In der Anfangsszene der Star-Trek-Episode Descent (1994, TNG S06E26) spielt Data auf dem Holodeck eine Runde Poker mit Isaac Newton, Albert Einstein und Stephen Hawking. Letzterer spielt sich selbst, gewinnt natürlich die Partie und fühlt sich sichtlich geschmeichelt, dieser illustren Gesellschaft anzugehören. Tatsächlich ist Hawking zwar ein Popstar unter den modernen Wissenschaftlern, kommt an Bedeutung aber nicht annähernd an seine fiktiven Mitspieler heran. Kosmologie ist ohnehin ein undankbares Feld, nirgendwo werden Theorien so oft angefeindet, widerrufen, verworfen. Hawking hat jedenfalls keinesfalls die Unendlichkeit entdeckt, und auch von der Theory of Everything (so der Originaltitel), der Relativität und Quantenphysik verbindenden Weltformel, ist seine Forschung weit entfernt.
Nicht nur darin ist der Titel des bisher eher durch Dokumentarfilme bekannt gewordenen James Marsh irreführend. Das Drehbuch des recht unbekannten Autors Anthony McCarten beruht auf den Erinnerungen von Hawkings erster Frau Jane (mit der er drei Kinder hat) und stellt daher eher den Familienmenschen als den Physiker in den Mittelpunkt. Hawking selbst spricht ungern über seine Krankheit, aber hier dienen die Stationen seines Verfalls fast als roter Faden durch eine Erzählung, die ansonsten offenbar eher für Jane wichtige Episoden herausgreift (etwa eine Ehrung durch die Queen, an der sie teilnehmen durfte). Der Verlauf von Hawkings akademischer Laufbahn bleibt unklar - seine Berufung auf den bedeutenden Lucasischen Lehrstuhl von Cambridge, im Geburtsjahr 1979 seines Sohnes Timothy, wird zum Beispiel kaum erwähnt.
Was bleibt (aber das ist allerhand), ist eine höchst ungewöhnliche Liebesgeschichte, die nur durch die fast unmenschliche Willenskraft beider Partner so lange gehalten hat. Getragen wird sie durch die beiden jungen Hauptdarsteller (beide sind kaum älter als 30). Felicity Jones, bisher vor allem durch Fernsehserien und als Austen-Heldin bekannt, agiert zurückhaltend und überzeugend, wirkt aber fast notgedrungen blaß gegenüber Eddie Redmayne (der 2011 der junge Liebhaber von Marilyn war). Redmaynes Darstellung ist technisch absolut brillant, und man meint passagenweise, per Zeitfernglas den wirklichen Hawking zu sehen. Auch die u.a. mit David Thewlis und Emily Watson prominent besetzten Nebenfiguren treten dabei in den Hintergrund.
Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, daß hier Stoff für mehr als nur eine Liebesgeschichte gewesen wäre. Hätte man Hawkings Lebensumstände nicht mehr mit seinen kosmologischen Erkenntnissen verknüpfen können? Und hätte man den (übrigens in Jane und Stephens Ehe zentralen) Konflikt, das Ringen um die Existenz eines Gottes, nicht stärker thematisieren können? So ist Die Entdeckung der Unendlichkeit für mich zwar keine Enttäuschung, aber doch eine vertane Chance. Noch Gut (7/10).
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Mittwoch, 31. Dezember 2014
Montag, 29. Dezember 2014
Überraschungshit des Jahres: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (7/10)
Shailene Woodley hat sich im laufenden Jahr als preisgünstige Alternative zu Jennifer Lawrence etabliert. Sie ist (für Hollywood-Verhältnisse) nur mittelmäßig hübsch und hat geringere mimische Fähigkeiten, übertrifft JLaw Superstar aber immerhin um etliche Zentimeter Oberweite. Mit 20 hatte sie 2011 bereits einen Golden Globe eingeheimst, für ihre Rolle als George Clooneys Tochter in Alexander Paynes Oscar-prämierten (und m.E. etwas überschätzten) The Descendants. Nachdem ihre Fernsehserie (The Secret Life of the American Teenager, offenbar nicht so doll) nun nach fünf Staffeln und 121 Folgen beendet ist, war sie 2014 zunächst in der Hauptrolle des ersten Teils einer neuen dystopischen Teenager-Trilogie zu sehen: Divergent ist inhaltlich zwar nur die Kopie eines Abklatsches, man kann es sich aber im Verhältnis zu anderen Rohrkrepierern des Genres relativ schmerzfrei anschauen. Aufgrund des moderaten Profits (ca. 280 Mio Dollar Umsatz bei 85 Mio Dollar Budget) drohen hier Fortsetzungen.
Und dann kam der Donnerschlag (für die Filmstudios): Bei nur 20 Mio Dollar Budget hat Das Schicksal ist ein mieser Verräter bisher etwa den gleichen Umsatz wie Divergent erzielt. Die Geschichte um Freundschaft und Liebe zwischen krebskranken Jugendlichen traf offenbar den Nerv des Teenager-Marktes. Sie beruht auf dem Bestseller (im Original etwas subtiler "The Fault in Our Stars" betitelt) des Mittdreißigers John Green, der darin offenbar seine Erfahrungen als Kaplan einer Kinderkrebsstation verarbeitet hat. Die Verfilmung durch den jungen Josh Boone (sein Erstling Love Stories - Erste Lieben, zweite Chancen mit Greg Kinnear und Jennifer Connelly von 2012 war ganz ok) trifft gemäß den meisten Meinungen den Ton der Vorlage recht gut. Sie kommt zum Glück recht unsentimental daher und legt den Schwerpunkt auf die Lebensfreude der jungen Leute, die sich wenig Illusionen über ihre Lebenserwartung machen. Woodley und (mit etwas geringerem Erfolg) ihr Leinwandpartner Ansel Elgort (der in Divergent ihren Bruder spielte) agieren recht natürlich. Natürlich werden die Leiden und Folgen der Krankheit nur sehr vorsichtig gezeigt, aber sie werden auch nicht komplett geleugnet. Eher gestört hat mich die allzu große Harmonie besonders in den Familien der Jugendlichen (u.a. spielen Laura Dern und Sam Trammell Shailenes fast immer gut gelaunte Eltern). Die einzige Figur, die zur Karikatur geriet, ist ironischerweise (?) der enthusiastische Leiter der Selbsthilfegruppe, der auf seiner Gitarre Übelkeit erregende Lieder nach dem Motto "Jesus ist dein bester Freund" schrammelt.
Natürlich gehöre ich nicht zum Zielpublikum dieses Streifens und habe ihn nur fürs Heimkino ausgeliehen. Ich gestehe auch freimütig, daß ich am Ende NICHT geweint habe, aber ich fand ihn trotzdem unterhaltsam und erfrischend. Gut (7/10).
Und dann kam der Donnerschlag (für die Filmstudios): Bei nur 20 Mio Dollar Budget hat Das Schicksal ist ein mieser Verräter bisher etwa den gleichen Umsatz wie Divergent erzielt. Die Geschichte um Freundschaft und Liebe zwischen krebskranken Jugendlichen traf offenbar den Nerv des Teenager-Marktes. Sie beruht auf dem Bestseller (im Original etwas subtiler "The Fault in Our Stars" betitelt) des Mittdreißigers John Green, der darin offenbar seine Erfahrungen als Kaplan einer Kinderkrebsstation verarbeitet hat. Die Verfilmung durch den jungen Josh Boone (sein Erstling Love Stories - Erste Lieben, zweite Chancen mit Greg Kinnear und Jennifer Connelly von 2012 war ganz ok) trifft gemäß den meisten Meinungen den Ton der Vorlage recht gut. Sie kommt zum Glück recht unsentimental daher und legt den Schwerpunkt auf die Lebensfreude der jungen Leute, die sich wenig Illusionen über ihre Lebenserwartung machen. Woodley und (mit etwas geringerem Erfolg) ihr Leinwandpartner Ansel Elgort (der in Divergent ihren Bruder spielte) agieren recht natürlich. Natürlich werden die Leiden und Folgen der Krankheit nur sehr vorsichtig gezeigt, aber sie werden auch nicht komplett geleugnet. Eher gestört hat mich die allzu große Harmonie besonders in den Familien der Jugendlichen (u.a. spielen Laura Dern und Sam Trammell Shailenes fast immer gut gelaunte Eltern). Die einzige Figur, die zur Karikatur geriet, ist ironischerweise (?) der enthusiastische Leiter der Selbsthilfegruppe, der auf seiner Gitarre Übelkeit erregende Lieder nach dem Motto "Jesus ist dein bester Freund" schrammelt.
Natürlich gehöre ich nicht zum Zielpublikum dieses Streifens und habe ihn nur fürs Heimkino ausgeliehen. Ich gestehe auch freimütig, daß ich am Ende NICHT geweint habe, aber ich fand ihn trotzdem unterhaltsam und erfrischend. Gut (7/10).
Sonntag, 28. Dezember 2014
Klassiker auf Blu-ray #13: Gérard Depardieu in "Cyrano de Bergerac" (1990)
Lange bevor Gérard Depardieu sich zur Obelix-Karikatur entwickelte und mit russischen Oligarchen verbrüderte, galt er mal als ernsthafter Schauspieler. Sein internationaler Durchbruch und gleichzeitig der Höhepunkt seines Schaffens kam 1990, als Peter Weir ihn (und Mozarts wunderbares Klarinettenkonzert) dem amerikanischen Publikum in seiner charmanten romantischen Komödie Green Card präsentierte. Im gleichen Jahr war Depardieu für die Titelrolle in Jean-Paul Rappeneaus Verfilmung von Rostands Bühnenstück Cyrano de Bergerac für seinen einzigen Oscar nominiert (leider gewann Jeremy Irons). Und mit seiner einmaligen Mischung aus Feingeist, Verletzlichkeit und animalischer Lebenskraft war der damals 42jährige tatsächlich eine Idealbesetzung für den Fechtheld mit der großen Nase und dem noch größeren poetischen Herz.
Die Adaption dieser französischen Prestige-Produktion stammte vom profilierte Autor Jean-Claude Carrière (u.a. Zuarbeiter von Buñuel und Louis Malle) und modernisiert den aus dem Jahre 1897 stammenden Text nur behutsam - vor allem behielt sie die Versform bei. Das macht mehr Spaß, als man vermuten würde, so zum Beispiel beim ersten, unvergeßlichen Duell ("und beim letzten Verse stech' ich"). Der Film punktet aber auch mit opulenten Kostümen, Kulissen und nur leicht stilisierten Schlachtszenen, die die Theater-Herkunft des Materials fast vergessen machen. Getragen von der mitreißenden, mit dem BAFTA ausgezeichnete Musik von Jean-Claude Petit und immer wieder den vor Esprit sprühenden Versen, mündet das Spektakel nach zwei kurzweiligen Stunden in einer bewegenden Sterbeszene (sicher eine der längsten der Filmgeschichte) mit der Dichtung des eigenen Epitaphs (zitiert aus der Gutenberg-Ausgabe, die wahrscheinlich von der Film-Übersetzung abweicht):
Der Stoff, aus dem Steve Martin drei Jahre zuvor (mit Daryl Hannah in der Titelrolle) mit Roxanne bereits eine sehr schöne, stark modernisierte Komödie geflochten hatte, ist einfach unverwüstlich. Jean-Paul Rappeneau rettete mit dieser Glanztat Frankreichs Ehre, auch wenn er bei insgesamt starker Konkurrenz bei den Oscars in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film (wie so oft) einem "wichtigen" Film unterlag (dem ansonsten sehr guten schweizerischen Beitrag Reise der Hoffnung). Komisch, tragisch, spannend, staunenswert, wenngleich manchmal etwas selbstverliebt, ist "Cyrano" für mich der schönste französische Film der 90er. Herausragend (9/10).
Die deutsche Blu-ray bietet ein ordentliches Bild im Originalformat mit deutschem und französischem Ton, leider nur mit (optionalen) deutschen Untertiteln.
Die Adaption dieser französischen Prestige-Produktion stammte vom profilierte Autor Jean-Claude Carrière (u.a. Zuarbeiter von Buñuel und Louis Malle) und modernisiert den aus dem Jahre 1897 stammenden Text nur behutsam - vor allem behielt sie die Versform bei. Das macht mehr Spaß, als man vermuten würde, so zum Beispiel beim ersten, unvergeßlichen Duell ("und beim letzten Verse stech' ich"). Der Film punktet aber auch mit opulenten Kostümen, Kulissen und nur leicht stilisierten Schlachtszenen, die die Theater-Herkunft des Materials fast vergessen machen. Getragen von der mitreißenden, mit dem BAFTA ausgezeichnete Musik von Jean-Claude Petit und immer wieder den vor Esprit sprühenden Versen, mündet das Spektakel nach zwei kurzweiligen Stunden in einer bewegenden Sterbeszene (sicher eine der längsten der Filmgeschichte) mit der Dichtung des eigenen Epitaphs (zitiert aus der Gutenberg-Ausgabe, die wahrscheinlich von der Film-Übersetzung abweicht):
Musiker und Reimedrechsler,
Physiker, Philosoph und Fechter,
Zungenfertiger Schlagwortwechsler,
Mondreisender ohne Sack und Pack,
Liebhaber auch jedoch ein schlechter!
Hier ruht und wartet des Jüngsten Gerichts
Cyrano Savinien Herkules von Bergerac,
Der alles gewesen und dennoch nichts.
Der Stoff, aus dem Steve Martin drei Jahre zuvor (mit Daryl Hannah in der Titelrolle) mit Roxanne bereits eine sehr schöne, stark modernisierte Komödie geflochten hatte, ist einfach unverwüstlich. Jean-Paul Rappeneau rettete mit dieser Glanztat Frankreichs Ehre, auch wenn er bei insgesamt starker Konkurrenz bei den Oscars in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film (wie so oft) einem "wichtigen" Film unterlag (dem ansonsten sehr guten schweizerischen Beitrag Reise der Hoffnung). Komisch, tragisch, spannend, staunenswert, wenngleich manchmal etwas selbstverliebt, ist "Cyrano" für mich der schönste französische Film der 90er. Herausragend (9/10).
Die deutsche Blu-ray bietet ein ordentliches Bild im Originalformat mit deutschem und französischem Ton, leider nur mit (optionalen) deutschen Untertiteln.
Samstag, 20. Dezember 2014
Endlich vorbei: Des Hobbits Dritter Streich (6/10)
Während Peter Jacksons Team für den zweiten Film dieser aufgeblähten Trilogie noch eine befriedigende Struktur finden konnte, zeigen sich in diesem Abschied von Mittelerde die Adaptionsprobleme überdeutlich. Gleich im Vorspann wird mal eben der unbesiegbare Drache abgeschossen, dann retten die Mittelerde-Avengers schnell noch den geschlagenen Gandalf aus den Fängen des Nekromancers, und dann geschieht lange --- nichts. Die Figuren sind alle eingeführt, der Handlungsort ist bekannt, und dem Geschehen geht der Dampf aus. Fast in Zeitlupe hadern die Helden noch ein wenig mit ihrem Schicksal. Am interessantesten ist dabei noch Thorins Drachenfieber, alle anderen Zwerge treten unverständlicherweise noch weiter in den Hintergrund als bisher. Bard der Drachentöter stolpert nach seiner Heldentat nur noch ziellos durch die Gegend (er sucht seine Kinder - er findet seine Kinder - er bringt seine Kinder in Sicherheit), genauso wie Gandalf. Thranduil hat ein paar gute Momente, aber Legolas und sogar Tauriel wirken meist fehl am Platz. Die eigentliche Schlacht ist dann ziemlich langweilig, und (untypisch für Jackson) auch ziemlich unübersichtlich. Billy Connolly reitet ein Kampfschwein, und Ryan Gage als Alfrid sorgt mit etwas Slapstick für Comic Relief. Spannend wird's dann erst wieder in den entscheidenden Zweikämpfen. Thorin und Azog sichern sich die MTV-Trophäe für das beste Duell des Jahres, Legolas trotz zum wiederholten Male der Physik, und die Liebe von Kili und Tauriel (wer hätte es gedacht) endet tragisch. Der ansonsten großartige Martin Freeman als Bilbo wirkt gelegentlich eher amüsiert als bewegt. Und warum muß man ausgerechnet die schlechteste Dialogzeile der HdR-Trilogie zitieren? Oder ist das Schleichwerbung für eine abgehalfterte Country-Pop-Combo? Das wäre für mich dann eher eine Drohung: The Eagles are coming!
Als Abschluß der Trilogie ist Die Schlacht der fünf Heere akzeptabel, für sich gesehen aber ein recht mäßiger Film. Es fehlt das Gefühl von Abenteuer und eine gewisse Verschrobenheit, die die ersten beiden Teile so unterhaltsam gemacht hatten. Und die Brückenschläge zur HdR-Trilogie wirken aufgesetzt. Da kann auch das nette, von "Pippin" Billy Boyd gesungene Abschlußlied nicht drüber hinwegtrösten. Ordentlich (6/10).
Als Abschluß der Trilogie ist Die Schlacht der fünf Heere akzeptabel, für sich gesehen aber ein recht mäßiger Film. Es fehlt das Gefühl von Abenteuer und eine gewisse Verschrobenheit, die die ersten beiden Teile so unterhaltsam gemacht hatten. Und die Brückenschläge zur HdR-Trilogie wirken aufgesetzt. Da kann auch das nette, von "Pippin" Billy Boyd gesungene Abschlußlied nicht drüber hinwegtrösten. Ordentlich (6/10).
Freitag, 19. Dezember 2014
"Klassische" Rezension: Peter Sellers in "Willkommen Mr. Chance" (9/10)
Gerade habe ich eine schöne Dokumentation über Peter Sellers gesehen, die fast ausschließlich aus "Home Videos" des Exzentrikers zusammengesetzt wurde (The Peter Sellers Story - As He Filmed It). Er war einer der großen Clowns des 20. Jahrhunderts, auch wenn er selbst lieber wie Alec Guiness als ernsthafter Darsteller mit auch komischem Talent wahrgenommen worden wäre. Als Blu-ray gibt es den abschließenden Höhepunkt seiner Filmographie leider bisher nur als Import ohne deutsche Sprache. 2003 schrieb ich zur DVD:
Peter Sellers wird allein durch seine (ebenfalls Oscar-nominierten) Rollen in Kubricks Geniestreich Dr. Strangelove/Dr. Seltsam sicher auf immer im Gedächtnis der Filmliebhaber bleiben. Seine Verwandlungskunst und sein Talent für Slapstick schufen auch einen unvergeßlichen Inspector Clouseau (Der rosarote Panther). Mr. Chance war seine letzte große Rolle, bevor er 1980 mit 54 Jahren einem Herzinfarkt erlag. Im Oscar-Rennen unterlag er Dustin Hoffman (Kramer vs. Kramer). Komiker haben es bei der Akademie schon immer schwer gehabt...
Willkommen, Mr. Chance steht und fällt mit Peter Sellers. Ohne ihn wäre dies tatsächlich eine nette, auf Spielfilmlänge ausgewälzte Idee. Die Nebenrollen sind alle ein wenig flach, die Szenen ohne ihn eher uninteressant (der Präsident mit seiner Frau im Ehebett - die vergebliche Suche der Reporter nach Hintergrundinfos). . Selbst Shirley MacLaine scheint ihrer Rolle in der grotesken "Sex"-Szene nicht so recht gewachsen zu sein. Hier hätte man kürzen können. Doch Peter Sellers ist grandios.Er entwickelt eine Figur, die Gelassenheit und Würde ausstrahlt (was fast alle mit Weisheit verwechseln) und auf eine wunderbare Art zurückhaltend komisch ist. Und Hal Ashby gibt ihm reichlich Gelegenheit dazu. Unterstützt von der impressionistisch angehauchten Pianountermalung von Johnny Mandel entwickelt gerade die erste halbe Stunde einen hypnotischen Rhythmus, der ohne viele Worte auskommt.
Pauline Kael sieht nicht ein, wie ein fast autistischer Gärtner, dessen einziger Einfluß das Fernsehen ist, sich zur Figur des gutmütigen, Gärtnerlatein als Lebensweisen austeilenden Herrn entwickeln könnte. Natürlich nicht! "Being There" (so der schöne Originaltitel) ist weder Charakterstudie noch Satire. Mr. Chance kommt aus dem Nichts und verschwindet in der fabelhaften Schlußszene auch wieder im Nichts. Seine Anwesenheit hat eine traumartige Qualität, und auf diesen Traum muß sich der Zuschauer einlassen. Daß sich in seiner leeren Persönlichkeit Politiker, Reporter und Wirtschaftsfunktionäre spiegeln, hat nur oberflächlich satirische Aspekte. Ist er ein göttlicher Abgesandter, ein Gärtner, der nach den Menschen sieht? Meine Empfehlung ist, sich von ihm für zwei Stunden hypnotisieren zu lassen. Der therapeutische Effekt scheint mir beträchtlich. Und obwohl man ziemlich oft schmunzeln muß, gibt es für eine Komödie eigentlich zu wenig zu lachen. Daher wirkt die "Outtake"-Szene im Abspann auch eher unpassend. Also weniger eine Komödie denn ein leicht sentimentales Märchen.
Herausragend (9/10).
Peter Sellers wird allein durch seine (ebenfalls Oscar-nominierten) Rollen in Kubricks Geniestreich Dr. Strangelove/Dr. Seltsam sicher auf immer im Gedächtnis der Filmliebhaber bleiben. Seine Verwandlungskunst und sein Talent für Slapstick schufen auch einen unvergeßlichen Inspector Clouseau (Der rosarote Panther). Mr. Chance war seine letzte große Rolle, bevor er 1980 mit 54 Jahren einem Herzinfarkt erlag. Im Oscar-Rennen unterlag er Dustin Hoffman (Kramer vs. Kramer). Komiker haben es bei der Akademie schon immer schwer gehabt...
Willkommen, Mr. Chance steht und fällt mit Peter Sellers. Ohne ihn wäre dies tatsächlich eine nette, auf Spielfilmlänge ausgewälzte Idee. Die Nebenrollen sind alle ein wenig flach, die Szenen ohne ihn eher uninteressant (der Präsident mit seiner Frau im Ehebett - die vergebliche Suche der Reporter nach Hintergrundinfos). . Selbst Shirley MacLaine scheint ihrer Rolle in der grotesken "Sex"-Szene nicht so recht gewachsen zu sein. Hier hätte man kürzen können. Doch Peter Sellers ist grandios.Er entwickelt eine Figur, die Gelassenheit und Würde ausstrahlt (was fast alle mit Weisheit verwechseln) und auf eine wunderbare Art zurückhaltend komisch ist. Und Hal Ashby gibt ihm reichlich Gelegenheit dazu. Unterstützt von der impressionistisch angehauchten Pianountermalung von Johnny Mandel entwickelt gerade die erste halbe Stunde einen hypnotischen Rhythmus, der ohne viele Worte auskommt.
Pauline Kael sieht nicht ein, wie ein fast autistischer Gärtner, dessen einziger Einfluß das Fernsehen ist, sich zur Figur des gutmütigen, Gärtnerlatein als Lebensweisen austeilenden Herrn entwickeln könnte. Natürlich nicht! "Being There" (so der schöne Originaltitel) ist weder Charakterstudie noch Satire. Mr. Chance kommt aus dem Nichts und verschwindet in der fabelhaften Schlußszene auch wieder im Nichts. Seine Anwesenheit hat eine traumartige Qualität, und auf diesen Traum muß sich der Zuschauer einlassen. Daß sich in seiner leeren Persönlichkeit Politiker, Reporter und Wirtschaftsfunktionäre spiegeln, hat nur oberflächlich satirische Aspekte. Ist er ein göttlicher Abgesandter, ein Gärtner, der nach den Menschen sieht? Meine Empfehlung ist, sich von ihm für zwei Stunden hypnotisieren zu lassen. Der therapeutische Effekt scheint mir beträchtlich. Und obwohl man ziemlich oft schmunzeln muß, gibt es für eine Komödie eigentlich zu wenig zu lachen. Daher wirkt die "Outtake"-Szene im Abspann auch eher unpassend. Also weniger eine Komödie denn ein leicht sentimentales Märchen.
Herausragend (9/10).
Samstag, 6. Dezember 2014
Wenig Magie: Woody Allens "Magic in the Moonlight" (5/10)
Der inzwischen 79jährige Woody Allen ist bekannt und beliebt für die starken Frauenrollen in seinen Filmen. Gleich fünf Darstellerinnen verhalf er zum Oscargewinn, von Diane Keaton über Dianne Wiest (zweimal), Mira Sorvino, Penélope Cruz zu Cate Blanchett. Aber auch unabhängig von den schauspielerischen Leistungen ist seine Kamera immer schon verliebt in schöne Frauen. Niemand sonst hat Mariel Hemingway so berückend wie in Manhattan, Barbara Hershey so sexy wie in Hannah und ihre Schwestern, Julia Roberts so bezaubernd wie in Alle sagen "I Love You", Freida Pinto so anbetungswürdig schön wie in Ich sehe den Mann deiner Träume eingefangen.
Doppelt gilt dies für seine "Musen", von Diane Keaton über Mia Farrow bis hin zu Scarlett Johansson, die jüngst in drei seiner schönsten europäischen Filme glänzen durfte. Nun hat Woody Emma Stone für sich entdeckt (ein Folgefilm mit ihr und Joaquin Phoenix ist bereits abgedreht). In der gleißenden Sonne, aber auch dem Sommerregen und Mondschein der Côte d'Azur kommen ihre großen Augen, ihr unbefangenes Lächeln und ihr unbeschreiblicher Charme gut zur Geltung. Leider scheint sie ansonsten doch sehr ins Korsett der Allenschen Dialoge und eine diesmal schmerzhaft einengenden Handlungsmechanik eingezwängt zu sein. Vielleicht ist sie auch einfach zu modern für eine Figur der 20er Jahre, mit ihrer funkelnden komischen Energie und ihrem koketten Mundwerk- bereits als Capone-Diva in Gangster Squad wirkte sie fehl am Platz. In The Help paßte ihre Besetzung wiederum gut, weil die Figur ihrer Zeit (den 50ern) voraus war. Anderseits würde ich ihr selbst beim Zähneputzen zuschauen (oder beim Lip-Syncen)...
Darüber hinaus teilt sie, abgesehen von ihren Auftritten als Gwen Stacy mit Spider-Man (und Lebenspartner) Andrew Garfield, einen Fluch mit Audrey Hepburn: Da kaum junge Darsteller neben ihr bestehen können, werden als ihre Leinwandpartner nun ältere Herren besetzt. Diesmal hat es Colin Firth erwischt. Nach seinem Auftritt als Darcy in der genialen BBC-Version von Stolz und Vorurteil immer noch der Schwarm aller Britinnen, inzwischen aber als "ernsthafter" Schauspieler akzeptiert (und Oscar-gekrönt für Die Rede des Königs), gibt er hier irgendwo zwischen Cary Grant und John Cleese angesiedelt den sarkastisch-zynischen, welterfahrenen Magier, der ein betrügerisches Medium entlarven soll und ihm stattdessen verfällt. Diese undankbare Aufgabe löst er eigentlich ganz gut, aber es sprühen nicht gerade Funken zwischen Emma und Colin (der trotz der Bemühungen der Haar- und Makeup-Abteilung nicht verbergen kann, daß er inzwischen ein attraktiver Mittfünfziger ist). Sein Rivale (der sympathische Hamish Linklater aus The Crazy Ones) wirkt mit seinen 37 Jahren dagegen nur mittelalt, auch wenn er mit amüsanten, schief intonierten Ukulele-Ständchen Punkte für jugendliche Dummheit sammelt.
Allerdings würde ich vermuten, daß die recht läppische Geschichte mit der banalen Moral (Magie findet man nicht im Ektoplasma, sondern in der Liebe) nicht aufgrund der Besetzung scheitert. Mir scheint, daß Woody mittendrin irgendwie die Lust verloren hat. Immerhin ist das bereits sein dritter Ausflug in die Welt der Illusionen, nach den weitaus ergiebigeren und unterhaltsameren Im Banne des Jade-Skorpions (2001) und Scoop (2006). So erscheint die Einleitung, in der Colin Firth als Wei Ling Soo immerhin einen Elefanten verschwinden läßt, seltsam uninspiriert. Dazu fehlt mindestens ein zweiter paralleler Handlungsstrang, vielleicht um die (übrigens mit Colin Firth gleichaltrige) Marcia Gay Harden als geschäftstüchtige Mutter des Mediums, die ab der Hälfte der (immerhin mit 97 Minuten kurzen) Laufzeit nicht mehr in Erscheinung tritt.
Wiederum hat mich die in dünnem Mono aus den Lautsprechern quäkende Salonmusik der 20er gestört. Da muß es selbst für diese Periode auch andere Optionen geben (wie wär's mit Al Jolson? Peter Jackson hat's in King Kong vorgemacht). Natürlich interessiert den inzwischen fast tauben Altmeister der Klang seiner Filme am wenigsten. Aber der Mangel an Magie und Mondlicht hätte ihm schon auffallen können. Annehmbar (5/10).
Doppelt gilt dies für seine "Musen", von Diane Keaton über Mia Farrow bis hin zu Scarlett Johansson, die jüngst in drei seiner schönsten europäischen Filme glänzen durfte. Nun hat Woody Emma Stone für sich entdeckt (ein Folgefilm mit ihr und Joaquin Phoenix ist bereits abgedreht). In der gleißenden Sonne, aber auch dem Sommerregen und Mondschein der Côte d'Azur kommen ihre großen Augen, ihr unbefangenes Lächeln und ihr unbeschreiblicher Charme gut zur Geltung. Leider scheint sie ansonsten doch sehr ins Korsett der Allenschen Dialoge und eine diesmal schmerzhaft einengenden Handlungsmechanik eingezwängt zu sein. Vielleicht ist sie auch einfach zu modern für eine Figur der 20er Jahre, mit ihrer funkelnden komischen Energie und ihrem koketten Mundwerk- bereits als Capone-Diva in Gangster Squad wirkte sie fehl am Platz. In The Help paßte ihre Besetzung wiederum gut, weil die Figur ihrer Zeit (den 50ern) voraus war. Anderseits würde ich ihr selbst beim Zähneputzen zuschauen (oder beim Lip-Syncen)...
Darüber hinaus teilt sie, abgesehen von ihren Auftritten als Gwen Stacy mit Spider-Man (und Lebenspartner) Andrew Garfield, einen Fluch mit Audrey Hepburn: Da kaum junge Darsteller neben ihr bestehen können, werden als ihre Leinwandpartner nun ältere Herren besetzt. Diesmal hat es Colin Firth erwischt. Nach seinem Auftritt als Darcy in der genialen BBC-Version von Stolz und Vorurteil immer noch der Schwarm aller Britinnen, inzwischen aber als "ernsthafter" Schauspieler akzeptiert (und Oscar-gekrönt für Die Rede des Königs), gibt er hier irgendwo zwischen Cary Grant und John Cleese angesiedelt den sarkastisch-zynischen, welterfahrenen Magier, der ein betrügerisches Medium entlarven soll und ihm stattdessen verfällt. Diese undankbare Aufgabe löst er eigentlich ganz gut, aber es sprühen nicht gerade Funken zwischen Emma und Colin (der trotz der Bemühungen der Haar- und Makeup-Abteilung nicht verbergen kann, daß er inzwischen ein attraktiver Mittfünfziger ist). Sein Rivale (der sympathische Hamish Linklater aus The Crazy Ones) wirkt mit seinen 37 Jahren dagegen nur mittelalt, auch wenn er mit amüsanten, schief intonierten Ukulele-Ständchen Punkte für jugendliche Dummheit sammelt.
Allerdings würde ich vermuten, daß die recht läppische Geschichte mit der banalen Moral (Magie findet man nicht im Ektoplasma, sondern in der Liebe) nicht aufgrund der Besetzung scheitert. Mir scheint, daß Woody mittendrin irgendwie die Lust verloren hat. Immerhin ist das bereits sein dritter Ausflug in die Welt der Illusionen, nach den weitaus ergiebigeren und unterhaltsameren Im Banne des Jade-Skorpions (2001) und Scoop (2006). So erscheint die Einleitung, in der Colin Firth als Wei Ling Soo immerhin einen Elefanten verschwinden läßt, seltsam uninspiriert. Dazu fehlt mindestens ein zweiter paralleler Handlungsstrang, vielleicht um die (übrigens mit Colin Firth gleichaltrige) Marcia Gay Harden als geschäftstüchtige Mutter des Mediums, die ab der Hälfte der (immerhin mit 97 Minuten kurzen) Laufzeit nicht mehr in Erscheinung tritt.
Wiederum hat mich die in dünnem Mono aus den Lautsprechern quäkende Salonmusik der 20er gestört. Da muß es selbst für diese Periode auch andere Optionen geben (wie wär's mit Al Jolson? Peter Jackson hat's in King Kong vorgemacht). Natürlich interessiert den inzwischen fast tauben Altmeister der Klang seiner Filme am wenigsten. Aber der Mangel an Magie und Mondlicht hätte ihm schon auffallen können. Annehmbar (5/10).
Samstag, 29. November 2014
Klassiker auf Blu-ray #12: The Crying Game (Neil Jordan 1992)
Für die Realisierung dieses kleinen britischen Films mußte Neil Jordan lange kämpfen. Zur Überraschung der Studioprofis wurde daraus ein weltweiter Hit, und Jordan gewann den Oscar für das beste Originaldrehbuch. Und dieses Buch hat es tatsächlich in sich. Dabei meine ich nicht so sehr das zentrale Gimmick, sondern den überhaupt unvorhersehbaren Verlauf der Geschichte. Sie handelt zunächst von einer unmöglichen Freundschaft und dann von einer unmöglichen Liebe. Je weniger man darüber weiß, desto mehr Freude hat man beim Zuschauen. Aber auch das Wiedersehen ist noch ein Erlebnis. Das liegt wohl an Jordans romantisch-magischer Sicht auf die Welt. Er schafft eine melancholische und doch lebensbejahende Atmosphäre. The Crying Game ist damit thematisch eine Fortsetzung seiner früheren Filme Mona Lisa (mit dem jüngst verstorbenen wunderbaren Bob Hoskins) und Miracle - Geheimnis eines Sommers. Aufgrund dieses Erfolgs wurde ihm das (durchaus gelungene) Interview mit einem Vampir anvertraut, aber weitere Höhepunkte seiner Karriere blieben danach aus.
Ein großes Verdienst haben natürlich die wunderbar natürlich agierenden Darsteller: Stephen Rea als warmherziger IRA-Soldat, ein junger Forest Whitaker (Ghost Dog, Der letzte König von Schottland) als die IRA-Geisel und der vielbeschäftigte Jim Broadbent als Barkeeper, dazu Jaye Davidson als Dill (danach nur in einer einzigen Folgerolle zu sehen, nämlich als Ra in Stargate). Und dann ist da natürlich noch der Titelsong, ursprünglich in den 60ern ein kleiner Hit für Dave Berry. Vom Gesang her ziehe ich die Boy-George-Version vor, die zu den Endcredits läuft, auch wenn sie unter der typischen 80er-Produktion (Pet Shop Boys!) leidet.
Dieser herausragende Film ist bisher leider nur auf einer niederländischen Blu-ray erschienen, allerdings mit tollem Bild (im Originalformat 2.35:1) und tadellosem Originalton, mit optionalen niederländischen (keinen englischen!) Untertiteln. Keine Extras.
Ein großes Verdienst haben natürlich die wunderbar natürlich agierenden Darsteller: Stephen Rea als warmherziger IRA-Soldat, ein junger Forest Whitaker (Ghost Dog, Der letzte König von Schottland) als die IRA-Geisel und der vielbeschäftigte Jim Broadbent als Barkeeper, dazu Jaye Davidson als Dill (danach nur in einer einzigen Folgerolle zu sehen, nämlich als Ra in Stargate). Und dann ist da natürlich noch der Titelsong, ursprünglich in den 60ern ein kleiner Hit für Dave Berry. Vom Gesang her ziehe ich die Boy-George-Version vor, die zu den Endcredits läuft, auch wenn sie unter der typischen 80er-Produktion (Pet Shop Boys!) leidet.
Dieser herausragende Film ist bisher leider nur auf einer niederländischen Blu-ray erschienen, allerdings mit tollem Bild (im Originalformat 2.35:1) und tadellosem Originalton, mit optionalen niederländischen (keinen englischen!) Untertiteln. Keine Extras.
Sonntag, 23. November 2014
Klassiker auf Blu-ray #11: Martin Scorseses "Zeit der Unschuld"
Mit schöner Bildqualität, aber leider ohne Extras ist jüngst Martin Scorseses Kostümfilm Zeit der Unschuld ("Age of Innocence") als Blu-ray erschienen. Bereits vor zehn Jahren schrieb ich zum Film:
Welch eine Geschichte, welch eine Umsetzung! Selten hatte ich bei Scorsese das Gefühl, daß er sein formales Genie derart in den Dienst des Stoffes gestellt hat wie in diesem Meisterwerk (neben Howards End vielleicht die beste Literaturverfilmung der 90er). Bei den Kritikern nicht so gut angekommen, lautete der Hauptvorwurf wohl, die Schauspieler hätten die Gefühle nicht "rübergebracht". Tatsächlich sind die Figuren perfekte Abbilder ihrer Zeit, unfähig, einfache Wahrheiten auszusprechen, selbstbeherrscht bis zum Masochismus. Die Tragik wird uns vom Regisseur auf andere Weise vermittelt: durch Kameraperspektiven, kurze Traumsequenzen (quasi Gefühlssprünge), farblich verfremdete Überblendungen, und nicht zuletzt durch die wohldosierte Musikuntermalung (in die zumeist zeitgenössische Auswahl fügt sich das einzige moderne Stück von Enya nahtlos ein). Die besten Augenblicke aber kommen ohne Musik, ja manchmal fast ohne Ton aus. Wenn die Kamera im Opernhaus plötzlich auf Daniel Day-Lewis und Michelle Pfeiffer fokussiert, entsteht ein Moment von seltener Magie, und keine erklärenden Worte sind nötig. Dann wieder setzt die ironische Erzählstimme ein und erklärt uns eine vergangene Welt, die keine Verherrlichung lohnt und der doch eine gewisse Nostalgie anhaftet.
Ein weiteres Mal ist hier Michelle Pfeiffer bei den Oscar-Nominierungen übergangen worden. Ihre erstaunliche Leistung weiß man noch mehr zu würdigen, wenn man sich ihre vollkommen anders gelagerte und doch ebenso perfekt ausgeführte Rolle in jenem Wunderwerk von 1988, "Dangerous Liaisons" (Gefährliche Liebschaften), vergegenwärtigt. Daniel Day-Lewis war ihr ein würdiger Widerpart, und die damals 21jährige Winona Ryder hervorragend, wie übrigens alle weiteren Nebendarsteller. Gute Schauspielerei heißt halt mehr als exaltiert in Tränen ausbrechen zu können oder sich in Wutanfällen zu ergehen. Hier waren kleine Gesten gefragt, und die hat Scorsese zuhauf eingefangen.
Welch eine Geschichte, welch eine Umsetzung! Selten hatte ich bei Scorsese das Gefühl, daß er sein formales Genie derart in den Dienst des Stoffes gestellt hat wie in diesem Meisterwerk (neben Howards End vielleicht die beste Literaturverfilmung der 90er). Bei den Kritikern nicht so gut angekommen, lautete der Hauptvorwurf wohl, die Schauspieler hätten die Gefühle nicht "rübergebracht". Tatsächlich sind die Figuren perfekte Abbilder ihrer Zeit, unfähig, einfache Wahrheiten auszusprechen, selbstbeherrscht bis zum Masochismus. Die Tragik wird uns vom Regisseur auf andere Weise vermittelt: durch Kameraperspektiven, kurze Traumsequenzen (quasi Gefühlssprünge), farblich verfremdete Überblendungen, und nicht zuletzt durch die wohldosierte Musikuntermalung (in die zumeist zeitgenössische Auswahl fügt sich das einzige moderne Stück von Enya nahtlos ein). Die besten Augenblicke aber kommen ohne Musik, ja manchmal fast ohne Ton aus. Wenn die Kamera im Opernhaus plötzlich auf Daniel Day-Lewis und Michelle Pfeiffer fokussiert, entsteht ein Moment von seltener Magie, und keine erklärenden Worte sind nötig. Dann wieder setzt die ironische Erzählstimme ein und erklärt uns eine vergangene Welt, die keine Verherrlichung lohnt und der doch eine gewisse Nostalgie anhaftet.
Ein weiteres Mal ist hier Michelle Pfeiffer bei den Oscar-Nominierungen übergangen worden. Ihre erstaunliche Leistung weiß man noch mehr zu würdigen, wenn man sich ihre vollkommen anders gelagerte und doch ebenso perfekt ausgeführte Rolle in jenem Wunderwerk von 1988, "Dangerous Liaisons" (Gefährliche Liebschaften), vergegenwärtigt. Daniel Day-Lewis war ihr ein würdiger Widerpart, und die damals 21jährige Winona Ryder hervorragend, wie übrigens alle weiteren Nebendarsteller. Gute Schauspielerei heißt halt mehr als exaltiert in Tränen ausbrechen zu können oder sich in Wutanfällen zu ergehen. Hier waren kleine Gesten gefragt, und die hat Scorsese zuhauf eingefangen.
Montag, 17. November 2014
Aufgeblähtes Weltraumabenteuer: Interstellar (4/10)
Lang, aber nicht wirklich langweilig - das ist schon das beste, was ich über Interstellar sagen kann. Christopher Nolan hat nach dem Erfolg seiner Dark-Knight-Trilogie einen derart geschickten Marketingapparat und eine solch riesige Fangemeinde (die den Film bereits auf Platz 12 der IMDB-Top-250 gehievt hat), daß kaum jemand an seinem Lorbeer zu kratzen wagt. Es kann einem schon übel werden von den Lobhudeleien, die über Interstellar veröffentlicht werden.Dabei legt das Projekt schonungslos Nolans Schwächen als Filmemacher bloß - es ist clever, aber nicht mitreißend, starbesetzt, aber wenig eindringlich gespielt, technisch, aber nicht wissenschaftlich, geschätzig, aber nicht philosophisch. Viele aufwendige Bilder, aber: WO BLEIBT DER SPASS?
Was bleibt, ist ein recht humorloser Abenteuerfilm im Weltall mit vorhersehbaren Twists, die kaum eine emotionale Reaktion hervorrufen können. Und dabei habe ich generell durchaus meine Freude an Shuttle-Flügen, Bildern von Raumschiffen, Dockingmanövern und haarsträubenden Landungen auf fremden Planeten (sonst hätte ich mir kaum den ersten Star-Trek-Film freiwillig mehrfach angeschaut). Aber Interstellar hängt irgendwo im Nichts zwischen der Fantasietechnik à la Star Trek/Star Wars/Galactica und der aus heutiger Sicht realistischen Technik von Gravity - selbst Armageddon war darin überzeugender. Jetzt habe ich tatsächlich Lust, mir jene bodenlos schlechte SF-"Perle" nochmals anzuschauen, die bereits vor 35 Jahren ein Schwarzes Loch präsentiert hat.
Geradezu ketzerisch finde ich die Vergleiche mit dem sicher nicht perfektem Meisterwerk 2001: Odyssee im Weltall, in dem Stanley Kubrick gemeinsam mit Arthur C. Clarke eine atemberaubende Vision präsentierte. Ja, streckenweise war das langweilig, aber allein für den unsterblichen Raumschiffwalzer und HALs Sterbeszene lohnte sich die Geduld. Und während Nolans Auflösung praktisch keine Fragen offen läßt, begann mit dem Ende von 2001 erst das Rätseln. Nolan bleibt (wie übrigens auch J.J. Abrams) an der Oberfläche, und wählt als Mittelpunkt (dies vielleicht ein Überbleibsel aus der Phase, als dies noch ein Spielberg-Projekt war) zwei banale Vater-Tochter-Beziehungen. Ansonsten ist es schon verblüffend, wie bei drei Stunden Laufzeit zwei der vier Expeditionsmitglieder nur als farblose Redshirts rüberkommen. Ganz zu schweigen vom längeren Cameo eines zombiehaft agierenden Matt Damon (falsches Genre!). Und dann ist da noch die "Musik", von der mir vor allem das bedeutungsschwere Dröhnen in vermeintlich "wichtigen" oder "mystischen" Szenen in Erinnerung blieb. Subwoofer bis zum Anschlag ausreizen und Kirchenorgeln fürs Metaphysische - mehr fällt unserem Landsmann in Hollywood Hans Zimmer offenbar nicht mehr ein.
Hier noch ein Gedanke, der mich trotz des Films beschäftigt: Ist es ethisch korrekt, für ein Überleben der Spezie um jeden Preis zu kämpfen? Sollte für die Menschheit nicht genauso für ein Individuum gelten, daß es auch darauf ankommt, wie man (über)lebt? Wenn man allerdings nach den SF-Filmen der letzten Jahre geht, sollte die Menschheit vielleicht einfach das Handtuch werfen.
Dies ist für mich nun der dritte mäßige Film mit Überlänge in Folge (Finchers Gone Girl hat auf mich eher wie ein Grippeanfall als ein Film gewirkt, so daß ich mir eine Kritik verkniffen habe). Interstellar? Kann man sich anschauen - schließlich schalten auch noch Millionen Deutsche "Wetten daß..." ein. Erträglich (4/10).
Was bleibt, ist ein recht humorloser Abenteuerfilm im Weltall mit vorhersehbaren Twists, die kaum eine emotionale Reaktion hervorrufen können. Und dabei habe ich generell durchaus meine Freude an Shuttle-Flügen, Bildern von Raumschiffen, Dockingmanövern und haarsträubenden Landungen auf fremden Planeten (sonst hätte ich mir kaum den ersten Star-Trek-Film freiwillig mehrfach angeschaut). Aber Interstellar hängt irgendwo im Nichts zwischen der Fantasietechnik à la Star Trek/Star Wars/Galactica und der aus heutiger Sicht realistischen Technik von Gravity - selbst Armageddon war darin überzeugender. Jetzt habe ich tatsächlich Lust, mir jene bodenlos schlechte SF-"Perle" nochmals anzuschauen, die bereits vor 35 Jahren ein Schwarzes Loch präsentiert hat.
Geradezu ketzerisch finde ich die Vergleiche mit dem sicher nicht perfektem Meisterwerk 2001: Odyssee im Weltall, in dem Stanley Kubrick gemeinsam mit Arthur C. Clarke eine atemberaubende Vision präsentierte. Ja, streckenweise war das langweilig, aber allein für den unsterblichen Raumschiffwalzer und HALs Sterbeszene lohnte sich die Geduld. Und während Nolans Auflösung praktisch keine Fragen offen läßt, begann mit dem Ende von 2001 erst das Rätseln. Nolan bleibt (wie übrigens auch J.J. Abrams) an der Oberfläche, und wählt als Mittelpunkt (dies vielleicht ein Überbleibsel aus der Phase, als dies noch ein Spielberg-Projekt war) zwei banale Vater-Tochter-Beziehungen. Ansonsten ist es schon verblüffend, wie bei drei Stunden Laufzeit zwei der vier Expeditionsmitglieder nur als farblose Redshirts rüberkommen. Ganz zu schweigen vom längeren Cameo eines zombiehaft agierenden Matt Damon (falsches Genre!). Und dann ist da noch die "Musik", von der mir vor allem das bedeutungsschwere Dröhnen in vermeintlich "wichtigen" oder "mystischen" Szenen in Erinnerung blieb. Subwoofer bis zum Anschlag ausreizen und Kirchenorgeln fürs Metaphysische - mehr fällt unserem Landsmann in Hollywood Hans Zimmer offenbar nicht mehr ein.
Hier noch ein Gedanke, der mich trotz des Films beschäftigt: Ist es ethisch korrekt, für ein Überleben der Spezie um jeden Preis zu kämpfen? Sollte für die Menschheit nicht genauso für ein Individuum gelten, daß es auch darauf ankommt, wie man (über)lebt? Wenn man allerdings nach den SF-Filmen der letzten Jahre geht, sollte die Menschheit vielleicht einfach das Handtuch werfen.
Dies ist für mich nun der dritte mäßige Film mit Überlänge in Folge (Finchers Gone Girl hat auf mich eher wie ein Grippeanfall als ein Film gewirkt, so daß ich mir eine Kritik verkniffen habe). Interstellar? Kann man sich anschauen - schließlich schalten auch noch Millionen Deutsche "Wetten daß..." ein. Erträglich (4/10).
Samstag, 15. November 2014
Rätselhafte Impressionen eines Meisters: Mike Leighs "Mr. Turner" (5/10)
"Schmutziges gelbes Geschmiere", so soll Queen Victoria das Spätwerk des bedeutenden Landschaftsmalers Turner beschimpft haben. Als Beschreibung dieser Filmbiographie mag das zu harsch sein, aber es ist schon sehr rätselhaft, was uns Altmeister Mike Leigh hier auftischt. Insbesondere der Zuschauer ohne Vorkenntnisse wird hineingeworfen in eine viktorianische Kulisse mit Figuren, die aus einem Dickens-Roman stammen könnten, deren Verhältnis zueinander aber lange unklar bleibt. So erkenne ich erst langsam, daß Turners jovialer Assistent wohl sein Vater ist (nicht hilfreich, daß die Darsteller nur zehn Lebensjahre trennen). Und ist die Haushälterin nun seine Geliebte oder die Ehefrau, die ihm den Haushalt führt? Überhaupt frage ich mich über eine halbe Stunde lang, ob die Geschichte nun chronologisch erzählt wird. Mit dem Tod des Vaters (den Turner am Sterbebett - ist das anachronistisch? Daddy nennt) löst sich zumindest dieses Rätsel, aber der Verlauf der wohl 25 letzten Jahre des Malers erschließt sich nur sporadisch. Natürlich kann man später alles bei Wikipedia recherchieren, aber Voraussetzung für einen Filmgenuß sollte das kaum sein.
Bisher eher auf urige Nebenrollen abonniert (er gab als Peter Pettigrew eine überzeugende Ratte in den Harry-Potter-Filmen), dominiert Leigh-Stammspieler Timothy Spall mit seiner sauertöpfischen Miene, dem schiefen Grinsen und seiner - nun ja - barocken Figur zweifelsohne die Szenerie. Aber nur selten erlaubt ihm das Buch (das der Regisseur wie üblich mit seinen Darstellern erarbeitet hat), seiner Figur sympathische Züge einzuhauchen. Der Kontrast zwischen dieser grobschlächtigen, gefühlskalten Person und seinem einfühlsamen Werk mag interessant sein, kann aber kaum über 150 Minuten fesseln. Gefühlte neunzig Prozent der Zeit kommuniziert Turner (immerhin Mitglied der Royal Academy) mit unbilligem Gegrunze, wenn er nicht im affektierten Oberschichten-Englisch Platitüden von sich gibt. Dies und erst recht der schwer verständliche Cockney-Akzent der Bediensteten wird dem Film übrigens keine Freunde in den USA machen, so daß ich eher wenig Oscar-Chancen sehe.
Stärke entwickelt der Film immerhin dann, wenn er Turner die kraftvollen europäischen Landschaften entdecken läßt, die er in seinen Ölgemälden und Aquarellen in der Tat meisterlich einzufangen vermochte. Das ist Leigh und seinem Stamm-Kameramann Dick Pope tatsächlich beeindruckend gelungen. Daneben bleiben einige Szenen im Gedächtnis, die die Möglichkeiten des Stoffes erahnen lassen. Warum sieht man mehr vom (zugegeben kunstvollen) Zusammenrühren der Farben als vom eigentlichen Schöpfungsakt (Spall hat angeblich zwei Jahre lang Malunterricht genommen)? Die Verwandlung eines roten Farbklecks in eine Boje zumindest macht Lust auf mehr. Der ansonsten vermißten Spitzbubenhumor des Regisseurs blitzt in einer Konversation einer kleinen Gesellschaft auf, die die klimatischen Bedingungen der Brombeerzucht erschöpfendend diskutiert, bevor sie in eine peinliche Lobhudelei zugunsten des (noch) hochgeschätzten Malers ausufert. Aber welche Signifikanz hat der stockende, abgelesene Vortrag in der Akademie (?) - war Turner Lehrer, hatte er Einfluß, Schüler? und wie steht es um das Experiment zur Magnetisierung einer Nadel mittels eines Prismas, oder die Entdeckung der Daguerrographie? Leider sind dies isolierte (mögliche) Höhepunkte in einem überlangen, formlosen Geschmiere.
Für mich ist diese zweite Filmbiographie (nach dem überwiegend gelungenen Gilbert & Sullivan-Opus Topsy Turvy von 1999) des großen britischen Sozialsatirikers Mike Leigh also eine Enttäuschung, so wie ich auch mit den meisten seiner jüngeren Werke (Happy-Go-Lucky, Another Year) nicht viel anfangen kann. Hoffentlich wird bals sein bester Film auf Blu-ray veröffentlicht, die herrliche, berührende Komödie Lügen und Geheimnisse von 1996 (schon damals mit Timothy Spall). Mr. Turner? Annehmbar (5/10).
Bisher eher auf urige Nebenrollen abonniert (er gab als Peter Pettigrew eine überzeugende Ratte in den Harry-Potter-Filmen), dominiert Leigh-Stammspieler Timothy Spall mit seiner sauertöpfischen Miene, dem schiefen Grinsen und seiner - nun ja - barocken Figur zweifelsohne die Szenerie. Aber nur selten erlaubt ihm das Buch (das der Regisseur wie üblich mit seinen Darstellern erarbeitet hat), seiner Figur sympathische Züge einzuhauchen. Der Kontrast zwischen dieser grobschlächtigen, gefühlskalten Person und seinem einfühlsamen Werk mag interessant sein, kann aber kaum über 150 Minuten fesseln. Gefühlte neunzig Prozent der Zeit kommuniziert Turner (immerhin Mitglied der Royal Academy) mit unbilligem Gegrunze, wenn er nicht im affektierten Oberschichten-Englisch Platitüden von sich gibt. Dies und erst recht der schwer verständliche Cockney-Akzent der Bediensteten wird dem Film übrigens keine Freunde in den USA machen, so daß ich eher wenig Oscar-Chancen sehe.
Stärke entwickelt der Film immerhin dann, wenn er Turner die kraftvollen europäischen Landschaften entdecken läßt, die er in seinen Ölgemälden und Aquarellen in der Tat meisterlich einzufangen vermochte. Das ist Leigh und seinem Stamm-Kameramann Dick Pope tatsächlich beeindruckend gelungen. Daneben bleiben einige Szenen im Gedächtnis, die die Möglichkeiten des Stoffes erahnen lassen. Warum sieht man mehr vom (zugegeben kunstvollen) Zusammenrühren der Farben als vom eigentlichen Schöpfungsakt (Spall hat angeblich zwei Jahre lang Malunterricht genommen)? Die Verwandlung eines roten Farbklecks in eine Boje zumindest macht Lust auf mehr. Der ansonsten vermißten Spitzbubenhumor des Regisseurs blitzt in einer Konversation einer kleinen Gesellschaft auf, die die klimatischen Bedingungen der Brombeerzucht erschöpfendend diskutiert, bevor sie in eine peinliche Lobhudelei zugunsten des (noch) hochgeschätzten Malers ausufert. Aber welche Signifikanz hat der stockende, abgelesene Vortrag in der Akademie (?) - war Turner Lehrer, hatte er Einfluß, Schüler? und wie steht es um das Experiment zur Magnetisierung einer Nadel mittels eines Prismas, oder die Entdeckung der Daguerrographie? Leider sind dies isolierte (mögliche) Höhepunkte in einem überlangen, formlosen Geschmiere.
Für mich ist diese zweite Filmbiographie (nach dem überwiegend gelungenen Gilbert & Sullivan-Opus Topsy Turvy von 1999) des großen britischen Sozialsatirikers Mike Leigh also eine Enttäuschung, so wie ich auch mit den meisten seiner jüngeren Werke (Happy-Go-Lucky, Another Year) nicht viel anfangen kann. Hoffentlich wird bals sein bester Film auf Blu-ray veröffentlicht, die herrliche, berührende Komödie Lügen und Geheimnisse von 1996 (schon damals mit Timothy Spall). Mr. Turner? Annehmbar (5/10).
Samstag, 4. Oktober 2014
Viel mehr als Nichts: Joss Whedons "Much Ado About Nothing" (9/10)
Im DVD-Kommentar zu (wenn ich mich nicht irre) einer Angel-Folge hat Joss Whedon vor Jahren mal Amy Acker als "das Schönste, das er jemals gefilmt hat" hervorgehoben. Was bei anderen vielleicht fragwürdig wirken würde, nimmt man ihm als Begeisterungsausbruch des Augenblicks ab. Er pflegt zu den meisten seiner Darsteller ein freundschaftliches Verhältnis, geprägt von der gemeinsamen Liebe zur Kreativität. Bei aller Cleverness hat Whedon, mit den Avengers immerhin für den dritterfolgreichsten Film aller Zeiten verantwortlich, nie seinen Sinn für künstlerische Ästhetik verloren. Und er hatte immer schon ein Händchen für die Besetzung gutaussehender Schauspieler mit oft eigenwilliger Persönlichkeit - Ken und Barbie hatten bei ihm nie eine Chance. Nur an Charisma Carpenter als Cordelia hat er m.E. aus Loyalität zu lange festgehalten - sie hatte ihr Willkommen schon in drei Staffeln Buffy überstrapaziert, bevor sie als Hauptfigur zu Angel wechselte.
Über Jahre hatte Joss Whedon mit einem Kern von Schauspieler-Freunden in seinem Haus Wochenend-Lesungen von Shakespeare-Werken veranstaltet. Im Herbst 2011, in einer Drehpause von den Avengers, inszenierte er "als Entspannung" und anstatt einer Reise zum 20jährigen Hochzeitstag binnen zwölf Tagen eine moderne und doch werkgetreue Fassung von Much Ado About Nothing (Viel Lärm um Nichts), die sich kaum mehr von der ausgelassenen, sonnigen Branagh-Version von 1993 unterscheiden könnte: photographiert in geschmackvollem Schwarz-Weiß, produziert in der von seiner Frau Kai eingerichteten Villa in Santa Monica, realisiert mit einem Team von Freunden. Welch glückliche Menschen, die da in einer Seifenblase von Schönheit und Wohlstand leben...
Die Hauptrollen spielen die erwähnte bildhüsche Amy Acker (Angel, Dollhouse, Cabin in the Woods) und Alexis Denisof (Buffy, Angel, Dollhouse), der im wirklichen Leben mit "Willow" Alyson Hannigan (inzwischen mit How I Met Your Mother super-erfolgreich) verheiratet ist. Hier gibt es also ein spätes Happyend für Fred und Wesley aus Angel, und die beiden treten als Beatrice und Benedick selbstbewußt in die Fußstapfen von Emma Thompson und Kenneth Branagh. Aber wie meist bei Whedon ist das Ensemble der Star, unter anderen mit "Agent Coulson" Clark Gregg als Beatrice' Onkel Leonato, Reed Diamond (Dollhouse) als Prinz Don Pedro, Sean Maher (Simon, Rivers Bruder aus Firefly) als sein intriganter Bruder Don John und Fran Kranz (Dollhouse, Cabin in the Woods) als sein verliebter Freund Claudio. Dazu kommt die als Statistin bei den Avengers von Joss entdeckte Jillian Morgese, die sich als unschuldig-junge Hero nahtlos in die erfahrene Gruppe einreiht. Und dann gibt es da noch Nathan "Captain Smartpants" Fillion, dessen Tölpel Dogberry weit von Michael Keatons grandiosem Clown entfernt und doch ähnlich charismatisch ist (wenn man sich mal an die neuerrungene Leibesfülle des inzwischen gut 40jährigen Firefly-Veteranen gewöhnt hat).
Damit wirken die TV-Darsteller weitaus geschlossener als Brannaghs zusammengewürfelte Star-Ensemble (dessen Stunt-Casting u.a. mit Keanu Reaves als Don John und Denzel Washington als Don Pedro nicht komplett überzeugen konnte). Es ist ein kleines Wunder, wie natürlich die Verse des Barden den Whedonites von der Zunge rollen. Das wirkt kaum anachronistisch in einer Welt der Limousinen, Mobiltelefone und Handfeuerwaffen, aber immer noch komisch und bewegend. Auch der Slapstick kommt nicht zu kurz (Denisof hat dafür ein besonderes Talent). Dazu kommt die vom Meister unter Mitwirkung seines Bruders Jed und seiner Schwägerin Maurissa Tancharoen komponierte und eingespielte Musik. Besonders schön das von Maurissa bei der Willkommensparty gesungene "Sigh no more", das ich mir direkt bei iTunes laden mußte. Übrigens lief der Film auch in Deutschland kurz im Kino, ich selbst habe mir aber gleich die Blu-ray aus England besorgt (kommt demnächst aber auch hier heraus). Muß ich noch sagen, daß ich die Originalversion empfehle?
Insgesamt komme ich aus anderen Gründen zum gleichen Urteil wie für die Branagh-Verfilmung: Herausragend (9/10).
Über Jahre hatte Joss Whedon mit einem Kern von Schauspieler-Freunden in seinem Haus Wochenend-Lesungen von Shakespeare-Werken veranstaltet. Im Herbst 2011, in einer Drehpause von den Avengers, inszenierte er "als Entspannung" und anstatt einer Reise zum 20jährigen Hochzeitstag binnen zwölf Tagen eine moderne und doch werkgetreue Fassung von Much Ado About Nothing (Viel Lärm um Nichts), die sich kaum mehr von der ausgelassenen, sonnigen Branagh-Version von 1993 unterscheiden könnte: photographiert in geschmackvollem Schwarz-Weiß, produziert in der von seiner Frau Kai eingerichteten Villa in Santa Monica, realisiert mit einem Team von Freunden. Welch glückliche Menschen, die da in einer Seifenblase von Schönheit und Wohlstand leben...
Die Hauptrollen spielen die erwähnte bildhüsche Amy Acker (Angel, Dollhouse, Cabin in the Woods) und Alexis Denisof (Buffy, Angel, Dollhouse), der im wirklichen Leben mit "Willow" Alyson Hannigan (inzwischen mit How I Met Your Mother super-erfolgreich) verheiratet ist. Hier gibt es also ein spätes Happyend für Fred und Wesley aus Angel, und die beiden treten als Beatrice und Benedick selbstbewußt in die Fußstapfen von Emma Thompson und Kenneth Branagh. Aber wie meist bei Whedon ist das Ensemble der Star, unter anderen mit "Agent Coulson" Clark Gregg als Beatrice' Onkel Leonato, Reed Diamond (Dollhouse) als Prinz Don Pedro, Sean Maher (Simon, Rivers Bruder aus Firefly) als sein intriganter Bruder Don John und Fran Kranz (Dollhouse, Cabin in the Woods) als sein verliebter Freund Claudio. Dazu kommt die als Statistin bei den Avengers von Joss entdeckte Jillian Morgese, die sich als unschuldig-junge Hero nahtlos in die erfahrene Gruppe einreiht. Und dann gibt es da noch Nathan "Captain Smartpants" Fillion, dessen Tölpel Dogberry weit von Michael Keatons grandiosem Clown entfernt und doch ähnlich charismatisch ist (wenn man sich mal an die neuerrungene Leibesfülle des inzwischen gut 40jährigen Firefly-Veteranen gewöhnt hat).
Damit wirken die TV-Darsteller weitaus geschlossener als Brannaghs zusammengewürfelte Star-Ensemble (dessen Stunt-Casting u.a. mit Keanu Reaves als Don John und Denzel Washington als Don Pedro nicht komplett überzeugen konnte). Es ist ein kleines Wunder, wie natürlich die Verse des Barden den Whedonites von der Zunge rollen. Das wirkt kaum anachronistisch in einer Welt der Limousinen, Mobiltelefone und Handfeuerwaffen, aber immer noch komisch und bewegend. Auch der Slapstick kommt nicht zu kurz (Denisof hat dafür ein besonderes Talent). Dazu kommt die vom Meister unter Mitwirkung seines Bruders Jed und seiner Schwägerin Maurissa Tancharoen komponierte und eingespielte Musik. Besonders schön das von Maurissa bei der Willkommensparty gesungene "Sigh no more", das ich mir direkt bei iTunes laden mußte. Übrigens lief der Film auch in Deutschland kurz im Kino, ich selbst habe mir aber gleich die Blu-ray aus England besorgt (kommt demnächst aber auch hier heraus). Muß ich noch sagen, daß ich die Originalversion empfehle?
Insgesamt komme ich aus anderen Gründen zum gleichen Urteil wie für die Branagh-Verfilmung: Herausragend (9/10).
Freitag, 26. September 2014
Sündhaft schlechte Fortsetzung: Sin City 2 (2/10)
Es heißt ja, man müsse eine Horde Schimpansen nur lang genug auf Schreibmaschinen tippen lassen, und der Zufall werde irgendwann auch mal ein Meisterwerk entstehen lassen. Mir scheint, man könnte dabei eher auf ein neues Shakespeare-Drama hoffen als auf die ordentliche Fortsetzung eines Robert-Rodriguez-Films. Was bereits für sein Debut El Mariachi und den Grindhouse-Ableger Machete galt (die Spy Kids wage ich kaum zu erwähnen), erfüllt sich nun leider für Sin City tausendfach. A Dame To Kill For wirkt wie eine Fanboy-Kopie des Originals, eine Aneinanderreihung von schlecht erinnerten Elementen, vorzugsweise der Klischees:
Schon jetzt die Enttäuschung des Jahres. Uninteressant (2/10).
- das weltmüde Noir-Voice-over von Josh Brolins Dwight, dem ich schon nach fünf Minuten ein "Halt die Schnauze!" zurufen wollte.
- die brutal überzogenen Prügeleien, die überhaupt nicht mehr zu schockieren vermögen (und kein Suspense of Disbelief kann ausreichend erklären, warum die Figuren nur Tage nach knochenbrechenden, entstellenden Verletzungen schon wieder derart austeilen können - Marv hat man das im ersten Teil abgenommen, aber hier wird das potenziert)
- die fehlende Figurenmotivation, ersetzt durch ungeschickt plazierte Exposition ("übrigens, er hat Dir mal das Leben gerettet")
- die penetrant grün überzeichneten Augen von Eva Green, kein Vergleich mit Alexis Bledels strahlendem und ausdrucksstarken Blau
- die darüber hinaus aufdringliche Nacktheit der Französin, deren Brüste seit Bertoluccis Altherrenphantasie Die Träumer (2003) nicht interessanter geworden sind und die seitdem höchstens als zugeknöpfte Bond-Widersacherin in Casino Royale überzeugen konnte (die inzwischen zweifache Mutter Jessica Alba wirkt in ihrem Cowboy-Outfit immer noch hundertmal erotischer)
- das sinnlose Zurückbringen von Bruce Willis' Hartigan als "Geist", offenbar um Werbung mit dem müde wirkenden Altstar machen zu können
- die gefühlten 50% der Zeit, die der psychopathische Marv im Vordergrund steht - Mickey Rourke, dessen Comeback im Original von 2005 zu einer Oscar-Nominierung (The Wrestler, 2008) führte, ist nun eindeutig wieder auf dem absteigenden Ast
- Und merke - ein fehlendes Happy-End für eine Figur macht aus einem Actionfilm noch keine Tragödie!
Schon jetzt die Enttäuschung des Jahres. Uninteressant (2/10).
Dienstag, 16. September 2014
Flach: Maps to the Stars (3/10)
Der inzwischen 71jährige Kanadier David Cronenberg hat uns in seiner Karriere bestimmt schon so manchen Mist zugemutet, vor allem in seiner frühen Splatter-Phase (mit dem mittelmäßigen Die Fliege-Remake von 1986 mit Jeff Goldblum als "Höhepunkt"), Aber eine Hollywood-Satire so flach wie ein Nicholas-Sparks-Melodram, vorhersehbar wie ein Disney-Produkt und völlig ohne doppelten Boden - das hätte ich nicht erwartet. Waren seine klugen und unterhaltsamen Filme des letzten Jahrzehnts, mit Viggo Mortensen als seiner Muse, nur ein Versehen? Jedenfalls kann ich nur raten, statt Maps to the Stars lieber A History of Violence (2005) oder Tödliche Versprechen (Eastern Promises) (2007) nochmals anzuschauen.
Die vierfach Oscar-nominierte Julianne Moore (auch Arthouse-Hassern sicher wenigstens als Nacktkünstlerin Maude Lebowski im Gedächtnis geblieben) gewann für ihre Rolle einen Darstellerpreis in Cannes, was wohl bedeutet, daß verdiente Schauspielerinnen dort für die mutige Präsentation ihren nackten Körper und möglichst emotionales Chargieren belohnt werden. Auch alle übrigen Figuren sind weder sympathisch noch interessant, ein Kunststück bei einer Traumbesetzung u.a. mit John Cusack (High Fidelity) und Olivia Williams (Leiterin von Joss Whedons Dollhouse). Tim Burtons Alice Mia Wasikowska konnte mich hingegen noch nie begeistern - hier gibt sie ein gemäß Hollywood-Maßgaben"entstelltes" Mädchen, was sich auf ein paar unauffällige Narben beschränkt und sie weder mehr noch weniger attraktiv wirken läßt. Ein Cameo von Carrie "Prinzessin Leila" Fisher ist vertan, bevor man diese überhaupt erkennt. Und was ist mit Cronenbergs Obsession mit dem vielleicht langweiligsten Schauspieler seiner Generation? Bereits zum zweiten Mal besetzt er hier Robert "Vampir Edward" Pattinson, nach dem (gemäß Kritikerkonsens, ich hab's mir gespart) ebenso drögen Cosmopolis.
Man sollte meinen, Hollywood böte genug glaubwürdige Geschichten, die man satirisch ausschlachten kann - stattdessen gibt uns das Drehbuch des wenig profilierten Bruce Wagner ein unwahrscheinliches, inzestuöses Geschwisterpaar, dessen schizophrener Nachwuchs bereits im Kindesalter Trauungszeremonien nachspielt - wie originell! Mäßig interessant (3/10).
Die vierfach Oscar-nominierte Julianne Moore (auch Arthouse-Hassern sicher wenigstens als Nacktkünstlerin Maude Lebowski im Gedächtnis geblieben) gewann für ihre Rolle einen Darstellerpreis in Cannes, was wohl bedeutet, daß verdiente Schauspielerinnen dort für die mutige Präsentation ihren nackten Körper und möglichst emotionales Chargieren belohnt werden. Auch alle übrigen Figuren sind weder sympathisch noch interessant, ein Kunststück bei einer Traumbesetzung u.a. mit John Cusack (High Fidelity) und Olivia Williams (Leiterin von Joss Whedons Dollhouse). Tim Burtons Alice Mia Wasikowska konnte mich hingegen noch nie begeistern - hier gibt sie ein gemäß Hollywood-Maßgaben"entstelltes" Mädchen, was sich auf ein paar unauffällige Narben beschränkt und sie weder mehr noch weniger attraktiv wirken läßt. Ein Cameo von Carrie "Prinzessin Leila" Fisher ist vertan, bevor man diese überhaupt erkennt. Und was ist mit Cronenbergs Obsession mit dem vielleicht langweiligsten Schauspieler seiner Generation? Bereits zum zweiten Mal besetzt er hier Robert "Vampir Edward" Pattinson, nach dem (gemäß Kritikerkonsens, ich hab's mir gespart) ebenso drögen Cosmopolis.
Man sollte meinen, Hollywood böte genug glaubwürdige Geschichten, die man satirisch ausschlachten kann - stattdessen gibt uns das Drehbuch des wenig profilierten Bruce Wagner ein unwahrscheinliches, inzestuöses Geschwisterpaar, dessen schizophrener Nachwuchs bereits im Kindesalter Trauungszeremonien nachspielt - wie originell! Mäßig interessant (3/10).
Donnerstag, 11. September 2014
We Are Family: Guardians of the Galaxy (9/10)
Chris Pratt (Parks and Recreation) war bisher schon ziemlich komisch. Jetzt hat er sich auch noch Muskeln antrainiert. Co-Star Rob Lowe (Eddie Niro aus Californication) ist bereits neidisch auf den 35jährigen neuen Actionhelden im Marvel-Universum. In einigen Jahren sollen die Guardians auf die Avengers treffen, dann können sich Mark Ruffalo und Chris Pratt darum streiten, wer die Nachfolge von Robert Downey Jr. als Marvel-Superstar antreten darf.
Auf die zweite Sicht aufgewerte auf: Herausragend (9/10)!
I am Groot!An Muskelprotzen ist aber auch sonst kein Mangel, auch wenn Chris Pratts "Starlord" der einzige (mehr oder weniger) 100prozentige Mensch von ihnen ist. Daneben gibt es noch Martial-Arts-Champion Dave Batista und den eindrucksvollen Djimon Hounsou (Hauptdarsteller in Spielbergs Amistad).
I AM GROOT!Zoe Saldana machte als Uhura in Star-Trek-Uniform eine genauso gute Figur wie als Avatars Naytiri in blauem CGI-Makeup. Nun ist sie als Gamora in grün zu bewundern (angeblich nicht per Computer, sondern handbemalt) - ja wirklich, es ist die gleiche Schauspielerin! I see you! Als ihre Schwester Nebula nimmt diesmal Dr.-Who-Jungdarstellerin Karen Gillan die Farbe Blau in Beschlag - auch nicht unattraktiv.
i am groot ;-)Von Bradley Coopers Stimme haben sich bisher bestimmt viele Zuschauer zugunsten seiner blauen Augen ablenken lassen. Diesmal kommt sie bei der Animierung des Waschbären "Rocky" Rocket gut zur Geltung. Nicht daß Rocky keine Schauwerte hätte!
I am Groot?Warum der so ungeheuer liebenswerte Lee Pace (Pushing Daisies) in letzter Zeit so viele zwielichtige Gestalten spielen muß, ist mir unbegreiflich. Nach Legolas' Vater Thranduil ist er hier als Oberschurke Ronan zu sehen und verschwindet fast hinter seiner Kostümierung. Trotzdem ist er natürlich in jeder Rolle willkommen.
I AM Groot!Sean Gunn ist manchen bekannt als Dorftrottel Kirk bei den Gilmore Girls - hier spielt er eine kleine Piratenrolle und war ansonsten "Rocket am Set" - Sprecher Bradley Cooper war wohl zu teuer, um bei den Dreharbeiten abzuhängen. Sean ist natürlich der Bruder des Regisseurs James Gunn, der durch ein paar (mehr oder weniger) feine mit "S" beginnende Genrefilme bekannt geworden ist, so etwa Slither mit Nathan "Captain Reynolds" Fillion (2006, 7/10) und Super mit Rainn Wilson, Liv Tyler und Ellen Page (2010, 6/10).
I am Groot!Wie kann man nun diesen Film beschreiben? Man nehme die Schauwerte aus Krieg der Sterne Episode III, die Aliens aus Farscape, die Selbstironie aus Firefly, würfele alles gut durcheinander und reichere die Suppe mit ein paar schmissigen Popsongs an (und Pop hört hier zum Glück mit den 70ern auf, denn danach hat "Starlord" Peter Quill die Erde verlassen). So wie hier die Musik aus einem frühen Modell des Sony Walkman kommt (noch mit "Cassetten"), so retro ist auch der Spaß, den man hiermit haben kann. Die Guardians of the Galaxy behaupten sich zur Überraschung vieler wieder als ein aufgegangenes riskantes Konzept von Marvel - nur für Ant-Man sehe ich nach dem Weggang von Edgar Wright schwarz...
Auf die zweite Sicht aufgewerte auf: Herausragend (9/10)!
Samstag, 23. August 2014
Eine kurzweilige Geschichte der Zeit: Lucy (9/10)
Was ist Lucy?
Lucy ist kein Action-Film, peitscht aber über 85 Minuten den Adrenalinspiegel hoch. Der umgekehrte Countdown bis zur Gehirnkapazität von 100% erzeugt eine atemlose Spannung. Eine irrwitzige Auto-Verfolgungsjagd, Schußwechsel und sonstige Schlagabtäusche sind allerdings dabei.
Lucy ist keine wirkliche Science Fiction, obwohl die Grundidee schon mehrfach im Genre verarbeitet wurde. Aber sie dient nur als Aufhänger für eine aberwitzige Geschichte, die sich einer Zuordnung entzieht, inklusive Teleportation, Telekinese und Zeitreise. Die versammelten Wissenschaftler sind nur Dekoration.
Lucy ist kein philosophisches Epos, obwohl Parallelen zu Kubricks 2001 naheliegen. Aber man hat gar keine Zeit für Reflexion. Lucy selbst ist der Knochen, der zu HAL 9000 wird, sie läßt Menschen tanzen wie Kubrick Raumschiffe.
Lucy ist keine Komödie, auch wenn viele Szenen dem Zuschauer zum Lächeln bringen können. Die Leoparden erlegen die Gazelle, aber wie wird es den koreanischen Schurken mit Lucy ergehen?
Lucy ist kein Starvehikel, bietet aber mit Scarlett Johansson und Morgan Freeman zwei Gesichter, an denen man sich nicht sattsehen kann. Freeman persifliert mit Augenzwinkern sein Image als Stimme der Rationalität, und Johansson ist endgültig der Star des Jahres. Ihr gebührt ein Ehrenplatz in der eindrucksvollen Reihe der Besson-Heldinnen: Isabelle Adjani, Rosanna Arquette, Anne Parillaud, Natalie Portman, Milla Jovovich.
Was ist Lucy?
Lucy ist das Comeback von Luc Besson, dem französischen Blockbuster-Regisseur, der vor langer Zeit mal mit einigen ikonischen Filmen Hollywood durcheinandergerührt hat, Nach 15 Jahren Durststrecke zeigt er uns wieder Denkwürdiges, das sich auf die Netzhaut brennt und mit den ätherischen Klängen von Eric Serra untermalt ist. Es ist ein Hit, der seine Produktionskosten gleich am ersten Wochenende wieder eingespielt hat, und die meisten Kritiker vor ein Rätsel stellt.
Lucy ist herausragendes Kino (9/10).
Siehe auch:
Lucy ist kein Action-Film, peitscht aber über 85 Minuten den Adrenalinspiegel hoch. Der umgekehrte Countdown bis zur Gehirnkapazität von 100% erzeugt eine atemlose Spannung. Eine irrwitzige Auto-Verfolgungsjagd, Schußwechsel und sonstige Schlagabtäusche sind allerdings dabei.
Lucy ist keine wirkliche Science Fiction, obwohl die Grundidee schon mehrfach im Genre verarbeitet wurde. Aber sie dient nur als Aufhänger für eine aberwitzige Geschichte, die sich einer Zuordnung entzieht, inklusive Teleportation, Telekinese und Zeitreise. Die versammelten Wissenschaftler sind nur Dekoration.
Lucy ist kein philosophisches Epos, obwohl Parallelen zu Kubricks 2001 naheliegen. Aber man hat gar keine Zeit für Reflexion. Lucy selbst ist der Knochen, der zu HAL 9000 wird, sie läßt Menschen tanzen wie Kubrick Raumschiffe.
Lucy ist keine Komödie, auch wenn viele Szenen dem Zuschauer zum Lächeln bringen können. Die Leoparden erlegen die Gazelle, aber wie wird es den koreanischen Schurken mit Lucy ergehen?
Lucy ist kein Starvehikel, bietet aber mit Scarlett Johansson und Morgan Freeman zwei Gesichter, an denen man sich nicht sattsehen kann. Freeman persifliert mit Augenzwinkern sein Image als Stimme der Rationalität, und Johansson ist endgültig der Star des Jahres. Ihr gebührt ein Ehrenplatz in der eindrucksvollen Reihe der Besson-Heldinnen: Isabelle Adjani, Rosanna Arquette, Anne Parillaud, Natalie Portman, Milla Jovovich.
Was ist Lucy?
Lucy ist das Comeback von Luc Besson, dem französischen Blockbuster-Regisseur, der vor langer Zeit mal mit einigen ikonischen Filmen Hollywood durcheinandergerührt hat, Nach 15 Jahren Durststrecke zeigt er uns wieder Denkwürdiges, das sich auf die Netzhaut brennt und mit den ätherischen Klängen von Eric Serra untermalt ist. Es ist ein Hit, der seine Produktionskosten gleich am ersten Wochenende wieder eingespielt hat, und die meisten Kritiker vor ein Rätsel stellt.
Lucy ist herausragendes Kino (9/10).
Siehe auch:
- Im Rausch der Tiefe (1988, 9/10) - Jean Reno und Jean-Marc Barre im Duell der Taucher um Rekorde und die schöne Rosanna
- Nikita (1989, 8/10) - die französische Antwort auf James Bond
- Léon der Profi (1994, 10/10) - eine Ode an einen Auftragskiller, der uns am Schluß den Ringtrick zeigt.
- Das fünfte Element (1997, 9/10) - was bei Coppola ein Taufgottesdienst war, ist bei Besson die Opern-Arie einer außer-/überidischen Sängerin. Und Bruce Willis fährt Taxi - big bada boom.
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