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Samstag, 27. Februar 2016

MEIN Oscar-Favorit: Spotlight (9/10)

Spotlight bezieht seinen Titel aus der Bezeichnung für ein Journalistenteam beim Boston Globe, das zu speziellen Themengebieten monatelang, manchmal über ein Jahr recherchiert, bevor auch nur eine Zeile veröffentlicht wird. Mir war nicht klar, dass in unserer schnelllebigen Zeit noch in solchen Aufklärungsjournalismus investiert wird, und es ist nicht absehbar, ob das noch lange so möglich sein wird. Zwischen 2001 und 2003 untersuchte das vierköpfige Team Kindesmissbräuche durch katholische Priester und insbesondere deren systematische Vertuschung durch die katholische Kirche. Dafür wurde es 2003 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Allein in Boston wurden aufgrund ihrer Arbeit fast 90 Übeltäter und über 1.000 Opfer identifiziert.


Zeitungsreporter sind kein beliebtes Kino-Sujet. Das herausragende Drama um die Watergate-Enthüllung Die Unbestechlichen (Alan J. Pakula, im Englischen pfiffiger: All The President's Men) ist nun genau 40 Jahre alt, und Billy Wilders bissige Satire Ace in the Hole (mit dem plakativen deutschen Titel "Reporter des Satans") hat noch 25 Jahre mehr auf dem Buckel. Fernsehreporter werden etwas öfter porträtiert, so im gleichen Jahr wie Die Unbestechlichen im schwarzhumorigen, mir etwas zu überdrehten Network, und vor zehn Jahren in George Clooneys überzeugender, von Herzen kommender Biographie Good Night, and Good Luck. 2010 gab es dann mit Morning Glory noch eine schöne Komödie zum Thema, mit Harrison Ford, Diane Keaton und übrigens ebenfalls Rachel McAdams.


Im Zentrum von All the President's Men standen die kraftvolle Hauptfiguren, mit Dustin Hoffman und Robert Redford durch zwei der größten Stars der 70er besetzt. Spotlight hingegen ist ein Ensemble-Film, bei dem die Recherche im Vordergrund steht. Das Internet hatte noch lange nicht die heutige Durchdringung des öffentlichen Lebens erreicht, und so sehen wir Sachbearbeiterinnen, wie sie in düsteren Kellern Papierberge durchstöbern, juristische Wortgeplänkel mit Winkeladvokaten, und immer wieder Interviews, die auf herkömmlichen Notizblöcken dokumentiert wurden. Der Seifenopernanteil entfällt völlig, es gibt weder Liebesgeschichten noch Eifersuchtsdramen. Und trotzdem ist allein der Prozess der Wahrheitsfindung ungemein spannend, selbst wenn man das Ergebnis grob kennt. Vielleicht habe ich mich ja von Howard Shores klavierbestimmter Hintergrundmusik manipulieren lassen, aber ich habe mich lange nicht mehr so niveauvoll unterhalten gefühlt.


Obwohl oder vielleicht gerade weil keine Superstars beteiligt sind, erscheinen die Figuren fast dokumentarisch real. Die Darsteller haben ihre Vorbilder offenbar sorgfältig studiert und vermitteln überzeugend die Freude, aber auch die Frustrationen und Zwiespältigkeiten des Berufs. Fast scheint es Konzept, dass hier ehemalige Superhelden zu Alltagshelden werden. Primus inter pares ist Michael Keaton (Batman) als Teamleiter, unglaublich zurückhaltend und nuanciert, und doch kann man nicht genug bekommen von diesem Charaktergesicht. Seit seiner letztjährigen Oscar-Nominierung feiert der gelernte Komiker ein kleines Comeback, und auch wenn er im September seinen 65. Geburtstag feiert, darf man von ihm noch Großes erwarten. In diesem Jahr wurden Mark Ruffalo (Hulk) und Rachel McAdams (Irene Adler aus den Holmes-Filmen mit Robert Downey Jr. und Jude Law), fast möchte ich sagen, beispielhaft nominiert, denn genauso überzeugend waren neben Michael Keaton auch Liev Schreiber (Sabretooth) als mutiger Herausgeber, John Slattery (Howard Stark) als sein Stellvertreter, Stanley Tucci (Erfinder des Captain-America-Superserums) als mitfühlender Anwalt und Billy Crudup (Dr. Manhattan aus Watchmen) als schmieriger Anwalt.


Der 50jährige Regisseur Tom McCarthy hat seit seinem fulminanten Debut The Station Agent (2003, mit "Tyrion" Peter Dinklage in der Hauptrolle) noch einen Volltreffer gelandet mit Ein Sommer in New York (2007, Oscar-Nominierung für Richard Jenkins), dazu kam 2011 das ordentliche Win Win mit Paul Giamatti und 2014 ein kleiner Flop mit Der Schuhmagier. Spotlight ist also erst sein fünfter Film, und er kann sich durchaus Chancen auf den Regie-Oscar ausrechnen. Mein Favorit ist er ohnehin, denn von Iñárritus Selbstgefälligkeit habe ich erstmal genug. Ich fürchte allerdings, dass es beim Preis für das Originaldrehbuch bleibt, das McCarthy gemeinsam mit Josh Singer verfasst hat (der ein wenig West-Wing-Atmosphäre beizutragen hatte). Damit wäre der Film in guter Gesellschaft, denn Die Unbestechlichen mussten sich 1977 ebenfalls geschlagen geben - nicht etwa Scorseses ebenfalls nominiertem Meisterwerk Taxi Driver, auch nicht dem genannten Mitkandidaten Network oder der bewegenden Woody-Guthrie-Biographie Dieses Land ist mein Land, sondern der dumpfbackigen Boxer-Schmonzette Rocky (dessen unerträglicher Star gerade Oscar-Favorit für die Nebenrolle im Sequel Creed ist).


Auch wenn The Revenant als Favorit ins Rennen geht, ist Spotlight für mich eine späte Überraschung und der mit Abstand beste der acht nominierten Filme (ok, Raum konnte ich noch nicht begutachten). Immerhin hat er sein bescheidenes Budget in den USA wieder eingespielt. Auch in Deutschland wird es nur für einen Bruchteil der 2,5 Millionen Zuschauer reichen, die bisher Leos Passionsspiel sehen wollten. Bleibt zu hoffen, dass dies ein Klassiker fürs Heimkino wird. Herausragend (9/10).

Sonntag, 21. Februar 2016

Nostalgietrip: Hail, Caesar!

Beginnend mit Broadway Melody, dem (mittelmäßigen) Oscar-Gewinner von 1929, bestanden Hollywood-Musicals oft nur aus einer Reihe von Revue-Nummern, halbherzig zusammengehalten durch eine dünne Rahmenhandlung. Mit Hail, Caesar! verfolgen Ethan und Joel Coen offenbar ein ähnliches Schema. In Gestalt des Studio-Managers Eddie Mannix (Josh Brolin), der wie ein Marlowe-Klon durch Hollywoods Nachtleben geistert, geben die Brüder noch einen Schuss Noir hinzu (inklusive des nicht unbedingt erhellenden Voice-Overs von "Dumbledore" Michael Gambon), und fertig ist ihre Hommage an das Studiosystem der 50er. Oder ist es eine Persiflage, die Studie des Zerfalls eben dieses Systems? Ich persönlich hätte mir einen stärkeren roten Faden gewünscht. So zerfällt die Geschichte in viele einzelne, verschachtelte Episoden, von denen die meisten allerdings durchaus amüsant sind.


Die Werbung hat sich dabei auf George Clooney als Baird Whitlock konzentriert, der durch die Hauptrolle eines Monumentalfilms à la Ben Hur stolpert und nebenbei in die Hände von kommunistischen Autoren fällt - der zelluloidgewordene Traum von Senator Joseph McCarthy, mit einem an Die Russen kommen! Die Russen kommen! erinnernden Höhepunkt. Die beste Szene dieses titelgebenden Handlungsstranges ist allerdings die der Zensur zuvorkommende Diskussionsrunde mit kirchlichen Würdenträgern. Punkten kann dort vor allem Voyager-Doktor Robert Picardo als zynischer Rabbi, dem eine pietätvolle Darstellung Christi mehr als egal ist.


Dann wäre da Channing Tatum im Matrosenanzug, in einer Tanznummer, die aus On The Town stammen könnte. Und tatsächlich steppt der Stripperprinz besser als Frank Sinatra und singt besser als Gene Kelly (umgekehrt wäre es allerdings ein Wunder). Trotzdem fehlt No Dames der Funke, den die Vorbilder in den 40ern noch hatten. Gleiches gilt für das Wasserballett nach Symmetrie-Fetischist Busby Berkley, in dem Scarlett Johansson als Badenixe eine herrliche Esther-Williams-Kopie gibt. Dies ist ihr erster Auftritt für die Coens, seit sie 2001 als 17jährige Billy Bob Thornton in The Man Who Wasn't There den Kopf verdrehte. Diesmal muß Jonah Hill dran glauben, dessen einzige Szene bereits im Trailer zu sehen war - was sie natürlich nicht weniger komisch macht.


Zwischendurch gibt es weitere Ablenkung durch Cameos von Mrs. Joel Coen Frances McDormand, als konfuse Cutterin in einem schönen Sketch, und Tilda Swinton als Klatschreporterinnen (sie hat schon praktisch alles gespielt: Hexen und Vampire, Männer und Frauen, Königinnen und Sozialarbeiterinnen - warum also nicht Zwillinge). Und immer wieder versucht Eddie Mannix Ordnung ins Chaos zu bringen. Dabei muß er eine schwere Lebensentscheidung treffen: Soll er weiter als "Zirkusdirektor" das Image von wasserstoffblonden Starlets schützen, oder lieber in ein handfestes, "einfaches" Fach wechseln und Wasserstoffbomben vermarkten?


Trotz des genannten Star-Aufgebots hinterläßt allerdings ein Nachwuchstalent den stärksten Eindruck. Der 26jährige Kalifornier Alden Ehrenreich hatte bisher immerhin die Hauptrolle in Beautiful Creatures, einem der weniger schmerzhaften Beiträge der aktuellen YA-Schwemme, und einen kleinen Auftritt in Woody Allens Blue Jasmine als Cate Blanchetts Stiefsohn. Hier spielt er mit breitem texanischen Akzent einen (verspäteten) Roy-Rogers-Verschnitt. Der singende Rodeokünstler soll plötzlich in einem Prestigeprojekt eine dramatische Rolle übernehmen, zur Verzweiflung von Regisseur Laurence Laurentz (Ralph Fiennes, der sich nach Grand Budapest Hotel weiter seiner komischen Ader hingibt). Seit Alec Baldwin in 30 Rock hat niemand so gut einen so schlechten Schauspieler verkörpert. Trotzdem ist der Naivling ein Sympathieträger, spätestens wenn er sein vom Studio arrangiertes Date (die erfrischende Veronica Osorio) mit einem Spaghetti-Lasso unterhält. Er ist es übrigens auch, der den richtigen Verdacht ob der Entführung von Baird Whitlock äußert, auch wenn dieser einem Vorurteil über Komparsen entspringt. Wer allerdings Wayne Knight (Newman!) mit einer Leier in eine römische Orgie setzt, darf sich nicht wundern...


Bei Hail, Caesar muss man den Verdacht haben, dass die Ausführenden mehr Spaß als die Zuschauer hatten. Es ist ein amüsanter Nostalgietrip durch die Filmgeschichte, aber viele Szenen strapazieren die Geduld und dauern lange über den Punkt hinaus an, zu dem man schmunzelnd die cineastischen Parallelen anerkennt. Für den Eröffnungsfilm der Berlinale ist das in Ordnung, das breite Publikum wird aber weniger Verständnis für solche Exzesse haben. Mir persönlich hat's schon gefallen, ein Meilenstein im Werk der Coens ist es aber kaum. Gut (7/10).

Samstag, 13. Februar 2016

Marvel-Großkotz: Deadpool (8/10)

Die folgende Besprechung ist nicht für Jugendliche geeignet. Ernsthaft Kinder, verpisst Euch! Ihr habt hier nichts zu suchen! Und was den Rest betrifft: Mein Text spoilert den derben Sprachgebrauch und den Mangel an politischer Korrektheit dieser Comic-Verfilmung. (Damit sollte ich fast zwei Drittel meiner fünf Leser vergrault haben - aber mal ehrlich, welcher normaler Mensch liest schon überhaupt noch Kritiken.) Was die Handlung von Deadpool betrifft, gibt es ansonsten nicht viel zu sehen, was nicht bereits in tausend Variationen von der Leinwand geflimmert ist. Junge trifft Mädchen, Junge verliebt sich in Mädchen, Mädchen nimmt Geld für Sex, Mädchen verliebt sich in den Jungen, die beiden haben noch viel mehr Sex (vorzugsweise an amerikanischen Nationalfeiertagen). Und wie bei romantischen Komödien notwendig, kommt dann ein kleines Hindernis ins Spiel: Der Junge erkrankt unheilbar an Krebs (für Hispanophile: El Cancer), Junge verläßt Mädchen, Junge wird vom Schurken unter unerträglicher Folter zum X-Man mutiert, was zwar den Krebs heilt, aber als Nebenwirkung unansehnliche Akne hinterläßt. Wird der Junge sich an seinem Quälgeist rächen und das Mädchen zurückgewinnen können? Aber es liegt mir fern, über dieses Schema F zu urteilen; ich schreibe schließlich auch immer den gleichen Scheiss...


Nach seinem ersten verpatzten Auftritt als Deadpool in Wolverines lahmarschiger Origin-Story von 2009 machte sich Ryan Reynolds zwei Jahre später als Star des unfassbar albernen Abenteuers The Green Lantern zum Gespött des Fandoms. Lange wollte ihm niemand dieses grüne Loch des DC-Universums verzeihen, doch schließlich gab Marvel ihm und dem bewährten Autorenteam Rhett Reese und Paul Wernick (Zombieland) dann doch noch eine Chance. Das mit 58 Millionen Dollar kümmerliche Budget vertraute man immerhin einem erfahrenen Regisseur an: Tim Miller durfte in den letzten 15 Jahren bereits zwei Kurzfilme selbst drehen und für weitere drei Kurzfilme als ausführender Produzent zeichnen. Um fair zu bleiben, muß man auch erwähnen, daß er als einer von etwa 250 Fachleuten für die (tatsächlich erstaunlichen) visuellen Effekte von Edgar Wrights abgefahrener romantischen Nerdkomödie Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt verantwortlich war.

Nicht im Film: Hugh Jackman

Jedenfalls machte das Studio definitiv zu wenig Kohle locker, um irgendeinen Star der X-Men verpflichten zu können. Daher hat Hugh Jackman ("Sexiest Man Alive") nur ein Cameo als Magazincover. Seine Gage hätte ja ein Drittel des Budgets aufgefressen. Aber auch Professor X sucht man vergebens (nicht mal für die Billigvariante McAvoy hat's gereicht). Stattdessen muss den Fans sein berühmtes Schulgebäude genügen, nur der BX-Man Colossus gewährt Deadpool widerwillige Unterstützung (und spricht diesmal aus mithilfe von Zeitverschlingungen sicher erklärbaren Gründen mit russischem Akzent).


Auch bei den Schurken war Sparen angesagt. Den selbstredend britischen Folterer Francis (Verzeihung, Ajax - wie das Putzmittel) gibt Ed Skrein, der für drei Folgen in Game of Thrones Daenerys' Spielzeug Daario Naharis mimen durfte, bevor er aufmuckte und durch den niederländischen Softie Michiel Huisman ersetzt wurde. Um möglichst vielen Zielgruppen gerecht zu werden, haben beide einen weiblichen Sidekick: Colossus eine feurige junge Auszubildende, deren zungenbrecherischen Mutantennamen ich schon wieder vergessen habe, Ajax eine abgefuckte Amazone mit Titten, die Russ Meyer Freudentränen in die Augen getrieben hätten (und die ihr gegen den schüchternen Colossus als schärfste psychologische Waffe dienen).


Eine Entscheidung hat jedenfalls mitten ins Brünette getroffen. Morena Baccarin zeigt nach anfänglicher Sprödigkeit, dass ihr Herz am rechten Fleck sitzt, und auch sonst werden ihre ideal angeordnen Körperteile perfekt in Szene gesetzt.  Die schöne Brasilianerin hat schon für Joss Whedon eine Kurtisane gespielt, aber so geheimnisvoll und zerbrechlich ihre Inara aus Firefly war, so vulgär und erfrischend ist nun ihre Vanessa. Auch wenn die 36jährige im letzten Jahrzehnt meist in kleineren Fernsehrollen zu sehen war, empfiehlt sie sich hier für größere Auftritte (sie erwartet allerdings zunächst einmal ihr zweites Kind).


Jetzt die große Überraschung: Irgendwie ist es diesem zusammengewürfelten Team allen Unkenrufen zum Trotz gelungen, ein krass-spaßiges Filmerlebnis auszubrüten. Die Erzählstruktur ist pfiffig, alles beginnt mit einem überdrehten Actionspektakel, bevor dann in gut dosierten Rückblenden die Vorgeschichte präsentiert wird. Nachdem diese auserzählt ist, verliert die Handlung ein wenig an Fahrt, und das Showdown ist in alter Marvel-Tradition dann etwas ermüdend. Es gibt halt nur endlich viele Variationen, wie fünf praktisch unkaputtbare Mutanten aufeinander einprügeln können. Trotzdem ist Deadpool, wenn schon kein Heldenepos, dann doch ziemlich Super. Man muß einfach Respekt vor der dargebotenen Respektlosigkeit haben. Vielleicht war es Zeit, dass sich die Marvel-Maschine mal ordentlich auf die Schippe nahm. Im Mai wird der Ernst mit X-Men: Apocalypse und Captain America: Civil War schon früh genug zurückkehren. Und übrigens: Wer hätte gedacht, dass die Wham-Schnulze Careless Whisper ein Plätzchen in einem Actionfilm finden könnte? In diesem Sinne: Alles Gute zum Valentinstag! Sehr gut (8/10).

Samstag, 6. Februar 2016

Acht Ärgernisse: The Hateful Eight (1/10)

1. Tarantinos Ego

Tarantinos Ego ist inzwischen offenbar so aufgeblasen wie das verwendete spezielle 70mm-Bildformat, für das weltweit 50 Kinos für angeblich über 10 Millionen Dollar aufgerüstet wurden. Tatsächlich gibt es ein paar schöne Bilder, insbesondere tolle Kutschenfahrten im Schnee, aber ob das einen Oscar für die beste Kameraführung rechtfertigt? Gemessen an den Produktions- und Werbekosten ist der Western, den die Weinstein-Company prahlerisch als "Tarantinos achten Film" ankündigt, ein ziemlicher Flop. Ein wenig Schadenfreude kann ich nicht abstreiten.



2. Dünne Handlung

Die Handlung der Hasserfüllten Acht würde kaum für einen Kurzfilm ausreichen, geschweige denn für ein dreistündiges Epos. Wenige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg sucht ein Kopfgeldjäger (Kurt Russell) mit seiner Gefangenen in einem Blizzard Zuflucht in Minnies Haberdashery (ein Gasthaus und Kleinwarengeschäft, das wohl nur so heißt, weil dem Autor der Klang gefiel). Unter den Anwesenden vermutet er (zu recht) Verbündete der Todgeweihten, auf die immerhin 10.000 Dollar Kopfgeld ausgesetzt sind. Die möglichen Variationen sind begrenzt, genauso wie die Abfolge der Todesfälle (wie von Tarantino zu erwarten, gibt es am Ende nicht viele Überlebende). Epische Länge erfordert auch eine epische Geschichte!

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3. Schwache Dialoge

Tarantinos berühmte Dialoge haben immer noch ihren unverwechselbaren Rhythmus, strotzen hier aber vor Trivialitäten. Es wird ja gern behauptet, manche Stars könnten selbst das Telefonbuch vorlesen und dem noch Unterhaltungswert abtrotzen. Nun, hier kann man die Probe aufs Exempel machen: Wo sind die Kaffeebohnen? Was kosten die Lakritzstangen? Darf ich mich zu Ihnen setzen? Diskussionen über Cheeseburger und Fußmassagen darf man hier nicht erwarten. Der interessanteste Kniff ist noch ein angeblicher Brief von Abraham Lincoln an den schwarzen Bürgerkriegs-Leutnant. Bodenlos flach ist die in kurzer Rückblende erzählte Demütigung des Generalssohns.



4. Enttäuschende Musik

Die Musik des 87jährigen Ennio Morricone ist eine ziemliche Enttäuschung. Gefühlt höchstens über ein Drittel der Laufzeit eingesetzt, ist sie wenig melodisch und legt vor allem eine atemlos-spannende Stimmung über die malerischen, ansonsten aber inherent langweiligen Szenen. Angeblich nutzte der Meister teilweise verworfene Stücke für das (m.E. misslungene) Carpenter-Remake von Das Ding, übrigens ebenfalls mit Kurt Russell in der Hauptrolle. An sich wäre es schön, wenn Morricone nach seinem Ehrenpreis mal einen regulären Oscar gewinnen würde. Es ist schließlich schandhaft, daß ein John Williams fünf Statuen einheimsen konnte und der ihm künstlerisch sicherlich ebenbürtige Italiener noch nie ausgezeichnet wurde.


5. Flache Figuren

Für keine der zehn in der Haupthandlung auftauchenden Figuren konnte ich mich so recht erwärmen. Sie sind nicht nur verabscheungswürdige Individuen, sondern auch sehr eindimensional charakterisiert. Für mich wirkt es eher wie Faulheit des Regisseur, wenn seine Stars ihre bekannten Archetypen variieren und sich lediglich auf ihre naturgegebene Bühnenpräsenz verlassen. Insbesondere Kurt Russell, Samuel L. Jackson, Tim Roth und Bruce Dern glänzen in der eitlen Kunst der Selbstdarstellung. Am meisten hat mich noch der relative Tarantino-Neuling Walton Goggins überzeugt (in Django Unchained spielte er den Aufseher, der Django gegen Ende kastrieren möchte).



6. Oscar-Nominierung für die Beste weibliche Nebenrolle

Warum nun ausgerechnet Jennifer Jason Leigh mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde, erschließt sich mir nicht. Zwar hat sie die wenigsten Dialoge und daher eine vom Drehbuch wenig gestaltete Rolle, aber sie nutzt diesen Freiraum nur, um noch abscheulicher und widerwärtiger als ihre männlichen Kollegen daherzukommen. Ihre Figur ist allerdings eine Singularität in der Kinogeschichte, ein weiblicher Prügelknabe, fluchend und Galle spuckend, der von Szene zu Szene geschundener und häßlicher wirkt.



7. Langeweile

Wenn man sich schon mit den Figuren nicht identifizieren kann, ist es mit der Spannung schwierig. Die spannendsten Szenen aus Django Unchained (das Dinner beim Plantagenboss) und Inglorious Basterds (das Verhör im Blockhaus, die Kartenrunde im Keller) rührten aus Reibungen der Figuren her und waren für sich perfekte Miniaturthriller (übrigens jeweils mit Christoph Waltz im Mittelpunkt, an dessen Süffisanz Tim Roth hier nicht herankommt). Daher wirken die als spannend konzipierten Szenen, etwa um den vergifteten Kaffee, eher befremdend, und man wartet fatalistisch auf die Entladung der Stimmung, die dann wie vorhergesehen eher einer Verpuffung gleicht.



8. Das war nix

Langsam muß man akzeptieren, dass Tarantino die Fähigkeit verlorengegangen ist, aus Versatzstücken der Filmgeschichte neue Filmkunst zu schaffen. So hatte ich etwa an einem offensichtlichen Vorbild, King Hus Die Herberge zum Drachentor von 1967, genau den Spaß, den mir The Hateful Eight nicht bringen konnten. Hier kommt in der Summe viel weniger raus, als man vom beteiligten Talent hätte erwarten können. Ärgerlich (1/10).

Samstag, 30. Januar 2016

Oscar-Kandidat: Brooklyn (7/10)

Brooklyn erzählt über einen Zeitraum von gut einem Jahr die Geschichte der 20jährigen Eilis (gesprochen etwa "Äilisch"), die 1951 aus einer irischen Kleinstadt nach Brooklyn, New York auswandert. Nach außen hin passiert nichts Spektakuläres, in Eilis' Innenleben dafür umso mehr. Daher beruht der Erfolg dieses kleinen irischen Films voll und ganz auf der der erstaunlichen Leistung der 21jährigen Hauptdarstellerin Saoirse ("Ssiersche") Ronan, die dafür soeben verdient ihre zweite Oscar-Nominierung erhalten hat (die erste war für ihre Darstellung von Keira Knightleys 13jähriger Schwester im aufwändigen Kriegsdrama Abbitte). Ich kann mich nicht erinnern, wann mich jemand ähnlich vollständig in die Gefühlswelt einer jungen Frau eintauchen ließ. Eilis erlebt das volle Spektrum der Emotionen: Heimweh, Einsamkeit, Freundschaft, Liebe, Dankbarkeit, Trauer - Saoirse Ronan zeigt all das, ohne in Klischees oder Übertreibungen zu verfallen. Es mag ein merkwürdiges Kompliment sein, aber ich habe selten jemand auf der Leinwand so überzeugend weinen sehen. Aber auch ihre junge Liebe zum schüchternen Italo-Amerikaner Tony (perfekt verkörpert durch den 25jährigen Emory Cohen) ist glaubwürdig und bewegend. Und dazu ragt sie (selbst überschminkt wie etwa in ihrem IMDB-Porträt) mit ihrem kraftvollen Gesicht und den ausdrucksstarken grau-blauen Augen deutlich aus dem Hollywood-Einheitsbrei heraus.


Drehbuchautor Nick Hornby hat momentan mehr Glück mit seinen Adaptionen als mit eigenen Stoffen (etwa mit seiner jüngsten Erzählung Funny Girl). Mit seiner Bearbeitung des Romans von Colm Tóibín ist er dieses Jahr zum zweiten Mal für einen Oscar nominiert, nach An Education von 2009 (er gehört aber auch diesmal nicht zu den Favoriten). Hornby hat ein Händchen dafür, einen Stoff zu kondensieren und auf Hochglanz zu trimmen. Leider fallen dabei auch Ecken und Kanten dem Schreibmaschinenhobel zum Opfer, und mehr noch als Lone Scherfigs London der 60er, dessen Portrait vielleicht auch von der erfahrenen Regisseurin profitierte, wirken die frühen 50er in Brooklyn allzu harm- und konfliktlos. Vom gutmütigen Priester (Jim Broadbent) über die gluckenhafte Herbergswirtin (Julie Waters) bis hin zu den zunächst hochmütigen Nachbarinnen (darunter Emily Bett  Rickards, die Felicity aus Arrow) meinen es am Ende praktisch alle Nebenfiguren gut mit der Heldin, und so passt die Inszenierung des jungen Regisseurs John Crowley nicht perfekt zu ihrem tumulthaften Innenleben. In einer kleinen Nebenrolle als irischer Freier ist der Hauptdarsteller aus Ex Machina, Domhnall ("Doe-nell") Gleeson, zu sehen. in seiner vierten Rolle binnen zwölf Monaten (es scheint, daß in jedem zweiten Film des vergangenen Jahres wenigstens einer der drei Darsteller aus dem SF-Drama auftaucht).

Übrigens kann ich zumindest bei den Damen keinen Mangel an Diversität bei den diesjährigen Oscar-Nominierungen feststellen. Neben der in New York geborenen, aber in Irland aufgewachsenen Saoirse haben wir da die Australierin Cate Blanchett, die Engländerin Charlotte Rampling, die aparte franko-kanadisch-europäische Mischung Brie Larson und America's Darling Jennifer Lawrence, dazu bei den Nebenrollen die Schwedin Alicia Vikander, die britische Ikone Kate Winslet, Jennifer Jason Leigh mit russisch-österreichischen Vorfahren, die Kanadierin Rachel McAdams und Rooney Mara, Sproß einer Football-Dynastie. Favoriten sind zum einen Brie Larson (ihr Film läuft hierzulande erst im März) und Jennifer Lawrence, zum anderen Alicia Vikander und Kate Winslet. Aber auch Saoirse wäre ein Gewinn zu gönnen.


Wie auch immer das Rennen ausgeht, Brooklyn hat von den acht nominierten Filmen wahrscheinlich die geringsten Siegchancen. Trotzdem hat er zum Glück seine Fans auch in der Akademie. Zum Weiterlesen empfehle ich die Rezension von Pia Reiser vom ORF. Meine Wertung: Gut (7/10).



Samstag, 23. Januar 2016

Oscar-Favorit: Der Rückkehrer (6/10)

Der Rückkehrer ist ein einfach gestrickter Abenteuerfilm im Schnee mit grandiosen Bildern und fotorealistischer Brutalität. Damit erweist diese Kraftanstrengung des frischgebackenen Oscar-Gewinners Alejandro G. Iñárritu dem Western einen ähnlichen Bärendienst wie vor 15 Jahren Gladiator dem Sandalenfilm.

Leonardo DiCaprio spielt mit erschreckender Intensität den Trapper Hugh Glass, der von einem Grizzly zerfleischt wird und von seinen Kameraden unter Obhub dreier Freiwilliger zurückgelassen werden muß. Der Anführer Fitzgerald des kleinen Trupps hat bald keine Lust mehr, auf Glass' Ableben zu warten, ersticht dessen halbindianischen Sohn und läßt Glass im vorsorglich ausgehobenen Grab zurück. Der Rest des Films ist dann eine vorhersehbare Mischung aus Überlebensthriller und Rachedrama. Der stärkere Antagonist ist der nordamerikanische Winter von Chingachgook und Lederstrumpf, in einer Zeit der Vorderlader und skalphungriger Wilden in Gestalt von französischen Söldnern. Und Indianer Ureinwohner kommen auch vor. Schnell ist man ermüdet von den unglaublichen tödlichen Situationen, aus denen Glass sich mit unendlicher Zähigkeit immer wieder befreien kann. Er ist offenbar schwerer umzubringen als Rasputin.


Tom Hardy (ganz rechts im Bild) als Fitzgerald versucht es mit wildem Bart und stechenden Augen DiCaprio gleichzutun. Zumindest den Preis für den besten Nuschler sollte er für seine beiden Auftritte 2015 sicher haben - Mad Max hatte wenigstens noch die Maske als Entschuldigung. Domhnall Gleeson (links) als Captain Henry hat immerhin den überzeugendsten Bartwuchs, seine Figur nimmt allerdings fast surrealistische Züge an, als er gegen Ende plötzlich als dritter  Teilnehmer im Zweikampf antritt. Am meisten im Ensemble hat mich die Bärin überzeugt, die als Beschützerin ihrer Jungen auch die beste Motivation für ihre Figur findet.

Quelle: bildschirmarbeiter.com
Soll The Revenant (so der Originaltitel, auch im Amerikanischen ein Fremdwort, das man eigentlich mit "Wiedergänger" übersetzten müßte) nun den Oscar als Bester Film bekommen, weil er von den acht Kandidaten sicherlich unter den beschwerlichsten Umständen entstand? Leider gibt es dieses Jahr keine herausragenden Alternativen, so daß ich der Verleihung ganz ohne Leidenschaft entgegensehe. Aber gebt um Himmels willen endlich Leo seinen Oscar, er wartet schließlich schon 20 Jahre darauf und war doch wirklich brav und geduldig...

Filmwertung: Ordentlich (6/10).

Montag, 18. Januar 2016

David Bowie: 1947 - 2016

Das erste Mal, daß ich David Bowie bewußt wahrnahm, war wahrscheinlich die Single Under Pressure, die er 1981 gemeinsam mit Queen aufnahm. Ich war bereits Queen-Fan und ein bißchen skeptisch ob des Fremdeinflusses, aber sein kraftvoller Beitrag ("it's the terror of knowing what this world is about", "insanity laughs, under pressure we're cracking") zog mich schnell in seinen Bann und bot ein gutes Gegengewicht zu Freddies Kapriolen. Auch heute noch mag ich diesen ungewöhnlichen Popsong. Im gleichen Jahr erschien das beeindruckende biographische Drama Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, in dem Bowie einen Konzertauftritt hat. Auf dem Soundtrack finden sich etliche Lieder aus seiner Berlin-Phase, an die er sich, wie er selbst zugibt, wegen seiner Drogenexzesse kaum erinnern kann. Vielleicht war ihm auch deshalb dieser Film so wichtig, in dessen schönster und zugleich traurigsten Szene Christiane und Detlef zum Klang von Heroes durch die Straßen toben.


Ein Jahr später sang er den Titelsong zu Katzenmenschen, der vor allem durch eine verführerische 19jährige Nastassja Kinski in Erinnerung blieb. Bowies energiegeladener Gesang machte Giorgio Moroders Song ("Putting out the fire (with gasoline)") zu einem Hit, übrigens gefällt mir die Single-Version deutlich besser als die spätere Album-Fassung. Jenes Album Let's Dance war dann der Höhepunkt seiner, wie er sie selbst nennt, "Phil-Collins-Phase", als er mit geschniegelten Videoauftritten etliche Pophits landen konnte. Neben dem Titelsong wurden China Girl, begleitet von einem (harmlosen) Skandalvideo, und Modern Love ("I know when to go out") ausgekoppelt.


Meine erste wesentliche Begegnung mit Bowie auf der Leinwand kam 1986, als ich auf dem Perry-Rhodan-Weltcon in Saarbrücken die Deutschlandpremiere von Die Reise ins Labyrinth erleben durfte. Natürlich war es nicht der Koboldkönig, der mich am meisten beeindruckte, sondern die entzückende 15jährige Hauptdarstellerin. Jennifer Connelly wuchs in den Folgejahren noch in alle möglichen Richtungen und ist seit ihrem Oscar-Gewinn für A Beautiful Mind eine der angesehensten (und immer noch schönsten) Schauspielerinnen Hollywoods. Bowie steuerte zur Jim-Henson-Fantasy ein paar seiner besten Lieder aus den 80ern bei, mein Favorit neben dem spannenden Titelsong ist das romantische As The World Turns Down. Überhaupt gelangen Bowie einige der schönsten Filmmusiken des Jahrzehnts, so etwa das verstörende When The Wind Blows.


Bowie war kein Schauspieler per se, aber durch sein charismatisches Auftreten und sein fremdartiges Aussehen (u.a. durch die nach einem Unfall ungleich großen Pupillen und natürlich diese unglaublichen Wangenknochen) füllte er einige fesselnde Rollen aus. Besten Gebrauch davon machte Nicolas Roeg bereits 1976 im sehenswerten Der Mann, der vom Himmel fiel, als er Bowie typgerecht als Außerirdischen besetzte. Meist beschränkte sich der Thin White Duke ansonsten auf Cameos, so 1988 als Pontius Pilatus in Scorseses Die letzte Versuchung Christi und, in seinem letzten größeren Auftritt, 2006 als Nikola Tesla in Christopher Nolans tollem Magierduell The Prestige.


Den bahnbrechenden Musiker David Bowie begann ich erst ab 1990 zu entdecken, als Ryko unter dem Label "Sound + Vision" begann, die Alben der 70er wiederzuveröffentlichen. Vor den Zeiten von Amazon & Co. mußte ich damals in Münster monatlich zu einem Spezialgeschäft radeln, um diese Import-CDs zu ergattern, und jedesmal stellte sich ein Wundertüten-Gefühl ein. Keine zwei Alben glichen sich. Bowie war in den 70ern nicht nur vom Aussehen her ein Paradiesvogel mit ständig wechselnden Federn, sondern auch vom Sound und vom Musikstil her. Höhepunkt meiner Entdeckungsreise war dann ein Konzertbesuch am 22. April 1990 in der Dortmunder Westfalenhalle, auch wenn das Erlebnis ein wenig geschmälert wurde durch Adrian Belews arg verzerrten Gitarrensound. In dieser Sound+Vision-Tournee spielte Bowie letzmalig sein Repertoire aus den 70ern. Ich muß gestehen, daß für mich keine der nachfolgenden Platten den Melodienreichtum und die Raffinesse dieser Ära auch nur annähernd erreichen konnte.

Meine Lieblingsalben:

The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars (1972)
Immer noch einer meiner absoluten Favoriten, ist Ziggy Stardust das perfekte Rock'n Roll-Album, mit kraftvollen Gitarren, hämmernden Bässen, seufzenden Saxophonen und einem Zuckerguß von Streichern, die genau die richtige Portion Pathos beisteuern. Mit Moonage Daydream (zuletzt bei den Guardians of the Galaxy zu hören), Starman, Lady Stardust enthält es Klassiker für die Ewigkeit; es endet mit dem von der 12saitigen Gitarre eingeleiteten, tiefempfundenen Rock'n Roll Suicide. "To be played at maximum volume" - eine Anweisung, die man bei modernen Anlagen vielleicht nicht ganz wörtlich nehmen sollte.

Hunky Dory (1971)
Wo Ziggy geradlinig und laut ist, kommt der Vorgänger versponnen und geheimnisvoll daher. Der Opener Changes ist eines von Bowies Markenzeichen, Oh! You Pretty Things beschreibt schmerzhafte Generationenängste, und Life on Mars ist eine seiner tiefsinnigsten Balladen:
It's a God awful small affair
To the girl with the mousey hair,
But her mummy is yelling, "No!"
And her daddy has told her to go,
But her friend is no where to be seen.
Now she walks through her sunken dream
To the seats with the clearest view
And she's hooked to the silver screen,
But the film is sadd'ning bore
For she's lived it ten times or more.
She could spit in the eyes of fools
As they ask her to focus on

Sailors
Fighting in the dance hall.
Oh man!
Look at those cavemen go.
It's the freakiest show.
Take a look at the lawman
Beating up the wrong guy.
Oh man!
Wonder if he'll ever know
He's in the best selling show.
Is there Life On Mars?
Station To Station (1976)
Das Album beginnt mit dem zehnminütige Titelsong, der einen unwahrscheinlichen hypnotischen Sog entwickelt, und endet in einer wunderbaren Version des Klassikers Wild is the Wind. Leider erreichte keine der nachfolgenden drei drogenbeeinflußten experimentellen Zusammenarbeiten mit Brian Eno Dichte und Qualität dieses Meilensteins.

Space Oddity (1969, alternativ: "David Bowie")
Das Album zählt nicht zu seinen angesehensten. Berühmt ist aber der Titelsong, die Geschichte vom Major Tom, der mit einer Rakete ins All geschossen wird. Natürlich geht es tatsächlich um einen Drogensüchtigen, der sich schlußendlich eine Überdosis schießt, doch allzu gern wird der Text wörtlich genommen. Das ging so weit, daß Bowie 1980 mit Ashes To Ashes Klarheit schaffen mußte:

Do you remember a guy that's been
In such an early song
I've heard a rumour from Ground Control
Oh no, don't say it's true

They got a message from the Action Man
"I'm happy, hope you're happy too
I've loved all I've needed to love
Sordid details following"
...
Ashes to ashes, funk to funky
We know Major Tom's a junkie
Strung out in heaven's high
Hitting an all-time low
 Das Album enthält aber noch andere schöne Lieder, darunter die emotionale, leider von vielen als kitschig empfundene Ballade Letter To Hermione und weitere akustisch geprägte Stücke, etwa Janine oder God Knows I'm Good.



David Bowie war weit mehr als nur sein Werk, er war eine Medienpersönlichkeit, er ging als einer der ersten Popstars an die Börse, und er setzte sich gemeinsam mit seiner Frau Iman für viele wohltätige Zwecke ein. Musikalisch war er seit den 90ern nur noch sporadisch erfolgreich, so wie auch die Bedeutung seines letzten Albums "Blackstar" nach kurzer Trauerfrist wohl kritisch relativiert werden wird. Das soll diesen Ausnahmemusiker aber nicht abwerten, der ohne Zweifel einer der großen Stars des 20. Jahrhunderts war und der allein durch seinen Nachnamen identifiziert werden kann: Bowie forever!

Freitag, 15. Januar 2016

Ein unterhaltsames Lehrstück in Ökonomie: The Big Short (8/10)

The Big Short ist mit 130 Minuten nicht besonders kurz, hat aber ein großes Thema: das Platzen der Wohnungsmarktblase ab dem Jahr 2007 und die resultierende Wirtschaftskrise, durch die allein in den USA 9 Millionen Arbeitsplätze verloren gingen und Millionen Amerikaner ihre Wohnungen verloren.


Regisseur Adam McKay (Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy) erzählt die Geschichte als tiefschwarze Komödie in halbdokumentarischem Stil. Die Darsteller wenden sich gelegentlich mit Hintergrundinformationen direkt an die Kamera. Protagonisten sind mehrere Gruppen von Akteuren, die die Krise früh vorhersahen und entsprechend von ihr profitiert haben. Dies gelang durch den Kauf sogenannter "Shorts": Wetten auf das Scheitern von Immobilienfonds. Am meisten erfahren wir über Michael Burry, einen autistischen Investment-Banker, der am Ende für sich und seine Kunden mehr als eine Milliarde Dollar Gewinn erzielen konnte. Christian Bale wurde für diese doch eher skizzenhaft porträtierte Figur gerade für seinen dritten Oscar nominiert (er gewann bereits 2011 für The Fighter). Daneben spielt Steve Carell den von ihm patentierten polternden Miesepeter, der (wenn ich das richtig verstanden habe) gegen sein eigenes Mutterunternehmen Morgan Stanley wettet und in wütenden Brandreden schon früh auf die kriminellen Machenschaften der Branche aufmerksam macht (die Figur basiert auf einer realen Person). Des weiteren gibt es ein paar Jungbanker, u.a. von Hamish Linklater und Rafe Spall porträtiert, die mit Hilfe eines zwielichtigen Branchenkenners (Produzent Brad Pitt in einer Gastrolle) ebenfalls ein paar Millionen aus der Situation herausschlagen.


All diese Profiteure haben durchaus ein schlechtes Gewissen, obwohl ihre Millionengewinne nur ein winziger Nebeneffekt beim Platzen der Billionen-Dollar-Blase sind. Das kann man von Ryan Goslings zynischem Manager der Deutschen Bank nicht sagen - der geschniegelte Jungstar verleiht dem Übel ein photogenes Gesicht.

Besonders schwierige Themen erklärt der Film mit Hilfe von Prominenten:

Margot Robbie erklärt Sub Prime Loans

Selena Gomez erklärt CDOs (Wetten auf Wetten auf Wetten...)

The Big Short ist einer der wenigen würdigen Oscar-Kandidaten des Jahres, auch wenn es nicht der ganz große Wurf ist. Dazu sind die Figuren zu skizzenhaft gezeichnet und die Handlung zu redundant aufgebaut. Aber er überragt alle anderen Beiträge zu diesem Thema, wenn man etwa an das sentimentale Drama The Company Men von 2010 denkt (mit Ben Affleck und Kevin Costner). Sehr gut (8/10).

Donnerstag, 14. Januar 2016

Alan Rickman: 21.2.1946-14.1.2016

Er war nie für einen Oscar nominiert, und doch kennt ihn jedes Kind. Es scheint, als ob J.K. Rowling Severus Snape, ihre komplexeste Figur, extra für ihn erschaffen hätte. Nach acht Filmen kann sich niemand Harry Potter ohne ihn vorstellen.


Alan Rickman hatte die Art trauriges Gesicht, das je nach Rolle herzerwärmend oder furchteinflößend, melancholisch oder zynisch sein konnte. Dazu paßte seine unverkennbare kehlige Stimme, die genauso bedrohlich wie zärtlich klingen konnte.

Bekannt wurde er durch Schurkenrollen: In seinem Kino-Debut beeindruckte der Londoner 1988 als deutscher Meisterkrimineller Hans Gruber in Stirb Langsam, dann spielte er Robin Hood Kevin Costner als Sheriff von Nottingham an die Wand (und gewann dafür immerhin einen BAFTA). Daher gelang Ang Lee 1995 ein genialer Casting-Coup, als er Rickman in Sinn und Sinnlichkeit als Colonel Brandon besetzte, den hoffnungslosen älteren Freier Mariannes, der am Ende doch noch triumphieren durfte.

Reichlich Humor bewies Rickman, als er 1999 für Kevin Smith den Erzengel Metatron und ein Jahr später in Dean Parisots Galaxy Quest einen depressiven Alien-Darsteller mimte ("by Grabthars hammer..."). Dann brach er in Richard Curtis' Weihnachtsmärchen Tatsächlich...Liebe nicht nur Emma Thompson das Herz, als er für ein Küßchen von Heike Makatsch seine Ehe aufs Spiel setzte. Gern erinnere ich mich auch an seinen liebenswerten Auftritt in der unterbewerteten Autismus-Romanze Snow Cake von 2006, an der Seite von Sigourney Weaver.

Alan Rickman wurde nur 69 Jahre alt. Ich wäre ihm gern noch für Jahrzehnte auf der Leinwand begegnet.

Kein Vergnügen: Joy (4/10)

Die Biographie über die Erfinderin des Miracle Mop, Joy Mangano, hat mir kein Vergnügen bereitet. David O. Russells dritte Zusammenarbeit mit Jennifer Lawrence (nach dem schönen Silver Linings Playbook und dem chaotischen American Bullshit) wird nur vom Charisma des Stars zusammengehalten. Die Geschichte zerfällt ansonsten in Einzelepisoden mit ziellos agierenden Nebendarstellern, die kein Ganzes ergeben und im Ton weder der Komödie noch dem Drama zuzuordnen sind. Das Leben der erfolgreichen Unternehmerin hätte bestimmt Stoff für eine wunderbare Satire gegeben, gern auch eine Farce oder die sentimentale Standardbiographie einer amerikanischen Träumerin. Stattdessen wird uns eine bizarre Familiensituation aufgepropft, in der wir Robert DeNiro als Vater von Jennifer Lawrence akzeptieren sollen. Da reichen selbst die Fähigkeiten des zweifachen Oscar-Gewinners nicht, um einen glaubwürdigen Schwiegersohn der nur acht Jahre älteren und noch fast jugendlich wirkenden Diane Ladd zu verkörpern. Vielleicht war die Idee, die Geschichte wie die immer wieder zitierte Daily Soap aufzubereiten, aber dazu nehmen sich alle Beteiligten zu ernst. Schade (4/10).

Dienstag, 12. Januar 2016

Idealisierte Transgender-Ikone: Das Dänische Mädchen (7/10)

Das Dänische Mädchen erzählt die auf Tatsachen beruhende Geschichte des Malers Einar Wegener, der sich ab etwa seinem 30. Lebensjahr mehr und mehr als Frau identifizierte, den Namen Lili Elbe annahm und sich 1930 einer der ersten operativen Geschlechtsumwandlungen unterzog, an deren Nebenwirkungen er/sie ein Jahr später starb. Lili Elbe ist heute eine Ikone der Transgender-Bewegung und wird im Film mit entsprechender Ehrfurcht dargestellt.


Dem für seine Darstellung Stephen Hawkings frischgebackene Oscar-Gewinner Eddie Redmayne gelingt erneut eine technisch eindrucksvolle Leistung, die über 120 Minuten allerdings ein wenig anstrengend wirkt. Der ohnehin schon zarte Brite mit der sanften Stimme schlüpft fast nahtlos in die Rolle der Frau im Männerkörper und ist dadurch weit weniger interessant als etwa Jeffrey Tambor in der Hauptrolle des Amazon-Flaggschiffes Transparent. Gerettet wird der Film über weite Strecken durch die natürliche Darstellung von Alicia Vikander, die Einars Ehefrau und Weggefährtin Gerda Wärme und Komplexität verleiht. Ihre eigene (historisch wohl lesbische) Sexualität wird kaum thematisiert, und der Film läßt sie Lili auch nach der Auflösung der Ehe bis zum Tode als Freundin begleiten. Trotz der Idealisierung füllt Vikander diese zweite Hauptrolle eindrucksvoll mit Leben und rundet damit ein für sie erstaunliches Kinojahr ab, das hoffentlich zu wenigstens einer Oscar-Nominierung führen wird (bei den Globes war sie hierfür und für Ex Machina leider erfolglos im Rennen).


Regisseur Tom Hooper (Die Rede des Königs) setzt diesmal die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ein wenig zu geschmackvoll ins Bild. Dazu passen die Verjüngung der Hauptfiguren, die Besetzung auch der Nebenrollen mit allzu hübschen Gesichtern (Amber Heard, Ben Whishaw), dazu kommen der Belgier Matthias Schoenaerts als verständnisvoller Freund und Sebastian Koch als progressiver Dresdner Arzt. All das wird dann mit dem Zuckerguß von Alexandre Desplats Musik übergossen, und das Ergebnis ist leider allzu gefällig und gefährlich nahe am Kitsch. Durch die hervorragenden Schauspielerleistungen gerade noch Gut (7/10).

Montag, 11. Januar 2016

Erleuchtend: Die Golden Globes 2016

Und plötzlich wird mir klar, wie sehr ich das Kinojahr 2015 verkannt habe! Aber sicher, Der Marsianer war die beste Komödie des Jahres! Wie konnte ich Matt Damons komischen Auftritt mißachten? Umso erstaunlicher die fortwährende Demütigung Ridley Scotts (Alien, Blade Runner, Gladiator), der auch für diese Meisterleistung wieder keinen Globe als bester Regisseur einheimsen konnte. Und dann meine Fehlsicht bei den Damen: Melissa McCarthy und Amy Schumer sind offenbar lange nicht so komisch wie Kritikerliebling Jennifer Lawrence (ich bin schon gespannt wie ein Wischmop auf Joy). Im ernsten Fach habe ich Kate Winslets Kompetenz mit Brillanz verwechselt, denn wie sonst war sie besser als die Überraschung des Jahres, Alicia Vikander in Ex Machina? Nun gut, selbst Sylvester Stallone darf sich jetzt Schauspieler nennen. Und der Titelsong von Spectre war offenbar doch gut - na ja, wenn Lady Gaga schauspielern kann, dann kann Sam Smith vielleicht auch singen...

Ehrliche Glückwünsche aber an den sympathischen Shooting Star Brie Larson:


und an "Alt"star Leonardo DiCaprio, der mit einem waschechten Bären ringen mußte, bis es für den Globe und hoffentlich auch für den Oscar gereicht hat. Ihm ist zu wünschen, daß das nicht alles nur ein Traum bleibt:



Im TV-Bereich habe ich mich ein wenig mehr wiedergefunden. Damit meine ich nicht die beiden Preise für das unglaublich dröge Hackerdrama Mr. Robot, sondern jene für die beste Comedy-Serie, Amazons Mozart in the Jungle. Wer die Serie nicht kennt, sollte das jetzt schnell nachholen, seit dem 30. Dezember ist die zweite Staffel bei Amazon in UHD-Qualität für Prime-Kunden kostenlos zu streamen. Die Geschichte um das New Yorker Symphonieorchester ist nicht perfekt, hebt sich aber derart erfrischend von all den schalen Superhelden der letzten Jahre ab. Superironisch daher, als Supergirl Melissa Benoist und The Flash Grant Gustin den Mexiko-stämmigen Gael García Bernal als besten Schauspieler in der Kategorie Komödie/Musical auszeichnen (siehe YouTube).


Er spielt perfekt den mit Mitte 30 noch jungen, exzentrischen Dirigenten, der schnell zum Mittelpunkt eines Ensembles wird, das alle Generationen umfaßt: von der 27jährigen Oboistin Hailey (Neuling Lola Kirke) über die 43jährige Saffran Burrows als erste Cellistin Cynthia zur 65jährigen ersten Oboe Betty (Veteranin Debra Monk). Und dann sind da natürlich der jenseits der 70 immer noch bissige Malcolm McDowell als "Alt"dirigent und eine denkwürdige Bernadette Peters als Aufsichtsratsvorsitzende. Gar nicht so heimlicher Star der Serie ist allerdings die (überwiegend klassische) Musik. Nur Puristen werden bei den wunderbaren Passagen aus herrlichen Werken von Klassik bis Moderne nicht dahinschmelzen können. Die Klassikszene mit all ihren Facetten, von den ewigen Gehaltsverhandlungen für die chronisch unterbezahlten Orchestermusiker über gecke Sponsoren, die lieber für einen neuen Konzertsaal als für die Altersversorgung der Künstler aufkommen wollen, bis hin zum spärlichen Privatleben der Stars, als Hailey u.a. Lang Lang, Emanuel Ax und Joshua Bell beim Tischtennis-Spielen kennenlernt. Ein Bravo an den jungen Coppola-Clan um Jason Schwartzman, Roman Coppola und Paul Weitz (American Pie) für den Mumm zur Abweichung von der Norm (zum Photo ist zu sagen, daß Lola Kirke in gelb sich für die Globes schrecklich aufgemotzt hat - in der Serie wirkt sie viel natürlicher).

Freitag, 1. Januar 2016

Kino-Jahresrückblick 2015

Das war schon ein merkwürdiges Kinojahr. Vielleicht stimmt ja die Schlagzeile, nach der die beste Nachricht des Jahres 2015 sein Ende war. Anderseits könnte ich auch unseren tiefsinnigsten Philosophen Otto Waalkes zitieren:
Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: "Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!", und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer...!
2015 war noch mehr als sonst von Blockbustern geprägt. Sequels, Prequels, Franchises bestimmen das Bild. Die weltweiten Einnahmen sind gestiegen, auch durch das rasante Wachstum des chinesischen Marktes, der seine Umsätze um fast 50% steigern konnte und sehr bald Nordamerika überholen wird. Weltweit konnten sich Jurassic World, Avengers: Age of Ultron, Minions und Star Wars: Das Erwachen der Macht in der Liste der zwölf umsatzstärksten Filme aller Zeiten platzieren. Die Deutschen standen auf Fack Ju Göhte 2, Minions, Spectre, Fifty Shades of Grey, Fast & Furious 7 und Jurassic World sowie Star Wars, das auch weltweit James Camerons Spitzenpositionen mit Avatar und Titanic gefährden könnte.

Aus Kritikersicht bietet 2015 allerdings ein jämmerliches Bild. Wenn mit Mad Max: Fury Road ein handgemachter, spektakulär überdrehter Actionfilm die Bestenlisten anführt und selbst ein durchschnittlicher Genrefilm wie Der Marsianer in den Top10s auftaucht, ist das für mich nur ein Indiz für mangelnde Qualität. Eimerweise wurden uns Softdrinks aufgedrängt, die bekanntermaßen nur noch durstiger machen.

Hier ist meine Top12 des vergangenen Jahres, aus 41 im Kino gesehenen Kandidaten:

Herausragend (9/10)
1. Love & Mercy
2. Avengers: Age of Ultron
Viele waren enttäuscht von diesem zweiten Kraftakt von Joss Whedon. Ich bleibe dabei, daß ich großen Spaß dabei hatte. Ich liebe einfach dieses Ensemble.

Sehr gut (8/10)
3. Timbuktu
4. Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game)
5. Ich und Kaminski
6. Kingsman
7. Ex Machina
8. Susan Cooper Undercover (Spy)
9. Das ewige Leben
10. Der große Trip (Wild)
11. Der Unterhändler (Bridge of Spies)
12. Star Wars: Das Erwachen der Macht

Dazu kommt aus dem Heimkino:
13. Grow Up!? - Erwachsen werd ich später

Enttäuschungen
Meine Lieblingsregisseure haben dieses Jahr nicht gut abgeschnitten. Nach einigen hervorragenden Dokumentationen konnte mich Wim Wenders in seinem neuesten Spielfilm Everything Will Be Fine nur mit seinem originellen Einsatz der 3D-Technik, aber nicht mit einer spannenden Geschichte oder interessanten Figuren überzeugen. Werner Herzogs Queen of the Desert habe ich bisher nicht einmal anzusehen gewagt, auch weil mich Nicole Kidman nicht besonders anspricht. Und Woody Allen hat im Jahr seines 80. Geburtstages die zweite Niete in Folge veröffentlicht, die ich als kleines Geburtstagsgeschenk gar nicht erst besprochen habe.

Die einstige Wunderwerkstatt Pixar bietet meines Erachtens nun nur noch Disney-Einheitsbrei. Während ich bei Alles steht Kopf noch eine Minderheitenmeinung vertrete, ist ihr zweiter Beitrag des Jahres, Arlo & Spot ("The Good Dinosaur"), bei Publikum und Kritik allgemein ziemlich untergegangen.

Die schlechtesten Filme des Jahres habe ich bereits in meinem Zwischenruf an Emma Stone erwähnt. Mehr erwartet hatte ich mir ansonsten von MI:5, Jupiter Ascending und A World Beyond.

Hoffnungen
Immerhin waren 2015 gleich zwei Komödiantinnen überraschend erfolgreich. Bei Melissa McCarthy war das überfällig, Amy Schumers verdrehte RomCom mit dem dämlichen deutschen Titel Dating Queen ("Trainwreck") war eine schöne Zugabe.
Und natürlich hat die unglaublich gehypte neue Star-Wars-Episode allen Bedenken zum Trotz einen schönen Endakzent für 2015 gesetzt.