Für die Realisierung dieses kleinen britischen Films mußte Neil Jordan lange kämpfen. Zur Überraschung der Studioprofis wurde daraus ein weltweiter Hit, und Jordan gewann den Oscar für das beste Originaldrehbuch. Und dieses Buch hat es tatsächlich in sich. Dabei meine ich nicht so sehr das zentrale Gimmick, sondern den überhaupt unvorhersehbaren Verlauf der Geschichte. Sie handelt zunächst von einer unmöglichen Freundschaft und dann von einer unmöglichen Liebe. Je weniger man darüber weiß, desto mehr Freude hat man beim Zuschauen. Aber auch das Wiedersehen ist noch ein Erlebnis. Das liegt wohl an Jordans romantisch-magischer Sicht auf die Welt. Er schafft eine melancholische und doch lebensbejahende Atmosphäre. The Crying Game ist damit thematisch eine Fortsetzung seiner früheren Filme Mona Lisa (mit dem jüngst verstorbenen wunderbaren Bob Hoskins) und Miracle - Geheimnis eines Sommers. Aufgrund dieses Erfolgs wurde ihm das (durchaus gelungene) Interview mit einem Vampir anvertraut, aber weitere Höhepunkte seiner Karriere blieben danach aus.
Ein großes Verdienst haben natürlich die wunderbar natürlich agierenden Darsteller: Stephen Rea als warmherziger IRA-Soldat, ein junger Forest Whitaker (Ghost Dog, Der letzte König von Schottland) als die IRA-Geisel und der vielbeschäftigte Jim Broadbent als Barkeeper, dazu Jaye Davidson als Dill (danach nur in einer einzigen Folgerolle zu sehen, nämlich als Ra in Stargate). Und dann ist da natürlich noch der Titelsong, ursprünglich in den 60ern ein kleiner Hit für Dave Berry. Vom Gesang her ziehe ich die Boy-George-Version vor, die zu den Endcredits läuft, auch wenn sie unter der typischen 80er-Produktion (Pet Shop Boys!) leidet.
Dieser herausragende Film ist bisher leider nur auf einer niederländischen Blu-ray erschienen, allerdings mit tollem Bild (im Originalformat 2.35:1) und tadellosem Originalton, mit optionalen niederländischen (keinen englischen!) Untertiteln. Keine Extras.
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Samstag, 29. November 2014
Sonntag, 23. November 2014
Klassiker auf Blu-ray #11: Martin Scorseses "Zeit der Unschuld"
Mit schöner Bildqualität, aber leider ohne Extras ist jüngst Martin Scorseses Kostümfilm Zeit der Unschuld ("Age of Innocence") als Blu-ray erschienen. Bereits vor zehn Jahren schrieb ich zum Film:
Welch eine Geschichte, welch eine Umsetzung! Selten hatte ich bei Scorsese das Gefühl, daß er sein formales Genie derart in den Dienst des Stoffes gestellt hat wie in diesem Meisterwerk (neben Howards End vielleicht die beste Literaturverfilmung der 90er). Bei den Kritikern nicht so gut angekommen, lautete der Hauptvorwurf wohl, die Schauspieler hätten die Gefühle nicht "rübergebracht". Tatsächlich sind die Figuren perfekte Abbilder ihrer Zeit, unfähig, einfache Wahrheiten auszusprechen, selbstbeherrscht bis zum Masochismus. Die Tragik wird uns vom Regisseur auf andere Weise vermittelt: durch Kameraperspektiven, kurze Traumsequenzen (quasi Gefühlssprünge), farblich verfremdete Überblendungen, und nicht zuletzt durch die wohldosierte Musikuntermalung (in die zumeist zeitgenössische Auswahl fügt sich das einzige moderne Stück von Enya nahtlos ein). Die besten Augenblicke aber kommen ohne Musik, ja manchmal fast ohne Ton aus. Wenn die Kamera im Opernhaus plötzlich auf Daniel Day-Lewis und Michelle Pfeiffer fokussiert, entsteht ein Moment von seltener Magie, und keine erklärenden Worte sind nötig. Dann wieder setzt die ironische Erzählstimme ein und erklärt uns eine vergangene Welt, die keine Verherrlichung lohnt und der doch eine gewisse Nostalgie anhaftet.
Ein weiteres Mal ist hier Michelle Pfeiffer bei den Oscar-Nominierungen übergangen worden. Ihre erstaunliche Leistung weiß man noch mehr zu würdigen, wenn man sich ihre vollkommen anders gelagerte und doch ebenso perfekt ausgeführte Rolle in jenem Wunderwerk von 1988, "Dangerous Liaisons" (Gefährliche Liebschaften), vergegenwärtigt. Daniel Day-Lewis war ihr ein würdiger Widerpart, und die damals 21jährige Winona Ryder hervorragend, wie übrigens alle weiteren Nebendarsteller. Gute Schauspielerei heißt halt mehr als exaltiert in Tränen ausbrechen zu können oder sich in Wutanfällen zu ergehen. Hier waren kleine Gesten gefragt, und die hat Scorsese zuhauf eingefangen.
Welch eine Geschichte, welch eine Umsetzung! Selten hatte ich bei Scorsese das Gefühl, daß er sein formales Genie derart in den Dienst des Stoffes gestellt hat wie in diesem Meisterwerk (neben Howards End vielleicht die beste Literaturverfilmung der 90er). Bei den Kritikern nicht so gut angekommen, lautete der Hauptvorwurf wohl, die Schauspieler hätten die Gefühle nicht "rübergebracht". Tatsächlich sind die Figuren perfekte Abbilder ihrer Zeit, unfähig, einfache Wahrheiten auszusprechen, selbstbeherrscht bis zum Masochismus. Die Tragik wird uns vom Regisseur auf andere Weise vermittelt: durch Kameraperspektiven, kurze Traumsequenzen (quasi Gefühlssprünge), farblich verfremdete Überblendungen, und nicht zuletzt durch die wohldosierte Musikuntermalung (in die zumeist zeitgenössische Auswahl fügt sich das einzige moderne Stück von Enya nahtlos ein). Die besten Augenblicke aber kommen ohne Musik, ja manchmal fast ohne Ton aus. Wenn die Kamera im Opernhaus plötzlich auf Daniel Day-Lewis und Michelle Pfeiffer fokussiert, entsteht ein Moment von seltener Magie, und keine erklärenden Worte sind nötig. Dann wieder setzt die ironische Erzählstimme ein und erklärt uns eine vergangene Welt, die keine Verherrlichung lohnt und der doch eine gewisse Nostalgie anhaftet.
Ein weiteres Mal ist hier Michelle Pfeiffer bei den Oscar-Nominierungen übergangen worden. Ihre erstaunliche Leistung weiß man noch mehr zu würdigen, wenn man sich ihre vollkommen anders gelagerte und doch ebenso perfekt ausgeführte Rolle in jenem Wunderwerk von 1988, "Dangerous Liaisons" (Gefährliche Liebschaften), vergegenwärtigt. Daniel Day-Lewis war ihr ein würdiger Widerpart, und die damals 21jährige Winona Ryder hervorragend, wie übrigens alle weiteren Nebendarsteller. Gute Schauspielerei heißt halt mehr als exaltiert in Tränen ausbrechen zu können oder sich in Wutanfällen zu ergehen. Hier waren kleine Gesten gefragt, und die hat Scorsese zuhauf eingefangen.
Montag, 17. November 2014
Aufgeblähtes Weltraumabenteuer: Interstellar (4/10)
Lang, aber nicht wirklich langweilig - das ist schon das beste, was ich über Interstellar sagen kann. Christopher Nolan hat nach dem Erfolg seiner Dark-Knight-Trilogie einen derart geschickten Marketingapparat und eine solch riesige Fangemeinde (die den Film bereits auf Platz 12 der IMDB-Top-250 gehievt hat), daß kaum jemand an seinem Lorbeer zu kratzen wagt. Es kann einem schon übel werden von den Lobhudeleien, die über Interstellar veröffentlicht werden.Dabei legt das Projekt schonungslos Nolans Schwächen als Filmemacher bloß - es ist clever, aber nicht mitreißend, starbesetzt, aber wenig eindringlich gespielt, technisch, aber nicht wissenschaftlich, geschätzig, aber nicht philosophisch. Viele aufwendige Bilder, aber: WO BLEIBT DER SPASS?
Was bleibt, ist ein recht humorloser Abenteuerfilm im Weltall mit vorhersehbaren Twists, die kaum eine emotionale Reaktion hervorrufen können. Und dabei habe ich generell durchaus meine Freude an Shuttle-Flügen, Bildern von Raumschiffen, Dockingmanövern und haarsträubenden Landungen auf fremden Planeten (sonst hätte ich mir kaum den ersten Star-Trek-Film freiwillig mehrfach angeschaut). Aber Interstellar hängt irgendwo im Nichts zwischen der Fantasietechnik à la Star Trek/Star Wars/Galactica und der aus heutiger Sicht realistischen Technik von Gravity - selbst Armageddon war darin überzeugender. Jetzt habe ich tatsächlich Lust, mir jene bodenlos schlechte SF-"Perle" nochmals anzuschauen, die bereits vor 35 Jahren ein Schwarzes Loch präsentiert hat.
Geradezu ketzerisch finde ich die Vergleiche mit dem sicher nicht perfektem Meisterwerk 2001: Odyssee im Weltall, in dem Stanley Kubrick gemeinsam mit Arthur C. Clarke eine atemberaubende Vision präsentierte. Ja, streckenweise war das langweilig, aber allein für den unsterblichen Raumschiffwalzer und HALs Sterbeszene lohnte sich die Geduld. Und während Nolans Auflösung praktisch keine Fragen offen läßt, begann mit dem Ende von 2001 erst das Rätseln. Nolan bleibt (wie übrigens auch J.J. Abrams) an der Oberfläche, und wählt als Mittelpunkt (dies vielleicht ein Überbleibsel aus der Phase, als dies noch ein Spielberg-Projekt war) zwei banale Vater-Tochter-Beziehungen. Ansonsten ist es schon verblüffend, wie bei drei Stunden Laufzeit zwei der vier Expeditionsmitglieder nur als farblose Redshirts rüberkommen. Ganz zu schweigen vom längeren Cameo eines zombiehaft agierenden Matt Damon (falsches Genre!). Und dann ist da noch die "Musik", von der mir vor allem das bedeutungsschwere Dröhnen in vermeintlich "wichtigen" oder "mystischen" Szenen in Erinnerung blieb. Subwoofer bis zum Anschlag ausreizen und Kirchenorgeln fürs Metaphysische - mehr fällt unserem Landsmann in Hollywood Hans Zimmer offenbar nicht mehr ein.
Hier noch ein Gedanke, der mich trotz des Films beschäftigt: Ist es ethisch korrekt, für ein Überleben der Spezie um jeden Preis zu kämpfen? Sollte für die Menschheit nicht genauso für ein Individuum gelten, daß es auch darauf ankommt, wie man (über)lebt? Wenn man allerdings nach den SF-Filmen der letzten Jahre geht, sollte die Menschheit vielleicht einfach das Handtuch werfen.
Dies ist für mich nun der dritte mäßige Film mit Überlänge in Folge (Finchers Gone Girl hat auf mich eher wie ein Grippeanfall als ein Film gewirkt, so daß ich mir eine Kritik verkniffen habe). Interstellar? Kann man sich anschauen - schließlich schalten auch noch Millionen Deutsche "Wetten daß..." ein. Erträglich (4/10).
Was bleibt, ist ein recht humorloser Abenteuerfilm im Weltall mit vorhersehbaren Twists, die kaum eine emotionale Reaktion hervorrufen können. Und dabei habe ich generell durchaus meine Freude an Shuttle-Flügen, Bildern von Raumschiffen, Dockingmanövern und haarsträubenden Landungen auf fremden Planeten (sonst hätte ich mir kaum den ersten Star-Trek-Film freiwillig mehrfach angeschaut). Aber Interstellar hängt irgendwo im Nichts zwischen der Fantasietechnik à la Star Trek/Star Wars/Galactica und der aus heutiger Sicht realistischen Technik von Gravity - selbst Armageddon war darin überzeugender. Jetzt habe ich tatsächlich Lust, mir jene bodenlos schlechte SF-"Perle" nochmals anzuschauen, die bereits vor 35 Jahren ein Schwarzes Loch präsentiert hat.
Geradezu ketzerisch finde ich die Vergleiche mit dem sicher nicht perfektem Meisterwerk 2001: Odyssee im Weltall, in dem Stanley Kubrick gemeinsam mit Arthur C. Clarke eine atemberaubende Vision präsentierte. Ja, streckenweise war das langweilig, aber allein für den unsterblichen Raumschiffwalzer und HALs Sterbeszene lohnte sich die Geduld. Und während Nolans Auflösung praktisch keine Fragen offen läßt, begann mit dem Ende von 2001 erst das Rätseln. Nolan bleibt (wie übrigens auch J.J. Abrams) an der Oberfläche, und wählt als Mittelpunkt (dies vielleicht ein Überbleibsel aus der Phase, als dies noch ein Spielberg-Projekt war) zwei banale Vater-Tochter-Beziehungen. Ansonsten ist es schon verblüffend, wie bei drei Stunden Laufzeit zwei der vier Expeditionsmitglieder nur als farblose Redshirts rüberkommen. Ganz zu schweigen vom längeren Cameo eines zombiehaft agierenden Matt Damon (falsches Genre!). Und dann ist da noch die "Musik", von der mir vor allem das bedeutungsschwere Dröhnen in vermeintlich "wichtigen" oder "mystischen" Szenen in Erinnerung blieb. Subwoofer bis zum Anschlag ausreizen und Kirchenorgeln fürs Metaphysische - mehr fällt unserem Landsmann in Hollywood Hans Zimmer offenbar nicht mehr ein.
Hier noch ein Gedanke, der mich trotz des Films beschäftigt: Ist es ethisch korrekt, für ein Überleben der Spezie um jeden Preis zu kämpfen? Sollte für die Menschheit nicht genauso für ein Individuum gelten, daß es auch darauf ankommt, wie man (über)lebt? Wenn man allerdings nach den SF-Filmen der letzten Jahre geht, sollte die Menschheit vielleicht einfach das Handtuch werfen.
Dies ist für mich nun der dritte mäßige Film mit Überlänge in Folge (Finchers Gone Girl hat auf mich eher wie ein Grippeanfall als ein Film gewirkt, so daß ich mir eine Kritik verkniffen habe). Interstellar? Kann man sich anschauen - schließlich schalten auch noch Millionen Deutsche "Wetten daß..." ein. Erträglich (4/10).
Samstag, 15. November 2014
Rätselhafte Impressionen eines Meisters: Mike Leighs "Mr. Turner" (5/10)
"Schmutziges gelbes Geschmiere", so soll Queen Victoria das Spätwerk des bedeutenden Landschaftsmalers Turner beschimpft haben. Als Beschreibung dieser Filmbiographie mag das zu harsch sein, aber es ist schon sehr rätselhaft, was uns Altmeister Mike Leigh hier auftischt. Insbesondere der Zuschauer ohne Vorkenntnisse wird hineingeworfen in eine viktorianische Kulisse mit Figuren, die aus einem Dickens-Roman stammen könnten, deren Verhältnis zueinander aber lange unklar bleibt. So erkenne ich erst langsam, daß Turners jovialer Assistent wohl sein Vater ist (nicht hilfreich, daß die Darsteller nur zehn Lebensjahre trennen). Und ist die Haushälterin nun seine Geliebte oder die Ehefrau, die ihm den Haushalt führt? Überhaupt frage ich mich über eine halbe Stunde lang, ob die Geschichte nun chronologisch erzählt wird. Mit dem Tod des Vaters (den Turner am Sterbebett - ist das anachronistisch? Daddy nennt) löst sich zumindest dieses Rätsel, aber der Verlauf der wohl 25 letzten Jahre des Malers erschließt sich nur sporadisch. Natürlich kann man später alles bei Wikipedia recherchieren, aber Voraussetzung für einen Filmgenuß sollte das kaum sein.
Bisher eher auf urige Nebenrollen abonniert (er gab als Peter Pettigrew eine überzeugende Ratte in den Harry-Potter-Filmen), dominiert Leigh-Stammspieler Timothy Spall mit seiner sauertöpfischen Miene, dem schiefen Grinsen und seiner - nun ja - barocken Figur zweifelsohne die Szenerie. Aber nur selten erlaubt ihm das Buch (das der Regisseur wie üblich mit seinen Darstellern erarbeitet hat), seiner Figur sympathische Züge einzuhauchen. Der Kontrast zwischen dieser grobschlächtigen, gefühlskalten Person und seinem einfühlsamen Werk mag interessant sein, kann aber kaum über 150 Minuten fesseln. Gefühlte neunzig Prozent der Zeit kommuniziert Turner (immerhin Mitglied der Royal Academy) mit unbilligem Gegrunze, wenn er nicht im affektierten Oberschichten-Englisch Platitüden von sich gibt. Dies und erst recht der schwer verständliche Cockney-Akzent der Bediensteten wird dem Film übrigens keine Freunde in den USA machen, so daß ich eher wenig Oscar-Chancen sehe.
Stärke entwickelt der Film immerhin dann, wenn er Turner die kraftvollen europäischen Landschaften entdecken läßt, die er in seinen Ölgemälden und Aquarellen in der Tat meisterlich einzufangen vermochte. Das ist Leigh und seinem Stamm-Kameramann Dick Pope tatsächlich beeindruckend gelungen. Daneben bleiben einige Szenen im Gedächtnis, die die Möglichkeiten des Stoffes erahnen lassen. Warum sieht man mehr vom (zugegeben kunstvollen) Zusammenrühren der Farben als vom eigentlichen Schöpfungsakt (Spall hat angeblich zwei Jahre lang Malunterricht genommen)? Die Verwandlung eines roten Farbklecks in eine Boje zumindest macht Lust auf mehr. Der ansonsten vermißten Spitzbubenhumor des Regisseurs blitzt in einer Konversation einer kleinen Gesellschaft auf, die die klimatischen Bedingungen der Brombeerzucht erschöpfendend diskutiert, bevor sie in eine peinliche Lobhudelei zugunsten des (noch) hochgeschätzten Malers ausufert. Aber welche Signifikanz hat der stockende, abgelesene Vortrag in der Akademie (?) - war Turner Lehrer, hatte er Einfluß, Schüler? und wie steht es um das Experiment zur Magnetisierung einer Nadel mittels eines Prismas, oder die Entdeckung der Daguerrographie? Leider sind dies isolierte (mögliche) Höhepunkte in einem überlangen, formlosen Geschmiere.
Für mich ist diese zweite Filmbiographie (nach dem überwiegend gelungenen Gilbert & Sullivan-Opus Topsy Turvy von 1999) des großen britischen Sozialsatirikers Mike Leigh also eine Enttäuschung, so wie ich auch mit den meisten seiner jüngeren Werke (Happy-Go-Lucky, Another Year) nicht viel anfangen kann. Hoffentlich wird bals sein bester Film auf Blu-ray veröffentlicht, die herrliche, berührende Komödie Lügen und Geheimnisse von 1996 (schon damals mit Timothy Spall). Mr. Turner? Annehmbar (5/10).
Bisher eher auf urige Nebenrollen abonniert (er gab als Peter Pettigrew eine überzeugende Ratte in den Harry-Potter-Filmen), dominiert Leigh-Stammspieler Timothy Spall mit seiner sauertöpfischen Miene, dem schiefen Grinsen und seiner - nun ja - barocken Figur zweifelsohne die Szenerie. Aber nur selten erlaubt ihm das Buch (das der Regisseur wie üblich mit seinen Darstellern erarbeitet hat), seiner Figur sympathische Züge einzuhauchen. Der Kontrast zwischen dieser grobschlächtigen, gefühlskalten Person und seinem einfühlsamen Werk mag interessant sein, kann aber kaum über 150 Minuten fesseln. Gefühlte neunzig Prozent der Zeit kommuniziert Turner (immerhin Mitglied der Royal Academy) mit unbilligem Gegrunze, wenn er nicht im affektierten Oberschichten-Englisch Platitüden von sich gibt. Dies und erst recht der schwer verständliche Cockney-Akzent der Bediensteten wird dem Film übrigens keine Freunde in den USA machen, so daß ich eher wenig Oscar-Chancen sehe.
Stärke entwickelt der Film immerhin dann, wenn er Turner die kraftvollen europäischen Landschaften entdecken läßt, die er in seinen Ölgemälden und Aquarellen in der Tat meisterlich einzufangen vermochte. Das ist Leigh und seinem Stamm-Kameramann Dick Pope tatsächlich beeindruckend gelungen. Daneben bleiben einige Szenen im Gedächtnis, die die Möglichkeiten des Stoffes erahnen lassen. Warum sieht man mehr vom (zugegeben kunstvollen) Zusammenrühren der Farben als vom eigentlichen Schöpfungsakt (Spall hat angeblich zwei Jahre lang Malunterricht genommen)? Die Verwandlung eines roten Farbklecks in eine Boje zumindest macht Lust auf mehr. Der ansonsten vermißten Spitzbubenhumor des Regisseurs blitzt in einer Konversation einer kleinen Gesellschaft auf, die die klimatischen Bedingungen der Brombeerzucht erschöpfendend diskutiert, bevor sie in eine peinliche Lobhudelei zugunsten des (noch) hochgeschätzten Malers ausufert. Aber welche Signifikanz hat der stockende, abgelesene Vortrag in der Akademie (?) - war Turner Lehrer, hatte er Einfluß, Schüler? und wie steht es um das Experiment zur Magnetisierung einer Nadel mittels eines Prismas, oder die Entdeckung der Daguerrographie? Leider sind dies isolierte (mögliche) Höhepunkte in einem überlangen, formlosen Geschmiere.
Für mich ist diese zweite Filmbiographie (nach dem überwiegend gelungenen Gilbert & Sullivan-Opus Topsy Turvy von 1999) des großen britischen Sozialsatirikers Mike Leigh also eine Enttäuschung, so wie ich auch mit den meisten seiner jüngeren Werke (Happy-Go-Lucky, Another Year) nicht viel anfangen kann. Hoffentlich wird bals sein bester Film auf Blu-ray veröffentlicht, die herrliche, berührende Komödie Lügen und Geheimnisse von 1996 (schon damals mit Timothy Spall). Mr. Turner? Annehmbar (5/10).
Samstag, 4. Oktober 2014
Viel mehr als Nichts: Joss Whedons "Much Ado About Nothing" (9/10)
Im DVD-Kommentar zu (wenn ich mich nicht irre) einer Angel-Folge hat Joss Whedon vor Jahren mal Amy Acker als "das Schönste, das er jemals gefilmt hat" hervorgehoben. Was bei anderen vielleicht fragwürdig wirken würde, nimmt man ihm als Begeisterungsausbruch des Augenblicks ab. Er pflegt zu den meisten seiner Darsteller ein freundschaftliches Verhältnis, geprägt von der gemeinsamen Liebe zur Kreativität. Bei aller Cleverness hat Whedon, mit den Avengers immerhin für den dritterfolgreichsten Film aller Zeiten verantwortlich, nie seinen Sinn für künstlerische Ästhetik verloren. Und er hatte immer schon ein Händchen für die Besetzung gutaussehender Schauspieler mit oft eigenwilliger Persönlichkeit - Ken und Barbie hatten bei ihm nie eine Chance. Nur an Charisma Carpenter als Cordelia hat er m.E. aus Loyalität zu lange festgehalten - sie hatte ihr Willkommen schon in drei Staffeln Buffy überstrapaziert, bevor sie als Hauptfigur zu Angel wechselte.
Über Jahre hatte Joss Whedon mit einem Kern von Schauspieler-Freunden in seinem Haus Wochenend-Lesungen von Shakespeare-Werken veranstaltet. Im Herbst 2011, in einer Drehpause von den Avengers, inszenierte er "als Entspannung" und anstatt einer Reise zum 20jährigen Hochzeitstag binnen zwölf Tagen eine moderne und doch werkgetreue Fassung von Much Ado About Nothing (Viel Lärm um Nichts), die sich kaum mehr von der ausgelassenen, sonnigen Branagh-Version von 1993 unterscheiden könnte: photographiert in geschmackvollem Schwarz-Weiß, produziert in der von seiner Frau Kai eingerichteten Villa in Santa Monica, realisiert mit einem Team von Freunden. Welch glückliche Menschen, die da in einer Seifenblase von Schönheit und Wohlstand leben...
Die Hauptrollen spielen die erwähnte bildhüsche Amy Acker (Angel, Dollhouse, Cabin in the Woods) und Alexis Denisof (Buffy, Angel, Dollhouse), der im wirklichen Leben mit "Willow" Alyson Hannigan (inzwischen mit How I Met Your Mother super-erfolgreich) verheiratet ist. Hier gibt es also ein spätes Happyend für Fred und Wesley aus Angel, und die beiden treten als Beatrice und Benedick selbstbewußt in die Fußstapfen von Emma Thompson und Kenneth Branagh. Aber wie meist bei Whedon ist das Ensemble der Star, unter anderen mit "Agent Coulson" Clark Gregg als Beatrice' Onkel Leonato, Reed Diamond (Dollhouse) als Prinz Don Pedro, Sean Maher (Simon, Rivers Bruder aus Firefly) als sein intriganter Bruder Don John und Fran Kranz (Dollhouse, Cabin in the Woods) als sein verliebter Freund Claudio. Dazu kommt die als Statistin bei den Avengers von Joss entdeckte Jillian Morgese, die sich als unschuldig-junge Hero nahtlos in die erfahrene Gruppe einreiht. Und dann gibt es da noch Nathan "Captain Smartpants" Fillion, dessen Tölpel Dogberry weit von Michael Keatons grandiosem Clown entfernt und doch ähnlich charismatisch ist (wenn man sich mal an die neuerrungene Leibesfülle des inzwischen gut 40jährigen Firefly-Veteranen gewöhnt hat).
Damit wirken die TV-Darsteller weitaus geschlossener als Brannaghs zusammengewürfelte Star-Ensemble (dessen Stunt-Casting u.a. mit Keanu Reaves als Don John und Denzel Washington als Don Pedro nicht komplett überzeugen konnte). Es ist ein kleines Wunder, wie natürlich die Verse des Barden den Whedonites von der Zunge rollen. Das wirkt kaum anachronistisch in einer Welt der Limousinen, Mobiltelefone und Handfeuerwaffen, aber immer noch komisch und bewegend. Auch der Slapstick kommt nicht zu kurz (Denisof hat dafür ein besonderes Talent). Dazu kommt die vom Meister unter Mitwirkung seines Bruders Jed und seiner Schwägerin Maurissa Tancharoen komponierte und eingespielte Musik. Besonders schön das von Maurissa bei der Willkommensparty gesungene "Sigh no more", das ich mir direkt bei iTunes laden mußte. Übrigens lief der Film auch in Deutschland kurz im Kino, ich selbst habe mir aber gleich die Blu-ray aus England besorgt (kommt demnächst aber auch hier heraus). Muß ich noch sagen, daß ich die Originalversion empfehle?
Insgesamt komme ich aus anderen Gründen zum gleichen Urteil wie für die Branagh-Verfilmung: Herausragend (9/10).
Über Jahre hatte Joss Whedon mit einem Kern von Schauspieler-Freunden in seinem Haus Wochenend-Lesungen von Shakespeare-Werken veranstaltet. Im Herbst 2011, in einer Drehpause von den Avengers, inszenierte er "als Entspannung" und anstatt einer Reise zum 20jährigen Hochzeitstag binnen zwölf Tagen eine moderne und doch werkgetreue Fassung von Much Ado About Nothing (Viel Lärm um Nichts), die sich kaum mehr von der ausgelassenen, sonnigen Branagh-Version von 1993 unterscheiden könnte: photographiert in geschmackvollem Schwarz-Weiß, produziert in der von seiner Frau Kai eingerichteten Villa in Santa Monica, realisiert mit einem Team von Freunden. Welch glückliche Menschen, die da in einer Seifenblase von Schönheit und Wohlstand leben...
Die Hauptrollen spielen die erwähnte bildhüsche Amy Acker (Angel, Dollhouse, Cabin in the Woods) und Alexis Denisof (Buffy, Angel, Dollhouse), der im wirklichen Leben mit "Willow" Alyson Hannigan (inzwischen mit How I Met Your Mother super-erfolgreich) verheiratet ist. Hier gibt es also ein spätes Happyend für Fred und Wesley aus Angel, und die beiden treten als Beatrice und Benedick selbstbewußt in die Fußstapfen von Emma Thompson und Kenneth Branagh. Aber wie meist bei Whedon ist das Ensemble der Star, unter anderen mit "Agent Coulson" Clark Gregg als Beatrice' Onkel Leonato, Reed Diamond (Dollhouse) als Prinz Don Pedro, Sean Maher (Simon, Rivers Bruder aus Firefly) als sein intriganter Bruder Don John und Fran Kranz (Dollhouse, Cabin in the Woods) als sein verliebter Freund Claudio. Dazu kommt die als Statistin bei den Avengers von Joss entdeckte Jillian Morgese, die sich als unschuldig-junge Hero nahtlos in die erfahrene Gruppe einreiht. Und dann gibt es da noch Nathan "Captain Smartpants" Fillion, dessen Tölpel Dogberry weit von Michael Keatons grandiosem Clown entfernt und doch ähnlich charismatisch ist (wenn man sich mal an die neuerrungene Leibesfülle des inzwischen gut 40jährigen Firefly-Veteranen gewöhnt hat).
Damit wirken die TV-Darsteller weitaus geschlossener als Brannaghs zusammengewürfelte Star-Ensemble (dessen Stunt-Casting u.a. mit Keanu Reaves als Don John und Denzel Washington als Don Pedro nicht komplett überzeugen konnte). Es ist ein kleines Wunder, wie natürlich die Verse des Barden den Whedonites von der Zunge rollen. Das wirkt kaum anachronistisch in einer Welt der Limousinen, Mobiltelefone und Handfeuerwaffen, aber immer noch komisch und bewegend. Auch der Slapstick kommt nicht zu kurz (Denisof hat dafür ein besonderes Talent). Dazu kommt die vom Meister unter Mitwirkung seines Bruders Jed und seiner Schwägerin Maurissa Tancharoen komponierte und eingespielte Musik. Besonders schön das von Maurissa bei der Willkommensparty gesungene "Sigh no more", das ich mir direkt bei iTunes laden mußte. Übrigens lief der Film auch in Deutschland kurz im Kino, ich selbst habe mir aber gleich die Blu-ray aus England besorgt (kommt demnächst aber auch hier heraus). Muß ich noch sagen, daß ich die Originalversion empfehle?
Insgesamt komme ich aus anderen Gründen zum gleichen Urteil wie für die Branagh-Verfilmung: Herausragend (9/10).
Freitag, 26. September 2014
Sündhaft schlechte Fortsetzung: Sin City 2 (2/10)
Es heißt ja, man müsse eine Horde Schimpansen nur lang genug auf Schreibmaschinen tippen lassen, und der Zufall werde irgendwann auch mal ein Meisterwerk entstehen lassen. Mir scheint, man könnte dabei eher auf ein neues Shakespeare-Drama hoffen als auf die ordentliche Fortsetzung eines Robert-Rodriguez-Films. Was bereits für sein Debut El Mariachi und den Grindhouse-Ableger Machete galt (die Spy Kids wage ich kaum zu erwähnen), erfüllt sich nun leider für Sin City tausendfach. A Dame To Kill For wirkt wie eine Fanboy-Kopie des Originals, eine Aneinanderreihung von schlecht erinnerten Elementen, vorzugsweise der Klischees:
Schon jetzt die Enttäuschung des Jahres. Uninteressant (2/10).
- das weltmüde Noir-Voice-over von Josh Brolins Dwight, dem ich schon nach fünf Minuten ein "Halt die Schnauze!" zurufen wollte.
- die brutal überzogenen Prügeleien, die überhaupt nicht mehr zu schockieren vermögen (und kein Suspense of Disbelief kann ausreichend erklären, warum die Figuren nur Tage nach knochenbrechenden, entstellenden Verletzungen schon wieder derart austeilen können - Marv hat man das im ersten Teil abgenommen, aber hier wird das potenziert)
- die fehlende Figurenmotivation, ersetzt durch ungeschickt plazierte Exposition ("übrigens, er hat Dir mal das Leben gerettet")
- die penetrant grün überzeichneten Augen von Eva Green, kein Vergleich mit Alexis Bledels strahlendem und ausdrucksstarken Blau
- die darüber hinaus aufdringliche Nacktheit der Französin, deren Brüste seit Bertoluccis Altherrenphantasie Die Träumer (2003) nicht interessanter geworden sind und die seitdem höchstens als zugeknöpfte Bond-Widersacherin in Casino Royale überzeugen konnte (die inzwischen zweifache Mutter Jessica Alba wirkt in ihrem Cowboy-Outfit immer noch hundertmal erotischer)
- das sinnlose Zurückbringen von Bruce Willis' Hartigan als "Geist", offenbar um Werbung mit dem müde wirkenden Altstar machen zu können
- die gefühlten 50% der Zeit, die der psychopathische Marv im Vordergrund steht - Mickey Rourke, dessen Comeback im Original von 2005 zu einer Oscar-Nominierung (The Wrestler, 2008) führte, ist nun eindeutig wieder auf dem absteigenden Ast
- Und merke - ein fehlendes Happy-End für eine Figur macht aus einem Actionfilm noch keine Tragödie!
Schon jetzt die Enttäuschung des Jahres. Uninteressant (2/10).
Dienstag, 16. September 2014
Flach: Maps to the Stars (3/10)
Der inzwischen 71jährige Kanadier David Cronenberg hat uns in seiner Karriere bestimmt schon so manchen Mist zugemutet, vor allem in seiner frühen Splatter-Phase (mit dem mittelmäßigen Die Fliege-Remake von 1986 mit Jeff Goldblum als "Höhepunkt"), Aber eine Hollywood-Satire so flach wie ein Nicholas-Sparks-Melodram, vorhersehbar wie ein Disney-Produkt und völlig ohne doppelten Boden - das hätte ich nicht erwartet. Waren seine klugen und unterhaltsamen Filme des letzten Jahrzehnts, mit Viggo Mortensen als seiner Muse, nur ein Versehen? Jedenfalls kann ich nur raten, statt Maps to the Stars lieber A History of Violence (2005) oder Tödliche Versprechen (Eastern Promises) (2007) nochmals anzuschauen.
Die vierfach Oscar-nominierte Julianne Moore (auch Arthouse-Hassern sicher wenigstens als Nacktkünstlerin Maude Lebowski im Gedächtnis geblieben) gewann für ihre Rolle einen Darstellerpreis in Cannes, was wohl bedeutet, daß verdiente Schauspielerinnen dort für die mutige Präsentation ihren nackten Körper und möglichst emotionales Chargieren belohnt werden. Auch alle übrigen Figuren sind weder sympathisch noch interessant, ein Kunststück bei einer Traumbesetzung u.a. mit John Cusack (High Fidelity) und Olivia Williams (Leiterin von Joss Whedons Dollhouse). Tim Burtons Alice Mia Wasikowska konnte mich hingegen noch nie begeistern - hier gibt sie ein gemäß Hollywood-Maßgaben"entstelltes" Mädchen, was sich auf ein paar unauffällige Narben beschränkt und sie weder mehr noch weniger attraktiv wirken läßt. Ein Cameo von Carrie "Prinzessin Leila" Fisher ist vertan, bevor man diese überhaupt erkennt. Und was ist mit Cronenbergs Obsession mit dem vielleicht langweiligsten Schauspieler seiner Generation? Bereits zum zweiten Mal besetzt er hier Robert "Vampir Edward" Pattinson, nach dem (gemäß Kritikerkonsens, ich hab's mir gespart) ebenso drögen Cosmopolis.
Man sollte meinen, Hollywood böte genug glaubwürdige Geschichten, die man satirisch ausschlachten kann - stattdessen gibt uns das Drehbuch des wenig profilierten Bruce Wagner ein unwahrscheinliches, inzestuöses Geschwisterpaar, dessen schizophrener Nachwuchs bereits im Kindesalter Trauungszeremonien nachspielt - wie originell! Mäßig interessant (3/10).
Die vierfach Oscar-nominierte Julianne Moore (auch Arthouse-Hassern sicher wenigstens als Nacktkünstlerin Maude Lebowski im Gedächtnis geblieben) gewann für ihre Rolle einen Darstellerpreis in Cannes, was wohl bedeutet, daß verdiente Schauspielerinnen dort für die mutige Präsentation ihren nackten Körper und möglichst emotionales Chargieren belohnt werden. Auch alle übrigen Figuren sind weder sympathisch noch interessant, ein Kunststück bei einer Traumbesetzung u.a. mit John Cusack (High Fidelity) und Olivia Williams (Leiterin von Joss Whedons Dollhouse). Tim Burtons Alice Mia Wasikowska konnte mich hingegen noch nie begeistern - hier gibt sie ein gemäß Hollywood-Maßgaben"entstelltes" Mädchen, was sich auf ein paar unauffällige Narben beschränkt und sie weder mehr noch weniger attraktiv wirken läßt. Ein Cameo von Carrie "Prinzessin Leila" Fisher ist vertan, bevor man diese überhaupt erkennt. Und was ist mit Cronenbergs Obsession mit dem vielleicht langweiligsten Schauspieler seiner Generation? Bereits zum zweiten Mal besetzt er hier Robert "Vampir Edward" Pattinson, nach dem (gemäß Kritikerkonsens, ich hab's mir gespart) ebenso drögen Cosmopolis.
Man sollte meinen, Hollywood böte genug glaubwürdige Geschichten, die man satirisch ausschlachten kann - stattdessen gibt uns das Drehbuch des wenig profilierten Bruce Wagner ein unwahrscheinliches, inzestuöses Geschwisterpaar, dessen schizophrener Nachwuchs bereits im Kindesalter Trauungszeremonien nachspielt - wie originell! Mäßig interessant (3/10).
Donnerstag, 11. September 2014
We Are Family: Guardians of the Galaxy (9/10)
Chris Pratt (Parks and Recreation) war bisher schon ziemlich komisch. Jetzt hat er sich auch noch Muskeln antrainiert. Co-Star Rob Lowe (Eddie Niro aus Californication) ist bereits neidisch auf den 35jährigen neuen Actionhelden im Marvel-Universum. In einigen Jahren sollen die Guardians auf die Avengers treffen, dann können sich Mark Ruffalo und Chris Pratt darum streiten, wer die Nachfolge von Robert Downey Jr. als Marvel-Superstar antreten darf.
Auf die zweite Sicht aufgewerte auf: Herausragend (9/10)!
I am Groot!An Muskelprotzen ist aber auch sonst kein Mangel, auch wenn Chris Pratts "Starlord" der einzige (mehr oder weniger) 100prozentige Mensch von ihnen ist. Daneben gibt es noch Martial-Arts-Champion Dave Batista und den eindrucksvollen Djimon Hounsou (Hauptdarsteller in Spielbergs Amistad).
I AM GROOT!Zoe Saldana machte als Uhura in Star-Trek-Uniform eine genauso gute Figur wie als Avatars Naytiri in blauem CGI-Makeup. Nun ist sie als Gamora in grün zu bewundern (angeblich nicht per Computer, sondern handbemalt) - ja wirklich, es ist die gleiche Schauspielerin! I see you! Als ihre Schwester Nebula nimmt diesmal Dr.-Who-Jungdarstellerin Karen Gillan die Farbe Blau in Beschlag - auch nicht unattraktiv.
i am groot ;-)Von Bradley Coopers Stimme haben sich bisher bestimmt viele Zuschauer zugunsten seiner blauen Augen ablenken lassen. Diesmal kommt sie bei der Animierung des Waschbären "Rocky" Rocket gut zur Geltung. Nicht daß Rocky keine Schauwerte hätte!
I am Groot?Warum der so ungeheuer liebenswerte Lee Pace (Pushing Daisies) in letzter Zeit so viele zwielichtige Gestalten spielen muß, ist mir unbegreiflich. Nach Legolas' Vater Thranduil ist er hier als Oberschurke Ronan zu sehen und verschwindet fast hinter seiner Kostümierung. Trotzdem ist er natürlich in jeder Rolle willkommen.
I AM Groot!Sean Gunn ist manchen bekannt als Dorftrottel Kirk bei den Gilmore Girls - hier spielt er eine kleine Piratenrolle und war ansonsten "Rocket am Set" - Sprecher Bradley Cooper war wohl zu teuer, um bei den Dreharbeiten abzuhängen. Sean ist natürlich der Bruder des Regisseurs James Gunn, der durch ein paar (mehr oder weniger) feine mit "S" beginnende Genrefilme bekannt geworden ist, so etwa Slither mit Nathan "Captain Reynolds" Fillion (2006, 7/10) und Super mit Rainn Wilson, Liv Tyler und Ellen Page (2010, 6/10).
I am Groot!Wie kann man nun diesen Film beschreiben? Man nehme die Schauwerte aus Krieg der Sterne Episode III, die Aliens aus Farscape, die Selbstironie aus Firefly, würfele alles gut durcheinander und reichere die Suppe mit ein paar schmissigen Popsongs an (und Pop hört hier zum Glück mit den 70ern auf, denn danach hat "Starlord" Peter Quill die Erde verlassen). So wie hier die Musik aus einem frühen Modell des Sony Walkman kommt (noch mit "Cassetten"), so retro ist auch der Spaß, den man hiermit haben kann. Die Guardians of the Galaxy behaupten sich zur Überraschung vieler wieder als ein aufgegangenes riskantes Konzept von Marvel - nur für Ant-Man sehe ich nach dem Weggang von Edgar Wright schwarz...
Auf die zweite Sicht aufgewerte auf: Herausragend (9/10)!
Samstag, 23. August 2014
Eine kurzweilige Geschichte der Zeit: Lucy (9/10)
Was ist Lucy?
Lucy ist kein Action-Film, peitscht aber über 85 Minuten den Adrenalinspiegel hoch. Der umgekehrte Countdown bis zur Gehirnkapazität von 100% erzeugt eine atemlose Spannung. Eine irrwitzige Auto-Verfolgungsjagd, Schußwechsel und sonstige Schlagabtäusche sind allerdings dabei.
Lucy ist keine wirkliche Science Fiction, obwohl die Grundidee schon mehrfach im Genre verarbeitet wurde. Aber sie dient nur als Aufhänger für eine aberwitzige Geschichte, die sich einer Zuordnung entzieht, inklusive Teleportation, Telekinese und Zeitreise. Die versammelten Wissenschaftler sind nur Dekoration.
Lucy ist kein philosophisches Epos, obwohl Parallelen zu Kubricks 2001 naheliegen. Aber man hat gar keine Zeit für Reflexion. Lucy selbst ist der Knochen, der zu HAL 9000 wird, sie läßt Menschen tanzen wie Kubrick Raumschiffe.
Lucy ist keine Komödie, auch wenn viele Szenen dem Zuschauer zum Lächeln bringen können. Die Leoparden erlegen die Gazelle, aber wie wird es den koreanischen Schurken mit Lucy ergehen?
Lucy ist kein Starvehikel, bietet aber mit Scarlett Johansson und Morgan Freeman zwei Gesichter, an denen man sich nicht sattsehen kann. Freeman persifliert mit Augenzwinkern sein Image als Stimme der Rationalität, und Johansson ist endgültig der Star des Jahres. Ihr gebührt ein Ehrenplatz in der eindrucksvollen Reihe der Besson-Heldinnen: Isabelle Adjani, Rosanna Arquette, Anne Parillaud, Natalie Portman, Milla Jovovich.
Was ist Lucy?
Lucy ist das Comeback von Luc Besson, dem französischen Blockbuster-Regisseur, der vor langer Zeit mal mit einigen ikonischen Filmen Hollywood durcheinandergerührt hat, Nach 15 Jahren Durststrecke zeigt er uns wieder Denkwürdiges, das sich auf die Netzhaut brennt und mit den ätherischen Klängen von Eric Serra untermalt ist. Es ist ein Hit, der seine Produktionskosten gleich am ersten Wochenende wieder eingespielt hat, und die meisten Kritiker vor ein Rätsel stellt.
Lucy ist herausragendes Kino (9/10).
Siehe auch:
Lucy ist kein Action-Film, peitscht aber über 85 Minuten den Adrenalinspiegel hoch. Der umgekehrte Countdown bis zur Gehirnkapazität von 100% erzeugt eine atemlose Spannung. Eine irrwitzige Auto-Verfolgungsjagd, Schußwechsel und sonstige Schlagabtäusche sind allerdings dabei.
Lucy ist keine wirkliche Science Fiction, obwohl die Grundidee schon mehrfach im Genre verarbeitet wurde. Aber sie dient nur als Aufhänger für eine aberwitzige Geschichte, die sich einer Zuordnung entzieht, inklusive Teleportation, Telekinese und Zeitreise. Die versammelten Wissenschaftler sind nur Dekoration.
Lucy ist kein philosophisches Epos, obwohl Parallelen zu Kubricks 2001 naheliegen. Aber man hat gar keine Zeit für Reflexion. Lucy selbst ist der Knochen, der zu HAL 9000 wird, sie läßt Menschen tanzen wie Kubrick Raumschiffe.
Lucy ist keine Komödie, auch wenn viele Szenen dem Zuschauer zum Lächeln bringen können. Die Leoparden erlegen die Gazelle, aber wie wird es den koreanischen Schurken mit Lucy ergehen?
Lucy ist kein Starvehikel, bietet aber mit Scarlett Johansson und Morgan Freeman zwei Gesichter, an denen man sich nicht sattsehen kann. Freeman persifliert mit Augenzwinkern sein Image als Stimme der Rationalität, und Johansson ist endgültig der Star des Jahres. Ihr gebührt ein Ehrenplatz in der eindrucksvollen Reihe der Besson-Heldinnen: Isabelle Adjani, Rosanna Arquette, Anne Parillaud, Natalie Portman, Milla Jovovich.
Was ist Lucy?
Lucy ist das Comeback von Luc Besson, dem französischen Blockbuster-Regisseur, der vor langer Zeit mal mit einigen ikonischen Filmen Hollywood durcheinandergerührt hat, Nach 15 Jahren Durststrecke zeigt er uns wieder Denkwürdiges, das sich auf die Netzhaut brennt und mit den ätherischen Klängen von Eric Serra untermalt ist. Es ist ein Hit, der seine Produktionskosten gleich am ersten Wochenende wieder eingespielt hat, und die meisten Kritiker vor ein Rätsel stellt.
Lucy ist herausragendes Kino (9/10).
Siehe auch:
- Im Rausch der Tiefe (1988, 9/10) - Jean Reno und Jean-Marc Barre im Duell der Taucher um Rekorde und die schöne Rosanna
- Nikita (1989, 8/10) - die französische Antwort auf James Bond
- Léon der Profi (1994, 10/10) - eine Ode an einen Auftragskiller, der uns am Schluß den Ringtrick zeigt.
- Das fünfte Element (1997, 9/10) - was bei Coppola ein Taufgottesdienst war, ist bei Besson die Opern-Arie einer außer-/überidischen Sängerin. Und Bruce Willis fährt Taxi - big bada boom.
Donnerstag, 21. August 2014
Die Hugo-Gewinner 2014
Es zeigt sich, wie weit mein eigener Geschmack von der Fangemeinde entfernt ist. Hier die diesjährigen Gewinner (pro Kategorie haben zwischen 2.600 und 3.100 Fans abgestimmt):
BEST NOVEL
Ancillary Justice, by Ann Leckie (Orbit US / Orbit UK)
Das Ergebnis ist deutlicher als befürchtet, und die Rangliste stellt meine eigenen Präferenzen auf den Kopf (es folgen Neptune's Brood, Parasite, Wheel of Time, Warbound). Ich würde zusätzlich mal behaupten, daß jeder zweite Roman des jüngst verstorbenen und lediglich einmal nominierten Iain M. Banks mich mehr beeindruckt hat als Ann Leckies Erstling.
BEST NOVELLA
“Equoid” by Charles Stross (Tor.com, 09-2013)
Hier setzte sich knapp der bekannteste Autor durch, vor Valentes Schneewittchen-Variation. Es folgten meine Favoriten "Wakulla Springs" und "The Chaplain's Legacy" vor dem immerhin bei allen durchgefallenen "Butcher of Khardov".
BEST NOVELETTE
“The Lady Astronaut of Mars” by Mary Robinette Kowal (maryrobinettekowal.com /
Tor.com, 09-2013)
Hier ist meine Rangfolge fast übernommen worden, leider (aber akzeptabel) mit einem Tausch zwischen den Plätzen 1 und 2.
BEST SHORT STORY
“The Water That Falls on You from Nowhere” by John Chu (Tor.com, 02-2013)
Hier hat einmal mein Favorit triumphiert! Auch die weitere Rangfolge entspricht fast meiner eigenen.
BEST DRAMATIC PRESENTATION, LONG FORM
Gravity written by Alfonso Cuarón & Jonás Cuarón, directed by Alfonso Cuarón (Esperanto Filmoj; Heyday Films;Warner Bros.)
Mein Favorit hat sich nur knapp vor dem unsäglichen "Frozen" durchgesetzt. Demographisch scheinen bei den Votern Teenager keine Rolle zu spielen, denn die "Hunger Games" landeten abgeschlagen auf dem letzten Platz.
BEST DRAMATIC PRESENTATION, SHORT FORM
Game of Thrones “The Rains of Castamere” written by David Benioff & D.B. Weiss, directed by David Nutter (HBO Entertainment in association with Bighead, Littlehead; Television 360; Startling Television and Generator Productions)
Keine Überraschung hier - zum Glück haben sich die Dr.-Who-Fans verzettelt, aber es war doch knapp ("Orphan Black" landete auf Platz 3).
BEST NOVEL
Ancillary Justice, by Ann Leckie (Orbit US / Orbit UK)
Das Ergebnis ist deutlicher als befürchtet, und die Rangliste stellt meine eigenen Präferenzen auf den Kopf (es folgen Neptune's Brood, Parasite, Wheel of Time, Warbound). Ich würde zusätzlich mal behaupten, daß jeder zweite Roman des jüngst verstorbenen und lediglich einmal nominierten Iain M. Banks mich mehr beeindruckt hat als Ann Leckies Erstling.
BEST NOVELLA
“Equoid” by Charles Stross (Tor.com, 09-2013)
Hier setzte sich knapp der bekannteste Autor durch, vor Valentes Schneewittchen-Variation. Es folgten meine Favoriten "Wakulla Springs" und "The Chaplain's Legacy" vor dem immerhin bei allen durchgefallenen "Butcher of Khardov".
BEST NOVELETTE
“The Lady Astronaut of Mars” by Mary Robinette Kowal (maryrobinettekowal.com /
Tor.com, 09-2013)
Hier ist meine Rangfolge fast übernommen worden, leider (aber akzeptabel) mit einem Tausch zwischen den Plätzen 1 und 2.
BEST SHORT STORY
“The Water That Falls on You from Nowhere” by John Chu (Tor.com, 02-2013)
Hier hat einmal mein Favorit triumphiert! Auch die weitere Rangfolge entspricht fast meiner eigenen.
BEST DRAMATIC PRESENTATION, LONG FORM
Gravity written by Alfonso Cuarón & Jonás Cuarón, directed by Alfonso Cuarón (Esperanto Filmoj; Heyday Films;Warner Bros.)
Mein Favorit hat sich nur knapp vor dem unsäglichen "Frozen" durchgesetzt. Demographisch scheinen bei den Votern Teenager keine Rolle zu spielen, denn die "Hunger Games" landeten abgeschlagen auf dem letzten Platz.
BEST DRAMATIC PRESENTATION, SHORT FORM
Game of Thrones “The Rains of Castamere” written by David Benioff & D.B. Weiss, directed by David Nutter (HBO Entertainment in association with Bighead, Littlehead; Television 360; Startling Television and Generator Productions)
Keine Überraschung hier - zum Glück haben sich die Dr.-Who-Fans verzettelt, aber es war doch knapp ("Orphan Black" landete auf Platz 3).
Freitag, 15. August 2014
Hail Caesar! Planet der Affen: Revolution (6/10)
Die gelungene Erstverfilmung von Pierre Boulles SF-Satire Der Planet der Affen (1968) ist noch heute sehenswert, trotz der flach wirkenden Parallelen zur amerikanischen Sklaverei . Viele Zuschauer ließen sich durch die spärlich bekleideten menschlichen Hauptfiguren gern von den offensichtlichen Affenkostümen ablenken. Beim Reboot (über Tim Burtons Remake von 2001 breiten wir den Mantel des Schweigens) erleben wir nun den umgekehrten Effekt: Die (zumeist mittels Motion Capture Computer-animierten) Affen wirken so verblüffend real, daß die menschlichen Figuren dagegen uninteressant erscheinen.
Dementsprechend verschwinden die eigentlichen Stars (Andy "Gollum" Serkis und Judy Greer) hinter ihren Kostümen, während Jason Clarke und Keri Russell als menschliches Paar blass bleiben. Ausnahme ist hier Gary Oldman, der in einer den wenigen seiner Figur zugebilligten Leinwandminuten seinen eigenen Rekord an Overacting einzustellen versucht, dann aber doch am eigenen Desinteresse scheitert.
Die Geschichte ist so schematisch wie die Figurenkonstellation (Vater-Mutter-Sohn-Rivale) und hält keiner logischen Überprüfung statt, macht aber aus unerfindlichen Gründen trotzdem Spaß. Der erste Film hatte seine Stärken in der Selbstfindung Caesars in der Gefangenschaft und der Entwicklung erster Strukturen einer Affengesellschaft. Hier sehen wir die konsequente Weiterentwicklung, und sie ist (vor allem in der ersten, ruhigen Hälfte) durchaus atemberaubend. Dann folgt Schlag auf Schlag die Action, die weitere Reflexion übertönt. Aber wer will nicht mal Schimpansen in tiefenscharfem 3D beobachten, wie sie sich an Lianen durch ihren "Ur"wald schwingen (sozusagen Spider Man und Tarzan in einem)!
Ordentlich (6/10).
Dementsprechend verschwinden die eigentlichen Stars (Andy "Gollum" Serkis und Judy Greer) hinter ihren Kostümen, während Jason Clarke und Keri Russell als menschliches Paar blass bleiben. Ausnahme ist hier Gary Oldman, der in einer den wenigen seiner Figur zugebilligten Leinwandminuten seinen eigenen Rekord an Overacting einzustellen versucht, dann aber doch am eigenen Desinteresse scheitert.
Die Geschichte ist so schematisch wie die Figurenkonstellation (Vater-Mutter-Sohn-Rivale) und hält keiner logischen Überprüfung statt, macht aber aus unerfindlichen Gründen trotzdem Spaß. Der erste Film hatte seine Stärken in der Selbstfindung Caesars in der Gefangenschaft und der Entwicklung erster Strukturen einer Affengesellschaft. Hier sehen wir die konsequente Weiterentwicklung, und sie ist (vor allem in der ersten, ruhigen Hälfte) durchaus atemberaubend. Dann folgt Schlag auf Schlag die Action, die weitere Reflexion übertönt. Aber wer will nicht mal Schimpansen in tiefenscharfem 3D beobachten, wie sie sich an Lianen durch ihren "Ur"wald schwingen (sozusagen Spider Man und Tarzan in einem)!
Ordentlich (6/10).
Dienstag, 12. August 2014
The Crazy One: Robin Williams (1951 - 2014)
Like catching lightning in a bottle - that's how hard it must have been to capture Robin Williams' comedy on camera. No accident then that one of his funniest performances was as Aladdin, the genie in a bottle (1992). When Williams was uncorked, he could morph from character to character within seconds, making impressions with his face, his voice and his whole body. Maybe the best vehicle for his comedy was Good Morning, Vietnam (1987), but even in bad movies he usually had some great bits to offer as consolation. Some of those bad films were colossal failures, like Robert Altman's Popeye (1980) and Barry Levinson's Toys (1992). But still, Toys has arguably one of the funniest scenes in one of the worst movies ever (the MTV parody), and also shows Williams' generosity in allowing his co-star Joan Cusack to shine. Pity it didn't come together as a movie...
Like many great comedians, Williams wanted to be recognized as a "serious" actor, which resulted in quite a few memorable roles. He was properly goofy in The World According to Garp, and touching in Moscow on the Hudson (1984), Awakenings (1990), Terry Gilliam's Fisher King (1991),and his (finally) Oscar-winning role in Good Will Hunting (1997). He was equally effective in his sinister roles of 2002, in One Hour Photo and Christopher Nolan's Insomnia.
I have yet to revisit his break-through TV show Mork and Mindy, but I guess its silliness is more palatable for children. It's not the worst accomplishment to make children laugh, though, so he's excused for Mrs. Doubtfire (1993), too. Also forgiven is his tendency to make grown men cry, especially with Dead Poets Society (1989) - O Captain, my Captain!
One of the last attempts to reign in Williams' talent came from renowned TV producer David E. Kelley (Ally McBeal) with The Crazy Ones. Williams plays a recovering alcoholic who runs an ad agency with his daughter ("Buffy" Sarah Michelle Gellar). It had spots of brilliance and some sympathetic co-stars, but never really found its stride. Maybe in these times of political correctness, it was simply too risky to let Robin Williams loose. So the show was canceled after one season, and Williams reverted to playing the occasional American President (three times as Teddy Roosevelt in Night at the Museum and once as Dwight D. Eisenhower in The Butler). His last role, fittingly, will be as "Dennis the Dog" in Terry Jones' 2015 SF comedy Absolutely Anything.
So thank you Robin, for making us cry and making us think and - still your greatest gift to us - to make us laugh like crazy.
Like many great comedians, Williams wanted to be recognized as a "serious" actor, which resulted in quite a few memorable roles. He was properly goofy in The World According to Garp, and touching in Moscow on the Hudson (1984), Awakenings (1990), Terry Gilliam's Fisher King (1991),and his (finally) Oscar-winning role in Good Will Hunting (1997). He was equally effective in his sinister roles of 2002, in One Hour Photo and Christopher Nolan's Insomnia.
I have yet to revisit his break-through TV show Mork and Mindy, but I guess its silliness is more palatable for children. It's not the worst accomplishment to make children laugh, though, so he's excused for Mrs. Doubtfire (1993), too. Also forgiven is his tendency to make grown men cry, especially with Dead Poets Society (1989) - O Captain, my Captain!
One of the last attempts to reign in Williams' talent came from renowned TV producer David E. Kelley (Ally McBeal) with The Crazy Ones. Williams plays a recovering alcoholic who runs an ad agency with his daughter ("Buffy" Sarah Michelle Gellar). It had spots of brilliance and some sympathetic co-stars, but never really found its stride. Maybe in these times of political correctness, it was simply too risky to let Robin Williams loose. So the show was canceled after one season, and Williams reverted to playing the occasional American President (three times as Teddy Roosevelt in Night at the Museum and once as Dwight D. Eisenhower in The Butler). His last role, fittingly, will be as "Dennis the Dog" in Terry Jones' 2015 SF comedy Absolutely Anything.
So thank you Robin, for making us cry and making us think and - still your greatest gift to us - to make us laugh like crazy.
Donnerstag, 7. August 2014
Enttäuschendes Ende einer Ära: Hayao Miyazakis "Wie der Wind sich hebt" (5/10)
In den meisten Filmen von Hayao Miyazaki kommen Flugzeuge, Flugmaschinen, Flugwesen oder (in seinem schönsten Werk) eine fliegende Hexe vor. Diese Begeisterung für die Flugkunst gipfelt nun im Abschlußfilm des 73jährigen japanischen Meisters, dessen Abschied nun zumindest vorläufig auch die Schließung des Ghibli-Studios bedeutet.
Leider kann sich Miyazakis Biographie des bedeutenden japanischen Flugzeugkonstrukteurs Jiro Horikoshi weder politisch noch erzählerisch entscheiden. Ist Jiro ein genialer Depp oder ein naives Genie, wenn er nach dem Bau des "Zero"-Kampffliegers für den Zweiten Weltkrieg seinen Freund fragt: "Gegen wen kämpfen wir eigentlich?" Und ist dies nun eine tragische Liebesgeschichte (Jiros Frau starb an Tuberkulose) oder die Geschichte eines Ingenieurs, der seine Träume verwirklichen will?
Technisch ist Wie der Wind sich hebt brillant umgesetzt, und gerade im Vergleich mit dem (ansonsten gelungenen) Mohnblumenberg seines Sohnes Goro erkennt man immer noch einen deutlichen Qualitätsvorsprung, was den zeichnerischen Fluß und die Detaildichte der erschaffenen Welt anbelangt. Erzählt wird allerdings irritierend elliptisch, was gerade ohne viel historische Vorkenntnisse störend wirkt. Man erkennt weder den genauen Beitrag Jiros an der Konstruktion der verschiedenen Flugzeuge noch den allgemeinen technischen Fortschritt (Senknieten können doch nicht das einzige Geheimnis gewesen sein). In einigen Szenen allerdings blitzt Genie auf, etwa beim Erdbeben von 1923 und dem Besuch in Deutschland (inklusive expressionistischer Schattenbilder von Nazischergen).
Insgesamt enttäuschend. Annehmbar (5/10).
Leider kann sich Miyazakis Biographie des bedeutenden japanischen Flugzeugkonstrukteurs Jiro Horikoshi weder politisch noch erzählerisch entscheiden. Ist Jiro ein genialer Depp oder ein naives Genie, wenn er nach dem Bau des "Zero"-Kampffliegers für den Zweiten Weltkrieg seinen Freund fragt: "Gegen wen kämpfen wir eigentlich?" Und ist dies nun eine tragische Liebesgeschichte (Jiros Frau starb an Tuberkulose) oder die Geschichte eines Ingenieurs, der seine Träume verwirklichen will?
Technisch ist Wie der Wind sich hebt brillant umgesetzt, und gerade im Vergleich mit dem (ansonsten gelungenen) Mohnblumenberg seines Sohnes Goro erkennt man immer noch einen deutlichen Qualitätsvorsprung, was den zeichnerischen Fluß und die Detaildichte der erschaffenen Welt anbelangt. Erzählt wird allerdings irritierend elliptisch, was gerade ohne viel historische Vorkenntnisse störend wirkt. Man erkennt weder den genauen Beitrag Jiros an der Konstruktion der verschiedenen Flugzeuge noch den allgemeinen technischen Fortschritt (Senknieten können doch nicht das einzige Geheimnis gewesen sein). In einigen Szenen allerdings blitzt Genie auf, etwa beim Erdbeben von 1923 und dem Besuch in Deutschland (inklusive expressionistischer Schattenbilder von Nazischergen).
Insgesamt enttäuschend. Annehmbar (5/10).
Die Hugo-nominierten Romane
Bevor am 17. August die diesjährigen Preise vergeben werden, hier noch ein paar Anmerkungen zur Königskategorie.
Vier Kandidaten habe ich bereits besprochen, der fünfte ist der 12teilige "Wheel of Time"-Zyklus von Robert Jordan, postum vervollständigt von Brandon Sanderson. Vor einigen Jahren habe ich mich mal bis zum vierten Band durchgekämpft und dann zumindest vorläufig aufgegeben. Jordan schreibt an sich unterhaltsam und schöpft mit viel Fantasie eine erstaunlich detaillierte Welt. Seine Figuren sind vielleicht ein wenig stereotyp, aber durchaus einprägsam. Nicht so überzeugend fand ich den mythologischen Unterbau. Der Gedanke vom "Rad der Zeit" basiert auf der Wiedergeburt mythischer Helden und satanischer Schurken, die in einem ewigen Kampf immer wieder die gleichen Fehler begehen und jedesmal auf ähnliche Weise scheitern (und offenbar den Weltuntergang orchestrieren). Nun scheint eine Zeit des Durchbruchs gekommen, in der vielleicht erstmals die Helden triumphieren könnten. Der Kampf spielt sich ab in einer weitgefächerten mittelalterlichen Welt voller magischer Orte, Völker und Einzelfiguren. Tatsächlich scheint den Entdeckungen auch nach 4.000 Seiten noch keine Grenze gesetzt zu sein, und das ist auch der Hauptkritikpunkt an der Serie. Ein Rezensent bei Amazon hat die Handlung mal treffsicher mit einem Rollenspiel am Computer verglichen. Die Figuren irren umher, finden Verbündete oder machen sich Feinde, sammeln magische Gegenstände und Fähigkeiten, setzen diese in diversen Scharmützeln ein und gewinnen oder verlieren Lebens- oder Gesundheitspunkte. In jeder Schlacht scheint es nicht nur um Leben oder Tod, sondern um das Schicksal der ganzen Welt zu gehen, und doch folgt jedem Erfolg nur eine noch größere Herausforderung. Kurz gesagt: Es fehlt der Erzählung an Struktur, sie ist ein amorphes Monster, das zwar passagenweise immens unterhalten kann, aber den Leser auch extrem frustriert.
Trotzdem halte ich den Zyklus für den diesjährigen Favoriten. Er ist ohne Zweifel ein Klassiker und hat eine große Fangemeinde. Mein persönlicher Favorit ist zwar Larry Correias Grimnoir-Roman, aber dem rechne ich nicht viele Chancen aus. Neben dem "Wheel of Time" könnte auch Ancillary Justice das Rennen machen, nachdem Ann Leckies Debut bereits den Nebula und weitere Preise gewonnen hat. Hier meine Abstimmungsreihenfolge:
Vier Kandidaten habe ich bereits besprochen, der fünfte ist der 12teilige "Wheel of Time"-Zyklus von Robert Jordan, postum vervollständigt von Brandon Sanderson. Vor einigen Jahren habe ich mich mal bis zum vierten Band durchgekämpft und dann zumindest vorläufig aufgegeben. Jordan schreibt an sich unterhaltsam und schöpft mit viel Fantasie eine erstaunlich detaillierte Welt. Seine Figuren sind vielleicht ein wenig stereotyp, aber durchaus einprägsam. Nicht so überzeugend fand ich den mythologischen Unterbau. Der Gedanke vom "Rad der Zeit" basiert auf der Wiedergeburt mythischer Helden und satanischer Schurken, die in einem ewigen Kampf immer wieder die gleichen Fehler begehen und jedesmal auf ähnliche Weise scheitern (und offenbar den Weltuntergang orchestrieren). Nun scheint eine Zeit des Durchbruchs gekommen, in der vielleicht erstmals die Helden triumphieren könnten. Der Kampf spielt sich ab in einer weitgefächerten mittelalterlichen Welt voller magischer Orte, Völker und Einzelfiguren. Tatsächlich scheint den Entdeckungen auch nach 4.000 Seiten noch keine Grenze gesetzt zu sein, und das ist auch der Hauptkritikpunkt an der Serie. Ein Rezensent bei Amazon hat die Handlung mal treffsicher mit einem Rollenspiel am Computer verglichen. Die Figuren irren umher, finden Verbündete oder machen sich Feinde, sammeln magische Gegenstände und Fähigkeiten, setzen diese in diversen Scharmützeln ein und gewinnen oder verlieren Lebens- oder Gesundheitspunkte. In jeder Schlacht scheint es nicht nur um Leben oder Tod, sondern um das Schicksal der ganzen Welt zu gehen, und doch folgt jedem Erfolg nur eine noch größere Herausforderung. Kurz gesagt: Es fehlt der Erzählung an Struktur, sie ist ein amorphes Monster, das zwar passagenweise immens unterhalten kann, aber den Leser auch extrem frustriert.
Trotzdem halte ich den Zyklus für den diesjährigen Favoriten. Er ist ohne Zweifel ein Klassiker und hat eine große Fangemeinde. Mein persönlicher Favorit ist zwar Larry Correias Grimnoir-Roman, aber dem rechne ich nicht viele Chancen aus. Neben dem "Wheel of Time" könnte auch Ancillary Justice das Rennen machen, nachdem Ann Leckies Debut bereits den Nebula und weitere Preise gewonnen hat. Hier meine Abstimmungsreihenfolge:
- Warbound, Book III of the Grimnoir Chronicles, Larry Correia (Baen Books)
- The Wheel of Time, Robert Jordan and Brandon Sanderson (Tor Books / Orbit UK)
- Parasite, Mira Grant (Orbit US/Orbit UK)
- Neptune’s Brood, Charles Stross (Ace / Orbit UK)
- Ancillary Justice, Ann Leckie (Orbit US/Orbit UK)
Hugo-nominiert: Parasite (Mira Grant)
Nachdem ich mich mit Mira Grants Zombie- und Blogger-verseuchten Newsflesh-Trilogie gar nicht anfreunden konnte, hatte ich diesen ersten Band einer neuen Trilogie lange vor mir hergeschoben. Zu Unrecht, wie sich herausstellte: Es geht zwar auch hier nebenbei um Zombies ("Schlafwandler" genannt), aber es fehlen die atemlose Action genauso wie die überdrehten Figuren und der bemühte Blogger-Stil. Stattdessen erzählt Parasite unaufgeregt und doch spannend eine völlig neue Geschichte, die auf einer brillanten SF-Idee basiert. Nach einem medizinischen Durchbruch der nahen Zukunft haben sich viele Millionen Menschen einen genetisch manipulierten Bandwurm implantieren lassen, der sie symbiotisch vor den meisten Stoffwechsel- und Kreislaufkrankheiten schützt. Doch nun scheinen erste Nebenwirkungen aufzutreten, die von der das Patent haltenden BioTech-Firma aber zunächst vertuscht werden können...
Erzählt wird das in Ich-Form von der jungen Sally, die nach einem Unfall und dem überraschenden Aufwachen aus dem Koma ihr Gedächtnis verloren hatte und nun ihren Erinnerungen entsprechend eigentlich erst sechs Jahre alt ist (im Gegensatz zu ihrem etwa 25jährigen Körper). Sie hat mühsam fast alle kognitiven Fähigkeiten wiedererlernen müssen, und vor diesem Hintergrund ist es verständlich, wenn sie auf einige Leser ein wenig eindimensional wirkt. Für mich ist sie eine gelungene, überhaupt nicht langweilige Identifikationsfigur. Ihre Genesungsgeschichte birgt ein (leicht zu erratendes) Geheimnis, und gegen Ende dieses Einführungsbandes gewinnen sie und ihre Bezugspersonen genug Komplexität, um mich auf die Fortsetzung neugierig zu machen.
Mira Grant ist ein Pseudonym für die Kalifornierin Seanan McGuire (geboren 1978), die bisher offenbar durchaus erfolgreiche Urban Fantasy schrieb und nun unter neuem Namen eine ambitioniertere Richtung einschlägt, was ihr nun die vierte Hugo-Nominierung in Folge für den besten Roman einbrachte (nach den drei Newsflesh-Bänden). Wenn ihr ein überzeugender Abschluß dieser Trilogie gelingt, winkt ihr vielleicht der Preis im übernächsten Jahr.
Erzählt wird das in Ich-Form von der jungen Sally, die nach einem Unfall und dem überraschenden Aufwachen aus dem Koma ihr Gedächtnis verloren hatte und nun ihren Erinnerungen entsprechend eigentlich erst sechs Jahre alt ist (im Gegensatz zu ihrem etwa 25jährigen Körper). Sie hat mühsam fast alle kognitiven Fähigkeiten wiedererlernen müssen, und vor diesem Hintergrund ist es verständlich, wenn sie auf einige Leser ein wenig eindimensional wirkt. Für mich ist sie eine gelungene, überhaupt nicht langweilige Identifikationsfigur. Ihre Genesungsgeschichte birgt ein (leicht zu erratendes) Geheimnis, und gegen Ende dieses Einführungsbandes gewinnen sie und ihre Bezugspersonen genug Komplexität, um mich auf die Fortsetzung neugierig zu machen.
Mira Grant ist ein Pseudonym für die Kalifornierin Seanan McGuire (geboren 1978), die bisher offenbar durchaus erfolgreiche Urban Fantasy schrieb und nun unter neuem Namen eine ambitioniertere Richtung einschlägt, was ihr nun die vierte Hugo-Nominierung in Folge für den besten Roman einbrachte (nach den drei Newsflesh-Bänden). Wenn ihr ein überzeugender Abschluß dieser Trilogie gelingt, winkt ihr vielleicht der Preis im übernächsten Jahr.
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