Jean-Pierre Jeunet wurde 1991 mit seiner phantastisch-bizarren schwarzen Komödie Delicatessen in Arthouse-Kreisen bekannt, damals noch mit seinem Partner Marc Caro. Dieser Endzeitfilm führte neben dem weniger gelungenen Nachfolger Die Stadt der verlorenen Kinder zu seinem ersten in Englisch gedrehten Werk, nämlich Alien - Die Wiedergeburt (1997). Jener vierte und letzte Beitrag zur Saga (mit Winona Ryder als Androidin) gefiel mir persönlich sehr gut, hatte aber ansonsten eher durchwachsene Kritiken. Jeunet erholte sich davon aber, und vier Jahre später landete er mit Die fabelhafte Welt der Amélie einen wunderbaren Welterfolg, dessen Rezept er seitdem ein wenig hinterherzurennen scheint.
So scheint es mir auch in seinem erst dritten englischsprachigen Film, Die Karte meiner Träume (der Originaltitel bedeutet eigentlich "Der junge und erstaunliche T.S. Spivet"): Der hochbegabte 10jährige Titelheld lebt mit seinen Eltern, einer Insektenforscherin (Helena Bonham Carter) und einem Cowboy-Nostalgiker (Callum Keith Rennie, Lew Ashby aus Californication), auf einer Ranch in Montana. Als er den Baird Award des Washingtoner Smithsonian Museums für das Modell eines Perpetuum Mobile gewinnt, macht er sich auf eigene Faust auf den Weg zur Preisverleihung, mit einem riesigen Koffer und noch mehr mentalem Ballast.
Die Buchvorlage des New Yorkers Reif Larsen, offenbar an das Tagebuch des jungen Protagonisten angelehnt mit vielen Zeichnungen und Karten angereichert, kommt Jeunets verschrobenen visuellem Stil tatsächlich entgegen, und die (überzeugend dreidimensionalen) Bilder machen die Verfilmung auch sehenswert. Darüber hinaus fehlt dem Ganzen aber ein wenig der magische rote Faden. Vielleicht wäre einfach nur ein wenig mehr Verrücktheit angebracht gewesen. So wirkt das Resultat fast bieder, zwar mit etlichen herrlichen Szenen (eine der besten davon mit Delicatessen-Star Dominique Pinon als Hobo), aber auch einigem Leerlauf. Und natürlich kann kein zehnjähriger Hauptdarsteller an den Charme einer Audrey Tautou heranreichen...
Gut (7/10).
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Sonntag, 20. Juli 2014
Hugo-nominiert: Neptune's Brood (Charles Stross)
Charles Stross ist der Mann mit den großen Ideen in der Science Fiction der letzten zwei Dekaden. Leider gelingt es ihm mit seinem jüngsten Roman wiederholt nicht, diese in eine wohlkonstruierten Handlung einzubetten und mit überzeugenden Figuren zu vermitteln. Stross schöpft aus einem riesigen Wortschatz (ein oft unnötiges Ärgernis, wenn man einen superseltenen Begriff nachschlagen muß) und baut wohlfeile, knifflig verschachtelte Sätze, aber Spannungsaufbau gehört nicht zu seinen Stärken, während sein Humor mehr Pointen vertragen könnte.
Neptune's Brood spielt in einer Zukunft, in der die Menschen weitgehend ausgestorben sind, ihre Zivilisation aber in Form von sehr menschenähnlichen Androiden fortgeführt wird. Stross entwirft (und erläutert dieses in handlungsunterbrechenden Passagen) ein Banken- und Wirtschaftssystem der Zukunft. Zur Finanzierung der Kolonisation Lichtjahre entfernter Systeme durch Raumschiffe mit nur gering-relativistischen Geschwindigkeiten hat sich ein Kreditsystem des "langsamen Geldes" etabliert, das auf Kommunikation mit Lichtgeschwindigkeit basiert. Es können auch komplette Androiden-Persönlichkeiten von System zu System "gebeamt" werden, die dann in den "Seelenchips" neu geschaffener Körper wieder zum Leben erweckt werden.
Auf diese Weise reist auch die Hauptfigur (und Ich-Erzählerin) "Krina Buchhaltung Historiker Alizond-114" (nicht übersetzt) auf der Suche nach ihrer Schwester Ana, bevor sie für die letzte Etappe auf dem Schiff einer Kirche der Fragilen anheuert, die ihre heilige Pflicht in der Wiederansiedlung von fleischlichen Menschen sieht. Krina wird von Piraten (der Unterart Versicherungsagenten) abgefangen, dann auf einer Wasserwelt entführt und in eine Meerjungfrau gewandelt, bevor sie endlich mit ihrer Schwester einen gigantischen Ponzi-Trick aufklärt. Das ist alles recht amüsant, aber doch auch belanglos. Krina gewinnt nicht so recht an Format, auch ihr Geschlecht scheint beliebig, und zum Schluß erscheinen alle Motivationen durch einen Twist nochmals in neuem Licht - frustrierend, wenn man bis dahin versucht hat, die komplexen Hintergründe nachzuvollziehen.
Auch außerhalb der gelungenen Laundry-Reihe hat Stross schon bessere Romane geschrieben. So wird es wohl auch dieses Jahr nichts mit dem Hugo in der Königskategorie.
Neptune's Brood spielt in einer Zukunft, in der die Menschen weitgehend ausgestorben sind, ihre Zivilisation aber in Form von sehr menschenähnlichen Androiden fortgeführt wird. Stross entwirft (und erläutert dieses in handlungsunterbrechenden Passagen) ein Banken- und Wirtschaftssystem der Zukunft. Zur Finanzierung der Kolonisation Lichtjahre entfernter Systeme durch Raumschiffe mit nur gering-relativistischen Geschwindigkeiten hat sich ein Kreditsystem des "langsamen Geldes" etabliert, das auf Kommunikation mit Lichtgeschwindigkeit basiert. Es können auch komplette Androiden-Persönlichkeiten von System zu System "gebeamt" werden, die dann in den "Seelenchips" neu geschaffener Körper wieder zum Leben erweckt werden.
Auf diese Weise reist auch die Hauptfigur (und Ich-Erzählerin) "Krina Buchhaltung Historiker Alizond-114" (nicht übersetzt) auf der Suche nach ihrer Schwester Ana, bevor sie für die letzte Etappe auf dem Schiff einer Kirche der Fragilen anheuert, die ihre heilige Pflicht in der Wiederansiedlung von fleischlichen Menschen sieht. Krina wird von Piraten (der Unterart Versicherungsagenten) abgefangen, dann auf einer Wasserwelt entführt und in eine Meerjungfrau gewandelt, bevor sie endlich mit ihrer Schwester einen gigantischen Ponzi-Trick aufklärt. Das ist alles recht amüsant, aber doch auch belanglos. Krina gewinnt nicht so recht an Format, auch ihr Geschlecht scheint beliebig, und zum Schluß erscheinen alle Motivationen durch einen Twist nochmals in neuem Licht - frustrierend, wenn man bis dahin versucht hat, die komplexen Hintergründe nachzuvollziehen.
Auch außerhalb der gelungenen Laundry-Reihe hat Stross schon bessere Romane geschrieben. So wird es wohl auch dieses Jahr nichts mit dem Hugo in der Königskategorie.
Sonntag, 13. Juli 2014
Die Hugo-nominierten Kurzromane
Die nominierten Novellen des Jahres sind alle von ähnlicher Länge (ca. 100 Seiten) und spiegeln wohl recht gut die Vielfalt des Genres. In aufsteigender Wertungsreihenfolge gelistet:
Dies ist ein Beitrag zur weitverbreiteten Sword-and-Sorcery-Fantasy, nicht wirklich schmerzhaft, aber auch nicht von besonderem Interesse. Figuren, magische Elemente und soziale Gegebenheiten aus dem Baukasten.
Dies ist Catherynne Valentes zweiter nominierter Kurzroman in Folge. 2010 war ihr Roman "Palimpsest" nominiert, der mir nach wenigen Jahren schon komplett aus dem Gedächtnis gefallen ist (das war allerdings ein Jahrgang, in dem mich keiner der Kandidaten angesprochen hatte). Mit ihrem Revolver-Schneewittchen amerikanisiert die 35jährige das Grimm'sche Märchen. Schneewittchen ist nun die Tochter einer Indianerin und eines Geschäftsmannes im ausgehenden 19. Jahrhundert, und der Spiegel der Stiefmutter ist eher ein Verwandter von Dorian Grays Gemälde. Das ist nicht langweilig, aber recht versponnen und gegen Ende ziemlich ziellos erzählt.
Der Brite Charles Stross, Jahrgang 1964, ist ein unbestrittener Star der Science-Fiction-Szene. Zwei seiner Novellen gewannen den Hugo, sieben seiner Romane waren (innerhalb von zehn Jahren!) nominiert, allerdings gehört sein Beitrag auch dieses Jahr nicht zu den Favoriten. Seine Werke würde ich aufteilen in populäre Unterhaltung und anspruchsvollere Versuche. Zur zweiten Kategorie gehören die meisten seiner nominierten Romane, zur ersten die (etwa ab der Hälfte leider enttäuschenden) Merchant-Princes-Reihe und die humoristischen "Laundry"-Erzählungen, zu der auch diese Novelle zählt. Charles Stross ist ein mit ungemeinem Sprachwitz begabter Vielschreiber, mit einer durchwachsenen Menge von Veröffentlichungen. Die Laundry Files sind seine britischsten Werke, mit einem Anklang von Douglas Adams, allerdings mit schlüssigeren Handlungsstrukturen und gelegentlich selbstverliebter Geistreichheit. Sie funktionieren als Abenteuer wie als Satire auf die britische Behördenmentalität.
Die "Laundry" ist eine geheime britische Behörde, die Magie, Dämonenbeschwörung und weitere potentiell apokalyptische Praktiken reguliert. In dieser leicht alternativen Welt hat sich herausgestellt, daß höhere Mathematik und Computeralgorithmen ab einer gewissen Komplexität gefährliche Nebenwirkungen haben können. Entsprechend begabte Personen werden zu ihrer eigenen und zur nationalen Sicherheit aus dem Verkehr gezogen. So auch Bob Howard, nun in der Laundry offiziell zuständig für die Serveradministration, aber eigentlich ein Spezialist für Außeneinsätze, wo er sich - oft nur mit einer Hasenpfote, einem jPhone und seinem Verstand bewaffnet - mit psychopathischen Zauberern, fehlgeleiteten Hackern und freigesetzten Dämonen herumschlägt. Sein geheimes Tagebuch, das Charles Stross seit 2004 in Auszügen veröffentlicht, ist natürlich durch ein mächtiges Geas geschützt, das Unbefugte vom Lesen abhalten soll. Schließlich würde die Welt in Panik ausbrechen, sollte das Ausmaß der durch die moderne Computertechnik freigesetzten magischen Kräfte und das Nahen des Nightmare Case Green öffentlich werden.
Equoid ist ein minderer Beitrag zur Reihe, in der ersten Hälfte amüsant, in der zweiten spannend. Es geht um Einhorne, die allerdings mit dem Mythos nicht mehr viel gemeinsam haben. Ist daher nicht für Kinder geeignet, denn eine Begegnung mit einem Stross'schen Einhorn kann sehr blutig enden.
Nach Torgersen eindimensionalen Kurzgeschichte war ich nicht so recht auf eine solch komplexe Novelle vorbereitet. Spriritualität, abstrahiert von konkreten Religionen, dient in diesem überzeugenden Kurzroman als Brücke zwischen Menschen und Aliens und schließlich sogar als Friedensbringer. Der Ich-Erzähler Harrison Barlow, der (atheistische) "Assistent des Kaplans", hatte vor 20 Jahren de facto eigenhändig die Vernichtung der Menschheit durch eine technisch weit überlegene Insektenrasse gestoppt, indem er bei den "Käfer"-Wissenschaftlern ein Interesse an der Erforschung menschlicher Religionen erwecken konnte (die Ähnlichkeit der Aliens mit den Bugs aus Starship Troopers scheint mir gewollt). Nun neigt sich der Waffenstillstand seinem Ende zu. Trotz fieberhafter Versuche, technologisch mit dem Gegner aufzuschließen, scheint der Untergang der Menschheit nur noch eine Frage der Zeit. Plötzlich findet sich Barlow mit einer menschlichen Offizierin sowie einem Wissenschaftler und einer einflußreichen Königin der Insektoiden auf einem unwirtlichen Planeten gestrandet wieder. Gemeinsam kämpfen sie ums Überleben und gewinnen gleichzeitig Respekt füreinander. Das ist allerdings deutlich vielschichtiger angelegt als Wolfgang Petersens betulicher Genrefilm Enemy Mine.
Von zwei Gelegenheitsautoren kommt dieses tolle, sich über drei Generationen erstreckende Erzählung, die allerdings keinem phantastischen Genre zuzuordnen ist, sondern sich vor dem Hintergrund der Entstehung zweier Fantasy-Filme entwickelt. Wakulla Springs ist ein Resort in Nord-Florida mit einer tiefen Lagune und einem fast urzeitlichen Dschungel. Die Geschichte beginnt 1941, als hier Szenen zum fünften Tarzan-Film mit Johnny Weissmueller gedreht werden. Der zweite Teil setzt 1953 an, mit dem Dreh von Der Schrecken vom Amazonas ("The Creature from the Black Lagoon"), dem ersten (übrigens auch heute noch beeindruckenden) 3D-Film mit Unterwasseraufnahmen. Nach Weissmueller begegnet man hier dem Schwimmstar Ricou Browning als "Titelheld". Inhaltlich geht es aber eher um die Entwicklung der Bürgerrechte amerikanischer Farbiger bis in die heutige Zeit. Zwischendrin gibt es ein bizarres Interview mit dem heimlichen Tarzan-Star Cheetah.
The Butcher of Khardov (Dan Wells)
Dies ist ein Beitrag zur weitverbreiteten Sword-and-Sorcery-Fantasy, nicht wirklich schmerzhaft, aber auch nicht von besonderem Interesse. Figuren, magische Elemente und soziale Gegebenheiten aus dem Baukasten.
Six-Gun Snow-White (Catherynne M. Valente)
Dies ist Catherynne Valentes zweiter nominierter Kurzroman in Folge. 2010 war ihr Roman "Palimpsest" nominiert, der mir nach wenigen Jahren schon komplett aus dem Gedächtnis gefallen ist (das war allerdings ein Jahrgang, in dem mich keiner der Kandidaten angesprochen hatte). Mit ihrem Revolver-Schneewittchen amerikanisiert die 35jährige das Grimm'sche Märchen. Schneewittchen ist nun die Tochter einer Indianerin und eines Geschäftsmannes im ausgehenden 19. Jahrhundert, und der Spiegel der Stiefmutter ist eher ein Verwandter von Dorian Grays Gemälde. Das ist nicht langweilig, aber recht versponnen und gegen Ende ziemlich ziellos erzählt.
Equoid (Charles Stross)
Der Brite Charles Stross, Jahrgang 1964, ist ein unbestrittener Star der Science-Fiction-Szene. Zwei seiner Novellen gewannen den Hugo, sieben seiner Romane waren (innerhalb von zehn Jahren!) nominiert, allerdings gehört sein Beitrag auch dieses Jahr nicht zu den Favoriten. Seine Werke würde ich aufteilen in populäre Unterhaltung und anspruchsvollere Versuche. Zur zweiten Kategorie gehören die meisten seiner nominierten Romane, zur ersten die (etwa ab der Hälfte leider enttäuschenden) Merchant-Princes-Reihe und die humoristischen "Laundry"-Erzählungen, zu der auch diese Novelle zählt. Charles Stross ist ein mit ungemeinem Sprachwitz begabter Vielschreiber, mit einer durchwachsenen Menge von Veröffentlichungen. Die Laundry Files sind seine britischsten Werke, mit einem Anklang von Douglas Adams, allerdings mit schlüssigeren Handlungsstrukturen und gelegentlich selbstverliebter Geistreichheit. Sie funktionieren als Abenteuer wie als Satire auf die britische Behördenmentalität.
Die "Laundry" ist eine geheime britische Behörde, die Magie, Dämonenbeschwörung und weitere potentiell apokalyptische Praktiken reguliert. In dieser leicht alternativen Welt hat sich herausgestellt, daß höhere Mathematik und Computeralgorithmen ab einer gewissen Komplexität gefährliche Nebenwirkungen haben können. Entsprechend begabte Personen werden zu ihrer eigenen und zur nationalen Sicherheit aus dem Verkehr gezogen. So auch Bob Howard, nun in der Laundry offiziell zuständig für die Serveradministration, aber eigentlich ein Spezialist für Außeneinsätze, wo er sich - oft nur mit einer Hasenpfote, einem jPhone und seinem Verstand bewaffnet - mit psychopathischen Zauberern, fehlgeleiteten Hackern und freigesetzten Dämonen herumschlägt. Sein geheimes Tagebuch, das Charles Stross seit 2004 in Auszügen veröffentlicht, ist natürlich durch ein mächtiges Geas geschützt, das Unbefugte vom Lesen abhalten soll. Schließlich würde die Welt in Panik ausbrechen, sollte das Ausmaß der durch die moderne Computertechnik freigesetzten magischen Kräfte und das Nahen des Nightmare Case Green öffentlich werden.
Equoid ist ein minderer Beitrag zur Reihe, in der ersten Hälfte amüsant, in der zweiten spannend. Es geht um Einhorne, die allerdings mit dem Mythos nicht mehr viel gemeinsam haben. Ist daher nicht für Kinder geeignet, denn eine Begegnung mit einem Stross'schen Einhorn kann sehr blutig enden.
The Chaplain's Legacy (Brad Torgersen)
Nach Torgersen eindimensionalen Kurzgeschichte war ich nicht so recht auf eine solch komplexe Novelle vorbereitet. Spriritualität, abstrahiert von konkreten Religionen, dient in diesem überzeugenden Kurzroman als Brücke zwischen Menschen und Aliens und schließlich sogar als Friedensbringer. Der Ich-Erzähler Harrison Barlow, der (atheistische) "Assistent des Kaplans", hatte vor 20 Jahren de facto eigenhändig die Vernichtung der Menschheit durch eine technisch weit überlegene Insektenrasse gestoppt, indem er bei den "Käfer"-Wissenschaftlern ein Interesse an der Erforschung menschlicher Religionen erwecken konnte (die Ähnlichkeit der Aliens mit den Bugs aus Starship Troopers scheint mir gewollt). Nun neigt sich der Waffenstillstand seinem Ende zu. Trotz fieberhafter Versuche, technologisch mit dem Gegner aufzuschließen, scheint der Untergang der Menschheit nur noch eine Frage der Zeit. Plötzlich findet sich Barlow mit einer menschlichen Offizierin sowie einem Wissenschaftler und einer einflußreichen Königin der Insektoiden auf einem unwirtlichen Planeten gestrandet wieder. Gemeinsam kämpfen sie ums Überleben und gewinnen gleichzeitig Respekt füreinander. Das ist allerdings deutlich vielschichtiger angelegt als Wolfgang Petersens betulicher Genrefilm Enemy Mine.
Wakulla Springs (Andy Duncan und Ellen Klages)
Von zwei Gelegenheitsautoren kommt dieses tolle, sich über drei Generationen erstreckende Erzählung, die allerdings keinem phantastischen Genre zuzuordnen ist, sondern sich vor dem Hintergrund der Entstehung zweier Fantasy-Filme entwickelt. Wakulla Springs ist ein Resort in Nord-Florida mit einer tiefen Lagune und einem fast urzeitlichen Dschungel. Die Geschichte beginnt 1941, als hier Szenen zum fünften Tarzan-Film mit Johnny Weissmueller gedreht werden. Der zweite Teil setzt 1953 an, mit dem Dreh von Der Schrecken vom Amazonas ("The Creature from the Black Lagoon"), dem ersten (übrigens auch heute noch beeindruckenden) 3D-Film mit Unterwasseraufnahmen. Nach Weissmueller begegnet man hier dem Schwimmstar Ricou Browning als "Titelheld". Inhaltlich geht es aber eher um die Entwicklung der Bürgerrechte amerikanischer Farbiger bis in die heutige Zeit. Zwischendrin gibt es ein bizarres Interview mit dem heimlichen Tarzan-Star Cheetah.
"Klassische" DVD-Kurzrezension: Enemy Mine
Wolfgang Petersens ehrbarer Versuch eines intelligenten Science-Fiction-Dramas ist leider vorhersehbar und sentimental geworden. Gute Absichten allein reichen eben nicht, um einen guten Film abzuliefern. Louis Gossett Jr. als Alien ist nicht abstoßend genug in seiner Gummimaske, und Dennis Quaid kann nicht überzeugen in der Wandlung vom haßerfüllten Kämpfer zum zärtlichen Patenonkel. Es fehlen Nuancen, stattdessen sollen Standard-Versatzstücke aus dem Seifenopern-Repertoire den Zuschauer zu Tränen rühren. Wenn man darüber hinwegsieht, ist das Resultat denn doch einigermaßen spannend und unterhaltsam. Ordentlich (6/10).
Sonntag, 6. Juli 2014
Klassiker auf Blu-ray #10: Taking Off - Milos Formans US-Debut
Die 70er stehen für die Erneuerung des amerikanischen Kinos, mit Meilensteinen u.a. von Francis Coppola (Der Pate), Martin Scorsese (Taxi Driver) und Robert Altman (Nashville). Aber gelegentlich machten immer noch europäische Immigranten von sich reden, so etwa Roman Polanski (Chinatown, 1974) und der Tschechoslowake Milos Forman, der 1975 mit Einer flog über das Kuckucksnest und 1984 mit Amadeus zwei der besten Drehbücher des Jahrhunderts zu Klassikern machte, gekrönt jeweils mit Oscars für den Besten Film, die beste Regie und die Autoren. Taking Off ("Ich bin durchgebrannt") war 1971 sein erster amerikanischer Film und floppte damals so gnadenlos, daß er erst jetzt auf einer technisch tadellosen Blu-ray im Heimkino wiederentdeckt werden kann. Er ist das Bindeglied zwischen seinen tschechischen, von der Nouvelle Vague beeinflußten "kleinen" Filmen und seinen brillanten Hollywood-Hochglanzprodukten.
Im der Blu-ray beigefügten hochinteressanten Interview aus dem Jahr 2000 erklärt Forman das Zustandekommen des Projekts, dessen Drehbuch er u.a. mit Jean-Claude Carrière entwickelte, einem wichtigen Collaborateur von Louis Malle und Luis Buñuel, Überwiegend mit Amateuren improvisiert, ist es eine sanfte Satire auf die Haltlosigkeit der amerikanischen Mittelschicht und die Entfremdung von ihren "Hippie"-Kindern. Ausgangspunkt der Geschichte ist das Verschwinden der 15jährigen Jeannie und der verzweifelt-komische Versuch der spießigen Eltern, einen Zugang zur geheimnisvollen Welt der Tochter zu bekommen. Dabei werden sie jedoch eher mit ihren eigenen Unsicherheiten und Sehnsüchten konfrontiert.
Die episodisch-fragmentierte Erzählstruktur reibt sich vielleicht mit den Sehgewohnheiten vieler Zuschauer, enthält aber fabelhaft zusammengeschnittene Sequenzen und tolle Musik. Da singt Kathy Bates in ihrem Leinwanddebut ein wunderschönes, selbstkomponiertes Lied zur Gitarre, und es gibt einen explosiven Live-Auftritt von Ike und Tina Turner. Im unfaßbar skurrilen Höhepunkt erklärt Vincent Schiavelli (Formans erster amerikanischer Freund war später einer der Patienten im "Kuckucksnest" und dann Butler von Salieri) den verwirrten Eltern "verschwundener" Jugendlicher den korrekten Konsum von Marihuana ("Wird sich das mit dem Alkohol vertragen? - Ich verspreche Ihnen, es wird!"). Das mündet abends in eine Partie Strip-Poker im Hause von Lynns Eltern, wo sich der Kreis schließt, als Lynn plötzlich heimkehrt und im abschließenden Dinner mit ihrem Musikerfreund plötzlich vernünftiger und reifer als die ältere Generation erscheint.
Diese Entdeckung ist nicht nur film- und musikhistorisch interessant, sondern allemal gut für einen vergnüglichen Filmabend. Sehr gut (8/10)!
Im der Blu-ray beigefügten hochinteressanten Interview aus dem Jahr 2000 erklärt Forman das Zustandekommen des Projekts, dessen Drehbuch er u.a. mit Jean-Claude Carrière entwickelte, einem wichtigen Collaborateur von Louis Malle und Luis Buñuel, Überwiegend mit Amateuren improvisiert, ist es eine sanfte Satire auf die Haltlosigkeit der amerikanischen Mittelschicht und die Entfremdung von ihren "Hippie"-Kindern. Ausgangspunkt der Geschichte ist das Verschwinden der 15jährigen Jeannie und der verzweifelt-komische Versuch der spießigen Eltern, einen Zugang zur geheimnisvollen Welt der Tochter zu bekommen. Dabei werden sie jedoch eher mit ihren eigenen Unsicherheiten und Sehnsüchten konfrontiert.
Die episodisch-fragmentierte Erzählstruktur reibt sich vielleicht mit den Sehgewohnheiten vieler Zuschauer, enthält aber fabelhaft zusammengeschnittene Sequenzen und tolle Musik. Da singt Kathy Bates in ihrem Leinwanddebut ein wunderschönes, selbstkomponiertes Lied zur Gitarre, und es gibt einen explosiven Live-Auftritt von Ike und Tina Turner. Im unfaßbar skurrilen Höhepunkt erklärt Vincent Schiavelli (Formans erster amerikanischer Freund war später einer der Patienten im "Kuckucksnest" und dann Butler von Salieri) den verwirrten Eltern "verschwundener" Jugendlicher den korrekten Konsum von Marihuana ("Wird sich das mit dem Alkohol vertragen? - Ich verspreche Ihnen, es wird!"). Das mündet abends in eine Partie Strip-Poker im Hause von Lynns Eltern, wo sich der Kreis schließt, als Lynn plötzlich heimkehrt und im abschließenden Dinner mit ihrem Musikerfreund plötzlich vernünftiger und reifer als die ältere Generation erscheint.
Diese Entdeckung ist nicht nur film- und musikhistorisch interessant, sondern allemal gut für einen vergnüglichen Filmabend. Sehr gut (8/10)!
Sonntag, 29. Juni 2014
Hugo-nominiert: Larry Correias Abschlußband der Grimnoir-Trilogie
Raymond Chandler trifft auf die X-Men: So könnte man vereinfacht diese erstaunliche Trilogie des in Utah lebenden Mittdreißigers Larry Correia beschreiben, auf die ich erst im Rahmen dieser Hugo-Nominierung gestoßen bin. Sie spielt in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, aber es liegt ihr ein alternativer Geschichtsverlauf zugrunde: Etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden immer mehr Menschen mit besonderen Fähigkeiten geboren. Sie können auf natürliche Weise eine geheimnisvolle Kraftquelle anzapfen, die scheinbar magische Eigenschaften hat. Sowohl die Stärke als auch die Ausprägung dieser Fähigkeiten variiert mit den betroffenen Individuen. Da gibt es klassische Mutantenfähigkeiten (Telekinese, Teleportation, Telepathie, Heilkräfte), die Manipulation von physikalischen Gegebenheiten (Feuer, Eis, Masse), aber auch die mit Urängsten verbundenen Fähigkeiten, Tiere fernzusteuern, Dämonen aus
einer anderen Dimension heraufzubeschwören oder gar Tote zum
(Zombie-)Leben zurückzurufen.
Eine besondere Rolle spielen die sogenannten Cogs, meist ohnehin Genies, deren rationale Fähigkeiten unvorstellbar geseteigert werden. Und so hat sich auch die menschliche Technologie in andere Richtungen entwickelt. Die Erfindungen von Einstein, Edison und Tesla (!) prägen eine deutlich abweichende Wissenschaftswelt. Die Luftfahrt wird von zeppelinartigen Luftschiffen dominiert, und die Atombombe ist nicht einmal die schrecklichste bisher erfundene Waffe. Im dritten Band spielt der Cog Buckminster Fuller eine entscheidende Rolle, uns als Architekt, Erbauer geodätischer Kuppeln und Namensgeber für die Fullerene bekannt.
Vor diesem Hintergrund hat der Erste Weltkrieg zwar einen ähnlichen Verlauf wie in unserer Geschichte genommen, seine Schrecken haben aber durch das Aufeinanderprallen der Mutanten eine besondere Dimension gewonnen. So liegt Berlin in Schutt und Asche und dient, von einer hohen Mauer umgeben, nun als Ghetto für die von Kaiser Wilhelms Magiern freigesetzten Zombies. Als Gewinnermächte stehen sich weltpolitisch nun die Amerikaner und ein übermächtiges japanisches Reich gegenüber.
Als Gegengewicht zum zentral von einem scheinbar unbesiegbaren Supermutanten gesteuerten Japan mit seinen Elitetruppen, der mit übermenschlichen Kräften operierenden eisernen Garde und teleportierenden Ninjas, hat sich in den USA und anderen alliierten Ländern die Gesellschaft der "Grimnoir" etabliert, eine Art Freimaurer-Organisation der Mutanten. Sie stemmen sich meist im Verborgenen gegen die japanische Bedrohung und müssen gleichzeitig gegen die Vorurteile und Beschwichtigungspolitik des amerikanischen Establishments ankämpfen, deren Schlüsselfiguren J. Edgar Hoover und Franklin D. Roosevelt die wahre Bedrohung nicht erkennen wollen. Je mehr man jedoch über die Herkunft der geheimnisvollen Kräfte erfährt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse.
Ich beschreibe diesen Hintergrund der Trilogie deswegen so im Detail, weil die fabelhafte Ausarbeitung dieser alternativen Realität die wesentliche Qualität der Romane ausmacht. Daneben sind aber auch einige durchaus überzeugende Charakterzeichnungen zu nennen. Insbesondere die komplexen Hauptfiguren sind mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen. Dabei entspricht Gravitationsmanipulator, Weltkriegsveteran und Privatdetektiv Jake Sullivan am ehesten einer Chandler-Figur, während die junge, hochbegabte Teleporterin Faye moderner, fast emanzipatorisch wirkt. Auch einige der Nebenfiguren beruhen übrigens auf historischen Persönlichkeiten, so etwa der (nun telepathische) General Pershing als Anführer der amerikanischen Grimnoir und sein Stellvertreter John Browning, der als Cog noch ausgefuchstere Waffen herstellt als sein ohnehin schon berühmtes Vorbild. Wie oft in mehrteiligen Erzählungen sind gerade die im zweiten Band eingeführten Figuren schwächer. Mit diesen reinen Handlungsträgern hat der Leser eine geringere emotionale Bindung. Mit dem aus der Iron Guard desertierten Toru gibt es dann aber doch noch eine interessante neuere Figur.
Während Correias Helden teilweise aus der Schwarzen Serie stammen könnten, ist die Handlung sehr von (ungemein spannenden) Actionszenen bestimmt. Zu Beginn möchte man die Romane der Urban Fantasy zuordnen, aber mit der Zeit stellt sich heraus, daß es sich tatsächlich um waschechte Science Fiction handelt, und solche gut durchdachten Szenarien findet man nur selten. Besonders bezogen auf seine Vorgängerromane wird Correias Waffenfetischismus kritisiert. In dieser Trilogie fand ich diesen Aspekt nicht störend. Es gibt viele Kampfhandlungen, bei denen (neben den Mutantenkräften) eine Vielzahl unterschiedlicher Waffen zum Einsatz kommen, und die Detailliertheit der Beschreibungen fand ich durchaus angemessen. Insgesamt betrachte ich die Reihe als intelligente, spannende Unterhaltung auf hohem Niveau. Für die Hugos wäre es vielleicht geschickter gewesen, die komplette Trilogie und nicht nur den Abschlußband zu nominieren. So oder so halte ich diese Überraschung in der Kategorie Roman für einen würdigen Beitrag.
Eine besondere Rolle spielen die sogenannten Cogs, meist ohnehin Genies, deren rationale Fähigkeiten unvorstellbar geseteigert werden. Und so hat sich auch die menschliche Technologie in andere Richtungen entwickelt. Die Erfindungen von Einstein, Edison und Tesla (!) prägen eine deutlich abweichende Wissenschaftswelt. Die Luftfahrt wird von zeppelinartigen Luftschiffen dominiert, und die Atombombe ist nicht einmal die schrecklichste bisher erfundene Waffe. Im dritten Band spielt der Cog Buckminster Fuller eine entscheidende Rolle, uns als Architekt, Erbauer geodätischer Kuppeln und Namensgeber für die Fullerene bekannt.
Vor diesem Hintergrund hat der Erste Weltkrieg zwar einen ähnlichen Verlauf wie in unserer Geschichte genommen, seine Schrecken haben aber durch das Aufeinanderprallen der Mutanten eine besondere Dimension gewonnen. So liegt Berlin in Schutt und Asche und dient, von einer hohen Mauer umgeben, nun als Ghetto für die von Kaiser Wilhelms Magiern freigesetzten Zombies. Als Gewinnermächte stehen sich weltpolitisch nun die Amerikaner und ein übermächtiges japanisches Reich gegenüber.
Als Gegengewicht zum zentral von einem scheinbar unbesiegbaren Supermutanten gesteuerten Japan mit seinen Elitetruppen, der mit übermenschlichen Kräften operierenden eisernen Garde und teleportierenden Ninjas, hat sich in den USA und anderen alliierten Ländern die Gesellschaft der "Grimnoir" etabliert, eine Art Freimaurer-Organisation der Mutanten. Sie stemmen sich meist im Verborgenen gegen die japanische Bedrohung und müssen gleichzeitig gegen die Vorurteile und Beschwichtigungspolitik des amerikanischen Establishments ankämpfen, deren Schlüsselfiguren J. Edgar Hoover und Franklin D. Roosevelt die wahre Bedrohung nicht erkennen wollen. Je mehr man jedoch über die Herkunft der geheimnisvollen Kräfte erfährt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse.
Ich beschreibe diesen Hintergrund der Trilogie deswegen so im Detail, weil die fabelhafte Ausarbeitung dieser alternativen Realität die wesentliche Qualität der Romane ausmacht. Daneben sind aber auch einige durchaus überzeugende Charakterzeichnungen zu nennen. Insbesondere die komplexen Hauptfiguren sind mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen. Dabei entspricht Gravitationsmanipulator, Weltkriegsveteran und Privatdetektiv Jake Sullivan am ehesten einer Chandler-Figur, während die junge, hochbegabte Teleporterin Faye moderner, fast emanzipatorisch wirkt. Auch einige der Nebenfiguren beruhen übrigens auf historischen Persönlichkeiten, so etwa der (nun telepathische) General Pershing als Anführer der amerikanischen Grimnoir und sein Stellvertreter John Browning, der als Cog noch ausgefuchstere Waffen herstellt als sein ohnehin schon berühmtes Vorbild. Wie oft in mehrteiligen Erzählungen sind gerade die im zweiten Band eingeführten Figuren schwächer. Mit diesen reinen Handlungsträgern hat der Leser eine geringere emotionale Bindung. Mit dem aus der Iron Guard desertierten Toru gibt es dann aber doch noch eine interessante neuere Figur.
Während Correias Helden teilweise aus der Schwarzen Serie stammen könnten, ist die Handlung sehr von (ungemein spannenden) Actionszenen bestimmt. Zu Beginn möchte man die Romane der Urban Fantasy zuordnen, aber mit der Zeit stellt sich heraus, daß es sich tatsächlich um waschechte Science Fiction handelt, und solche gut durchdachten Szenarien findet man nur selten. Besonders bezogen auf seine Vorgängerromane wird Correias Waffenfetischismus kritisiert. In dieser Trilogie fand ich diesen Aspekt nicht störend. Es gibt viele Kampfhandlungen, bei denen (neben den Mutantenkräften) eine Vielzahl unterschiedlicher Waffen zum Einsatz kommen, und die Detailliertheit der Beschreibungen fand ich durchaus angemessen. Insgesamt betrachte ich die Reihe als intelligente, spannende Unterhaltung auf hohem Niveau. Für die Hugos wäre es vielleicht geschickter gewesen, die komplette Trilogie und nicht nur den Abschlußband zu nominieren. So oder so halte ich diese Überraschung in der Kategorie Roman für einen würdigen Beitrag.
Samstag, 21. Juni 2014
Die Hugo-nominierten "Noveletten"
Die Form der "Novelette" ist eine künstlich zwischen Kurzgeschichte und Novelle eingeschobene Kategorie von Erzählungen mit 7.500 bis 17.500 Wörtern. Ich würde sie eher den Kurzgeschichten zuordnen, auch wenn bei dieser Länge mehr Raum für verschiedene Handlungsebenen und die Figurenentwicklung bleibt.
Alle Nominierungen sind im Voters Pack enthalten ("Lady Astronaut" leider nur als PDF). Hier meine Rangliste, von schlecht bis gut:
5. Opera Vita Aeterna”, Vox Day
Vox Day ist ein Pseudonym von Theodore Beale, offenbar eine unangenehme Person. Er hat es letztes Jahr geschafft, wegen übler rassistischer Bemerkungen aus der amerikanischen Autorenvereinigung rausgeworfen zu werden und ist vor allem unter fundamentalistischen Christen beliebt. In der Geschichte selbst geht es um die Entstehung einer legendären mittelalterlichen Bibelabschrift. Als Thema durchaus originell, ist die Gesamtabsicht aber so verquer wie die sich zumindest mir nicht erschließende Grammatik des lateinischen Titels.
“The Exchange Officers”, Brad Torgersen
Brad (R.) Torgersen ist ein durchaus populärer Vertreter militärischer SF, scheinbar sowohl Scientology als auch der LDS-Kirche verbunden. Anders als bisher bei Brad Sanderson oder dem frühen Orson Scott Card (der zu Beginn seine ideologischen Scheuklappen gut verbergen konnte) scheint die simplistische mormonische Weltsicht unangenehm durch in dieser Geschichte einer Konfrontation amerikanischer und chinesischer Astronauten (bzw. ferngesteuerter Roboter) um eine Raumstation im Orbit.
“The Waiting Stars”, Aliette de Bodard
Aliette de Bodard ist eine in den USA geborene Französin mit vietnamesischen Wurzeln, schreibt aber in Englisch. Diese Geschichte ist auf zwei Ebenen erzählt, die am Ende "überraschend" verknüpft werden. Es geht um "Ship Minds", künstliche (?) Intelligenzen einer fernen Zukunft, die Raumschiffe quasi beseelen. Das ist ganz interessant, aber nicht wirklich fesselnd. Vielleicht aufgrund der Kürze, oder wegen mangelnder sprachlicher Mittel bleiben die Figuren recht eindimensional.
“The Lady Astronaut of Mars”, Mary Robinette Kowa
Mary Robinette Kowa hatte lange als Puppenspielerin u.a. für die Jim-Henson-Company gearbeitet, bevor sie innerhalb der letzten Jahren etliche Kurzgeschichten und vier Romane veröffentlichte. Ihre Novelette spielt offenbar in einer alternativen Zeitlinie, in der Washington in den 50ern durch einen Asteroideneinschlag zerstört wurde, was eine Beschleunigung des Raumfahrtprogramms und die Besiedlung von Mars und Venus binnen Jahrzehnten auslöste. Das ist kaum glaubwürdig, aber darum geht es in dieser Geschichte eigentlich nicht. Die "Astronautendame vom Mars" war in ihrer Jugend das Aushängeschild der PR-Abteilung der "NAS", die Frauen zur Kolonisierung der Planeten bewegen wollte, ist jetzt aber über 60 Jahre alt und lebt mit ihrem sterbenden Ehemann auf dem Mars. In Ich-Form hadert sie mit dem Dilemma, daß ihr jetzt die ersehnte letzte Weltraummission angeboten wird, während sie eigentlich für ihren Mann da sein möchte, und reflektiert über die Vergangenheit. Das ist trotz des merkwürdigen, an naive Weltraumabenteuer der 50er erinnernden SF-Rahmens (Computer-Lochkarten!) bewegend und interessant (vielleicht war die Idee tatsächlich, die Geschichte so zu schreiben, als sei sie in den 50ern entstanden).
“The Truth of Fact, the Truth of Feeling”, Ted Chiang
Diese in einer nahen Zukunft spielende Reflexion auf die Auswirkungen moderner Aufzeichnungstechnologie des bereits mehrfach preisgekrönten China-stämmigen Amerikaners Ted Chiang hat mich mit Abstand am meisten überzeugt. In der ersten Erzählebene berichtet ein Blog-Autor in Ich-Form von seiner Reportage über ein neues Videosystem, mit dessen Hilfe man sein komplettes Leben dokumentieren kann. Über einen intelligenten Suchalgorithmus kann man jederzeit objektive Aufzeichnungen aus beliebigen Lebensphasen abrufen. Der Erzähler stellt fest, daß seine persönlichen Erinnerungen im starken Gegensatz zu den objektiven Belegen stehen und offenbar eher einem Ideal seiner selbst entsprechen. Aber ist es wirklich immer nützlich, Zugang zur "objektiven Wahrheit" zu haben? Die zweite Erzählebene handelt von einem afrikanischen Volk ohne Schriftsprache, und vom jungen Jijingi, der von europäischen Missionaren das Schreiben lernt, aber bald ebenfalls mit dem Gegensatz von Wahrheit und Wahrhaftigkeit (oder Wahrheitsempfinden) konfrontiert wird, denn schriftliche Aufzeichnungen entsprechen nicht unbedingt den mündlich überlieferten Tatsachen...
Alle Nominierungen sind im Voters Pack enthalten ("Lady Astronaut" leider nur als PDF). Hier meine Rangliste, von schlecht bis gut:
5. Opera Vita Aeterna”, Vox Day
Vox Day ist ein Pseudonym von Theodore Beale, offenbar eine unangenehme Person. Er hat es letztes Jahr geschafft, wegen übler rassistischer Bemerkungen aus der amerikanischen Autorenvereinigung rausgeworfen zu werden und ist vor allem unter fundamentalistischen Christen beliebt. In der Geschichte selbst geht es um die Entstehung einer legendären mittelalterlichen Bibelabschrift. Als Thema durchaus originell, ist die Gesamtabsicht aber so verquer wie die sich zumindest mir nicht erschließende Grammatik des lateinischen Titels.
“The Exchange Officers”, Brad Torgersen
Brad (R.) Torgersen ist ein durchaus populärer Vertreter militärischer SF, scheinbar sowohl Scientology als auch der LDS-Kirche verbunden. Anders als bisher bei Brad Sanderson oder dem frühen Orson Scott Card (der zu Beginn seine ideologischen Scheuklappen gut verbergen konnte) scheint die simplistische mormonische Weltsicht unangenehm durch in dieser Geschichte einer Konfrontation amerikanischer und chinesischer Astronauten (bzw. ferngesteuerter Roboter) um eine Raumstation im Orbit.
“The Waiting Stars”, Aliette de Bodard
Aliette de Bodard ist eine in den USA geborene Französin mit vietnamesischen Wurzeln, schreibt aber in Englisch. Diese Geschichte ist auf zwei Ebenen erzählt, die am Ende "überraschend" verknüpft werden. Es geht um "Ship Minds", künstliche (?) Intelligenzen einer fernen Zukunft, die Raumschiffe quasi beseelen. Das ist ganz interessant, aber nicht wirklich fesselnd. Vielleicht aufgrund der Kürze, oder wegen mangelnder sprachlicher Mittel bleiben die Figuren recht eindimensional.
“The Lady Astronaut of Mars”, Mary Robinette Kowa
Mary Robinette Kowa hatte lange als Puppenspielerin u.a. für die Jim-Henson-Company gearbeitet, bevor sie innerhalb der letzten Jahren etliche Kurzgeschichten und vier Romane veröffentlichte. Ihre Novelette spielt offenbar in einer alternativen Zeitlinie, in der Washington in den 50ern durch einen Asteroideneinschlag zerstört wurde, was eine Beschleunigung des Raumfahrtprogramms und die Besiedlung von Mars und Venus binnen Jahrzehnten auslöste. Das ist kaum glaubwürdig, aber darum geht es in dieser Geschichte eigentlich nicht. Die "Astronautendame vom Mars" war in ihrer Jugend das Aushängeschild der PR-Abteilung der "NAS", die Frauen zur Kolonisierung der Planeten bewegen wollte, ist jetzt aber über 60 Jahre alt und lebt mit ihrem sterbenden Ehemann auf dem Mars. In Ich-Form hadert sie mit dem Dilemma, daß ihr jetzt die ersehnte letzte Weltraummission angeboten wird, während sie eigentlich für ihren Mann da sein möchte, und reflektiert über die Vergangenheit. Das ist trotz des merkwürdigen, an naive Weltraumabenteuer der 50er erinnernden SF-Rahmens (Computer-Lochkarten!) bewegend und interessant (vielleicht war die Idee tatsächlich, die Geschichte so zu schreiben, als sei sie in den 50ern entstanden).
“The Truth of Fact, the Truth of Feeling”, Ted Chiang
Diese in einer nahen Zukunft spielende Reflexion auf die Auswirkungen moderner Aufzeichnungstechnologie des bereits mehrfach preisgekrönten China-stämmigen Amerikaners Ted Chiang hat mich mit Abstand am meisten überzeugt. In der ersten Erzählebene berichtet ein Blog-Autor in Ich-Form von seiner Reportage über ein neues Videosystem, mit dessen Hilfe man sein komplettes Leben dokumentieren kann. Über einen intelligenten Suchalgorithmus kann man jederzeit objektive Aufzeichnungen aus beliebigen Lebensphasen abrufen. Der Erzähler stellt fest, daß seine persönlichen Erinnerungen im starken Gegensatz zu den objektiven Belegen stehen und offenbar eher einem Ideal seiner selbst entsprechen. Aber ist es wirklich immer nützlich, Zugang zur "objektiven Wahrheit" zu haben? Die zweite Erzählebene handelt von einem afrikanischen Volk ohne Schriftsprache, und vom jungen Jijingi, der von europäischen Missionaren das Schreiben lernt, aber bald ebenfalls mit dem Gegensatz von Wahrheit und Wahrhaftigkeit (oder Wahrheitsempfinden) konfrontiert wird, denn schriftliche Aufzeichnungen entsprechen nicht unbedingt den mündlich überlieferten Tatsachen...
Einzigartiges Erlebnis: Boyhood (8/10)
Dieses einzigartige Projekt haben viele Kritiker bejubelt, aber nur wenige Zuschauer gesehen. Über zwölf Jahre mit den gleichen Hauptdarstellern gedreht, schildert Boyhood die Kindheit und Jugend des zu Beginn etwa 6jährigen Mason (Ellar Coltrane). Es ist zwar eine überdurchschnittlich wechselhafte, aber durchaus vertraute Familiengeschichte.. Die Mutter (Patricia Arquette) fällt reihenweise auf die falschen Männer rein, der Vater (Ethan Hawke) bleibt ein entfernter Wochenendbezug, und man zieht von einer Kleinstadt nach Houston, dann wieder in eine texanische Kleinstadt. Neben Mason sieht man auch seine Schwester Samantha (Lorelei Linklater, Tochter des Regisseurs) die Pubertät durchlaufen. Die episodische Erzählstruktur bringt Vorteile: Wenn eine Szene peinlich oder banal zu werden droht, wird einfach weitergeblendet. So ergeben viele bekannte Puzzleteile doch ein neues Ganzes. Und nebenbei erkennt man, daß die Makeup- und Computertricks der üblichen Hollywood-Produktionen nicht mithalten können mit den Veränderungen, die zwölf reale Jahre vor allem bei den jungen Darstellern bewirken.
Wie gut das dem Zuschauer gefällt, hängt von jedem einzelnen ab. Es sind lange 166 Minuten, die aber immer wieder verblüffen und amüsieren können. Zwischendurch war ich mal wieder erschüttert über das selten porträtierte dröge amerikanische Kleinstadtleben mit seinen Alkoholikern und Gewaltausbrüchen, aber insgesamt hat die Geschichte doch einen optimistischen Dreh. Patricia, Jahrgang 68, die weniger hübsche, aber talentiertere der Arquette-Schwestern, mochte ich eigentlich noch nie (aber vielleicht vermisse ich einfach die schöne Rosanna: "Meet you all the way!"). Hier spielt sie aber authentisch und mutig eine Frau, die spät im Leben innere Stärke findet. Ein wenig muß sie wohl Ethan Hawke beneiden, der mit 44 Jahren noch wenig von seiner spitzbübisch-jugendlichen Ausstrahlung verloren hat, als planloser Vater aber ebenfalls glaubwürdig wirkt. Wie mit seiner "Before"-Trilogie schreibt Regisseur und Autor Richard Linklater hier Kinogeschichte.
So bin ich froh, daß ich diesen einzigartigen Film erlebt habe, möchte ihn so schnell aber auch nicht nochmals schauen. Sehr gut (8/10).
Wie gut das dem Zuschauer gefällt, hängt von jedem einzelnen ab. Es sind lange 166 Minuten, die aber immer wieder verblüffen und amüsieren können. Zwischendurch war ich mal wieder erschüttert über das selten porträtierte dröge amerikanische Kleinstadtleben mit seinen Alkoholikern und Gewaltausbrüchen, aber insgesamt hat die Geschichte doch einen optimistischen Dreh. Patricia, Jahrgang 68, die weniger hübsche, aber talentiertere der Arquette-Schwestern, mochte ich eigentlich noch nie (aber vielleicht vermisse ich einfach die schöne Rosanna: "Meet you all the way!"). Hier spielt sie aber authentisch und mutig eine Frau, die spät im Leben innere Stärke findet. Ein wenig muß sie wohl Ethan Hawke beneiden, der mit 44 Jahren noch wenig von seiner spitzbübisch-jugendlichen Ausstrahlung verloren hat, als planloser Vater aber ebenfalls glaubwürdig wirkt. Wie mit seiner "Before"-Trilogie schreibt Regisseur und Autor Richard Linklater hier Kinogeschichte.
So bin ich froh, daß ich diesen einzigartigen Film erlebt habe, möchte ihn so schnell aber auch nicht nochmals schauen. Sehr gut (8/10).
Montag, 9. Juni 2014
Die X-Men sind zurück: Zukunft ist Vergangenheit (9/10)
Als 2011 in Erste Entscheidung die jüngeren Ausgaben der X-Men eingeführt wurden, um in den 60ern die Kubakrise aufzumischen, schien mir das Konzept noch recht bemüht, und trotz guter Darsteller wie Michael Fassbender als junger Magneto fand ich das Ergebnis nur mittelmäßig. In Zukunft ist Vergangenheit treffen nun die Generationen aufeinander, und plötzlich klickt die Verbindung. Vielleicht ist das Gelingen auch auf die Rückkehr von Hugh Jackmans Wolverine zurückzuführen, der als nicht alternder "Unsterblicher" in beiden Zeitebenen agieren kann und sich bereits in der Ursprungstrilogie zur Identifikationsfigur des Zuschauers entwickelt hatte.
Für die nötige Gravitas sorgen nun Sir Ian und Sir Patrick, während die jungen Ausgaben James McAvoy und Fassbender befreit aufspielen können, unterstützt von Jennifer Lawrence als Mystique am Scheideweg und dem ungeheuer sympathischen Nicholas Hoult als Beast. Bei einer Laufzeit von 132 Minuten ist es verständlich, daß die übrigen Veteranenauftritte eher als Cameos gewertet werden sollten. Trotzdem schön, Halle Berry als Storm, Ellen Page als Kitty Pryde, Shawn Ashmore als Iceman und (sehr kurz) Anna Paquin als Rogue wiederzusehen. Als Neuzugänge muß man den bislang recht unbekannten Evan Peters als Quicksilver loben, und natürlich Peter "Tyrion Lannister" Dinklage als zwielichtigen Wissenschaftler Dr. Trask.
Sowohl die futuristische Technik der Zukunftsebene als auch die augenzwinkernd und detailreich realisierte Ebene der 70er Jahre überzeugen. Als Clou sieht man auf einem Fernsehbildschirm kurz Captain Kirk und Sulu in einer Zeitreisegeschichte! Die Kämpfe finden gleichermaßen auf phyischer wie psychischer Ebene statt und sind technisch perfekt inszeniert.. Atemberaubend ist die bisher schönste Sequenz des Kinojahres, eine lyrische Actionszene, die selbst John Woo zu Tränen rühren müßte. "Time in a Bottle" des unsterblichen Jim Croce ist die perfekte Untermalung für dieses fast blutlose trickreiche Ballett. Aber es gibt auch gelungene Effekte größeren Ausmaßes, wenn etwa der junge Magneto ein komplettes Stadionrund "umziehen" läßt oder in der Zukunft die Sentinels zum letzten Gefecht am Zufluchtsort der X-Men eintreffen.
Es hat sich also gelohnt, daß Bryan Singer nach den ersten beiden Teilen erstmalig wieder den Regiestuhl übernahm, und Autor Simon Kinberg hat sich für den vor allem vom Amateurfilmemacher Brett Ratner verhunzten dritten Teil rehabilitiert. Marvel hat nun neben den Avengers ein zweites vielversprechendes Franchise wiederbelebt, Patrick Stewart und Ian McKellen haben sich würdig verabschiedet, und die Spannung auf das für 2016 geplante X-Men: Apocalypse steigt.
Herausragend (9/10)!
Für die nötige Gravitas sorgen nun Sir Ian und Sir Patrick, während die jungen Ausgaben James McAvoy und Fassbender befreit aufspielen können, unterstützt von Jennifer Lawrence als Mystique am Scheideweg und dem ungeheuer sympathischen Nicholas Hoult als Beast. Bei einer Laufzeit von 132 Minuten ist es verständlich, daß die übrigen Veteranenauftritte eher als Cameos gewertet werden sollten. Trotzdem schön, Halle Berry als Storm, Ellen Page als Kitty Pryde, Shawn Ashmore als Iceman und (sehr kurz) Anna Paquin als Rogue wiederzusehen. Als Neuzugänge muß man den bislang recht unbekannten Evan Peters als Quicksilver loben, und natürlich Peter "Tyrion Lannister" Dinklage als zwielichtigen Wissenschaftler Dr. Trask.
Sowohl die futuristische Technik der Zukunftsebene als auch die augenzwinkernd und detailreich realisierte Ebene der 70er Jahre überzeugen. Als Clou sieht man auf einem Fernsehbildschirm kurz Captain Kirk und Sulu in einer Zeitreisegeschichte! Die Kämpfe finden gleichermaßen auf phyischer wie psychischer Ebene statt und sind technisch perfekt inszeniert.. Atemberaubend ist die bisher schönste Sequenz des Kinojahres, eine lyrische Actionszene, die selbst John Woo zu Tränen rühren müßte. "Time in a Bottle" des unsterblichen Jim Croce ist die perfekte Untermalung für dieses fast blutlose trickreiche Ballett. Aber es gibt auch gelungene Effekte größeren Ausmaßes, wenn etwa der junge Magneto ein komplettes Stadionrund "umziehen" läßt oder in der Zukunft die Sentinels zum letzten Gefecht am Zufluchtsort der X-Men eintreffen.
Es hat sich also gelohnt, daß Bryan Singer nach den ersten beiden Teilen erstmalig wieder den Regiestuhl übernahm, und Autor Simon Kinberg hat sich für den vor allem vom Amateurfilmemacher Brett Ratner verhunzten dritten Teil rehabilitiert. Marvel hat nun neben den Avengers ein zweites vielversprechendes Franchise wiederbelebt, Patrick Stewart und Ian McKellen haben sich würdig verabschiedet, und die Spannung auf das für 2016 geplante X-Men: Apocalypse steigt.
Herausragend (9/10)!
Gelungener SF-Actioner: Edge of Tomorrow (8/10)
Tom Cruise war mal ein Garant für unterhaltsame Actionfilme, aber zu viele Flops wie Oblivion, Jack Reacher oder gar Knight and Day haben dieses Image in den letzten Jahren doch ziemlich geschwächt. So ist es schade, aber nicht überraschend, daß kaum jemand es merkt, wenn er wieder zu alter Form zurückfindet. Edge of Tomorrow ist spannend, clever und überaus amüsant. Cruise ist überzeugend und findet den richtigen Grad an Selbstironie in der Rolle des ängstlichen PR-Soldaten, der plötzlich selbst an die Front gerät und (natürlich) zuletzt in die Heldenrolle hineinwächst. Der an Computerspiele erinnernde Kniff, nach dem er bei jedem Tod wieder zum selben (gespeicherten) Zeitpunkt zurückkehrt und seine Erfahrung zur Verbesserung des nächsten Durchgangs nutzen kann, ist intelligent in die Handlung integriert und technisch brillant inszeniert. Wichtig für den Sehgenuß: Die innere Logik dieses futuristischen Films über den Kampf gegen eine Alien-Invasion bleibt intakt.
Und dann kann Bourne-Regisseur Doug Liman in dieser Verfilmung eines Graphic Novel noch mit einer besonderen Geheimwaffe aufwarten: Emily Blunt ist jenes seltene Pflänzlein, eine englische Rose, die schauspielern kann, eine Schönheit, die hier als Elitesoldatin eindrucksvolle (hoffentlich nur getrickste) Muskelpakete zur Schau stellt. Seit ihrem Durchbruch als magersüchtige Assistentin von Meryl Streep in Der Teufel trägt Prada hat die 31jährige eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt, ob sie nun Tom Hanks in Der Krieg des Charlie Wilson mit ihren Kurven verführt oder in Young Victoria die zugeknöpfte junge Königin spielt. In ihrem ersten SF-Spektakel, dem überschätzten Looper mit Bruce Willis, wirkte sie noch unterfordert, aber in Edge of Tomorrow überzeugt sie auf ganzer Linie.
Sehr gut (8/10)!
Und dann kann Bourne-Regisseur Doug Liman in dieser Verfilmung eines Graphic Novel noch mit einer besonderen Geheimwaffe aufwarten: Emily Blunt ist jenes seltene Pflänzlein, eine englische Rose, die schauspielern kann, eine Schönheit, die hier als Elitesoldatin eindrucksvolle (hoffentlich nur getrickste) Muskelpakete zur Schau stellt. Seit ihrem Durchbruch als magersüchtige Assistentin von Meryl Streep in Der Teufel trägt Prada hat die 31jährige eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt, ob sie nun Tom Hanks in Der Krieg des Charlie Wilson mit ihren Kurven verführt oder in Young Victoria die zugeknöpfte junge Königin spielt. In ihrem ersten SF-Spektakel, dem überschätzten Looper mit Bruce Willis, wirkte sie noch unterfordert, aber in Edge of Tomorrow überzeugt sie auf ganzer Linie.
Sehr gut (8/10)!
Sonntag, 1. Juni 2014
Die Hugo-nominierten Kurzgeschichten
Kurzgeschichten sind nicht so mein Ding. Vielleicht liegt es daran, daß ich mehr an Charakteren als an Ideen interessiert bin, und mich zudem eher klassische als experimentelle Erzählformen ansprechen. Wie auch immer, abgesehen von einigen Meistern (Sturgeon, Dick, Böll, LeGuin) lese ich Kurzgeschichten nur sporadisch und tue mich daher ein wenig schwer, diese Kategorie zu beurteilen.
In den goldenen Jahrzehnten der SF war auch für etablierte Autoren die Veröffentlichung in den damals zahlreichen SF-Magazinen überlebenswichtig. Heute scheinen sich viele Genrevertreter gleich mit epischen Trilogien etablieren zu wollen. Trotzdem sind die Kurzformen sicher auch heute noch eine Spielwiese für junge Talente. Dank des elektronischen Voter-Packets werde ich die Gelegenheit nutzen, alle nominierten Werke zu sichten. Zufällig stehen sie bereits in der Reihenfolge meiner Wertung, von Platz 4 bis Platz 1:
In den goldenen Jahrzehnten der SF war auch für etablierte Autoren die Veröffentlichung in den damals zahlreichen SF-Magazinen überlebenswichtig. Heute scheinen sich viele Genrevertreter gleich mit epischen Trilogien etablieren zu wollen. Trotzdem sind die Kurzformen sicher auch heute noch eine Spielwiese für junge Talente. Dank des elektronischen Voter-Packets werde ich die Gelegenheit nutzen, alle nominierten Werke zu sichten. Zufällig stehen sie bereits in der Reihenfolge meiner Wertung, von Platz 4 bis Platz 1:
- “If You Were a Dinosaur, My Love”, Rachel Swirsky (Apex Magazine, Mar-2013)
- “The Ink Readers of Doi Saket”, Thomas Olde Heuvelt (Tor.com, 04-2013)
- “Selkie Stories Are for Losers”, Sofia Samatar (Strange Horizons, Jan-2013)
- “The Water That Falls on You from Nowhere”, John Chu (Tor.com, 02-2013)
Sonntag, 25. Mai 2014
Heiteres Chaos: Beziehungsweise New York (8/10)
Schon der Vorspann bestimmt den Ton für diese französische Komödie von Cédric Klapisch, mit dem unnötig eingedeutschten Titel Beziehungsweise New York (im Original Casse-tête chinois = Chinesisches Puzzle). Verspielt und von heiterer Musik untermalt werden Puzzle-Teile verschoben, bis sie den Blick auf die Hauptbeteiligten freigeben. Da sind sie wieder: Xavier der chaotisch-romantische Schriftsteller, seine französische Ex Martine, seine große Liebe Wendy und seine lesbische Kumpanin Isabelle. Diese vier Figuren sind übriggeblieben aus dem europäischen Schmelztiegel der Auberge Espagnole in Barcelona (2002) und der Hochzeit mit Hindernissen von Wendys Bruder William in St. Petersburg (2005). Diesmal treffen sie sich im Big Apple: in Chinatown, in Brooklyn, am Central Park. Sie sind mit ihren Darstellern (Romain Duris, Audrey Tautou, Kelly Reilly, Cécile de France) älter geworden, und vielleicht ein wenig klüger? Inzwischen gibt es eine nächste Generation. Xavier und Wendy haben zwei Kinder, genau wie Martine, und dann ist noch ein Patchwork-Baby von Isabelle geplant, das sie mit ihrer Freundin Ju (Sandrine Holt) aufziehen möchte.
Xavier beschreibt in diesen Filmen den Roman seines Lebens, vielleicht romantisch geglättet und mit glücklichen Fügungen, die man so nur erfinden kann, und spielt ein wenig mit der Chronologie. Diesmal springt die Erzählung in der ersten Hälfte leichtfüßig zwischen den Ereignissen in NY und der Vorgeschichte hin und her, um dann für das Finale in Richtung (vorläufiges) Happy End ein wenig konventionell zu geraten. Aber man verbringt gern zwei Stunden mit diesen sympathisch-verrückten Personen, schmunzelt über ihre Verfehlungen (auch wenn Isabelle einmal zu heftig in die Macho-Rolle gedrängt wird) und darf auch mal laut lachen, etwa wenn Martine in einer herrlich überzogenen Präsentation für Bio-Tee ihr Mandarin zur Geltung bringt.
Wie bei den Vorgängern entfaltet sich der Spaß nur in der Originalfassung richtig, wenn Wendy und Xavier mit Englisch und Französisch jonglieren und zwischendurch ein wenig Spanisch einwerfen - das Jahr in Barcelona hat sie in dieser Hinsicht für alle Eventualitäten vorbereitet. Und wenn sich auch viele Szenen aus Klischees speisen, so sind es doch selten gezeigte Klischees (ganz im Gegensatz zu Julie Delpys misslungenem 2 Tage New York vom vorletzten Jahr) Die leichte jugendliche Überladung des ersten Films weicht hier einer willkommenen Konzentration auf die Lebensmitte, ohne altersweise wirken zu wollen. Oder einfacher ausgedrückt: Auch mit 40 kann man noch Spaß haben! Sehr gut (8/10).
Xavier beschreibt in diesen Filmen den Roman seines Lebens, vielleicht romantisch geglättet und mit glücklichen Fügungen, die man so nur erfinden kann, und spielt ein wenig mit der Chronologie. Diesmal springt die Erzählung in der ersten Hälfte leichtfüßig zwischen den Ereignissen in NY und der Vorgeschichte hin und her, um dann für das Finale in Richtung (vorläufiges) Happy End ein wenig konventionell zu geraten. Aber man verbringt gern zwei Stunden mit diesen sympathisch-verrückten Personen, schmunzelt über ihre Verfehlungen (auch wenn Isabelle einmal zu heftig in die Macho-Rolle gedrängt wird) und darf auch mal laut lachen, etwa wenn Martine in einer herrlich überzogenen Präsentation für Bio-Tee ihr Mandarin zur Geltung bringt.
Wie bei den Vorgängern entfaltet sich der Spaß nur in der Originalfassung richtig, wenn Wendy und Xavier mit Englisch und Französisch jonglieren und zwischendurch ein wenig Spanisch einwerfen - das Jahr in Barcelona hat sie in dieser Hinsicht für alle Eventualitäten vorbereitet. Und wenn sich auch viele Szenen aus Klischees speisen, so sind es doch selten gezeigte Klischees (ganz im Gegensatz zu Julie Delpys misslungenem 2 Tage New York vom vorletzten Jahr) Die leichte jugendliche Überladung des ersten Films weicht hier einer willkommenen Konzentration auf die Lebensmitte, ohne altersweise wirken zu wollen. Oder einfacher ausgedrückt: Auch mit 40 kann man noch Spaß haben! Sehr gut (8/10).
Sonntag, 18. Mai 2014
Zwiespältig: Jason Reitmans "Labor Day" (6/10)
Der erst 36jährige Jason Reitman (Sohn des Ghostbusters-Regisseurs Ivan) hatte bisher ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Projekte. Herausragend dabei die Verfilmung des Diablo-Cody-Drehbuchs Juno und seiner eigenen Adaption des Romans Up in the Air, mit denen er sich einen Namen als Experte für intelligente Komödien machte. Es ist durchaus verständlich, wenn er sich nun auch an anderen Stoffen versuchen möchte. Vorgänger Young Adult mit Charlize Theron war mit seinen tragikomischen Untertönen manchmal schon schwer zu ertragen. Aber mit der Adaption des 2009 erschienenen Romans von Joyce Maynard als seinem fünften Film kehrt er nun seinen erprobten Fähigkeiten wohl zu früh den Rücken. Reitman schafft zwar eine spannende Atmosphäre mit einigen schönen Szenen und schauspielerischen Glanzpunkten, die Zutaten mischen sich aber nicht zu einem befriedigenden Ganzen.
Labor Day spielt, bis auf einige Rückblenden und einen Epilog, am Labor-Day-Wochenende 1987, beschwört aber eher Rollenbilder der 60er herauf. Der entflohener Sträfling Frank (sympathisch: Josh Brolin, Hauptdarsteller aus No Country for Old Men) versteckt sich bei einer geschiedenen, psychisch labilen Mutter Adele (kompetent wie immer: Kate Winslet) und ihrem 13jährigen Sohn Henry und wächst binnen Tagen in die Rolle des Ehemanns und Vaters. Tobey Maguire liefert die Erzählstimme des älteren Henry, der auf dieses Schlüsselerlebnis seiner Jugend zurückblickt. Vielleicht wird in der Vorlage deutlich, ob diese Perspektive verklärt oder anderweitig verzerrt ist. Durch den Blickwinkel des Vorpubertierenden wird den Szenen zwischen Frank und Adele jdenfalls jegliche Erotik entzogen, und Henrys Gefühlswelt bleibt rätselhaft, besonders in seiner Begegnung mit der gleichaltrigen Eleanor. Diese wirkt in einer Mischung aus Zynismus und Verführung so bizarr, daß ich lange die These verfolgte, sie existiere nur in Henrys Vorstellung.
Im Ergebnis hat mich Labor Day über seine 111 Minuten zwar gefesselt, aber doch mehr und mehr verwirrt, um schließlich einen recht merkwürdigen Nachgeschmack zu hinterlassen. Ordentlich (6/10).
Labor Day spielt, bis auf einige Rückblenden und einen Epilog, am Labor-Day-Wochenende 1987, beschwört aber eher Rollenbilder der 60er herauf. Der entflohener Sträfling Frank (sympathisch: Josh Brolin, Hauptdarsteller aus No Country for Old Men) versteckt sich bei einer geschiedenen, psychisch labilen Mutter Adele (kompetent wie immer: Kate Winslet) und ihrem 13jährigen Sohn Henry und wächst binnen Tagen in die Rolle des Ehemanns und Vaters. Tobey Maguire liefert die Erzählstimme des älteren Henry, der auf dieses Schlüsselerlebnis seiner Jugend zurückblickt. Vielleicht wird in der Vorlage deutlich, ob diese Perspektive verklärt oder anderweitig verzerrt ist. Durch den Blickwinkel des Vorpubertierenden wird den Szenen zwischen Frank und Adele jdenfalls jegliche Erotik entzogen, und Henrys Gefühlswelt bleibt rätselhaft, besonders in seiner Begegnung mit der gleichaltrigen Eleanor. Diese wirkt in einer Mischung aus Zynismus und Verführung so bizarr, daß ich lange die These verfolgte, sie existiere nur in Henrys Vorstellung.
Im Ergebnis hat mich Labor Day über seine 111 Minuten zwar gefesselt, aber doch mehr und mehr verwirrt, um schließlich einen recht merkwürdigen Nachgeschmack zu hinterlassen. Ordentlich (6/10).
Sonntag, 11. Mai 2014
Die Hugo-Nominierungen 2014 (Dramatische Präsentation, Kurzform)
Während der ersten Jahren nach der Aufteilung der Kategorie ab 2003 präsentierte sich die Kurzform zunächst als spannendes Feld, mit Nominierungen u.a. aus den Whedeon-Shows Buffy, Angel und Firefly. Erste Gewinner waren eine Episode aus der letzten Buffy-Staffel, Gollums Preisrede bei den MTV-Awards (ok, welcome to Nerdtown) und die Premiere der großartigen ersten Staffel von Battlestar Galactica. Leider entwickelte sich die Kategorie ab 2006 dann zunehmend zur Lachnummer. Sechsmal gewannen Dr.-Who-Folgen, durchbrochen nur durch den (fragwürdigen) Preis für Joss Whedons amüsantes Internet-Musical Dr. Horrible's Sing-Along Blog. Insgesamt gab es seitdem über 20 Nominierungen aus dem Reboot einer BBC-Kinderserie aus den 60ern, bevor letztes Jahr dieser Lauf durch den Höhepunkt der zweiten Staffel von "Game of Thrones" (Blackwater) gebrochen wurde. Nur wenige Folgen der weitaus komplexeren Shows Galactica, Lost, Dollhouse und zuletzt Fringe schafften es überhaupt in die Auswahl.
Tatsächlich gibt es momentan einen Mangel an preiswürdigen Genre-Shows. Die genannten Highlights haben bisher noch keine ebenbürtigen Genre-Nachfolger gefunden, abgesehen von der alles überragenden Fantasyserie Game of Thrones. Ich könnte ein paar unterhaltsame Fantasy-Shows nennen, unter ihnen die (trotz offenbarer Vorliebe für Whedon-Shows nicht nominierten) Agents of Shield, Grimm, Arrow (obwohl die zweite Staffel immer mehr überdreht) und sogar, trotz des religiösen Unsinns, Sleepy Hollow. Gute Science Fiction aber fehlt völlig, da gibt es nur Rohrkrepierer wie Continuum, Under The Dome und Almost Human sowie indiskutable Teenie-Seifenopern unter dem SF-Deckmantel (Star-Crossed). Daher habe ich auf eigene Nominierungen verzichtet. Herausgekommen ist folgendes (selbst die Moderatoren konnten sich bei der Bekanntgabe ein Schmunzeln nicht verkneifen):
Tatsächlich gibt es momentan einen Mangel an preiswürdigen Genre-Shows. Die genannten Highlights haben bisher noch keine ebenbürtigen Genre-Nachfolger gefunden, abgesehen von der alles überragenden Fantasyserie Game of Thrones. Ich könnte ein paar unterhaltsame Fantasy-Shows nennen, unter ihnen die (trotz offenbarer Vorliebe für Whedon-Shows nicht nominierten) Agents of Shield, Grimm, Arrow (obwohl die zweite Staffel immer mehr überdreht) und sogar, trotz des religiösen Unsinns, Sleepy Hollow. Gute Science Fiction aber fehlt völlig, da gibt es nur Rohrkrepierer wie Continuum, Under The Dome und Almost Human sowie indiskutable Teenie-Seifenopern unter dem SF-Deckmantel (Star-Crossed). Daher habe ich auf eigene Nominierungen verzichtet. Herausgekommen ist folgendes (selbst die Moderatoren konnten sich bei der Bekanntgabe ein Schmunzeln nicht verkneifen):
- An Adventure in Space and Time, written by Mark Gatiss, directed by Terry McDonough (BBC Television)
- Doctor Who: “The Day of the Doctor”, written by Steven Moffat, directed by Nick Hurran (BBC Television)
- Doctor Who: “The Name of the Doctor”, written by Steven Moffat, directed by Saul Metzstein (BBC Televison)
- The Five(ish) Doctors Reboot, written & directed by Peter Davison (BBC Television)
- Game of Thrones: “The Rains of Castamere”, written by David Benioff & D.B. Weiss, directed by David Nutter (HBO Entertainment in association with Bighead, Littlehead; Television 360; Startling Television and Generator Productions)
- Orphan Black: “Variations under Domestication” written by Will Pascoe, directed by John Fawcett (Temple Street Productions; Space/BBC America)
Zwiespältiger Kritikerliebling: die kanadische TV-Serie Orphan Black
Orphan Black ist eine spät zum Kritikerliebling gewordene Serie von BBC Kanada, die gerade auch in Deutschland angelaufen ist. Nachdem auch noch eine Folge für den Hugo nominiert wurde, habe ich mir die zehn Teile der ersten Staffel (à 45 Minuten) mal angeschaut (die zweite ist in Amerika bereits angelaufen). Das kanadische Fernsehen hat sicher eine Reihe unverbrauchter Schauplätze und Gesichter zu bieten, allerdings oft auch nur einen Bruchteil des Budgets der vergleichbaren US-amerikanischen Serien, mit für mich ein wenig zwiespältigen Ergebnissen. Mir scheint allerdings, daß gerade europäische Kritiker gern "anders" mit "besser" verwechseln. Wenn schon Toronto, hätte ich lieber noch weitere Staffeln der intelligenteren Heroes-Variante Alphas mit David Strathairn gesehen.
Im Mittelpunkt der hochgelobten SF-Serie steht die Kleinkriminielle Sarah Manning, eine junge Frau Ende Zwanzig mit mysteriöser Vergangenheit, die plötzlich in ein Netz von Intrigen gerät. Sie entdeckt, daß sie einer von mindestens neun genetisch identischen, gleichaltrigen (?) Clonen ist, alle übrigens bravourös, wenngleich nicht gerade mit subtiler Differenzierung gespielt von der bislang unbekannten Tatiana Maslany. Leider dient diese SF-Idee nur als Grundlage für eine zugegeben meist unterhaltsame Mischung aus Action, Thriller, Krimi und Sozialkomödie/-drama sowie einem Schuß Erotik/Romantik. Die wissenschaftlichen Aspekte werden nicht nur vernachlässigt, sondern sind teilweise eher lachhaft und wenig fundiert. Hinzu kommen bereits nach wenigen Folgen die inzwischen üblichen überraschenden Wendungen, die mehrfach die Geschichte auf den Kopf stellen und gähnende Logiklöcher erzeugen. Zudem ist mir nicht ganz klar, wie das ganze auf längere Sicht konsistent weitererzählt werden kann, ohne ins Lächerliche oder Abstruse abzugleiten. Bisher jedenfalls nicht übel, aber auch nichts Besonderes.
Im Mittelpunkt der hochgelobten SF-Serie steht die Kleinkriminielle Sarah Manning, eine junge Frau Ende Zwanzig mit mysteriöser Vergangenheit, die plötzlich in ein Netz von Intrigen gerät. Sie entdeckt, daß sie einer von mindestens neun genetisch identischen, gleichaltrigen (?) Clonen ist, alle übrigens bravourös, wenngleich nicht gerade mit subtiler Differenzierung gespielt von der bislang unbekannten Tatiana Maslany. Leider dient diese SF-Idee nur als Grundlage für eine zugegeben meist unterhaltsame Mischung aus Action, Thriller, Krimi und Sozialkomödie/-drama sowie einem Schuß Erotik/Romantik. Die wissenschaftlichen Aspekte werden nicht nur vernachlässigt, sondern sind teilweise eher lachhaft und wenig fundiert. Hinzu kommen bereits nach wenigen Folgen die inzwischen üblichen überraschenden Wendungen, die mehrfach die Geschichte auf den Kopf stellen und gähnende Logiklöcher erzeugen. Zudem ist mir nicht ganz klar, wie das ganze auf längere Sicht konsistent weitererzählt werden kann, ohne ins Lächerliche oder Abstruse abzugleiten. Bisher jedenfalls nicht übel, aber auch nichts Besonderes.
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