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Samstag, 6. Juni 2015

Leckere Zwischenmahlzeit: Chef - Kiss the Cook (7/10)

In Kiss the Cook (so der dämliche deutsche Titel - warum nicht "Der Chefkoch", wenn man sich von der Suter-Verfilmung abheben möchte) wird der Koch höchstens mal beiläufig geküßt. Wenn es im Film eine Romanze gibt, dann die des Chefs Carl mit seinen raffiniert zubereiteten Speisen aus erlesenen Zutaten. Das Kochen wird allerdings ausführlich zelebriert, vorzugsweise untermalt von tanzbaren Latino-Rhythmen. Jon Favreau - Autor, Regisseur und Hauptdarsteller - hatte offenbar viel Spaß an dieser kleinen Komödie, die mit seinen Iron-Man-Blockbustern nur noch zwei Nebenfiguren gemeinsam hat: Scarlett Johansson als Weinkellnerin (besonders lasziv mit dunklen Haaren) und Robert Downey Jr. in einem Cameo als reicher Schnösel (einer Rolle, die er privat wie beruflich gut auszufüllen weiß). Auch bei der übrigen Besetzung kann der sympathische Regisseur (er spielte nebenbei auch Tony Starks tollpatschigen Sicherheitschef) auf eine beeindruckende Reihe von Improvissationstalenten bauen: John Leguizamo (der amerikanische Otto - er spricht Sid in Ice Age) und Bobby Cannavale (Blue Jasmine) als Sous-Chefs, der stets patente Oliver Platt als Gastronomieblogger, Legende Dustin Hoffman als Restaurantbesitzer und die erblondete Kolumbianerin Sofia Vergara (Modern Family) als Carls Ex-Frau Inez.

Die Geschichte beginnt etwas holprig in Miami, wo Carl nach 15 Jahren als angestellter Chefkoch überarbeitet und unterfordert in eine Krise schlittert, die von einer Twitter-Fehde in einen online dokumentierten Tobsuchtsanfall und schließlich seine Kündigung mündet. Der Tiefpunkt ist aber schnell erreicht, und nachdem Inez ihrem Ex von ihrem Ex-Ex einen Imbißwagen organisiert, macht sich dieser mit seinem vernachlässigten 10jährigen Sohn Percy auf eine kulinarische Fastfood-Tour durch den US-amerikanischen Süden. Und auch wenn es praktisch keine Hindernisse gibt und der Ausgang mehr als vorhersehbar ist, ist das ganze eine herzerwärmende Riesen-Gaudi, wenngleich mehr zum Schmunzeln als zum Loslachen. Als zeitgemäße Zutat bekommt man noch einen Einblick in die Marketingmacht der neuen sozialen Medien, die von Carls Sproß Percy virtuos bedient werden.

El Jefe ist das spaßigste Imbißunternehmen seit Stephen Frears' The Van ("Fish & Chips"), auch wenn hier keine Windeln serviert werden, sondern kubanische Sandwiches. Eine leckere Mahlzeit für zwischendurch halt. Gut (7/10).

Samstag, 30. Mai 2015

SF von vorgestern: A World Beyond (3/10)

Tomorrowland ist ein glitzernder Kristall, der nur aus Oberflächen besteht und einen Kern aus hohlem, naivem Optimismus birgt. Es ist mir unbegreiflich, wie dieser Fehlgriff mit einem geschätzten Budget von 190 Millionen Dollar überhaupt zustande gekommen ist. Regisseur und Autor Brad Bird hat uns mit dem anrührenden, handgezeichneten Gigant aus dem All (1999) und den Pixar-Wunderwerken Die Unglaublichen (2004) und Ratatouille (2007) drei herausragende Trickfilme geschenkt und mit der vierten Mission-Impossible-Folge (Dubai-Hotelstunt!) gezeigt, daß er auch ein Talent für Realfilme hat. Sein Co-Autor Damon Lindeloff, Mit-Erfinder von Lost, hat allerdings seitdem seinen Bonus mehr als aufgebraucht (sein bester Credit seitdem ist schon der durchaus spaßige Cowboys & Aliens-Mischmasch von 2011). Dazu kommt in der Hauptrolle George Clooney, eigentlich ein Qualitätsgarant, hier peinlich fehlbesetzt. Hugh Lauries (Dr. House) sauertöpfischen Blick hätte man genauso gut digital klonen können, und Berufs-Teenager Britt Robertson war schon in Under The Dome nur nervig. Dazu kommt mit Raffey Cassidy eine gruselige Kinderdarstellerin, die an Niedlichkeit offenbar Shirley Temple Konkurrenz machen will, dann aber in absurden Kampfszenen wie dereinst Master Joda durch die Gegend hüpft. Wohlgemerkt, die knapp 12jährige kann natürlich nichts dafür und wirkt durchaus talentiert, aber ihre Rolle als präpubertäre Androidin ist wirklich bescheuert.

Seitdem die Tricktechnik fast alles darstellen kann, gibt es ja immer mehr Filme aus den phantastischen Genres. Leider konzentrieren sich diese dann allzu oft auf die (teuren) Effekte, die in den literarischen Vorlagen meist nur Kulisse für außergewöhnliche Geschichten sind. So ist es zwar toll anzuschauen, wie der Eiffelturm sich in eine Raketenabschußbasis verwandelt, aber ohne Einbettung in eine plausible Erzählung ist das nur die Demonstration tricktechnischer Finesse. Und während Adaptionen meist unter der Verkürzung auf (als verkaufsfördernd betrachtete) Aspekte leiden (etwa der militärische Blickwinkel im enttäuschenden Ender's Game vom vorletzten Jahr), scheinen originale Drehbücher oft nur bekannte Versatzstücke zusammenzubauen, zuletzt mit dem vergleichbaren Dollargrab Jupiter Ascending (zu dem übrigens die Screenjunkies in ihrem Honest Trailer ziemlich konform mit meiner Bewertung gehen). Die beste SF-Adaption ist für mich immer noch der Blade Runner, der weniger durch Effekte als durch Atmosphäre und Vielschichtigkeit glänzt. Gelungene Originalwerke sind noch seltener, und oft entweder stark actionorientiert (wie Die Matrix, Das fünfte Element) oder eher Abenteuer im Weltall (Krieg der Sterne). Ansonsten kommen auf jeden ideengetriebene Beitrag (2001: Odyssee im Weltall) zehn hohle Actionfilme, auf jeden figurenzentrierten Beitrag (Serenity) zwanzig Seifenopern im All.

Zurück zu Tomorrowland (in Europa aus rechtlichen Gründen "A World Beyond"). Es ist der Film zum Vergnügungspark, destillierter Disney: Schülerin Casey rettet mit ihrem Optimismus die Welt. Sie kann halt alles reparieren: Radios, Computer, den Klimawandel. Überhaupt ist nur Pessimismus an unseren Problemen schuld: Berichte über ökologische Katastrophen, Mißtrauen und Haß. Besonders schlimm sind dystopische Romane: Orwell und Huxley hindern uns am positiven Denken. Fräulein, wenn Dein Lehrer es dir schon nicht erklären kann: 1984 und Schöne neue Welt sind Warnungen, auf die die Menschheit leider nicht hört, aber kaum die Ursache. Obwohl die NSA ihre Inspiration sicher irgendwo herhaben muß...

Ich bin optimistisch, daß die Filmgeschichte diesen Flop schnell vergessen wird. Mäßig interessant (3/10).

Hugo-nominiert: "The Goblin Emperor" von Katherine Addison

Der Titel ist ein bißchen irreführend, denn der "Kobold-Kaiser" sitzt auf dem Elfenthron. Allerdings war seine Mutter die Tochter des Koboldkönigs, wenngleich nie geplant war, daß er den Thron besteigen sollte. Schließlich hatte er jeweils zwei ältere Halbbrüder und Halbschwestern, und einen bereits 15jährigen Neffen. Als jedoch das Luftschiff mit seinem kaiserlichen Vater und beiden Thronfolgern abstürzt, wird der 18jährige aus seinem Exil in die Hauptstadt berufen und muß fast völlig unvorbereitet das mächtige Elfenreich lenken.

Bevor ich mit diesem Fantasy-Roman warm wurde, mußte ich ein paar Hürden nehmen. Da ist zunächst der Name der Titelfigur. "Maia" ist laut meinen Recherchen in allen Kulturkreisen ein weiblicher Name. Ob nun ein ironischer feministischer Wink der Autorin oder ein Bezug auf den erotischen Fantasy-Klassiker von Richard Adams (Watership Down), mich hat das ziemlich irritiert. Auch die weiteren Namen stören den Lesefluß, denn sie wurden offenbar in einer Mischung von Tolkien und Dostojewski ausgebrütet und sorgten bei mir auf den knapp 500 Seiten für unnötige Verwirrung: Dach'osmin Ceredin, Osmin Duchenin, Csoru Zhasanai - alle werden darüber hinaus je nach Situation auch noch mit verschiedenen genauso kryptischen Titeln und Ehrenbezeugungen angesprochen. Maia übrigens heißt eigentlich Edrehasivar Zhas - und spricht wie alle Edelleute am Hofe im Pluralis Majestatis, mit sporadisch eingeworfenem Thou und Thine, ohne daß die Sprache ansonsten im geringsten an Shakespeare gemahnen würde.

Nachdem ich mich an diese Tücken gewöhnt hatte, machte das Lesen jedoch richtig Spaß. Die Geschichte ist streng figurengetrieben und bietet weder Fechtszenen noch Schlachten und nur ein Minimum an Magie. Trotz diesem (von manchen Rezensenten beklagten) Mangel an Action ist es ungemein spannend zu verfolgen, wie Maia sich durch die Ränkespiele des Hofes manövriert und auch lenken läßt. Es ist eine recht patriarchalische Gesellschaft, wenngleich auch einige Frauen ihre Intrigen spinnen (die aber meist nur auf profitable Hochzeiten aus sind). Es ist ein wenig unwahrscheinlich, auf wie viel guten Willen der naive Thronfolger trifft, und auch wenn ihm im allgemeinen eine gute Menschenkenntnis hilft, festigt er seine Machtposition doch ein wenig schnell. Die Hindernisse auf seinem Weg sind ebenfalls vorhersehbar. All das ist also nicht neu, aber mit viel Detailfreude geschildert. Am Ende hatte ich allerdings ein wenig das Gefühl, nur eine Einführung in eine faszinierende neue Welt gelesen zu haben. Auch wenn bisher kein Nachfolger angekündigt ist, scheinen mir sowohl der Aufwand der Autorin als auch die notwendige Investition der Leser ein wenig zu hoch für ein alleinstehendes Werk.

Der Roman der jungen Amerikanerin Sarah Monette (ihr erster als Katherine Addison, ihr vierter insgesamt) orientiert sich also klar an der romantischen Tradition der klassichen Fantasy, nicht am düsteren, schmutzigen Gegenmodell von George R.R. Martin und seinen Jüngern (und wer glaubt, A Song Of Ice and Fire sei deprimierend, sollte mal Abercrombie lesen, etwa seine First-Law-Trilogie). Er ist aber ein mehr als solider Beitrag, würdig der Nominierung, allerdings für mich nicht außergewöhnlich genug, um Favorit für den SF-Preis zu sein.

Samstag, 23. Mai 2015

Abgefahren: Mad Max - Fury Road (5/10)

Max ist verrückt. Er hat Hallu/zina/tionen. Die Toten verfolgen ihn. Nicht wie im Sechsten Sinn. Nur als Erinnerung. An frühere Filme. Ist das Mel Gibson? Schwer zu erkennen unter all den Haaren. Und keine Zeit drüber nachzudenken. Schwupps hat er seine Karre angeschmissen. Er wird verfolgt. Von anderen Verrückten? Australien nach dem Atomkrieg. Sieht aus wie Namibia. Viel Staub und Sand. Max wird eingeholt. Gefangengenommen. Geschoren. Doch nicht Mel Gibson? Schwer zu erkennen hinter dem Maulkorb. Offenbar Standard für Blutspender (unfreiwillige). Fluchtversuch gescheitert. Aber verständlich. Brandeisen sieht schmerzhaft aus. Auftritt Blutempfänger: Nicholas Hoult in Ganzkörperweiß. Ist trotzdem noch hübsch. War er sogar als Zombie. In Warm Bodies (Geheimtip). Hier heißt er Nux. Will Anführer nach Valhalla folgen. Einziger Anhänger vom Unsterblichen Joe mit Persönlichkeit. Spoiler: Joe ist nicht wirklich unsterblich. Aber definitiv verrückt. Hat den größten Maulkorb. Den kleinsten Sohn. Und Zugang zum Großen Wasserhahn. Plötzlich Aufregung. Konvoi ist vom Weg abgekommen. Lenkräder werden verteilt. Nächste Verfolgungsjagd. Nux möchte mit. Ergattert Lenkrad. Max muß ihn als Blutbank begleiten. Als Galionsfigur auf dem Jeep installiert. Dann spielen alle Cowboys und Indianer. Nur mit Autos und Motorrädern. Und Geländepanzern und Öltransportern. Öl scheint es mehr als Wasser zu geben. Kann man nicht trinken. Ist aber effektiv als Schminke. Die Kavallerie kommt später. Wilde retro-futuristische Waffen. Coole zweihalsige Gitarre mit Flammenwerferfunktion. Und Trommler. Bloß den Takt halten. Chaos. Max kann sich befreien. Ist aber noch an Nux gekettet. Gigantischer Sandsturm kommt. Noch mehr Chaos. Dann ist plötzlich alles dunkel. All das in der ersten halben Stunde.

Wie eine Fata Morgana tauchen plötzlich diese fünf Models auf, von jeder Sorte eine, wenn man Frauen in Sorten unterteilen dürfte - blond und rot und dunkelhaarig, groß und klein, süß und zuckrig - was mich an die Neuauflage von Hawaii 5-0 erinnert, deren Produzenten uns lüsternen Männern alle paar Jahre eine Folge mit Victoria-Secret-Models gönnen, wobei hier von den fünf Wüstenschönheiten vielleicht nur zwei wirklich bei Victoria Secret posiert haben und eine (Zoe Kravitz) sogar schon als Schauspielerin aufgefallen ist, und eine weitere eine waschechte Enkelin von Elvis ist - das sind die Fakten, die einem die harte Nacharbeit zu einem Actionkracher verschönern, wenngleich man zur Würdigung der gebotenen Schauwerte denn doch auf die Heimkinoauswertung mit Zeitlupenoptionen warten muß, denn schon bald wird einem der Augenschmaus wieder durch Stakkatoschnitte verhackstückelt. Für weitere anderthalb Stunden.

Furiosa ist wütend. Charlize Theron! So häßlich war sie seit Monster nicht. Natürlich nicht wirklich. Nur mit unvorteilhafter Frisur. Und mißlungenem Makeup. Und einem Arm zu wenig. Prothese erinnert an ein frühes Terminator-Modell. Fun-Fact: Geboren nahe Johannisburg. Nun US-Bürgerin. Buchstäblich African-American. Wir lernen: Furiosa hat den Konvoi entführt. Um die Mädchen zu retten. Unterschiedlich sichtbar: die sind allesamt schwanger. Von Joe. Dem nicht wirklich Unsterblichen. Die Kinder sollen nicht unter seiner Fuchtel aufwachsen. Furiosa hat ein sentimentales Herz. Verbündet sich trotzdem mit Max. Der endlich die Infusionsverbindung zu Nux gekappt hat. Jetzt fällt auch der Maulkorb. Tom Hardy! Die Stimme hätte es schon früher verraten können. Nicht daß er viel gesprochen hätte. Bekannt geworden als Shinzon in Star Trek: Nemesis. Hat seitdem nichts dazugewonnen. Jünger als Mel Gibson. Aber nicht so australisch. Weitere Verfolgungsjagden. Irgendwann kommt doch die Kavallerie. Auch nicht mehr, was sie mal war. Mehr motorisierte Frauen. Auch mit weichen Herzen. Und Träumen von grünen Auen. Sogar Nux hat bisher überlebt. Dank der Rothaarigen. Der er schöne Augen macht. Und plötzlich keine Sehnsucht nach Valhalla mehr hat. Spoiler: Das hochschwangere Transformer-Weibchen hat's nicht geschafft. Joe ist nicht amüsiert. Mehr Kämpfe. Und Verfolgungsjagden. Explosionen! George Miller besorgt's uns richtig. Und das mit 70 Jahren. Neuerfinder des Action-Spektakels? Wohl kaum. Jedoch: Früher war's auch nicht besser. Wenngleich billiger. Und nicht in 3D. Aber genauso abgefahren. Annehmbar. Schon wieder (5/10).

Nicht preiswürdig: Die Frontlines-Romane von Marko Kloos

Marko Kloos hat ja im Zuge der Sad-Puppies-Kontroverse seinen für den Hugo nominierten zweiten Frontlines-Band "Lines of Departure" zurückgezogen. Aus Respekt vor dieser Entscheidung, und weil es die beiden Romane bei Amazon auszuleihen gab, habe ich die beiden Bände jetzt doch gelesen (wenngleich mehr und mehr diagonal).

Kloos ist ein in New Hampshire lebender Deutscher. Sein erster Frontlines-Roman entstand im Umfeld eines SF-Workshops, bei dem offenbar John Scalzi sich des Nachwuchsautors annahm. Scalzi ist der momentan anerkannteste Vertreter der militärischen Science Fiction, er gewann 2013 einen Hugo für Redshirts. Qualitativ kann Kloos Scalzi allerdings nicht das Wasser reichen, und auch im Vergleich mit David Webers erfolgreicher Honor-Harrington-Serie (einer Art Hornblower im All) kommt er schlecht weg. Damit erschöpft sich allerdings bereits meine Erfahrung mit Militär-SF.

Unabhängig vom mir unsympathischen Genre bot mir Kloos nichts Neues. Er schreibt zwar flüssig, seiner Erzählweise fehlt es aber an Spannungsaufbau, und seine Figuren sind ziemlich austauschbar. Typisch ist dabei die Beliebigkeit der Geschlechterzuordnung. Das konnte Heinlein zwar auch nicht besser, dafür vermochte der Altmeister mit seinen propagandistischen Erzählungen ("Starship Troopers") einen verführerischen Sog erzeugen, dem vor allem Jugendliche nur zu leicht erlagen. Davon kann bei Kloos' eintöniger Reportage des Gefreiten und späteren Korporals Andrew Grayson kaum die Rede sein (zudem stört mich weniger die Ich-, aber sicher die Gegenwartsform). Zu den Klischees gesellen sich dann noch abstruse SF-Konzepte. Es ist ja ein netter Gedanke, einmal die Menschheit in die Rolle der "Bugs" zu drängen, aber der Gedanke von 80 Fuß großen Aliens mit mehr als der zehnfachen Masse eines Elefanten ist so absurd wie physikalisch unmöglich. Und überhaupt Füße und Pfunde: Wenn noch nicht einmal europäische Einwanderer das metrische System benutzen, wer soll den Amerikanern dann Vernunft beibringen?

Donnerstag, 14. Mai 2015

Seltene Intelligenz: Ex Machina (8/10)

Junge trifft Robotermädchen. Junge verliebt sich in Robotermädchen. Liebt Robotermädchen Jungen?

Der Programmierer Caleb verbringt eine Woche mit dem genialen Firmengründer Nathan (der mit "BlueBook" das nächste Google zum Megaerfolg geführt hat). Er soll in einem erweiterten Turing-Szenario Calebs offenbar eigenhändig zusammengeschraubten Roboter Ava auf eigenständige Intelligenz testen. Es fällt Caleb allerdings schwer, objektiv zu bleiben, denn Ava hat Gesicht und Gestalt einer attraktiven jungen Frau, wenngleich mit mechanisch wirkenden Gliedmaßen und halbtransparentem Rumpf.

Es passiert nicht viel in Ex Machina, und die Handlung ist auch grob vorhersehbar. Schließlich dreht sie sich um lediglich drei Figuren (plus die stumme Bedienstete Kyoko). Im Theater würde das nur deswegen nicht funktionieren, weil die Effekte eine wesentliche Rolle spielen. Die sind allerdings spektakulär. Das gilt sowohl für das in eine atemberaubende Berglandschaft eingebettete unterirdische Labor als auch für die optischen Tricks, die Alicia Vikander zur bislang vielleicht überzeugendsten Androidin der Filmgeschichte machen. Sie erinnert an Summer Glau in den Sarah-Connor-Chroniken, die übrigens ebenfalls gelernte Ballett-Tänzerin ist.

Der 32jährige Rotschopf Domhnall Gleeson (Sohn des irischen Urgesteins Brendan) hat offenbar ein Abonnement auf SF und Fantasy, Er war Bill Weasley im Harry-Potter-Finale, spielte die Hauptfigur in der Zeitreise-Romanze Alles eine Frage der Zeit und wird demnächst in der Episode VII einer bekannten Weltraumsaga zu sehen sein. Als Caleb zeigt er genau die richtige Mischung aus Intelligenz und naivem Außenseiter. Oscar Isaac (Llewyn Davis) als Nathan hätte ich beinahe nicht erkannt (durchaus ein Kompliment). Seine Darstellung leidet ein wenig an den Unwahrscheinlichkeiten, die das Drehbuch seiner Figur zumutet - ein Ingenieur- und Programmiergenie, das man vor allem als Trinker und Fitnessfanatiker kennenlernt. Als Teil der Versuchsanordnung funktioniert das aber. Herz des ganzen ist die 26jährige Schwedin Alicia Vikander, die atemberaubend aussieht und ihre Darstellung mit genau dem richtigen Maß mysteriöser Nicht-Menschlichkeit versieht. In ihren bisherigen Nebenrollen in mittelmäßigen Filmen (u.a. an der Seite von Mads Mikkelsen im dänischen Oscar-Beitrag Die Königin und ihr Leibarzt und neben Keira Knightley in Anna Karenina) ist sie mir nicht besonders aufgefallen, ab diesem Jahr scheint ihre internationale Karriere mit Auftritten in einer ganzen Reihe von hochinteressanten Filmen aber wohl durchzustarten. Neben Schwedisch und Dänisch spricht sie ein schönes, für mich akzentfreies Englisch.

Das Regiedebut des Londoners Alex Garland ist damit trotz gewisser Beschränkungen seines eigenen Stoffes gelungen. Bisher hat er vor allem Drehbücher für seinen Freund Danny Boyle  (28 Tage später, Sunshine) und die (gemessen an Kazuo Ishiguros wuchtiger Prosa) enttäuschende Adaption von Alles, was wir geben mußten (2010, 7/10) mit Keira Knightley und Carey Mulligan abgeliefert. Zu einem Meisterwerk hat auch diesmal es nicht gereicht, dazu hätte ich eine dichtere, vielschichtigere Behandlung des Themas erwartet. Aber ihm gelingt die bislang beste Inszenierung eines seiner Stoffe: spannend, zum Nachdenken anregend, ohne die Prätentionen eines Danny Boyle (der für mich seit Trainspotting keinen rundum überzeugenden Film mehr präsentiert hat). Nur die atonale Hintergrundmusik hat mich gestört, die selten mehr als ein unheilverkündenes Dröhnen zu bieten hat. Ansonsten ist Ex Machina ein ruhiger Gegenpol zum im Juli startenden neuen Terminator-Film, der nach dem Trailer zu urteilen ein fragwürdiger Actionkracher irgendwo zwischen Remake und Reboot zu werden droht. Eine verkürzte, inzwischen fast banale Botschaft von Ex Machina zum Schluß. Paßt auf, was Ihr googelt - der große Konzernbruder beobachtet Euch! Sehr gut (8/10).

Kintopp-Nonsense-News #1

Die von niemandem ersehnte Fortsetzung von Kevin Smiths Mallrats soll MallBrats heißen. Die meisten Darsteller des ersten Teils werden zurück erwartet, da sie eh nichts besseres zu tun haben. Allein Ben Affleck hat sich bereits verpflichtet, sich an anderer Stelle zu blamieren - er spielt eine Fledermaus, die sich mit Superman anlegt.


Samstag, 9. Mai 2015

Zum Glück Hugo-nominiert: "The Three-Body Problem" von Liu Xixin

Vielleicht ist die Nominierung dieses überzeugenden Romans ein Hoffnungsschimmer bei den leidgeplagten diesjährigen Hugos, ermöglicht erst durch den mutigen Rückzug von Marko Kloos. Selten werden ins Englische übersetzte Werke aufgestellt, dann gilt aber die Veröffentlichung in den USA als Nominierungsfenster. In China erschien dieser erste Teil einer Trilogie des 1963 geborenen und offenbar in seiner Heimat profiliertesten SF-Autors bereits 2008 und war dort überaus erfolgreich. Die Übersetzung übernahm der seit seinem 11. Lebensjahr in den USA lebenden Ken Liu (dessen erster eigener Roman gerade veröffentlicht wurde). Er wird sich auch den Abschlußband vornehmen, die für nächstes Jahr angekündigte Übersetzung des Mittelteils liegt in anderen Händen.

Sprachlich scheint mir die Übertragung sehr gelungen. Der Text fließt ohne übertrieben poetische Floskeln (die ich wohl aufgrund eines Vorurteils von einem Chinesen erwartet hätte), aber auch ohne Wissenschafts-Jargon. Besonders die Figuren, aber auch die gesellschaftlichen Zustände sind sehr plastisch geschildert. Einzig die (eher seltenen) Dialoge fand ich etwas gestelzt und unnatürlich. Ob das an der Vorlage oder der kulturellen Barriere liegt, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog aus dem Jahr 1967 und kehrt später in Rückblenden zu den Folgejahren zurück. Am Höhepunkt der Kulturrevolution mußte Ye Wenjie als Teenager erleben, wie ihr Vater (ein Astrophysiker) von ihren Altersgenossinnen als reaktionärer Akademiker zu Tode geprügelt wurde. Als Physikstudentin ist sie selbst verdächtig, wird zur Umerziehung bei Rodungsarbeiten eingesetzt und einige Jahre später zwangsrekrutiert und interniert an einer militärisch abgeschirmte astronomischen Station. Dort macht diese vom Schicksal geschlagene Frau eines Tages eine Entdeckung, die fatale Auswirkungen auf die Zukunft der Menschheit haben kann...

In der "Gegenwart" folgt die Erzählung dem Materialforscher Wang Miao (er entwickelt gerade eine Nano-Faser), der von der Regierung (und, wie sich herausstellt, sogar einer übernationalen Allianz) als Krisenberater rekrutiert wird. Es liegt eine Bedrohung durch Außerirdische in der Luft, und ausgerechnet zu diesem kritischen Zeitpunkt scheint die wissenschaftliche Forschung der Menschheit zum Stillstand gekommen zu sein (Teilchenbeschleuniger liefern plötzlich widersprüchliche Resultate). Fast wie in einem Krimi versucht Wang u.a. mit Hilfe des zwielichtigen Polizisten Da Shi die Hintergründe zu ermitteln. Dabei muß er eine internationale anti-wissenschaftliche Organisation infiltrieren, was ihn schlußendlich zur inzwischen 65jährigen Ye Wenjie führt, deren hochbegabte Tochter sich gerade unter mysteriösen Umständen das Leben genommen hat. Und dann gibt es noch das merkwürdige titelgebende Computerspiel, eine komplexe virtuelle Realität namens "Drei-Körper-Problem". Soll diese etwa eine Simulation der Alien-Heimat darstellen?

Auf der einen Seite handelt es sich bei diesem Roman um (im besten Sinne) altmodische Science Fiction, in der wissenschaftliche Ideen extrapoliert werden, um eine fantastische Zukunftsvision zu entwerfen (der Autor hat eine Ausbildung in Computerwissenschaften). Auf der anderen Seite reflektiert der Roman aber auch sehr feinsinnig den Zustand der Menschheit und natürlich insbesondere der heutigen chinesischen Gesellschaft. Die Verteufelung (und teilweise Ausrottung) einer kompletten Wissenschaftsgeneration hat deutliche Spuren hinterlassen, und vielleicht ist vor diesem Hintergrund die pessimistische Grundeinstellung verständlich. Ohne zu viel verraten zu wollen, führen Überbevölkerung, ökologische Verwüstung unseres Planeten und die Unausweichlichkeit kriegerischer Konflikte im Roman zu einer Haltung, in der eine Alien-Invasion von intellektuellen Extremisten als heilbringende Lösung gesehen wird. Im Nachwort zieht der Autor Parallelen zur Invasion fremder Kontinente in der Menschheitsgeschichte und hinterfragt das Bild der wohlgesonnenen Aliens à la Star Trek.

Samstag, 2. Mai 2015

Lohn der Angst: Avengers - Age of Ultron (9/10)

Joss Whedon hat fünf anstrengende Jahre hinter sich. Als er im April 2010 das Steuer beim ersten Avengers-Film übernahm, war die Erwartungshaltung so groß wie die Angst vor dem Scheitern. Schließlich hatte er nach dem Ende von Buffy (1997 - 2003) nicht viel Glück mit seinen Folgeprojekten. Der Kinofilm Serenity zur nach wenigen Episoden abgesägten Fernsehserie Firefly spielte 2005 nicht viel Geld ein, die ambitionierte, faszinierende Serie Dollhouse (2009/10) brachte es immerhin auf zwei Staffeln (von denen die zweite bereits am Mikrobudget litt). Für die Avengers mußte er zunächst das Drehbuch von Zak Penn überarbeiten (sprich: neu schreiben), der zuvor bereits den mäßigen dritten X-Men-Teil und den schwachen Unglaublichen Hulk mit Edward Norton mitzuverantworten hatte. Kaum hatte Joss das Projekt künstlerisch und kommerziell gerettet, begann bereits die Arbeit am nächsten Drehbuch, und die Erwartungen stiegen wie die Egos der Stars fast ins Unermessliche.

Die Anstrengung hat sich gelohnt, und der (noch) 50jährige hat sich seine anstehende Ruhepause redlich verdient. Auch finanziell dürften jetzt ein paar Millionen in seine Tasche geflossen sein, nachdem er für den ersten Film mehr Ehre als Dollars erhielt, während Robert Downey Jr. - es sei ihm gegönnt - per Gewinnbeteiligung das größte Tortenstück vom dritterfolgreichsten Film aller Zeiten einheimste. Bisher waren nur Camerons Avatar und Titanic erfolgreicher, allerdings ohne die Inflation zu berücksichtigen - niemand wird die Zuschauerzahlen des Klassikers Vom Winde verweht schlagen können, nicht einmal durch die zunehmende Erschließung der asiatischen Märkte.

Zu Age of Ultron kann man letztendlich nicht viel mehr sagen als: Anschauen! Wer noch nie einen Marvel-Film gesehen hat, wird wohl gelegentlich den Faden verlieren und ob mancher Figuren verwirrt sein. Aber wenn auch nur Fans maximale Befriedigung aus diesem komplexen Mosaik ziehen können, sollten auch unvorbereitete Zuschauer ihren Spaß haben an den fulminanten Actionszenen, den typischen Whedonschen Dialogen und der sorgfältigen Balance zwischen Getöse und Nachdenklichkeit. Denn während im ersten Film die Avengers zusammenfinden mußten, zeigen sich nun deutliche Risse im Team. Jeder der Helden hat seine Bürde zu tragen: Steve Rogers trauert immer noch seiner Peggy hinterher (Hayley Atwell hat einen schönen Gastauftritt in einer Traumszene), Bruce Banner ringt immer noch mit seinem Anderen Ich, Tony Starks Trauma hat zu Paranoia geführt, und Thor hat üble Vorahnungen, die mit den Unendlichkeitssteinen zusammenzuhängen scheinen (man kann allerdings davon ausgehen, daß ihn in seinem nächsten Solofilm mehr der Kampf um den asgardischen Thron beschäftigen wird). Der düstere Ton erinnert an The Empire Strikes Back - dort die Rückschläge der Rebellion gegen das übermächtige Imperium, hier das Zusammenbrechen von S.H.I.E.L.D. durch die Hydra-Unterwanderung und das Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber den Avengers.

Dann gibt es da noch die "normalen" Mitstreiter. Whedon gelingt es wie so oft, selbst "kleine" Figuren mit unbekannten Darstellern interessant zu machen. Diesmal war ich begeistert von der aparten Asiatin Claudia Kim als Dr. Helen Cho ("Kommt Thor auch zur Party?"), die bereits in Marco Polo eine der besseren Frauenfiguren verkörperte (wenn man bei diesem Netflix-Schrotthaufen überhaupt solche Qualitäten entdecken kann). Während die Vorgeschichte der Schwarzen Witwe Natasha Romanoff bereits im Vorgänger thematisiert wurde, rückt nun Clint Barton aka Hawkeye in den Vordergrund. Der (wie auch Mark Ruffalo und Robert Downey Jr.) zweifach Oscar-nominierte Jeremy Renner formt damit fast die eindrucksvollste Figur des Ensembles. Nick Fury und Maria Hill haben dagegen eher (allerdings coole) Cameos. Dazu bekommt man endlich einmal Paul Bettany (wenngleich mit rotem Makeup) als "Vision" zu sehen, der ansonsten zum fünften Mal die Stimme von Jarvis beisteuert. Zu den Protagonisten gesellen sich auch diesmal wieder schillernde Schurken. Thomas Kretschmann als Hydra-Kopf Baron Strucker hat nur einen kurzen Auftritt, aber James Spader (Stargate, Sex, Lügen und Video) verleiht dem titelgebenden Ultron eine unerhört persönliche Stimme, in Dialogen, die wie eine sardonisch überhöhte Kombination von Tony Stark und Jarvis mit einem Schuß Hannibal Lector wirken. Und dann gibt es da noch die Zwillinge...

Zur Erklärung muß man etwas weiter ausholen. Das Marvel-Universum ist lizenztechnisch zweigeteilt. Die Rechte zu den X-Men und Spider-Man liegen bei Sony, die Avengers gehören direkt den Marvel Studios (die wiederum zum Disney-Konzern gehören). Das geplante erneute Spider-Man-Reboot soll von beiden Studios gemeinsam produziert werden, aber ansonsten gibt es eine strikte Trennung. "Mutanten" gehören also Sony, der Begriff darf bei den Avengers nicht genannt werden. Daher erklärt sich Hawkeyes etwas unbeholfene Meldung im Eingangsgefecht: "We have an Enhanced in the field!" (etwa: "Es ist ein Verbesserter im Spiel"). Wer die begleitende Fernsehserie Agents of Shield verfolgt, weiß bereits, daß es sich um "Inhumans" handelt, die Ergebnisse genetischer Experimente der Kree (die blauen Aliens aus Guardians of the Galaxy). Für die nächsten Jahren sind bereits Kinofilme zu den Inhumans angekündigt, was neben dem diesmal direkt den Abspann einleitenden Auftritt von Josh Brolin als Thanos den Brückenschlag zwischen den Avengers und den Guardians vorbereitet. Für den Moment dürfen die Zwillinge jedenfalls nicht Mutanten genannt werden, obwohl der eine sogar eine (wenngleich weniger eindrucksvolle) Variation des X-Man Quicksilver ist. Agent Hill faßt die beiden so zusammen: Er ist superschnell, sie ist ... seltsam. SIE ist die Scarlet Witch, die "scharlachrote Hexe", wesensverwandt vielleicht mit Jean Grey, und sie stiehlt den etablierten Helden in so mancher Szene die Show, mit ihren spektakulären telekinetischen Fähigkeiten und noch gefährlicheren hypnoseartigen Manipulationen. Gespielt wird sie von der 26jährigen Elizabeth Olsen, der jüngeren Schwester der überniedlichen Olsen-Zwillinge, die allerdings weniger niedlich und mehr ... seltsam ist. Vielleicht liegt es an ihrer gedrungenen Schulter-Nackenpartie, vielleicht an ihrem meist gezwungenen Lächeln, wie auch immer: Als verbitterte Quicksilver-Schwester Wanda Maximoff ist sie perfekt besetzt und eine willkommene Erweiterung des Avengers-Universums (ohne zu viel verraten zu wollen).

Zum Titel gab es übrigens einen hübschen Leserbrief im Empire-Magazin, in dem (zu Recht) vermutet wurde, daß der Film Ultrons Alter nicht enthüllen werde. Keinen Spoiler bedeutet es wohl, wenn man das bei Marvel übliche donnernde Action-Finale erwähnt, das aber durchaus erträglich ist, wenngleich bald wirklich keine Steigerung mehr nach dieser elften Avengers-Instanz möglich zu sein scheint. Die 3D-Bilder fand ich (anders als in Guardians) doch meist überflüssig. Ansonsten hätte ich durchaus mehr als die kurzweiligen 140 Minuten vertragen. Tatsächlich gibt es diesmal fundierte Gerüchte, daß fürs Heimkino eine längere Fassung vorbereitet werden könnte. Drücken wir die Daumen. Bis dahin (und in der Hoffnung, daß der im Juli startenden Ant-Man kein Spaßverderber wird) freue ich mich über ein erneut herausragendes Kinoerlebnis (9/10).

Samstag, 25. April 2015

Leider nicht Ed Wood: Tim Burtons "Big Eyes" (7/10)

Tim Burtons erst jetzt in den deutschen Kinos angelaufener Film Big Eyes beruht auf der mir als Kunstbanause bislang unbekannten, "wahren" Geschichte der Malerin Margaret Keane, deren (zweiter) Ehemann Walter ihr Werk für sein eigenes ausgab und durch sein Marketinggeschick mit den traurigen Porträts großäugiger Kinder in den 60ern ein Millionengeschäft machte (u.a. durch den bis dahin nicht üblichen Verkauf von Drucken). Erst 1970 rang sich Margaret dazu durch, ihr Werk als ihr eigenes anerkennen zu lassen. Es gab eine berühmte Gerichtsverhandlung, in der der Richter schließlich die Kontrahenten im Gerichtssaal einen Malwettstreit ausführen ließ (den sie eindeutig gewann). Tim Burton ist offenbar seit langem Fan der inzwischen fast 90jährigen Künstlerin (sie sitzt im Abspann des Films neben ihrer Darstellerin Amy Adams auf einer Parkbank; Walter ist bereits 15 Jahren tot). Die Biographie-Spezialisten Scott Alexander und Larry Karaszewski (u.a. für Ed Wood, aber auch für Formans Larry Flynt und Der Mondmann verantwortlich) verarbeiteten den Stoff zu einem spannenden Drehbuch.

Seit ihrem Durchbruch in Spielbergs Catch Me If You Can war Amy Adams stolze fünf Mal für einen Oscar nominiert und konnte sich an der Seite von Schwergewichten wie Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman behaupten. Nur kurz geriet die heute 40jährige 2007 als Disney-Prinzessin in Verwünscht in Gefahr, zur ewig gutgelaunten Doris Day ihrer Generation zu mutieren. Für ihre Rolle als Pop-Malerin Margaret Keane wurde sie zwar nicht von der Akademie nominiert, gewann aber merkwürdigerweise einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin in der Kategorie "Komödie oder Musical". Das wird ihrem dramatischen, nuancierten Porträt dieser sensiblen, unterdrückten Künstlerin nicht gerecht.

Christoph Waltz als ihr Ehemann und Ausbeuter mag allerdings gedacht haben, er befinde sich in einer Komödie. Nur so erklären sich sein vor allem in der zweiten Hälfte nerviges Chargieren und sein bizarres theatralisches Gehabe. Zwar soll sich Walter im wahren Leben tatsächlich (besonders in der Gerichtsverhandlung) wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde verhalten haben, aber Waltz konnte mich nur zu Beginn überzeugen, und dies auch unter filmerisch verlogenen Voraussetzungen. Zunächst wird nämlich Mitgefühl mit diesem als Makler seinen Lebensunterhalt verdienenden Hobby-Maler erzeugt. Seine überzeugende Enttäuschung, als die Kundschaft die Großen Augen seiner Frau den eigenen Pariser Impressionen vorzieht, wird später allerdings entwertet, wenn man erfährt, daß selbst diese mittelmäßigen Bilder geklaut sind und er selbst nicht einmal den Unterschied zwischen Öl und Acryl versteht. Waltz spricht übrigens ein sehr gewähltes, künstlich wirkendes Englisch, was seinen österreichischen Akzent trotzdem nicht vollkommen cachieren kann. Tarantino weiß schon, warum er ihn nicht als Amerikaner besetzt. Allein bei Polanski konnte er im Gott des Gemetzels als Nicht-Europäer überzeugen. Daß Waltz zudem noch zu alt für die Rolle ist, fällt dann kaum noch auf.

Tim Burton hat uns vor zwanzig Jahren mit Ed Wood die wunderschöne Biographie eines talentlosen Künstlers geschenkt, und Martin Landau den Oscar für sein bewegendes Porträt von Bela Lugosi. Burton hatte meist, insbesondere in seiner Zusammenarbeit mit Johnny Depp, ein glückliches Händchen bei Besetzungen, aber Schauspielerführung war nie wirklich seine Stärke. Eine Persönlichkeit wie den Veteran Terence Stamp (General Zod aus Superman) als Kritiker der New York Times weiß er allerdings ins rechte Licht zu rücken. Punkte kann er diesmal wie meist mit der Ausstattung, die die 50er und 60er Jahre eindrucksvoll zum Leben erweckt, und einigen geschickten optischen Tricks, bei denen Margaret plötzlich die umgebenden Personen mit "großen Augen" wahrnimmt. Dazu paßt die Musik seines Stammkomponisten Danny Elfman, der dazu ein paar schöne Lieder von Lana Del Rey integriert hat. Wenn Burton statt auf Waltz auf Johnny Depp gesetzt hätte, wäre vielleicht ein tonal geschlossenerer Film herausgekommen (und Depps Karriere hätte eine solche Herausforderung nur gut tun können). So ist dies zwar kein zweiter Ed Wood, aber dank Amy Adams' herausragender Leistung immer noch eine gute Biographie (7/10).

Sonntag, 19. April 2015

Sehenswert: Chris Rocks Top Five (7/10)

Chris Rock habe ich das erste Mal wahrgenommen, als er in Kevin Smiths herrlicher Religionssatire Dogma den dreizehnten Apostel spielte. Solche respektlosen Rollen scheinen ihm auf den Leib geschrieben. Mit seinem an Richard Pryor und Eddie Murphy erinnernden Mundwerk, der schlacksigen Gestalt und seinem zwar zu komischen Verrenkungen fähigen, aber doch attraktiven Gesicht gelang es ihm, dieser komischen Nebenfigur Herz zu verleihen. Zugleich strahlt er eine gewisse Intellektualität aus, die seinen Kollegen oft abzugehen scheint. Für mich ist er daher der bessere Chris Tucker (Das Fünfte Element, Rush Hour). Er soll ein großartiger Standup-Komiker sein, wovon man in seinen Kurzauftritten leider zu wenig mitbekommt. In Lethal Weapon 4 war er als Murtaughs Schwiegersohn in spe eher nervig, als Zebra Marty in den Madagaskar-Filmen durchaus witzig (auch wenn er dabei in die ausgetretenen Fußstapen von Eddie Murphys Esel aus Shrek trat). In Julie Delpys wenig gelungener Culture-Clash-Komödie Zwei Tage in New York (die Fortsetzung der viel besseren Zwei Tage Paris) konnte man vor einigen Jahren dann die Grenzen seiner Schauspielkunst erkennen.

Top Five ist bereits Chris Rocks dritte Arbeit als Regisseur und Drehbuchautor, die Vorgänger taugen nach Kritiker- und Publikumsmeinung wohl nicht viel. Dieser sehr persönliche Film des 50Jährigen kam bei der Kritik zwar sehr viel besser an, läuft in deutschen Kinos aber trotzdem höchstens im Spätprogramm. Rocks Hauptfigur Andre Allen kann man als eine Mischung aus verschiedenen schwarzen Komikern verstehen, Hauptinspiration scheinen neben ihm selbst Martin Lawrence (Big Mamas Haus) und Eddie Murphy zu sein. Wir erleben einen Tag im Leben des seit vier Jahren trockenen Alkoholikers, der vom Ruhm einer Reihe von albernen Polizeikomödien lebt, aber nun versucht, "ernsthafte" Filme zu drehen und nebenbei als Bräutigam für die Hochzeit mit einem Reality-TV-Star (überzeugend: Gabrielle Union) gecastet wurde. In dieser Krisensituation läßt er sich darauf ein, von der Reporterin Chelsea Brown begleitet und interviewt zu werden, die ihrerseits an einem Wendepunkt ihres Lebens angelangt ist. Sie wird gespielt von der fabelhaften Rosario Dawson. Die dunkelhäutige Latina  war ebenfalls schon bei Kevin Smith zu bewundern, in einer völlig anders gelagerten Hauptrolle in Clerks II. Hier spielt sie die Reporterin der New York Times mit Eleganz und einer verblüffenden Mischung aus Power und Zerbrechlichkeit. Daher gehören die verbalen Schlagabtäusche zwischen Andre und Chelsea auch zu den Höhepunkten des Films.

Leider ist neben Rocks schauspielerischen Beschränkungen auch seine Regieführung wackelig. Hauptproblem für mich ist ein inkonsistenter Ton, der sich scheinbar nicht so recht zwischen den verschiedenen Komödienformen und dem Drama entscheiden kann. So gibt es eine Nebenhandlung um Chelseas möglicherweise schwulen Freund Brad, die unnötig albern wirkt (und vermutlich bei schwulen Zuschauern nicht gut ankommen wird). Dagegen ist ein Rückblick mit einem Cameo von Cedric the Entertainer, der Andres Tiefpunkt zeigen soll, für meinen Geschmack nicht übertrieben genug, zumindest so ungeschickt inszeniert, daß er seine Wirkung verfehlt. Chaotisch und verwirrend war für mich auch der Besuch bei seiner Familie, wo einfach zu viele Figuren auf einmal auftauchen (dabei auch Tracy Morgan in seiner letzten Rolle vor seinem schweren Unfall im letzten Jahr). Dazwischen gibt es aber immer wieder schöne, bewegende und nachdenkliche Momente, etwa in der Interaktion mit Andres Jugendfreund Silk (J.B. Smoove), der ihm als Chauffeur und Bodyguard die Treue hält. Diverse Cameos von Comedy-Größen (u.a. Jerry Seinfeld, Adam Sandler) verpuffen leider ohne große Lacher. Natürlich kann es sein, daß ich mit der Subkultur der Rapper, Hiphop-Stars und Comedians einfach nicht genug vertraut bin - übrigens bezieht sich der Titel des Films auf Listen von fünf Lieblingskünstlern, die von verschiedenen Darstellern aufgelistet werden. Herrlich allerdings der Auftritt des (offenbar berühmten) Rappers DMX, der wie Andre Allen das Fach wechseln will und im Knast eine schaurige Version von Chaplins Evergreen Smile von sich gibt (um das Grauen abzustreifen, hier noch ein Link mit Judy Garland). Diese Szene bringt Andres Fazit auf den Punkt, der sich am Ende auf seine alten Stärken besinnt und seinen Spaß an Comedy wiederentdeckt.

So gelingt es Chris Rock zwar, seine persönliche Karriere fruchtbar auszuschlachten, er sollte aber vielleicht die Moral seines Films selbst ein wenig beherzigen. Als Hauptdarsteller ist er hier zwar passabel, aber ein erfahrener Regisseur hätte bestimmt mehr aus dem Buch herausholen können, das in seiner Reflexion über eine popkulturelle Karriere übrigens oberflächliche Parallelen zu Iñárritus Oscar-Gewinner Birdman aufweist. Alles in allem bin ich froh, den Weg in die Spätvorstellung gefunden zu haben. Gut (7/10).

Freitag, 17. April 2015

Die Hugo-Krise

Was ich im letzten Jahr (als "Erstwähler") mit einer gewissen Naivität noch ignorieren konnte, hat sich nun zu einer ernsthaften Krise des traditionsreichen Science-Fiction-Preises entwickelt. Es ist schade, daß sich ein Literaturpreis zum Gefechtsfeld der ideologischen Spaltung der US-amerikanischen Gesellschaft entwickelt. Was ist passiert?

Bereits seit Jahren unzufrieden mit den angeblich zu liberalen "Botschaften" der Hugo-nominierten Werke, hat sich eine Reihe von rechts-konservativen Autoren zusammengetan und ihre Fans ermutigt, Mitgliedschaften am Weltcon zu erwerben und blockweise bestimmte Werke zu nominieren. Aufgrund der weitgestreuten Auswahl genügen bei um die 2.000 Stimmabgaben oft 50 Nennungen für eine Nominierung. Daher waren 2014 Werke der federführenden Agitatoren Vox Day, Brad Torgersen und Larry Correia vertreten, konnten sich dann aber nicht durchsetzen (wobei beschämender Weise mein Roman-Favorit bei schwacher Auswahl der Grimnoir-Band von Correia war). In diesem Jahr gingen sie dann noch einen Schritt weiter und erreichten bei den Romanen (4/5!) und den Kurzformen eine bestürzende Erfolgsquote aus ihren notorischen Sad-Puppies- und Rabid-Puppies-Empfehlungen. Sogar die TV-Folgen von "Grimm" und "The Flash" wurden auf dieser (und ähnlichen) Listen angepriesen. Wohlgemerkt: Das ist alles an sich legitim, und "Blockwahlen" sind ohnehin schwer nachweisbar.

Darauf folgte in den letzten Wochen ein Aufruhr sondergleichen in den SF-Foren. Wie immer in solchen Fällen (und verstärkt durch die gesunkenen Hemmschwellen der Online-Möglichkeiten) reichen die  Diskussionen von klug über superdämlich bis ärgerlich. Hier ist eine gute Zusammenfassung von Bloggerin Amanda Marcotte:

Hier ist ein deutschsprachiger Beitrag:
Sind die Hugos nun kaputt ("broken")? Jedenfalls leidet ihr Image schwer unter der Affäre. Nachdem aus technischen Gründen zwei kurze Werke disqualifiziert wurden, haben jetzt Marko Kloos seinen Roman und Annie Bellet ihre Kurzgeschichte aus dem Wettbewerb genommen:
Two Authors Withdraw Their Work From This Year's Hugo Awards
Mal sehen, welche Werke jetzt nachrücken und ob es weitere solche Aktionen geben wird. Mir ist jedenfalls die Freude an einigen überraschenden Nominierungen vergangen. Jim Butcher hatte noch keine Zeit zu einem Kommentar, aber auf seiner Webseite wird schon intensiv diskutiert. Das schlimme an der Sache ist ja, daß zusätzliche Diversität manchen Kategorien durchaus guttut. Die Dominanz von Dr. Who in der dramatischen Kurzform war ja bereits ein Treppenwitz, und als (wie ich vermute) der erfolgreichste Autor im Bereich Urban Fantasy sollte Jim Butcher durchaus bei den Hugos vertreten sein. Aber es kann erwartet werden, daß die Fans in diesem Jahr in etlichen Kategorien die rote Karte ziehen und für No Award stimmen werden.

Egal wie die endgültigen Nominierungen nun aussehen werden, das einzig vernünftige scheint mir, die Werke nach ihrer Qualität zu beurteilen, unabhängig davon, wie sie vielleicht auf den Stimmzettel gekommen sind oder ob man den Autor persönlich mögen würde. Leider geht es hier allerdings um mehr als nur abweichende politische Meinungen. Es ist mir völlig klar, daß Larry Correia nicht mit meiner Meinung über die irrsinnigen US-amerikanischen Waffengesetze übereinstimmt. Aber bei massiven rassistischen und sexistischen Aussagen fällt es mir schon schwer, den Autor vom Werk zu trennen. Auch wenn etwa Orson Scott Card seine bigotte Weltsicht als politische Äußerungen zu cachieren versucht, ist doch seine militante Ablehnung von Homosexualität kein politischer Standpunkt mehr, sondern ein abscheulicher Charakterfehler.

Als Seiteneffekt gibt es jetzt viele Kommentare dazu, wie schwarze Autoren in den USA immer noch belächelt und erniedrigt werden. Seit Samuel L. Delanys drei Nominierungen in den 60ern hat sich da auch bei den Hugos nicht viel getan:
Racism and Science Fiction
Was ich nicht so recht stehen lassen kann, ist der Vorwurf des Sexismus. Seit Ursula K. Le Guin  1970 und 1975 als erste Autorin für den besten Roman ausgezeichnet wurde, ist die Dominanz der Männer klar gebrochen worden. Rekordgewinner sind inzwischen Connie Willis und Lois McMaster Bujold. Vorjahresgewinnerin Ann Leckie steht da in guter Tradition. Schön wäre nur, wenn sie Geschlechterrollen so kraftvoll hinterfragen könnte wie dereinst Le Guin in ihrem Meisterwerk The Left Hand of Darkness. Stattdessen beschränkt sie sich auf ein Gimmick.

Update: Gerade las ich (mit Freude), daß für den Roman von Kloos das bereits von mir erwähnte chinesische Werk nachnominiert wurde:

The Three-Body Problem by Cixin Liu (translated by Ken Liu)

Sonntag, 5. April 2015

Die Hugo-Nominierungen 2015

Die diesjährigen Nominierungen bieten neben dem Erwarteten auch einige Überraschungen.

Beginnen wir mit der "Dramatischen Präsentation, Langform". Obwohl mir von verschiedenen Seiten signalisiert wurde, daß ich mit meiner Meinung falsch liege, hatte ich trotzdem Luc Bessons Lucy nominiert - hat natürlich nicht geklappt. In der überraschungslosen Kategorie kann ich gleich meine Stimmreihenfolge mitteilen:
  1. Guardians of the Galaxy (nach dem Heimkino-Genuß auf 9/10 aufgewertet)
  2. Edge Of Tomorrow (8/10)
  3. Captain America - The Winter Soldier (8/10)
  4. No Award
  5. Interstellar (4/10)
  6. Der Lego-Film (3/10)
Der Preis wird wohl zwischen Guardians und Interstellar ausgefochten werden. Noch ein paar Worte zum Lego-Film: Chaotisch, nicht kindgerecht, albern, pathetisch, peinlich.

Bei der Kurzform beginnen dann die Überraschungen. Nominiert hatte ich neben den beiden Top-Episoden von Game of Thrones noch (in der Hoffnung, in der Kategorie ein wenig Abwechslung zu erreichen) das explosive Winterfinale von "Agents of Shield" (leider dümpelt die Serie nach diesem Höhepunkt inzwischen wieder in seichten Gewässern) und (blind) eine Folge von Person of Interest (obwohl ich dort noch gar nicht bei der dritten Staffel angelangt bin).

Nominiert wurden schließlich (noch ohne Rangfolge):
  • Doctor Who: “Listen”
  • The Flash: “Pilot”
  • Game of Thrones: “The Mountain and the Viper” (S04E08)
  • Grimm: “Once We Were Gods” (S03E15)
  • Orphan Black: “By Means Which Have Never Yet Been Tried” (S02E10)
Wow! Nur einmal "Dr. Who", dazu wie letztes Jahr "Orphan Black", und mein Favorit "The Mountain and the Viper". Aber dann:

Grimm ist nach Game of Thrones momentan meine Lieblingsserie, aber Chancen hätte ich mir wirklich nicht ausgerechnet. Da ich die Show zeitversetzt auf Blu-ray genieße (wie übrigens auch Person of Interest, wo ich noch in der zweiten Staffel stecke), bin ich noch gar nicht zu dieser Folge vorgedrungen. Aber was sagt man über Vorfreude...

Den Arrow-Ableger The Flash verfolge ich wie die in der dritten Staffel befindliche Mutterserie mehr als Guilty Pleasure. Das ist seichte Unterhaltung mit netten Figuren, wobei The Flash gegenüber Arrow einen angenehm lockeren Ton anschlägt. Da ich keine Comics lese, erschließt sich mir allerdings die Faszination der Fangemeinde mit dem "schnellsten lebenden Mann" nicht so ganz. Die Beliebtheit der Figur unter Nerds kann man jedenfalls anhand etlicher Folgen der Big Bang Theory belegen. Was mich an beiden Serien stört, ist neben dem für Superhelden-Shows fast notwendig abstrusen, unlogischen Weltenaufbau die Beliebigkeit der Figuren, deren Charakteristiken und Loyalitäten allzu oft dem Bedürfnis der Zuschauer nach überraschenden Twists zum Opfer fallen. Hingegen bemüht sich Agents of Shield wenigstens, in alter Whedon-Tradition ein glaubwürdiges Ensemble aufzubauen (macht dabei aber leider wenig Spaß).

Nun aber zu den Hauptkategorien, als die immer noch die belletristischen Formen gelten müssen.



Bei den Kurzformen muß ich wohl auf das Voter Package warten, da ich wirklich nicht einen einzigen Autor auch nur vom Namen her kenne. Auffällig sind die fünf Nominierungen in drei Kategorien für einen gewissen John C. Wright.


Bei den Romanen ist erwartungsgemäß die Fortsetzung des letztjährigen Gewinners Ancillary Justice dabei, leider aber nicht die Fortsetzung von Mira Grants Parasit, der mir mehr Freude bereitet hatte (ich bin aber selbst schuld, denn ich selbst bin auch noch nicht dazu gekommen, sie zu lesen). Dabei ist dafür als (freudige) Osterüberraschung Jim Butchers 15. (fünfzehnter) Dresden-Roman, den ich nicht zu nominieren gewagt hätte, obwohl ich immer noch einen Riesenspaß an der auf ca. 20 Bände angelegten Reihe um den Magier aus Chicago habe (die übrigens wenig mehr als den Titel mit der schnell wieder eingestellten TV-Serie zu tun hat). Es ist Butchers erste Nominierung überhaupt; neben den Dresden Files hat er mit dem Codex Alera auch noch eine schönes (wenngleich konventionelles) fünfbändiges Fantasy-Epos veröffentlicht. Kevin J. Anderson ist ein Vielschreiber, den ich bisher eher dem Mittelmaß zugeordnet hätte. Katherine Addison (eigentlich Sarah Monette) ist eine recht junge Autorin. "The Goblin Emperor" scheint ein alleinstehender Fantasy-Roman zu sein, ich bin sehr gespannt (neben Ann Leckie ist sie als einzige auch zusätzlich für den Nebula nominiert). "Lines of Departure" ist der zweite Band einer Reihe aus der Ecke Militärische SF. Da er offenbar in der Kindle-Leihbibliothek erhältlich ist, nehme ich mir den wohl als nächstes vor.


Nachdem über Jahrzehnte die Hugo-Nominierungen für mich eine Fundgrube für tolle Romane waren, sehe ich mindestens die Beiträge im 21. Jahrhundert sehr skeptisch. 5000 Hardcore-Fans sind natürlich nicht unbedingt repräsentativ für die weltweite Leserschaft. Vielleicht trägt auch der kommerzielle Siegeszug der Fantasy dazu bei, daß weniger hochwertige Science Fiction veröffentlicht wird. Ich hätte mir jedenfalls mehr SF und mehr Vielfalt gewünscht (bei den Nebulas wird immerhin ein jüngst ins Englische übertragener chinesischer Roman gelistet). Wie auch immer, hier sind die Nominierungen für den besten Roman des Jahres 2014:

  • Ancillary Sword, Ann Leckie
  • The Dark Between the Stars, Kevin J. Anderson
  • The Goblin Emperor, Katherine Addison
  • Lines of Departure, Marko Kloos
  • Skin Game, Jim Butcher 

Hugo-nominiert: Ancillary Sword (Ann Leckie)

Der zweite Teil der inzwischen "Imperial Radch" benannten Serie von Ann Leckie war für mich ein besseres Leseerlebnis als der vor allem in seinen Rückblenden dröge Vorgänger Ancillary Justice. Immer noch in der Ich-Form von Ancillar Breq verfaßt, konnte ich mich besser auf die nun lineare Erzählung und ihre greifbareren Charaktere einlassen, auch wenn immer noch Längen vorhanden sind. Allerdings hat mich diesmal das Gimmick der konsequent genutzten weiblichen Formen stärker gestört, da es für mich die Figuren einer menschlichen Dimension beraubt. Außerdem frage ich mich, ob diese Geschichte von Machtmißbrauch und Unterdrückung wirklich den komplizierten Hintergrund der galaktischen Zivilisation benötigt hätte. Jedenfalls fand ich die Obsession ob der Teerituale und des Ahnenkults eher nervig als interessant.  Insgesamt hat man diesmal das Gefühl, nur Einblick in einen winzigen Teil des großen Ganzen zu bekommen, was bei mir den Eindruck verstärkt, daß es nicht bei einer Trilogie bleiben wird. Der Vergleich mit den fabelhaften Werken von Vernor Vinge jedenfalls scheint mir weit hergeholt.

Samstag, 4. April 2015

SF-Klassiker #6: David Brins erste Uplift-Trilogie

David Brin, Jahrgang 1950, gehörte in den 80ern und 90ern zu den bedeutendsten SF-Autoren, bevor sein literarischer Output unter seiner eigenen Wichtigkeit implodierte. Seitdem berät der gebürtige Kalifornier und Doktor der Weltraumwissenschaften Firmen und Agenturen (darunter CIA, Google und Proctor & Gamble) und verbreitet über seine Website, Vorträge und populäre Fernsehshows seine fragwürdigen Weisheiten ("Remember you are a member of a civilisation!"). Er scheint mir ein typischer amerikanischer Liberaler mit naiv-optimistischer Weltsicht zu sein, der immer noch daran glaubt, daß die Technik es schon richten wird. In der Science Fiction steht er als Physiker in der Tradition der "harten SF" von Arthur C. Clarke und Isaac Asimov, nutzt seine Werke auch zu Spekulationen über zukünftige Entwicklungen, legt aber insgesamt mehr Wert auf soziale und gesellschaftliche Entwicklungen als auf technische Gimmicks und präsentiert anders als seine Vorbilder differenzierte Charaktere. Unfreiwillig berühmt wurde er als Autor des "Postman", der als Roman 1986 u.a. für den Hugo nominiert war (er mußte sich verdient Orson Scott Cards Meisterwerk "Ender's Game" geschlagen geben), 1997 dann leider aber von Kevin Costner in einen grauenhaften Film verwandelt wurde (die Vorlage war lange nicht so pathetisch-patriotisch). Nach den zwei Gewinnen für den zweiten und dritten Uplift-Roman war Brin bis 2003 noch weitere vier Mal für den besten Roman nominiert.
 

Das Uplift-Universum


Auch wenn Brin eine Handvoll toller Einzelromane veröffentlicht hat sowie an der Fortschreibung von Asimovs Foundation-Zyklus beteiligt war, besteht sein Hauptwerk wohl aus seinen sechs Uplift-Romanen. Die ersten drei waren wohl nicht wirklich als Trilogie konzipiert, können aber durchaus sinnvoll zusammen betrachtet werden. Einige hundert Jahre in der Zukunft ist es der Menschheit gelungen, ausgewählten Schimpansen und Delfinen durch genetische Manipulationen  menschenähnliche Intelligenz zu verleihen, inklusive Sprachfähigkeit und (bei Delfinen durch ausgeklügelte mechanische Aufsätze) des Gebrauchs komplexer Werkzeuge. Dies stellt sich als entscheidender Vorteil und gleichzeitig Stein des Anstoßes dar bei der ersten Begegnung mit außerirdischen Intelligenzen. Es gibt nämlich eine Milliarden Jahre alte Gemeinschaft der galaktischen (sauerstoff-atmenden) Zivilisationen, die ihre Herkunft alle auf die "Progenitoren" zurückführen, die dereinst Intelligenz in der Galaxis verbreitet haben. Unterstützt durch eine unvorstellbar umfassende galaktische (natürlich digitale) Bibliothek, verstehen diese Völker unabhängig von (durchaus auch kriegerisch ausgefochtenen) Differnzen ihre Hauptaufgabe in der Bewahrung der ökologischen Vielfalt und dem "Uplift" geeigneter Lebensformen zu wiederum intelligenten Mitgliedern der Gemeinschaft, was allerdings eine streng hierarchische Rangordnung zwischen "Patronen" (Förderern) und "Clienten" bedingt. Die Rasse der menschlichen "Wölflinge" ist somit eine Kuriosität, da sie zwar keine Förderer, aber bereits zwei prestigeträchtige Clientenrassen vorweisen kann (die im folgenden Chimps und Neo-Delfine genannt werden).
 

Sundiver (1980)


Brins ersten veröffentlichter Roman sollte man als eine Einführung in sein Uplift-Universum lesen. Für sich allein ist er nicht besonders gelungen. Die Mischung aus Kriminalgeschichte, wissenschaftlicher Spekulation und philosophischen Exkursen funktioniert nur bedingt. Die Hauptfigur ist als Kombination eines Detektivs mit einem Forscher, der möglicherweise auch noch schizophren ist, überfrachtet und unglaubwürdig. Die sicherlich gut recherchierten physikalischen Details bei der Erforschung der Sonnenkorona (und die dortige Suche nach den möglichen Patronen der Menschheit) wirken ermüdend. Fragwürdig ist die "utopische" Gesellschaft, in der potentiell gewalttätige Menschen weniger Bürgerrechte haben und mittels implantierter Chips überwacht werden. Dies scheint mir eine unreflektierte Fortschreibung der naiven US-amerikanischen Haltung, nach der man zur Wahrung der Zivilisation die "schlechten" Menschen wegsperren muß - was heute schon dazu führt, daß ein Prozent der erwachsenen amerikanischen Männer im Knast einsitzen.
 

Startide Rising (1983)


Der Nachfolger war dann bereits von ganz anderem Kaliber (und nebenbei auch deutlich länger) und gewann prompt den Hugo für den besten Roman des Jahres. Jahrzehnte nach den Ereignissen von "Sundiver" erzählt er die turbulenten und das Schicksal der Menschheit prägenden Abenteuer des ersten von Delfinen kommandierten Raumschiffes. Es gelingt Brin, diese auf den ersten Blick unwahrscheinliche Situation plausibel zu machen. Die "Streaker" hat flutbare Kabinen und natürlich ein ausgefuchstes System von Schleusen, um ein Zusammenleben der delfinischen Crew, der menschlichen Beobachter und eines einsamen Chimp-Wissenschaftlers zu ermöglichen. Leider tritt die Expedition schnell in ein Fettnäpfchen galaktischen Ausmaßes, als sie auf einen uralten Weltraumfriedhof in möglichem Zusammenhang mit den mysteriösen Progenitoren trifft und aus unklaren Gründen ihre Erkenntnisse nicht sofort mit den galaktischen Nachbarn teilt. Eine Hetzjagd beginnt, bei der die Streaker auf einem Wasserplaneten Zuflucht sucht (was ihrer Crew natürlich entgegenkommt). Es ist schon fabelhaft, wie hier eine im wesentlichen fremde Lebensform geschildert wird. Die Neo-Delfine sind Poeten (was Brin in nicht immer gelungene Haikus formt), aber auch formidable Kämpfer. Ihre soziale Struktur ist deutlich nicht-menschlich, mit Besonderheiten in Rangordnung und Sexualität, die die Eigenarten ihrer unbefangenen, fröhlichen, die irdischen Meere bevölkernden Ahnen plausibel fortschreibt. Die Erzählung wechselt zwischen etwa einem Dutzend Perspektiven, wobei den menschlichen Charakteren dann doch etwa die Hälfte der Aufmerksamkeit eingeräumt wird. Daneben gibt es immer wieder kurze Impressionen der verschiedenen rivalisierenden Aliens, die sich im Planetensystem an der Jagd beteiligen. In der dadurch bedingten starken Zersplitterung ist für mich eine Schwäche des Romans begründet, sie erfordert eine hohe Aufmerksamkeit, und trotzdem erscheinen die unzähligen beteiligten Alien-Rassen dann recht beliebig (nicht umsonst wurde nachträglich ein illustrierter Führer durch das Uplift-Universum veröffentlicht). Trotzdem lohnt sich die Anstrengung, denn die Hauptfiguren wachsen dem Leser doch sehr ans Herz, und die Handlung ist spannend und reich an Action.
 

The Uplift War (1987)


Den dritten Uplift-Roman würde ich vorsichtig als Höhepunkt von David Brins Werk betrachten (ich habe praktisch alles von ihm gelesen, aber manches ist mir nur noch dunkel in Erinnerung). Er hatte in der Zwischenzeit drei weitere Romane veröffentlicht und ganz offenbar seine Erzählkünste perfektioniert. Erneut mit dem Hugo ausgezeichnet, ist "The Uplift War" brillant, vielschichtig, und trotz einer nochmals verdoppelten Länge unendlich unterhaltsam. Die Handlung spielt auf dem von Menschen und Chimps kolonisierten Planeten Garth, kurz nach den Ereignissen in "Startide Rising" (über das weitere Schicksal der Streaker erfährt man aber nichts). Die übermächtigen Gubru annektieren den Planeten und drängen die Erdlinge in einen Guerilla-Widerstand.

Brin konzentriert sich diesmal auf eine Handvoll von Erzählperspektiven. Da ist Chimp-Leutnant Fiben, der sich nach dem Abschuß seines Schiffes auf den Planeten retten kann und dort u.a. auf die zwei sehr unterschiedliche Chimmies (Schimpansen-Damen) Sylvie und Gailet trifft. Der Tymbrini-Botschafter Uthacalthing ist mit dem Botschafter Kault der mächtigen, bislang neutralen Thenannin ebenfalls auf der Flucht vor den Invasoren. Die den Erdlingen wohlgesonnenen Tymbrini sind in der äußeren Form grob menschenähnliche Empathen, die ihre Gestalt in Grenzen ihrer Umwelt anpassen können. Mit den Menschen verbindet sie auch ein ausgeprägter Humor. Uthacalthing plant einen gewaltigen Scherz auf Kosten der Gubru, unter Einbeziehung der legendären Garthlinge, einer zum Uplift bereiten höheren Säugetierart, deren Existenz auf dem vor Jahrtausenden einer Massenausrottung zum Opfer gefallenen Planeten viele für einen Mythos halten. Uthacalthings Tochter Athaclena hat sich mit dem jungen Robert Oneagle, dem Sohn der Gouverneurin, in die Berge nahe der Hauptstadt zurückgezogen. Die beiden ungleichen Freunde werden dort bald zum Kristallisationspunkt des Widerstandes.

Nach den Delfinen aus "Startide Rising" präsentiert "The Uplift War" ein detailliertes Porträt der Chimps, die auf der einen Seite ihre menschlichen Patrone zu imitieren versuchen (etwa als Forscher an Universitäten), anderseits aber deutlich abweichende soziale Normen entwickelt haben. Wie die Neo-Delfine sind sie zwar geprägt vom Selektionsdruck des Uplift-Prozesses, haben sich allerdings auch viele Eigenheiten ihrer Vorfahren bewahrt. Sie benötigen viel Körperkontakt untereinander und leben üblicherweise in größeren Familiengruppen als ihre Förderer. So erscheinen sie überhaupt nicht als stark behaarte Menschen, sondern nur als die uns vertrauteste Gruppe der drei die Handlung bestimmenden Alienrassen.

Anders als die verwirrende Vielfalt der feindlichen Völker in "Startide Rising" werden die Gubru hier in all ihrer Fremdartigkeit sehr plastisch geschildert. Es sind vogelähnliche, dreigeschlechtliche Wesen, wobei offenbar nur bewährte Führungstrios die Geschlechtsreife erreichen. Ein solches Trio steht den unterschiedlichen Kasten der (vereinfacht kategorisiert) Krieger, Priester und Bürokraten vor und versucht gemeinsam politischen Konsenz zu erreichen. Hier geht allerdings manchmal erneut Brins verlorener Lyriker mit ihm durch, denn die Argumente in Versform fand ich doch gelegentlich anstrengend zu lesen.

Am faszinierendesten fand ich die Darstellung der scheinbar vertrauten und doch so fremden Tymbrini, die bereits in den vorherigen Bänden vorkamen. Ihre Empathie ermöglicht ihnen eine zweite, unterschwellige Kommunikation über sogenannte Glyphen, die für empathisch empfängliche Personen oberhalb ihrer in Tentakeln endenden Korona sichtbar Gestalt annehmen, und so verbindet Vater und Tochter auch über Hunderte von Kilometern ein schwaches emotionales Band. Athaclenas Freundschaft und Nähe zu Robert führt bei ihr dazu, daß sich ihr Körper weitestmöglich einem menschlichen annähert, während der 17jährige Robert rudimentäre empathische Fähigkeiten entwickelt. Das mündet in einer anrührenden Romanze, die zwar zu sehr intimen Momenten führt, allerdings keine sexuelle Komponente entwickeln kann (wir sind hier nicht bei Star Trek, wo praktisch alle Aliens trotz unterschiedlicher Gesichts- und Ganzkörperprothesen doch sexuell oder gar genetisch kompatibel sind).

Zusammenfassung


Mit seinem Uplift-Universum hat David Brin eine der überzeugendsten "Welten" der modernen Science Fiction konstruiert. Zwar geht manchmal die Fantasie mit ihm durch, aber insgesamt sind seine Romane wohlstrukturiert. Seine Figuren sind plastisch, seine Aliens gehören zu den besterfundenen überhaupt, seine reichhaltige Sprache ist klar und (auch in den genannten Lyrik-Versuchen) zweckdienlich. Gelegentlich nutzt er allerdings ohne Grund sehr seltene Vokabeln, was bei mir eher einen angeberischen Eindruck macht. Für im Englischen ungeübte Leser sind seine Bücher im Original daher nur bedingt zu empfehlen. Während die ethischen Fragen des Uplift-Prozesses nur gestreift werden (wollen Schimpansen und Delfine eigentlich intelligener werden?), kann Brin in anderen Werken durchaus wissenschaftskritisch sein (Empfehlung: Earth von 1990). Die vorliegende Kindle-Edition der Trilogie ist praktisch fehlerfrei formatiert, allerdings ist die Kapiteleinteilung für den Lesefortschritt für meinen Geschmack zu grob (sie bezieht sich nicht auf die tatsächlichen Kapitel, sondern auf Abschnitte, die schon mal 50-100 Seiten umfassen können). Und wie bei allen Buchbündeln würde ich mir eine technische Möglichkeit wünschen, die Einzelromane für einen übersichtlicheren Lesefortschritt herauslösen zu können (bei Gesamtausgaben etwa von Dickens ist das noch gravierender, da dort das Einzelwerk nur wenige Prozent der Gesamtmasse ausmacht).