Die gute Nachricht: Nach ihrem Prinz-Eisenherz-Look vom Vorgänger hat Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) nun endlich wieder einen attraktiven Haarschnitt. Die schlechte Nachricht: Es gibt kaum mehr über sie zu berichten als ihre Frisur.
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Da gab es also fünf Drehbuchautoren (darunter Hauptdarsteller Paul Rudd), und keiner hat auch nur versucht, die Geschichte mal aus Sicht der Wespe zu betrachten. Ja, sie tritt Hintern in den Kämpfen mit diversen Schurken, aber ansonsten hat sie gemeinsam mit ihrem Vater Hank (Michael Douglas) nur eine einzige Motivation: ihre Mutter aus dem Mikrokosmos zu befreien. Währenddessen hadert Scott Lang mit seinem Hausarrest und versucht Abby ein guter Vater zu sein - oder ist es vielmehr so, dass Abby versucht, eine gute Tochter zu sein? Am Ende erklärt sie Hope, dass sie ihrem Papa selbst Heldentaten begehen wollte, der aber lieber Hope als Partnerin haben wolle. Das wäre dann ein guter Ausgangspunkt für einen dritten Film, den man dann vielleicht tatsächlich "Ant-Man AND the Wasp" hätte nennen können. Aber da ist Thanos vor...
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Zum Glück darf erneut Michael Peña als Luis rumblödeln. Diesmal gibt es eine herrliche verbalen Schlagabtausch um keineswegs ein Wahrheitsserum. Als Belohnung darf sich Luis aus der Modellautowunderkiste bedienen - und sucht sich selbstverständlich das bunteste Fahrzeug aus.
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Hauptgegenspieler ist Walton Goggins, den Tarantino in Django Unchained und The Hateful Eight zum Schurkenarchetyp geformt hatte. Sein Auftritt als Gangster "Sonny Burch" vollendet nun nach Tomb Raider und Maze Runner den Mistkerl-Hattrick des Kinojahres.
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Ebenfalls im mittelmäßigen Tomb-Raider-Neustart hatte die junge Britin Hannah John-Kamen einen Kleinauftritt (als Freundin von Lara Croft). Besser bekannt ist sie aus der SyFy-Billigserie Killjoys. Als "Ghost" ist sie hier für die exotischere Bedrohung zuständig. Ihre Rolle hat außer Eyecandy leider nicht viel Variation zu bieten. Ein bisschen Gravitas schließlich steuert Laurence Fishburn als Hanks ehemaliger Kollege bei.
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Marvels 20. Abenteuer im Avengers-Universum bietet erneut zwei kurzweilige Stunden. In den rasanten Actionszenen geht es zur Abwechslung mal nicht um die Rettung der Welt, sondern um die Ausbeutung von Hanks Erfindungen und damit letztendlich ums schnöde Geld (und zusätzlich die Familienzusammenführung). Im Effektgewitter sind Ant-Man und die Wespe mal ziemlich klein, mal ganz groß und zwischendurch irgendwie mittel. Um das zu genießen, schaltet man den Logikteil seines Gehirns aber besser aus - da gibt es jetzt also während der Fahrt miniaturisierbare Autos, in denen die Insassen nebst dem Laborgebäude im Gepäck mal eben mitschrumpfen. Gelungen ist die digitale Verjüngung von Michael Douglas und Michelle Pfeiffer in ein paar Rückblicken. Ansonsten kann ich über letztere vor allem berichten, dass sie auch mit 60 Jahren und weissen Haaren noch umwerfend aussieht. Gut (7/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Sonntag, 29. Juli 2018
Samstag, 30. Juni 2018
Die Hugo-Finalisten 2018: Kurzformen
Hugo-Gewinnerin Jo Walton (Among Others) beschreibt in ihrem Blog ein wichtiges Merkmal von SF und Fantasy: Der Weltenaufbau wird zu einem eigenen Charakter. Was nicht heißt, dass die menschlichen (oder un-menschlichen) Figuren unwichtig werden sollten. Je kürzer allerdings die Geschichten werden, desto mehr stehen die Ideen im Vordergrund. Dagegen ist nichts zu sagen, aber ich persönlich möchte beim Lesen Personen kennenlernen und mit ihnen mitfiebern. Vielleicht deshalb sagen mir nur wenige Kurzgeschichten zu. In den letzten Jahren hat es kaum Beispiele auf dem Niveau von Sturgeon, Dick oder LeGuin gegeben. Bei den diesjährigen Nominierungen bin ich jedenfalls nicht fündig geworden. Es drängt sich auch keine Rangfolge auf, trotz ein paar netter Beiträge.
6. "Children of Thorns" Aliette de Bodard
Dieses Abenteuer in einem verwunschenen Palast ist eine Coda zu einer mir unbekannten umfangreichen Fantasy-Serie. Für sich allein konnte ich damit nichts anfangen.
5. "Extracurricular Activities" Yoon Ha Lee
Diese Military SF um den Helden Shuos Jedao ist quasi ein Flashback zur Hugo-nominierten Romantrilogie der Autoren Yoon Ha Lee (Ninefox Gambit im letzten Jahr, "Raven Strategem" in diesem). Shuos Jedao ist offenbar ein intergalaktischer Ethan Hunt, der nur mit einem Kugelschreiber bewaffnet eine gegnerische Garnison infiltrieren kann und dabei nur einen leichten Schnupfen davonträgt. Seine Gegenspieler duellieren sich nämlich mit Viren. Wenn das nicht so bierernst geschrieben wäre, hätte ich mich vielleicht amüsiert. Punktabzug auch für eine weitere beliebig geschlechtslose Figur ("they").
No Award
4. "A Series of Steaks" Vina Jie-Min Prasad
Schmecken Steaks aus dem 3D-Printer weniger gut als "echte" Schlachterzeugnisse? Wäre interessanter gewesen, wenn mich die beiden weiblichen Hauptfiguren und ihre angedeutete Romanze überzeugt hätten.
3. "Small Changes Over Long Periods" K.M. Szpara
In der Nachfolge von Chuck Tingle und Stix Hiscock bietet der Transgender-Aktivist K.M. Szpara (der angeblich einen Master in Theologie abgeschlossen hat) derbe Erotik und erörtert die wichtige philosophische Frage, wie bei einem Trans-Mann die Wandlung zum Vampir vonstatten geht. Es stellt sich heraus, dass neben Blut gewaltige Zugaben Testosteron notwendig sind.
2. "The Secret Life of Bots" Suzanne Palmer
Dieses nette Nichts ist eine Variation auf den Animationsfilm The Secret Life of Pets, im Deutschen einfach nur "Pets" (den ich unterhaltsamer fand als den ambitionierten Disney-Zwilling Zootopia). Hauptfigur ist ein in die Jahre gekommener Wartungsroboter, der trotz seiner Winzigkeit (er misst nur wenige Zentimeter) fast im Alleingang sein Raumschiff und das Sonnensystem rettet. Tatsächlich bilden die Bots eine verschworene Gemeinschaft und legen schon mal eine Gedenkmillisekunde für außer Dienst gestellte Kameraden ein.
1. "Wind Will Rove" Sarah Pinsker
Als Folk-Freund habe ich mich für diese Reflektion auf Tradition und Wandlung entschieden. Sarah Pinsker (die mit dem Ego so groß wie ein Planet, siehe ihre nominierte Novelle) beschreibt, wie Musiker auf einem Generationenraumschiff verzweifelt versuchen, ihr traditionelles Liedgut zu bewahren (es gab einen Blackout und Speicherverluste). So gibt es dogmatische Folk-Sessions, bei denen immer und immer wieder die alten Tunes heruntergedudelt werden (eine Tradition besonders der Iren, der ich nicht viel abgewinnen kann). Aber Folk-Musik muss leben, muss ihre Lieder weiterentwickeln und auf aktuelle Situationen beziehen. So jedenfalls interpretiere ich den Weg der Hauptfigur (einer Fiddlerin) und die Evolution ihres Lieblingsliedes, eben jenes "Winds Will Rove".
6. "Clearly Lettered in a Mostly Steady Hand" Fran Wilde
Eine poetische Allegorie, zu der ich keinen Zugang finden konnte.
5. "Carnival Nine" Caroline M. Yoachim
Und noch ein Abklatsch von The Secret Life of Pets, diesmal mit Aufziehpuppen. Der "Maker" zieht allmorgendlich das Gewinde der Puppen auf, was je nach Anzahl der Windungen zu unterschiedlich langen Aktivitätsdauern führt. Die Geschichte selbst ist leider schematisch-kitschig.
No Award
4. "Sun, Moon, and Dust" Ursula Vernon
Ursula Vernons Tomatendieb gewann letzes Jahr als beste Novelette. Diese Fantasy um einen Kartoffelfarmer und drei Heldengeister, die in einem magischen Schwert gefangen sind, fand ich deutlich schwächer, insbesondere den vagen homoerotischen Funken am Ende.
3. "Fandom for Robots" Vina Jie-Min Prasad
Die zweite diesjährige Nominierung der Autorin aus Singapur, die "gegen die Weltmaschine schreibt", ist ähnlich belanglos, hat aber wie mein Favorit bei den Novellen als Hauptfigur einen Roboter mit zweifelhaftem TV-Geschmack (in diesem Fall Anime), was sogar in eigenen Fangeschichten mündet.
2. "The Martian Obelisk" Linda Nagata
Linda Nagata lebt in Hawaii und schreibt vor allem "Nanopunk", wie ich aus der Wikipedia erfahre. Der Obeliks auf dem Mars soll ein Denkmal werden für die aussterbende menschliche Zivilisation. Aber ist dieses wichtiger als das Überleben der letzten Menschen auf dem Nachbarplaneten?
1. "Welcome to your Authentic Indian Experience™" Rebecca Roanhorse
Fast zufällig landet dieses Garn um virtuelle Erlebniswelten und indianische Tradition auf dem ersten Platz. Es gewann bereits den Nebula (die Nominierungen überschneiden sich nur noch bei Wilde und Prasad). Ein bisschen sperrig erzählt, hat es dann doch etwas von Phil Dicks Splittern der Realität. Authentische Ureinwohner hat Amerika ja nicht mehr zu bieten, aber Rebecca Roanhorse gibt ihre Wurzeln an mit Ohkay Owingeh (mit "schwarzer" Beimischung). Wie Prasad ist sie in diesem Jahr auch für den Campbell als "beste neue Autorin" nominiert.
Noveletten
6. "Children of Thorns" Aliette de Bodard
Dieses Abenteuer in einem verwunschenen Palast ist eine Coda zu einer mir unbekannten umfangreichen Fantasy-Serie. Für sich allein konnte ich damit nichts anfangen.
5. "Extracurricular Activities" Yoon Ha Lee
Diese Military SF um den Helden Shuos Jedao ist quasi ein Flashback zur Hugo-nominierten Romantrilogie der Autoren Yoon Ha Lee (Ninefox Gambit im letzten Jahr, "Raven Strategem" in diesem). Shuos Jedao ist offenbar ein intergalaktischer Ethan Hunt, der nur mit einem Kugelschreiber bewaffnet eine gegnerische Garnison infiltrieren kann und dabei nur einen leichten Schnupfen davonträgt. Seine Gegenspieler duellieren sich nämlich mit Viren. Wenn das nicht so bierernst geschrieben wäre, hätte ich mich vielleicht amüsiert. Punktabzug auch für eine weitere beliebig geschlechtslose Figur ("they").
No Award
4. "A Series of Steaks" Vina Jie-Min Prasad
Schmecken Steaks aus dem 3D-Printer weniger gut als "echte" Schlachterzeugnisse? Wäre interessanter gewesen, wenn mich die beiden weiblichen Hauptfiguren und ihre angedeutete Romanze überzeugt hätten.
3. "Small Changes Over Long Periods" K.M. Szpara
In der Nachfolge von Chuck Tingle und Stix Hiscock bietet der Transgender-Aktivist K.M. Szpara (der angeblich einen Master in Theologie abgeschlossen hat) derbe Erotik und erörtert die wichtige philosophische Frage, wie bei einem Trans-Mann die Wandlung zum Vampir vonstatten geht. Es stellt sich heraus, dass neben Blut gewaltige Zugaben Testosteron notwendig sind.
2. "The Secret Life of Bots" Suzanne Palmer
Dieses nette Nichts ist eine Variation auf den Animationsfilm The Secret Life of Pets, im Deutschen einfach nur "Pets" (den ich unterhaltsamer fand als den ambitionierten Disney-Zwilling Zootopia). Hauptfigur ist ein in die Jahre gekommener Wartungsroboter, der trotz seiner Winzigkeit (er misst nur wenige Zentimeter) fast im Alleingang sein Raumschiff und das Sonnensystem rettet. Tatsächlich bilden die Bots eine verschworene Gemeinschaft und legen schon mal eine Gedenkmillisekunde für außer Dienst gestellte Kameraden ein.
1. "Wind Will Rove" Sarah Pinsker
Als Folk-Freund habe ich mich für diese Reflektion auf Tradition und Wandlung entschieden. Sarah Pinsker (die mit dem Ego so groß wie ein Planet, siehe ihre nominierte Novelle) beschreibt, wie Musiker auf einem Generationenraumschiff verzweifelt versuchen, ihr traditionelles Liedgut zu bewahren (es gab einen Blackout und Speicherverluste). So gibt es dogmatische Folk-Sessions, bei denen immer und immer wieder die alten Tunes heruntergedudelt werden (eine Tradition besonders der Iren, der ich nicht viel abgewinnen kann). Aber Folk-Musik muss leben, muss ihre Lieder weiterentwickeln und auf aktuelle Situationen beziehen. So jedenfalls interpretiere ich den Weg der Hauptfigur (einer Fiddlerin) und die Evolution ihres Lieblingsliedes, eben jenes "Winds Will Rove".
Short Stories
6. "Clearly Lettered in a Mostly Steady Hand" Fran Wilde
Eine poetische Allegorie, zu der ich keinen Zugang finden konnte.
5. "Carnival Nine" Caroline M. Yoachim
Und noch ein Abklatsch von The Secret Life of Pets, diesmal mit Aufziehpuppen. Der "Maker" zieht allmorgendlich das Gewinde der Puppen auf, was je nach Anzahl der Windungen zu unterschiedlich langen Aktivitätsdauern führt. Die Geschichte selbst ist leider schematisch-kitschig.
No Award
4. "Sun, Moon, and Dust" Ursula Vernon
Ursula Vernons Tomatendieb gewann letzes Jahr als beste Novelette. Diese Fantasy um einen Kartoffelfarmer und drei Heldengeister, die in einem magischen Schwert gefangen sind, fand ich deutlich schwächer, insbesondere den vagen homoerotischen Funken am Ende.
3. "Fandom for Robots" Vina Jie-Min Prasad
Die zweite diesjährige Nominierung der Autorin aus Singapur, die "gegen die Weltmaschine schreibt", ist ähnlich belanglos, hat aber wie mein Favorit bei den Novellen als Hauptfigur einen Roboter mit zweifelhaftem TV-Geschmack (in diesem Fall Anime), was sogar in eigenen Fangeschichten mündet.
2. "The Martian Obelisk" Linda Nagata
Linda Nagata lebt in Hawaii und schreibt vor allem "Nanopunk", wie ich aus der Wikipedia erfahre. Der Obeliks auf dem Mars soll ein Denkmal werden für die aussterbende menschliche Zivilisation. Aber ist dieses wichtiger als das Überleben der letzten Menschen auf dem Nachbarplaneten?
1. "Welcome to your Authentic Indian Experience™" Rebecca Roanhorse
Fast zufällig landet dieses Garn um virtuelle Erlebniswelten und indianische Tradition auf dem ersten Platz. Es gewann bereits den Nebula (die Nominierungen überschneiden sich nur noch bei Wilde und Prasad). Ein bisschen sperrig erzählt, hat es dann doch etwas von Phil Dicks Splittern der Realität. Authentische Ureinwohner hat Amerika ja nicht mehr zu bieten, aber Rebecca Roanhorse gibt ihre Wurzeln an mit Ohkay Owingeh (mit "schwarzer" Beimischung). Wie Prasad ist sie in diesem Jahr auch für den Campbell als "beste neue Autorin" nominiert.
Samstag, 23. Juni 2018
Spielberg Light: Die Verlegerin (6/10)
In den USA heißt Spielbergs jüngstes Oscar-Futter einfach The Post - die Amerikaner wissen, dass damit die "Washington Post" gemeint ist. 1971 war das die immerhin auflagenstärkste Lokalzeitung im (für US-Verhältnisse) Kaff Washington D.C. Zeitgleich zum Börsengang folgte die Post der New York Times in der Veröffentlichung der sogenannten "Pentagon Papers" (trotz gerichtlicher Verfügungen gegen die Times) und etablierte sich bundesweit als Sprachrohr für Pressefreiheit und regierungskritische Berichterstattung. Die Pentagon Papers enthielten eine über 6000 Seiten lange, streng geheime Studie über den Vietnamkrieg, waren vom ehemaligen Verteidigungsminister Robert McNamara in Auftrag gegeben und dann unter Verschluss gehalten worden ("für die Nachwelt"). Da die Ergebnisse in direktem Widerspruch zu den öffentlichen Aussagen der Regierungen seit Kennedy standen, riskierte Daniel Ellsberg, einer der Autoren der Studie, eine Anklage wegen Hochverrats und machte sie den beiden Zeitungen zugänglich. Das war übrigens damals lange nicht so einfach wie in unseren Zeiten von WikiLeaks - er musste die Papiere nach und nach aus dem Verteidigungsministerium herausschmuggeln und auf einen Kopierer legen.
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Der deutsche Verleihtitel Die Verlegerin verdeutlicht den Fokus des Drehbuchs von Josh Singer (Spotlight) und seiner jungen Kollegin Liz Hannah und stellt natürlich gleichzeitig werbewirksam die Hauptdarstellerin Meryl Streep in den Vordergrund. Tatsächlich wurde Katharine "Kay" Graham, Herausgeberin der Post seit dem Tode ihres Mannes Phil, 1972 der erste weibliche Chef einer Fortune-500-Firma. Leider bauscht Spielberg diesen Meilenstein künstlich auf. Es gibt zwar eindrückliche Momente, etwa wenn Kay Graham zum ersten Mal einen Börsenraum vollgestopft mit würdevollen weißen Männern betritt. Meryl Streep weiß auch Kays anfängliche Unsicherheit im Umgang mit den Alphamännern darzustellen. Von den Aufsichtsratmitgliedern über ihren Chefredakteur Benjamin Bradlee (Tom Hanks) bis zu ihrem Anwalt wird sie immer wieder belächelt und herablassend behandelt. Trotzdem hat sie die Entscheidungsbefugnis und nimmt sie im wichtigsten Moment auch wahr. Aber der Weg dahin wirkt auf mich nicht wahrhaftig und wird dann in typischer Spielberg-Manier am Ende untergraben durch das Spalier von bewundernden Frauen nach der Entscheidung des Supreme Courts für die Pressefreiheit. Kay Graham wurde bestimmt zum Vorbild für viele Frauen, aber dieser Prozess war sicher gradueller - und weniger kinotauglich. Der Pulitzer-Preis ging 1972 übrigens an die New York Times, erst ein Jahr später an die Post: für die Enthüllung der Watergate-Affäre. Einen weiteren Pulitzer gewann Kay Graham 1998 - für ihre Memoiren. Sie starb 2001.
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Neben Streep verblassen dann auch die männlichen Kollegen, die natürlich alle solide agieren (weniger würde man bei Spielberg nie erwarten). Tom Hanks' Chefredakteur wird auf einen reinen Handlungsträger reduziert, obwohl ihm das Script sogar Szenen mit seiner Ehefrau (Sarah Paulson) spendiert. Am überzeugendsten fand ich noch Bob Odenkirk (Better Call Saul) als Chefreporter, Bruce Greenwood als McNamara und Bradley Whitford (The West Wing, Cabin in the Woods) als Aufsichtsrat Arthur Parsons. Dank Spielbergs flüssiger Erzählweise und Januscz Kaminskis eleganter Kameraführung wird die Geschichte nie wirklich langweilig, bekommt aber auch nie den mitreißenden Schwung etwa des verwandten Oscar-Gewinners Spotlight. Das Zeitkolorit wird zwar ganz gut eingefangen, wirkt aber nie so beklemmend echt wie etwa in Mad Men (trotz dessen satirischer Sichtweise - vielleicht fehlt der Zigarettenqualm). Und den bedeutungsschweren Score von John Williams fand ich diesmal besonders manipulativ. So wirken sowohl das Lob auf die Pressefreiheit als auch der Ruf nach Geschlechtergleichheit aufgesetzt. Ein wenig hat mich das an Oprah Winfreys begeisternde #Time's-Up-Rede bei den diesjährigen Golden Globes erinnert. Das reine Heraufbeschwören von Veränderungen beschleunigt diese nicht unbedingt. Die TV-Milliardärin ist bestes Symbol, dass sich seit 1971 die Rolle von Frauen stark verändert hat. Was die Pressefreiheit betrifft, gibt es in den USA nur noch wenige Bastionen, die sich gegen das Establishment halten. Vor diesem Hintergrund ist Die Verlegerin einfach zu brav, Spielberg Light sozusagen. Ordentlich (6/10).
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Der deutsche Verleihtitel Die Verlegerin verdeutlicht den Fokus des Drehbuchs von Josh Singer (Spotlight) und seiner jungen Kollegin Liz Hannah und stellt natürlich gleichzeitig werbewirksam die Hauptdarstellerin Meryl Streep in den Vordergrund. Tatsächlich wurde Katharine "Kay" Graham, Herausgeberin der Post seit dem Tode ihres Mannes Phil, 1972 der erste weibliche Chef einer Fortune-500-Firma. Leider bauscht Spielberg diesen Meilenstein künstlich auf. Es gibt zwar eindrückliche Momente, etwa wenn Kay Graham zum ersten Mal einen Börsenraum vollgestopft mit würdevollen weißen Männern betritt. Meryl Streep weiß auch Kays anfängliche Unsicherheit im Umgang mit den Alphamännern darzustellen. Von den Aufsichtsratmitgliedern über ihren Chefredakteur Benjamin Bradlee (Tom Hanks) bis zu ihrem Anwalt wird sie immer wieder belächelt und herablassend behandelt. Trotzdem hat sie die Entscheidungsbefugnis und nimmt sie im wichtigsten Moment auch wahr. Aber der Weg dahin wirkt auf mich nicht wahrhaftig und wird dann in typischer Spielberg-Manier am Ende untergraben durch das Spalier von bewundernden Frauen nach der Entscheidung des Supreme Courts für die Pressefreiheit. Kay Graham wurde bestimmt zum Vorbild für viele Frauen, aber dieser Prozess war sicher gradueller - und weniger kinotauglich. Der Pulitzer-Preis ging 1972 übrigens an die New York Times, erst ein Jahr später an die Post: für die Enthüllung der Watergate-Affäre. Einen weiteren Pulitzer gewann Kay Graham 1998 - für ihre Memoiren. Sie starb 2001.
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Neben Streep verblassen dann auch die männlichen Kollegen, die natürlich alle solide agieren (weniger würde man bei Spielberg nie erwarten). Tom Hanks' Chefredakteur wird auf einen reinen Handlungsträger reduziert, obwohl ihm das Script sogar Szenen mit seiner Ehefrau (Sarah Paulson) spendiert. Am überzeugendsten fand ich noch Bob Odenkirk (Better Call Saul) als Chefreporter, Bruce Greenwood als McNamara und Bradley Whitford (The West Wing, Cabin in the Woods) als Aufsichtsrat Arthur Parsons. Dank Spielbergs flüssiger Erzählweise und Januscz Kaminskis eleganter Kameraführung wird die Geschichte nie wirklich langweilig, bekommt aber auch nie den mitreißenden Schwung etwa des verwandten Oscar-Gewinners Spotlight. Das Zeitkolorit wird zwar ganz gut eingefangen, wirkt aber nie so beklemmend echt wie etwa in Mad Men (trotz dessen satirischer Sichtweise - vielleicht fehlt der Zigarettenqualm). Und den bedeutungsschweren Score von John Williams fand ich diesmal besonders manipulativ. So wirken sowohl das Lob auf die Pressefreiheit als auch der Ruf nach Geschlechtergleichheit aufgesetzt. Ein wenig hat mich das an Oprah Winfreys begeisternde #Time's-Up-Rede bei den diesjährigen Golden Globes erinnert. Das reine Heraufbeschwören von Veränderungen beschleunigt diese nicht unbedingt. Die TV-Milliardärin ist bestes Symbol, dass sich seit 1971 die Rolle von Frauen stark verändert hat. Was die Pressefreiheit betrifft, gibt es in den USA nur noch wenige Bastionen, die sich gegen das Establishment halten. Vor diesem Hintergrund ist Die Verlegerin einfach zu brav, Spielberg Light sozusagen. Ordentlich (6/10).
Sonntag, 17. Juni 2018
Die Hugo-Finalisten 2018: Novellen
Während die Auswahl in der Kategorie "Roman" in diesem Jahr sehr enttäuschend ist - es sieht nach einem Hatrick für N.K. Jemisin aus - hatte ich an den Novellen überwiegend Freude. Es handelt sich eigentlich um Kurzromane, zwischen 100 und 200 Seiten lang, abgeschlossen oder Teil einer Serie. Nicht unter die Finalisten gekommen sind übrigens die beiden jüngsten Penric-Erzählungen von Lois McMaster Bujold, dafür ist ihre "World of the Five Gods" bei den Serien im Rennen. Hier meine Abstimmungsreihenfolge:
6. River of Teeth: Sarah Gailey
Die Grundidee ist eigentlich ganz nett: Im 19. Jahrhundert werden am Mississippi Flusspferde angesiedelt und lösen bald gewöhnliche Pferde als Reittiere ab. Vor diesem Hintergrund gibt es dann eine Wildwestgeschichte, die vor allem in der Figurenzeichnung jämmerlich scheitert. Insbesondere die wild durcheinandergeworfenen Gender-Typisierungen reiben sich mit dem historischen Hintergrund, vom bisexuellen Helden, der zu Beginn des Abenteuers erstmal einen blauäugigen Buchhalter vernascht, über die taffe, schwangere Kopfgeldjägerin bis hin zu einer Person, die das Geschlechterroulette verloren hat und deshalb nur mit "they" referenziert wird. Das ist reine Anbiederung an die LGBT-Gemeinde. Die bereits erhältliche Fortsetzung kann mir gestohlen bleiben!
5. The Black Tides of Heaven: JY Yang
Die quere Autor*in erfindet ein unwahrscheinliches Zwillingspaar, das sich in einer mittelalterlichen Fantasywelt auf unterschiedlichen Seiten eines weltumspannenden Konfliktes wiederfindet. Auch hier gibt es Abzüge für die beliebigen Geschlechtertypisierungen. Während manche Personen schon mit vier (4!) Jahren ein Geschlecht zugewiesen bekommen, warten die Zwillinge damit 17 Jahre, also ca. bis zur Halbzeitpause der Erzählung. Bis dahin werden sie einzeln mit "they" angesprochen, was zu Verwirrung und Verärgerung führt. Ansonsten sind Weltenaufbau wie Charakterisierungen hier aufgrund der Kürze nicht besonders überzeugend. Auch hierzu soll es eine Fortsetzung/Erweiterung geben - pah.
NO AWARD
4. And then there were (N-One): Sarah Pinsker
Das Ego der Autorin muss größer als ein Planet sein, denn wie sonst hätte sie sich trauen können, uns diese Geschichte vorzusetzen, in der sie alle Haupt- und Nebenrollen mit sich selbst besetzt. In Ich-Form erzählt Sarah von einem Kongress, an dem Sarahs aus ausgewählten parallelen Dimensionen teilnehmen. Da ist nämlich die Physikerin (oder "Quantologin") Sarah, die mal eben nicht nur Kommunikation, sondern auch Reisen zwischen alternativen Realitäten erfunden hat. Daneben haben die Sarahs trotz identischer Gene offenbar unendliche Talente, denn es gibt preisgekrönte Autorinnen genauso wie Grammy-gewinnende Musikerinnen - allerdings keine Ärztinnen. Unsere Erzählerin ist eine schnöde Versicherungsdetektivin, was aber praktisch ist, denn eine Sarah wurde gerade tot aufgefunden - ermordet? Das erklärt die an Agatha Christie angelehnte Titelvariation. Eigentlich führt die Autorin die so beliebte Multiverse-Theorie ad absurdum, aber sie zeigt eindrücklich die reale Wahrheit, dass kleinste Entscheidungen und Zufälle einen Lebenslauf aufs nachdrücklichste beeinflussen können. Spaßig und anregend!
3. Binti - Home: Nnedi Okorafor
Dies ist die Fortsetzung des Hugo-Gewinners vom vorletzen Jahr, genauso toll geschrieben, mit einer detailliert ausgemalten, exotischen Zukunft und einer faszinierenden Hauptfigur. Mein Hauptkritikpunkt ist, dass "Home" eigentlich die erste Hälfte eines Romans darstellt. Es endet mit einem Cliffhanger und bildet damit keine abgeschlossene Geschichte wie der erste Teil. Der Abschluss ist für faire 2 Euro als eBook erhältlich (ein Preismodell, das für Novellen leider nicht üblich ist), und daher werde ich ihn direkt als nächstes lesen (er käme dann in die Auswahl für nächstes Jahr). Ein weiterer Aspekt der Binti-Saga hat mich zudem gestört. Es ist in Ordnung, dass auch in einer Zukunft mit Raumschiffen und Alienkontakten Traditionen bewahrt werden. Aber müssen dazu auch abergläubische Rituale gehören? Was ich meine (nur ein Beispiel, kommt im Buch nicht vor!): Die Aufführung eines traditionellen Regentanzes ist schön, solange die Qualität der Darbietung nicht an der Regenmenge des folgenden Monats gemessen wird. Besonders genervt hat mich, dass Binti (und übrigens nur die Himba-Frauen) nicht ohne auf die Haut aufgetragenen Schutzschlamm (otjize) in die Öffentlichkeit gehen kann - auch auf dem Universitätsplaneten, der kein Wüstenklima hat. Das ist keine zu verteidigende Tradition mehr, sondern eine angelernte Neurose, und ein gutes Beispiel, wie eine an sich vernünftige Vorschrift verknöchert und nicht mehr hilft, sondern behindert.
2. Down Among the Sticks and Bones: Seanan McGuire
Seanan McGuire ist eine Vielschreiberin, was der Qualität ihres Werks nicht unbedingt bekommt. Bisher kenne ich nur einen kleinen Querschnitt, aber zum einen vermute ich, dass sie im Laufe der Jahre besser geworden ist, zum anderen gibt es wohl Erzählungen, in die sie mehr Arbeit hineinsteckt. So gewann sie mit ihrer Novelle Every Heart a Doorway letztes Jahr verdient ihren ersten Hugo. "Down Among the Sticks and Bones" ist nun eine Art (abgeschlossene) Vorgeschichte, um die Zeit der Zwillingsschwestern Jack (Jacqueline) und Jill(ian) in ihrer Fantasiewelt. Besonders reizvoll ist das Spiel mit den Geschlechterrollen (und dies ist ein Beispiel dafür, wie man das thematisieren kann, ohne penetrant zu wirken). Der Vater hat sich einen Sohn gewünscht und unterstützt Jills Tom-Boy-Verhalten, die Mutter dagegen formt Jack zu einer neurotischen Ballerina (und ach, wie wünschen sie sich, die Schwestern könnten die Namen tauschen!) In der Fantasiewelt, in die sie mit 11 Jahren gelangen und erst mit 17 wieder verlassen, lösen sich die Schwestern dann von den Erwartungen der Eltern. Jack wird das Mündel des herrschenden Vampir-Barons, während Jill beim ortsansässigen Frankenstein-Verschnitt in die Lehre geht. Das ist spannend, komisch und traurig zugleich. Bravo!
1. All Systems Red: Martha Wells
In einer fernen Zukunft besiedelt und terraformt die Menschheit ferne Planeten. Das ist ein kommerziell gesteuertes Verfahren. Mit der Bewertung eines neuen Siedlungsplaneten wird ein kleiner Trupp von Wissenschaftlern beauftragt, bewacht von einem Standard-Kampfandroiden (nach den Regeln der federführenden Gesellschaft muss den Prospektoren pro zehn Personen eine solche Maschine zugeteilt werden). Dieser Android ist allerdings nur nach außen ein Standardmodell. Nach einem traumatischen Einsatz, bei dem er aufgrund eines Programmierfehlers Unschuldige niedergemetzelt hatte, hat er kurzerhand sein eigenes Steuerprogramm gehackt und ist nun sein eigener Herr, auch wenn er seinen Auftrag, die Wissenschaftler zu beschützen, immer noch sehr ernst nimmt. Mit typischer Künstlicher Ironie nennt er sich den "Murderbot" und erzählt in Tagebuchform seine Erlebnisse. Sogleich sympathisch wird er uns, weil er in seiner Freizeit Fernsehserien konsumiert, insbesondere Seifenopern (die leider auch sein Menschenbild prägen). Außerdem ist er in seinen Fähigkeiten eingeschränkter als wir das sonst in der SF gewohnt sind. Er ist halt als Sparmodell konzipiert, das den Vorgaben genügen muss, aber auch nicht allzu teuer in der Produktion sein darf. So ist offenbar seine Multitasking-Fähigkeit stark eingeschränkt (im Gegensatz zu Data, der bei einem Gespräch mit Menschen zeitgleich noch Shakespeares Werk analysieren kann). Zudem ist er, auch aufgrund seiner Traumatisierung, extrem schüchtern im Umgang mit Menschen. Aber gerade diese Beschränkungen machen ihn zu einer faszinierenden Figur.
Die Texanerin Martha Wells, Jahrgang 1964, kann bereits auf umfangreiche Veröffentlichungen im SF- und Fantasy-Genre zurückblicken. Vor Jahren habe ich mal eine Urban Fantasy von ihr begonnen und nach ein paar Kapiteln wieder aufgegeben ("The Death of the Necromancer"). Vielleicht war das voreilig, jedenfalls werde ich ihr jetzt noch ein paar Chancen geben. Sie ist mit ihren Raksura-Fantasy-Romanen in diesem Jahr auch für die Beste Serie im Rennen. "All Systems Red", die erste Novelle in ihren "Murderbot Diaries", hat in diesem Jahr bereits den Nebula gewonnen und ist auch mein Favorit für den Hugo. Das ist mal waschechte Science Fiction, humorvoll und actiongeladen (auch wenn ich nicht so weit wie andere Rezensenten gehen würde, dies als Military SF zu klassifizieren).
6. River of Teeth: Sarah Gailey
Die Grundidee ist eigentlich ganz nett: Im 19. Jahrhundert werden am Mississippi Flusspferde angesiedelt und lösen bald gewöhnliche Pferde als Reittiere ab. Vor diesem Hintergrund gibt es dann eine Wildwestgeschichte, die vor allem in der Figurenzeichnung jämmerlich scheitert. Insbesondere die wild durcheinandergeworfenen Gender-Typisierungen reiben sich mit dem historischen Hintergrund, vom bisexuellen Helden, der zu Beginn des Abenteuers erstmal einen blauäugigen Buchhalter vernascht, über die taffe, schwangere Kopfgeldjägerin bis hin zu einer Person, die das Geschlechterroulette verloren hat und deshalb nur mit "they" referenziert wird. Das ist reine Anbiederung an die LGBT-Gemeinde. Die bereits erhältliche Fortsetzung kann mir gestohlen bleiben!
5. The Black Tides of Heaven: JY Yang
Die quere Autor*in erfindet ein unwahrscheinliches Zwillingspaar, das sich in einer mittelalterlichen Fantasywelt auf unterschiedlichen Seiten eines weltumspannenden Konfliktes wiederfindet. Auch hier gibt es Abzüge für die beliebigen Geschlechtertypisierungen. Während manche Personen schon mit vier (4!) Jahren ein Geschlecht zugewiesen bekommen, warten die Zwillinge damit 17 Jahre, also ca. bis zur Halbzeitpause der Erzählung. Bis dahin werden sie einzeln mit "they" angesprochen, was zu Verwirrung und Verärgerung führt. Ansonsten sind Weltenaufbau wie Charakterisierungen hier aufgrund der Kürze nicht besonders überzeugend. Auch hierzu soll es eine Fortsetzung/Erweiterung geben - pah.
NO AWARD
4. And then there were (N-One): Sarah Pinsker
Das Ego der Autorin muss größer als ein Planet sein, denn wie sonst hätte sie sich trauen können, uns diese Geschichte vorzusetzen, in der sie alle Haupt- und Nebenrollen mit sich selbst besetzt. In Ich-Form erzählt Sarah von einem Kongress, an dem Sarahs aus ausgewählten parallelen Dimensionen teilnehmen. Da ist nämlich die Physikerin (oder "Quantologin") Sarah, die mal eben nicht nur Kommunikation, sondern auch Reisen zwischen alternativen Realitäten erfunden hat. Daneben haben die Sarahs trotz identischer Gene offenbar unendliche Talente, denn es gibt preisgekrönte Autorinnen genauso wie Grammy-gewinnende Musikerinnen - allerdings keine Ärztinnen. Unsere Erzählerin ist eine schnöde Versicherungsdetektivin, was aber praktisch ist, denn eine Sarah wurde gerade tot aufgefunden - ermordet? Das erklärt die an Agatha Christie angelehnte Titelvariation. Eigentlich führt die Autorin die so beliebte Multiverse-Theorie ad absurdum, aber sie zeigt eindrücklich die reale Wahrheit, dass kleinste Entscheidungen und Zufälle einen Lebenslauf aufs nachdrücklichste beeinflussen können. Spaßig und anregend!
3. Binti - Home: Nnedi Okorafor
Dies ist die Fortsetzung des Hugo-Gewinners vom vorletzen Jahr, genauso toll geschrieben, mit einer detailliert ausgemalten, exotischen Zukunft und einer faszinierenden Hauptfigur. Mein Hauptkritikpunkt ist, dass "Home" eigentlich die erste Hälfte eines Romans darstellt. Es endet mit einem Cliffhanger und bildet damit keine abgeschlossene Geschichte wie der erste Teil. Der Abschluss ist für faire 2 Euro als eBook erhältlich (ein Preismodell, das für Novellen leider nicht üblich ist), und daher werde ich ihn direkt als nächstes lesen (er käme dann in die Auswahl für nächstes Jahr). Ein weiterer Aspekt der Binti-Saga hat mich zudem gestört. Es ist in Ordnung, dass auch in einer Zukunft mit Raumschiffen und Alienkontakten Traditionen bewahrt werden. Aber müssen dazu auch abergläubische Rituale gehören? Was ich meine (nur ein Beispiel, kommt im Buch nicht vor!): Die Aufführung eines traditionellen Regentanzes ist schön, solange die Qualität der Darbietung nicht an der Regenmenge des folgenden Monats gemessen wird. Besonders genervt hat mich, dass Binti (und übrigens nur die Himba-Frauen) nicht ohne auf die Haut aufgetragenen Schutzschlamm (otjize) in die Öffentlichkeit gehen kann - auch auf dem Universitätsplaneten, der kein Wüstenklima hat. Das ist keine zu verteidigende Tradition mehr, sondern eine angelernte Neurose, und ein gutes Beispiel, wie eine an sich vernünftige Vorschrift verknöchert und nicht mehr hilft, sondern behindert.
2. Down Among the Sticks and Bones: Seanan McGuire
Seanan McGuire ist eine Vielschreiberin, was der Qualität ihres Werks nicht unbedingt bekommt. Bisher kenne ich nur einen kleinen Querschnitt, aber zum einen vermute ich, dass sie im Laufe der Jahre besser geworden ist, zum anderen gibt es wohl Erzählungen, in die sie mehr Arbeit hineinsteckt. So gewann sie mit ihrer Novelle Every Heart a Doorway letztes Jahr verdient ihren ersten Hugo. "Down Among the Sticks and Bones" ist nun eine Art (abgeschlossene) Vorgeschichte, um die Zeit der Zwillingsschwestern Jack (Jacqueline) und Jill(ian) in ihrer Fantasiewelt. Besonders reizvoll ist das Spiel mit den Geschlechterrollen (und dies ist ein Beispiel dafür, wie man das thematisieren kann, ohne penetrant zu wirken). Der Vater hat sich einen Sohn gewünscht und unterstützt Jills Tom-Boy-Verhalten, die Mutter dagegen formt Jack zu einer neurotischen Ballerina (und ach, wie wünschen sie sich, die Schwestern könnten die Namen tauschen!) In der Fantasiewelt, in die sie mit 11 Jahren gelangen und erst mit 17 wieder verlassen, lösen sich die Schwestern dann von den Erwartungen der Eltern. Jack wird das Mündel des herrschenden Vampir-Barons, während Jill beim ortsansässigen Frankenstein-Verschnitt in die Lehre geht. Das ist spannend, komisch und traurig zugleich. Bravo!
1. All Systems Red: Martha Wells
In einer fernen Zukunft besiedelt und terraformt die Menschheit ferne Planeten. Das ist ein kommerziell gesteuertes Verfahren. Mit der Bewertung eines neuen Siedlungsplaneten wird ein kleiner Trupp von Wissenschaftlern beauftragt, bewacht von einem Standard-Kampfandroiden (nach den Regeln der federführenden Gesellschaft muss den Prospektoren pro zehn Personen eine solche Maschine zugeteilt werden). Dieser Android ist allerdings nur nach außen ein Standardmodell. Nach einem traumatischen Einsatz, bei dem er aufgrund eines Programmierfehlers Unschuldige niedergemetzelt hatte, hat er kurzerhand sein eigenes Steuerprogramm gehackt und ist nun sein eigener Herr, auch wenn er seinen Auftrag, die Wissenschaftler zu beschützen, immer noch sehr ernst nimmt. Mit typischer Künstlicher Ironie nennt er sich den "Murderbot" und erzählt in Tagebuchform seine Erlebnisse. Sogleich sympathisch wird er uns, weil er in seiner Freizeit Fernsehserien konsumiert, insbesondere Seifenopern (die leider auch sein Menschenbild prägen). Außerdem ist er in seinen Fähigkeiten eingeschränkter als wir das sonst in der SF gewohnt sind. Er ist halt als Sparmodell konzipiert, das den Vorgaben genügen muss, aber auch nicht allzu teuer in der Produktion sein darf. So ist offenbar seine Multitasking-Fähigkeit stark eingeschränkt (im Gegensatz zu Data, der bei einem Gespräch mit Menschen zeitgleich noch Shakespeares Werk analysieren kann). Zudem ist er, auch aufgrund seiner Traumatisierung, extrem schüchtern im Umgang mit Menschen. Aber gerade diese Beschränkungen machen ihn zu einer faszinierenden Figur.
Die Texanerin Martha Wells, Jahrgang 1964, kann bereits auf umfangreiche Veröffentlichungen im SF- und Fantasy-Genre zurückblicken. Vor Jahren habe ich mal eine Urban Fantasy von ihr begonnen und nach ein paar Kapiteln wieder aufgegeben ("The Death of the Necromancer"). Vielleicht war das voreilig, jedenfalls werde ich ihr jetzt noch ein paar Chancen geben. Sie ist mit ihren Raksura-Fantasy-Romanen in diesem Jahr auch für die Beste Serie im Rennen. "All Systems Red", die erste Novelle in ihren "Murderbot Diaries", hat in diesem Jahr bereits den Nebula gewonnen und ist auch mein Favorit für den Hugo. Das ist mal waschechte Science Fiction, humorvoll und actiongeladen (auch wenn ich nicht so weit wie andere Rezensenten gehen würde, dies als Military SF zu klassifizieren).
Samstag, 9. Juni 2018
Blue's Eleven: Jurassic World 2 (6/10)
Dies ist das Abenteuer von elf starken Frauen, die eine Reise ins Unbekannte antreten. Die Menschheit hat sie bereits aufgegeben, aber Blue und ihre Freundinnen verzweifeln nicht. Gerade erst einer Naturkatastrophe entronnen, planen sie bereits den Heist des Känozoikums. Sie mischen die Villa eines Milliardärs auf und setzen sich gegen ihre ärgste Widersacherin durch, eine lasergesteuerte Replikantin.
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Zu Beginn der Geschichte ist Blue einsam und verbittert - die Letzte ihrer Art (wir dickhäutigen Menschen erinnern uns kaum noch, aber ihre drei Schwestern wurden in Jurassic World dahingemetzelt). Daher fällt es ihr auch schwer, ihrem Menschenfreund Owen zu vertrauen, als dieser so urplötzlich wieder auf ihrer Insel erscheint. Aber die Umstände zwingen sie schnell, ihre Depression zu überwinden. Es heißt geschwind die Koffer zu packen und zu verschwinden, denn ein Vulkan bricht aus, und Lava verschlingt ihren Lebensraum. So findet sie sich unfreiwillig in Gesellschaft ihrer Verwandten wieder. Aber nicht alle können sich retten, und so müssen die Flüchtlinge aus der Ferne die Qualen von Brunhildes Schwester mit ansehen, die in der Hitze des Vulkanausbruchs dahinschmilzt (ein ikonisches Bild, welches wir Zuschauer nicht so schnell vergessen werden).
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Auf der Schiffsreise zeigt sich dann die starke Solidarität innerhalb der Familie. Blue ist verwundet und benötigt eine Bluttransfusion. In ihrer Not muss sie sich an jene Tante wenden, mit der sie eine respektvoll distanzierte Hassfreundschaft verbindet. Wer erinnert sich nicht an Tryxi mit ihrem Appetit auf Anwälte! Aber trotz aller Vorurteile lässt Tryxi ihre Nichte nicht im Stich und spendet ohne Zögern den notwendigen Kübel Blut. Hier zeigt sich wieder, dass Blut dicker als Wasser ist und auch Dinosaurier Gefühle haben! Kaum erwähnenswert, dass Blue die Operation auch ohne Betäubung durchsteht - man darf vermuten, dass äonenalte Autosuggestionstechniken zur Anwendung kamen.
Endstation der Reise ist besagte Milliardärsvilla bei London. Nicht unbedingt naheliegend, mag das damit zusammenhängen, dass schon Jurassic-Park-Gründer John Hammond aus England stammt. Leider konnte nach Richard Attenborough keine weitere britische Legende gewonnen werden, und so muss ein Amerikaner mit britisch-klingendem Namen genügen. James Cromwell mimt den reichen Aristokraten mit fragwürdigen Motiven vom Krankenbett aus. Aber die menschlichen Beweggründe sind hier ja nebensächlich. Zurück zu Blue und ihren Freundinnen, die von der Notlage immer mehr zu einem Team zusammengeschweisst werden. Jede darf ihre besonderen Fähigkeiten entfalten. Besonders bezaubernd ist in dieser Hinsicht Stiggy, die gern mit dem Kopf durch die Wand will - genau das, was die Lage erfordert. Schließlich kommt es zum Showdown, bei dem Team Blue ihre schwächlichen Menschenfreunde vor der bösen Replikantin beschützen müssen.
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Na also, es gibt doch noch Blockbuster mit rein weiblichen Hauptdarstellern! Allerdings herrscht schon ein Ungleichgewicht zwsichen den Stars (Blue, Tryxi, Brunhilde) und den Nebendarstellerinnen - hier hätte ich mir vom Script bessere Charakterisierungen gewünscht. Aus Sicherheitsgründen kamen in der Werbung übrigens eher die menschlichen Statisten zu Wort. Trotz dieser Publicity-Strategie drücken wir die Daumen für Blues Oscar-Nominierung. Die Entwicklung ihrer Figur war schon beeindruckend gespielt. Falls es nicht klappt mit dem Preis, kann sie ja immer noch den Moderator verspeisen...
Alles in allem eine kleine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Ordentlich (6/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
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Zu Beginn der Geschichte ist Blue einsam und verbittert - die Letzte ihrer Art (wir dickhäutigen Menschen erinnern uns kaum noch, aber ihre drei Schwestern wurden in Jurassic World dahingemetzelt). Daher fällt es ihr auch schwer, ihrem Menschenfreund Owen zu vertrauen, als dieser so urplötzlich wieder auf ihrer Insel erscheint. Aber die Umstände zwingen sie schnell, ihre Depression zu überwinden. Es heißt geschwind die Koffer zu packen und zu verschwinden, denn ein Vulkan bricht aus, und Lava verschlingt ihren Lebensraum. So findet sie sich unfreiwillig in Gesellschaft ihrer Verwandten wieder. Aber nicht alle können sich retten, und so müssen die Flüchtlinge aus der Ferne die Qualen von Brunhildes Schwester mit ansehen, die in der Hitze des Vulkanausbruchs dahinschmilzt (ein ikonisches Bild, welches wir Zuschauer nicht so schnell vergessen werden).
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Auf der Schiffsreise zeigt sich dann die starke Solidarität innerhalb der Familie. Blue ist verwundet und benötigt eine Bluttransfusion. In ihrer Not muss sie sich an jene Tante wenden, mit der sie eine respektvoll distanzierte Hassfreundschaft verbindet. Wer erinnert sich nicht an Tryxi mit ihrem Appetit auf Anwälte! Aber trotz aller Vorurteile lässt Tryxi ihre Nichte nicht im Stich und spendet ohne Zögern den notwendigen Kübel Blut. Hier zeigt sich wieder, dass Blut dicker als Wasser ist und auch Dinosaurier Gefühle haben! Kaum erwähnenswert, dass Blue die Operation auch ohne Betäubung durchsteht - man darf vermuten, dass äonenalte Autosuggestionstechniken zur Anwendung kamen.
Endstation der Reise ist besagte Milliardärsvilla bei London. Nicht unbedingt naheliegend, mag das damit zusammenhängen, dass schon Jurassic-Park-Gründer John Hammond aus England stammt. Leider konnte nach Richard Attenborough keine weitere britische Legende gewonnen werden, und so muss ein Amerikaner mit britisch-klingendem Namen genügen. James Cromwell mimt den reichen Aristokraten mit fragwürdigen Motiven vom Krankenbett aus. Aber die menschlichen Beweggründe sind hier ja nebensächlich. Zurück zu Blue und ihren Freundinnen, die von der Notlage immer mehr zu einem Team zusammengeschweisst werden. Jede darf ihre besonderen Fähigkeiten entfalten. Besonders bezaubernd ist in dieser Hinsicht Stiggy, die gern mit dem Kopf durch die Wand will - genau das, was die Lage erfordert. Schließlich kommt es zum Showdown, bei dem Team Blue ihre schwächlichen Menschenfreunde vor der bösen Replikantin beschützen müssen.
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Na also, es gibt doch noch Blockbuster mit rein weiblichen Hauptdarstellern! Allerdings herrscht schon ein Ungleichgewicht zwsichen den Stars (Blue, Tryxi, Brunhilde) und den Nebendarstellerinnen - hier hätte ich mir vom Script bessere Charakterisierungen gewünscht. Aus Sicherheitsgründen kamen in der Werbung übrigens eher die menschlichen Statisten zu Wort. Trotz dieser Publicity-Strategie drücken wir die Daumen für Blues Oscar-Nominierung. Die Entwicklung ihrer Figur war schon beeindruckend gespielt. Falls es nicht klappt mit dem Preis, kann sie ja immer noch den Moderator verspeisen...
Alles in allem eine kleine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Ordentlich (6/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Well I had an old dog and his name was Blue
Yes, I had an old dog and his name was Blue
Well I had an old dog and his name was Blue
Bet ya five dollars he's a good dog too
Samstag, 26. Mai 2018
O Solo Mio (5/10)
Wie heisst Du?
Han.
Und weiter?
Äh...
Hast du keine Familie?
Nö.
Dann nennen wir dich ... Solo.
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Das ist so ein typischer, nur leicht vereinfachter Dialog, den Altmeister Lawrence Kasdan (*1949) mit seinem jüngeren Sohn Jon(athan) (*1979) unserem Helden zwischen die Lippen zwängt. Das vom Hauptautor des auf ewig besten Star-Wars-Films, Das Imperium schlägt zurück, Erfinder von Indiana Jones und Autor/Regisseur eines weiteren Lieblingsfilms von mir: Der große Frust (1983). Der stellt sich bei mir auch ein ob eines Drehbuchs, dessen Kernidee auf einem Fehler von George Lucas beruht, der damals nicht wusste, was ein Parsec ist. 40 Jahre lang hatten wir Freude am Millenium Falcon ohne eine Erklärung für den Kessel-Lauf in zwölf Parsecs. Wir wissen, wer Solo ist, und wo Solo ist - nur Drax würde fragen, warum Solo ist. Jons Bruder Jake (*1974) hat mit der spaßigen, Rock-soliden Jumanji-Fortsetzung Willkommen im Dschungel gerade mehr zur Familienehre beigetragen als sein Vater in den letzten 20 Jahren.
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Statt über das Konzept, nicht vorhandene Lücken in einer perfekten Mythologie stopfen zu wollen, schimpfen nun alle auf den armen Alden Ehrenreich, der mich zuletzt in Hail, Caesar! mit seinem Spaghetti-Lasso bezaubern konnte ("Would that it were so simple.") Nein, der 28jährige ist kein Harrison Ford (der übrigens damals bereits 10 Jahre älter war), aber er schlägt sich wahrlich wacker. Fords Charme ist ja genauso mystisch wie seine Figuren und damit unkopierbar. Ehrenreich versteht es durchaus, Fords (ohnehin eingeschränkte) Mimik und Sprachrhythmen zu kopieren, aber das Material lässt ihm keinen Raum, seine Figur zum Leben zu erwecken. So bleibt seine Darstellung irgendwo zwischen misslungen (wie etwa Joseph Gordon-Levitt als junger Bruce Willis in Looper) und genial (Josh Brolin in Men in Black 3 als junger Tommy Lee Jones) im Mittelmaß kleben, so wie der Rest des Epos. Wo Disney draufsteht, ist auf Dauer halt auch nur Disney drin.
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Was bleibt, ist eine Abenteuergeschichte, der nie wirklich der Sprit ausgeht, die aber auch nie Lichtgeschwindigkeit erreicht. Woody Harrelson und "Vision" Paul Bettany sind solide wie immer, Thandie Newton (seit Westworld wieder angesagt) ist verschenkt, ebenso leider "Daenerys" Emilia Clarke. Immerhin wissen wir jetzt, dass ihr Capes stehen - Supergirl, anyone? Wirklich gelungen ist nur Donald Glovers Darstellung als Lando Calrissian - der 34jährige Atlanta-Star ist ein großes Talent. Oh, ja, und der inzwischen fast 50jährige "Wicket" Warwick Davis hat eine kleine Rolle, fast ohne Maske. Das ist leider reiner Fan-Service ohne Payoff. Und die immens talentierte Linda Hunt (die als einzige Frau einen Oscar für die Darstellung eines Mannes gewann) spricht einen übergroßen Regenwurm oder sowas.
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Genauer habe ich das nicht ausmachen können, denn die Kamerabilder waren im allgemeinen so dunkel und unscharf gehalten, dass man nur Schemen ausmachen konnte (ich übertreibe nur wenig, insbesondere was die 3D-Projektion anbelangt). Das passt zur Musik, einer uninspirierten John-Williams-Kopie mit einigen berühmten Zitaten. Na ja, von Regisseur Ron(ny) Howard erwartet niemand mehr Überraschungen. Sein letzter toller Film Frost/Nixon (2008, 9/10) war schon eher ein Ausrutscher, und seine dritte Dan-Brown-Adaption (2016, 2/10) war ein wahres Inferno. Aber was nützt es, sich über Mittelmaß aufzuregen? Die bislang teuerste Star-Wars-Geschichte wird wohl die bislang wenigsten Credits einspielen, aber trotzdem als Erfolg gewertet werden. Ob es zur handlungstechnisch vorbereiteten Fortsetzung reicht, wird sich zeigen. Annehmbar (5/10).
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Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Han.
Und weiter?
Äh...
Hast du keine Familie?
Nö.
Dann nennen wir dich ... Solo.
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Das ist so ein typischer, nur leicht vereinfachter Dialog, den Altmeister Lawrence Kasdan (*1949) mit seinem jüngeren Sohn Jon(athan) (*1979) unserem Helden zwischen die Lippen zwängt. Das vom Hauptautor des auf ewig besten Star-Wars-Films, Das Imperium schlägt zurück, Erfinder von Indiana Jones und Autor/Regisseur eines weiteren Lieblingsfilms von mir: Der große Frust (1983). Der stellt sich bei mir auch ein ob eines Drehbuchs, dessen Kernidee auf einem Fehler von George Lucas beruht, der damals nicht wusste, was ein Parsec ist. 40 Jahre lang hatten wir Freude am Millenium Falcon ohne eine Erklärung für den Kessel-Lauf in zwölf Parsecs. Wir wissen, wer Solo ist, und wo Solo ist - nur Drax würde fragen, warum Solo ist. Jons Bruder Jake (*1974) hat mit der spaßigen, Rock-soliden Jumanji-Fortsetzung Willkommen im Dschungel gerade mehr zur Familienehre beigetragen als sein Vater in den letzten 20 Jahren.
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Statt über das Konzept, nicht vorhandene Lücken in einer perfekten Mythologie stopfen zu wollen, schimpfen nun alle auf den armen Alden Ehrenreich, der mich zuletzt in Hail, Caesar! mit seinem Spaghetti-Lasso bezaubern konnte ("Would that it were so simple.") Nein, der 28jährige ist kein Harrison Ford (der übrigens damals bereits 10 Jahre älter war), aber er schlägt sich wahrlich wacker. Fords Charme ist ja genauso mystisch wie seine Figuren und damit unkopierbar. Ehrenreich versteht es durchaus, Fords (ohnehin eingeschränkte) Mimik und Sprachrhythmen zu kopieren, aber das Material lässt ihm keinen Raum, seine Figur zum Leben zu erwecken. So bleibt seine Darstellung irgendwo zwischen misslungen (wie etwa Joseph Gordon-Levitt als junger Bruce Willis in Looper) und genial (Josh Brolin in Men in Black 3 als junger Tommy Lee Jones) im Mittelmaß kleben, so wie der Rest des Epos. Wo Disney draufsteht, ist auf Dauer halt auch nur Disney drin.
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Was bleibt, ist eine Abenteuergeschichte, der nie wirklich der Sprit ausgeht, die aber auch nie Lichtgeschwindigkeit erreicht. Woody Harrelson und "Vision" Paul Bettany sind solide wie immer, Thandie Newton (seit Westworld wieder angesagt) ist verschenkt, ebenso leider "Daenerys" Emilia Clarke. Immerhin wissen wir jetzt, dass ihr Capes stehen - Supergirl, anyone? Wirklich gelungen ist nur Donald Glovers Darstellung als Lando Calrissian - der 34jährige Atlanta-Star ist ein großes Talent. Oh, ja, und der inzwischen fast 50jährige "Wicket" Warwick Davis hat eine kleine Rolle, fast ohne Maske. Das ist leider reiner Fan-Service ohne Payoff. Und die immens talentierte Linda Hunt (die als einzige Frau einen Oscar für die Darstellung eines Mannes gewann) spricht einen übergroßen Regenwurm oder sowas.
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Genauer habe ich das nicht ausmachen können, denn die Kamerabilder waren im allgemeinen so dunkel und unscharf gehalten, dass man nur Schemen ausmachen konnte (ich übertreibe nur wenig, insbesondere was die 3D-Projektion anbelangt). Das passt zur Musik, einer uninspirierten John-Williams-Kopie mit einigen berühmten Zitaten. Na ja, von Regisseur Ron(ny) Howard erwartet niemand mehr Überraschungen. Sein letzter toller Film Frost/Nixon (2008, 9/10) war schon eher ein Ausrutscher, und seine dritte Dan-Brown-Adaption (2016, 2/10) war ein wahres Inferno. Aber was nützt es, sich über Mittelmaß aufzuregen? Die bislang teuerste Star-Wars-Geschichte wird wohl die bislang wenigsten Credits einspielen, aber trotzdem als Erfolg gewertet werden. Ob es zur handlungstechnisch vorbereiteten Fortsetzung reicht, wird sich zeigen. Annehmbar (5/10).
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Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Sonntag, 20. Mai 2018
Alles nur Schau: Greatest Showman (5/10)
Die Kategorie "Comedy or Musical" der Golden Globes ist schon seit vielen Jahren ein ziemlicher Witz. Wann immer ein Musical oder gar ein Musikfilm (was für mich etwas vollkommen anderes ist, siehe etwa John Carneys Sing Street) in die Kinos kommt, wird dieser Film dann mit den Komödien des Jahres zusammengeworfen, sozusagen den anderen nicht ernstzunehmenden Werken des Jahres. Letztes Jahr hatte The Greatest Showman diese Ehre, nominal eine Biographie von P.T. Barnum (1810-1891), quasi dem Erfinder des Zirkus-Spektakels. Leider wirkt die Handlung eher wie ein tabellarischer Lebenslauf, bei dem sich die Autoren (Jenny Bicks und Bill Condon, der immerhin Chicago adaptiert hatte) reichlich Freiheiten nehmen. Das wäre in Ordnung, wenn dabei thematische Tiefe und spektakuläre Figuren entstanden wären. Aber das gezeigte victorianische New York bleibt bunte Kulisse, bevölkert von farblosen Protagonisten.
Nun ja, bei den meisten Kinomusicals ist eine durchdachte Handlung ohnehin ein unerwarteter Bonus, etwa bei Singin' in the Rain oder Cabaret, um zwei sehr unterschiedliche Beispiele anzuführen. Worauf es ankommt, sind Tanz und Musik, das Spektakel halt. Das Konzept stellt hier moderne Popmusik in anachronistischen Kontext. In Ordnung, das könnte funktionieren, wenn die Songs nicht so spannungslos wären! Sie stammen von Benji Pasek und Justin Paul, die für La La Land mindestens zwei hübsche Ohrwürmer komponiert hatten. Aber selbst diesen bescheidenen Vergleich verliert The Greatest Showman. Bezeichend, dass das einzige Lied mit Nachhall, das Oscar-nominierte This Is Me, unter Zeitdruck im Flieger auf dem Weg zur Präsentation entstand. Der schlimmste Beitrag ist die von Loren Allred eingespielte Schnulze Never Enough, die der damals weltberühmten "Schwedischen Nachtigall" Jenny Lind (M:I5-Widersacherin Rebecca Ferguson) untergeschoben wird. Ich muss gestehen, dass ich den Kieksern und der Jodelakrobatik "moderner" Popsongs ohnehin nichts abgewinnen kann, aber für diese Scharade einer amerikanischen Krähe (das Vorbild hat damals immerhin die garantiert Opern-versierte High Society Manhattans begeistert) sollten sich die Filmemacher schämen!
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Ansonsten ist die Musik meist zweckdienlich und wird von den mit Elan auftrumpfenden Darstellern überzeugend dargeboten. Für Hugh Jackman in der Titelrolle war dies eine Herzensangelegenheit. Leider hat er sich mit der Besetzung des Regieposten durch seinen australischen Kumpel und Werbefilmer Michael Gracey arg vertan. In seinem ersten Langfilm gelingen Gracey zwar etliche solide, manchmal sogar begeisternde Szenen, die sich aber nie zu einem überzeugenden Ganzen fügen. Zu den besseren Momenten gehören Duette von Hugh Jackman und Zac Efron sowie die akrobatische Liebesszene zwischen Efron und Zendaya, die übrigens trotz ihrer kleinen Rolle Starqualitäten versprüht (Schnulzenkönig Zac Efron passt hier ansonsten leider gut rein).
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Die Botschaft von Inklusion und Selbstverwirklichung, die etwa bei den Oscars von der Sängerin Keala Settle (im Film die bärtige Dame) zelebriert wurde, bleibt ganz an der Oberfläche und ist weit entfernt von der Realität der "Freaks", die P.T. Barnum für seinen Zirkus ausbeutete. Aber vielleicht ist das bezeichnend für die #MeToo-Debatte, die sich nach einigen Anfangserfolgen nun an Äußerlichkeiten aufreibt. Aber die Amerikaner schein drauf reinzufallen. The Greatest Showman war in den USA jedenfalls ein schleichender Hit und hat nach anfänglich mäßigen Einnahmen über 170 Millionen Dollar eingespielt, weltweit sogar über 430 Millionen. So sehr ich den Erfolg von Leinwand-Musicals begrüße, halte ich The Greatest Showman doch nur für einen müden Nachfolger von La La Land (welches immerhin eine großartige Emma Stone zu bieten hatte) und kann mich gerade noch zu einem Annehmbar (5/10) durchringen.
Nun ja, bei den meisten Kinomusicals ist eine durchdachte Handlung ohnehin ein unerwarteter Bonus, etwa bei Singin' in the Rain oder Cabaret, um zwei sehr unterschiedliche Beispiele anzuführen. Worauf es ankommt, sind Tanz und Musik, das Spektakel halt. Das Konzept stellt hier moderne Popmusik in anachronistischen Kontext. In Ordnung, das könnte funktionieren, wenn die Songs nicht so spannungslos wären! Sie stammen von Benji Pasek und Justin Paul, die für La La Land mindestens zwei hübsche Ohrwürmer komponiert hatten. Aber selbst diesen bescheidenen Vergleich verliert The Greatest Showman. Bezeichend, dass das einzige Lied mit Nachhall, das Oscar-nominierte This Is Me, unter Zeitdruck im Flieger auf dem Weg zur Präsentation entstand. Der schlimmste Beitrag ist die von Loren Allred eingespielte Schnulze Never Enough, die der damals weltberühmten "Schwedischen Nachtigall" Jenny Lind (M:I5-Widersacherin Rebecca Ferguson) untergeschoben wird. Ich muss gestehen, dass ich den Kieksern und der Jodelakrobatik "moderner" Popsongs ohnehin nichts abgewinnen kann, aber für diese Scharade einer amerikanischen Krähe (das Vorbild hat damals immerhin die garantiert Opern-versierte High Society Manhattans begeistert) sollten sich die Filmemacher schämen!
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Ansonsten ist die Musik meist zweckdienlich und wird von den mit Elan auftrumpfenden Darstellern überzeugend dargeboten. Für Hugh Jackman in der Titelrolle war dies eine Herzensangelegenheit. Leider hat er sich mit der Besetzung des Regieposten durch seinen australischen Kumpel und Werbefilmer Michael Gracey arg vertan. In seinem ersten Langfilm gelingen Gracey zwar etliche solide, manchmal sogar begeisternde Szenen, die sich aber nie zu einem überzeugenden Ganzen fügen. Zu den besseren Momenten gehören Duette von Hugh Jackman und Zac Efron sowie die akrobatische Liebesszene zwischen Efron und Zendaya, die übrigens trotz ihrer kleinen Rolle Starqualitäten versprüht (Schnulzenkönig Zac Efron passt hier ansonsten leider gut rein).
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Die Botschaft von Inklusion und Selbstverwirklichung, die etwa bei den Oscars von der Sängerin Keala Settle (im Film die bärtige Dame) zelebriert wurde, bleibt ganz an der Oberfläche und ist weit entfernt von der Realität der "Freaks", die P.T. Barnum für seinen Zirkus ausbeutete. Aber vielleicht ist das bezeichnend für die #MeToo-Debatte, die sich nach einigen Anfangserfolgen nun an Äußerlichkeiten aufreibt. Aber die Amerikaner schein drauf reinzufallen. The Greatest Showman war in den USA jedenfalls ein schleichender Hit und hat nach anfänglich mäßigen Einnahmen über 170 Millionen Dollar eingespielt, weltweit sogar über 430 Millionen. So sehr ich den Erfolg von Leinwand-Musicals begrüße, halte ich The Greatest Showman doch nur für einen müden Nachfolger von La La Land (welches immerhin eine großartige Emma Stone zu bieten hatte) und kann mich gerade noch zu einem Annehmbar (5/10) durchringen.
Samstag, 19. Mai 2018
Deadpool and still loving it (8/10)
Nach dem längsten Post-Credit-Szene des Jahres kommt nun der Film zur Werbekampagne. Die ja nicht übel war. Nur ein bißchen penetrant. Ryan Reynolds ist sich halt für keinen Scheiß zu hübsch. Und "das Studio, das Wolverine umgebracht hat", ließ diesmal (vergleichsweise) reichlich Dollars fließen. Trotzdem hat es bei den Superstars auch diesmal nur für Cameos gereicht (darunter Alan Tudyk, Matt Damon und, fast im Effektgewitter verschwunden, Brad Pitt). Der Erfolg ist Reynolds schon ein wenig in den Kopf gestiegen (und einige andere Gliedmaßen). Deshalb, und weil Ursprungsregisseur Tim Miller wegen "kreativer Differenzen" nicht zurückkehrte, ist die Fortsetzung ein ganz anderes Biest. Nachfolger David Leitch (kein Verwandter von Donovan), der schon bisher eher miese Trash-Action für Unsensible inszenierte (John Wick, Atomic Blonde), interessiert sich auch hier nicht für den emotionalen Gehalt, sondern setzt auf Schockeffekte und Parodie. Was dann seinen Höhepunkt in der längsten Sterbeszene der Filmgeschichte hat (wenn man mal von Opernverfilmungen und Shakespeare absieht). Was aber mehr das Zwerchfell als die Tränendrüsen animiert.
Herzstück von Deadpools Premiere war seine große Liebe Vanessa (Morena Baccarin). Diesmal kommt sie zwar vor, aber höchstens noch als Ferse. Ironisch, wenn sie dann Wade Wilson beschwört, das Herz am rechten Fleck zu tragen. Ersatzweise tritt ihm eine andere Frau ins Leben und in die Eier: Domino, gespielt von Neuentdeckung Zazie Beetz. Die in Berlin geborene New Yorkerin verdankt ihre wohltemperierte Hautfarbe der Vereinigung eines Deutschen und einer schwarzamerikanischen Mutter. Sie übertrumpft die Helden ein ums andere Mal mit ihrer speziellen Superkraft (nein, nicht das lose Mundwerk). Gibt es Trümpfe beim Domino? Na, egal. Leider ist sie dann doch nur ein kleines Steinchen im rasanten Handlungsablauf. Ansonsten sind Frauen Mangelware, auch das explosive Gemisch von Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) und ihrer neue australisch-japanische Freundin Yukio (Shiuli Kutsuna - Hi, Yukio!) kommen nur am Rande vor.
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Cable, nicht zu verwechseln mit Larry the Cable Guy, ist offenbar bei Comic-Fans beliebt. Er hat einen metallischen Arm, und seine furchtbarste Waffe ist ein blutiger Teddybär. Oder auch nicht - so genau habe ich das nicht verstanden, auch nicht den Ursprung seines Namens. Jedenfalls kommt er aus der Zukunft - hat er Deadpool die Nachricht von Logans Opfertod überbracht? Seit bei den X-Men Zeitreisen eingeführt wurden, ist sowieso jedwede Handlungslogik Banane. Fehlte nur noch, dass Deadpool Ryan Reynolds umbringt, um ihn daran zu hindern - aber wir wollen ja nicht spoilern... Bei der Besetzung dieser Figur ist den Machern jedenfalls ein Clou gelungen - niemand anders als der intergalaktische Superstar und Philanthrop Thanos konnte als Cable verpflichtet werden. Mittels aufwendiger CGI-Mittel sieht er hier fast menschlich aus, bringt aber immer noch seinen unverwechselbaren Charme und sein höllisch gutes Aussehen zur Geltung. Nach der jüngsten Ausdünnung der Akademie sollte da doch wohl eine Oscar-Nominierung drin sein, oder?
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Und dann gibt es noch den eigentlichen Schurken, massig, skrupellos und unerbittlich, der eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Und sich dann auch noch mit Juggernaut verbündet! Der 15jährige Neuseeländer Julian Dennison füllte schon in "Korg" Taika Waititis Wo die wilden Menschen jagen die Leinwand und drängte seinen schmächtigen Co-Star Sam Neill oft aus dem Bild. Nun will der traumatisierte Russell sich am Chef des Waisenhauses rächen, in dem er wegen seiner Mutantenfähigkeiten gefoltert wurde. Sein Opfer ist also nicht gerade ein Waisenknabe - Eddie Marsan ist ja seit seinem Auftritt als sadistischer Taxilehrer in Happy-Go-Lucky ein Spezialist für Figuren, denen man als Zuschauer einen möglichst schmerzhaften Tod wünscht. Trotzdem geht das natürlich nicht - was Deadpool darf, darf Deadpuddle noch lange nicht.
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Und wieder scheiden sich die Geister. Ich persönlich bin für eine Menge Albernheiten zu haben. Für mich ist Deadpool 2 der bessere Bond, mit Maurice Binders bester Titelsequenz seit seinem Tode. Wahrlich ein Film für die ganze (Mafia-)Familie! Ein weiteres Plus: Hans Zimmer hat nicht einen Ton zum Soundtrack beigesteuert! Dafür gibt es leider Kostproben von Céline Dion und Dolly Parton, und eine überrraschend gefühlvolle Version des a-ha-Kitschhits Take on Me. In Your Eyes, You're All Out of Love... Ich will Spaß (8/10)!
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Herzstück von Deadpools Premiere war seine große Liebe Vanessa (Morena Baccarin). Diesmal kommt sie zwar vor, aber höchstens noch als Ferse. Ironisch, wenn sie dann Wade Wilson beschwört, das Herz am rechten Fleck zu tragen. Ersatzweise tritt ihm eine andere Frau ins Leben und in die Eier: Domino, gespielt von Neuentdeckung Zazie Beetz. Die in Berlin geborene New Yorkerin verdankt ihre wohltemperierte Hautfarbe der Vereinigung eines Deutschen und einer schwarzamerikanischen Mutter. Sie übertrumpft die Helden ein ums andere Mal mit ihrer speziellen Superkraft (nein, nicht das lose Mundwerk). Gibt es Trümpfe beim Domino? Na, egal. Leider ist sie dann doch nur ein kleines Steinchen im rasanten Handlungsablauf. Ansonsten sind Frauen Mangelware, auch das explosive Gemisch von Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) und ihrer neue australisch-japanische Freundin Yukio (Shiuli Kutsuna - Hi, Yukio!) kommen nur am Rande vor.
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Cable, nicht zu verwechseln mit Larry the Cable Guy, ist offenbar bei Comic-Fans beliebt. Er hat einen metallischen Arm, und seine furchtbarste Waffe ist ein blutiger Teddybär. Oder auch nicht - so genau habe ich das nicht verstanden, auch nicht den Ursprung seines Namens. Jedenfalls kommt er aus der Zukunft - hat er Deadpool die Nachricht von Logans Opfertod überbracht? Seit bei den X-Men Zeitreisen eingeführt wurden, ist sowieso jedwede Handlungslogik Banane. Fehlte nur noch, dass Deadpool Ryan Reynolds umbringt, um ihn daran zu hindern - aber wir wollen ja nicht spoilern... Bei der Besetzung dieser Figur ist den Machern jedenfalls ein Clou gelungen - niemand anders als der intergalaktische Superstar und Philanthrop Thanos konnte als Cable verpflichtet werden. Mittels aufwendiger CGI-Mittel sieht er hier fast menschlich aus, bringt aber immer noch seinen unverwechselbaren Charme und sein höllisch gutes Aussehen zur Geltung. Nach der jüngsten Ausdünnung der Akademie sollte da doch wohl eine Oscar-Nominierung drin sein, oder?
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Und dann gibt es noch den eigentlichen Schurken, massig, skrupellos und unerbittlich, der eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Und sich dann auch noch mit Juggernaut verbündet! Der 15jährige Neuseeländer Julian Dennison füllte schon in "Korg" Taika Waititis Wo die wilden Menschen jagen die Leinwand und drängte seinen schmächtigen Co-Star Sam Neill oft aus dem Bild. Nun will der traumatisierte Russell sich am Chef des Waisenhauses rächen, in dem er wegen seiner Mutantenfähigkeiten gefoltert wurde. Sein Opfer ist also nicht gerade ein Waisenknabe - Eddie Marsan ist ja seit seinem Auftritt als sadistischer Taxilehrer in Happy-Go-Lucky ein Spezialist für Figuren, denen man als Zuschauer einen möglichst schmerzhaften Tod wünscht. Trotzdem geht das natürlich nicht - was Deadpool darf, darf Deadpuddle noch lange nicht.
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Und wieder scheiden sich die Geister. Ich persönlich bin für eine Menge Albernheiten zu haben. Für mich ist Deadpool 2 der bessere Bond, mit Maurice Binders bester Titelsequenz seit seinem Tode. Wahrlich ein Film für die ganze (Mafia-)Familie! Ein weiteres Plus: Hans Zimmer hat nicht einen Ton zum Soundtrack beigesteuert! Dafür gibt es leider Kostproben von Céline Dion und Dolly Parton, und eine überrraschend gefühlvolle Version des a-ha-Kitschhits Take on Me. In Your Eyes, You're All Out of Love... Ich will Spaß (8/10)!
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Samstag, 28. April 2018
To Infinity and beyond! Avengers: Infinity War (7/10)
By Grabthar's hammer, by the suns of Worvan, you shall be avenged.
Was kann man über Infinity War spoilerfrei schreiben? Im Grunde handelt es sich um eine 150minütige Post-Credit-Szene, die nur im Zusammenhang mit der für nächsten Sommer angekündigten Fortsetzung einen Sinn ergibt. Für mich als Nicht-Comic-Leser ist auch der Hinweis in der Post-Credit-Szene dieser überlangen Post-Credit-Szene nicht besonders hilfreich. Es gibt ja Star-Wars-Fans, die The Empire Strikes Back den Cliffhanger vorhalten und argumentieren, es handle sich daher nicht um einen perfekten Film. Was würden diese Fans jetzt zu Infinity War sagen?
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Es kommen eine Menge Helden vor, auch einige Schurken. Es gibt Begegnungen, auf die haben Fans lange gewartet, und einige, auf die wir auch noch länger gern verzichtet hätten. Am einfachsten ist es jetzt aufzuzählen, wer NICHT vor die Kamera geschleift wurde. Ant-Man (wie Hawkeye) kommt nicht vor; offiziell weil er unter Hausarrest steht, inoffiziell, weil er bis Juli seine Familienprobleme von wegen Ant-Man and the Wasp in den Griff bekommen muss. Captain Marvel kann noch nicht auftreten, weil Carol Danvers erst im März 2019 ihr Debut haben wird. Thors Walküre (Tessa Thompson) sieht man leider auch nicht (in den Credits ist nur ihr Stunt-Double aufgeführt).
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Jetzt geht das Rätselraten um den Titel der Fortsetzung erst richtig los. Marvel-Boss Kevin Feige will ihn erst verraten, wenn auch der letzte Kinogänger den 400 Millionen Dollar schweren Teaser gesehen hat. Mein Tip schwankt noch zwischen Avengers 4: The Search for Spock und Avengers 4: The Return of the Jedi (man lese Spock und Jedi als spoilerfreie Platzhalter). Nochmal: Die Cliffhanger-Foundation hat bereits Klage eingereicht, denn das "Ende" von Infinity War wird diesem Begriff nicht gerecht. Nimmt man das "Ende" beim Wort, handelt es sich vielmehr (und diese Aussage mag mir als Spoiler verübelt werden) um den Ausverkauf des Marvel-Universums. Allerdings bieten Zeitreise und Paralleluniversen genug Schlupflöcher, um kein Ende endgültig zu machen.
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Nur eine von Millionen möglichen Interpretation erlaubt es, Infinity War als abgeschlossene Geschichte anzusehen, und zwar indem man Thanos als ihren Helden erkennt. Seine Beweggründe sind edel - er will das Problem der galaktischen Überbevölkerung lösen - und sein Herz sitzt am rechten Fleck. Nun ja, vielleicht nicht buchstäblich - wer weiß schon, wo bei einem Titanen das Herz sitzt; vielleicht am Kinn - Platz wäre genug. Aber Josh Brolin vermag den Vater von Gamora und Nebula trotz der CGI-Überzeichnung glaubhaft als tragische, missverstandene Figur anzulegen. Wenngleich mit fragwürdigen Erziehungsmethoden. Und damit hätte man auch ein schlüssiges Ende...
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Bleibt zu erwähnen, dass "Tyrion" Peter Dinklage eine große Rolle hat. Na ja, eigentlich eine kleine, aber ganz groß... Jedenfalls sorgt er für Jubelrufe im Kino, so wie auch einige andere heroische Momente von den Zuschauern beklatscht wurden. Es ist auch toll dass die Avengers sich zusammenraufen und sich nicht untereinander prügeln (was mir Civil War etwas verleidet hatte). Inzwischen gibt es allerdings so viele Avengers und Guardians, dass man sie über die Welt bzw. Galaxis verstreuen muss. So oder so gibt es haufenweise tolle Action-Szenen, viele nette Sprüche und mehrmals fast eine Liebesszene. Also für alle etwas? Nun ja, falls man wenigstens die Mehrzahl der 18 Vorgängerspektakel gesehen hat. Für Marvel-Neulinge ist Infinity War nun wirklich gar nichts. Pratt, Hemsworth, Evans, Boseman et al. bedeuten dann nur einen Testosteron-Schock. Die immer noch sparsam vergebenen Frauenrollen sind wenigstens sauber farbcodiert: Blond (Black Widow Scarlett Johansson), Rot (Scarlett Witch Elizabeth Olsen), Grün (Gamora Zoe Saldana), Blau (Nebula Karen Gillan), Schwarz (Okoye Danai Gurira - eigentlich schokoladenbraun, aber das würde mir sicher als rassistisch ausgelegt).
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Da die IMBD eine Einzelwertung von mir verlangt, ist mein Kompromiss (bis zur Fortsetzung): Gut (7/10)
Samstag, 7. April 2018
Gewinnend: Battle of the Sexes (7/10)
Du garstiges Geschöpf! Du willst mehr Geld, womöglich genauso viel wie die Männer? Dabei weiss doch jeder, dass Frauen keinen Ehrgeiz und kein Durchsetzungsvermögen haben! Und sowieso in jeder Hinsicht das schwächere Geschlecht sind. Aber hübsch siehst Du aus, mit dem kurzen Röckchen und der kecken Brille...
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Das waren noch Zeiten, als sich Männer derart öffentlich entblöden konnten, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen! Anfang der 70er war die Welt der Amerikaner noch in Ordnung. Es regierte ein vertrauenswürdiger Präsident, der Vietnam-Krieg war gewonnen, und, da man weltoffen war, ließ man mit John Newcombe und der braven Chrstin Margaret Court zwei Australier die US Open von 1973 gewinnnen. Und doch brodelte es im Geheimen. Carly Simon sang You're so vain, Carole King Natural Woman, und Tennisgöttin Billy Jean King, nur kurzzeitig von Margaret Court an der Spitze der Weltrangliste abgelöst, gewann den Kampf der Geschlechter gegen Altstar Bobby Riggs. Es war ein Showkampf, den der 20 Jahre ältere Wimbledon-Gewinner von 1939 als Triumph des stärkeren Geschlechts inszenieren wollte. Es kam anders, doch Riggs ist trotzdem nicht der Schurke des Stücks. Diese Rolle bleibt den Funktionären des Tennisverbandes, die den Damen gerade mal ein Achtel des Preisgeldes zugestehen wollten und damit die Spaltung der Welttour verursachten. Insbesondere Bill Pullman spielt den ATP-Vorsitzenden Jack Kramer als eiskalten Unmenschen.
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Das Match, weltweit von 90 Millionen Zuschauern an dern Fernsehern mitverfolgt, war ein bedeutender Etappensieg in einem ewigwährenden Krieg. Zwar würde sich heute kein Kommentator mehr trauen, seiner Co-Moderatorin so arrogant-vertraulich den Arm um die Schultern zu legen, wie das Rosie Casals bei besagtem Match geschah. Aber in den Köpfen hat sich nicht so viel geändert, wie man sich wünschen würde. Ich erinnere mich etwa an die Oscars von 2005, als Sofia Coppola für Lost in Translation, den schönsten Film des Jahres, historische drei Nominierungen bekam (und für das Beste Originaldrehbuch gewann - nur Peter Jackson und seine Tolkien-Adaption konnte sie schlagen). Jedenfalls wurde die Regisseurin im Vorfeld von einem geschniegelten Reporter befragt, dessen hilfloser Schluss-Spruch dann lautete: "She's beautiful". Nun ist der Coppola-Spross eine tolle Frau mit Ausstrahlung und Herz, aber jeder müsste zugeben, dass sie Talent wie Aussehen großenteils von ihrem Vater geerbt hat, und der ist auch schon keine Schönheit...
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Billie Jean King jedenfalls hat sich gewehrt, und Emma Stone ist erwartungsgemäß eine Idealbesetzung in allen Szenen, in denen kein Tennis gespielt wird (und das sind die wichtigsten). Am Anfang ihrer Karriere kommentierte Regisseur Will Gluck (Einfach zu haben), dass sie wohl noch nie eine Sporthalle von innen gesehen habe. Jetzt hat sich die 29jährige zwar überzeugende Muskeln antrainiert, aber Kings agiles Spiel wurde dann doch eher von Stuntfrauen inszeniert. Aber wen kümmert's, wenn außerhalb des Platzes so traumhafte Szenen entstehen wie die Begegnung zwischen Billie und ihrer (tragischen) Liebe Marylin Barnett. Seit Patrice Lecontes Der Mann der Friseuse wurde ein Haarschnitt nicht mehr so sinnlich zelebriert. Auch Billies Loyalitätskonflikt zu ihrem Ehemann Larry King (nicht der TV-Moderator) vermag die Oscar-Preisträgerin anrührend zu vermitteln. Der war nämlich einer der Helden der Geschichte und verblieb Billie auch nach der Scheidung in Freundschaft verbunden (sie ist heute mit ihrer ehemaligen Doppelpartnerin Ilana Kloss liiert).
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Den schwierigsten Part hatte sicher Steve Carell als Billies Nemesis. Im wundervollen Crazy, Stupid, Love hatte er 2011 bereits Emmas Vater gespielt. Als ihr Rivale Bobby Riggs ist er nun nach außen hin ein allerdings urkomisches Scheusal, hinter den Kulissen allerdings erkennt man einen durchaus vielschichtigen Menschen, liebevollen Vater und Ehemann einer starken Frau (leider ausdruckslos: Elisabeth Shue). Und dann wieder hat der Komiker das Sagen, wenn Riggs in bizarren Publicity-Werbespots auftritt und etwa im Tauchanzug oder mit zwei Hunden im Schlepptau Tennismatches bestreitet. Das wirkt herrlich übertrieben, muss aber wohl einigermaßen authentisch sein (auf dem Foto sieht man ihn im Dirndl!). Erwähnenswert ist auch Sarah Silverman als Gladys Heldman, Herausgeberin eines Tennis-Magazins und Mitgründerin des alternativen Tennisbunds der aufmüpfigen Damen, auch wenn ihre Figur mehr Schwung als Tiefe hat.
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Es ist kein Zufall, dass ich viel über die zugrundeliegende historische Situation und wenig über den Film geschrieben habe. Das Drehbuch stammt von Simon Beaufoy, dessen Durchbruch und immer noch bestes Werk Ganz oder gar nicht ("The Full Monty", 1997) war. Für die wenig überzeugende Adaption Slumdog Millionaire gewann er 2009 einen Oscar. Hier hat er einen an sich faszinierenden Stoff recht herkömmlich strukturiert und ohne Mut zum Risiko aufs wesentliche reduziert. Dass es kein großer Film geworden ist, muss ich zusätzlich dem Regieteam anlasten, das die Ereignisse brav aneinanderreiht, aber über (lange) zwei Stunden hinweg keine Sogwirkung erzeugen kann. Valerie Faris und Jonathan Dayton hatten 2006 mit Little Miss Sunshine einen Überraschungserfolg (schon damals mit Steve Carell). Nach Zoe Kazans hübscher Liebesgeschichte Ruby Sparks (2012) ist Battle of the Sexes erst ihr dritter Film. Während sie mit authentischem Dekor und Kostümen punkten können, sowie dem überzeugenden Konzept, auch in der Bildgestaltung die 70er aufleben zu lassen, ist ihr vielleicht schwerster Fehler die nervige Musikuntermalung von Nicholas Britell (Moonlight), die selbst bei den Tennisszenen nicht innehält. Hier wären ein paar mehr Popsongs klüger gewesen! So kann ich mich trotz hervorragender Darsteller und einem tollem Stoff nur zu einem Gut durchringen (7/10).
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Gerade ist der Film hierzulande in perfekter Bild- und Tonqualität als Blu-ray erschienen. Vom quietschigen Fox-Logo am Anfang darf man sich nicht abschrecken lassen, das soll den Zuschauer gleich in die 70er katapultieren. Bestes Extra ist ein zehnminütiges Interview mit der heute 75jährigen Billie Jean King, noch immer eine beeindruckende Persönlichkeit. Die Bürgerrechtlerin bekam 2009 von Präsident Obama die Presidential Medal of Freedom überreicht. Im Feature sieht man auch etliche historische Fotos und erkennt nochmals, wie perfekt Emma Stone die Essenz der Figur verkörpert hat (außerhalb des Tennisplatzes).
Sonntag, 18. März 2018
Spiel, Satz und Sieg: Borg McEnroe (8/10)
Eine der großen Sport-Rivalitäten der Geschichte erreichte ihren Höhepunkt im für mich schönsten Tennis-Match des 20. Jahrhunderts (allerdings habe ich irgendwann in den 90ern aufgehört zuzuschauen). Das Wimbledon-Finale von 1980 zwischen Björn Borg und John McEnroe hätte man als Film nicht besser inszenieren können. Zwei charismatische, gegensätzliche Persönlichkeiten trafen aufeinander und spornten sich zu unglaublichen sportlichen Leistungen an. Die fast unerträgliche Spannung wurde nur kurz durch Komikeinlagen und menschliche Gesten unterbrochen. Und das schönste: Am Ende spielte es praktisch keine Rolle, wer den Pokal mit nach Hause nahm - beide Hauptdarsteller gingen als Sieger vom Platz (und wurden später gute Freunde). Für mich als 15jährigen Tennis-Enthusiasten war dieser Samstagnachmittag vor der Mattscheibe ein unvergessliches Erlebnis - die vielleicht spannendsten und bewegendsten vier Stunden meiner Jugend. Auch im Folgejahr klebte ich wieder am Fernseher, als die ähnlich packende "Revanche" dann auch umgekehrt ausging. Es war eine Wendemarke, nach der Holzschläger durch Kunststoff-Rackets ersetzt wurden, die Werbeeinnahmen die Millionengrenze überschritten und der Kommerz die Centre Courts übernahm.
Der schwedische Regisseur Janus Metz hat nun nach einem Drehbuch seines Landsmanns Ronnie Sandahl dieses denkwürdige Wimbledon-Finale auf die Leinwände und Bildschirme zurückgebracht. In Sverrir Gudnason und, kein Doppelfehler, Skandalnudel Shia LaBeouf fand er Darsteller, die den Kontrahenten nicht nur physisch ähneln, sondern deren Persönlichkeit auch glaubwürdig verkörpern können. Um es vorwegzunehmen: Obwohl die Tennisszenen technisch beeindruckend nachgestellt sind, zündet die sportliche Brillanz nicht so recht. Wer das vermisst, kann sich jederzeit mindestens Auszüge des Originalmatches anschauen. Nützlich ist vielleicht ein wenig Vorwissen. Es war ja nicht das erste Grand-Slam-Match zwischen den beiden Rivalen. Borg hatte bereits verschiedentlich gegen den Amerikaner verloren, allerdings nicht bei seinen Hausturnieren. Als Grundlinienspieler eigentlich Sandplatzspezialist, gewann er bis 1981 standesgemäß sechsmal die French Open. Wimbledon, das angesehenste Grand-Slam-Turnier, wird allerdings auf Gras gespielt, einem schnellen Belag, der seiner Spielart eigentlich nicht entgegenkam. Trotzdem hatte er dort 1980 bereits viermal in Folge triumphiert. Doch dann kam McEnroe, der sich mit starkem Aufschlag, flinken Netzattacken und variablen Grundschlägen in Wimbledon sehr heimisch fühlte.
Diese Vorgeschichte wird vom Film ausgespart. Die Handlung konzentriert sich, durchaus verständlich, auf dieses eine Turnier. Der Film versucht darüber hinaus, vor allem in Rückblenden auf die Anfänger der beiden Karrieren, dem Zuschauer einen Einblick in die Psychologie der jungen Männer zu geben (Borg war gerade 24, McEnroe 21). Und obwohl die sportliche Komponente zu kurz kommt, hat mich diese Herangehensweise überzeugt. Und natürlich gerät das Finale trotzdem sehr spannend, gerade weil man etwas mehr versteht, was in den Köpfen der Spieler vorgeht. Dabei liegt der Fokus naturgemäß auf dem schwedischen Nationaldenkmal Borg, der auf dem Platz wie ein Eisberg, eine "Maschine" erschien, was sein Trainer ihm als 15jährigen allerdings erst einprügeln musste. Dieses Ungleichgewicht ist schade, denn McEnroes Part war mindestens genauso interessant wie Borgs. So muss man seine Motivationen oft zwischen den Zeilen lesen, etwa wenn er vielleicht wegen der Anwesenheit seines strengen Vaters im Finale sein Temperament besser unter Kontrolle bekommt als in den Vorrunden, wo es auch den berühmten "Chalkdust"-Streit mit dem Schiedsrichter gab (herrlich parodiert im Comedy-Song The Brat).
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Shia LaBeouf verübeln viele immer noch den lausigen vierten Indiana-Jones-Teil, die Schuld kann man aber wohl gleichmäßig auf alle Beteiligte verteilen. In den USA läuft Borg McEnroe gerade an. Man kann davon ausgehen, dass er keinen großen Erfolg haben wird. Nicht nur, dass LaBeouf keine große Zugkraft mehr hat, er spielt auch noch einen Amerikaner, der ein Match verliert. Und der zweite Platz gilt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nun mal nichts, eine Einstellung, für die im Film exemplarisch McEnroe Senior steht.
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Der Film wurde in Englisch gedreht, mit kurzen untertitelten Passagen in Schwedisch, so etwa die Gespräche zwischen Borg und seinem Trainer Lennart Bergelin (übrigens gewohnt seelenvoll dargestellt vom schwedischen Hollywood-Star Stellan Skarsgård), und lief in Europa bereits letztes Jahr im Kino. Die Blu-ray bietet als Extra ein Gespräch mit dem Regisseur und dem Hauptdarsteller Sverrir Gudnason, aus dem man erfährt, dass Björn Borg zumindest bei den Recherchen hilfreich war (darüber hinaus spielt sein 14jähriger Sohn Leo Borg, Schwedens neue Tennis-Hoffnung, sein jüngeres Ich). Inklusive Nostalgie-Bonus vergebe ich ein Sehr gut (8/10).
Der schwedische Regisseur Janus Metz hat nun nach einem Drehbuch seines Landsmanns Ronnie Sandahl dieses denkwürdige Wimbledon-Finale auf die Leinwände und Bildschirme zurückgebracht. In Sverrir Gudnason und, kein Doppelfehler, Skandalnudel Shia LaBeouf fand er Darsteller, die den Kontrahenten nicht nur physisch ähneln, sondern deren Persönlichkeit auch glaubwürdig verkörpern können. Um es vorwegzunehmen: Obwohl die Tennisszenen technisch beeindruckend nachgestellt sind, zündet die sportliche Brillanz nicht so recht. Wer das vermisst, kann sich jederzeit mindestens Auszüge des Originalmatches anschauen. Nützlich ist vielleicht ein wenig Vorwissen. Es war ja nicht das erste Grand-Slam-Match zwischen den beiden Rivalen. Borg hatte bereits verschiedentlich gegen den Amerikaner verloren, allerdings nicht bei seinen Hausturnieren. Als Grundlinienspieler eigentlich Sandplatzspezialist, gewann er bis 1981 standesgemäß sechsmal die French Open. Wimbledon, das angesehenste Grand-Slam-Turnier, wird allerdings auf Gras gespielt, einem schnellen Belag, der seiner Spielart eigentlich nicht entgegenkam. Trotzdem hatte er dort 1980 bereits viermal in Folge triumphiert. Doch dann kam McEnroe, der sich mit starkem Aufschlag, flinken Netzattacken und variablen Grundschlägen in Wimbledon sehr heimisch fühlte.
Diese Vorgeschichte wird vom Film ausgespart. Die Handlung konzentriert sich, durchaus verständlich, auf dieses eine Turnier. Der Film versucht darüber hinaus, vor allem in Rückblenden auf die Anfänger der beiden Karrieren, dem Zuschauer einen Einblick in die Psychologie der jungen Männer zu geben (Borg war gerade 24, McEnroe 21). Und obwohl die sportliche Komponente zu kurz kommt, hat mich diese Herangehensweise überzeugt. Und natürlich gerät das Finale trotzdem sehr spannend, gerade weil man etwas mehr versteht, was in den Köpfen der Spieler vorgeht. Dabei liegt der Fokus naturgemäß auf dem schwedischen Nationaldenkmal Borg, der auf dem Platz wie ein Eisberg, eine "Maschine" erschien, was sein Trainer ihm als 15jährigen allerdings erst einprügeln musste. Dieses Ungleichgewicht ist schade, denn McEnroes Part war mindestens genauso interessant wie Borgs. So muss man seine Motivationen oft zwischen den Zeilen lesen, etwa wenn er vielleicht wegen der Anwesenheit seines strengen Vaters im Finale sein Temperament besser unter Kontrolle bekommt als in den Vorrunden, wo es auch den berühmten "Chalkdust"-Streit mit dem Schiedsrichter gab (herrlich parodiert im Comedy-Song The Brat).
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Shia LaBeouf verübeln viele immer noch den lausigen vierten Indiana-Jones-Teil, die Schuld kann man aber wohl gleichmäßig auf alle Beteiligte verteilen. In den USA läuft Borg McEnroe gerade an. Man kann davon ausgehen, dass er keinen großen Erfolg haben wird. Nicht nur, dass LaBeouf keine große Zugkraft mehr hat, er spielt auch noch einen Amerikaner, der ein Match verliert. Und der zweite Platz gilt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nun mal nichts, eine Einstellung, für die im Film exemplarisch McEnroe Senior steht.
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Der Film wurde in Englisch gedreht, mit kurzen untertitelten Passagen in Schwedisch, so etwa die Gespräche zwischen Borg und seinem Trainer Lennart Bergelin (übrigens gewohnt seelenvoll dargestellt vom schwedischen Hollywood-Star Stellan Skarsgård), und lief in Europa bereits letztes Jahr im Kino. Die Blu-ray bietet als Extra ein Gespräch mit dem Regisseur und dem Hauptdarsteller Sverrir Gudnason, aus dem man erfährt, dass Björn Borg zumindest bei den Recherchen hilfreich war (darüber hinaus spielt sein 14jähriger Sohn Leo Borg, Schwedens neue Tennis-Hoffnung, sein jüngeres Ich). Inklusive Nostalgie-Bonus vergebe ich ein Sehr gut (8/10).
Samstag, 10. März 2018
Erschütternd: die italienische Serie Gomorrha
Wie die Ozonschicht, die unseren Planeten vor den tödlichen UV-Strahlen aus dem Weltall schützt, ist die Zivilisation eine dünne Schutzschicht, die uns gegenüber den niederen menschlichen Instinkten isoliert. Anders als die Ozonschicht ist Zivilisation eine menschliche Errungenschaft, die über Jahrtausende erkämpft wurde. Sie muss von Generation zu Generation mühsam verteidigt und weitergegeben werden. Es wird gern romantisierend gefaselt, wie unschuldig und rein Kinder und Jugendliche sind. Die Wahrheit ist jedoch, dass sie ohne Schranken und Rituale, in denen sie ihre Aggressionen in geregelte Bahnen lenken können, schnell dem Herrn der Fliegen zum Opfer fallen. Dieses Problem hat nun auch die Mafia eingeholt, wie die italienische Fernsehserie Gomorrha eindringlich zeigt.
Die nachfolgenden Ausführungen enthalten Spoiler für die erste Staffel der Serie, die allerdings bereits 2014 im Fernsehen lief.
Don Pietro war bislang der unumstrittene Boss des Untergrunds von Neapel. Doch als Insider-Informationen an die Polizei durchsickern, verfällt er der Paranoia und zweifelt an den erfahrenen Leutnants seiner Generation. Er macht Fehler, die ihn in Untersuchungshaft bringen. Nun ist plötzlich sein Sohn Gennato ("Genny") in Verantwortung. Der allerdings ist ein unbeholfener, übergewichtiger Playboy, der auf Basis des Familienvermögens ein schönes Leben führt und bislang nichts vom Geschäft versteht. Zunächst springt seine Mutter Donna Imma in die Bresche, mit beeindruckenden anfänglichen Erfolgen. Aber auch sie unterschätzt die Spannungen zwischen den Generationen, die Gennys Mentor Ciro, nicht viel älter als dieser, aber bereits ein erfahrener "Soldat", zu seinem eigenen Vorteil zu schüren weiss.
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Natürlich ging es auch beim großen Vorbild aller Mafia-Epen um einen Generationenkonflikt. Im Paten geht Don Vito Corleones Imperium an Sonnys Brutalität und Fredos Inkompetenz zugrunde. Der Kugelhagel gebiert mit Don Michael einen Boss, der sich an keine Regeln gebunden fühlt. Familie zählt nichts mehr, was man spätestens an Fredos Schicksal sieht. Aber auch die Zeiten haben sich geändert. Das Geschäft mit Schutzgeldern und Wettbüros wird bereits in den 70ern überschattet vom Milliardenmarkt der Drogen. Im Neapel des 21. Jahrhunderts stehen selbstverständlich Menschenhandel und Drogen im Mittelpunkt. Und Don Pietro und später Donna Imma imitieren nur die Fassade des Urpaten Don Vito. Er stand für Stabilität, Wohlstand und Gerechtigkeit seiner erweiterten Familie, der italienstämmigen Famiglia, auf Kosten der Außenseiter (alle Nicht-Italiener). In Neapel ist es umgekehrt: Die Immigranten sind die Außenseiter, ob Russen oder Schwarzafrikaner. Aber die Familie der Alteingesessenen ist zu groß, um auf Dauer zusammenhalten zu können, Und Donna Imma tritt gegenüber den Anwohnern an ihrem neuen Drogenumschlagplatz als wohltätige Patin auf, bringt im Endeffekt aber nur Leid und Tod.
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Wie bei Coppola schlagen wir uns als Zuschauer zunächst auf die Seite der Gomorrha. Wir leiden mit Don Pietro, wenn er vom Gefängnisdirektor schikaniert wird, und freuen uns, wenn er einen erfolgreichen Gefangenenaufstand inszeniert. Wie schnell verfallen wir dem Charme solcher Autoritätspersonen! Selbst der Schlächter Ciro hat zunächst unsere Sympathie. Er bekommt die schwierigsten Jobs und die wenigste Anerkennung, er scheint dem Schwächling Genny ein guter Freund und seiner kleinen Tochter ein guter Vater zu sein. Aber irgendwann geht uns auf, dass dies alles nur vorgetäuscht ist und seine Handlungen allein von Hass und Geltungssucht getrieben sind. Er begeht unsägliche Untaten und bricht dabei auch noch mit dem kümmerlichen Rest des mafiösen Ehrenkodex - nicht einmal Frauen und Kinder sind vor ihm sicher. Gleiches gilt für Kronprinz Genny. Er vermasselt gleich seinen ersten Mordauftrag und vermag seine Freundin nur mit hündischer Hartnäckigkeit und teuren Geschenken an sich zu binden. Nach einem traumatischen Erlebnis in Lateinamerika (bei Verhandlungen mit Lieferanten) schüttelt er die Aura des Schwächlings mit willkürlichen, skrupellosen Gewalttaten ab und verliert damit ebenfalls unsere Sympathie
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Am erschütterndesten anzusehen ist aber, wie leicht die Jüngsten, oft sogar Kinder, von den Posen und der Gewalt verführt werden. Da treffen die halbstarken Soldaten von Genny oder Ciro auf eine Gruppe von Kindern mit Wasserpistolen und lassen sie erstmal mit echten Waffen spielen. Da ist die junge Lesbe, die eigentlich von einer Hochzeit in Weiß träumt, aber ihren Geschäftssinn für die Koordination der Drogengeschäfte verschwendet. Und da ist der 16jährige Daniele, ein begnadeter Automechaniker, der von Ciro mal eben das Schießen und das Morden lernt - mit bitteren Konsequenzen für ihn und seine 15jährige Freundin. Das Schicksal Danieles ist besonders tragisch, da es nicht einmal in Armut und Verzweiflung wurzelt - er hat schließlich einen ehrbaren Job, Freunde und Familie - sondern rein in der Faszination am falschen Vorbild Ciro, der auf ihn so cool und erfahren wirkt. Autor Roberto Saviano, auf dessen Tatsachenberichten die Serie basiert, hat gerade ein neues Buch herausgebracht, in dem er offenbar noch mehr auf diese verlorene Generation fokussiert: Der Clan der Kinder. Aber erschütternder als das Schicksal von Daniele und seiner Freundin kann das auch nicht mehr sein.
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Gomorrha besteht aus zwölf einstündigen Episoden pro Staffel. In Deutschland läuft das auf Sky, empfehlenswert ist aber die Blu-ray-Ausgabe, vorzugsweise im neapolitanischen Italienisch mit Untertiteln. Die Veröffentlichung der dritten Staffel ist für April angekündigt. Ich muss gestehen, ich brenne nicht gerade auf die Fortsetzung, denn bereits der Ausgang der ersten Staffel hat mir ziemlich den Magen umgedreht. Aber an Qualität und Unterhaltungswert kann die Serie mit der US-amerikanischen Konkurrenz allemal mithalten. Sie bildet ein Stück Realität ab, welches so oder so nicht leicht zu ertragen ist.
Die nachfolgenden Ausführungen enthalten Spoiler für die erste Staffel der Serie, die allerdings bereits 2014 im Fernsehen lief.
Don Pietro war bislang der unumstrittene Boss des Untergrunds von Neapel. Doch als Insider-Informationen an die Polizei durchsickern, verfällt er der Paranoia und zweifelt an den erfahrenen Leutnants seiner Generation. Er macht Fehler, die ihn in Untersuchungshaft bringen. Nun ist plötzlich sein Sohn Gennato ("Genny") in Verantwortung. Der allerdings ist ein unbeholfener, übergewichtiger Playboy, der auf Basis des Familienvermögens ein schönes Leben führt und bislang nichts vom Geschäft versteht. Zunächst springt seine Mutter Donna Imma in die Bresche, mit beeindruckenden anfänglichen Erfolgen. Aber auch sie unterschätzt die Spannungen zwischen den Generationen, die Gennys Mentor Ciro, nicht viel älter als dieser, aber bereits ein erfahrener "Soldat", zu seinem eigenen Vorteil zu schüren weiss.
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Natürlich ging es auch beim großen Vorbild aller Mafia-Epen um einen Generationenkonflikt. Im Paten geht Don Vito Corleones Imperium an Sonnys Brutalität und Fredos Inkompetenz zugrunde. Der Kugelhagel gebiert mit Don Michael einen Boss, der sich an keine Regeln gebunden fühlt. Familie zählt nichts mehr, was man spätestens an Fredos Schicksal sieht. Aber auch die Zeiten haben sich geändert. Das Geschäft mit Schutzgeldern und Wettbüros wird bereits in den 70ern überschattet vom Milliardenmarkt der Drogen. Im Neapel des 21. Jahrhunderts stehen selbstverständlich Menschenhandel und Drogen im Mittelpunkt. Und Don Pietro und später Donna Imma imitieren nur die Fassade des Urpaten Don Vito. Er stand für Stabilität, Wohlstand und Gerechtigkeit seiner erweiterten Familie, der italienstämmigen Famiglia, auf Kosten der Außenseiter (alle Nicht-Italiener). In Neapel ist es umgekehrt: Die Immigranten sind die Außenseiter, ob Russen oder Schwarzafrikaner. Aber die Familie der Alteingesessenen ist zu groß, um auf Dauer zusammenhalten zu können, Und Donna Imma tritt gegenüber den Anwohnern an ihrem neuen Drogenumschlagplatz als wohltätige Patin auf, bringt im Endeffekt aber nur Leid und Tod.
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Wie bei Coppola schlagen wir uns als Zuschauer zunächst auf die Seite der Gomorrha. Wir leiden mit Don Pietro, wenn er vom Gefängnisdirektor schikaniert wird, und freuen uns, wenn er einen erfolgreichen Gefangenenaufstand inszeniert. Wie schnell verfallen wir dem Charme solcher Autoritätspersonen! Selbst der Schlächter Ciro hat zunächst unsere Sympathie. Er bekommt die schwierigsten Jobs und die wenigste Anerkennung, er scheint dem Schwächling Genny ein guter Freund und seiner kleinen Tochter ein guter Vater zu sein. Aber irgendwann geht uns auf, dass dies alles nur vorgetäuscht ist und seine Handlungen allein von Hass und Geltungssucht getrieben sind. Er begeht unsägliche Untaten und bricht dabei auch noch mit dem kümmerlichen Rest des mafiösen Ehrenkodex - nicht einmal Frauen und Kinder sind vor ihm sicher. Gleiches gilt für Kronprinz Genny. Er vermasselt gleich seinen ersten Mordauftrag und vermag seine Freundin nur mit hündischer Hartnäckigkeit und teuren Geschenken an sich zu binden. Nach einem traumatischen Erlebnis in Lateinamerika (bei Verhandlungen mit Lieferanten) schüttelt er die Aura des Schwächlings mit willkürlichen, skrupellosen Gewalttaten ab und verliert damit ebenfalls unsere Sympathie
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Am erschütterndesten anzusehen ist aber, wie leicht die Jüngsten, oft sogar Kinder, von den Posen und der Gewalt verführt werden. Da treffen die halbstarken Soldaten von Genny oder Ciro auf eine Gruppe von Kindern mit Wasserpistolen und lassen sie erstmal mit echten Waffen spielen. Da ist die junge Lesbe, die eigentlich von einer Hochzeit in Weiß träumt, aber ihren Geschäftssinn für die Koordination der Drogengeschäfte verschwendet. Und da ist der 16jährige Daniele, ein begnadeter Automechaniker, der von Ciro mal eben das Schießen und das Morden lernt - mit bitteren Konsequenzen für ihn und seine 15jährige Freundin. Das Schicksal Danieles ist besonders tragisch, da es nicht einmal in Armut und Verzweiflung wurzelt - er hat schließlich einen ehrbaren Job, Freunde und Familie - sondern rein in der Faszination am falschen Vorbild Ciro, der auf ihn so cool und erfahren wirkt. Autor Roberto Saviano, auf dessen Tatsachenberichten die Serie basiert, hat gerade ein neues Buch herausgebracht, in dem er offenbar noch mehr auf diese verlorene Generation fokussiert: Der Clan der Kinder. Aber erschütternder als das Schicksal von Daniele und seiner Freundin kann das auch nicht mehr sein.
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Gomorrha besteht aus zwölf einstündigen Episoden pro Staffel. In Deutschland läuft das auf Sky, empfehlenswert ist aber die Blu-ray-Ausgabe, vorzugsweise im neapolitanischen Italienisch mit Untertiteln. Die Veröffentlichung der dritten Staffel ist für April angekündigt. Ich muss gestehen, ich brenne nicht gerade auf die Fortsetzung, denn bereits der Ausgang der ersten Staffel hat mir ziemlich den Magen umgedreht. Aber an Qualität und Unterhaltungswert kann die Serie mit der US-amerikanischen Konkurrenz allemal mithalten. Sie bildet ein Stück Realität ab, welches so oder so nicht leicht zu ertragen ist.
Samstag, 3. März 2018
Geschmeidig: Black Panther (8/10)
Laut Wikipedia sind Weisse Panther noch viel seltener als Schwarze Panther. Umso dankbarer muss man den Weissbroten Stan Lee und Jack Kirby sein, die bereits in den 60ern mit T'Challa, König des fiktiven afrikanischen Staats Wakanda, den ersten schwarzen Superhelden schufen. Damit ritten sie die Welle der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Auch wenn hinter der jetzt angelaufenen Verfilmung nun ein schwarzes Team steht, angeführt von Regisseur Ryan Coogler (2014 bekannt geworden mit der hetzerischen Doku-Fiction Fruitvale Station), darf man nicht vergessen, dass sie immer noch aus der Sichtweise von US-amerikanischen Schwarzen, sogenannten "African Americans", konzipiert ist. Für diese ist Afrika nur der märchenhaft verklärte Ursprung ihrer Vorfahren. Man kann wohl davon ausgehen, dass die wenigsten Afroamerikaner (der offizielle deutsche Begriff klingt für mich, als ob er sich von der Frisur herleitet) auch nur fünf afrikanische Länder benennen könnten - im Film wird kein einziges erwähnt. Es ist auch nicht ein einziges Bild von Black Panther auf dem Heimatkontinent entstanden - für die exotischen Wasserfälle musste laut IMDB ein Drehort in Argentinien herhalten. Und im zentralen Konflikt des Films, in dem es zwar lobenswerterweise einmal nicht um die Rettung der Welt geht, will der Schurke die bislang verborgene Macht von Wakanda zur Rettung seiner unterdrückten schwarzen Brüder freisetzen - jene in New York und London. Ach Du armes Afrika, Du ausgebeutetes Armenhaus und Exerzierplatz für Rüstungslieferanten aus dem Rest der Welt!
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Abgesehen von dieser politischen Schieflage, ist Black Panther mal wieder ein toller Marvel-Spaß und eine der besten "Origin Stories" eines Comic-Helden. Es zeigt Wakanda mit seinen fünf Stämmen, dessen Reichtum auf einem Vibranium-Meteor fußt, als fabelhafte Mischung aus Tradition und Moderne (wahrlich ein afrikanisches Märchen), in dem nur manchmal die Folklore zu Kitsch wird. Der treibende Soundtrack des Schweden Ludwig Göransson mit Liedern von Kendrick Lamar ist mindestens zweckdienlich, wenn auch gelegentlich ebenfalls klischeebehaftet. Es gibt charismatische Helden, Heldinnen und Bösewichte mit nachvollziehbaren Motivationen und eine spannende Geschichte, die nur einmal mit einer düsteren Wendung schockiert, sich davon aber schnell wieder erholt. Hervorzuheben sind Chadwick Boseman in der Hauptrolle (bereits aus Captain America bekannt), mal würdevoll, mal verschmitzt, mal nachdenklich, Michael B. Jordan (Fruitvale Station) als sein skrupelloser und doch tragischer Gegenpart "Killmonger", und Oscar-Kandidat Daniel Kaluuya (Get Out) als innerlich zerrissenes Stammesoberhaupt W'Kabi zwischen den Fronten
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Und das waren erst die Männer! Dabei dominieren gerade in den fantasievollen Kampfszenen die Frauen, vor allem Lupita Nyong'o (12 Years a Slave) als T'Challas Ex (? - ich muss gestehen, die Beziehung ist mir nicht ganz klar geworden) Nakia und Danai Gurira (Ein Sommer in New York) als Okoye, der Anführerin der speerschwingenden Leibgarde des Königs (man beachte, dass in Wakanda ein Speer viel mehr als nur ein Speer ist). Und dann ist da Letitia Wright als Shuri, die pfiffige kleine Schwester des Königs. Die 24jährige aus Guyana, die bisher schon in einigen Fernsehrollen (Humans, Black Mirror) auffiel, kann locker gegen ihre gewichtigen Mitspieler bestehen und ist die erste Entdeckung des Jahres. Ihre Figur ist angeblich erst 16, was ich reichlich albern finde, denn Shuri ist Erfinderin, Mechanikerin und Ärztin, und auch im Märchen muss eine gewisse Glaubwürdigkeit gewahrt bleiben. Außerdem führt sie ein Kraftfahrzeug, wenngleich nur virtuell - und gelten dabei die Verkehrsregeln von Wakanda oder Südkorea? Aber wer will sich beklagen, wenn Letitia Wright mit einem Lächeln selbst Vibranium zum Schmelzen bringen kann (und das scheint mir auch die einzig plausible Verarbeitungsform zu sein). Wir können uns auf ein baldiges Wiedersehen freuen, in Spielbergs zweiten Film des Jahres, der nostalgischen SF-Verfilmung Ready Player One.
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Dann tauchen noch ein paar Veteranen auf, mehr Farbtupfer als Handlungsträger. Ghost Dog Forest Whitaker als spiritueller Anführer (um das Wort "Schamane" zu vermeiden") Zuri ist immer eine willkommene Präsenz, Angela Basset als "Queen Mom" bleibt dagegen farblos. Apropos blass: Ja, es spielen auch ein paar Weisse mit, namentlich "Gollum" (oder "Caesar") Andy Serkis, in der ersten Hälfte als einarmiger Bandit der Hauptschurke, aber dann doch nur Katalysator der folgenden Ereignisse, und "Frodo" (oder "Dr. Watson") Martin Freeman als sympathischer CIA-Agent. Überhaupt muss ich mal feststellen, dass ich Black Panther überhaupt nicht als rassistisch empfunden habe (entgegen einigen lautstarken Kritikern). Hingegen möchte ich mich, wohlwissend politisch unkorrekt, über die Verballhornung der Sprache Shakespeares durch die Darsteller beschweren. Mir wären mehr untertitelte Dialoge in der (offenbar südafrikanischen) Stammessprache lieber gewesen als dieses Englisch mit unanhörlichem, vage-afrikanischen Akzent. Und wenn wir schon bei Beschwerden sind: Eine 3D-Vorführung kann man sich hier wirklich sparen. Aber das sind Kleinigkeiten, die das Kinovergnügen nicht trüben sollen. Und es ist erfrischend, einen Blockbuster zu sehen, der zu gefühlten 90% von dunkelhäutigem Talent gestemmt wurde. Allemal sehr gut (8/10).
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Abgesehen von dieser politischen Schieflage, ist Black Panther mal wieder ein toller Marvel-Spaß und eine der besten "Origin Stories" eines Comic-Helden. Es zeigt Wakanda mit seinen fünf Stämmen, dessen Reichtum auf einem Vibranium-Meteor fußt, als fabelhafte Mischung aus Tradition und Moderne (wahrlich ein afrikanisches Märchen), in dem nur manchmal die Folklore zu Kitsch wird. Der treibende Soundtrack des Schweden Ludwig Göransson mit Liedern von Kendrick Lamar ist mindestens zweckdienlich, wenn auch gelegentlich ebenfalls klischeebehaftet. Es gibt charismatische Helden, Heldinnen und Bösewichte mit nachvollziehbaren Motivationen und eine spannende Geschichte, die nur einmal mit einer düsteren Wendung schockiert, sich davon aber schnell wieder erholt. Hervorzuheben sind Chadwick Boseman in der Hauptrolle (bereits aus Captain America bekannt), mal würdevoll, mal verschmitzt, mal nachdenklich, Michael B. Jordan (Fruitvale Station) als sein skrupelloser und doch tragischer Gegenpart "Killmonger", und Oscar-Kandidat Daniel Kaluuya (Get Out) als innerlich zerrissenes Stammesoberhaupt W'Kabi zwischen den Fronten
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Und das waren erst die Männer! Dabei dominieren gerade in den fantasievollen Kampfszenen die Frauen, vor allem Lupita Nyong'o (12 Years a Slave) als T'Challas Ex (? - ich muss gestehen, die Beziehung ist mir nicht ganz klar geworden) Nakia und Danai Gurira (Ein Sommer in New York) als Okoye, der Anführerin der speerschwingenden Leibgarde des Königs (man beachte, dass in Wakanda ein Speer viel mehr als nur ein Speer ist). Und dann ist da Letitia Wright als Shuri, die pfiffige kleine Schwester des Königs. Die 24jährige aus Guyana, die bisher schon in einigen Fernsehrollen (Humans, Black Mirror) auffiel, kann locker gegen ihre gewichtigen Mitspieler bestehen und ist die erste Entdeckung des Jahres. Ihre Figur ist angeblich erst 16, was ich reichlich albern finde, denn Shuri ist Erfinderin, Mechanikerin und Ärztin, und auch im Märchen muss eine gewisse Glaubwürdigkeit gewahrt bleiben. Außerdem führt sie ein Kraftfahrzeug, wenngleich nur virtuell - und gelten dabei die Verkehrsregeln von Wakanda oder Südkorea? Aber wer will sich beklagen, wenn Letitia Wright mit einem Lächeln selbst Vibranium zum Schmelzen bringen kann (und das scheint mir auch die einzig plausible Verarbeitungsform zu sein). Wir können uns auf ein baldiges Wiedersehen freuen, in Spielbergs zweiten Film des Jahres, der nostalgischen SF-Verfilmung Ready Player One.
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Dann tauchen noch ein paar Veteranen auf, mehr Farbtupfer als Handlungsträger. Ghost Dog Forest Whitaker als spiritueller Anführer (um das Wort "Schamane" zu vermeiden") Zuri ist immer eine willkommene Präsenz, Angela Basset als "Queen Mom" bleibt dagegen farblos. Apropos blass: Ja, es spielen auch ein paar Weisse mit, namentlich "Gollum" (oder "Caesar") Andy Serkis, in der ersten Hälfte als einarmiger Bandit der Hauptschurke, aber dann doch nur Katalysator der folgenden Ereignisse, und "Frodo" (oder "Dr. Watson") Martin Freeman als sympathischer CIA-Agent. Überhaupt muss ich mal feststellen, dass ich Black Panther überhaupt nicht als rassistisch empfunden habe (entgegen einigen lautstarken Kritikern). Hingegen möchte ich mich, wohlwissend politisch unkorrekt, über die Verballhornung der Sprache Shakespeares durch die Darsteller beschweren. Mir wären mehr untertitelte Dialoge in der (offenbar südafrikanischen) Stammessprache lieber gewesen als dieses Englisch mit unanhörlichem, vage-afrikanischen Akzent. Und wenn wir schon bei Beschwerden sind: Eine 3D-Vorführung kann man sich hier wirklich sparen. Aber das sind Kleinigkeiten, die das Kinovergnügen nicht trüben sollen. Und es ist erfrischend, einen Blockbuster zu sehen, der zu gefühlten 90% von dunkelhäutigem Talent gestemmt wurde. Allemal sehr gut (8/10).
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