kräfte "radioaktiven Experimenten", Captain America wurde dank eines Drogencocktails zum Superman, Ant Man kann sich mittels einer raffinierten Erfindung verkleinern (und vergrößern), und Iron Man verwandelt seine Dollars mit viel Ingenieurskunst in Heldentum. Thor dagegen - fällt einfach vom Himmel. Er besitzt nicht nur den überlegenen Körper eines Asgardiers, sondern kann je nach Handlungsbedarf beliebige geheimnisvolle Kräfte eines Donnergotts manifestieren. Mehr Mysterium hat eigentlich nur Dr. Strange zu bieten (der Auftritt von Benedict Cumberbatch beschränkt sich hier leider auf eine Erweiterung des bereits bekannten Teasers).
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Daher konnte man Thor noch nie so recht ernst nehmen, auch wenn Shakespeare-Spezialist Kenneth Branagh beim Debut sein bestes gab. Außer (gerade in 3D spektakulären) Schauwerten, einer amüsanten Fish-Out-Of-Water-Geschichte ("Bringt mir ein Pferd!) und einer mauen Romanze kam dabei aber nichts überragendes heraus. Sogar Anthony Hopkins als Odin wirkte hölzern. Gerettet hat das Unterfangen schließlich ein Nebendarsteller, an sich als Wegwerfbösewicht konzipiert. Tom Hiddleston machte Loki zum Star der Neun Welten, und Loki Tom Hiddleston zum Starschurken des Marvel-Universums. In der Fortsetzung unter der Leitung von GoT-Kämpe Alan Taylor kam es dann zum gleichberechtigten Schlagabtausch der Brüder, in einer rasanten Action- und Effektorgie, an der ich viel Freude hatte. Während die Hauptfiguren ihren Leidensweg gingen, sorgten einige Nebendarsteller für komische Erleichterung, allen voran Stellan Skarsgård als durchgeknallter Wissenschaftler mit Hang zum Nudismus.
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Und nun wurde der Hammer weitergereicht an den Kiwi Taika Waititi, bekannt geworden durch seine herrliche Vampir-Dokumentation Fünf Zimmer Küche Sarg ("What We Did in the Shadows"). Letztes Jahr landete er einen von Kritikern hochgelobten Arthaus-Hit mit Wo die wilden Menschen jagen, über die Freundschaft eines älteren Witwers (Sam Neill) zu seinem Teenager-Adoptivsohn. Mich hat das Abenteuer im neuseeländischen Busch tonal nicht überzeugt. Die Figurenzeichnung fand ich sehr uneben, und der Abschluss der Verfolgungsjagd war einfach nur lächerlich. Daher und auch aufgrund der Trailer war ich sehr skeptisch, ob dieses Konzept für zwei Stunden Thor aufgehen könnte.
Aber hallo! Auch wenn der Film haarscharf an der Grenze zur Albernheit balanciert, gibt es nur seltene Fehltritte. Thor: Ragnarök ist schlicht die beste Komödie des Jahres. Nun ja, abgesehen von Die Mumie ist es auch die einzige ausgesprochene Komödie, die ich dieses Jahr bisher gesehen habe. Aber trotzdem! Selten so gelacht! Oder zumindest geschmunzelt. Schließlich geht es eigentlich um den Weltuntergang, die Geschichte beginnt in der Hölle, und es wird gemetzelt und gemeuchelt, was das Zeug hält. Vielleicht passt das zum Fest Halloween, denn je mehr Menschen sich als Horrorfiguren verkleiden, desto weniger Gewicht hat der Schrecken, der diesen eigentlich innewohnt. Und das ist auch meine Hauptkritik an Ragnarök, nämlich dass die Charaktere keinerlei Tiefe mehr haben und stattdessen für jeden Witz gut sind. Anderseits ist das immer noch besser als die Pseudopsychologie von Captain America: Civil War. Alberner als jede Filmszene ist übrigens der deutsche Verleihtitel "Thor: Tag der Entscheidung". Als ob man in Europa Ragnarök übersetzen müsste (im Englischen verlor es nur den Umlaut). Und wenn schon, dann wenigstens als "Thor: Götterdämmerung". Man muss kein Wagner-Fan sein, um das zu verstehen...
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Dass Chris Hemsworth ein begnadeter Komiker sein kann, weiss man spätestens seit Ghostbusters, eigentlich bereits seit Cabin in the Woods. Auch in dieser Hinsicht funktioniert das Zusammenspiel mit Tom Hiddleston ganz gut, aber sein eigentlicher Buddy in diesem dritten Outing ist Mark Ruffalo als Bruce Banner bzw. (meist) als Hulk - ein Traumpaar (oder Trio?) Dazu gibt es wie in den meisten guten Komödien eine Vielzahl gelungener Nebenfiguren. Das beginnt mit einem besonderen Cameo, das leider so schnell vorbei ist, dass ich es selbst erst im Nachhinein identifizieren konnte (Tip: ein Bruder, ein Marsianer, ein Dinosaurierforscher). Dann ist da der Chefgladiator Korg, ein skurilles Steinwesen mit Kiwi-Akzent, das per Motion Capture vom Regisseur persönlich animiert wurde. Unter weiteren Alien-Masken verbergen sich u.a. Zachary Levi (Chuck) und Clancy Brown. Mein Favorit unter den Revengern ist allerdings Tessa Thompson als Walküre: sexy as hell (wie die Angelsachsen sagen würden), umwerfend komisch (wenn der Alkohol sie nicht selbst umwirft) und mit einer den Stars ebenbürtiger Ausstrahlung (ich bin schon gespannt, welche Rolle sie in Westworld spielt - da warte ich auf die UHD-Veröffentlichung Ende des Monats). Neben Hauptdarsteller Sam Neill taucht auch Rachel House, die furchteinflößende Sozialarbeiterin aus Wo die wilden Menschen jagen, als Assistentin des Grandmasters auf.
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Und dann sind da die Schurken, allen voran das LotR-Team Cate Blanchett und Karl Urban. Cates prominente Wangenknochen wurden von der Kostümabteilung effektvoll zu einem Geweih verlängert, ihre Todesgöttin ist eine bedrohliche Variante von Galadriel, und zumindest ihr computerisiertes Double hat beeindruckende Moves drauf. Karl Urban spielt nach Eomer auch hier wieder nur das zweite Schwert, aber manchmal ist der Wiedererkennungswert für solche Rollen am wichtigsten. Niemand wird hierfür Oscars gewinnen, aber wenn überhaupt, dann möchte ich Jeff Goldblum für diese Ehre vorschlagen. Er spielt den Grandmaster mit solcher süffisanten Raffinesse, dass ich gern noch viel mehr von ihm gesehen hätte. Er kann ja sowohl Komödie (Das lange Elend, Der Gefallen, die Uhr und der sehr große Fisch), Blockbuster (Jurassic Park, Independence Day) als auch Drama, siehe etwa einen meiner Lieblingsfilme: Der große Frust von Lawrence Kasdan (1983).
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Nicht wieder dabei ist Natalie Portman. Nicht nur, dass nicht so recht in die Handlung gepasst hätte; sie kann einfach nicht (mehr) komisch sein. Spätestens seit ihrem Oscar-Gewinn ist sie unter dem Gewicht ihrer Rollen implodiert - die Leichtigkeit ihrer Teenager-Rollen ist ihr abhanden gekommen. Auch Jaimie Alexander als würdevolle Lady Sif sucht man hier (leider) vergebens. Willkommener Rückkehrer ist allerdings Idris Elba als Heimdall, mit einer größeren Heldenrolle. Außerdem ist er ja mit seinem Schwert für das asgardische Reiseportal zuständig. Da dieses aber von feindlicher Übernahme bedroht ist, kommen nun auch etliche spannend konzipierte Raumschiffe ins Spiel. So wird auch eine Brücke geschlagen zu den Guardians of the Galaxy, die sich ja im April in Infinity War mit den Avengers zusammentun sollen (das wird wohl ein ziemliches Gedränge). Und auch wenn Thor anders als James Gunns Weltraumoperetten von einem eher herkömmlichen Score des bisher wenig bekannten TV-Komponisten Mark Mothersbaugh untermalt ist, so ist zumindest der Gebrauch des Led-Zeppelin-Klassikers Immigrant Song denkwürdig. Dessen Text beschwört passenderweise Valhalla, was aber in Robert Plants heulenden Gesang eher untergeht...
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Nun haben wir in diesem Jahr also tatsächlich eine dritte höchst spaßige Comic-Verfilmung gesehen. Ich vermute allerdings stark, dass dies der letzte Höhepunkt des Jahres bleibt. Wäre es nicht toll, wenn zumindest bei den Golden Globes Wonder Woman als bestes Drama und Thor: Ragnarök als beste Komödie ausgezeichnet würden?
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Da steh ich nun, ich armer Thor, und bin so klug als wie zuvor. Sehr gut (8/10).
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Daher konnte man Thor noch nie so recht ernst nehmen, auch wenn Shakespeare-Spezialist Kenneth Branagh beim Debut sein bestes gab. Außer (gerade in 3D spektakulären) Schauwerten, einer amüsanten Fish-Out-Of-Water-Geschichte ("Bringt mir ein Pferd!) und einer mauen Romanze kam dabei aber nichts überragendes heraus. Sogar Anthony Hopkins als Odin wirkte hölzern. Gerettet hat das Unterfangen schließlich ein Nebendarsteller, an sich als Wegwerfbösewicht konzipiert. Tom Hiddleston machte Loki zum Star der Neun Welten, und Loki Tom Hiddleston zum Starschurken des Marvel-Universums. In der Fortsetzung unter der Leitung von GoT-Kämpe Alan Taylor kam es dann zum gleichberechtigten Schlagabtausch der Brüder, in einer rasanten Action- und Effektorgie, an der ich viel Freude hatte. Während die Hauptfiguren ihren Leidensweg gingen, sorgten einige Nebendarsteller für komische Erleichterung, allen voran Stellan Skarsgård als durchgeknallter Wissenschaftler mit Hang zum Nudismus.
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Und nun wurde der Hammer weitergereicht an den Kiwi Taika Waititi, bekannt geworden durch seine herrliche Vampir-Dokumentation Fünf Zimmer Küche Sarg ("What We Did in the Shadows"). Letztes Jahr landete er einen von Kritikern hochgelobten Arthaus-Hit mit Wo die wilden Menschen jagen, über die Freundschaft eines älteren Witwers (Sam Neill) zu seinem Teenager-Adoptivsohn. Mich hat das Abenteuer im neuseeländischen Busch tonal nicht überzeugt. Die Figurenzeichnung fand ich sehr uneben, und der Abschluss der Verfolgungsjagd war einfach nur lächerlich. Daher und auch aufgrund der Trailer war ich sehr skeptisch, ob dieses Konzept für zwei Stunden Thor aufgehen könnte.
Aber hallo! Auch wenn der Film haarscharf an der Grenze zur Albernheit balanciert, gibt es nur seltene Fehltritte. Thor: Ragnarök ist schlicht die beste Komödie des Jahres. Nun ja, abgesehen von Die Mumie ist es auch die einzige ausgesprochene Komödie, die ich dieses Jahr bisher gesehen habe. Aber trotzdem! Selten so gelacht! Oder zumindest geschmunzelt. Schließlich geht es eigentlich um den Weltuntergang, die Geschichte beginnt in der Hölle, und es wird gemetzelt und gemeuchelt, was das Zeug hält. Vielleicht passt das zum Fest Halloween, denn je mehr Menschen sich als Horrorfiguren verkleiden, desto weniger Gewicht hat der Schrecken, der diesen eigentlich innewohnt. Und das ist auch meine Hauptkritik an Ragnarök, nämlich dass die Charaktere keinerlei Tiefe mehr haben und stattdessen für jeden Witz gut sind. Anderseits ist das immer noch besser als die Pseudopsychologie von Captain America: Civil War. Alberner als jede Filmszene ist übrigens der deutsche Verleihtitel "Thor: Tag der Entscheidung". Als ob man in Europa Ragnarök übersetzen müsste (im Englischen verlor es nur den Umlaut). Und wenn schon, dann wenigstens als "Thor: Götterdämmerung". Man muss kein Wagner-Fan sein, um das zu verstehen...
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Dass Chris Hemsworth ein begnadeter Komiker sein kann, weiss man spätestens seit Ghostbusters, eigentlich bereits seit Cabin in the Woods. Auch in dieser Hinsicht funktioniert das Zusammenspiel mit Tom Hiddleston ganz gut, aber sein eigentlicher Buddy in diesem dritten Outing ist Mark Ruffalo als Bruce Banner bzw. (meist) als Hulk - ein Traumpaar (oder Trio?) Dazu gibt es wie in den meisten guten Komödien eine Vielzahl gelungener Nebenfiguren. Das beginnt mit einem besonderen Cameo, das leider so schnell vorbei ist, dass ich es selbst erst im Nachhinein identifizieren konnte (Tip: ein Bruder, ein Marsianer, ein Dinosaurierforscher). Dann ist da der Chefgladiator Korg, ein skurilles Steinwesen mit Kiwi-Akzent, das per Motion Capture vom Regisseur persönlich animiert wurde. Unter weiteren Alien-Masken verbergen sich u.a. Zachary Levi (Chuck) und Clancy Brown. Mein Favorit unter den Revengern ist allerdings Tessa Thompson als Walküre: sexy as hell (wie die Angelsachsen sagen würden), umwerfend komisch (wenn der Alkohol sie nicht selbst umwirft) und mit einer den Stars ebenbürtiger Ausstrahlung (ich bin schon gespannt, welche Rolle sie in Westworld spielt - da warte ich auf die UHD-Veröffentlichung Ende des Monats). Neben Hauptdarsteller Sam Neill taucht auch Rachel House, die furchteinflößende Sozialarbeiterin aus Wo die wilden Menschen jagen, als Assistentin des Grandmasters auf.
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Und dann sind da die Schurken, allen voran das LotR-Team Cate Blanchett und Karl Urban. Cates prominente Wangenknochen wurden von der Kostümabteilung effektvoll zu einem Geweih verlängert, ihre Todesgöttin ist eine bedrohliche Variante von Galadriel, und zumindest ihr computerisiertes Double hat beeindruckende Moves drauf. Karl Urban spielt nach Eomer auch hier wieder nur das zweite Schwert, aber manchmal ist der Wiedererkennungswert für solche Rollen am wichtigsten. Niemand wird hierfür Oscars gewinnen, aber wenn überhaupt, dann möchte ich Jeff Goldblum für diese Ehre vorschlagen. Er spielt den Grandmaster mit solcher süffisanten Raffinesse, dass ich gern noch viel mehr von ihm gesehen hätte. Er kann ja sowohl Komödie (Das lange Elend, Der Gefallen, die Uhr und der sehr große Fisch), Blockbuster (Jurassic Park, Independence Day) als auch Drama, siehe etwa einen meiner Lieblingsfilme: Der große Frust von Lawrence Kasdan (1983).
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Nicht wieder dabei ist Natalie Portman. Nicht nur, dass nicht so recht in die Handlung gepasst hätte; sie kann einfach nicht (mehr) komisch sein. Spätestens seit ihrem Oscar-Gewinn ist sie unter dem Gewicht ihrer Rollen implodiert - die Leichtigkeit ihrer Teenager-Rollen ist ihr abhanden gekommen. Auch Jaimie Alexander als würdevolle Lady Sif sucht man hier (leider) vergebens. Willkommener Rückkehrer ist allerdings Idris Elba als Heimdall, mit einer größeren Heldenrolle. Außerdem ist er ja mit seinem Schwert für das asgardische Reiseportal zuständig. Da dieses aber von feindlicher Übernahme bedroht ist, kommen nun auch etliche spannend konzipierte Raumschiffe ins Spiel. So wird auch eine Brücke geschlagen zu den Guardians of the Galaxy, die sich ja im April in Infinity War mit den Avengers zusammentun sollen (das wird wohl ein ziemliches Gedränge). Und auch wenn Thor anders als James Gunns Weltraumoperetten von einem eher herkömmlichen Score des bisher wenig bekannten TV-Komponisten Mark Mothersbaugh untermalt ist, so ist zumindest der Gebrauch des Led-Zeppelin-Klassikers Immigrant Song denkwürdig. Dessen Text beschwört passenderweise Valhalla, was aber in Robert Plants heulenden Gesang eher untergeht...
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Nun haben wir in diesem Jahr also tatsächlich eine dritte höchst spaßige Comic-Verfilmung gesehen. Ich vermute allerdings stark, dass dies der letzte Höhepunkt des Jahres bleibt. Wäre es nicht toll, wenn zumindest bei den Golden Globes Wonder Woman als bestes Drama und Thor: Ragnarök als beste Komödie ausgezeichnet würden?
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Da steh ich nun, ich armer Thor, und bin so klug als wie zuvor. Sehr gut (8/10).
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