Eine der großen Sport-Rivalitäten der Geschichte erreichte ihren Höhepunkt im für mich schönsten Tennis-Match des 20. Jahrhunderts (allerdings habe ich irgendwann in den 90ern aufgehört zuzuschauen). Das Wimbledon-Finale von 1980 zwischen Björn Borg und John McEnroe hätte man als Film nicht besser inszenieren können. Zwei charismatische, gegensätzliche Persönlichkeiten trafen aufeinander und spornten sich zu unglaublichen sportlichen Leistungen an. Die fast unerträgliche Spannung wurde nur kurz durch Komikeinlagen und menschliche Gesten unterbrochen. Und das schönste: Am Ende spielte es praktisch keine Rolle, wer den Pokal mit nach Hause nahm - beide Hauptdarsteller gingen als Sieger vom Platz (und wurden später gute Freunde). Für mich als 15jährigen Tennis-Enthusiasten war dieser Samstagnachmittag vor der Mattscheibe ein unvergessliches Erlebnis - die vielleicht spannendsten und bewegendsten vier Stunden meiner Jugend. Auch im Folgejahr klebte ich wieder am Fernseher, als die ähnlich packende "Revanche" dann auch umgekehrt ausging. Es war eine Wendemarke, nach der Holzschläger durch Kunststoff-Rackets ersetzt wurden, die Werbeeinnahmen die Millionengrenze überschritten und der Kommerz die Centre Courts übernahm.
Der schwedische Regisseur Janus Metz hat nun nach einem Drehbuch seines Landsmanns Ronnie Sandahl dieses denkwürdige Wimbledon-Finale auf die Leinwände und Bildschirme zurückgebracht. In Sverrir Gudnason und, kein Doppelfehler, Skandalnudel Shia LaBeouf fand er Darsteller, die den Kontrahenten nicht nur physisch ähneln, sondern deren Persönlichkeit auch glaubwürdig verkörpern können. Um es vorwegzunehmen: Obwohl die Tennisszenen technisch beeindruckend nachgestellt sind, zündet die sportliche Brillanz nicht so recht. Wer das vermisst, kann sich jederzeit mindestens Auszüge des Originalmatches anschauen. Nützlich ist vielleicht ein wenig Vorwissen. Es war ja nicht das erste Grand-Slam-Match zwischen den beiden Rivalen. Borg hatte bereits verschiedentlich gegen den Amerikaner verloren, allerdings nicht bei seinen Hausturnieren. Als Grundlinienspieler eigentlich Sandplatzspezialist, gewann er bis 1981 standesgemäß sechsmal die French Open. Wimbledon, das angesehenste Grand-Slam-Turnier, wird allerdings auf Gras gespielt, einem schnellen Belag, der seiner Spielart eigentlich nicht entgegenkam. Trotzdem hatte er dort 1980 bereits viermal in Folge triumphiert. Doch dann kam McEnroe, der sich mit starkem Aufschlag, flinken Netzattacken und variablen Grundschlägen in Wimbledon sehr heimisch fühlte.
Diese Vorgeschichte wird vom Film ausgespart. Die Handlung konzentriert sich, durchaus verständlich, auf dieses eine Turnier. Der Film versucht darüber hinaus, vor allem in Rückblenden auf die Anfänger der beiden Karrieren, dem Zuschauer einen Einblick in die Psychologie der jungen Männer zu geben (Borg war gerade 24, McEnroe 21). Und obwohl die sportliche Komponente zu kurz kommt, hat mich diese Herangehensweise überzeugt. Und natürlich gerät das Finale trotzdem sehr spannend, gerade weil man etwas mehr versteht, was in den Köpfen der Spieler vorgeht. Dabei liegt der Fokus naturgemäß auf dem schwedischen Nationaldenkmal Borg, der auf dem Platz wie ein Eisberg, eine "Maschine" erschien, was sein Trainer ihm als 15jährigen allerdings erst einprügeln musste. Dieses Ungleichgewicht ist schade, denn McEnroes Part war mindestens genauso interessant wie Borgs. So muss man seine Motivationen oft zwischen den Zeilen lesen, etwa wenn er vielleicht wegen der Anwesenheit seines strengen Vaters im Finale sein Temperament besser unter Kontrolle bekommt als in den Vorrunden, wo es auch den berühmten "Chalkdust"-Streit mit dem Schiedsrichter gab (herrlich parodiert im Comedy-Song The Brat).
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Shia LaBeouf verübeln viele immer noch den lausigen vierten Indiana-Jones-Teil, die Schuld kann man aber wohl gleichmäßig auf alle Beteiligte verteilen. In den USA läuft Borg McEnroe gerade an. Man kann davon ausgehen, dass er keinen großen Erfolg haben wird. Nicht nur, dass LaBeouf keine große Zugkraft mehr hat, er spielt auch noch einen Amerikaner, der ein Match verliert. Und der zweite Platz gilt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nun mal nichts, eine Einstellung, für die im Film exemplarisch McEnroe Senior steht.
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Der Film wurde in Englisch gedreht, mit kurzen untertitelten Passagen in Schwedisch, so etwa die Gespräche zwischen Borg und seinem Trainer Lennart Bergelin (übrigens gewohnt seelenvoll dargestellt vom schwedischen Hollywood-Star Stellan Skarsgård), und lief in Europa bereits letztes Jahr im Kino. Die Blu-ray bietet als Extra ein Gespräch mit dem Regisseur und dem Hauptdarsteller Sverrir Gudnason, aus dem man erfährt, dass Björn Borg zumindest bei den Recherchen hilfreich war (darüber hinaus spielt sein 14jähriger Sohn Leo Borg, Schwedens neue Tennis-Hoffnung, sein jüngeres Ich). Inklusive Nostalgie-Bonus vergebe ich ein Sehr gut (8/10).
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Sonntag, 18. März 2018
Samstag, 10. März 2018
Erschütternd: die italienische Serie Gomorrha
Wie die Ozonschicht, die unseren Planeten vor den tödlichen UV-Strahlen aus dem Weltall schützt, ist die Zivilisation eine dünne Schutzschicht, die uns gegenüber den niederen menschlichen Instinkten isoliert. Anders als die Ozonschicht ist Zivilisation eine menschliche Errungenschaft, die über Jahrtausende erkämpft wurde. Sie muss von Generation zu Generation mühsam verteidigt und weitergegeben werden. Es wird gern romantisierend gefaselt, wie unschuldig und rein Kinder und Jugendliche sind. Die Wahrheit ist jedoch, dass sie ohne Schranken und Rituale, in denen sie ihre Aggressionen in geregelte Bahnen lenken können, schnell dem Herrn der Fliegen zum Opfer fallen. Dieses Problem hat nun auch die Mafia eingeholt, wie die italienische Fernsehserie Gomorrha eindringlich zeigt.
Die nachfolgenden Ausführungen enthalten Spoiler für die erste Staffel der Serie, die allerdings bereits 2014 im Fernsehen lief.
Don Pietro war bislang der unumstrittene Boss des Untergrunds von Neapel. Doch als Insider-Informationen an die Polizei durchsickern, verfällt er der Paranoia und zweifelt an den erfahrenen Leutnants seiner Generation. Er macht Fehler, die ihn in Untersuchungshaft bringen. Nun ist plötzlich sein Sohn Gennato ("Genny") in Verantwortung. Der allerdings ist ein unbeholfener, übergewichtiger Playboy, der auf Basis des Familienvermögens ein schönes Leben führt und bislang nichts vom Geschäft versteht. Zunächst springt seine Mutter Donna Imma in die Bresche, mit beeindruckenden anfänglichen Erfolgen. Aber auch sie unterschätzt die Spannungen zwischen den Generationen, die Gennys Mentor Ciro, nicht viel älter als dieser, aber bereits ein erfahrener "Soldat", zu seinem eigenen Vorteil zu schüren weiss.
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Natürlich ging es auch beim großen Vorbild aller Mafia-Epen um einen Generationenkonflikt. Im Paten geht Don Vito Corleones Imperium an Sonnys Brutalität und Fredos Inkompetenz zugrunde. Der Kugelhagel gebiert mit Don Michael einen Boss, der sich an keine Regeln gebunden fühlt. Familie zählt nichts mehr, was man spätestens an Fredos Schicksal sieht. Aber auch die Zeiten haben sich geändert. Das Geschäft mit Schutzgeldern und Wettbüros wird bereits in den 70ern überschattet vom Milliardenmarkt der Drogen. Im Neapel des 21. Jahrhunderts stehen selbstverständlich Menschenhandel und Drogen im Mittelpunkt. Und Don Pietro und später Donna Imma imitieren nur die Fassade des Urpaten Don Vito. Er stand für Stabilität, Wohlstand und Gerechtigkeit seiner erweiterten Familie, der italienstämmigen Famiglia, auf Kosten der Außenseiter (alle Nicht-Italiener). In Neapel ist es umgekehrt: Die Immigranten sind die Außenseiter, ob Russen oder Schwarzafrikaner. Aber die Familie der Alteingesessenen ist zu groß, um auf Dauer zusammenhalten zu können, Und Donna Imma tritt gegenüber den Anwohnern an ihrem neuen Drogenumschlagplatz als wohltätige Patin auf, bringt im Endeffekt aber nur Leid und Tod.
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Wie bei Coppola schlagen wir uns als Zuschauer zunächst auf die Seite der Gomorrha. Wir leiden mit Don Pietro, wenn er vom Gefängnisdirektor schikaniert wird, und freuen uns, wenn er einen erfolgreichen Gefangenenaufstand inszeniert. Wie schnell verfallen wir dem Charme solcher Autoritätspersonen! Selbst der Schlächter Ciro hat zunächst unsere Sympathie. Er bekommt die schwierigsten Jobs und die wenigste Anerkennung, er scheint dem Schwächling Genny ein guter Freund und seiner kleinen Tochter ein guter Vater zu sein. Aber irgendwann geht uns auf, dass dies alles nur vorgetäuscht ist und seine Handlungen allein von Hass und Geltungssucht getrieben sind. Er begeht unsägliche Untaten und bricht dabei auch noch mit dem kümmerlichen Rest des mafiösen Ehrenkodex - nicht einmal Frauen und Kinder sind vor ihm sicher. Gleiches gilt für Kronprinz Genny. Er vermasselt gleich seinen ersten Mordauftrag und vermag seine Freundin nur mit hündischer Hartnäckigkeit und teuren Geschenken an sich zu binden. Nach einem traumatischen Erlebnis in Lateinamerika (bei Verhandlungen mit Lieferanten) schüttelt er die Aura des Schwächlings mit willkürlichen, skrupellosen Gewalttaten ab und verliert damit ebenfalls unsere Sympathie
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Am erschütterndesten anzusehen ist aber, wie leicht die Jüngsten, oft sogar Kinder, von den Posen und der Gewalt verführt werden. Da treffen die halbstarken Soldaten von Genny oder Ciro auf eine Gruppe von Kindern mit Wasserpistolen und lassen sie erstmal mit echten Waffen spielen. Da ist die junge Lesbe, die eigentlich von einer Hochzeit in Weiß träumt, aber ihren Geschäftssinn für die Koordination der Drogengeschäfte verschwendet. Und da ist der 16jährige Daniele, ein begnadeter Automechaniker, der von Ciro mal eben das Schießen und das Morden lernt - mit bitteren Konsequenzen für ihn und seine 15jährige Freundin. Das Schicksal Danieles ist besonders tragisch, da es nicht einmal in Armut und Verzweiflung wurzelt - er hat schließlich einen ehrbaren Job, Freunde und Familie - sondern rein in der Faszination am falschen Vorbild Ciro, der auf ihn so cool und erfahren wirkt. Autor Roberto Saviano, auf dessen Tatsachenberichten die Serie basiert, hat gerade ein neues Buch herausgebracht, in dem er offenbar noch mehr auf diese verlorene Generation fokussiert: Der Clan der Kinder. Aber erschütternder als das Schicksal von Daniele und seiner Freundin kann das auch nicht mehr sein.
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Gomorrha besteht aus zwölf einstündigen Episoden pro Staffel. In Deutschland läuft das auf Sky, empfehlenswert ist aber die Blu-ray-Ausgabe, vorzugsweise im neapolitanischen Italienisch mit Untertiteln. Die Veröffentlichung der dritten Staffel ist für April angekündigt. Ich muss gestehen, ich brenne nicht gerade auf die Fortsetzung, denn bereits der Ausgang der ersten Staffel hat mir ziemlich den Magen umgedreht. Aber an Qualität und Unterhaltungswert kann die Serie mit der US-amerikanischen Konkurrenz allemal mithalten. Sie bildet ein Stück Realität ab, welches so oder so nicht leicht zu ertragen ist.
Die nachfolgenden Ausführungen enthalten Spoiler für die erste Staffel der Serie, die allerdings bereits 2014 im Fernsehen lief.
Don Pietro war bislang der unumstrittene Boss des Untergrunds von Neapel. Doch als Insider-Informationen an die Polizei durchsickern, verfällt er der Paranoia und zweifelt an den erfahrenen Leutnants seiner Generation. Er macht Fehler, die ihn in Untersuchungshaft bringen. Nun ist plötzlich sein Sohn Gennato ("Genny") in Verantwortung. Der allerdings ist ein unbeholfener, übergewichtiger Playboy, der auf Basis des Familienvermögens ein schönes Leben führt und bislang nichts vom Geschäft versteht. Zunächst springt seine Mutter Donna Imma in die Bresche, mit beeindruckenden anfänglichen Erfolgen. Aber auch sie unterschätzt die Spannungen zwischen den Generationen, die Gennys Mentor Ciro, nicht viel älter als dieser, aber bereits ein erfahrener "Soldat", zu seinem eigenen Vorteil zu schüren weiss.
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Natürlich ging es auch beim großen Vorbild aller Mafia-Epen um einen Generationenkonflikt. Im Paten geht Don Vito Corleones Imperium an Sonnys Brutalität und Fredos Inkompetenz zugrunde. Der Kugelhagel gebiert mit Don Michael einen Boss, der sich an keine Regeln gebunden fühlt. Familie zählt nichts mehr, was man spätestens an Fredos Schicksal sieht. Aber auch die Zeiten haben sich geändert. Das Geschäft mit Schutzgeldern und Wettbüros wird bereits in den 70ern überschattet vom Milliardenmarkt der Drogen. Im Neapel des 21. Jahrhunderts stehen selbstverständlich Menschenhandel und Drogen im Mittelpunkt. Und Don Pietro und später Donna Imma imitieren nur die Fassade des Urpaten Don Vito. Er stand für Stabilität, Wohlstand und Gerechtigkeit seiner erweiterten Familie, der italienstämmigen Famiglia, auf Kosten der Außenseiter (alle Nicht-Italiener). In Neapel ist es umgekehrt: Die Immigranten sind die Außenseiter, ob Russen oder Schwarzafrikaner. Aber die Familie der Alteingesessenen ist zu groß, um auf Dauer zusammenhalten zu können, Und Donna Imma tritt gegenüber den Anwohnern an ihrem neuen Drogenumschlagplatz als wohltätige Patin auf, bringt im Endeffekt aber nur Leid und Tod.
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Wie bei Coppola schlagen wir uns als Zuschauer zunächst auf die Seite der Gomorrha. Wir leiden mit Don Pietro, wenn er vom Gefängnisdirektor schikaniert wird, und freuen uns, wenn er einen erfolgreichen Gefangenenaufstand inszeniert. Wie schnell verfallen wir dem Charme solcher Autoritätspersonen! Selbst der Schlächter Ciro hat zunächst unsere Sympathie. Er bekommt die schwierigsten Jobs und die wenigste Anerkennung, er scheint dem Schwächling Genny ein guter Freund und seiner kleinen Tochter ein guter Vater zu sein. Aber irgendwann geht uns auf, dass dies alles nur vorgetäuscht ist und seine Handlungen allein von Hass und Geltungssucht getrieben sind. Er begeht unsägliche Untaten und bricht dabei auch noch mit dem kümmerlichen Rest des mafiösen Ehrenkodex - nicht einmal Frauen und Kinder sind vor ihm sicher. Gleiches gilt für Kronprinz Genny. Er vermasselt gleich seinen ersten Mordauftrag und vermag seine Freundin nur mit hündischer Hartnäckigkeit und teuren Geschenken an sich zu binden. Nach einem traumatischen Erlebnis in Lateinamerika (bei Verhandlungen mit Lieferanten) schüttelt er die Aura des Schwächlings mit willkürlichen, skrupellosen Gewalttaten ab und verliert damit ebenfalls unsere Sympathie
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Am erschütterndesten anzusehen ist aber, wie leicht die Jüngsten, oft sogar Kinder, von den Posen und der Gewalt verführt werden. Da treffen die halbstarken Soldaten von Genny oder Ciro auf eine Gruppe von Kindern mit Wasserpistolen und lassen sie erstmal mit echten Waffen spielen. Da ist die junge Lesbe, die eigentlich von einer Hochzeit in Weiß träumt, aber ihren Geschäftssinn für die Koordination der Drogengeschäfte verschwendet. Und da ist der 16jährige Daniele, ein begnadeter Automechaniker, der von Ciro mal eben das Schießen und das Morden lernt - mit bitteren Konsequenzen für ihn und seine 15jährige Freundin. Das Schicksal Danieles ist besonders tragisch, da es nicht einmal in Armut und Verzweiflung wurzelt - er hat schließlich einen ehrbaren Job, Freunde und Familie - sondern rein in der Faszination am falschen Vorbild Ciro, der auf ihn so cool und erfahren wirkt. Autor Roberto Saviano, auf dessen Tatsachenberichten die Serie basiert, hat gerade ein neues Buch herausgebracht, in dem er offenbar noch mehr auf diese verlorene Generation fokussiert: Der Clan der Kinder. Aber erschütternder als das Schicksal von Daniele und seiner Freundin kann das auch nicht mehr sein.
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Gomorrha besteht aus zwölf einstündigen Episoden pro Staffel. In Deutschland läuft das auf Sky, empfehlenswert ist aber die Blu-ray-Ausgabe, vorzugsweise im neapolitanischen Italienisch mit Untertiteln. Die Veröffentlichung der dritten Staffel ist für April angekündigt. Ich muss gestehen, ich brenne nicht gerade auf die Fortsetzung, denn bereits der Ausgang der ersten Staffel hat mir ziemlich den Magen umgedreht. Aber an Qualität und Unterhaltungswert kann die Serie mit der US-amerikanischen Konkurrenz allemal mithalten. Sie bildet ein Stück Realität ab, welches so oder so nicht leicht zu ertragen ist.
Samstag, 3. März 2018
Geschmeidig: Black Panther (8/10)
Laut Wikipedia sind Weisse Panther noch viel seltener als Schwarze Panther. Umso dankbarer muss man den Weissbroten Stan Lee und Jack Kirby sein, die bereits in den 60ern mit T'Challa, König des fiktiven afrikanischen Staats Wakanda, den ersten schwarzen Superhelden schufen. Damit ritten sie die Welle der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Auch wenn hinter der jetzt angelaufenen Verfilmung nun ein schwarzes Team steht, angeführt von Regisseur Ryan Coogler (2014 bekannt geworden mit der hetzerischen Doku-Fiction Fruitvale Station), darf man nicht vergessen, dass sie immer noch aus der Sichtweise von US-amerikanischen Schwarzen, sogenannten "African Americans", konzipiert ist. Für diese ist Afrika nur der märchenhaft verklärte Ursprung ihrer Vorfahren. Man kann wohl davon ausgehen, dass die wenigsten Afroamerikaner (der offizielle deutsche Begriff klingt für mich, als ob er sich von der Frisur herleitet) auch nur fünf afrikanische Länder benennen könnten - im Film wird kein einziges erwähnt. Es ist auch nicht ein einziges Bild von Black Panther auf dem Heimatkontinent entstanden - für die exotischen Wasserfälle musste laut IMDB ein Drehort in Argentinien herhalten. Und im zentralen Konflikt des Films, in dem es zwar lobenswerterweise einmal nicht um die Rettung der Welt geht, will der Schurke die bislang verborgene Macht von Wakanda zur Rettung seiner unterdrückten schwarzen Brüder freisetzen - jene in New York und London. Ach Du armes Afrika, Du ausgebeutetes Armenhaus und Exerzierplatz für Rüstungslieferanten aus dem Rest der Welt!
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Abgesehen von dieser politischen Schieflage, ist Black Panther mal wieder ein toller Marvel-Spaß und eine der besten "Origin Stories" eines Comic-Helden. Es zeigt Wakanda mit seinen fünf Stämmen, dessen Reichtum auf einem Vibranium-Meteor fußt, als fabelhafte Mischung aus Tradition und Moderne (wahrlich ein afrikanisches Märchen), in dem nur manchmal die Folklore zu Kitsch wird. Der treibende Soundtrack des Schweden Ludwig Göransson mit Liedern von Kendrick Lamar ist mindestens zweckdienlich, wenn auch gelegentlich ebenfalls klischeebehaftet. Es gibt charismatische Helden, Heldinnen und Bösewichte mit nachvollziehbaren Motivationen und eine spannende Geschichte, die nur einmal mit einer düsteren Wendung schockiert, sich davon aber schnell wieder erholt. Hervorzuheben sind Chadwick Boseman in der Hauptrolle (bereits aus Captain America bekannt), mal würdevoll, mal verschmitzt, mal nachdenklich, Michael B. Jordan (Fruitvale Station) als sein skrupelloser und doch tragischer Gegenpart "Killmonger", und Oscar-Kandidat Daniel Kaluuya (Get Out) als innerlich zerrissenes Stammesoberhaupt W'Kabi zwischen den Fronten
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Und das waren erst die Männer! Dabei dominieren gerade in den fantasievollen Kampfszenen die Frauen, vor allem Lupita Nyong'o (12 Years a Slave) als T'Challas Ex (? - ich muss gestehen, die Beziehung ist mir nicht ganz klar geworden) Nakia und Danai Gurira (Ein Sommer in New York) als Okoye, der Anführerin der speerschwingenden Leibgarde des Königs (man beachte, dass in Wakanda ein Speer viel mehr als nur ein Speer ist). Und dann ist da Letitia Wright als Shuri, die pfiffige kleine Schwester des Königs. Die 24jährige aus Guyana, die bisher schon in einigen Fernsehrollen (Humans, Black Mirror) auffiel, kann locker gegen ihre gewichtigen Mitspieler bestehen und ist die erste Entdeckung des Jahres. Ihre Figur ist angeblich erst 16, was ich reichlich albern finde, denn Shuri ist Erfinderin, Mechanikerin und Ärztin, und auch im Märchen muss eine gewisse Glaubwürdigkeit gewahrt bleiben. Außerdem führt sie ein Kraftfahrzeug, wenngleich nur virtuell - und gelten dabei die Verkehrsregeln von Wakanda oder Südkorea? Aber wer will sich beklagen, wenn Letitia Wright mit einem Lächeln selbst Vibranium zum Schmelzen bringen kann (und das scheint mir auch die einzig plausible Verarbeitungsform zu sein). Wir können uns auf ein baldiges Wiedersehen freuen, in Spielbergs zweiten Film des Jahres, der nostalgischen SF-Verfilmung Ready Player One.
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Dann tauchen noch ein paar Veteranen auf, mehr Farbtupfer als Handlungsträger. Ghost Dog Forest Whitaker als spiritueller Anführer (um das Wort "Schamane" zu vermeiden") Zuri ist immer eine willkommene Präsenz, Angela Basset als "Queen Mom" bleibt dagegen farblos. Apropos blass: Ja, es spielen auch ein paar Weisse mit, namentlich "Gollum" (oder "Caesar") Andy Serkis, in der ersten Hälfte als einarmiger Bandit der Hauptschurke, aber dann doch nur Katalysator der folgenden Ereignisse, und "Frodo" (oder "Dr. Watson") Martin Freeman als sympathischer CIA-Agent. Überhaupt muss ich mal feststellen, dass ich Black Panther überhaupt nicht als rassistisch empfunden habe (entgegen einigen lautstarken Kritikern). Hingegen möchte ich mich, wohlwissend politisch unkorrekt, über die Verballhornung der Sprache Shakespeares durch die Darsteller beschweren. Mir wären mehr untertitelte Dialoge in der (offenbar südafrikanischen) Stammessprache lieber gewesen als dieses Englisch mit unanhörlichem, vage-afrikanischen Akzent. Und wenn wir schon bei Beschwerden sind: Eine 3D-Vorführung kann man sich hier wirklich sparen. Aber das sind Kleinigkeiten, die das Kinovergnügen nicht trüben sollen. Und es ist erfrischend, einen Blockbuster zu sehen, der zu gefühlten 90% von dunkelhäutigem Talent gestemmt wurde. Allemal sehr gut (8/10).
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Abgesehen von dieser politischen Schieflage, ist Black Panther mal wieder ein toller Marvel-Spaß und eine der besten "Origin Stories" eines Comic-Helden. Es zeigt Wakanda mit seinen fünf Stämmen, dessen Reichtum auf einem Vibranium-Meteor fußt, als fabelhafte Mischung aus Tradition und Moderne (wahrlich ein afrikanisches Märchen), in dem nur manchmal die Folklore zu Kitsch wird. Der treibende Soundtrack des Schweden Ludwig Göransson mit Liedern von Kendrick Lamar ist mindestens zweckdienlich, wenn auch gelegentlich ebenfalls klischeebehaftet. Es gibt charismatische Helden, Heldinnen und Bösewichte mit nachvollziehbaren Motivationen und eine spannende Geschichte, die nur einmal mit einer düsteren Wendung schockiert, sich davon aber schnell wieder erholt. Hervorzuheben sind Chadwick Boseman in der Hauptrolle (bereits aus Captain America bekannt), mal würdevoll, mal verschmitzt, mal nachdenklich, Michael B. Jordan (Fruitvale Station) als sein skrupelloser und doch tragischer Gegenpart "Killmonger", und Oscar-Kandidat Daniel Kaluuya (Get Out) als innerlich zerrissenes Stammesoberhaupt W'Kabi zwischen den Fronten
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Und das waren erst die Männer! Dabei dominieren gerade in den fantasievollen Kampfszenen die Frauen, vor allem Lupita Nyong'o (12 Years a Slave) als T'Challas Ex (? - ich muss gestehen, die Beziehung ist mir nicht ganz klar geworden) Nakia und Danai Gurira (Ein Sommer in New York) als Okoye, der Anführerin der speerschwingenden Leibgarde des Königs (man beachte, dass in Wakanda ein Speer viel mehr als nur ein Speer ist). Und dann ist da Letitia Wright als Shuri, die pfiffige kleine Schwester des Königs. Die 24jährige aus Guyana, die bisher schon in einigen Fernsehrollen (Humans, Black Mirror) auffiel, kann locker gegen ihre gewichtigen Mitspieler bestehen und ist die erste Entdeckung des Jahres. Ihre Figur ist angeblich erst 16, was ich reichlich albern finde, denn Shuri ist Erfinderin, Mechanikerin und Ärztin, und auch im Märchen muss eine gewisse Glaubwürdigkeit gewahrt bleiben. Außerdem führt sie ein Kraftfahrzeug, wenngleich nur virtuell - und gelten dabei die Verkehrsregeln von Wakanda oder Südkorea? Aber wer will sich beklagen, wenn Letitia Wright mit einem Lächeln selbst Vibranium zum Schmelzen bringen kann (und das scheint mir auch die einzig plausible Verarbeitungsform zu sein). Wir können uns auf ein baldiges Wiedersehen freuen, in Spielbergs zweiten Film des Jahres, der nostalgischen SF-Verfilmung Ready Player One.
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Dann tauchen noch ein paar Veteranen auf, mehr Farbtupfer als Handlungsträger. Ghost Dog Forest Whitaker als spiritueller Anführer (um das Wort "Schamane" zu vermeiden") Zuri ist immer eine willkommene Präsenz, Angela Basset als "Queen Mom" bleibt dagegen farblos. Apropos blass: Ja, es spielen auch ein paar Weisse mit, namentlich "Gollum" (oder "Caesar") Andy Serkis, in der ersten Hälfte als einarmiger Bandit der Hauptschurke, aber dann doch nur Katalysator der folgenden Ereignisse, und "Frodo" (oder "Dr. Watson") Martin Freeman als sympathischer CIA-Agent. Überhaupt muss ich mal feststellen, dass ich Black Panther überhaupt nicht als rassistisch empfunden habe (entgegen einigen lautstarken Kritikern). Hingegen möchte ich mich, wohlwissend politisch unkorrekt, über die Verballhornung der Sprache Shakespeares durch die Darsteller beschweren. Mir wären mehr untertitelte Dialoge in der (offenbar südafrikanischen) Stammessprache lieber gewesen als dieses Englisch mit unanhörlichem, vage-afrikanischen Akzent. Und wenn wir schon bei Beschwerden sind: Eine 3D-Vorführung kann man sich hier wirklich sparen. Aber das sind Kleinigkeiten, die das Kinovergnügen nicht trüben sollen. Und es ist erfrischend, einen Blockbuster zu sehen, der zu gefühlten 90% von dunkelhäutigem Talent gestemmt wurde. Allemal sehr gut (8/10).
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Samstag, 24. Februar 2018
Märchenhaft schön: Shape of Water (9/10)
Shape of Water ist ein altmodisches Märchen, und somit ist sofort klar, wer das Biest und wer der Prinz ist. Es ist doppelt nostalgisch, denn es spielt im bieder-bürgerlichen Amerika des Jahres 1962, aber Prinzessin Elisa (Sally Hawkins) und ihr väterlicher Freund und Nachbar Giles (Richard Jenkins) lieben die Musicals des alten Hollywood. Auf ihrem bierdeckelgroßen Schwarzweiss-Fernseher bewundern sie Bill "Bojangles" Robinson und Shirley Temple im berühmten Treppentanz aus The Little Colonel von 1935. Leider sieht man im Film nur einen winzigen Ausschnitt, aber es lohnt sich, die Szene in ihrer Gesamtheit zu bewundern (in der Dokumentation That's Dancing wird eine anderer, ähnlich knuffiger Ausschnitt gezeigt).
Dies ist nur eines der Details, die beiläufig den in den 60ern vorherrschenden Rassismus kommentieren. Deutlicher wird das durch die Rolle von Elisas Kollegin Zelda, in der Octavia Spencer eine Mischung des Dienstmädchens aus The Help und der Rechenmaschine aus Hidden Figures kredenzt. Shape of Water vermischt viele Zutaten, Genres und Vorbilder zu einem originellen neuen Cocktail. Am offensichtlichsten wird Der Schrecken vom Amazonas von 1954 zitiert, auch heute noch sehenswert allein wegen der unter Wasser gedrehten 3D-Sequenzen (in Schwarzweiss!). Aber hinzugemischt sind auch eine Spionagegeschichte um russische Agenten und einen arroganten amerikanischen General, ein Techtelmechtel zwischen Giles und einem jungen Konditoreiverkäufer, welches leider nur in seiner Fantasie stattfindet, ein Krimi mit David Hewlett (Stargate: Atlantis) als Werksdetektiv, eine veritable Song-and-Dance-Einlage und leider auch Folter und Machtmissbrauch. Dies verdeutlicht auch, dass es sich um ein Märchen für Erwachsene handelt, mit einer gerechtfertigten FSK16-Einstufung.
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Trotz allem steht im Zentrum die simple und doch nie naive Liebesgeschichte zwischen der seit ihrer Kindheit stummen Elisa und dem Meermann, der ebenfalls nicht akustisch kommunizieren kann. Aber Gebärden- und Körpersprache sind allemal ausreichend, um sich näherzukommen. Die Londonerin Sally Hawkins in der Hauptrolle ist absolut bewundernswert. Welch ein Kontrast zur geschwätzigen, ewigfröhlichen Lehrerin in Mike Leighs Happy Go Lucky, für welche sie 2009 einen Golden Globe gewann! Del Toro hat ihr den Part auf den Leib geschrieben, und sie erwies sich seines Vertraunes würdig und sprang mit vollem Körpereinsatz ins kalte Wasser, sozusagen. Auch ihre Szenen mit Richard Jenkins als Giles berühren (aber Katzenliebhaber Obacht: das wird nicht leicht für Euch!) Der 70jährige Veteran ist auf solche herzergreifende Nebenrollen spezialisiert, u.a. mehrfach für die Coen-Brüder, war 2008 aber für eine seltene Hauptrolle im anrührenden Drama Ein Sommer in New York erstmalig Oscar-nominiert. Jedenfalls läßt er vergessen, dass ursprünglich Ian McKellan für die Rolle vorgesehen war.
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Und das Monster? Michael Shannon ist mit seinem stechenden Blick und den leicht grimmigen Gesichtszügen auf überlebensgroße Rollen abonniert. Er war der kryptonische Bösewicht Zod im Man of Steel und zuletzt der verächtliche Cop im üblen Kritikerliebling Nocturnal Animals. Er spielte allerdings auch die Hauptrolle in meinem Lieblingsspielfilm von Werner Herzog der letzten zehn Jahre, Ein fürsorglicher Sohn (2009: "My Son, My Son, What Have You Done?") Als sein Gegenpol fungiert Michael Stuhlbarg als mitfühlender Doktor (mit heimlicher Agenda). Wie schon für die Coens als A Serious Man gelingt es ihm hier mit minimalen Mitteln, anrührend komisch zu sein.
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Guillermo Del Toro, 1964 in Mexiko geboren, war bislang vor allem für seine beiden Hellboy-Adaptionen (2004, 2008) bekannt. Die sind zwar nicht zuletzt wegen eines grandiosen Ron Perlman in der Titelrolle allemal sehenswert, fanden aber für Comic-Verfilmungen nur mäßiges Zuschauerinteresse. Ohne Zweifel ein Bilderzauberer und Meister der Ausstattung, steht sich Del Toro oft selbst im Wege, wenn er seine realistische Magie zwar dankenswert unsentimental, aber auch recht sperrig inszeniert. Schwer einzuschätzen, ob er mehr aus dem Hobbit gemacht hätte als Peter Jackson.
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Erzählfluss und emotionale Wirkung erzielt Del Toro eher mit seinen persönlichen Filmen, und in Shape of Water gelingt ihm das nun mindestens so gut wie in Pans Labyrinth von 2006, meinem bisherigen Lieblingswerk von ihm. Die Fabel aus dem spanischen Bürgerkrieg, in dem ein elfjähriges Mädchen die Schrecken der Realität in eine Fantasiewelt übersetzt, wurde mit Oscar-Nominierungen für den besten fremdsprachigen Film und das beste Originaldrehbuch gewürdigt. Ivana Baquero, die damals bravourös das kleine Mädchen spielte, fiel zuletzt in der albernen Fantasyserie Die Shannara-Chroniken mit untypischen darstellerischen Qualitäten auf. Und das Monster, der titelgebende Faun ("Pan" im deutschen Titel) wurde schon damals von Doug Jones verkörpert, so wie nun der Meermann in Shape of Water. Der 1,90 Meter große Amerikaner hat nicht nur eine bewundernswerte Toleranz für die Applikation komplexer Masken, sondern stattet seine Figuren trotz aller technischer Schwierigkeiten noch mit Persönlichkeit und Gefühlen aus.
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Vielleicht hat Del Toro in Vanessa Taylor auch eine ideale Mitautorin gefunden. Sie steuerte ein paar frühe Episoden von Game of Thrones bei und schrieb die hübsche romantische Komödie Wie beim ersten Mal ("Hope Springs"), 2012 von David Frankel mit Meryl Streep und Tommy Lee Jones inszeniert. Man kann wohl vermuten, dass sie für den emotionalen roten Faden verantwortlich ist. Beim Oscar für das Beste Originaldrehbuch stehen die beiden allerdings in direkter Konkurrenz zu Three Billboards, genau wie die nominierten Darsteller Sally Hawkins und Richard Jenkins. Octavia Spencer tritt gegen die gesetzte, immer fabelhafte Allison Jenney (I, Tonya) an. Schön wäre es, wenn wie bei den BAFTAs die Preise geteilt würden, also Guillermo Del Toro den Oscar für die beste Regie gewänne und Martin McDonagh für das Drehbuch. Wer dann Bester Film wird, ist fast egal - wie will man solch unterschiedliche Werke vergleichen? Beide sind in meinen Augen: Herausragend (9/10).
Samstag, 17. Februar 2018
Anger begets Anger: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (9/10)
Die dümmste Figur in Three Billboards outside Ebbing, Missouri sagt den klügsten Satz, so abgegriffen er klingen mag: "Zorn erzeugt nur größeren Zorn". Mildred (Frances McDormand) hat allen Grund, zornig zu sein: Ihre 16jährige Tochter Angela wurde vor sieben Monaten vergewaltigt und umgebracht, und der Schuldige ist immer noch nicht ermittelt. So mietet sie also die titelgebenden drei Werbetafeln, mit weitreichenden Folgen für die Bewohner der Kleinstadt Ebbing in Missouri ...
Dies ist so ein Film, bei dem man vorher so wenig wie möglich über die Handlung wissen sollte. Eine reine Nacherzählung würde der Sache ohnehin nicht gerecht werden. Nur soviel sei verraten: Dies ist nicht die erbauliche Geschichte einer amerikanischen Bürgerin, die mit viel Courage und entgegen allen Widerständen der Gerechtigkeit zum Sieg verhilft. Aber auch nicht die Rachegeschichte der unverstandenen Wutbürgerin, die den Täter eigenhändig der gerechten Strafe zuführt. Beide Klischees werden geschickt umschifft, und so ergibt sich ein wahrhaftiges Bild der braven Kleinstädter und damit eines durchaus repräsentativen Querschnitts der Menschheit.
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Autor und Regisseur Martin McDonagh, geboren 1970 in London, nimmt sich Zeit für seine Filme. 2006 gewann er einen Oscar für sein Kurzfilm-Debut Six Shooter. Es folgten 2008 Brügge sehen... und sterben?, urkomisch, unvorhersehbar und mit tiefschwarzem Humor duchsetzt, und 2012 7 Psychos, welches das gleiche Konzept ein wenig überfrachtet fortzusetzen versuchte. Im dritten Streich regelt McDonagh die Farce nun klug herunter. Three Billboards bleibt stets Tragödie - niemand macht sich über die tote Angela oder die Erkrankung von Polizeichef Willoughby lustig. Aber es ist kein Tränenfest - es gibt herrlich komische Szenen, und auch geschickte Übertreibungen und gut konstruierte Zufälle. Das Drama nimmt unerbittlich seinen Lauf, jede Handlung hat Konsequenzen, und doch ist das Kinoerlebnis keinesfalls deprimierend. Dieser traurig-komische Balanceakt ist eine echte Meisterleistung, und daher hätte ich Martin McDonagh lieber als Jordan Peele oder Christopher Nolan unter den fünf Kandidaten für den Regie-Oscar gesehen. So wird er womöglich leer ausgehen, denn beim Originaldrehbuch ist die Konkurrenz in diesem Jahr ungleich stärker als bei den Adaptionen.
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Punkten könnten wohl eher die Darsteller, allen voran Frances McDormand. Sie ist ohne Zweifel eine der großen Darstellerinnen des amerikanischen Kinos. Während Meryl Streep (in diesem Jahr ihre Konkurrentin mit den geringsten Siegeschancen) gern und mit verblüffender Mimikri in die Haut außergewöhnlicher Frauen schlüpft, verkörpert Frances McDormand gewöhnliche Frauen in außergewöhnlicher Weise. Dieses nicht greifbare Talent zeigte sie bereits 1984 in ihrem Debut Blood Simple. Gerade 26jährig, hatte sie bereits diese lakonische Qualität, unter der sie je nach Bedarf tiefe Empfindungen erkennbar machen konnte. Der Beginn der durchgeknallten Filmlaufbahn der Coen-Brüder ist gerade in perfekt restaurierter Fassung neu aufgelegt wurde. Er war auch der Startpunkt ihres privaten Glücks in der Ehe mit Joel Coen. Ihren ersten Oscar gewann sie dann passenderweise 1997 für die Rolle der schwangeren Polizistin in Fargo. Aber obwohl sie in den meisten Coen-Filmen auftaucht, kann sie auf eine weitgefächerte Karriere zurückblicken und war in wichtigen Nebenrollen u.a. zu sehen in Short Cuts (Robert Altman, 1993), Wonder Boys (Curtis Hanson, 2000), Almost Famous (Cameron Crowe, 2000) und Moonrise Kingdom (Wes Anderson, 2012). In Three Billboards kann man sich wieder nicht sattsehen an ihrem ausdrucksstarken Gesicht. Sie ist Identifikationsfigur, ohne um die Sympathie des Zuschauers zu buhlen, und sie macht Mildreds teilweise fragwürdige Entscheidungen nachvollziehbar, ohne sie zu entschuldigen.
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Um sie herum agiert ein brillantes Ensemble, welches in der Gesamtheit bereits von der Screen Actors Guild ausgezeichnet wurde, angeführt von den Oscar-Nominierten Woody Harrelson (Zombieland, Die Unfassbaren) als Polizeichef und Sam Rockwell (Galaxy Quest, Iron Man 2) als Deputy. Letzterer hat bei den Preisverleihungen nur deshalb die Nase vorn, weil er im Grunde die zweite Hauptrolle spielt und viel mehr Leinwandzeit als Harrelson hat, wodurch sich seine Figur stärker entwickeln kann (er nahm den Golden Globe mit nach Hause). Ansonsten gilt, dass gute Drehbücher auch gute Schauspieler anziehen, übrigens neben Harrelson und Rockwell noch weitere Wiederholungstäter aus McDonaghs ersten beiden Filmen. Darunter sind Abbie Cornish als Willoughbys patente jüngere Ehefrau und Zeljko Ivanek als Desk Sergeant. Erwähnenswert ebenfalls Caleb Landry Jones (Twin Peaks, Get Out), der differenzierter als sonst agiert, dessen Figurenname "Welby" für meine Ohren allerdings ähnlich klang wie "Willoughby", was mich einige Zeit irritiert hat; Lucas Hedges (Manchester by the Sea) als Mildreds verstörter Sohn, Clarke Peters (der korrupte Bürgermeister aus Person of Interest) als Willoughbys Nachfolger und in einer kleinen Rolle (sorry!) Peter Dinklage mit imposantem Schnäuzer (auf den Promo-Fotos allerdings schon wieder mit Tyrion-Bartpracht), der hier von Jordan Prentice (In Bruges) die Zwergenrolle übernimmt.
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Es sieht so aus, als ob dieses Jahr bei den Oscars mal ein paar würdige Filme ins Rennen gehen. Drei Werbetafeln ausserhalb Ebbing, Missouri erinnert mich in seiner wuchtigen Kommentierung der menschlichen Natur an No Country For Old Men, auch wenn es vielleicht nicht ganz die erschütternde Wirkung meines Lieblingsfilms der Coens hat. Herausragend (9/10).
Nächste Woche: der härteste Konkurrent um die Oscars - Guillermo del Toros Shape of Water.
Dies ist so ein Film, bei dem man vorher so wenig wie möglich über die Handlung wissen sollte. Eine reine Nacherzählung würde der Sache ohnehin nicht gerecht werden. Nur soviel sei verraten: Dies ist nicht die erbauliche Geschichte einer amerikanischen Bürgerin, die mit viel Courage und entgegen allen Widerständen der Gerechtigkeit zum Sieg verhilft. Aber auch nicht die Rachegeschichte der unverstandenen Wutbürgerin, die den Täter eigenhändig der gerechten Strafe zuführt. Beide Klischees werden geschickt umschifft, und so ergibt sich ein wahrhaftiges Bild der braven Kleinstädter und damit eines durchaus repräsentativen Querschnitts der Menschheit.
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Autor und Regisseur Martin McDonagh, geboren 1970 in London, nimmt sich Zeit für seine Filme. 2006 gewann er einen Oscar für sein Kurzfilm-Debut Six Shooter. Es folgten 2008 Brügge sehen... und sterben?, urkomisch, unvorhersehbar und mit tiefschwarzem Humor duchsetzt, und 2012 7 Psychos, welches das gleiche Konzept ein wenig überfrachtet fortzusetzen versuchte. Im dritten Streich regelt McDonagh die Farce nun klug herunter. Three Billboards bleibt stets Tragödie - niemand macht sich über die tote Angela oder die Erkrankung von Polizeichef Willoughby lustig. Aber es ist kein Tränenfest - es gibt herrlich komische Szenen, und auch geschickte Übertreibungen und gut konstruierte Zufälle. Das Drama nimmt unerbittlich seinen Lauf, jede Handlung hat Konsequenzen, und doch ist das Kinoerlebnis keinesfalls deprimierend. Dieser traurig-komische Balanceakt ist eine echte Meisterleistung, und daher hätte ich Martin McDonagh lieber als Jordan Peele oder Christopher Nolan unter den fünf Kandidaten für den Regie-Oscar gesehen. So wird er womöglich leer ausgehen, denn beim Originaldrehbuch ist die Konkurrenz in diesem Jahr ungleich stärker als bei den Adaptionen.
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Punkten könnten wohl eher die Darsteller, allen voran Frances McDormand. Sie ist ohne Zweifel eine der großen Darstellerinnen des amerikanischen Kinos. Während Meryl Streep (in diesem Jahr ihre Konkurrentin mit den geringsten Siegeschancen) gern und mit verblüffender Mimikri in die Haut außergewöhnlicher Frauen schlüpft, verkörpert Frances McDormand gewöhnliche Frauen in außergewöhnlicher Weise. Dieses nicht greifbare Talent zeigte sie bereits 1984 in ihrem Debut Blood Simple. Gerade 26jährig, hatte sie bereits diese lakonische Qualität, unter der sie je nach Bedarf tiefe Empfindungen erkennbar machen konnte. Der Beginn der durchgeknallten Filmlaufbahn der Coen-Brüder ist gerade in perfekt restaurierter Fassung neu aufgelegt wurde. Er war auch der Startpunkt ihres privaten Glücks in der Ehe mit Joel Coen. Ihren ersten Oscar gewann sie dann passenderweise 1997 für die Rolle der schwangeren Polizistin in Fargo. Aber obwohl sie in den meisten Coen-Filmen auftaucht, kann sie auf eine weitgefächerte Karriere zurückblicken und war in wichtigen Nebenrollen u.a. zu sehen in Short Cuts (Robert Altman, 1993), Wonder Boys (Curtis Hanson, 2000), Almost Famous (Cameron Crowe, 2000) und Moonrise Kingdom (Wes Anderson, 2012). In Three Billboards kann man sich wieder nicht sattsehen an ihrem ausdrucksstarken Gesicht. Sie ist Identifikationsfigur, ohne um die Sympathie des Zuschauers zu buhlen, und sie macht Mildreds teilweise fragwürdige Entscheidungen nachvollziehbar, ohne sie zu entschuldigen.
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Um sie herum agiert ein brillantes Ensemble, welches in der Gesamtheit bereits von der Screen Actors Guild ausgezeichnet wurde, angeführt von den Oscar-Nominierten Woody Harrelson (Zombieland, Die Unfassbaren) als Polizeichef und Sam Rockwell (Galaxy Quest, Iron Man 2) als Deputy. Letzterer hat bei den Preisverleihungen nur deshalb die Nase vorn, weil er im Grunde die zweite Hauptrolle spielt und viel mehr Leinwandzeit als Harrelson hat, wodurch sich seine Figur stärker entwickeln kann (er nahm den Golden Globe mit nach Hause). Ansonsten gilt, dass gute Drehbücher auch gute Schauspieler anziehen, übrigens neben Harrelson und Rockwell noch weitere Wiederholungstäter aus McDonaghs ersten beiden Filmen. Darunter sind Abbie Cornish als Willoughbys patente jüngere Ehefrau und Zeljko Ivanek als Desk Sergeant. Erwähnenswert ebenfalls Caleb Landry Jones (Twin Peaks, Get Out), der differenzierter als sonst agiert, dessen Figurenname "Welby" für meine Ohren allerdings ähnlich klang wie "Willoughby", was mich einige Zeit irritiert hat; Lucas Hedges (Manchester by the Sea) als Mildreds verstörter Sohn, Clarke Peters (der korrupte Bürgermeister aus Person of Interest) als Willoughbys Nachfolger und in einer kleinen Rolle (sorry!) Peter Dinklage mit imposantem Schnäuzer (auf den Promo-Fotos allerdings schon wieder mit Tyrion-Bartpracht), der hier von Jordan Prentice (In Bruges) die Zwergenrolle übernimmt.
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Es sieht so aus, als ob dieses Jahr bei den Oscars mal ein paar würdige Filme ins Rennen gehen. Drei Werbetafeln ausserhalb Ebbing, Missouri erinnert mich in seiner wuchtigen Kommentierung der menschlichen Natur an No Country For Old Men, auch wenn es vielleicht nicht ganz die erschütternde Wirkung meines Lieblingsfilms der Coens hat. Herausragend (9/10).
Nächste Woche: der härteste Konkurrent um die Oscars - Guillermo del Toros Shape of Water.
Samstag, 10. Februar 2018
Dunnerlittchen: Dunkirk (7/10)
Dunkirk versucht den Zuschauer an der Gurgel zu packen und für 100 Minuten nicht mehr loszulassen. Ob der sich auf diese Achterbahnfahrt einlässt, ist allerdings Gechmackssache. Christopher Nolan versucht mit großformatigen Bildern, der rastlosen Musikuntermalung von Hans Zimmer und stetem Wechsel der Handlungsebene eine atemlose Spannung zu erzeugen. Im umfangreichen Making Of (zwei Stunden, welche ich nur überflogen habe) zieht er selbst Vergleiche zu Alfred Hitchcock. Dessen genialen Instinkt zur unterhaltsamen Manipulation des Zuschauers vermag Nolan (der das Drehbuch diesmal allein verfasste) nur seinen kühnen/kühlen Intellekt entgegenzusetzen. Die drei Handlungsstränge werden zwar in sich chronologisch erzählt, aber dann in raffinierter, kontraintuitiver Weise miteinander verquickt. Die Woche am Strand wird mehrfach vom Tag der Überfahrt und der Stunde des Überflugs überholt, so dass potentiell emotionale Höhepunkte oft in der Schnittkonstruktion verpuffen. Und die Entscheidung, mit so wenig Computer-Effekten wie möglich auszukommen, bedeutet leider, dass man nie mehr als ein paar Hundert der beteiligten 400.000 Soldaten gleichzeitig zu sehen bekommt. Trotzdem ist es erstaunlich, was Kamerachef Hoyte Van Hoytema mit den klobigen IMAX- und 64mm-Kameras auf die Leinwand (und via brillanter UHD-Blu-ray auf den Bildschirm) bringen kann - mit erstaunlichen praktischen Effekten, oft an den Originalschauplätzen zu Wasser, Luft und Land.
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Aufgrund seines Status als Kultregisseur und des kommerziellen Erfolgs (allein seine Dark-Knight-Trilogie spielte fast 2,5 Milliarden Dollar ein) vergisst man schnell, dass Nolan aus London stammt. Inzwischen wohnt er natürlich in Los Angeles, mit seiner Frau Emma Thomas, mit der er seine patriotische Rückkehr in die Heimat auch produzierte. Das Wunder von Dünkirchen - 1940 wurde die dort eingekesselte britische Armee mittels einer Armada von überwiegend zivilen Booten evakuiert - ist schon oft verfilmt worden. Es diente als Auftakt von Joe Wrights Atonement (mit einem berühmten Tracking-Shot, der mich trotzdem nicht für das Melodram begeistern konnte) und wird auch in der aktuellen Churchill-Biographie Die dunkelste Stunde aus anderer Perspektive beleuchtet.
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Nolan kommt mit wenig Dialogen aus. Bei der Besetzung konnte er aus einem reichhaltigen britischen Fundus schöpfen, hat klugerweise aber auf Stars aus der ersten Reihe verzichtet, die möglicherweise das Konstrukt aus dem Gleichgewicht gebracht hätten. Einen willkommenen Wiedererkennungswert bieten in den drei Handlungsebenen aber Kenneth Branagh als befehlshabender General in Dünkirchen, Oscar-Preisträger Mark Rylance (Bridge of Spies) als Kapitän eines kleinen Fischerboots und Tom Hardy als tollkühner Flieger. Die jungen Soldaten dagegen wurden absichtlich mit historisch korrekt sehr jungen Darstellern besetzt, deren Gesichter ich dann in der Hektik der Ereignisse aber auch nicht so recht auseinanderhalten konnte. In kleineren Rollen erkennt man Cillian Murphy (als "zitternder Seemann"), James D'Arcy (Der Wolkenatlas) als Branaghs Adjutant und John Nolan (Person of Interest) als blinder Helfer im englischen Heimathafen.
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Christopher Nolan ist in diesem Jahr zum ersten Mal auch als Regisseur für einen Oscar nominiert - nach Drehbuchnominierungen für Memento und Inception und neben der Nominierung für den Besten Film. Das ist nicht so verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Dunkirk, sein zehntes Werk, seit 15 Jahren das erste ohne fantastisches Element ist. SF und Fantasy werden bei der Akademie halt immer noch nicht ernstgenommen (ich nehme es ihr immer noch übel, dass mit Wonder Woman der schönste und in den USA auch erfolreichste Film des Jahres nicht eine einzige Nominierung verdient hat). Zumindest für den BAFTA, den "David Lean Award for Best Direction", geht Nolan als Favorit ins Rennen. Leider hat Dunkirk aber weder Hitchcocks Humor noch Leans Bildgewalt noch Kubricks Doppelbödigkeit zu bieten. Gefallen hat's mir schon, aber die artifizielle Konstruktion hat bei mir doch für eine gewisse Distanz gesorgt. So reicht es wie so häufig bei Nolans Extravaganzen wieder nur für Respekt statt Begeisterung. Gut (7/10).
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Aufgrund seines Status als Kultregisseur und des kommerziellen Erfolgs (allein seine Dark-Knight-Trilogie spielte fast 2,5 Milliarden Dollar ein) vergisst man schnell, dass Nolan aus London stammt. Inzwischen wohnt er natürlich in Los Angeles, mit seiner Frau Emma Thomas, mit der er seine patriotische Rückkehr in die Heimat auch produzierte. Das Wunder von Dünkirchen - 1940 wurde die dort eingekesselte britische Armee mittels einer Armada von überwiegend zivilen Booten evakuiert - ist schon oft verfilmt worden. Es diente als Auftakt von Joe Wrights Atonement (mit einem berühmten Tracking-Shot, der mich trotzdem nicht für das Melodram begeistern konnte) und wird auch in der aktuellen Churchill-Biographie Die dunkelste Stunde aus anderer Perspektive beleuchtet.
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Nolan kommt mit wenig Dialogen aus. Bei der Besetzung konnte er aus einem reichhaltigen britischen Fundus schöpfen, hat klugerweise aber auf Stars aus der ersten Reihe verzichtet, die möglicherweise das Konstrukt aus dem Gleichgewicht gebracht hätten. Einen willkommenen Wiedererkennungswert bieten in den drei Handlungsebenen aber Kenneth Branagh als befehlshabender General in Dünkirchen, Oscar-Preisträger Mark Rylance (Bridge of Spies) als Kapitän eines kleinen Fischerboots und Tom Hardy als tollkühner Flieger. Die jungen Soldaten dagegen wurden absichtlich mit historisch korrekt sehr jungen Darstellern besetzt, deren Gesichter ich dann in der Hektik der Ereignisse aber auch nicht so recht auseinanderhalten konnte. In kleineren Rollen erkennt man Cillian Murphy (als "zitternder Seemann"), James D'Arcy (Der Wolkenatlas) als Branaghs Adjutant und John Nolan (Person of Interest) als blinder Helfer im englischen Heimathafen.
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Christopher Nolan ist in diesem Jahr zum ersten Mal auch als Regisseur für einen Oscar nominiert - nach Drehbuchnominierungen für Memento und Inception und neben der Nominierung für den Besten Film. Das ist nicht so verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Dunkirk, sein zehntes Werk, seit 15 Jahren das erste ohne fantastisches Element ist. SF und Fantasy werden bei der Akademie halt immer noch nicht ernstgenommen (ich nehme es ihr immer noch übel, dass mit Wonder Woman der schönste und in den USA auch erfolreichste Film des Jahres nicht eine einzige Nominierung verdient hat). Zumindest für den BAFTA, den "David Lean Award for Best Direction", geht Nolan als Favorit ins Rennen. Leider hat Dunkirk aber weder Hitchcocks Humor noch Leans Bildgewalt noch Kubricks Doppelbödigkeit zu bieten. Gefallen hat's mir schon, aber die artifizielle Konstruktion hat bei mir doch für eine gewisse Distanz gesorgt. So reicht es wie so häufig bei Nolans Extravaganzen wieder nur für Respekt statt Begeisterung. Gut (7/10).
Samstag, 27. Januar 2018
The Bizarre Brainchildren of Max Landis: "Bright" & "Dirk Gentlys holistische Detektei"
Vor 2.000 Jahren hat eine Allianz von Menschen, Elben und abtrünnigen Orcs den Dunklen Herrscher besiegt. Nun leben ihre Nachkommen in einem modernen Los Angeles. Allerdings sind die Rassengrenzen nicht überwunden: Elben sind die Reichen und Schönen, Orcs leben in von Gangsterbanden beherrschten Ghettos, und Menschen bilden eine Art Mittelschicht (von Zwergen und Hobbits ist bislang nichts bekannt). Daher ist Officer Daryl Ward (Will Smith) auch nicht begeistert, als ihm mit Nick Jacoby (Joel Edgerton) der erste Orc-Polizist von L.A. als Partner zugeteilt wird. Der macht sich gleich verdächtig, als er einen orcischen (ist das die politisch korrekte Bezeichnung?) Räuber nicht dingfest machen kann, der zuvor Ward eine Schrotladung in die kugelsichere Weste verpasst hatte. Selbst die interne Revision möchte den Fremdkörper loswerden, doch dann spitzen sich die Ereignisse zu...
Alles klar, oder? Ein x-ter neuer Aufguss der Buddy-Komödie, mit einem Twist, der 1991 als Spacecop L.A. 1991 ("Alien Nation") schon kläglich gescheitert war, trotz der sympathischen Stars James Caan und Mandy Patinkin (ich kann gar nicht genug betonen, wie grauenvoll dieses Machwerk nach einem Buch von Rockne S. O'Bannon war, welches trotzdem eine kurzlebige Fernsehserie auskotzte). Die Brachialgewalt, mit der Netflix seit einem Monat versuchte, mir dieses Prestigeobjekt Bright in den Schlund zu rammen, hatte meine Skepsis nur verstärkt (über Wochen startete der Film jedesmal durch, sobald ich auf meinem Samsung-Fernseher die Netflix-App aufrief).
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Soweit die Vorurteile. Aber dann habe ich erkannt, wer denn hinter dem 90-Millionen-Projekt steckt. Drehbuchautor Max Landis hat sich mal eben 3,5 Millionen vom Kuchen einverleibt - selbstredend nur ein Bruchteil der Gage für den Star Will Smith, aber ein dickes Tortenstück für einen Schreiberling. Und eines sind die Werke von Max Landis niemals: vorhersehbar. Klar spielt er mit gängigen Klischees, setzt diese aber mit ungeheurem Erfindungsgeist neu zusammen, nach dem bewährten Tarantino-Prinzip. Der Sohn von Kultregisseur John Landis (Blues Brothers) und seiner Kostümdesignerin Deborah Nadoolman (Oscar-nominiert für Der Prinz aus Zamunda) ist gerade 32 Jahre alt und für Autorenverhältnisse schon ein Veteran. American Ultra mit Jesse Eisenberg und Kristen Stewart sowie Mr. Right mit Sam Rockwell und Anna Kendrick waren zwar keine Publikumsrenner, aber ragen aus dem Studioeinerlei der letzten Jahre allemal heraus.
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Ein "Bright" ist ein magisches Wesen, meist eine Elbenfrau, dessen Kernfähigkeit erstmal darin besteht, nicht zu explodieren, wenn es einen Zauberstab berührt. Man müsste das mit "Lichtwesen" übersetzen, auch wenn die Brights, denen wir in Bright begegnen, eher der Dunkelheit zugetan sind (und den Dunklen Herrscher von den Toten auferwecken wollen). Hier findet sich endlich einmal wieder eine passende Rolle für Noomi Rapace, die eindrucksvolle Originalbesetzung der Lisbeth Salander in Verblendung, deren schwedische Merkwürdigkeit und Intensität zuletzt in Prometheus verschenkt waren. Hier leuchtet sie als Antagonistin Leilah mit mindestens 10.000 Lumen. Will Smith dagegen macht ein klein wenig auf Tommy Lee Jones, spielt aber doch nur eine mürrische Variante seiner patentierten Persona. Max Landis hat ihm aber tolle Dialoge auf den Leib geschrieben ("Wir sind nicht in einer Prophezeiung, sondern in einem Toyota Corolla"). Und die Chemie zwischen ihm und Joel Edgerton stimmt. Der verschwindet zwar fast hinter der Orc-Maske, was aber ein Vorteil ist, denn etwa als Ehemann der wunderbaren Ruth Negga im auch sonst sehr konventionellen Loving war er doch arg farblos. Den Tolkien-Analogien darf man übrigens nicht zu weit folgen, sonst landet man im Land der Copyright-Verletzungen. Also wohl doch keine Hobbits, auch nicht in der (bereits beauftragten) Fortsetzung...
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Bright ist sicher nicht perfekt. Ich hätte gern noch intensiver das allegorische Alternativ-L.A. ausgekostet, in das man übrigens fast ohne dröge Erklärungen hineinkatapultiert wird. Aber mehr noch hätte ich mir eine kompetentere Regie gewünscht (Landis selbst hat sich bislang erst an einem Langfilm versucht, der noch auf meiner Liste steht). Warum er ausgerechnet Suicide-Squad-Hack David Ayer favorisiert hat, entzieht sich meinem Verständnis - dessen schmutzige Erzählweise, die Denzel Washington in Training Day 2002 immerhin einen Oscar einbrachte, entspricht einfach nicht meinem Geschmack. In den Händen etwa von Edgar Wright hätte dies ein kleines Meisterwerk werden können. Wenn ein Autor solch komplexe Welten wie Max Landis erfindet, sollte ein Regisseur eher gegensteuern und den Zuschauer nicht durch unklare Schnitte noch weiter verwirren. So bin ich mir immer noch nicht sicher, wer wen wo umgebracht hat - aber das ist auch nicht die Hauptsache. Stattdessen gibt es massenhaft Spannung und Spaß, wenn man sich auf die aberwitzigen, übrigens ziemlich blutigen Geschehnisse einlässt. Sehr gut (8/10)!
Vielleicht ist das Fernsehen das bessere Medium für die Ausgeburten von Max Landis' verquerer Phantasie. Sie benötigen Raum, um sich auszubreiten, und Darsteller, die nicht davor zurückschrecken, mal über die Stränge zu schlagen. Daher bin ich auch besonders betrübt, dass BBC America seine Serie Dirk Gentlys holistische Detektei nun nach der zweiten Staffel einstellt (Netflix war nur Ko-Produzent und Zweitauswerter, wie inzwischen bei den meisten BBC-Produktionen). Nach der Freischaltung der letzten Staffel gehörte die Show zwar zu den meistnachgefragten in der IMDB, die Zahlen scheinen aber trotzdem nicht zu genügen. Wie alle Stoffe von Max Landis polarisiert auch diese Serie (Bright hat einen riesigen Zuschauerzuspruch, aber nur einen Kritikerscore von 29/100). Was die Douglas-Adams-Fans anbelangt, wäre man vielleicht besser beraten gewesen, sie nur als "inspiriert von Douglas Adams Romanen" statt "nach den Romanen von" zu bewerben.
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Man stelle sich vor, es hätte Dirk Gently nach seinen Abenteuern mit dem elektrischen Mönch und der langen Tee-Zeit der Seele nach Amerika verschlagen. Plausibel, dass er mit der feinen englischen Art überall aneckt und sich schließlich einen einheimischen Assistenten sucht. Mangels sozialer Fähigkeiten wählt er den holistischen Ansatz - er zerstört systematisch das Leben des Hotelpagen Todd, bis dieser mangels Alternativen und höchst unfreiwillig nachgibt. Es entwickelt sich eine höchst unkonventionelle Freundschaft, und nebenbei werden ein paar phantastische Fälle aufgeklärt. Nacherzählen kann man die allerdings nicht, und allein die Aufzählung der Figuren würde Seiten verschlingen. Da gibt es gewöhnliche Polizisten, Bundespolizisten, CIA-Agenten, Mitglieder einer geheimen Regierungsorganisation, Kriminelle, Privatdetektive, Psychovampire und unangenehme Nachbarn. Und damit sind wir noch nicht bei den wirklich merkwürdigen Personen. Es gibt mit Dirk nicht nur einen holistischen Detektiv, sondern in Bart auch eine holistische Attentäterin und (kleiner Spoiler für die zweite Staffel) eine holistische Schauspielerin 😏
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All das presst Landis in die 8+10 Episoden der zwei Staffeln - die erste kreist um eine Zeitmaschine und eine 15jährige Millionenerbin, deren Bewußtsein in einen Hund verpflanzt wird, die zweite um eine Taschenmärchendimension mit Schmunzelmond, einem bösen Magier (mit noch böserer Assistentin) und die ineinander verliebten Prinzen zweier verfeindeter Clans. Für soviel Skurrilität muss man schon aufnahmebereit sein. Erzählkonventionen gehen gleich den Bach runter, und es dauert mehrere Folgen, bevor man überhaupt grob versteht, worum es hier geht. Aber man wird reichlich belohnt, mit liebenswerten Figuren, schönen Dialogen und herrlichen Situationen. In der ersten Staffel sorgt Bart für einige der schönsten. Es ist beispielsweise nicht empfehlenswert, eine holistische Attentäterin an einen Baum zu fesseln und mit einer Pistole auf sie zu zielen - im Gegenteil, in der Welt von Max Landis ist das eine sichere Selbstmordmethode.
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Im Zentrum der Geschichte steht nicht, wie man erwarten würde, die Titelfigur, sondern als naheliegendere Bezugsperson für den Zuschauer eher Assistent Todd, perfekt besetzt mit "Frodo" Elijah Wood. Er hat mit Mitte 30 immer noch diese anbetungswürdigen Telleraugen, vermag aber auch die Frustration und die Verwirrtheit des verhinderten Rockstars zu vermitteln, der plötzlich in Dirks verrückte Welt versetzt wird. Dirk selbst (Samuel Barnett - ihn kannte ich bislang nicht) nervt gelegentlich den Zuschauer noch mehr als Todd, gewinnt in der zweiten Staffel aber an Profil, natürlich durch eine Sinnkrise (er kommt auf die aberwitzige und fast fatale Idee, den Fall doch mal konventionell durch Kombinieren zu lösen). Dritte im Bunde und zuständig für phyische Konfrontationen (denen Dirk und Todd nicht so recht gewachsen sind) wird Farah, ursprünglich Bodyguard der erwähnten Millionenerbin, verschmitzt taff gespielt von der jungen Jade Eshete mit mörderischer Afrofrisur.
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Im Orbit des Trios befinden sich auch Hannah Marks als Todds Schwester Amanda (die aber schnell mit den Psychovampiren durchbrennt) und Mpho Koaho (Falling Skies) als lakonischer IT-Experte Ken, der versehentlich von Bart nicht umgebracht wird (Als sie in der 2. Staffel nach ihm sucht, muss sie entgeistert feststellen: "Es gibt mehr als einen Ken?") Überhaupt Bart: Wenn man auf ein Klischee ein weiteres packt, neutralisieren sich die beiden dann? Offenbar schon, denn Brad Dourifs Tochter Fiona kann ihre Gene nicht verleugnen, ist aber einfach herrlich als Bart mit ihren ewig-blutverschmierten wirren Haaren, ihrer Alles-Egal-Einstellung und der schmutzigen Schnauze. Auch hier muss ich wieder die Dialoge von Max Landis erwähnen, die jeder Figur passgenau auf den Mund geschrieben sind. So hat auch jeder Nebendarsteller mal Gelegenheit zu glänzen, und die meisten nehmen die Chance bravourös wahr.
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Es gehört sicher eine gehörige Portion Mut dazu, einen Hund in Menschengestalt, einen Ritter mit pinken Haaren oder eine Hexe mit Chitinpanzer zu spielen. Die Effekte und Kostüme sind ja gewollt grellbunt, für eine Fernsehproduktion konnte man sich zumindest aus einer prallgefüllten Phantasietüte bedienen. Hervorheben möchte ich noch Michael Eklund als charismatischen Anführer der Psychovampire, der schon in Wynonna Earp als Bobo Del Rey beeindruckte und in Mr. Right als Gangster auftaucht. Dazu kommen in Staffel 2 einige Schwergewichte als wichtige Gäste: John Hannah (Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Agents of SHIELD) als verrückter Magier, Amanda Walsh als seine durchgeknallte Assistentin Suzie und "Wash" Alan Tudyk als Blackwing-Kommando "Priest" (ist das ein Nod zur geistesverwandten Amazon-Serie Preacher? Die hat man übrigens noch nicht abgesetzt.) Mit Sicherheit keine Einheitskost, allerdings auch recht blutig (aber brutal nur in überzeichneter Weise), kann ich Dirk Gently's Holistic Detective Agency trotz der Absetzung uneingeschränkt empfehlen (es gibt nur kleine unaufgelöste Cliffhanger).
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Alles klar, oder? Ein x-ter neuer Aufguss der Buddy-Komödie, mit einem Twist, der 1991 als Spacecop L.A. 1991 ("Alien Nation") schon kläglich gescheitert war, trotz der sympathischen Stars James Caan und Mandy Patinkin (ich kann gar nicht genug betonen, wie grauenvoll dieses Machwerk nach einem Buch von Rockne S. O'Bannon war, welches trotzdem eine kurzlebige Fernsehserie auskotzte). Die Brachialgewalt, mit der Netflix seit einem Monat versuchte, mir dieses Prestigeobjekt Bright in den Schlund zu rammen, hatte meine Skepsis nur verstärkt (über Wochen startete der Film jedesmal durch, sobald ich auf meinem Samsung-Fernseher die Netflix-App aufrief).
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Soweit die Vorurteile. Aber dann habe ich erkannt, wer denn hinter dem 90-Millionen-Projekt steckt. Drehbuchautor Max Landis hat sich mal eben 3,5 Millionen vom Kuchen einverleibt - selbstredend nur ein Bruchteil der Gage für den Star Will Smith, aber ein dickes Tortenstück für einen Schreiberling. Und eines sind die Werke von Max Landis niemals: vorhersehbar. Klar spielt er mit gängigen Klischees, setzt diese aber mit ungeheurem Erfindungsgeist neu zusammen, nach dem bewährten Tarantino-Prinzip. Der Sohn von Kultregisseur John Landis (Blues Brothers) und seiner Kostümdesignerin Deborah Nadoolman (Oscar-nominiert für Der Prinz aus Zamunda) ist gerade 32 Jahre alt und für Autorenverhältnisse schon ein Veteran. American Ultra mit Jesse Eisenberg und Kristen Stewart sowie Mr. Right mit Sam Rockwell und Anna Kendrick waren zwar keine Publikumsrenner, aber ragen aus dem Studioeinerlei der letzten Jahre allemal heraus.
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Ein "Bright" ist ein magisches Wesen, meist eine Elbenfrau, dessen Kernfähigkeit erstmal darin besteht, nicht zu explodieren, wenn es einen Zauberstab berührt. Man müsste das mit "Lichtwesen" übersetzen, auch wenn die Brights, denen wir in Bright begegnen, eher der Dunkelheit zugetan sind (und den Dunklen Herrscher von den Toten auferwecken wollen). Hier findet sich endlich einmal wieder eine passende Rolle für Noomi Rapace, die eindrucksvolle Originalbesetzung der Lisbeth Salander in Verblendung, deren schwedische Merkwürdigkeit und Intensität zuletzt in Prometheus verschenkt waren. Hier leuchtet sie als Antagonistin Leilah mit mindestens 10.000 Lumen. Will Smith dagegen macht ein klein wenig auf Tommy Lee Jones, spielt aber doch nur eine mürrische Variante seiner patentierten Persona. Max Landis hat ihm aber tolle Dialoge auf den Leib geschrieben ("Wir sind nicht in einer Prophezeiung, sondern in einem Toyota Corolla"). Und die Chemie zwischen ihm und Joel Edgerton stimmt. Der verschwindet zwar fast hinter der Orc-Maske, was aber ein Vorteil ist, denn etwa als Ehemann der wunderbaren Ruth Negga im auch sonst sehr konventionellen Loving war er doch arg farblos. Den Tolkien-Analogien darf man übrigens nicht zu weit folgen, sonst landet man im Land der Copyright-Verletzungen. Also wohl doch keine Hobbits, auch nicht in der (bereits beauftragten) Fortsetzung...
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Bright ist sicher nicht perfekt. Ich hätte gern noch intensiver das allegorische Alternativ-L.A. ausgekostet, in das man übrigens fast ohne dröge Erklärungen hineinkatapultiert wird. Aber mehr noch hätte ich mir eine kompetentere Regie gewünscht (Landis selbst hat sich bislang erst an einem Langfilm versucht, der noch auf meiner Liste steht). Warum er ausgerechnet Suicide-Squad-Hack David Ayer favorisiert hat, entzieht sich meinem Verständnis - dessen schmutzige Erzählweise, die Denzel Washington in Training Day 2002 immerhin einen Oscar einbrachte, entspricht einfach nicht meinem Geschmack. In den Händen etwa von Edgar Wright hätte dies ein kleines Meisterwerk werden können. Wenn ein Autor solch komplexe Welten wie Max Landis erfindet, sollte ein Regisseur eher gegensteuern und den Zuschauer nicht durch unklare Schnitte noch weiter verwirren. So bin ich mir immer noch nicht sicher, wer wen wo umgebracht hat - aber das ist auch nicht die Hauptsache. Stattdessen gibt es massenhaft Spannung und Spaß, wenn man sich auf die aberwitzigen, übrigens ziemlich blutigen Geschehnisse einlässt. Sehr gut (8/10)!
Vielleicht ist das Fernsehen das bessere Medium für die Ausgeburten von Max Landis' verquerer Phantasie. Sie benötigen Raum, um sich auszubreiten, und Darsteller, die nicht davor zurückschrecken, mal über die Stränge zu schlagen. Daher bin ich auch besonders betrübt, dass BBC America seine Serie Dirk Gentlys holistische Detektei nun nach der zweiten Staffel einstellt (Netflix war nur Ko-Produzent und Zweitauswerter, wie inzwischen bei den meisten BBC-Produktionen). Nach der Freischaltung der letzten Staffel gehörte die Show zwar zu den meistnachgefragten in der IMDB, die Zahlen scheinen aber trotzdem nicht zu genügen. Wie alle Stoffe von Max Landis polarisiert auch diese Serie (Bright hat einen riesigen Zuschauerzuspruch, aber nur einen Kritikerscore von 29/100). Was die Douglas-Adams-Fans anbelangt, wäre man vielleicht besser beraten gewesen, sie nur als "inspiriert von Douglas Adams Romanen" statt "nach den Romanen von" zu bewerben.
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Man stelle sich vor, es hätte Dirk Gently nach seinen Abenteuern mit dem elektrischen Mönch und der langen Tee-Zeit der Seele nach Amerika verschlagen. Plausibel, dass er mit der feinen englischen Art überall aneckt und sich schließlich einen einheimischen Assistenten sucht. Mangels sozialer Fähigkeiten wählt er den holistischen Ansatz - er zerstört systematisch das Leben des Hotelpagen Todd, bis dieser mangels Alternativen und höchst unfreiwillig nachgibt. Es entwickelt sich eine höchst unkonventionelle Freundschaft, und nebenbei werden ein paar phantastische Fälle aufgeklärt. Nacherzählen kann man die allerdings nicht, und allein die Aufzählung der Figuren würde Seiten verschlingen. Da gibt es gewöhnliche Polizisten, Bundespolizisten, CIA-Agenten, Mitglieder einer geheimen Regierungsorganisation, Kriminelle, Privatdetektive, Psychovampire und unangenehme Nachbarn. Und damit sind wir noch nicht bei den wirklich merkwürdigen Personen. Es gibt mit Dirk nicht nur einen holistischen Detektiv, sondern in Bart auch eine holistische Attentäterin und (kleiner Spoiler für die zweite Staffel) eine holistische Schauspielerin 😏
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All das presst Landis in die 8+10 Episoden der zwei Staffeln - die erste kreist um eine Zeitmaschine und eine 15jährige Millionenerbin, deren Bewußtsein in einen Hund verpflanzt wird, die zweite um eine Taschenmärchendimension mit Schmunzelmond, einem bösen Magier (mit noch böserer Assistentin) und die ineinander verliebten Prinzen zweier verfeindeter Clans. Für soviel Skurrilität muss man schon aufnahmebereit sein. Erzählkonventionen gehen gleich den Bach runter, und es dauert mehrere Folgen, bevor man überhaupt grob versteht, worum es hier geht. Aber man wird reichlich belohnt, mit liebenswerten Figuren, schönen Dialogen und herrlichen Situationen. In der ersten Staffel sorgt Bart für einige der schönsten. Es ist beispielsweise nicht empfehlenswert, eine holistische Attentäterin an einen Baum zu fesseln und mit einer Pistole auf sie zu zielen - im Gegenteil, in der Welt von Max Landis ist das eine sichere Selbstmordmethode.
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Im Zentrum der Geschichte steht nicht, wie man erwarten würde, die Titelfigur, sondern als naheliegendere Bezugsperson für den Zuschauer eher Assistent Todd, perfekt besetzt mit "Frodo" Elijah Wood. Er hat mit Mitte 30 immer noch diese anbetungswürdigen Telleraugen, vermag aber auch die Frustration und die Verwirrtheit des verhinderten Rockstars zu vermitteln, der plötzlich in Dirks verrückte Welt versetzt wird. Dirk selbst (Samuel Barnett - ihn kannte ich bislang nicht) nervt gelegentlich den Zuschauer noch mehr als Todd, gewinnt in der zweiten Staffel aber an Profil, natürlich durch eine Sinnkrise (er kommt auf die aberwitzige und fast fatale Idee, den Fall doch mal konventionell durch Kombinieren zu lösen). Dritte im Bunde und zuständig für phyische Konfrontationen (denen Dirk und Todd nicht so recht gewachsen sind) wird Farah, ursprünglich Bodyguard der erwähnten Millionenerbin, verschmitzt taff gespielt von der jungen Jade Eshete mit mörderischer Afrofrisur.
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Im Orbit des Trios befinden sich auch Hannah Marks als Todds Schwester Amanda (die aber schnell mit den Psychovampiren durchbrennt) und Mpho Koaho (Falling Skies) als lakonischer IT-Experte Ken, der versehentlich von Bart nicht umgebracht wird (Als sie in der 2. Staffel nach ihm sucht, muss sie entgeistert feststellen: "Es gibt mehr als einen Ken?") Überhaupt Bart: Wenn man auf ein Klischee ein weiteres packt, neutralisieren sich die beiden dann? Offenbar schon, denn Brad Dourifs Tochter Fiona kann ihre Gene nicht verleugnen, ist aber einfach herrlich als Bart mit ihren ewig-blutverschmierten wirren Haaren, ihrer Alles-Egal-Einstellung und der schmutzigen Schnauze. Auch hier muss ich wieder die Dialoge von Max Landis erwähnen, die jeder Figur passgenau auf den Mund geschrieben sind. So hat auch jeder Nebendarsteller mal Gelegenheit zu glänzen, und die meisten nehmen die Chance bravourös wahr.
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Es gehört sicher eine gehörige Portion Mut dazu, einen Hund in Menschengestalt, einen Ritter mit pinken Haaren oder eine Hexe mit Chitinpanzer zu spielen. Die Effekte und Kostüme sind ja gewollt grellbunt, für eine Fernsehproduktion konnte man sich zumindest aus einer prallgefüllten Phantasietüte bedienen. Hervorheben möchte ich noch Michael Eklund als charismatischen Anführer der Psychovampire, der schon in Wynonna Earp als Bobo Del Rey beeindruckte und in Mr. Right als Gangster auftaucht. Dazu kommen in Staffel 2 einige Schwergewichte als wichtige Gäste: John Hannah (Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Agents of SHIELD) als verrückter Magier, Amanda Walsh als seine durchgeknallte Assistentin Suzie und "Wash" Alan Tudyk als Blackwing-Kommando "Priest" (ist das ein Nod zur geistesverwandten Amazon-Serie Preacher? Die hat man übrigens noch nicht abgesetzt.) Mit Sicherheit keine Einheitskost, allerdings auch recht blutig (aber brutal nur in überzeichneter Weise), kann ich Dirk Gently's Holistic Detective Agency trotz der Absetzung uneingeschränkt empfehlen (es gibt nur kleine unaufgelöste Cliffhanger).
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Samstag, 20. Januar 2018
Klassiker auf Blu-ray #21: Kleine Haie (Sönke Wortmann, 1992)
Lang, lang ist's her, dass ich regelmäßig freiwillig für deutsche Komödien ins Kino gegangen bin. Aber so um 1990 herum gab es plötzlich neben der etablierten Kost (Otto, Loriot) freche Filme von jungen Regisseuren mit Typen, mit denen man sich identifizieren konnte. Das gab es vorher nur punktuell, etwa 1980 (und für mich zu früh) mit Marius Müller-Westernhagen in Theo gegen den Rest der Welt. Dann kam 1985 Doris Dörrie (*1955) mit ihrem Megahit Männer (über 5 Millionen Zuschauer). Aber mich persönlich haben vor allem die frühen Filme von Detlev Buck (*1962) und Sönke Wortmann (*1959) begeistert, die ich teilweise wohl erst als Wiederaufführung in den Programmkinos erlebt habe (ich habe aus dieser Zeit keine Aufzeichnungen über meine Kinobesuche). Ein früher Höhepunkt ist nun zum 25jährigen Jubiläum als schöne Blu-ray-Edition wiederveröffentlicht worden: Kleine Haie.
Ingo, Johannes und Ali sind tatsächlich nur sehr kleine Fische im Aquarium Deutschland. Ingo, Tellerwäscher aus Gelsenkirchen, will eigentlich Schriftsteller werden, Johannes und Ali Schauspieler. Der Filmtitel ist denn auch ein Wortspiel auf den "Kleinen Hey", ein Standardwerk zum Sprachtraining ("Es grünt so grün" - nein, falscher Film). Die Jungs sind Anfang 20 und treffen sich bei der Aufnahmeprüfung an der Folkwang-Schule in Essen bzw. per Anhalter auf dem Weg nach München, wo die nächste Prüfung stattfindet. Für ein Roadmovie sind die Jungs eigentlich zu wenig unterwegs, die Entdeckungsreise bezieht sich eher aufs Innenleben der drei so unterschiedlichen Kumpel (zu denen sich in München dann noch die Straßenmusikerin Herta zugesellt). Das ist aber überhaupt nicht abgehoben - Ingo erfindet lausiges SF-Garn, Johannes deklamiert hinreißend unnuanciert Schiller, und Schönling Ali ist eigentlich mehr am Aufreißen von Frauen (am besten mit Übernachtungsmöglichkeit) interessiert. Je weniger man ansonsten von der Geschichte weiß, umso spaßiger ist das ganze. Sei noch erwähnt, dass in einem Anflug von magischem Realismus gelegentlich ein Rettungsengel in Gestalt von Ford-Mustang-Fahrer Ulf vorfährt - Kampfname "Bierchen": "Fahrbier ist ok!" Diese Paraderolle durfte Armin Rohde in Wortmanns nur teilweise geglückten Folgefilm Mr. Bluesman noch einmal aufgreifen. Die Figur wurde übrigens von Wortmanns Co-Autor Jürgen Egger (1959-2009) erfunden.
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Selbst wer von den Kleinen Haien noch nie etwas gehört hat, kennt doch die Darsteller: Für Jürgen Vogel (*1968) als Ingo, schon damals mit Vorzeigegebiss, war es der Durchbruch, ebenso für Kai Wiesinger (*1966) als Johannes, hier tatsächlich noch mit Babyspeck. Gedeon Burkhard (*1969) als smarter Ali konnte schon auf eine kleine Fernsehkarriere zurückblicken. Meret Becker (*1969) als Herta, inzwischen natürlich deutscher Schauspiel-Adel, war zuvor schon in Werner - Beinhart und Wortmanns Erstling Allein unter Frauen zu sehen. Diese ursprünglich fürs Fernsehen auf 16mm gedrehte Klamotte traf wohl einen Nerv und zog über eine Million Zuschauer ins Kino. Das konnte Kleine Haie nicht wiederholen, die ca. 500.000 Tickets waren gemessen am immer noch bescheidenen Budget aber trotzdem ein Erfolg. Wortmanns übernächster Film schoss 1994 dann allerdings den Vogel ab. Der bewegte Mann wurde mit 6,6 Millionen Zuschauern der erfolgreichste deutsche Film der 90er und machte weitere Jungdarsteller berühmt, so Katja Riemann, Joachim Król und leider auch Til Schweiger 😓
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Leider versiegte dann irgendwann der Quell autobiographischer Geschichten, bei Wortmann wie auch bei Buck. Der deutsche Film leidet einfach unter einem Mangel an guten Büchern. Buck war nach seinen in der norddeutschen Tiefebene verwurzelten Beiträgen Karniggels und Wir können auch anders und seinem nachträglich verbreiteten Abschlussfilm Erst die Arbeit und dann?, der die Stallarbeit auf dem elterlichen Hof auf einmalige Weise mit der Hamburger Schickimickiszene kontrastrierte, nie wieder so authentisch (und macht inzwischen vor allem Kinderfilme). Wortmann aus dem Ruhrpott hatte ein wenig mehr Glück, ihm gelang u.a. 2003 mit Das Wunder von Bern noch ein schöner Publikumserfolg. Aber die neue deutsche Komödie war schnell wieder Geschichte. Heute dominieren die aus Klischees zusammengeschusterten Komödien von Til Schweiger (der in dieser Hinsicht so etwas wie der deutsche Stallone ist) und Starvehikel etwa für Matthias Schweighöfer (dem auch der Absturz als Roter Baron nichts geschadet hat). Aber vielleicht schreibt ja in 20 Jahren jemand ähnlich nostalgisch über Fack Ju Göhte...
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Wie auch immer, schön, dass Kleine Haie jetzt hervorragend aufgefrischt auf Blu-ray veröffentlicht wurde, mit einer Einleitung, einem halbstündigen Interview und einem Audiokommentar vom Regisseur und einem kurzen, knackigen Videogruß von Jürgen Vogel. Da verzeihe ich auch gern, dass im informativen, umfangreichen Booklet Jörg Schallenberg den von Heinrich Schafmeister (Comedian Harmonists) gespielten "Mercedes-Fahrer" in leider noch immer typisch schwammiger Wortwahl als "Pädophilen" bezeichnet, obwohl dieser nur ein (allerdings ekliger) schwuler Geschäftsmann ist, der versucht, junge Anhalter aufzureissen ("Schau mal ins Handschuhfach!").
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Bleibt zu hoffen, dass auch weitere Höhepunkte dieser Ära ausgegraben werden. Auf meiner Wunschliste ständen die genannten Filme von Buck und Wortmann (Der bewegte Mann!) und, einer meiner Favoriten, Keiner liebt mich von 1994, wo die Sache mal aus weiblicher Sicht geglückt ist, mit Maria Schrader in der Hauptrolle und Doris Dörrie auf dem Regiestuhl (es gab damals auch noch Katja von Garnier, Rainer Kaufmann und andere). Kleine Haie jedenfalls wirkt nicht nur von der Bild- und Tonqualität immer noch frisch, auch wenn natürlich die Autos wie Oldtimer und die Kommunikationstechnik vorsintflutlich erscheinen mögen. Filmwertung: Sehr gut (8/10).
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Bemerkung: Bei den Fotos muss man jeweils gedanklich 25 Jahre abziehen - GettyImages kennt deutsche Schauspieler noch nicht so lang...
Ingo, Johannes und Ali sind tatsächlich nur sehr kleine Fische im Aquarium Deutschland. Ingo, Tellerwäscher aus Gelsenkirchen, will eigentlich Schriftsteller werden, Johannes und Ali Schauspieler. Der Filmtitel ist denn auch ein Wortspiel auf den "Kleinen Hey", ein Standardwerk zum Sprachtraining ("Es grünt so grün" - nein, falscher Film). Die Jungs sind Anfang 20 und treffen sich bei der Aufnahmeprüfung an der Folkwang-Schule in Essen bzw. per Anhalter auf dem Weg nach München, wo die nächste Prüfung stattfindet. Für ein Roadmovie sind die Jungs eigentlich zu wenig unterwegs, die Entdeckungsreise bezieht sich eher aufs Innenleben der drei so unterschiedlichen Kumpel (zu denen sich in München dann noch die Straßenmusikerin Herta zugesellt). Das ist aber überhaupt nicht abgehoben - Ingo erfindet lausiges SF-Garn, Johannes deklamiert hinreißend unnuanciert Schiller, und Schönling Ali ist eigentlich mehr am Aufreißen von Frauen (am besten mit Übernachtungsmöglichkeit) interessiert. Je weniger man ansonsten von der Geschichte weiß, umso spaßiger ist das ganze. Sei noch erwähnt, dass in einem Anflug von magischem Realismus gelegentlich ein Rettungsengel in Gestalt von Ford-Mustang-Fahrer Ulf vorfährt - Kampfname "Bierchen": "Fahrbier ist ok!" Diese Paraderolle durfte Armin Rohde in Wortmanns nur teilweise geglückten Folgefilm Mr. Bluesman noch einmal aufgreifen. Die Figur wurde übrigens von Wortmanns Co-Autor Jürgen Egger (1959-2009) erfunden.
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Selbst wer von den Kleinen Haien noch nie etwas gehört hat, kennt doch die Darsteller: Für Jürgen Vogel (*1968) als Ingo, schon damals mit Vorzeigegebiss, war es der Durchbruch, ebenso für Kai Wiesinger (*1966) als Johannes, hier tatsächlich noch mit Babyspeck. Gedeon Burkhard (*1969) als smarter Ali konnte schon auf eine kleine Fernsehkarriere zurückblicken. Meret Becker (*1969) als Herta, inzwischen natürlich deutscher Schauspiel-Adel, war zuvor schon in Werner - Beinhart und Wortmanns Erstling Allein unter Frauen zu sehen. Diese ursprünglich fürs Fernsehen auf 16mm gedrehte Klamotte traf wohl einen Nerv und zog über eine Million Zuschauer ins Kino. Das konnte Kleine Haie nicht wiederholen, die ca. 500.000 Tickets waren gemessen am immer noch bescheidenen Budget aber trotzdem ein Erfolg. Wortmanns übernächster Film schoss 1994 dann allerdings den Vogel ab. Der bewegte Mann wurde mit 6,6 Millionen Zuschauern der erfolgreichste deutsche Film der 90er und machte weitere Jungdarsteller berühmt, so Katja Riemann, Joachim Król und leider auch Til Schweiger 😓
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Leider versiegte dann irgendwann der Quell autobiographischer Geschichten, bei Wortmann wie auch bei Buck. Der deutsche Film leidet einfach unter einem Mangel an guten Büchern. Buck war nach seinen in der norddeutschen Tiefebene verwurzelten Beiträgen Karniggels und Wir können auch anders und seinem nachträglich verbreiteten Abschlussfilm Erst die Arbeit und dann?, der die Stallarbeit auf dem elterlichen Hof auf einmalige Weise mit der Hamburger Schickimickiszene kontrastrierte, nie wieder so authentisch (und macht inzwischen vor allem Kinderfilme). Wortmann aus dem Ruhrpott hatte ein wenig mehr Glück, ihm gelang u.a. 2003 mit Das Wunder von Bern noch ein schöner Publikumserfolg. Aber die neue deutsche Komödie war schnell wieder Geschichte. Heute dominieren die aus Klischees zusammengeschusterten Komödien von Til Schweiger (der in dieser Hinsicht so etwas wie der deutsche Stallone ist) und Starvehikel etwa für Matthias Schweighöfer (dem auch der Absturz als Roter Baron nichts geschadet hat). Aber vielleicht schreibt ja in 20 Jahren jemand ähnlich nostalgisch über Fack Ju Göhte...
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Wie auch immer, schön, dass Kleine Haie jetzt hervorragend aufgefrischt auf Blu-ray veröffentlicht wurde, mit einer Einleitung, einem halbstündigen Interview und einem Audiokommentar vom Regisseur und einem kurzen, knackigen Videogruß von Jürgen Vogel. Da verzeihe ich auch gern, dass im informativen, umfangreichen Booklet Jörg Schallenberg den von Heinrich Schafmeister (Comedian Harmonists) gespielten "Mercedes-Fahrer" in leider noch immer typisch schwammiger Wortwahl als "Pädophilen" bezeichnet, obwohl dieser nur ein (allerdings ekliger) schwuler Geschäftsmann ist, der versucht, junge Anhalter aufzureissen ("Schau mal ins Handschuhfach!").
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Bleibt zu hoffen, dass auch weitere Höhepunkte dieser Ära ausgegraben werden. Auf meiner Wunschliste ständen die genannten Filme von Buck und Wortmann (Der bewegte Mann!) und, einer meiner Favoriten, Keiner liebt mich von 1994, wo die Sache mal aus weiblicher Sicht geglückt ist, mit Maria Schrader in der Hauptrolle und Doris Dörrie auf dem Regiestuhl (es gab damals auch noch Katja von Garnier, Rainer Kaufmann und andere). Kleine Haie jedenfalls wirkt nicht nur von der Bild- und Tonqualität immer noch frisch, auch wenn natürlich die Autos wie Oldtimer und die Kommunikationstechnik vorsintflutlich erscheinen mögen. Filmwertung: Sehr gut (8/10).
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Bemerkung: Bei den Fotos muss man jeweils gedanklich 25 Jahre abziehen - GettyImages kennt deutsche Schauspieler noch nicht so lang...
Montag, 1. Januar 2018
Jahresrückblick 2017
2017 war das Jahr der verlorenen Illusionen. Den Jubel über die #MeToo-Debatte halte ich allerdings für übertrieben. An den Machtverhältnissen ändert sich so schnell nichts - es gab nur ein paar Kratzer im Lack. Die Besetzungscouch ist nicht abgeschafft, sie wird nur ins Hinterzimmer gerückt. Wurden wirklich die schlimmsten Übeltäter gebrandmarkt oder nur die tolldreisten, jene mit der schlimmsten Publicity-Wirkung? Besonders schade, dass mit Jeffrey Tambor (Transparent) ausgerechnet ein Vorreiter für Toleranz als Heuchler entlarvt wurde. Noch mehr hat mich persönlich getroffen, dass beim Vorzeige-Studio Pixar, mit seinem fleissig beschworenen alternativen Arbeitsethos, der Chef John Lasseter offenbar jahrelang willkürlich Kolleginnen begrapscht und abgeknutscht hat. Inmitten dieser Debatte fast untergegangen ist die Meldung, dass sich Kai Whedon von ihrem Mann getrennt hat - der Feminismusvorreiter Joss hatte wohl ein paar Affären zu viel. Da ist ihm der Erfolg ins falsche Körperteil gestiegen, offenbar schon seit den Zeiten von Buffy. Hoffentlich ist das nicht die Erklärung, warum er so lange an Charisma Carpenter festgehalten hat - meine Vermutung wäre eine Liaison mit Eliza Dushku, aber das geht mich nun wirklich nichts an 😎
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Auch wenn ich mir einige wichtige Filme gespart habe - Baywatch, Fack ju Göhte 3, Fifty Shades Darker, Transformers Teil 5 - kann ich erneut nachdrücklich ein lausigen Kinojahr bezeugen. In die Säle bemüht habe ich mich ohnehin nur noch 29mal, ein Negativrekord, den ich 2018 noch unterbieten werde (ich werde mich auf die Comic-, Fantasy- und SF-Titel konzentrieren und den Rest ins Heimkino verlagern). Tatsächlich habe ich 2017 nur acht der 20 erfolgreichsten Filme in Deutschland gesehen. Gerettet haben mich einige solide Marvel-Beiträge und zwei wundervolle Frauen: Patty Jenkins und Gal Gadot. Hier meine TOP-Filme des Jahres:
Unter den prominenten Flops des Jahres finden sich neben den üblichen Verdächtigen - Alien: Covenant, Die Mumie, Ghost in the Shell (5/10) - auch die US-chinesische Koproduktion The Great Wall und die europäische Extravaganz Valerian. Besonders Erwähnungen:
Persönliche Enttäuschungen waren für mich Edgar Wrights Baby Driver, Matthew Vaughns Kingsman: The Golden Circle und James Mangolds Logan. Grauenvoll war der mit 1,26 Milliarden Dollar Umsatz erfolgreichste Film des Jahres, Die Schöne und das Biest, mit einer schrecklich fehlbesetzten Emma Watson in der Titelrolle (nein, leider nicht als Biest).
Geärgert habe ich mich auch sonst reichlich, besonders über:
Wer hätte nach dem müden Einstieg gedacht, dass Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. sich sechs Jahre halten würde? Die Agenten um Phil Coulson sind zwar nie so richtig durchgestartet, aber ihre Abenteuer können mich immerhin noch gelegentlich fesseln, und ich mag die meisten Hauptfiguren. Gleiches kann man von den neuesten Starts nicht gerade sagen. Marvel ist mit den Inhumans nun nicht nur der Tiefpunkt des Jahres geglückt, sondern die vielleicht schlechteste Comic-Verfilmung aller Zeiten. Etwas besser scheint The Gifted zu sein, davon habe ich bisher aber nur den Piloten gesehen. Die schwerfälligen, trübsinnigen Netflix-Reihen (Daredevil, Jessica Jones etc.) lasse ich längst links liegen, genauso wie die schematischen DC-Teenager-Vergnügungen (Arrow, The Flash etc.)
Die traurigste Vorstellung gab es allerdings im SF-Bereich. Star Trek: Discovery ist ein heilloses Durcheinander, welches exakt die Produktionsgeschichte widerspiegelt. Geblieben ist eine funkelnde Oberfläche mit viel Leerraum dahinter. Besonders peinlich die Klingonen, die dank aufwändiger Zahnprothesen so undeutlich artikulieren, dass selbst ein Professor für Klingonisch Untertitel benötigt. Die Offiziere der Sternenflotte dagegen haben ein akutes Akneproblem, welches ihnen in UHD besonders schlecht zu Gesicht steht. Ich rechne übrigens fest damit, dass die Crew der Discovery nach der Winterpause entdeckt, dass sie einem Spiegeluniversum entstammt (Mirror, Mirror!) Das entschuldigt aber nicht die dämlichen Geschichten, hanebüchen ausgeführte Sternenflottentechnik und unsympathischen Figuren.
Fast zeitgleich angelaufen ist ein Star-Trek-Clone, den viele, ich allerdings nicht, als die bessere Serie betrachten. Seth McFarlanes The Orville ist Star Drek mit gut geputzten Raumschiffen und Fäkalienhumor. Ein Novum, dass der Captain überhaupt nicht schauspielern kann. Und Adrienne Palicki als seine Ex und Erste Offizierin mag ich ohnehin nicht. Nach diesen neuen SF-Versuchen bekomme ich das Gefühl, das Universum sei so flach wie meine Mattscheibe. Plötzlich entwickle ich richtig Lust auf die zweite Expanse-Staffel...
Martin Landau kannte ich nicht aus seinem Riesenerfolg Kobra, übernehmen Sie ("Mission: Impossible", 1966-1973), sondern als Kommandant John Koenig der Mondbasis Alpha 1 ("Space: 1999", 1975-1977), die ich als Jugendlicher mangels SF-Alternativen geliebt habe. Als Erwachsener schaut man sich das aber besser nicht an. Die Geschichten sind nicht besser als das dämliche Grundkonzept (der Mond reist jede Woche durch ein neues Sonnensystem). In den 80ern etablierte sich Landau dann als gefragter Charakterdarsteller und war u.a. für Woody Allens Verbrechen und andere Kleinigkeiten für einen Oscar nominiert. Den gewann er schließlich 1995 verdient für seine berührende Darstellung des alternden Bela Legusi in Tim Burtons liebevoller Biographie des "schlechtesten Regisseurs aller Zeiten", Ed Wood. Martin Landau starb im Juli mit 89 Jahren.
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Einen deutlich stärkeren Eindruck als Mondbasis Alpha 1 hinterließ bei mir die Originalserie Kampfstern Galactica, vor allem die beiden extrahierten Kinofilme. In meiner Erinnerung steht die epische Odyssee der zwölf Stämme unter Führung von "Moses" Commander Adama (Lorne Greene) gleichwertig neben dem Krieg der Sterne, und Adamas Sohn Apollo war einer der Helden meiner Kindheit. Richard Hatch sah gut aus, hatte eine TV-freundliche Ausstrahlung und nahm sich selbst nicht zu ernst. Er trat noch in vielen Fernsehserien auf, aber Apollo blieb seine Signaturrolle. Im düsteren Remake hatte er einen sehr überzeugenden Gastauftritt als rebellierender Gefangener Tom Zarek. Richard Hatch wurde 71 Jahre alt.
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Kurz nacheinander sind die Hauptdarsteller aus zweien meiner liebsten Wenders-Epen gestorben: Harry Dean Stanton aus Paris, Texas (1984) und Sam Shepard aus Don't Come Knocking (2005), der auch an beiden Drehbüchern beteiligt war. Shepard war als Dramaturg so rührig wie als Charakterdarsteller. An Stantons wettergegerbtes Gesicht erinnert man sich vielleicht aus Alien oder Martin Scorseses Die letzte Versuchung Christi (als Saulus/Paulus).
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Noch ein weiteres Mitglied der Alien-Crew hat es 2017 dahingerafft. John Hurt war es, der in einer ikonischen Szene ein Alien zur Welt brachte und dies höchstpersönlich in Spaceballs persiflierte. Er war in Komödie und Drama zu Hause, sein zerfurchtes Gesicht konnte Pathos und Entschlossenheit ausdrücken. Wie Harry Dean Stanton war auch er für David Lynch tätig: Er verbarg sich unter der Maske des Elefantenmenschen und erhielt dafür eine seiner zwei Oscar-Nominierungen. In seiner dritten Zusammenarbeit mit Jim Jarmusch war er der anrührende Mentor des Vampirpaars in Only Lovers Left Alive. Jüngeren ist der Engländer eher als Zauberstab-Experte Ollivander bekannt.
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Die Dick van Dyke Show war in den 60ern so bahnbrechend (und unterhaltsam) wie Seinfeld in den 90ern. Sie ist immer noch höchst sehenswert, auch wenn sie ein wenig Muff angesetzt hat (insbesondere bei den Geschlechterrollen). Der Titelheld Dick von Dyke ist gerade 92 geworden. Er ist am bekanntesten als Schornsteinfeger in Mary Poppins (Chim Chim Cheree). In der von Carl Reiner (*1922) ersonnenen Show spielt er Dick Petrie, den Chefautor für einen Komiker (hin und wieder als Gast zu sehen: Carl Reiner selbst), mit den Kollegen Buddy Sorrell (Morey Amsterdam, 1908-1996) und Sally Rogers (Rose Marie, die nun 94jährig starb). In einigen der besten Episoden betrat das Team auch selbst die Bühne. Rose Marie sang bereits als Fünfjährige vor Publikum. Bei Youtube findet man ihre Parodie auf ihren Mentor Jimmy Durante, aber auch diesen frühen Auftritt, bei dem sie schon ihre typische Stimme gefunden hatte (mit sechs Jahren!)
Bei diesen Gelegenheiten stieß oft auch Dicks Ehefrau Laura dazu, die ebenfalls tanzen und singen konnte, siehe etwa dieses Duett. Für Mary Tyler Moore war diese Rolle der Durchbruch, nachdem zuvor in einer Detektivshow vor allem ihre Beine zu sehen waren. Sie hatte später höchst erfolgreiche Soloshows und wurde zu einer Ikone der Feminismusbewegung (und ein Favorit von Pauline Kael). Sie war schön, komisch und klug, gelegentlich wohl auch kratzbürstig. 1981 gesellte sich zu ihren sechs Emmys und drei Golden Globes eine Oscar-Nominierung für die Hauptrolle in Robert Redfords Familiendrama Ordinary People. Einen ihrer letzten Auftritte hatte sie 2006 in der achten Staffel der Wilden 70er. Mary Tyler Moore starb bereits im Januar im Alter von 80 Jahren.
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Auch wenn ich mir einige wichtige Filme gespart habe - Baywatch, Fack ju Göhte 3, Fifty Shades Darker, Transformers Teil 5 - kann ich erneut nachdrücklich ein lausigen Kinojahr bezeugen. In die Säle bemüht habe ich mich ohnehin nur noch 29mal, ein Negativrekord, den ich 2018 noch unterbieten werde (ich werde mich auf die Comic-, Fantasy- und SF-Titel konzentrieren und den Rest ins Heimkino verlagern). Tatsächlich habe ich 2017 nur acht der 20 erfolgreichsten Filme in Deutschland gesehen. Gerettet haben mich einige solide Marvel-Beiträge und zwei wundervolle Frauen: Patty Jenkins und Gal Gadot. Hier meine TOP-Filme des Jahres:
Meisterwerk (10/10)
- Wonder Woman (Patty Jenkins)
In Deutschland nur auf Platz 38 der Zuschauerstatistik gelandet, war dies in den USA der meistbesuchte Film des Jahres. Lesenswert: die Kritik von Matt Zoller Seitz, Chefredakteur von RogerEbert.com: 60 Minutes on "Wonder Woman"
Herausragend (9/10)
- Guardians of the Galaxy Vol. 2 (James Gunn)
Ähnlich wie bei "Wonder Woman" wurde fast die Hälfte des Umsatzes in den USA generiert. In Deutschland kam der Marvel-Spaß mit 2,5 Millionen Zuschauern immerhin auf Platz 9 (nach dem fünften Piratenfilm, knapp vor Baywatch).
Sehr gut (8/10)
- Moonlight (Barry Jenkins)
- Die andere Seite der Hoffnung (Aki Kaurismäki)
- Thor: Tag der Entscheidung (Taika Waititi)
- Ich, Daniel Blake (Ken Loach)
- Jahrhundertfrauen (Mike Mills)
Trotz wunderbar zurückhaltend agierender Darstellerinnen (Annette Bening, Elle Fanning, Greta Gerwig) und einem klugen, Oscar-nominierten Drehbuch bleibt Mike Mills ein Geheimtip. 20th Century Women, so der Originaltitel, beruht auf seinen Erinnerungen an seine Mutter, so wie Beginners (2010) eine Hommage an seinen Vater war (Christopher Plummer gewann damals den Oscar als bester Nebendarsteller).
Gut (7/10)
- Fences (Denzel Washington)
- Hidden Figures (Theodore Melfi)
- Passengers (Morten Tyldum)
- Aus dem Nichts (Fatih Akin)
Unsere Hoffnung für den Oscar ("In the Fade" - hat wohl nur Außenseiterchancen) ist eigentlich eine einfach gestrickte Rachegeschichte mit Bezügen zu den NSU-Morden. Die geschickte Regie des Hamburgers (Tschick) und eine überwältigende Diane Kruger in der Hauptrolle machen dies jedoch allemal sehenswert. Wer hätte das von der Schönen Helena erwartet? - Bridget Jones' Baby (Sharon Maguire)
Deutlich besser als die direkte Fortsetzung von 2004, wenn auch lange nicht so toll wie das Original. War nur in Großbritannien wirklich erfolgreich, so dass man wohl nicht von einem Comeback für Renée Zellweger sprechen kann. Chartwunder Ed Sheeran spielt sich übrigens (sehr überzeugend) selbst. - Ein ganzes halbes Jahr (Thea Sharrock)
Ein charmantes Stück Kitsch mit Emilia Clarke als tölpelhafte Pflegerin eines jungen gelähmten Millionärs. Mother of Dragons! - In den Tiefen des Infernos (Werner Herzog)
Mal wieder eine schöne Dokumentation des Altmeisters, wenngleich ohne die Sogwirkung seiner besten Werke. Quasi eine Fortsetzung seines 40 Jahre alten Kurzfilms La Soufrière - Warten auf eine unausweichliche Katastrophe. - Vaiana (Ron Clements)
Der einzige der fünf Oscar-nominierten Trickfilme, der mir wirklich Spaß gemacht hat
Der schäbige Rest
Unter den prominenten Flops des Jahres finden sich neben den üblichen Verdächtigen - Alien: Covenant, Die Mumie, Ghost in the Shell (5/10) - auch die US-chinesische Koproduktion The Great Wall und die europäische Extravaganz Valerian. Besonders Erwähnungen:
- King Arthur: Legend of the Sword (3/10)
In Guy Ritchies Verhunzung, oder sollte ich sagen: Verhunnamung, der Legende wird uns der 36jährige Charlie Hunnam, der eher wie 45 aussieht, als Teenager verkauft, und Astrid Berges-Frisbey erneut (nach Piraten der Karibik 4) als Schauspielerin. Da können auch Jude Law und Eric Bana nichts mehr retten. Das Geld für die wild in die Gegend verstreuten Kulissen hätte man wirklich besser in eine Fortsetzung von Codename U.N.C.L.E. stecken können (welches auch gefloppt war, was nur zeigt, dass Kassenerfolg und Qualität selten korrelieren). - Life (David Espinosa, 2/10)
Unfassbar, wie man einen solch leblosen Thriller über einen Alien in der ISS drehen kann. Karrieretiefs von Ryan Reynolds, Rebecca Ferguson und Jake Gyllenhaal.
Persönliche Enttäuschungen waren für mich Edgar Wrights Baby Driver, Matthew Vaughns Kingsman: The Golden Circle und James Mangolds Logan. Grauenvoll war der mit 1,26 Milliarden Dollar Umsatz erfolgreichste Film des Jahres, Die Schöne und das Biest, mit einer schrecklich fehlbesetzten Emma Watson in der Titelrolle (nein, leider nicht als Biest).
Geärgert habe ich mich auch sonst reichlich, besonders über:
- The Fate of the Furious (F. Gary Gray)
- Blade Runner 2049 (Denis Villeneuve)
- Get Out (Jordan Peele)
Rat mal, wer zur Gehirntransplantation kommt? Als bösartig-satirische Variante des Oscar-nominierten Feelgood-Films mit Sidney Poitier, Spencer Tracy und Katherine Hepburn wäre "Get Out" in den 60ern vielleicht zeitgemäß gewesen. Heute ist es einfach nur eine Ansammlung von Klischees und sehr unangenehm anzuschauen. Die Weißen sind böse, die Schwarzen gut. Hier ist eine Idee: Nehmen wir an, der Bruder des Lockvogels (Allison Williams) wäre von der Familie entfremdet, fände sich nur zufällig zu diesem Wochenende ein und schlüge sich am Ende auf die Seite des schwarzen Opfers (Daniel Kaluuya)? Aber niemand besetzt Caleb Landry Jones als Gutmenschen. Ansonsten innerhalb der Grenzen des bescheidenen Drehbuchs aber gut gespielt. Horror-Fans fehlt der Horror, mir fehlt die Qualität. Kein professioneller Kritiker hat sich getraut, die Schwächen des Films aufzuzeigen. Politische Korrektheit führt offenbar zu Feigheit oder Dummheit. - Silence (Martin Scorsese)
Si tacuisset. - Hacksaw Ridge (Mel Gibson)
Religiös verbrämter Schwachsinn. - Elle (Paul Verhoeven)
Eine Vergewaltigung in ein Sexspiel umzudeuten, das gelingt nur dem Fliegenden Holländer (Total Recall, Basic Instinct, Starship Troopers), dessen kontroverse Werke ich ansonsten meist mochte (ok, außer Showgirls).
Auch keine Rettung: Fernsehserien
Inzwischen zieht es eine Menge zugkräftiger Schauspieler zum Fernsehen, und die Gelder fließen, vor allem durch die neuen Streaming-Dienste. Ob dabei Qualität rauskommt, ist allerdings Glücksache. Mir scheint, es gibt einen Mangel an guten Autoren, die Visionen jenseits der bekannten Schablonen entwickeln. Und klappt das einmal, findet sich nicht unbedingt ein Publikum dafür - siehe Sense8 oder die gerade erst abgesetzte Dirk-Gently-Neuinterpretation mit Elijah Wood (die zweite Staffel läuft erst diesen Monat bei Netflix an).Etablierte Serien
- Game of Thrones
Die siebte Staffel war unterhaltsam, aber man hat nicht mehr das Gefühl, dass die Überraschungen sorgfältig genug vorbereitet sind. Dazu gibt es nun eine Menge Fan-Service. Die Entfernungen in Westeros scheinen um ein Zehntel geschrumpft zu sein, um Treffen aller wichtigen Handlungsträger zu ermöglichen, mit entsprechend spöttischen Reaktionen kritischer Zuschauer. Die Memes um Gendry Maratheon etwa sind Legende. - Stranger Things
Die zweite Staffel bot erneut kurzweilige Unterhaltung. Winona Ryder agiert nicht gar so hysterisch, und die Kids entwickeln Persönlichkeit. Das größte Talent, die dreizehnjährige Millie Bobby Brown, wird diesmal vom Buch leider nicht so gut in Szene gesetzt, eine erneute Emmy-Nominierung ist unwahrscheinlich. - iZombie
Die Serie um die gar nicht blasse Rose McIver hat in der zweiten Staffel Fahrt aufgenommen - hoffen wir mal, dass es noch dauert, bis die Verwesung einsetzt. - Lucifer
Meine Freude an der Serie um den leibhaftigen Teufel, der einen Club in LA aufmacht (und mit britischem Akzent Frauenherzen bricht), beichte ich hier nur als Guilty Pleasure. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass mir Lauren German mal in einer Rolle gefallen würde, nach ihrem katastrophalen Kurzeinsatz bei Hawai Five-0 (welches man sich inzwischen wirklich nicht mehr anschauen kann).
Revivals
- Twin Peaks
Wird in der Gesamtheit von Kritikern gern auf die Jahresbestenliste für Kinofilme gesetzt. Von mir nicht. - Gilmore Girls: A Year in the Life
Außer Spesen nichts gewesen? Na ja, kann man sich gut anschauen, und es sei der Erfinderin Amy Sherman-Palladino gegönnt, die Geschichte zum geplanten Abschluss zu bringen. Aber Funken versprüht hat der Vierteiler nun auch nicht gerade. Ich hatte mehr Spaß an ihrer kurzlebigen Ballettgeschichte Bunheads. Mit ihrer neuesten Serie, The Marvelous Mrs. Maisel, um eine Standup-Komikerin im New York um 1960 konnte ich mich noch nicht anfreunden (sie läuft bei Amazon Prime). - Akte X
Am Mittwoch läuft bereits die elfte und damit zweite "neue" Staffel an. Solange es wieder eine Comedy-Episode von Darin Morgan gibt, quäle ich mich da gern durch. Zuletzt gab es die herrliche Werwolf-Legende aus der Sicht des Monsters, Mulder & Scully Meet the Were-Monster, nun angekündigt ist The Lost Art of Forehead Sweat (schweißtreibender Titel!)
Neue Serien
Wer hätte nach dem müden Einstieg gedacht, dass Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. sich sechs Jahre halten würde? Die Agenten um Phil Coulson sind zwar nie so richtig durchgestartet, aber ihre Abenteuer können mich immerhin noch gelegentlich fesseln, und ich mag die meisten Hauptfiguren. Gleiches kann man von den neuesten Starts nicht gerade sagen. Marvel ist mit den Inhumans nun nicht nur der Tiefpunkt des Jahres geglückt, sondern die vielleicht schlechteste Comic-Verfilmung aller Zeiten. Etwas besser scheint The Gifted zu sein, davon habe ich bisher aber nur den Piloten gesehen. Die schwerfälligen, trübsinnigen Netflix-Reihen (Daredevil, Jessica Jones etc.) lasse ich längst links liegen, genauso wie die schematischen DC-Teenager-Vergnügungen (Arrow, The Flash etc.)
Die traurigste Vorstellung gab es allerdings im SF-Bereich. Star Trek: Discovery ist ein heilloses Durcheinander, welches exakt die Produktionsgeschichte widerspiegelt. Geblieben ist eine funkelnde Oberfläche mit viel Leerraum dahinter. Besonders peinlich die Klingonen, die dank aufwändiger Zahnprothesen so undeutlich artikulieren, dass selbst ein Professor für Klingonisch Untertitel benötigt. Die Offiziere der Sternenflotte dagegen haben ein akutes Akneproblem, welches ihnen in UHD besonders schlecht zu Gesicht steht. Ich rechne übrigens fest damit, dass die Crew der Discovery nach der Winterpause entdeckt, dass sie einem Spiegeluniversum entstammt (Mirror, Mirror!) Das entschuldigt aber nicht die dämlichen Geschichten, hanebüchen ausgeführte Sternenflottentechnik und unsympathischen Figuren.
Fast zeitgleich angelaufen ist ein Star-Trek-Clone, den viele, ich allerdings nicht, als die bessere Serie betrachten. Seth McFarlanes The Orville ist Star Drek mit gut geputzten Raumschiffen und Fäkalienhumor. Ein Novum, dass der Captain überhaupt nicht schauspielern kann. Und Adrienne Palicki als seine Ex und Erste Offizierin mag ich ohnehin nicht. Nach diesen neuen SF-Versuchen bekomme ich das Gefühl, das Universum sei so flach wie meine Mattscheibe. Plötzlich entwickle ich richtig Lust auf die zweite Expanse-Staffel...
Abschied
Martin Landau kannte ich nicht aus seinem Riesenerfolg Kobra, übernehmen Sie ("Mission: Impossible", 1966-1973), sondern als Kommandant John Koenig der Mondbasis Alpha 1 ("Space: 1999", 1975-1977), die ich als Jugendlicher mangels SF-Alternativen geliebt habe. Als Erwachsener schaut man sich das aber besser nicht an. Die Geschichten sind nicht besser als das dämliche Grundkonzept (der Mond reist jede Woche durch ein neues Sonnensystem). In den 80ern etablierte sich Landau dann als gefragter Charakterdarsteller und war u.a. für Woody Allens Verbrechen und andere Kleinigkeiten für einen Oscar nominiert. Den gewann er schließlich 1995 verdient für seine berührende Darstellung des alternden Bela Legusi in Tim Burtons liebevoller Biographie des "schlechtesten Regisseurs aller Zeiten", Ed Wood. Martin Landau starb im Juli mit 89 Jahren.
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Einen deutlich stärkeren Eindruck als Mondbasis Alpha 1 hinterließ bei mir die Originalserie Kampfstern Galactica, vor allem die beiden extrahierten Kinofilme. In meiner Erinnerung steht die epische Odyssee der zwölf Stämme unter Führung von "Moses" Commander Adama (Lorne Greene) gleichwertig neben dem Krieg der Sterne, und Adamas Sohn Apollo war einer der Helden meiner Kindheit. Richard Hatch sah gut aus, hatte eine TV-freundliche Ausstrahlung und nahm sich selbst nicht zu ernst. Er trat noch in vielen Fernsehserien auf, aber Apollo blieb seine Signaturrolle. Im düsteren Remake hatte er einen sehr überzeugenden Gastauftritt als rebellierender Gefangener Tom Zarek. Richard Hatch wurde 71 Jahre alt.
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Kurz nacheinander sind die Hauptdarsteller aus zweien meiner liebsten Wenders-Epen gestorben: Harry Dean Stanton aus Paris, Texas (1984) und Sam Shepard aus Don't Come Knocking (2005), der auch an beiden Drehbüchern beteiligt war. Shepard war als Dramaturg so rührig wie als Charakterdarsteller. An Stantons wettergegerbtes Gesicht erinnert man sich vielleicht aus Alien oder Martin Scorseses Die letzte Versuchung Christi (als Saulus/Paulus).
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Noch ein weiteres Mitglied der Alien-Crew hat es 2017 dahingerafft. John Hurt war es, der in einer ikonischen Szene ein Alien zur Welt brachte und dies höchstpersönlich in Spaceballs persiflierte. Er war in Komödie und Drama zu Hause, sein zerfurchtes Gesicht konnte Pathos und Entschlossenheit ausdrücken. Wie Harry Dean Stanton war auch er für David Lynch tätig: Er verbarg sich unter der Maske des Elefantenmenschen und erhielt dafür eine seiner zwei Oscar-Nominierungen. In seiner dritten Zusammenarbeit mit Jim Jarmusch war er der anrührende Mentor des Vampirpaars in Only Lovers Left Alive. Jüngeren ist der Engländer eher als Zauberstab-Experte Ollivander bekannt.
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Die Dick van Dyke Show war in den 60ern so bahnbrechend (und unterhaltsam) wie Seinfeld in den 90ern. Sie ist immer noch höchst sehenswert, auch wenn sie ein wenig Muff angesetzt hat (insbesondere bei den Geschlechterrollen). Der Titelheld Dick von Dyke ist gerade 92 geworden. Er ist am bekanntesten als Schornsteinfeger in Mary Poppins (Chim Chim Cheree). In der von Carl Reiner (*1922) ersonnenen Show spielt er Dick Petrie, den Chefautor für einen Komiker (hin und wieder als Gast zu sehen: Carl Reiner selbst), mit den Kollegen Buddy Sorrell (Morey Amsterdam, 1908-1996) und Sally Rogers (Rose Marie, die nun 94jährig starb). In einigen der besten Episoden betrat das Team auch selbst die Bühne. Rose Marie sang bereits als Fünfjährige vor Publikum. Bei Youtube findet man ihre Parodie auf ihren Mentor Jimmy Durante, aber auch diesen frühen Auftritt, bei dem sie schon ihre typische Stimme gefunden hatte (mit sechs Jahren!)
Bei diesen Gelegenheiten stieß oft auch Dicks Ehefrau Laura dazu, die ebenfalls tanzen und singen konnte, siehe etwa dieses Duett. Für Mary Tyler Moore war diese Rolle der Durchbruch, nachdem zuvor in einer Detektivshow vor allem ihre Beine zu sehen waren. Sie hatte später höchst erfolgreiche Soloshows und wurde zu einer Ikone der Feminismusbewegung (und ein Favorit von Pauline Kael). Sie war schön, komisch und klug, gelegentlich wohl auch kratzbürstig. 1981 gesellte sich zu ihren sechs Emmys und drei Golden Globes eine Oscar-Nominierung für die Hauptrolle in Robert Redfords Familiendrama Ordinary People. Einen ihrer letzten Auftritte hatte sie 2006 in der achten Staffel der Wilden 70er. Mary Tyler Moore starb bereits im Januar im Alter von 80 Jahren.
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