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Samstag, 25. Juni 2016

Klassiker auf Blu-ray #15: Werner Herzog in der BFI-Box

Wie Propheten gelten auch Filmmagier im eigenen Land oft wenig. Wim Wenders und Werner Herzog sind die beiden bedeutendsten deutschen Regisseure ihrer Generation (zu der auch der leider schon 37jährig verstorbene Rainer Werner Fassbinder gehört). Sie sind gern gesehene Gäste bei Festivals, werden von Kritikern und Fans in der ganzen Welt verehrt, nur in ihrer Heimat gehen ihre Filme oft unter. So muss man für eine einigermaßen umfassende (Früh-)Werkschau von Werner Herzog auf die Box des BFI (British Film Institute) zurückgreifen, die zehn Lang- und acht Kurzfilme aus den Jahren 1967 bis 1987 beinhaltet. Herzstück sind alle fünf Kinski-Filme sowie beide Zusammenarbeiten mit Bruno S. (wovon Stroczek hierzulande gar nicht auf Blu-ray erhältlich ist).



Es sollte klar sein, dass es hier nicht um Mainstream geht. Trotz einiger Parallelen - Wenders und Herzog sind in Spielfilm und Dokumentation zu Hause, dabei selten kommerziell - könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein. Wenders gilt, trotz gelegentlicher Kassenschlager (Buena Vista Social Club) als einer der Väter des Independant-Kinos und hat u.a. Jim Jarmusch und Hal Hartley beeinflusst. Herzog hat mit seinen bildgewaltigen, auf sechs Kontinenten entstandenen Projekten fast eine eigene Genre-Kategorie geprägt, die von Fans (einer seiner größten übrigens: Kritikerpapst Roger Ebert) liebevoll "Herzogian" genannt wird. Denn während Wenders noch gerade so als Exzentriker durchgeht, muss man Herzog definitiv als durchgeknallt charakterisieren. Er ist mit niemand anderem zu vergleichen. Das heisst nicht, dass er keinen Einfluss hätte - gerade im Dokumentationsbereich hat er neue Standards geschaffen und auch gelegentlich Kollegen gefördert, etwa den späteren Oscar-Gewinner Errol Morris. Herzog hat es immerhin auf eine Nominierung gebracht (2008 für seine beeindruckende Antarktis-Dokumentation Begegnungen am Ende der Welt), gegenüber drei Nominierungen des "gemäßigten" Kollegen Wenders.



Bei Herzog vermischen sich Spielfilm- und Dokumentationselemente. Am liebsten fängt er Naturereignisse ein. Bestes Beispiel sind seine Kinski-Filme, in denen Herzogs liebster Feind eher Archetypen als traditionelle Figuren darstellt, deren Entwicklung höchstens von überdreht zu übergeschnappt verläuft. Am bekanntesten sind sicher die in Peru gedrehten Aguirre - Der Zorn Gottes (1972, Herzogs dritter Spielfilm), und das über drei Jahre gedrehte Mammutwerk Fitzcarraldo (1982). Beim Wiedersehen hat mich vor allem Nosferatu (1979) überrascht, den ich früher wohl zu streng mit anderen Vampirfilmen verglichen hatte. Inzwischen möchte ich Harkers (Bruno Ganz) surreale Reise nach Transsylvanien und die abschließende fatale Verführung des Monsters durch Lucy (Isabelle Adjani) nicht mehr missen. Selbst Herzogs Genrefilme unterliegen halt ihren eigenen Regeln. Trotz faszinierender Szenen betrachte ich die Büchner-Verfilmung Woyzeck (1979) und das hauptsächlich in Afrika (Benin und Ghana) gedrehte Cobra Verde (1987) eher als interessant gescheitert. Trotzdem haben sich mir einige Bilder daraus ins Gedächtnis gebrannt - der in Zeitraffer gefilmte Drill und der stakkatoartige Mord aus Woyzeck etwa oder das Amazonenheer und der freizügige Nonnenchor aus Cobra Verde.

Bruno S. als Kaspar


Mein Lieblingsfilm von Herzog ist allerdings ein anderer. Seine Kaspar-Hauser-Variation Jeder für sich, und Gott gegen alle entstand bereits 1974 und ist eine poetische, erschütternde Kritik an der modernen Gesellschaft. Kaspar Hauser, der ohne Bezugspersonen in einer dunklen Höhle aufwuchs, wird von Erziehungswissenschaftlern gern als Fallbeispiel herangezogen. Herzog ist allerdings weniger an der geistigen Entwicklung des Findelkindes interessiert, auch nicht nur an einer Parabel gegen Fremdenhass, wie sie Reinhard Mey in seiner schönen Ballade Kaspar interpretiert. Der Film nutzt den Außenseiter als Spiegel einer Gesellschaft, deren Regelwerk keinen Platz für Abweichler hat, und in der Menschlichkeit die Ausnahme bleibt. Gleichzeitig zeigt Kaspar Sehnsucht nach einer Traumwelt, die er aber nicht in Worte fassen kann, und die in der Realität wohl auch unerreichbar ist.

Bruno S. und Brigitte Mira


Der Straßenmusiker Bruno S., der Jahre seiner Jugend in psychiatrischen Anstalten verbracht hatte, haucht dieser schwierigen Figur eine unfassbar naturalistische Qualität ein, die wohl kein "Profi"-Schauspieler erreicht hätte. Das heisst nicht, dass er nur "sich selbst" gespielt hätte, auch nicht im sehenswerten Folgefilm Stroszek von 1977, der zumindest im ersten (Berliner) Teil stärker an seinen eigenen Lebenslauf angelehnt war. Aber er verstand es, Figuren zu verkörpern, die quer zur Gesellschaft und ihren Normen standen. Schade, dass keine weiteren Projekte mit ihm zustande kamen - laut Herzog war die Zusammenarbeit wohl schwierig, aber das traf auf Kinski ja auch zu...



Daneben findet sich in der Box noch ein weiterer Spielfilm von 1976, Herz aus Glas mit einem jungen Josef Bierbichler (mir vor allem durch Tykwers Winterschläfer und Murnbergers Der Knochenmann geläufig). Das bayrische Urgestein spielt eine Art Orakel vom Berge, alle anderen Darsteller wurden von Herzog hypnotisiert und agieren dementsprechend hölzern. Das ergibt zwar einige herrliche Szenen, muss insgesamt aber als gescheitertes Experiment angesehen werden. Wie hier hat Herzog auch später nur selten die erzählerische Wucht seiner Zusammenarbeiten mit Kinski und Bruno S. erreicht. Von seinen Spätfilmen hat mich allein Ein fürsorglicher Sohn ("My Son, My Son, What have you done?", 2009) mit Willem Dafoe und Michael Shannon überzeugt, doch ab den 90ern speiste sich sein Reputation mehr und mehr aus seinen einzigartigen Dokumentationen. In der Box sind einige frühe Beispiele enthalten, die vor allem fürs Fernsehen entstanden, am eindrucksvollsten wohl Land des Schweigens und der Dunkelheit, ein vollkommen unsentimentaler und doch mitfühlender Bericht über die blinde und taube Aktivistin Fini Straubinger. Ansonsten drehte er in den 70ern vor allem Kurzdokumentationen, am berühmtesten Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner (1974), eine Fanarbeit über einen besessenen Weltrekord-Skispringer, am skurillsten How Much Wood Would a Woodchuck Chuck (Beobachtungen zu einer neuen Sprache, 1976) über die Zungenbrecherakrobatik amerikanischer Rinderauktionäre.



Im Grunde dokumentiert und kommentiert Herzog in seinem Werk den Untergang unserer Zivilisation und ihrer Grundlagen. Sein erklärtes Ziel ist es, eine der modernen Welt angemessene Bildsprache zu finden. Vom Unterhaltungsapparat des Fernsehens hält er dagegen nicht viel. In Interviews in den 80ern rief er gar zum heiligen Krieg gegen Talkshows und Bonanzo & Co. auf (zu hören etwa in Werner Herzog Eats His Shoe). Vielleicht schätze ich seine Filme um so mehr, je älter ich werde, und je desillusionierter ich von der Standardkost im Kino bin. Das heißt nicht, dass ich jetzt auf Superhelden und Liebeskomödien verzichten möchte. Eher benötige ich ein Gegengewicht, das die realen Verwerfungen unserer Welt zeigt. Dabei muss man bei Herzog durchaus nicht auf Spannung oder Witz verzichten. Er reist in entlegene Regionen, findet dort durchaus vertraute Situationen, aber auch Menschen, die noch verrückter als er selbst sind. Meist gelingt es ihm, überraschende Wendungen und nie zuvor gesehene Bilder zu präsentieren. Dann macht es auch nichts, wenn sein Voice Over gelegentlich in esoterisches Geschwafel ausufert, wie z.B. bei seiner ansonsten grandiosen 3D-Dokumentation Die Höhle der vergessenen Träume.



In Deutschland sind immerhin zwei Blu-ray-Boxen erscheinen, eine mit den fünf Kinski-Filmen und eine ziemlich beliebig zusammengewürfelte "Werner Herzog-Edition", die neben Kaspar (in einer mit der BFI-Version vergleichbarer Bildqualität) und Ein fürsorglicher Sohn vier zwischen 1992 und 2010 entstandene abendfüllende Dokumentationen enthält. Die jüngste und beste davon, Happy People - Ein Jahr in der Taiga, hat Herzog im Grunde aus Material des russischen Regisseurs Dmitry Vasyukov zusammengeschnitten und mit seinem eigenen Kommentar versehen. Aber ohne seinen Markennamen wäre diese exotische Geschichte wohl nie in westliche Kinos gekommen.

Sonntag, 19. Juni 2016

Die Hugo-nominierten Novellen

Zwar standen auch die meisten nominierten Novellen in der Puppy-Vorschlagsliste, aber natürlich hat niemand die Autoren vorher gefragt. Ich versuche also, meine Abstimmungsreihenfolge rein von der Qualität leiten zu lassen.

  1. Binti (Nnedi Okorafor)
    Binti, die junge Ich-Erzählerin dieser ungewöhnlichen Novelle, gehört einem traditionell geprägten namibischen Stamm an, löst sich aber von ihren Wurzeln, als sie aufgrund ihrer brillanten mathematischen Fähigkeiten ein Stipendium für die galaktische Universität bekommt. Als ihr Raumschiff auf dem Weg dorthin von Aliens angegriffen wird, scheint sie als einzige vermitteln zu können...
    Okorafor, die Tochter nigerianischer US-Einwanderer, gewann hierfür bereits den Nebula. Die Geschichte selbst ist etwas einfach gestrickt, aber der kulturelle Hintergrund macht daraus ein interessantes, durchaus preiswürdiges Erlebnis.
  2. Penric's Demon (Lois McMaster Bujold)
    Bujold ist nie weniger als eine meisterhafte Erzählerin, was sie auch in dieser wohlkonstruierten, wenngleich etwas konfliktarmen Geschichte beweist. Sie ist in der gleichen Welt angesiedelt wie ihr erster von zwei Fantasyzyklen, die sie neben ihrer Vorkosigan-Saga veröffentlicht hat (und für deren zweiten Band sie 2004 einen ihrer vier Hugos für den Besten Roman einheimsen konnte). Ein Gewinn für diese (für ihre Verhältnisse) leichte Fingerübung wäre wohl etwas übertrieben.
  3. No Award
  4. Perfect State (Brandon Sanderson)
    Sanderson ist der Star der jüngeren Fantasy-Szene, und im Gegensatz zu Altmeister George R.R. Martin ist er ein Vielschreiber. Dabei wächst die Qualität seiner Werke mit ihrer Länge - so warte ich schon sehnsüchtig auf den dritten Band seines Opus Magnum, der Stormlight-Saga. Aber selbst auf Novellenlänge war er schon besser - Perfect State ist eine Mischung aus SF und Fantasy, die eine nette Idee recht oberflächlich (aber immer noch unterhaltsam) verarbeitet.
  5. Slow Bullets (Alastair Reynolds)
    Reynolds ist ein profilierter britischer Autor von Hard SF und Space Opera. Die vorliegende Erzählung aus Sicht einer Soldatin in einer fernen Zukunft bietet wenig Überraschungen. Die Figuren sind oberflächlich bis unglaubwürdig gezeichnet. Insbesondere vermisse ich bei der Hauptfigur eine weibliche Perspektive.
  6. The Builders (Daniel Polanski)
    Diese wenig fabelhafte Fabel ist ein derbes militärisches Garn, bei dem Menschen durch Kleintiere ersetzt wurden. Das erzeugt leider mehr Klischees, als es bei menschlichen Protagonisten möglich gewesen wäre. Vor allem Ratten wären sicher entsetzt davon, als welch üble Burschen sie vom Autor charakterisiert werden. Hauptfiguren sind u.a. eine Maus, eine Klapperschlange, ein Salamander, eine Eule und ein Stinktier. Herrscher des mexikanisch anmutenden (und von Rango zumindest inspirierten) Reichs sind zwei fette Kröten...

Samstag, 18. Juni 2016

Die Hugo-nominierten Kurzgeschichten und Noveletten

Dies ist der Bereich, in dem auch in diesem Jahr die Puppies wieder gnadenlos zugeschlagen haben. Einige hundert Blockabstimmungen haben in diesem weitgefächerten Feld eine verheerende Auswirkung. Es ist wieder eine Menge Murks hochgespült worden. Allein drei Werke stammen aus Jerry Pournelles Antologie "There Will Be War Volume X.". Nichts gegen Military SF, aber Vielfalt ist anders...

Kurzgeschichten

  1.  No Award
  2. "Cat Pictures Please" von Naomi Kritzer
    Eine Suchmaschine, die unbemerkt künstliche Intelligenz erlangt hat, versucht die Welt zu verbessern - und lässt sich mit niedlichen Katzenbildern belohnen. Nett, aber nicht gerade weltbewegend.
  3. "Asymmetrical Warfare" von S. R. Algernon
    Eine Allgeorie auf Missverständnisse bei der Kriegsführung zwischen Menschen und Aliens. Gab's schon besser in Cards "Speaker for the Dead".
  4.  "Seven Kill Tiger" by Charles Shao
    Ein chinesischer Funktionär rottet mittels einer genetischen Waffe die Bevölkerung des afrikanischen Kontinents aus, um eine Besiedlung durch Chinesen zu ermöglichen. Eindimensional und menschenverachtend.
  5.  "Space Raptor Butt Invasion" by Chuck Tingle
    But!?# Leider noch nicht die dämlichste Geschichte...
  6. "If You Were an Award, My Love" by Juan Tabo and S. Harris
    Eine "Antwort" auf Rachel Swirskys Gedicht “If You Were a Dinosaur, My Love”, welches vor zwei Jahren in dieser Kategorie nominiert war und mir selbst auch nicht besonders gefallen hatte. Es ist allerdings eine reine Hassschrift im Namen von Vox Day, mit besonderer Erwähnung seiner Erzfeinde Scalzi und George R.R. Martin.

Noveletten

  1. No Award
  2. "Obits" by Stephen King
    Der ungekrönte König des Horrorgenres hat bisher nur einen Hugo für "Related Work" gewonnen, die tolle Verfilmung seines Romans "Carrie" war immerhin nominiert. Bis auf die berühmten Novellen, die im Kino als Stand By Me und Die Verurteilten Erfolg hatten, habe ich praktisch nichts vom Meister gelesen, auch wenn im Vorfeld der kommenden Dark-Tower-Verfilmung der erste Band der Reihe auf meiner Leseliste steht. "Obits" bietet eine solide Idee, die erwartet souverän, aber ohne Überraschungen präsentiert wird. Ein Journalist erkennt, dass seine satirischen Todesanzeigen das Ableben seiner Subjekte erzwingen. Allerdings gibt es unerwartete Nebenwirkungen...
    Abzüge in der B-Note: Obwohl King vor Jahren sogar mal eine Werbekurzgeschichte für Amazons Kindle geschrieben hatte, enthielt das Voters Package nur eine PDF-Datei einer schlechten Photokopie.
  3. "Folding Beijing" von Hao Jingfang, übersetzt von Ken Liu
    Ken Liu hatte auch den letztjährigen Hugogewinner von Xixin Liu übersetzt. Diese Geschichte ist leider ziemlich belanglos. Das technische Gimmik ist weit hergeholt - im überbevölkerten Peking der Zukunft wird schichtweise ein Drittel der Bevölkerung in Tiefschlaf versetzt, und währenddessen wird ihr Wohnviertel "eingeklappt" und unterirdisch verstaut. Möglicherweise ist die milde Sozialkritik der Autorin in ihrer Heimat bereits gewagt. Ich selbst konnte mich jedenfalls nicht für die Hauptfigur und ihr Abenteuer begeistern.
  4. "What Price Humanity?" von David VanDyke
    Vielleicht der beste Beitrag aus "There Will Be War", ist dieses Garn von in Raketen übertragenen Bewusstseinen von gefallenen Soldaten doch weder originell noch besonders spannend.
  5. "Flashpoint: Titan" von CHEAH Kai Wai
    Kalter Krieg im Weltall, aus Sicht eines japanischen Raumschiffkommandanten. Einfallslos.
  6. "And You Shall Know Her by the Trail of Dead" von Brooke Bolander
    Keine Puppy-Empfehlung, fand ich diese auf Teufel komm raus coole Cyber-Action doch reichlich geschmacklos.

Samstag, 11. Juni 2016

Die Hugo-nominierten "Dramatischen Präsentationen"

Bei der Langform haben sich die erwarteten Publikumslieblinge durchgesetzt. Für meine Nominierung der ersten Staffel von Sense8 hatte ich ohnehin keine großen Hoffnungen. Hier meine Abstimmungsreihenfolge:
  1. Ex Machina
    Es ist so selten, dass einmal "reine" SF ohne Action verfilmt wird. Daher ist dies mein Favorit, obwohl mir die Avengers schon besser gefallen haben.
  2. Avengers: Age of Ultron
  3. Star Wars: The Force Awakens
    Die Macht der Masse könnte allerdings diesem nostalgischen Weltraumabenteuer zum Sieg verhelfen.
  4. No Award
  5. The Martian
    Wenn ich tippen müsste, dann leider auf diese Weltraumkartoffelanbaukomödie. Der Buchautor Andy Weir ist zusätzlich für den Campbell-Award als bester neuer Autor nominiert.
  6. Mad Max: Fury Road
    Dieses Action-Spektakel gewann tatsächlich bereits den Nebula.

Obwohl im Fernsehen heute mehr phantastische Serien als je zuvor zu sehen sind, vor allem aufgrund der technischen Möglichkeiten, geht diese Schwemme zunehmend auf Kosten der Qualität. Allein CW hat jetzt mit Arrow, Flash, Supergirl und Legends of Tomorrow vier zunehmend beliebige Superhelden-Reihen im Programm. Da bin ich schon froh über die mäßig vor sich hindümpelnden Agents of Shield, die immerhin nachvollziehbare Charaktere zu bieten haben. Dazu gibt es Zombie-Serien (The Walking Dead, iZombie),  Vampir-Serien (The Vampire Diaries, The Originals) und Mischungen (The Strain). Ferner kamen diese Saison etliche Rohrkrepierer des Fantasy-Genres, am schlimmsten vielleicht MTVs Die Shannara Chronicles, wo die ohnehin mittelmäßige Fantasy von Terry Brooks auf das Balzverhalten von Teenagern reduziert wurde (was allerdings einen hohen unfreiwilligen Unterhaltungswert hat).



Gleiches gilt übrigens im SF-Bereich für The 100. Auch die weiteren Versuche im Science-Fiction-Genre sind m.E. gescheitert. Punkte für den Versuch, erwachsene SF auf die Bildschirme zu bringen, gebe ich immerhin für The Expanse, die Verfilmung einer Romanreihe von James S.A. Corey (=Daniel Abraham und Ty Franck), deren erster Band 2012 für einen Hugo nominiert war. Aber weder die Vorlage noch die (bald in die zweite Staffel gehende) Fernsehserie konnten mich begeistern. Ich vermisse Lost und Galactica, und sogar die Leichtgewichte Eureka und Warehouse 13. Selbst über Orphan Black hätte ich mich gefreut, auch wenn die dritte Staffel kein Highlight wie die zweite zu bieten hatte. Leider läuft selbst Person of Interest in diesen Tagen aus - während Sleepy Hollow verlängert wurde, das nur noch ein Schatten eines Schattens seiner ersten Staffel darstellt; und das, bevor die sympathische Nicole Beharie, die Hauptdarstellerin (!), gefeuert wurde!



Ob es nun an der Puppies-Kampagne oder allgemeinem Desinteresse liegt - meine Kandidaten aus den für mich einzigen herausragenden Genre-Serien des letzten Jahres gehen gar nicht erst ins Rennen. Bei Sense8 wird es einfach noch dauern, bis Netflix genug Fans mobilisiert hat (Staffel 2 ist in Produktion, allerdings wohl ohne Tykwer, der sich um seine eigene Serie kümmert, und ohne Andy Wachowski, den wohl sein beschämendes Zwangsouting durch die Medien zu schaffen macht).



Aber kein Game of Thrones? Auch wenn die fünfte Staffel ihre Probleme hatte, insbesondere im Handlungsstrang um Dorne und in einigen überhasteten Entwicklungen, so bot Hardhome doch die beste Fernsehstunde von 2015 (in diesem Jahr konnte mich bereits die fünfte Episode, The Door, zu Tränen rühren). Und Dorne ist vielleicht einfach missverstanden worden, wie diese Neuinterpretation zeigt:



Genug gejammert, hier mein Stimmzettel für die Kurzform:
  1. No Award
  2. Grimm S04E21 Headache Ich habe immer noch Spaß an dieser Mystery-Serie, auch wenn zwischenzeitlich der Seifenoperanteil zu hoch geriet. Und die Kapriolen, um den Zuschauern Bitsie Tulloch (Juliette) doch noch schmackhaft zu machen, gehen auf keine Wesenhaut. But along comes Trubel! Übrigens bin ich es so leid, dass um des Twists wegen verstorben geglaubte Elternteile oder Familienangehörige wieder auftauchen! Diese Art Faulheit im Autorenteam sollte zensiert werden. Schuldig u.a.: Chuck, Hawaii Five-0, Arrow, und zuletzt Stitchers (auch so eine Serie mit hübsch anzusehenden wandelnden Klischees Anfang 20). Für sich betrachtet ist jedenfalls Episode 21 nichts besonderes, auch wenn ich Sergeant Wu mag.
  3. Jessica Jones S01E13 aka Smile
    Nach Daredevil konnte es ja wohl nicht düsterer werden, oder? Fehlanzeige - die an sich gar nicht so schlecht besetzte Netflix-Schwesterserie ist nachgerade deprimierend. Das ist natürlich eine persönliche Meinung, aber von Superhelden erwarte ich wenigstens ein bißchen Spaß - dann kann ich auch über alberne Grundsituationen und Handlungslöcher hinwegsehen. Als Bösewicht macht Doctor Who emeritus David Tennant trotzdem eine gute Figur.
  4. Supernatural S11E08 Just My Imagination
    Die übernatürliche Serie um die beiden Winchester-Brüder läuft jetzt bereits länger als dereinst Smallville. Beide habe ich nach drei Staffeln aufgegeben. Also wirklich, wieviele Variationen gibt es bei lediglich zwei Hauptfiguren? Bereits im dritten Jahr hatte Dean zur Rettung von Sam seine Seele verkauft, und Sam musste BUCHSTÄBLICH in die Hölle hinabsteigen und sich mit Teufeln herumschlagen, um diese überhastete Transaktion rückgängig zu machen. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, welchen Unfug sich die Autoren seitdem noch ausgedacht haben. Dabei könnte mich als Atheist das wörtlich genommene biblische Weltbild vielleicht sogar amüsieren - wenn es nicht so unglaublich dröge wäre...
  5. Doctor Who S09E11 Heaven Sent
    Es gibt sicher auch unterhaltsame Folgen dieses Dauerbrenners, aber für den Hugo wird offenbar Jahr für Jahr zielsicher die langweiligste Episode ausgesucht. Diese hat nicht mal die hübsche Begleiterin des Doktors zu bieten, und die zugrundeliegende Idee ist weder besonders clever noch irgendwie plausibel. Hatte ich erwähnt, dass ich mit Peter Capaldi gar nichts anfangen kann?
  6. My Little Pony: Friendship Is Magic S05E01+2 “The Cutie Map” Parts 1 and 2
    I KID YOU NOT! Diese höchstens für Sechsjährige geeignete Zeichentrickserie hat offenbar in den USA einen aktiven Fankreis von jungen Männern jenseits der 20, die sich "Bronies" nennen. Von der nominierten Doppelfolge konnte ich gerade zehn Minuten ertragen. Sie hat allerdings eine klare Botschaft: Kommunismus ist BÖSE! Und SCHLECHT! Und ÜBEL!

Gar nicht so lieb: Nice Guys (7/10)

So nett sind Jackson (Russell Crowe) und Holland (Ryan Gosling) am Anfang gar nicht. Jackson ist ein Auftragsschläger, der immerhin auch mal Stalker junger Frauen vergrault, Holland ein schmieriger Privatdetektiv, der auch schon mal im Auftrag einer Witwe deren verschollenen Mann sucht, dessen Urne er längst auf dem Kaminsims gesichtet hat. Die beiden sind mindestens so verschieden wie Riggs und Murtaugh. Beim Kennenlernen verpaßt Jackson Holland erst mal eine Drehfraktur des Ellbogens, damit dieser die Suche nach Amelia aufgibt. Kurze Zeit später kassiert Jackson wegen der gleichen Amelia ebenfalls Prügel, mit Folgen. Im Land der Auftragskiller sind die Kleinganoven dann plötzlich die netten Kerle. Amelia ist übrigens eher ein schwer durchschaubarer McGuffin, immerhin ein recht attraktiver, wenn wir sie endlich mal (kurz) zu Gesicht bekommen.



Shane Black, der Erfinder der stahlharten Profis, war in den 80ern ein angesagter Drehbuchautor, aber in den 90ern floppten mehrere seiner teuren Drehbücher in den Händen mehr oder weniger inkompetenter Regisseure und Produktionsfirmen. Sein Comeback hatte er erst 2005 mit der herrlichen, respektlosen Krimikomödie Kiss Kiss Bang Bang, die er erstmalig (und mit großem künstlerischen, wenngleich nicht kommerziellem Erfolg) selbst inszenierte. Seinem Hauptdarsteller Robert Downey Jr. stellte er damit die Weichen für seine Paraderolle als Iron Man, und der bedankte sich später mit dem Regieauftrag für die zweite Fortsetzung des Marvel-Hits. Inzwischen hatte Black gelernt, Kompromisse zugunsten des irrationalen Studiosystems zu akzeptieren, und so schrieb er zähneknirschend die den Mandarin kontrollierende Oberschurkin zu einem Mann um, da laut Marvel "weibliche Actionfiguren bei der Jugend nicht ankommen". Wieviele Figuren von Guy Pierce als Dr. Killian dann verkauft wurden, ist nicht herauszufinden. Mich würde da eine andere Inkarnation des smarten Australiers reizen: Priscilla, Queen of the Desert...

Attraktiver McGuffin: Margaret Qualley


Zurück zu den Nice Guys! Es ist erst die dritten Regiearbeit des 54jährigen Actionspezialisten, für die er gemeinsam mit seinem Kumpel Anthony Bagarzozzi das Drehbuch verfaßte. Obgleich eine ähnliche Mischung von Action, Thriller und Komödie, hat sie mich nicht genauso umgehauen wie vor zehn Jahren Kiss Kiss Bang Bang. Ich fand es etwas schwer, mich an den ständigen Wechsel zwischen Detektivarbeit (mit Anklängen an Rockford - Anruf genügt), Slapstick-Action und tragischen Untertönen zu gewöhnen, die wohl an Polanskis ultimativ-zynischen 70er-Jahre-Noir Chinatown erinnern sollten. Kim Basinger ist allerdings weder so perfide noch so eindrucksvoll wie John Huston, punktet dafür auch mit gut 60 Jahren noch mit umwerfender Schönheit.



Die Geschichte spielt übrigens wie die genannten Vorbilder in den 70ern, untermalt von einem handverlesenen Soundtrack mit u.a. Kiss, Earth Wind & Fire und (seltsam passend) Americas Horse With No Name, und liebevoll ausgestattet mit den zugehörigen wilden Frisuren und bunten Outfits. Es geht nicht um Wasserrechte, sondern um Umweltverschmutzung, und der Schlüssel zur Verschwörung ist ausgerechnet ein Pornofilm: How do you like my car, big boy? Es ist jetzt schwer zu erklären, wie da Hollands 13jährige Tochter reinpaßt, aber die von der australischen Entdeckung (und wahrscheinlich etwas älteren) Angourie Rice gespielte Holly ist die pfiffigste Figur des Films und gleichzeitig eine Art moralischer Kompaß für die beiden Helden, und den können sie auch gut gebrauchen.



Übrigens bin ich nicht durchgängig ein Fan von Crowe und Gosling, aber hier passen sie ganz gut. Beide sind mimische Minimalisten, aber als Archetypen sind sie glaubwürdig und durchaus sympathisch. An Coolness werden sie allerdings nicht nur von Holly, sondern auch von Matt Bomers kaltblütigem Attentäter John Boy übertroffen - kein Wunder bei diesem Namen!



Ich bin gespannt, wieviel Spaß der Film beim Wiedersehen machen wird. Allein schon wegen des schmierigen Milieus, der moralischen Grauzone und der Fluchfrequenz haben es die Nice Guys gerade in den USA schwer, ihr Geld wieder einzuspielen - die FSK16-Einstufung bei uns ist vollkommen gerechtfertigt, aber Kultpotential ist vorhanden. Erstmal bleibe ich bei einem Gut (7/10).

Samstag, 4. Juni 2016

Hugo-nominiert: Naomi Noviks "Uprooted"

Wow. Schon lange habe ich keinen Roman mehr an einem einzigen Wochenende verschlungen. Die 465 Seiten von Uprooted schmolzen dahin wie ein Eis im Sommerwetter. Anders als die anderen beiden in diesem Jahr nominierten Fantasy-Romane handelt es sich nicht um den ersten Teil einer Reihe, sondern um eine abgeschlossene Geschichte. Zwar nicht formal, aber vom Erzählton her ist dies eher ein Märchen. Es erzählt in der ersten Person von Agnieszka, einer 17jährigen Holzfällertochter, deren heimatliches Tal von einem magischen, übelwollenden Wald umgeben ist, dessen Ausbreitung nur durch die Wachsamkeit des "Drachen" aufgehalten wird. Der Drache ist tatsächlich ein über 100 Jahre alter Magier und gleichzeitig der Fürst dieser mittelalterlich geprägten Dörfergemeinschaft. Alle zehn Jahre wählt er ein junges Mädchen aus, um ihm als Bedienstete in seinem einsamen Turm Gesellschaft zu leisten. Statt der Dorfschönheit Kesia wählt er diesmal zur Überraschung aller die unbeholfene, "pferdegesichtige" Agnieszka. Der Grund liegt, ohne zu viel verraten zu wollen, in ihren bislang unterdrückten magischen Fähigkeiten, deren naturverbundenen Wurzeln allerdings schnell in Konflikt mit den wissenschaftlich fundierten Kräften des Drachen kommen. Und wie es sich für ein Märchen gehört, kommen dann auch noch die Königsfamilie und weitere, möglicherweise feindlich gesonnene Zauberer ins Spiel...

Die New Yorkerin Naomi Novik, Jahrgang 1973, nutzt das Erbe ihrer polnischen Mutter, um eine authentische bäurische Gesellschaft zum Leben zu erwecken, die sicher dem ländlichen Polen des 19. Jahrhunderts ähnelt. Ihre europäischen Wurzeln sind auch in ihrer erfolgreichen Temeraire-Saga erkennbar, deren erster Band 2007 ebenfalls für einen Hugo nominiert war. Diese alternative Geschichte der napoleonischen Kriege, in denen die beteiligten Parteien über Luftstreitmächte in Form von Drachenreitern verfügen, ist natürlich stark beeinflusst von Anne McCaffreys (1926 - 2011) berühmter Reihe über die Drachenreiter von Pern (für eine Novelle daraus gewann sie als erste Frau überhaupt 1968 einen Hugo für Fiction, vier Romane daraus waren zwischen 1972 und 1992 nominiert). Naomi Noviks Drachen sind allerdings anders als beim Vorbild den Menschen mindestens ebenbürtige Intelligenzwesen, die lesen und (wenngleich anatomisch bedingt unbeholfen) schreiben können und ein Faible für höhere Mathematik haben. Leider kann man an Noviks Saga die gleiche Kurve von kommerziellem Erfolg und künstlerischem Niedergang wie bei McCaffrey beobachten. Den Drachen Seiner Majestät habe ich nach Band 6 aufgegeben (der 9. und angeblich letzte Band ist für nächstes Jahr angekündigt).

Umso größer war meine Freude über "Uprooted" (das übrigens noch nicht ins Deutsche übertragen wurde), das bereits den Nebula der Science Fiction Writers of America gewinnen konnte und nun auch mein Favorit bei den diesjährigen Hugos ist. Die Filmrechte hat sich bereits Ellen DeGeneres sichern lassen, aber wie immer in solchen Fällen steht es in den Sternen, ob da jemals was draus wird (die Temeraire-Rechte liegen übrigens seit langem bei Peter Jackson - siehe diesen Artikel von 2009!).

Freitag, 3. Juni 2016

No Commitments: Sing Street (5/10)

Es war einmal ein kleiner Film über einen irischen Straßenmusiker und eine tschechische Pianistin, die sich in Dublin treffen, gemeinsam musizieren und sich vielleicht auch ineinander verlieben. Das funktionierte vielleicht deshalb so gut, weil Glen Hansard und Markéta Irglová Variationen ihrer selbst spielten und ihre Geschichte daher glaubhaft und berührend wirkte. Wenngleich sich das Paar, nach ein paar Alben als The Swell Season, schnell wieder getrennt hat, war es doch 2008 ein kleines Happy End, dass ihr Lied Falling Slowly den Oscar für den Besten Song gewann. Seitdem versucht Regisseur und Drehbuchautor John Carney, der übrigens mit Hansard Anfang der 90er Mitglied der Frames war, diesen Überraschungshit Once zu wiederholen (dessen Mikrobudget von 180.000 Euro vielfach wieder eingespielt wurde). Leider variiert er seitdem nur das gleiche Rezept mit stetig geringerem Erfolg.



Der in New York spielende Nachfolger Begin Again (Can a Song Save Your Life?) mit Keira Knightley und Mark Ruffalo wirkt dagegen doch arg glatt, hat allerdings immer noch hübsche handgemachte Musik zu bieten, und lebt ansonsten von der Ausstrahlung der beiden Stars. John Carney hat sich jüngst missliebig über Keira geäußert, die sich ihm zufolge wohl erdreistet hat, eine ihrer eigenen Persönlichkeit sehr unähnliche Figur zu spielen. Ich fand ihre zerbrechliche Gretta toll, und die von ihr selbst eingespielte Musik mehr als zweckdienlich. Ich hatte viel mehr Probleme mit ihrem Gegenüber, dem Gelegenheitsschauspieler Adam Levine (Leadsänger von Maroon 5 mit unglücklichem Hang zum Falsett). Jedenfalls wurden die Produktionskosten von angeblich 8 Millionen Dollar locker wieder eingespielt.



Mit Sing Street kommt jetzt eine für John Carney eigentlich sehr persönliche Geschichte aus seiner Jugendzeit. 1985 gründet der 15jährige Dubliner Cosmo eine Band und dreht Musikvideos, um ein älteres Mädchen zu beeindrucken. Es ist die Zeit der British New Wave, im Fernsehen laufen (noch recht primitive) Videoclips von Duran Duran, The Cure und Spandau Ballet. Das ist für mich schon das erste Problem: Das gleiche hätte auch in London passieren können. Irische Musik kommt nicht vor, obwohl die Band einen schwarzen Keyboarder findet. Der fällt allerdings nur durch ein paar Faxen (Whiteface) auf, dabei hätte das damals sicher jeden Iren an Thin Lizzy mit ihrem schwarzen Frontman Phil Lynott  erinnert. Überhaupt entwickeln die Bandmitglieder höchstens durch ihren Kleidungsstil Persönlichkeit. Das war beim offensichtlichen Vorbild The Commitments von 1991 deutlich anders. Und mitreißende oder berührende Titel gibt's hier auch nicht zu hören - das ist höchstens Wegwerfmusik zum Schmunzeln.



Abgesehen von der Musik gibt es noch ein wenig müdes Sozialdrama, in der Hauptsache durch den Ehekrach von Cosmos Eltern. Sie haben hier die einzigen bekannten Gesichter: Maria Doyle Kennedy ("S" aus Orphan Black und Veteranin aus den Commitments) und Aidan Gillen ("Littlefinger" aus Game of Thrones). Cosmos Bruder Brendan erinnert mich an Williams große Schwester Anita aus Almost Famous und befindet sich damit komplett im falschen Film. Schlimmer sind die Schulszenen, mit dem wandelnden Klischee eines Bullys (der am Ende dann noch als Roadie "eingefangen" wird). Das alles ist manchmal durchaus komisch, meist aber eher irritierend, und funktioniert weder als Satire noch als nostalgische Farce. Als Höhepunkt gibt es dann noch eine komplett missglückte Phantasieszene à la Zurück in die Zukunft und ein besonders fragwürdiges Ende. Das war wohl nichts. In den USA kommen offenbar weder die sehr spezielle Musik  noch die irischen Akzente gut an, es ist ein ziemlicher Flop. Annehmbar (5/10).

Samstag, 28. Mai 2016

Verzichte: Alice hinter den Spiegeln (?)

Natürlich verzichte ich auf viele Filme. Kinobesuche plane ich nach meinen Vorlieben und dem Kritikerspiegel im Vorfeld. Einiges spare ich mir fürs Heimkino auf, anderes  kommt auf die Liste "Kann man sich vielleicht mal anschauen, wenn's auf Netflix verfügbar ist". So muss ich sicher nicht erklären, warum ich mir trotz gewisser Sympathie für den Regisseur Duncan Jones' Warcraft nicht antun werde.



Tim Burtons Alice im Wunderland ritt 2010 die Erfolgswelle von Avatar und wurde zum bis dahin erfolgreichsten 3D-"Familienfilm". Es steht immer noch auf Platz 23 im exklusiven Club der Dollar-Milliardäre (inzwischen von einigen Disney-Produkten überholt). Ich mochte den seelenlosen Film überhaupt nicht, wie ich auch die Hauptdarstellerin Mia Wasikowska höchstens mal als Schurkin ertragen kann (etwa bei Jarmusch in Only Lovers Left Alive). Der einst so innovative, stilsichere Tim Burton hat leider seit zehn Jahren (mit seiner fabelhaften Neuverfilmung von Roald Dahls Charlie und die Schokoladenfabrik) nichts sehenswertes mehr geliefert, allenfalls Durchschnittskost wie Big Eyes. Sein nächstes Projekt soll eine Fortsetzung seiner schräg-genialen Komödie Beetlejuice sein - was aufgrund des aktuellen Comebacks von Michael Keaton eher kommerzielle Erwägungen vermuten läßt...



Beim kommerztechnisch verspäteten Nachfolger Alice hinter den Spiegeln des Regisseurs James Bobin, der auch die uninspirierten Muppets-Revivals mitzuverantworten hat, passe ich nun und verweise beispielhaft auf die herrliche Kritik von Matt Zoller Seitz auf der (von Kollegen fortgeführten) Website des jüngst verstorbenen Roger Ebert: Alice Through the Looking Glass.



Auch das Mitleid (bei mir eher: Schadenfreude) für Johnny Depp, der sich im Scheidungskampf mit der Barbie Amber Heard befindet, wird seinen nervigen Auftritt als Mad Hatter nicht erträglicher machen.Hoffentlich ist Vanessa klug genug, ihn nicht zurückzunehmen. Ein Foto aus glücklicheren Zeiten mit der Mutter seiner beiden (bald erwachsenen) Kinder:

Sonntag, 22. Mai 2016

Ein Satz mit X - X-Men: Apocalypse (6/10)

Muss es eigentlich immer der Weltuntergang sein? Wenn ich Zerstörungsorgien ohne Sinn und Verstand sehen möchte, gibt es demnächst ja Independence Day: Wiederkehr (und dank Jeff Goldblum macht zumindest der Trailer Spaß - sein trockener Humor ist selbst schon eine Sehenswürdigkeit). Schon bei Avengers: Age of Ultron war das drohende Armageddon das geringste Spannungselement. Die Steigerung kann dann eigentlich nur noch die Auslöschung des Universums sein. Für den Kampf gegen Thanos in Avengers: Infinity War schwant mir Böses...



Trotz einer fulminanten Eröffnungsszene, einem 3D-Achterbahnritt ins Innere einer Pyramide, bleibt der Gestalt gewordene, titelgebende Weltuntergang von X-Men: Apocalypse enttäuschend blass. Da hatte Arnold Vosloo im spaßigen 90erJahre-Remake von Die Mumie viel mehr Ausstrahlung, und deutlich klarere Motivationen. Das liegt allerdings nicht an Oscar Isaac, der sich hier nach Star Wars klammheimlich und erneut kaum wiedererkennbar in ein weiteres Franchise einschleicht. Seine Figur ist einfach zu schlecht entwickelt, seine Dialoge wirken banal, er ist ganz Oberfläche.



Von seinen vier "apokalyptischen Reitern" mag ich schon gar nicht sprechen. Dabei ist eine von ihnen (Alexandra Shipp aus Straight Outta Compton) die "neue" Storm, deren Werdegang hier in zwei Miniszenen verschenkt wird, eine weitere ein Wonder-Woman-Klon (Olivia Munn als Psylocke), der dritte eine schlechte Angel-Kopie, und der vierte Nebenschurke - wer hätte es erraten - ist mal wieder Magneto, dessen Geschichte gut anfängt, um dann in ausgefahrenen Untiefen zu versinken.



Was diesen dritten Auftritt der "Next Generation" der X-Men trotzdem sehenswert macht, ist also nicht der große Handlungsbogen, sondern es sind die vielen kleinen Szenen der ansonsten hervorragenden Darstellerriege. Ich persönlich fand es jedenfalls herrlich, wie Xavier angesichts der hübschen CIA-Agentin Moira (Rose Byrne, die bereits in Erste Entscheidung dabei war, aber kaum gealtert ist; im Foto mit ihrem Partner Bobby Cannavale) zum Teenager mutiert, oder wie Cyclops beim Training Xaviers Lieblingsbaum zerstört. Nicholas Hoult als Hank und Jennifer Lawrence als Raven sind immer noch phantastische Identifikationsfiguren. Die junge Oscar-Preisträgerin wirkt allerdings gerade in 3D noch wie ein pausbäckiger Teenager (ich nehme an, dass Mystique einfach nicht wie andere altert).



Der Zeitsprung in die 80er und die im Vorgängerfilm erreichte Veränderung der Timeline sorgen für einige Verwirrung. So müßten Prof. X, Magneto, Mystique und Beast jetzt so um die 40 Jahre alt sein. Es ist also bereits Platz für die nächste Generation. Dabei stiehlt Evan Peters als Quicksilver mal wieder die Show (diesmal zeitgemäß zu Sweet Dreams von den Eurythmics). Kodi Smith-McPhee als Kurt Wagner alias Nightcrawler steht ihm an Unterhaltungswert kaum nach (aber warum muss nach dem Schotten Alan Cumming nun ein Australier in Deutsch radebrechen?) Scott Summers alias Cyclops (Neuling Tye Sheridan) fand ich als Figur immer schon langweilig, die Autoren machen noch das Beste draus. Und übrigens: Die Entstehungsgeschichte von Xaviers Glatze wirkt ziemlich an den Haaren herbeigezogen und ist aufgrund der neuen Zeitlinie auch unnötig.



Die wichtigste Neubesetzung war allerdings die der Telepathie und Telekinese mächtige Supermutantin Jean Grey. Nach einem holprigen Start hat mich die gerade 20jährige Sophie Turner, Lady Sansa aus Game of Thrones, allerdings schnell für sich eingenommen, und am Ende konnte man in ihrer Darstellung durchaus eine junge Famke Janssen erahnen. Kompliment an die rothaarige Engländerin, die sich in der HBO-Serie von Jahr zu Jahr steigern konnte. Und Schwamm drüber, was das misslungene Cameo ihres Soulmates Wolverine angeht - Hugh Jackman kann uns ja nächstes Jahr in seinem dritten Solofilm zeigen, dass er's noch drauf hat...



Nachdem einige der jungen Mutanten eines Abends ausbüxen und sich Return of the Jedi anschauen, fällt der von Bryan Singer hoffentlich selbstironisch gemeinte Spruch, dass "der dritte Teil" stets der schlechteste sei. Natürlich ist das zunächst ein Seitenhieb auf den Abschluss der ursprünglichen X-Men-Saga, den Brett Ratner mit unfassbarer Inkompetenz vor zehn Jahren in den Sand gesetzt hatte. Aber auch Apokalypse ist ein dritter Teil (allerdings kaum der Abschluss), und gerade im Vergleich zum Vorgänger kommt er schlecht weg. Days of Future Passed hat schließlich dem Star-Trek-Franchise gezeigt, wie man ein Treffen der Generationen mit einem Reboot zu einer fesselnden Geschichte verknüpfen kann. Aber diesmal haben sich Autor Simon Kinberg und Regisseur Bryan Singer übernommen. Anders als beim Bürgerkrieg der Avengers ist dies auch der Tenor der Filmkritiker. Obwohl ich einen Tick mehr Freude an Apokalypse als am Civil War hatte (vielleicht auch aufgrund einer geringeren Erwartungshaltung), reicht es bei mir doch nur für ein Ordentlich (6/10).

Montag, 16. Mai 2016

Hugo-nominiert: Neal Stephensons "Seveneves"

Der 1959 geborene Amerikaner Neal Stephenson schlug vor 25 Jahren wie ein Meteor im Science-Fiction-Genre ein. Seine drei Romane Zodiac (1988), Snow Crash (1992) und Diamond Age (1995) vereinten Originalität, naturwissenschaftliches Verständnis und einen reichhaltigen und doch präzisen Sprachstil. Das drittgenannte Werk, ein futuristisches Cyberpunk-Abenteuer im viktorianischen Stil, gewann 1996 den Hugo für den Besten Roman (bei starker Konkurrenz durch Baxter, Brin, Sawyer und Willis). Danach allerdings verfiel Stephenson in meinen Augen in eine Art megalomanische Selbstverliebtheit - die technischen Ideen wurden wichtiger als die Geschichten. Der  Nachfolger Cryptonomicon, 2000 für einen Hugo nominiert, war bereits ein Wälzer von über 900 Seiten. Die anschließende, etliche tausend Seiten umfassende "Barock"-Trilogie habe ich mir bislang gespart, und das 2009 nominierte, wieder über tausend Seiten lange (für 1€ erstandene) Anathem liegt jetzt schon fast zwei Jahre ungelesen in meinem Kindle-Eingangsordner. Dagegen sind die 860 Seiten seines nunmehr vierten nominierten Romans Seveneves fast ein Klacks (Kurzgeschichten von Stephenson gibt es übrigens nur wenige).

Die meisten Autoren hätten die drei Teile von Seveneves wahrscheinlich als Trilogie veröffentlicht, und das hätte der Ausarbeitung insbesondere des Abschlusses sicher gut getan. Die Geschichte beginnt in naher Zukunft mit einer ungeklärten Katastrophe, durch die der Mond in sieben Teile zerbricht. Das wird für einige Wochen als Kuriosum betrachtet, bis Wissenschaftler die resultierenden exponentiellen Prozesse analysieren und erkennen, dass die Lebensgrundlagen der Erde binnen zwei Jahren in einem gewaltigen Feuersturm und Meteoritenbombardement untergehen werden - was immerhin nach wenigen Jahrtausenden in einen attraktiven Trümmerring münden wird. Die internationale Gemeinschaft lenkt daher alle irdischen Ressourcen in den Aufbau einer schwarmartigen Orbitalarche um die internationalen Space Station ISS (mit dem knuffigen Spitznamen Izzy), die inzwischen an einen kleinen eisenerzhaltigen Asteroiden angekoppelt ist.

Es ist schwer vorstellbar, wie eine Menschheit, die schon den gut belegten Klimawandel nicht wahrhaben will, derart rational auf die Vorhersage eines solchen Armageddons reagieren würde. Wenn man diese Pille aber erstmal geschluckt hat, macht es schon Spaß, den brillant beschriebenen technischen Herausforderungen und Lösungen zu folgen. Auch einige der eingeführten Figuren wissen zu überzeugen, insbesondere die weiblichen, so die Kommandantin der ISS Ivy und die Roboterspezialistin Dinah, deren von Nano bis Makro variierenden Maschinen zum wichtigsten Werkzeug der neuen Weltraum-Menschheit werden sollen. Zum Ende des ersten Teils beobachten etwa 2.000 Überlebende die Auslöschung der erdgebundenen Zivilisation aus dem All.

Im zweiten Teil kämpft nun diese sehr heterogene Gemeinschaft im geosynchronen Orbit ums Überleben. Insbesondere unberechenbare Boliden bilden eine ständige Gefahr, und die Ressourcen sind knapp. Ein kleines Team versucht daher, einen Eiskometen mittels eines Atomreaktors in eine angepaßte Umlaufbahn zu bringen. Zu allem Überfluß gibt es jetzt (endlich?!) politische Differenzen und Intrigenspiele, natürlich auch Depressionen, Selbstmorde und Kämpfe um die Ressourcenverteilung und die Langzeitstrategie. Hier wird allerdings eine traurige Wahrheit veranschaulicht. Politiker wissen zwar Statistiken gekonnt für sich zu manipulieren, vertrauen aber statt statistischen wissenschaftlichen Berechnungen (etwa der Wahrscheinlichkeiten für Bolidentreffer) lieber ihrer Intuition. Der insbesondere durch eine gewisse amerikanische Politikerin ausgelöste Machtkampf führt schließlich zu einer durch Menschen ausgelösten Katastrophe, und die Zahl der Überlebenden schwindet. Ohne zu viel verraten zu wollen, erreichen zum Ende des zweiten Teils zumindest einige Protagonisten einen sicheren Hafen. Hier gibt der Romantitel einen gewissen Hinweis...

Gerade wenn es spannend wird, nerven nun die detailverliebten Schilderungen der sicher wohlrecherchierten technischen Anstrengungen. Ohne ein grundsätzliches naturwissenschaftliches Verständnis ist hier der Leser schnell abgehängt, und selbst Fans von Hard SF überschlagen hier wohl so manche Seite mit Beschreibungen. Trotzdem Respekt dem Autor, der inzwischen auch als "Futurist" für Technologieunternehmen arbeitet. Er ist zwar immer noch typischer Technikoptimist (wie auch viele seiner Kollegen, etwa David Brin), aber in seiner Vorstellungskraft und dem grundsätzlichen Verständnis etwa Andy Weirs Marsianer (mir nur in der Verfilmung bekannt) weit voraus. Was die Charaktere betrifft, stellt sich nun eine gewisse Ermüdung ein, auch durch die (allerdings plausible) Sterblichkeitsrate.

============================== SPOILER ==============================

Den dritten Teil kann man ohne Spoiler nicht so recht zusammenfassen, geschweige denn kritisieren. Wir machen einen Zeitsprung von 5.000 Jahren. Die Orbitalgemeinschaft besteht aus etwa drei Milliarden Menschen, alles Nachkommen der ursprünglichen sieben Evas, die sich in den ersten Generationen im wesentlichen klonen mussten, so dass sieben klar unterscheidbare "Rassen" entstanden, inklusive zweier rivalisierender Supermächte, hier Rot und Blau genannt. Seit einigen hundert Jahren haben sie begonnen, die Erde wieder bewohnbar zu machen (ReTerraForm), u.a. mittels Beschuss durch wasserhaltige Kometen und den Kickstart der Ökosphäre durch künstlich erzeugte Organismen.

Es ist natürlich immer schwer, derart weit in die Zukunft zu spekulieren und doch im Rahmen des wissenschaftlich Plausiblen zu bleiben. Trotzdem war ich ein wenig enttäuscht von dieser recht unwahrscheinlichen Konstellation. Das betrifft das Vertrauen in gezielte genetische Manipulationen noch mehr als die ingenieurtechnischen Husarenstücke. Dazu kommt, dass das Szenario weder soziologisch plausibel ist noch mit überzeugenden Figuren aufwarten kann. Trotzdem gibt es dann einige Spannungsmomente, wenngleich aufmerksame Leser die großen "Enthüllungen" sicher lange vorhersehen können.

============================== Ende SPOILER ==========================

Am Ende hatte ich eher das Gefühl, eine Leseaufgabe bewältigt zu haben, ohne im Ausgang der Geschichte eine angemessene Belohnung zu spüren. Wenn ein kluger Lektor den Autor zur Kürzung auf die Hälfte des Umfangs gedrängt hätte, wäre vielleicht ein Meisterwerk dabei herausgekommen. Dem dritten Teil hingegen wäre mehr Arbeit an den Figuren zugute gekommen, vielleicht hätte man ihn tatsächlich besser als Folgeroman konzipiert. Stephenson hat angeblich übrigens keine Fortsetzung im Sinn, auch wenn der eigentliche Auslöser des ganzen (die Zerstörung des Monds) nicht geklärt wird. So geht die Nominierung vielleicht in Ordnung, aber einen würdigen Gewinner habe ich auch hier nicht gesehen.

Sonntag, 8. Mai 2016

Dark Knights: Captain America - Civil War (6/10)

Jetzt ist es doch passiert. Das erste Dutzend der Avenger-Filme ist voll, und ich bin übersättigt. Während alle Welt über den "vielleicht besten" Marvel-Film jubelt, versuche ich zu analysieren, warum ich so wenig Spaß im Kino hatte. Hier ein paar Thesen:
  • Christopher Nolan ist schuld! Seit seiner überaus erfolgreichen Dark-Knight-Trilogie meinen alle, Superhelden ernst nehmen zu müssen. So viel Düsternis möchte ich aber gar nicht sehen.



  • Im Winter Soldier haben die Russos alles richtig gemacht - diesmal fand ich die Action zu hektisch und alles andere zu lang - aus dem 146-Minuten-Spektakel hätte man vielleicht einen dichten 100-Minuten-Thriller machen können.



  • Warum soll ich mit Freude zusehen, wenn Freunde sich verprügeln? Boxkämpfe und MMA sind schließlich auch nicht mein Ding.



  • Wenn schon Ernsthaftigkeit, dann auch richtig! Mit Schrecken habe ich darauf gewartet, dass Tony einen Herzinfarkt bekommt. Pustekuchen - Playboy-Billionäre sind unzerstörbar (Batman lässt grüßen).



  • Die Integration von Wanda ("Scarlett Witch") und Vision (vormals Jarvis) ist noch ein wenig holprig (und nein, im Foto ist nicht Elizabeth Olsen (sie kommt weiter unten), sondern Paul Bettanys Ehefrau Jennifer Connelly, die ansonsten nichts mit dem Film zu tun hat. Aber ich lasse bestimmt keine Gelegenheit aus, eine meiner Lieblingsschauspielerinnen zu präsentieren).



  • Spidey (mit 19 Lenzen der bislang jüngste: Tom Holland) ist als Comic Relief ganz witzig, aber wer will denn einen kompletten Film um diesen Rotzbengel sehen?



  • Paul Rudds Gastauftritt war dagegen mehr als willkommen (Wer ist das? - Wirklich?) Müssen wir tatsächlich noch zwei Jahre auf Ant-Man and the Wasp warten?



  • Drei schwarze Avengers sind offenbar zuviel für die Amerikaner, daher wird bei Einführung des dritten einer der anderen in Rente geschickt (Chadwick Boseman als Black Panther hat aber ein vielversprechendes Debut).



  • Tony Stark könnte fast jeden der übrigen Avengers mit dem kleinen Finger seiner stählernen Faust K.O. schlagen. Wie insbesondere Natasha und Clint die brutalen Scharmützel überstehen, übersteigt meine Suspension of Disbelief (das heißt im Deutschen laut Wikipedia übrigens "Willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit" ;-). Scarlett Johannson hat wohl keine Promotion gemacht. Sie ist im Gegensatz zum Vorgängerfilm, in dem sie praktisch die zweite Hauptrolle hatte, kaum zu sehen...



  • Der Bösewicht gewinnt! Bin ich der einzige, dem das missfällt? Auch wenn Daniel Brühl mit gekonntem Underplaying eine gute Figur macht und die (vor allem bei Bond gefestigte) Tradition renommierter deutscher Darsteller in Schurkenrollen aufrechterhält. Den sekovischen Akzent hat er jedenfalls drauf. Damit sei ihm auch sein hölzerner Auftritt als schwuler Chef von Bradley Cooper im schwer verbrannten Burnt ("Im Rausch der Sterne") verziehen. Schade nur, dass er in seiner Heimat kein Kassenmagnet mehr ist - dazu müsste er ein "Schweig" im Namen haben.



Na ja, es war doch etwas besser als die Prügelei zwischen den beiden DC-Helden - bessere Darsteller, bessere Dialoge - aber die Erwartungen waren auch höher. Ordentlich (6/10).




Da mich der Film einigermaßen ratlos zurückließ, habe ich mir eine zweite Meinung aus der wichtigsten Zielgruppe dazugeholt. Der knapp 13jährige Sohn von Freunden ist wohl noch etwas hungriger als ich und schreibt (leichter Spoiler für Batman vs. Superman):

Der Film (in 3D jedenfalls) war sehr actionreich und voller Effekte. Die Effekte sind manchmal ziemlich irritierend, aber die Geschichte ziemlich gut. Mir fiel auf, dass es in diesem Film wenige einfallsreiche Dialoge gab und es mehr um die Kämpfe ging, die sehr zahlreich waren. Tony Stark hat sehr mit seinem Humor nachgelassen. Ant-Man hätte ein wenig mehr Sprechrolle bekommen sollen, da er wenig gesagt hat, obwohl er eine einen sehr humorvollen Charakter hat.Der Auftritt vom Schwarzen Panther war sehr gut. Dass er den anderen einfach bis zum Ende gefolgt ist, war eine sehr gute Idee, da er eine neue Figur ist.Er ist zwar eine sehr draufgängerische Person, aber der Schauspieler spielt seine Rolle sehr gut. Die Musik war nicht so besonders, mir jedenfalls ist der Soundtrack zu keinem Zeitpunkt besonders aufgefallen. Im Vergleich ist dieser Film besser als der Film Batman vs. Superman. Der Film hat mir nicht ganz so gut gefallen gehabt, da er in einer einzigen Richtung gelaufen ist, das heißt, es war wie immer das gleiche !!!!!!!! Die Welt wird bedroht, und Superman rettet sie wieder. Dass er am Ende gestorben ist, hat mir dann auch ganz gut gefallen ;-)   !!! Dass Captain America eine Überlänge hat, ist mir erst am Ende aufgefallen, der Film war so actionreich, da konnte man gar nicht auf die Uhr schauen und fragen, wo die Zeit geblieben ist. :-D