Brooklyn erzählt über einen Zeitraum von gut einem Jahr die Geschichte der 20jährigen Eilis (gesprochen etwa "Äilisch"), die 1951 aus einer irischen Kleinstadt nach Brooklyn, New York auswandert. Nach außen hin passiert nichts Spektakuläres, in Eilis' Innenleben dafür umso mehr. Daher beruht der Erfolg dieses kleinen irischen Films voll und ganz auf der der erstaunlichen Leistung der 21jährigen Hauptdarstellerin Saoirse ("Ssiersche") Ronan, die dafür soeben verdient ihre zweite Oscar-Nominierung erhalten hat (die erste war für ihre Darstellung von Keira Knightleys 13jähriger Schwester im aufwändigen Kriegsdrama Abbitte). Ich kann mich nicht erinnern, wann mich jemand ähnlich vollständig in die Gefühlswelt einer jungen Frau eintauchen ließ. Eilis erlebt das volle Spektrum der Emotionen: Heimweh, Einsamkeit, Freundschaft, Liebe, Dankbarkeit, Trauer - Saoirse Ronan zeigt all das, ohne in Klischees oder Übertreibungen zu verfallen. Es mag ein merkwürdiges Kompliment sein, aber ich habe selten jemand auf der Leinwand so überzeugend weinen sehen. Aber auch ihre junge Liebe zum schüchternen Italo-Amerikaner Tony (perfekt verkörpert durch den 25jährigen Emory Cohen) ist glaubwürdig und bewegend. Und dazu ragt sie (selbst überschminkt wie etwa in ihrem IMDB-Porträt) mit ihrem kraftvollen Gesicht und den ausdrucksstarken grau-blauen Augen deutlich aus dem Hollywood-Einheitsbrei heraus.
Drehbuchautor Nick Hornby hat momentan mehr Glück mit seinen Adaptionen als mit eigenen Stoffen (etwa mit seiner jüngsten Erzählung Funny Girl). Mit seiner Bearbeitung des Romans von Colm Tóibín ist er dieses Jahr zum zweiten Mal für einen Oscar nominiert, nach An Education von 2009 (er gehört aber auch diesmal nicht zu den Favoriten). Hornby hat ein Händchen dafür, einen Stoff zu kondensieren und auf Hochglanz zu trimmen. Leider fallen dabei auch Ecken und Kanten dem Schreibmaschinenhobel zum Opfer, und mehr noch als Lone Scherfigs London der 60er, dessen Portrait vielleicht auch von der erfahrenen Regisseurin profitierte, wirken die frühen 50er in Brooklyn allzu harm- und konfliktlos. Vom gutmütigen Priester (Jim Broadbent) über die gluckenhafte Herbergswirtin (Julie Waters) bis hin zu den zunächst hochmütigen Nachbarinnen (darunter Emily Bett Rickards, die Felicity aus Arrow) meinen es am Ende praktisch alle Nebenfiguren gut mit der Heldin, und so passt die Inszenierung des jungen Regisseurs John Crowley nicht perfekt zu ihrem tumulthaften Innenleben. In einer kleinen Nebenrolle als irischer Freier ist der Hauptdarsteller aus Ex Machina, Domhnall ("Doe-nell") Gleeson, zu sehen. in seiner vierten Rolle binnen zwölf Monaten (es scheint, daß in jedem zweiten Film des vergangenen Jahres wenigstens einer der drei Darsteller aus dem SF-Drama auftaucht).
Übrigens kann ich zumindest bei den Damen keinen Mangel an Diversität bei den diesjährigen Oscar-Nominierungen feststellen. Neben der in New York geborenen, aber in Irland aufgewachsenen Saoirse haben wir da die Australierin Cate Blanchett, die Engländerin Charlotte Rampling, die aparte franko-kanadisch-europäische Mischung Brie Larson und America's Darling Jennifer Lawrence, dazu bei den Nebenrollen die Schwedin Alicia Vikander, die britische Ikone Kate Winslet, Jennifer Jason Leigh mit russisch-österreichischen Vorfahren, die Kanadierin Rachel McAdams und Rooney Mara, Sproß einer Football-Dynastie. Favoriten sind zum einen Brie Larson (ihr Film läuft hierzulande erst im März) und Jennifer Lawrence, zum anderen Alicia Vikander und Kate Winslet. Aber auch Saoirse wäre ein Gewinn zu gönnen.
Wie auch immer das Rennen ausgeht, Brooklyn hat von den acht nominierten Filmen wahrscheinlich die geringsten Siegchancen. Trotzdem hat er zum Glück seine Fans auch in der Akademie. Zum Weiterlesen empfehle ich die Rezension von Pia Reiser vom ORF. Meine Wertung: Gut (7/10).
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Samstag, 30. Januar 2016
Samstag, 23. Januar 2016
Oscar-Favorit: Der Rückkehrer (6/10)
Der Rückkehrer ist ein einfach gestrickter Abenteuerfilm im Schnee mit grandiosen Bildern und fotorealistischer Brutalität. Damit erweist diese Kraftanstrengung des frischgebackenen Oscar-Gewinners Alejandro G. Iñárritu dem Western einen ähnlichen Bärendienst wie vor 15 Jahren Gladiator dem Sandalenfilm.
Leonardo DiCaprio spielt mit erschreckender Intensität den Trapper Hugh Glass, der von einem Grizzly zerfleischt wird und von seinen Kameraden unter Obhub dreier Freiwilliger zurückgelassen werden muß. Der Anführer Fitzgerald des kleinen Trupps hat bald keine Lust mehr, auf Glass' Ableben zu warten, ersticht dessen halbindianischen Sohn und läßt Glass im vorsorglich ausgehobenen Grab zurück. Der Rest des Films ist dann eine vorhersehbare Mischung aus Überlebensthriller und Rachedrama. Der stärkere Antagonist ist der nordamerikanische Winter von Chingachgook und Lederstrumpf, in einer Zeit der Vorderlader und skalphungriger Wilden in Gestalt von französischen Söldnern. UndIndianer Ureinwohner kommen auch vor. Schnell ist man ermüdet von den unglaublichen tödlichen Situationen, aus denen Glass sich mit unendlicher Zähigkeit immer wieder befreien kann. Er ist offenbar schwerer umzubringen als Rasputin.
Tom Hardy (ganz rechts im Bild) als Fitzgerald versucht es mit wildem Bart und stechenden Augen DiCaprio gleichzutun. Zumindest den Preis für den besten Nuschler sollte er für seine beiden Auftritte 2015 sicher haben - Mad Max hatte wenigstens noch die Maske als Entschuldigung. Domhnall Gleeson (links) als Captain Henry hat immerhin den überzeugendsten Bartwuchs, seine Figur nimmt allerdings fast surrealistische Züge an, als er gegen Ende plötzlich als dritter Teilnehmer im Zweikampf antritt. Am meisten im Ensemble hat mich die Bärin überzeugt, die als Beschützerin ihrer Jungen auch die beste Motivation für ihre Figur findet.
Soll The Revenant (so der Originaltitel, auch im Amerikanischen ein Fremdwort, das man eigentlich mit "Wiedergänger" übersetzten müßte) nun den Oscar als Bester Film bekommen, weil er von den acht Kandidaten sicherlich unter den beschwerlichsten Umständen entstand? Leider gibt es dieses Jahr keine herausragenden Alternativen, so daß ich der Verleihung ganz ohne Leidenschaft entgegensehe. Aber gebt um Himmels willen endlich Leo seinen Oscar, er wartet schließlich schon 20 Jahre darauf und war doch wirklich brav und geduldig...
Filmwertung: Ordentlich (6/10).
Leonardo DiCaprio spielt mit erschreckender Intensität den Trapper Hugh Glass, der von einem Grizzly zerfleischt wird und von seinen Kameraden unter Obhub dreier Freiwilliger zurückgelassen werden muß. Der Anführer Fitzgerald des kleinen Trupps hat bald keine Lust mehr, auf Glass' Ableben zu warten, ersticht dessen halbindianischen Sohn und läßt Glass im vorsorglich ausgehobenen Grab zurück. Der Rest des Films ist dann eine vorhersehbare Mischung aus Überlebensthriller und Rachedrama. Der stärkere Antagonist ist der nordamerikanische Winter von Chingachgook und Lederstrumpf, in einer Zeit der Vorderlader und skalphungriger Wilden in Gestalt von französischen Söldnern. Und
Tom Hardy (ganz rechts im Bild) als Fitzgerald versucht es mit wildem Bart und stechenden Augen DiCaprio gleichzutun. Zumindest den Preis für den besten Nuschler sollte er für seine beiden Auftritte 2015 sicher haben - Mad Max hatte wenigstens noch die Maske als Entschuldigung. Domhnall Gleeson (links) als Captain Henry hat immerhin den überzeugendsten Bartwuchs, seine Figur nimmt allerdings fast surrealistische Züge an, als er gegen Ende plötzlich als dritter Teilnehmer im Zweikampf antritt. Am meisten im Ensemble hat mich die Bärin überzeugt, die als Beschützerin ihrer Jungen auch die beste Motivation für ihre Figur findet.
| Quelle: bildschirmarbeiter.com |
Filmwertung: Ordentlich (6/10).
Montag, 18. Januar 2016
David Bowie: 1947 - 2016
Das erste Mal, daß ich David Bowie bewußt wahrnahm, war wahrscheinlich die Single Under Pressure, die er 1981 gemeinsam mit Queen aufnahm. Ich war bereits Queen-Fan und ein bißchen skeptisch ob des Fremdeinflusses, aber sein kraftvoller Beitrag ("it's the terror of knowing what this world is about", "insanity laughs, under pressure we're cracking") zog mich schnell in seinen Bann und bot ein gutes Gegengewicht zu Freddies Kapriolen. Auch heute noch mag ich diesen ungewöhnlichen Popsong. Im gleichen Jahr erschien das beeindruckende biographische Drama Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, in dem Bowie einen Konzertauftritt hat. Auf dem Soundtrack finden sich etliche Lieder aus seiner Berlin-Phase, an die er sich, wie er selbst zugibt, wegen seiner Drogenexzesse kaum erinnern kann. Vielleicht war ihm auch deshalb dieser Film so wichtig, in dessen schönster und zugleich traurigsten Szene Christiane und Detlef zum Klang von Heroes durch die Straßen toben.
Ein Jahr später sang er den Titelsong zu Katzenmenschen, der vor allem durch eine verführerische 19jährige Nastassja Kinski in Erinnerung blieb. Bowies energiegeladener Gesang machte Giorgio Moroders Song ("Putting out the fire (with gasoline)") zu einem Hit, übrigens gefällt mir die Single-Version deutlich besser als die spätere Album-Fassung. Jenes Album Let's Dance war dann der Höhepunkt seiner, wie er sie selbst nennt, "Phil-Collins-Phase", als er mit geschniegelten Videoauftritten etliche Pophits landen konnte. Neben dem Titelsong wurden China Girl, begleitet von einem (harmlosen) Skandalvideo, und Modern Love ("I know when to go out") ausgekoppelt.
Meine erste wesentliche Begegnung mit Bowie auf der Leinwand kam 1986, als ich auf dem Perry-Rhodan-Weltcon in Saarbrücken die Deutschlandpremiere von Die Reise ins Labyrinth erleben durfte. Natürlich war es nicht der Koboldkönig, der mich am meisten beeindruckte, sondern die entzückende 15jährige Hauptdarstellerin. Jennifer Connelly wuchs in den Folgejahren noch in alle möglichen Richtungen und ist seit ihrem Oscar-Gewinn für A Beautiful Mind eine der angesehensten (und immer noch schönsten) Schauspielerinnen Hollywoods. Bowie steuerte zur Jim-Henson-Fantasy ein paar seiner besten Lieder aus den 80ern bei, mein Favorit neben dem spannenden Titelsong ist das romantische As The World Turns Down. Überhaupt gelangen Bowie einige der schönsten Filmmusiken des Jahrzehnts, so etwa das verstörende When The Wind Blows.
Bowie war kein Schauspieler per se, aber durch sein charismatisches Auftreten und sein fremdartiges Aussehen (u.a. durch die nach einem Unfall ungleich großen Pupillen und natürlich diese unglaublichen Wangenknochen) füllte er einige fesselnde Rollen aus. Besten Gebrauch davon machte Nicolas Roeg bereits 1976 im sehenswerten Der Mann, der vom Himmel fiel, als er Bowie typgerecht als Außerirdischen besetzte. Meist beschränkte sich der Thin White Duke ansonsten auf Cameos, so 1988 als Pontius Pilatus in Scorseses Die letzte Versuchung Christi und, in seinem letzten größeren Auftritt, 2006 als Nikola Tesla in Christopher Nolans tollem Magierduell The Prestige.
Den bahnbrechenden Musiker David Bowie begann ich erst ab 1990 zu entdecken, als Ryko unter dem Label "Sound + Vision" begann, die Alben der 70er wiederzuveröffentlichen. Vor den Zeiten von Amazon & Co. mußte ich damals in Münster monatlich zu einem Spezialgeschäft radeln, um diese Import-CDs zu ergattern, und jedesmal stellte sich ein Wundertüten-Gefühl ein. Keine zwei Alben glichen sich. Bowie war in den 70ern nicht nur vom Aussehen her ein Paradiesvogel mit ständig wechselnden Federn, sondern auch vom Sound und vom Musikstil her. Höhepunkt meiner Entdeckungsreise war dann ein Konzertbesuch am 22. April 1990 in der Dortmunder Westfalenhalle, auch wenn das Erlebnis ein wenig geschmälert wurde durch Adrian Belews arg verzerrten Gitarrensound. In dieser Sound+Vision-Tournee spielte Bowie letzmalig sein Repertoire aus den 70ern. Ich muß gestehen, daß für mich keine der nachfolgenden Platten den Melodienreichtum und die Raffinesse dieser Ära auch nur annähernd erreichen konnte.
David Bowie war weit mehr als nur sein Werk, er war eine Medienpersönlichkeit, er ging als einer der ersten Popstars an die Börse, und er setzte sich gemeinsam mit seiner Frau Iman für viele wohltätige Zwecke ein. Musikalisch war er seit den 90ern nur noch sporadisch erfolgreich, so wie auch die Bedeutung seines letzten Albums "Blackstar" nach kurzer Trauerfrist wohl kritisch relativiert werden wird. Das soll diesen Ausnahmemusiker aber nicht abwerten, der ohne Zweifel einer der großen Stars des 20. Jahrhunderts war und der allein durch seinen Nachnamen identifiziert werden kann: Bowie forever!
Ein Jahr später sang er den Titelsong zu Katzenmenschen, der vor allem durch eine verführerische 19jährige Nastassja Kinski in Erinnerung blieb. Bowies energiegeladener Gesang machte Giorgio Moroders Song ("Putting out the fire (with gasoline)") zu einem Hit, übrigens gefällt mir die Single-Version deutlich besser als die spätere Album-Fassung. Jenes Album Let's Dance war dann der Höhepunkt seiner, wie er sie selbst nennt, "Phil-Collins-Phase", als er mit geschniegelten Videoauftritten etliche Pophits landen konnte. Neben dem Titelsong wurden China Girl, begleitet von einem (harmlosen) Skandalvideo, und Modern Love ("I know when to go out") ausgekoppelt.
Meine erste wesentliche Begegnung mit Bowie auf der Leinwand kam 1986, als ich auf dem Perry-Rhodan-Weltcon in Saarbrücken die Deutschlandpremiere von Die Reise ins Labyrinth erleben durfte. Natürlich war es nicht der Koboldkönig, der mich am meisten beeindruckte, sondern die entzückende 15jährige Hauptdarstellerin. Jennifer Connelly wuchs in den Folgejahren noch in alle möglichen Richtungen und ist seit ihrem Oscar-Gewinn für A Beautiful Mind eine der angesehensten (und immer noch schönsten) Schauspielerinnen Hollywoods. Bowie steuerte zur Jim-Henson-Fantasy ein paar seiner besten Lieder aus den 80ern bei, mein Favorit neben dem spannenden Titelsong ist das romantische As The World Turns Down. Überhaupt gelangen Bowie einige der schönsten Filmmusiken des Jahrzehnts, so etwa das verstörende When The Wind Blows.
Bowie war kein Schauspieler per se, aber durch sein charismatisches Auftreten und sein fremdartiges Aussehen (u.a. durch die nach einem Unfall ungleich großen Pupillen und natürlich diese unglaublichen Wangenknochen) füllte er einige fesselnde Rollen aus. Besten Gebrauch davon machte Nicolas Roeg bereits 1976 im sehenswerten Der Mann, der vom Himmel fiel, als er Bowie typgerecht als Außerirdischen besetzte. Meist beschränkte sich der Thin White Duke ansonsten auf Cameos, so 1988 als Pontius Pilatus in Scorseses Die letzte Versuchung Christi und, in seinem letzten größeren Auftritt, 2006 als Nikola Tesla in Christopher Nolans tollem Magierduell The Prestige.
Den bahnbrechenden Musiker David Bowie begann ich erst ab 1990 zu entdecken, als Ryko unter dem Label "Sound + Vision" begann, die Alben der 70er wiederzuveröffentlichen. Vor den Zeiten von Amazon & Co. mußte ich damals in Münster monatlich zu einem Spezialgeschäft radeln, um diese Import-CDs zu ergattern, und jedesmal stellte sich ein Wundertüten-Gefühl ein. Keine zwei Alben glichen sich. Bowie war in den 70ern nicht nur vom Aussehen her ein Paradiesvogel mit ständig wechselnden Federn, sondern auch vom Sound und vom Musikstil her. Höhepunkt meiner Entdeckungsreise war dann ein Konzertbesuch am 22. April 1990 in der Dortmunder Westfalenhalle, auch wenn das Erlebnis ein wenig geschmälert wurde durch Adrian Belews arg verzerrten Gitarrensound. In dieser Sound+Vision-Tournee spielte Bowie letzmalig sein Repertoire aus den 70ern. Ich muß gestehen, daß für mich keine der nachfolgenden Platten den Melodienreichtum und die Raffinesse dieser Ära auch nur annähernd erreichen konnte.
Meine Lieblingsalben:
The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars (1972)
Immer noch einer meiner absoluten Favoriten, ist Ziggy Stardust das perfekte Rock'n Roll-Album, mit kraftvollen Gitarren, hämmernden Bässen, seufzenden Saxophonen und einem Zuckerguß von Streichern, die genau die richtige Portion Pathos beisteuern. Mit Moonage Daydream (zuletzt bei den Guardians of the Galaxy zu hören), Starman, Lady Stardust enthält es Klassiker für die Ewigkeit; es endet mit dem von der 12saitigen Gitarre eingeleiteten, tiefempfundenen Rock'n Roll Suicide. "To be played at maximum volume" - eine Anweisung, die man bei modernen Anlagen vielleicht nicht ganz wörtlich nehmen sollte.
Hunky Dory (1971)Wo Ziggy geradlinig und laut ist, kommt der Vorgänger versponnen und geheimnisvoll daher. Der Opener Changes ist eines von Bowies Markenzeichen, Oh! You Pretty Things beschreibt schmerzhafte Generationenängste, und Life on Mars ist eine seiner tiefsinnigsten Balladen:
It's a God awful small affair
To the girl with the mousey hair,
But her mummy is yelling, "No!"
And her daddy has told her to go,
But her friend is no where to be seen.
Now she walks through her sunken dream
To the seats with the clearest view
And she's hooked to the silver screen,
But the film is sadd'ning bore
For she's lived it ten times or more.
She could spit in the eyes of fools
As they ask her to focus on
Sailors
Fighting in the dance hall.
Oh man!
Look at those cavemen go.
It's the freakiest show.
Take a look at the lawman
Beating up the wrong guy.
Oh man!
Wonder if he'll ever know
He's in the best selling show.
Is there Life On Mars?
Station To Station (1976)Das Album beginnt mit dem zehnminütige Titelsong, der einen unwahrscheinlichen hypnotischen Sog entwickelt, und endet in einer wunderbaren Version des Klassikers Wild is the Wind. Leider erreichte keine der nachfolgenden drei drogenbeeinflußten experimentellen Zusammenarbeiten mit Brian Eno Dichte und Qualität dieses Meilensteins.
Space Oddity (1969, alternativ: "David Bowie")Das Album zählt nicht zu seinen angesehensten. Berühmt ist aber der Titelsong, die Geschichte vom Major Tom, der mit einer Rakete ins All geschossen wird. Natürlich geht es tatsächlich um einen Drogensüchtigen, der sich schlußendlich eine Überdosis schießt, doch allzu gern wird der Text wörtlich genommen. Das ging so weit, daß Bowie 1980 mit Ashes To Ashes Klarheit schaffen mußte:
Do you remember a guy that's beenDas Album enthält aber noch andere schöne Lieder, darunter die emotionale, leider von vielen als kitschig empfundene Ballade Letter To Hermione und weitere akustisch geprägte Stücke, etwa Janine oder God Knows I'm Good.
In such an early song
I've heard a rumour from Ground Control
Oh no, don't say it's true
They got a message from the Action Man
"I'm happy, hope you're happy too
I've loved all I've needed to love
Sordid details following"
...
Ashes to ashes, funk to funky
We know Major Tom's a junkie
Strung out in heaven's high
Hitting an all-time low
David Bowie war weit mehr als nur sein Werk, er war eine Medienpersönlichkeit, er ging als einer der ersten Popstars an die Börse, und er setzte sich gemeinsam mit seiner Frau Iman für viele wohltätige Zwecke ein. Musikalisch war er seit den 90ern nur noch sporadisch erfolgreich, so wie auch die Bedeutung seines letzten Albums "Blackstar" nach kurzer Trauerfrist wohl kritisch relativiert werden wird. Das soll diesen Ausnahmemusiker aber nicht abwerten, der ohne Zweifel einer der großen Stars des 20. Jahrhunderts war und der allein durch seinen Nachnamen identifiziert werden kann: Bowie forever!
Freitag, 15. Januar 2016
Ein unterhaltsames Lehrstück in Ökonomie: The Big Short (8/10)
The Big Short ist mit 130 Minuten nicht besonders kurz, hat aber ein großes Thema: das Platzen der Wohnungsmarktblase ab dem Jahr 2007 und die resultierende Wirtschaftskrise, durch die allein in den USA 9 Millionen Arbeitsplätze verloren gingen und Millionen Amerikaner ihre Wohnungen verloren.
Regisseur Adam McKay (Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy) erzählt die Geschichte als tiefschwarze Komödie in halbdokumentarischem Stil. Die Darsteller wenden sich gelegentlich mit Hintergrundinformationen direkt an die Kamera. Protagonisten sind mehrere Gruppen von Akteuren, die die Krise früh vorhersahen und entsprechend von ihr profitiert haben. Dies gelang durch den Kauf sogenannter "Shorts": Wetten auf das Scheitern von Immobilienfonds. Am meisten erfahren wir über Michael Burry, einen autistischen Investment-Banker, der am Ende für sich und seine Kunden mehr als eine Milliarde Dollar Gewinn erzielen konnte. Christian Bale wurde für diese doch eher skizzenhaft porträtierte Figur gerade für seinen dritten Oscar nominiert (er gewann bereits 2011 für The Fighter). Daneben spielt Steve Carell den von ihm patentierten polternden Miesepeter, der (wenn ich das richtig verstanden habe) gegen sein eigenes Mutterunternehmen Morgan Stanley wettet und in wütenden Brandreden schon früh auf die kriminellen Machenschaften der Branche aufmerksam macht (die Figur basiert auf einer realen Person). Des weiteren gibt es ein paar Jungbanker, u.a. von Hamish Linklater und Rafe Spall porträtiert, die mit Hilfe eines zwielichtigen Branchenkenners (Produzent Brad Pitt in einer Gastrolle) ebenfalls ein paar Millionen aus der Situation herausschlagen.
All diese Profiteure haben durchaus ein schlechtes Gewissen, obwohl ihre Millionengewinne nur ein winziger Nebeneffekt beim Platzen der Billionen-Dollar-Blase sind. Das kann man von Ryan Goslings zynischem Manager der Deutschen Bank nicht sagen - der geschniegelte Jungstar verleiht dem Übel ein photogenes Gesicht.
Besonders schwierige Themen erklärt der Film mit Hilfe von Prominenten:
Regisseur Adam McKay (Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy) erzählt die Geschichte als tiefschwarze Komödie in halbdokumentarischem Stil. Die Darsteller wenden sich gelegentlich mit Hintergrundinformationen direkt an die Kamera. Protagonisten sind mehrere Gruppen von Akteuren, die die Krise früh vorhersahen und entsprechend von ihr profitiert haben. Dies gelang durch den Kauf sogenannter "Shorts": Wetten auf das Scheitern von Immobilienfonds. Am meisten erfahren wir über Michael Burry, einen autistischen Investment-Banker, der am Ende für sich und seine Kunden mehr als eine Milliarde Dollar Gewinn erzielen konnte. Christian Bale wurde für diese doch eher skizzenhaft porträtierte Figur gerade für seinen dritten Oscar nominiert (er gewann bereits 2011 für The Fighter). Daneben spielt Steve Carell den von ihm patentierten polternden Miesepeter, der (wenn ich das richtig verstanden habe) gegen sein eigenes Mutterunternehmen Morgan Stanley wettet und in wütenden Brandreden schon früh auf die kriminellen Machenschaften der Branche aufmerksam macht (die Figur basiert auf einer realen Person). Des weiteren gibt es ein paar Jungbanker, u.a. von Hamish Linklater und Rafe Spall porträtiert, die mit Hilfe eines zwielichtigen Branchenkenners (Produzent Brad Pitt in einer Gastrolle) ebenfalls ein paar Millionen aus der Situation herausschlagen.
All diese Profiteure haben durchaus ein schlechtes Gewissen, obwohl ihre Millionengewinne nur ein winziger Nebeneffekt beim Platzen der Billionen-Dollar-Blase sind. Das kann man von Ryan Goslings zynischem Manager der Deutschen Bank nicht sagen - der geschniegelte Jungstar verleiht dem Übel ein photogenes Gesicht.
Besonders schwierige Themen erklärt der Film mit Hilfe von Prominenten:
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| Margot Robbie erklärt Sub Prime Loans |
Selena Gomez erklärt CDOs (Wetten auf Wetten auf Wetten...)
The Big Short ist einer der wenigen würdigen Oscar-Kandidaten des Jahres, auch wenn es nicht der ganz große Wurf ist. Dazu sind die Figuren zu skizzenhaft gezeichnet und die Handlung zu redundant aufgebaut. Aber er überragt alle anderen Beiträge zu diesem Thema, wenn man etwa an das sentimentale Drama The Company Men von 2010 denkt (mit Ben Affleck und Kevin Costner). Sehr gut (8/10).
Donnerstag, 14. Januar 2016
Alan Rickman: 21.2.1946-14.1.2016
Er war nie für einen Oscar nominiert, und doch kennt ihn jedes Kind. Es scheint, als ob J.K. Rowling Severus Snape, ihre komplexeste Figur, extra für ihn erschaffen hätte. Nach acht Filmen kann sich niemand Harry Potter ohne ihn vorstellen.
Alan Rickman hatte die Art trauriges Gesicht, das je nach Rolle herzerwärmend oder furchteinflößend, melancholisch oder zynisch sein konnte. Dazu paßte seine unverkennbare kehlige Stimme, die genauso bedrohlich wie zärtlich klingen konnte.
Bekannt wurde er durch Schurkenrollen: In seinem Kino-Debut beeindruckte der Londoner 1988 als deutscher Meisterkrimineller Hans Gruber in Stirb Langsam, dann spielte er Robin Hood Kevin Costner als Sheriff von Nottingham an die Wand (und gewann dafür immerhin einen BAFTA). Daher gelang Ang Lee 1995 ein genialer Casting-Coup, als er Rickman in Sinn und Sinnlichkeit als Colonel Brandon besetzte, den hoffnungslosen älteren Freier Mariannes, der am Ende doch noch triumphieren durfte.
Reichlich Humor bewies Rickman, als er 1999 für Kevin Smith den Erzengel Metatron und ein Jahr später in Dean Parisots Galaxy Quest einen depressiven Alien-Darsteller mimte ("by Grabthars hammer..."). Dann brach er in Richard Curtis' Weihnachtsmärchen Tatsächlich...Liebe nicht nur Emma Thompson das Herz, als er für ein Küßchen von Heike Makatsch seine Ehe aufs Spiel setzte. Gern erinnere ich mich auch an seinen liebenswerten Auftritt in der unterbewerteten Autismus-Romanze Snow Cake von 2006, an der Seite von Sigourney Weaver.
Alan Rickman wurde nur 69 Jahre alt. Ich wäre ihm gern noch für Jahrzehnte auf der Leinwand begegnet.
Alan Rickman hatte die Art trauriges Gesicht, das je nach Rolle herzerwärmend oder furchteinflößend, melancholisch oder zynisch sein konnte. Dazu paßte seine unverkennbare kehlige Stimme, die genauso bedrohlich wie zärtlich klingen konnte.
Bekannt wurde er durch Schurkenrollen: In seinem Kino-Debut beeindruckte der Londoner 1988 als deutscher Meisterkrimineller Hans Gruber in Stirb Langsam, dann spielte er Robin Hood Kevin Costner als Sheriff von Nottingham an die Wand (und gewann dafür immerhin einen BAFTA). Daher gelang Ang Lee 1995 ein genialer Casting-Coup, als er Rickman in Sinn und Sinnlichkeit als Colonel Brandon besetzte, den hoffnungslosen älteren Freier Mariannes, der am Ende doch noch triumphieren durfte.
Reichlich Humor bewies Rickman, als er 1999 für Kevin Smith den Erzengel Metatron und ein Jahr später in Dean Parisots Galaxy Quest einen depressiven Alien-Darsteller mimte ("by Grabthars hammer..."). Dann brach er in Richard Curtis' Weihnachtsmärchen Tatsächlich...Liebe nicht nur Emma Thompson das Herz, als er für ein Küßchen von Heike Makatsch seine Ehe aufs Spiel setzte. Gern erinnere ich mich auch an seinen liebenswerten Auftritt in der unterbewerteten Autismus-Romanze Snow Cake von 2006, an der Seite von Sigourney Weaver.
Alan Rickman wurde nur 69 Jahre alt. Ich wäre ihm gern noch für Jahrzehnte auf der Leinwand begegnet.
Kein Vergnügen: Joy (4/10)
Die Biographie über die Erfinderin des Miracle Mop, Joy Mangano, hat mir kein Vergnügen bereitet. David O. Russells dritte Zusammenarbeit mit Jennifer Lawrence (nach dem schönen Silver Linings Playbook und dem chaotischen American Bullshit) wird nur vom Charisma des Stars zusammengehalten. Die Geschichte zerfällt ansonsten in Einzelepisoden mit ziellos agierenden Nebendarstellern, die kein Ganzes ergeben und im Ton weder der Komödie noch dem Drama zuzuordnen sind. Das Leben der erfolgreichen Unternehmerin hätte bestimmt Stoff für eine wunderbare Satire gegeben, gern auch eine Farce oder die sentimentale Standardbiographie einer amerikanischen Träumerin. Stattdessen wird uns eine bizarre Familiensituation aufgepropft, in der wir Robert DeNiro als Vater von Jennifer Lawrence akzeptieren sollen. Da reichen selbst die Fähigkeiten des zweifachen Oscar-Gewinners nicht, um einen glaubwürdigen Schwiegersohn der nur acht Jahre älteren und noch fast jugendlich wirkenden Diane Ladd zu verkörpern. Vielleicht war die Idee, die Geschichte wie die immer wieder zitierte Daily Soap aufzubereiten, aber dazu nehmen sich alle Beteiligten zu ernst. Schade (4/10).
Dienstag, 12. Januar 2016
Idealisierte Transgender-Ikone: Das Dänische Mädchen (7/10)
Das Dänische Mädchen erzählt die auf Tatsachen beruhende Geschichte des Malers Einar Wegener, der sich ab etwa seinem 30. Lebensjahr mehr und mehr als Frau identifizierte, den Namen Lili Elbe annahm und sich 1930 einer der ersten operativen Geschlechtsumwandlungen unterzog, an deren Nebenwirkungen er/sie ein Jahr später starb. Lili Elbe ist heute eine Ikone der Transgender-Bewegung und wird im Film mit entsprechender Ehrfurcht dargestellt.
Dem für seine Darstellung Stephen Hawkings frischgebackene Oscar-Gewinner Eddie Redmayne gelingt erneut eine technisch eindrucksvolle Leistung, die über 120 Minuten allerdings ein wenig anstrengend wirkt. Der ohnehin schon zarte Brite mit der sanften Stimme schlüpft fast nahtlos in die Rolle der Frau im Männerkörper und ist dadurch weit weniger interessant als etwa Jeffrey Tambor in der Hauptrolle des Amazon-Flaggschiffes Transparent. Gerettet wird der Film über weite Strecken durch die natürliche Darstellung von Alicia Vikander, die Einars Ehefrau und Weggefährtin Gerda Wärme und Komplexität verleiht. Ihre eigene (historisch wohl lesbische) Sexualität wird kaum thematisiert, und der Film läßt sie Lili auch nach der Auflösung der Ehe bis zum Tode als Freundin begleiten. Trotz der Idealisierung füllt Vikander diese zweite Hauptrolle eindrucksvoll mit Leben und rundet damit ein für sie erstaunliches Kinojahr ab, das hoffentlich zu wenigstens einer Oscar-Nominierung führen wird (bei den Globes war sie hierfür und für Ex Machina leider erfolglos im Rennen).
Regisseur Tom Hooper (Die Rede des Königs) setzt diesmal die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ein wenig zu geschmackvoll ins Bild. Dazu passen die Verjüngung der Hauptfiguren, die Besetzung auch der Nebenrollen mit allzu hübschen Gesichtern (Amber Heard, Ben Whishaw), dazu kommen der Belgier Matthias Schoenaerts als verständnisvoller Freund und Sebastian Koch als progressiver Dresdner Arzt. All das wird dann mit dem Zuckerguß von Alexandre Desplats Musik übergossen, und das Ergebnis ist leider allzu gefällig und gefährlich nahe am Kitsch. Durch die hervorragenden Schauspielerleistungen gerade noch Gut (7/10).
Dem für seine Darstellung Stephen Hawkings frischgebackene Oscar-Gewinner Eddie Redmayne gelingt erneut eine technisch eindrucksvolle Leistung, die über 120 Minuten allerdings ein wenig anstrengend wirkt. Der ohnehin schon zarte Brite mit der sanften Stimme schlüpft fast nahtlos in die Rolle der Frau im Männerkörper und ist dadurch weit weniger interessant als etwa Jeffrey Tambor in der Hauptrolle des Amazon-Flaggschiffes Transparent. Gerettet wird der Film über weite Strecken durch die natürliche Darstellung von Alicia Vikander, die Einars Ehefrau und Weggefährtin Gerda Wärme und Komplexität verleiht. Ihre eigene (historisch wohl lesbische) Sexualität wird kaum thematisiert, und der Film läßt sie Lili auch nach der Auflösung der Ehe bis zum Tode als Freundin begleiten. Trotz der Idealisierung füllt Vikander diese zweite Hauptrolle eindrucksvoll mit Leben und rundet damit ein für sie erstaunliches Kinojahr ab, das hoffentlich zu wenigstens einer Oscar-Nominierung führen wird (bei den Globes war sie hierfür und für Ex Machina leider erfolglos im Rennen).
Regisseur Tom Hooper (Die Rede des Königs) setzt diesmal die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ein wenig zu geschmackvoll ins Bild. Dazu passen die Verjüngung der Hauptfiguren, die Besetzung auch der Nebenrollen mit allzu hübschen Gesichtern (Amber Heard, Ben Whishaw), dazu kommen der Belgier Matthias Schoenaerts als verständnisvoller Freund und Sebastian Koch als progressiver Dresdner Arzt. All das wird dann mit dem Zuckerguß von Alexandre Desplats Musik übergossen, und das Ergebnis ist leider allzu gefällig und gefährlich nahe am Kitsch. Durch die hervorragenden Schauspielerleistungen gerade noch Gut (7/10).
Montag, 11. Januar 2016
Erleuchtend: Die Golden Globes 2016
Und plötzlich wird mir klar, wie sehr ich das Kinojahr 2015 verkannt habe! Aber sicher, Der Marsianer war die beste Komödie des Jahres! Wie konnte ich Matt Damons komischen Auftritt mißachten? Umso erstaunlicher die fortwährende Demütigung Ridley Scotts (Alien, Blade Runner, Gladiator), der auch für diese Meisterleistung wieder keinen Globe als bester Regisseur einheimsen konnte. Und dann meine Fehlsicht bei den Damen: Melissa McCarthy und Amy Schumer sind offenbar lange nicht so komisch wie Kritikerliebling Jennifer Lawrence (ich bin schon gespannt wie ein Wischmop auf Joy). Im ernsten Fach habe ich Kate Winslets Kompetenz mit Brillanz verwechselt, denn wie sonst war sie besser als die Überraschung des Jahres, Alicia Vikander in Ex Machina? Nun gut, selbst Sylvester Stallone darf sich jetzt Schauspieler nennen. Und der Titelsong von Spectre war offenbar doch gut - na ja, wenn Lady Gaga schauspielern kann, dann kann Sam Smith vielleicht auch singen...
Ehrliche Glückwünsche aber an den sympathischen Shooting Star Brie Larson:
und an "Alt"star Leonardo DiCaprio, der mit einem waschechten Bären ringen mußte, bis es für den Globe und hoffentlich auch für den Oscar gereicht hat. Ihm ist zu wünschen, daß das nicht alles nur ein Traum bleibt:
Im TV-Bereich habe ich mich ein wenig mehr wiedergefunden. Damit meine ich nicht die beiden Preise für das unglaublich dröge Hackerdrama Mr. Robot, sondern jene für die beste Comedy-Serie, Amazons Mozart in the Jungle. Wer die Serie nicht kennt, sollte das jetzt schnell nachholen, seit dem 30. Dezember ist die zweite Staffel bei Amazon in UHD-Qualität für Prime-Kunden kostenlos zu streamen. Die Geschichte um das New Yorker Symphonieorchester ist nicht perfekt, hebt sich aber derart erfrischend von all den schalen Superhelden der letzten Jahre ab. Superironisch daher, als Supergirl Melissa Benoist und The Flash Grant Gustin den Mexiko-stämmigen Gael García Bernal als besten Schauspieler in der Kategorie Komödie/Musical auszeichnen (siehe YouTube).
Er spielt perfekt den mit Mitte 30 noch jungen, exzentrischen Dirigenten, der schnell zum Mittelpunkt eines Ensembles wird, das alle Generationen umfaßt: von der 27jährigen Oboistin Hailey (Neuling Lola Kirke) über die 43jährige Saffran Burrows als erste Cellistin Cynthia zur 65jährigen ersten Oboe Betty (Veteranin Debra Monk). Und dann sind da natürlich der jenseits der 70 immer noch bissige Malcolm McDowell als "Alt"dirigent und eine denkwürdige Bernadette Peters als Aufsichtsratsvorsitzende. Gar nicht so heimlicher Star der Serie ist allerdings die (überwiegend klassische) Musik. Nur Puristen werden bei den wunderbaren Passagen aus herrlichen Werken von Klassik bis Moderne nicht dahinschmelzen können. Die Klassikszene mit all ihren Facetten, von den ewigen Gehaltsverhandlungen für die chronisch unterbezahlten Orchestermusiker über gecke Sponsoren, die lieber für einen neuen Konzertsaal als für die Altersversorgung der Künstler aufkommen wollen, bis hin zum spärlichen Privatleben der Stars, als Hailey u.a. Lang Lang, Emanuel Ax und Joshua Bell beim Tischtennis-Spielen kennenlernt. Ein Bravo an den jungen Coppola-Clan um Jason Schwartzman, Roman Coppola und Paul Weitz (American Pie) für den Mumm zur Abweichung von der Norm (zum Photo ist zu sagen, daß Lola Kirke in gelb sich für die Globes schrecklich aufgemotzt hat - in der Serie wirkt sie viel natürlicher).
Ehrliche Glückwünsche aber an den sympathischen Shooting Star Brie Larson:
und an "Alt"star Leonardo DiCaprio, der mit einem waschechten Bären ringen mußte, bis es für den Globe und hoffentlich auch für den Oscar gereicht hat. Ihm ist zu wünschen, daß das nicht alles nur ein Traum bleibt:
Im TV-Bereich habe ich mich ein wenig mehr wiedergefunden. Damit meine ich nicht die beiden Preise für das unglaublich dröge Hackerdrama Mr. Robot, sondern jene für die beste Comedy-Serie, Amazons Mozart in the Jungle. Wer die Serie nicht kennt, sollte das jetzt schnell nachholen, seit dem 30. Dezember ist die zweite Staffel bei Amazon in UHD-Qualität für Prime-Kunden kostenlos zu streamen. Die Geschichte um das New Yorker Symphonieorchester ist nicht perfekt, hebt sich aber derart erfrischend von all den schalen Superhelden der letzten Jahre ab. Superironisch daher, als Supergirl Melissa Benoist und The Flash Grant Gustin den Mexiko-stämmigen Gael García Bernal als besten Schauspieler in der Kategorie Komödie/Musical auszeichnen (siehe YouTube).
Er spielt perfekt den mit Mitte 30 noch jungen, exzentrischen Dirigenten, der schnell zum Mittelpunkt eines Ensembles wird, das alle Generationen umfaßt: von der 27jährigen Oboistin Hailey (Neuling Lola Kirke) über die 43jährige Saffran Burrows als erste Cellistin Cynthia zur 65jährigen ersten Oboe Betty (Veteranin Debra Monk). Und dann sind da natürlich der jenseits der 70 immer noch bissige Malcolm McDowell als "Alt"dirigent und eine denkwürdige Bernadette Peters als Aufsichtsratsvorsitzende. Gar nicht so heimlicher Star der Serie ist allerdings die (überwiegend klassische) Musik. Nur Puristen werden bei den wunderbaren Passagen aus herrlichen Werken von Klassik bis Moderne nicht dahinschmelzen können. Die Klassikszene mit all ihren Facetten, von den ewigen Gehaltsverhandlungen für die chronisch unterbezahlten Orchestermusiker über gecke Sponsoren, die lieber für einen neuen Konzertsaal als für die Altersversorgung der Künstler aufkommen wollen, bis hin zum spärlichen Privatleben der Stars, als Hailey u.a. Lang Lang, Emanuel Ax und Joshua Bell beim Tischtennis-Spielen kennenlernt. Ein Bravo an den jungen Coppola-Clan um Jason Schwartzman, Roman Coppola und Paul Weitz (American Pie) für den Mumm zur Abweichung von der Norm (zum Photo ist zu sagen, daß Lola Kirke in gelb sich für die Globes schrecklich aufgemotzt hat - in der Serie wirkt sie viel natürlicher).
Freitag, 1. Januar 2016
Kino-Jahresrückblick 2015
Das war schon ein merkwürdiges Kinojahr. Vielleicht stimmt ja die Schlagzeile, nach der die beste Nachricht des Jahres 2015 sein Ende war. Anderseits könnte ich auch unseren tiefsinnigsten Philosophen Otto Waalkes zitieren:
Aus Kritikersicht bietet 2015 allerdings ein jämmerliches Bild. Wenn mit Mad Max: Fury Road ein handgemachter, spektakulär überdrehter Actionfilm die Bestenlisten anführt und selbst ein durchschnittlicher Genrefilm wie Der Marsianer in den Top10s auftaucht, ist das für mich nur ein Indiz für mangelnde Qualität. Eimerweise wurden uns Softdrinks aufgedrängt, die bekanntermaßen nur noch durstiger machen.
Hier ist meine Top12 des vergangenen Jahres, aus 41 im Kino gesehenen Kandidaten:
Herausragend (9/10)
1. Love & Mercy
2. Avengers: Age of Ultron
Viele waren enttäuscht von diesem zweiten Kraftakt von Joss Whedon. Ich bleibe dabei, daß ich großen Spaß dabei hatte. Ich liebe einfach dieses Ensemble.
Sehr gut (8/10)
3. Timbuktu
4. Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game)
5. Ich und Kaminski
6. Kingsman
7. Ex Machina
8. Susan Cooper Undercover (Spy)
9. Das ewige Leben
10. Der große Trip (Wild)
11. Der Unterhändler (Bridge of Spies)
12. Star Wars: Das Erwachen der Macht
Dazu kommt aus dem Heimkino:
13. Grow Up!? - Erwachsen werd ich später
Enttäuschungen
Meine Lieblingsregisseure haben dieses Jahr nicht gut abgeschnitten. Nach einigen hervorragenden Dokumentationen konnte mich Wim Wenders in seinem neuesten Spielfilm Everything Will Be Fine nur mit seinem originellen Einsatz der 3D-Technik, aber nicht mit einer spannenden Geschichte oder interessanten Figuren überzeugen. Werner Herzogs Queen of the Desert habe ich bisher nicht einmal anzusehen gewagt, auch weil mich Nicole Kidman nicht besonders anspricht. Und Woody Allen hat im Jahr seines 80. Geburtstages die zweite Niete in Folge veröffentlicht, die ich als kleines Geburtstagsgeschenk gar nicht erst besprochen habe.
Die einstige Wunderwerkstatt Pixar bietet meines Erachtens nun nur noch Disney-Einheitsbrei. Während ich bei Alles steht Kopf noch eine Minderheitenmeinung vertrete, ist ihr zweiter Beitrag des Jahres, Arlo & Spot ("The Good Dinosaur"), bei Publikum und Kritik allgemein ziemlich untergegangen.
Die schlechtesten Filme des Jahres habe ich bereits in meinem Zwischenruf an Emma Stone erwähnt. Mehr erwartet hatte ich mir ansonsten von MI:5, Jupiter Ascending und A World Beyond.
Hoffnungen
Immerhin waren 2015 gleich zwei Komödiantinnen überraschend erfolgreich. Bei Melissa McCarthy war das überfällig, Amy Schumers verdrehte RomCom mit dem dämlichen deutschen Titel Dating Queen ("Trainwreck") war eine schöne Zugabe.
Und natürlich hat die unglaublich gehypte neue Star-Wars-Episode allen Bedenken zum Trotz einen schönen Endakzent für 2015 gesetzt.
Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: "Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!", und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer...!2015 war noch mehr als sonst von Blockbustern geprägt. Sequels, Prequels, Franchises bestimmen das Bild. Die weltweiten Einnahmen sind gestiegen, auch durch das rasante Wachstum des chinesischen Marktes, der seine Umsätze um fast 50% steigern konnte und sehr bald Nordamerika überholen wird. Weltweit konnten sich Jurassic World, Avengers: Age of Ultron, Minions und Star Wars: Das Erwachen der Macht in der Liste der zwölf umsatzstärksten Filme aller Zeiten platzieren. Die Deutschen standen auf Fack Ju Göhte 2, Minions, Spectre, Fifty Shades of Grey, Fast & Furious 7 und Jurassic World sowie Star Wars, das auch weltweit James Camerons Spitzenpositionen mit Avatar und Titanic gefährden könnte.
Aus Kritikersicht bietet 2015 allerdings ein jämmerliches Bild. Wenn mit Mad Max: Fury Road ein handgemachter, spektakulär überdrehter Actionfilm die Bestenlisten anführt und selbst ein durchschnittlicher Genrefilm wie Der Marsianer in den Top10s auftaucht, ist das für mich nur ein Indiz für mangelnde Qualität. Eimerweise wurden uns Softdrinks aufgedrängt, die bekanntermaßen nur noch durstiger machen.
Hier ist meine Top12 des vergangenen Jahres, aus 41 im Kino gesehenen Kandidaten:
Herausragend (9/10)
1. Love & Mercy
2. Avengers: Age of Ultron
Viele waren enttäuscht von diesem zweiten Kraftakt von Joss Whedon. Ich bleibe dabei, daß ich großen Spaß dabei hatte. Ich liebe einfach dieses Ensemble.
Sehr gut (8/10)
3. Timbuktu
4. Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game)
5. Ich und Kaminski
6. Kingsman
7. Ex Machina
8. Susan Cooper Undercover (Spy)
9. Das ewige Leben
10. Der große Trip (Wild)
11. Der Unterhändler (Bridge of Spies)
12. Star Wars: Das Erwachen der Macht
Dazu kommt aus dem Heimkino:
13. Grow Up!? - Erwachsen werd ich später
Enttäuschungen
Meine Lieblingsregisseure haben dieses Jahr nicht gut abgeschnitten. Nach einigen hervorragenden Dokumentationen konnte mich Wim Wenders in seinem neuesten Spielfilm Everything Will Be Fine nur mit seinem originellen Einsatz der 3D-Technik, aber nicht mit einer spannenden Geschichte oder interessanten Figuren überzeugen. Werner Herzogs Queen of the Desert habe ich bisher nicht einmal anzusehen gewagt, auch weil mich Nicole Kidman nicht besonders anspricht. Und Woody Allen hat im Jahr seines 80. Geburtstages die zweite Niete in Folge veröffentlicht, die ich als kleines Geburtstagsgeschenk gar nicht erst besprochen habe.
Die einstige Wunderwerkstatt Pixar bietet meines Erachtens nun nur noch Disney-Einheitsbrei. Während ich bei Alles steht Kopf noch eine Minderheitenmeinung vertrete, ist ihr zweiter Beitrag des Jahres, Arlo & Spot ("The Good Dinosaur"), bei Publikum und Kritik allgemein ziemlich untergegangen.
Die schlechtesten Filme des Jahres habe ich bereits in meinem Zwischenruf an Emma Stone erwähnt. Mehr erwartet hatte ich mir ansonsten von MI:5, Jupiter Ascending und A World Beyond.
Hoffnungen
Immerhin waren 2015 gleich zwei Komödiantinnen überraschend erfolgreich. Bei Melissa McCarthy war das überfällig, Amy Schumers verdrehte RomCom mit dem dämlichen deutschen Titel Dating Queen ("Trainwreck") war eine schöne Zugabe.
Und natürlich hat die unglaublich gehypte neue Star-Wars-Episode allen Bedenken zum Trotz einen schönen Endakzent für 2015 gesetzt.
Donnerstag, 31. Dezember 2015
Mein Lieblingsfilm 2015: Love & Mercy (9/10)
Im Juni war ich einer von wenigen tausend Deutschen, die für Love & Mercy ein Kino besuchten. Auch die Blu-ray-Veröffentlichung der melancholischen Biographie des Musikers Brian Wilson blieb fast unbeachtet. Selbst in der Heimat der Beach Boys wollte das kaum jemand sehen. Das wird sich wohl auch durch die Golden-Globe-Nominerungen für Paul Dano und den Song One Kind Of Love (von Brians jüngstem Album No Pier Pressure) nicht ändern. Die Beach Boys waren wohl nie wirklich cool, und am wenigsten ihr Komponist, Arrangeur und vielleicht bester Sänger, Brian Wilson. Aber selbst fern von allen Surfstränden kann mir niemand erzählen, daß er nicht wenigstens eines seiner unsterblichen Lieder kennt. Zur Erinnerung ein paar Beispiele:
Vielleicht ist Brian Wilson ja selbst schuld, daß er erst so spät zum Genie verklärt wurde (seinen ersten Grammy gewann er 2004). Er hätte ja sich ja auch im magischen Alter von 27 Jahren verabschieden können wie so viele andere Helden der frühen Popgeschichte. Stattdessen glitt er in einer Mischung aus Drogenmißbrauch und handfesten psychischen Schäden in die Vergessenheit (in den 70ern verbrachte er gut drei Jahre mit Depressionen im Bett). Love & Mercy konzentriert sich auf die zwei wichtigsten Phasen in seinem Leben: die 60er, als er 24jährig mit Pet Sounds eines der berühmtesten Alben der Rockgeschichte produzierte und danach fast dem Wahnsinn verfiel, und die 80er, als er seine persönlichen Dämonen (darunter in Gestalt seines "Psychiaters" Dr. Eugene Landy einen sehr handfesten) besiegte und in bescheidenem Maße seine Kreativität wiederfand. Seitdem hat er eine Handvoll durchaus schöner Soloalben veröffentlicht; mein Favorit darunter ist Brian Wilson Reimagines George Gershwin.
Paul Dano zeigt in seinem Spiel die Essenz des jungen Brian, ohne den Musiker nachzuäffen, dem er eigentlich nicht besonders ähnlich sieht. Schmerbauch und Haartolle sind nur Äußerlichkeiten, aber Dano zeigt sowohl die Unsicherheit, ja Unbeholfenheit als auch die kreativen Sprünge und das meisterhafte "Dirigieren" seiner Studiomusiker. Brian Wilson war auch zu den Glanzzeiten der Beach Boys niemals der umschwärmte Frontman. Das überließ er schnell seinem forschen Cousin Mike Love, während er selbst sich ins Studio zurückzog und Musikgeschichte schrieb. Leider führte das dann zu Konflikten und schließlich zum berühmten Scheitern des "Smile"-Projektes, das die Bandkollegen dann zu Smiley Smile verwursteten. Trotz der Rekonstruktionsversuche in den letzten Jahrzehnten verbleiben von diesem Traumprojekt nur Bruchstücke, darunter allerdings einer der großartigsten, komplexesten Songs der Popgeschichte (und die meistverkaufte Single der Band):
Zum Glück wird dieser Niedergang eines Genies filmisch verschränkt mit der Geschichte seiner Besserung und einem kleinen Happy End seiner späten Jahre. John Cusacks etwas verlebtes Gesicht spiegelt perfekt den zunächst mit Medikamenten zugedröhnten Brian Wilson, der durch die Liebe zur Autoverkäuferin Melinda Ledbetter sein Leben wieder in den Griff bekommt. Der einstige Teen Lover und Star von Being John Malkovich und High Fidelity wird inzwischen zu Unrecht unterschätzt. Er hätte bessere Rollen verdient und ist für mich in diesem Film Paul Dano ebenbürtig (der bekannt wurde als Bruder mit Schweigegelübde in Little Miss Sunshine und gemäß Hollywood-Logik als "Nebendarsteller" in die Preisverleihungssaison geht).
Im Zentrum der wunderbar melancholischen Szenen aus den 80ern steht Elizabeth Banks als Wilsons spätere zweite Ehefrau Melinda Ledbetter. Während ich sie in anderen Filmen oft ein wenig albern finde, gibt sie hier eine herzenswarme, nuancierte Darstellung. Natürlich ist ihre Figur idealisiert, schließlich sehen wir sie aus Brians Perspektive, als Rettungsengel in einer Zeit, in der Brian selbst seinem Bruder Carl nur noch peinlich war. Aber wir sehen doch eine starke, mitfühlende Frau, selbstbewußt und hinreißend. Sie weiß sich zu behaupten gegenüber dem mißbräuchlichen Dr. Landy, den der brillante Paul Giamatti (Sideways) als schmierigste, fieseste Figur des Kinojahres gestaltet und doch offenbar der realen Vorlage kaum gerecht wird.
Fun, Fun, Fun
I Get Around
California Girls
Vielleicht ist Brian Wilson ja selbst schuld, daß er erst so spät zum Genie verklärt wurde (seinen ersten Grammy gewann er 2004). Er hätte ja sich ja auch im magischen Alter von 27 Jahren verabschieden können wie so viele andere Helden der frühen Popgeschichte. Stattdessen glitt er in einer Mischung aus Drogenmißbrauch und handfesten psychischen Schäden in die Vergessenheit (in den 70ern verbrachte er gut drei Jahre mit Depressionen im Bett). Love & Mercy konzentriert sich auf die zwei wichtigsten Phasen in seinem Leben: die 60er, als er 24jährig mit Pet Sounds eines der berühmtesten Alben der Rockgeschichte produzierte und danach fast dem Wahnsinn verfiel, und die 80er, als er seine persönlichen Dämonen (darunter in Gestalt seines "Psychiaters" Dr. Eugene Landy einen sehr handfesten) besiegte und in bescheidenem Maße seine Kreativität wiederfand. Seitdem hat er eine Handvoll durchaus schöner Soloalben veröffentlicht; mein Favorit darunter ist Brian Wilson Reimagines George Gershwin.
Paul Dano zeigt in seinem Spiel die Essenz des jungen Brian, ohne den Musiker nachzuäffen, dem er eigentlich nicht besonders ähnlich sieht. Schmerbauch und Haartolle sind nur Äußerlichkeiten, aber Dano zeigt sowohl die Unsicherheit, ja Unbeholfenheit als auch die kreativen Sprünge und das meisterhafte "Dirigieren" seiner Studiomusiker. Brian Wilson war auch zu den Glanzzeiten der Beach Boys niemals der umschwärmte Frontman. Das überließ er schnell seinem forschen Cousin Mike Love, während er selbst sich ins Studio zurückzog und Musikgeschichte schrieb. Leider führte das dann zu Konflikten und schließlich zum berühmten Scheitern des "Smile"-Projektes, das die Bandkollegen dann zu Smiley Smile verwursteten. Trotz der Rekonstruktionsversuche in den letzten Jahrzehnten verbleiben von diesem Traumprojekt nur Bruchstücke, darunter allerdings einer der großartigsten, komplexesten Songs der Popgeschichte (und die meistverkaufte Single der Band):
Good Vibrationsund das wunderschöne, elegische Lieblingslied von Paul McCartney:
God Only KnowsInsbesondere für die Passagen aus den 60ern gelingt es dem Sound-Design des Films, den Zuschauer fast unmittelbar in den Kopf Brian Wilsons zu transportieren. Der war nicht nur der Entstehungsort jener unglaublichen Harmonien, sondern leider auch ein Debattierklub für dämonische Stimmen, die Brian seit seiner Kindheit quälten (als ihn sein Vater derart oft auf das rechte Ohr schlug, daß er auf dieser Seite praktisch taub wurde).
Zum Glück wird dieser Niedergang eines Genies filmisch verschränkt mit der Geschichte seiner Besserung und einem kleinen Happy End seiner späten Jahre. John Cusacks etwas verlebtes Gesicht spiegelt perfekt den zunächst mit Medikamenten zugedröhnten Brian Wilson, der durch die Liebe zur Autoverkäuferin Melinda Ledbetter sein Leben wieder in den Griff bekommt. Der einstige Teen Lover und Star von Being John Malkovich und High Fidelity wird inzwischen zu Unrecht unterschätzt. Er hätte bessere Rollen verdient und ist für mich in diesem Film Paul Dano ebenbürtig (der bekannt wurde als Bruder mit Schweigegelübde in Little Miss Sunshine und gemäß Hollywood-Logik als "Nebendarsteller" in die Preisverleihungssaison geht).
Im Zentrum der wunderbar melancholischen Szenen aus den 80ern steht Elizabeth Banks als Wilsons spätere zweite Ehefrau Melinda Ledbetter. Während ich sie in anderen Filmen oft ein wenig albern finde, gibt sie hier eine herzenswarme, nuancierte Darstellung. Natürlich ist ihre Figur idealisiert, schließlich sehen wir sie aus Brians Perspektive, als Rettungsengel in einer Zeit, in der Brian selbst seinem Bruder Carl nur noch peinlich war. Aber wir sehen doch eine starke, mitfühlende Frau, selbstbewußt und hinreißend. Sie weiß sich zu behaupten gegenüber dem mißbräuchlichen Dr. Landy, den der brillante Paul Giamatti (Sideways) als schmierigste, fieseste Figur des Kinojahres gestaltet und doch offenbar der realen Vorlage kaum gerecht wird.
Don't Worry BabyDem bisher nur als Produzent in Erscheinung getretene Regisseur Bill Pohlad ist mit Love & Mercy eine der schönsten Musikbiographien der letzten Jahrzehnte gelungen. Das Buch von Oren Moverman und Michael A. Lerner vermeidet weitgehend die ausgetretenen Pfade des Genres. Der Film ist nostalgisch ohne dick aufgetragene Sentimentalität, hat selbstverständlich einen tollen Soundtrack und hinterläßt ein schönes Gefühl, auch wenn für den Film wie für Brians Lieder gilt, was Brians Mitstreiter Mike Love einmal als unfreiwilliges Kompliment von sich gab:
Even his happy songs are sad. (Selbst seine fröhlichen Lieder sind traurig.)Herausragend (9/10).
Mittwoch, 23. Dezember 2015
Cate Blanchett jagt Meryl Streep: Carol (7/10)
Carol handelt von Therese, einer junge Spielwarenverkäuferin, die sich auf eine Affäre mit einer Kundin mittleren Alters einläßt. Ihr Schwarm Carol ist ein Fantasieprodukt der Autorin Patricia Highsmith, die eine flüchtige Begegnung fortsponn und zu einer lesbischen Romanze verarbeitete, die sie 1952 zunächst nur unter Pseudonym zu veröffentlichen wagte. Liebe zwischen zwei Frauen gab es 1950 noch nicht einmal als Wort, und so beginnt für Therese eine schwierige Entdeckungsreise, um diese unerklärlichen Gefühle zu erforschen.
Regisseur Todd Haynes (sein letzter Film war die konfuse Dylan-Biographie I'm not There) taucht tief in die New Yorker Nachkriegszeit ein, schwelgt geradezu in Ausstattungsdetails: Automobile, Grammophone, Photoapparate, aber auch Stoffgardinen, Sofabezüge und natürlich die Kostüme (die dreifache Oscar-Gewinnerin Sandy Powell hatte offenbar viel Freude am Kontrast zwischen der einfachen Therese und der reichen Carol). Die körnige 16mm-Fotografie unterstreicht das träumerische Porträt einer vergangenen Zeit. Es ist allerdings ein kalter Traum, der nicht zufällig zur Jahreswende spielt, und der auch passend besetzt ist. Cate Blanchett besitzt ja ohnehin eine eher kühle Schönheit, und die relativ ausdrucksschwache Rooney Mara komplimentiert sie in einem Duell um die schärfsten Wangenknochen. Immerhin bringt die 30jährige Rooney eine gewisse ätherische Zerbrechlichkeit mit (im Gegensatz zu ihrer kleinen Schwester Kate, die Reporterin aus House of Cards, die noch weniger Emotionen, aber zusätzlich eine unsympathische Verbissenheit ausstrahlt).
Jedenfalls ist klar, wer hier der Star ist, und so ist im Film der Fokus verschoben auf Cate Blanchetts Titelfigur, obwohl Therese klar die interessantere Entwicklung durchläuft. Das wird sich auch bei den Oscar-Nominierungen widerspiegeln, wo Cate Blanchett bei den Haupt- und Rooney Mara bei den Nebendarstellerinnen eingeordnet wird (bei den Globes sind beide für die Hauptrolle im Rennen). Mein Einwand dabei ist, daß Carols Geschichte genauso funktionieren würde, wenn sie sich in einen jüngeren Mann verliebt hätte (ihr wird in einer bitteren Scheidungsschlacht wegen "Unmoralität" das Sorgerecht für ihre dreijährige Tochter abgesprochen). Therese ist diejenige, die ihre Sexualität entdecken und ihren Weg jenseits der konventionellen Erwartungen finden muß (es gibt mehrere Männer in ihrem Bekanntenkreis, die sie gern heiraten würden).
So ist es schade, daß der Zuschauer nicht mehr Einblick in diese wortkarge junge Frau findet, die oft nur reagiert, nachdem sie sich (aus Neugier?) auf Carols Avancen eingelassen hat. Also hängt es vom Betrachter ab, welche Emotionen er auf Rooney Maras wohlgeschminktes Gesicht projiziert, während Cate Blanchett natürlich (gerade im Schlußteil) ihren Schmerz sichtbar machen kann. Vielleicht trägt sie diesmal sogar etwas dick auf. Aber solche gut gespielten Gefühlsausbrüche sind es leider, an denen die Akademie Schauspielkunst mißt. Jedenfalls glaube ich, daß die Bewertung dieses Melodrams subjektiver als üblich ausfallen muß. Ich selbst bin der Geschichte gern gefolgt, habe auch Anteil genommen, aber begeistert war ich auch wieder nicht. Das reicht für ein Gut (7/10).
Regisseur Todd Haynes (sein letzter Film war die konfuse Dylan-Biographie I'm not There) taucht tief in die New Yorker Nachkriegszeit ein, schwelgt geradezu in Ausstattungsdetails: Automobile, Grammophone, Photoapparate, aber auch Stoffgardinen, Sofabezüge und natürlich die Kostüme (die dreifache Oscar-Gewinnerin Sandy Powell hatte offenbar viel Freude am Kontrast zwischen der einfachen Therese und der reichen Carol). Die körnige 16mm-Fotografie unterstreicht das träumerische Porträt einer vergangenen Zeit. Es ist allerdings ein kalter Traum, der nicht zufällig zur Jahreswende spielt, und der auch passend besetzt ist. Cate Blanchett besitzt ja ohnehin eine eher kühle Schönheit, und die relativ ausdrucksschwache Rooney Mara komplimentiert sie in einem Duell um die schärfsten Wangenknochen. Immerhin bringt die 30jährige Rooney eine gewisse ätherische Zerbrechlichkeit mit (im Gegensatz zu ihrer kleinen Schwester Kate, die Reporterin aus House of Cards, die noch weniger Emotionen, aber zusätzlich eine unsympathische Verbissenheit ausstrahlt).
Jedenfalls ist klar, wer hier der Star ist, und so ist im Film der Fokus verschoben auf Cate Blanchetts Titelfigur, obwohl Therese klar die interessantere Entwicklung durchläuft. Das wird sich auch bei den Oscar-Nominierungen widerspiegeln, wo Cate Blanchett bei den Haupt- und Rooney Mara bei den Nebendarstellerinnen eingeordnet wird (bei den Globes sind beide für die Hauptrolle im Rennen). Mein Einwand dabei ist, daß Carols Geschichte genauso funktionieren würde, wenn sie sich in einen jüngeren Mann verliebt hätte (ihr wird in einer bitteren Scheidungsschlacht wegen "Unmoralität" das Sorgerecht für ihre dreijährige Tochter abgesprochen). Therese ist diejenige, die ihre Sexualität entdecken und ihren Weg jenseits der konventionellen Erwartungen finden muß (es gibt mehrere Männer in ihrem Bekanntenkreis, die sie gern heiraten würden).
So ist es schade, daß der Zuschauer nicht mehr Einblick in diese wortkarge junge Frau findet, die oft nur reagiert, nachdem sie sich (aus Neugier?) auf Carols Avancen eingelassen hat. Also hängt es vom Betrachter ab, welche Emotionen er auf Rooney Maras wohlgeschminktes Gesicht projiziert, während Cate Blanchett natürlich (gerade im Schlußteil) ihren Schmerz sichtbar machen kann. Vielleicht trägt sie diesmal sogar etwas dick auf. Aber solche gut gespielten Gefühlsausbrüche sind es leider, an denen die Akademie Schauspielkunst mißt. Jedenfalls glaube ich, daß die Bewertung dieses Melodrams subjektiver als üblich ausfallen muß. Ich selbst bin der Geschichte gern gefolgt, habe auch Anteil genommen, aber begeistert war ich auch wieder nicht. Das reicht für ein Gut (7/10).
Dienstag, 22. Dezember 2015
Nostalgischer Spaß: Das Erwachen der Macht (8/10)
Selbst denjenigen, die sich in den letzten Monaten dem Hype entziehen konnten, keine Star-Wars-Batterien kaufen mußten, keine Actionfiguren mit Harrison-Ford-Grimassen, keine Spielzeuglichtschwerter (die laut Spiegel eh nicht den EU-Leuchtmittelrichtlinien entsprechen), keinen Millenium Falcon aus Legosteinen als Geschenke verpackt haben, wird vor Beginn des eigentlichen Spektakels noch einmal eingehämmert, worum es diesem 30-Milliarden-Dollar-Imperium eigentlich geht. Aber kaum jemand stimmt in mein gequältes Stöhnen ein, als eine grottenschlechte, offenbar schwedische Joda-Kopie uns eine als Todesstern verkleidete IKEA-Hängeleuchte anpreist. Als dann die berühmten Schriftzüge auf der Leinwand anrollen, die vertrauten Fanfaren von John Williams erklingen und der erste Zerstörer den Sternenteppich verdunkelt, packt mich dann doch die Aufregung, und es beginnt ein nostalgischer Spaß, den auch die unnötige, die kurzweiligen 2 1/4 Stunden unterbrechende Kommerzpause kaum mindern kann. Ich versuche, in meinem Kommentar ohne wesentliche Spoiler auszukommen.
Es ist (fast) alles richtig, was bereits geschrieben wurde: Das Erwachen der Macht ist nicht nur Fortsetzung, sondern zum Teil auch ein Remake und Beginn einer Variation auf die ursprüngliche Trilogie. Aber auch wenn einem Fan vielleicht zu viel bekannt vorkommt, gelingt es J.J. Abrams doch weitgehend, das Feeling der alten Filme zu reproduzieren. Da gibt es Low-Tech-Raumschiffreparaturen, trottelige Sturmtruppen und altmodisch unbeholfene Lichtschwertduelle. Dabei sind allerdings die Effekte flüssiger, die Dialoge geschmeidiger und die Explosionen heftiger.
Geblieben sind jene handlungsdienlichen Zufälle, wie sie nur im Krieg der Sterne möglich sind. Und so treffen wir auf einem Wüstenplaneten namens Jakku, der auch Tatooine heißen könnte, die Helden der nächsten Generation. Und hier zeigt sich, insbesondere gegenüber den mißlungenen Prequels, ein Glücksgriff für die Episode VII. Die beiden 23jährigen Jungschauspieler aus London haben mit Sicherheit eine vielversprechende Karriere vor sich. Daisy Ridley als kesse Rey und John Boyega als tollpatschiger Finn sind sympathische Identifikationsfiguren mit schauspielerischem Talent und genügen nebenbei noch den erhöhten Anforderungen der heutigen auf politische Korrektheit ausgerichteten Filmwelt. Rey ist eben keine Prinzessin, sondern füllt eher die Schuhe von Luke Skywalker und braucht auch keine männlichen Haudegen, ihr aus der Patsche zu helfen. Über Finns Rolle will ich noch weniger sagen, um auch die ersten fünfzehn Minuten des Films nicht zu spoilern. Er steht für die Emanzipation einer bisher gesichtslosen Fraktion und ist nebenbei noch schwarz und komisch und weiß damit jedes Klischee weiträumig zu umschiffen. Zum Glück schließt die ethnische Diversität erst mal aus, daß sich Rey und Finn später als Geschwister entpuppen, denn ihre Romanze beginnt vielversprechend...
Auch die übrigen Rollen sind facettenreich, im Zweifel mit Briten besetzt. Domhnall Gleason (Ex Machina) als Nachfolger von Peter Cushing kommt dabei am schlechtesten weg, hier wäre sein Vater die bessere Wahl gewesen. Viel Aufhebens wurde im Vorfeld um die Rollen von Oscar-Gewinnerin Lupita Nyong'o (12 Years a Slave) und Game-of-Thrones-Star Gwendoline Christie (Brienne of Tarth) gemacht, aber leider verschwinden die beiden hinter dem Motion Capturing bzw. dem Visier einer Rüstung. Der gänzlich überflüssige Auftritt des 86jährigen Max von Sydow sollte vielleicht eine Hommage an Alec Guiness sein. Oscar Isaac als verwegenem X-Wing-Pilot gelang erneut das Kunststück, von mir nicht erkannt zu werden, und unter die Rebellen mischen sich auch die Abrams-Kumpel Ken Leung (Lost) und Greg Grunberg (Alias). Nur für schwule Liebesgeschichten scheint es in jener fernen Galaxie noch zu früh zu sein, wenn man mal von C3PO absieht, der mit R2D2 aber nur einen Kurzauftritt hat. Auch bei den Droids übernimmt mit dem knuddeligen BB-8 ein jüngerer Star das Ruder, windschnittiger und doch fast genauso anrührend.
Nicht nur mit Domhnall Gleason hat auch die Dunkle Seite der Macht eine Verjüngungskur durchgemacht. Als Darth-Vader-Verschnitt Kylo Ren fand ich den 32jährigen Adam Driver zutiefst unangenehm, auch wenn seine Figur durchaus stimmig erklärt wird (aber kann diese Heulsuse wirklich das Erzeugnis von ... - und ... sein - ach, sei's drum). Ohnehin fehlt das Mysterium des Darth Vader, das in den ersten Episoden so fabelhaft inszeniert worden war. Immerhin hat hier jemand den deutschen Begriff des Licht"schwerts" buchstäblich umgesetzt. Wie in der Episode IV bekommt man den fädenziehende Sith-Lord im Hintergrund nur kurz als Hologramm zu Gesicht. Andy Serkis legt ihn irgendwo zwischen Gollum und Thanos an, mit bisher wenig Persönlichkeit.
Ach ja, und dann waren da noch die "Altstars". Keine Überraschung ist es, daß Han Solo hier eine zentrale Rolle spielt. Harrison Ford sieht man seine 73 Jahre zwar an, aber er füllt immer noch die Leinwand wie kein anderer, und seine sarkastische Art bietet ein bewährtes Gegengewicht zu manch alberner Handlungswendung. Die Chemie mit Leia stimmt auch noch, und Carrie Fisher muß ich hier mal in Schutz nehmen. Sie tritt als elegante, selbstbewußte Dame auf und muß ihre 58 Lebensjahre nicht verstecken. Wenn ich daran denke, wie gleichaltrige Kolleginnen wie Daryl Hannah oder Melanie Griffith ihre Gesichter entstellen ließen, habe ich nichts als Respekt für Ms. Fisher, die die Schauspielerei ohnehin nur nebenbei betreibt und u.a. erfolgreiche (und lesenswerte) Romane veröffentlicht hat. In ihrem zu kurzen Auftritt vermag sie jedenfalls eine Menge Wärme und Weisheit zu vermitteln, auch wenn sie wieder durch eine, sagen wir, unkonventionelle Frisur gestraft ist (bei der Promotion, siehe Photo, ist sie dann besser gestylt). Mark Hamill hingegen hat ja ohnehin ein Charaktergesicht, das er als Riddler in The Flash und Professor in Kingsman effektvoll in Erinnerung gebracht hat. Ich vermute, daß er im Folgefilm mehr im Mittelpunkt stehen wird.
Also haben J.J. Abrams und Lawrence Kasdan (der mit Das Imperium schlägt zurück den für alle Zeiten besten Star-Wars-Film geschrieben hat) mit Hilfe von Michael Arndt (Little Miss Sunshine) gute Arbeit geleistet. Alles in allem ist der der realen Alterung der Darsteller angepaßte Zeitsprung plausibel, auch wenn ich nicht verstehe, daß die Guten immer noch dem "Widerstand" angehören. Hätte sich das mit dem Fall des Imperiums nicht umkehren müssen? Bei aller Freude muß ich ansonsten aber warnen, daß ein solcher Nostalgietrip wirklich nur einmalig gelingen kann (was Abrams leider bereits bei Star Trek bewiesen hat). Für die Fortsetzung müssen sich die Verantwortlichen wirklich etwas Neues ausdenken. Also bitte keine Figur in Carbonite einfrieren! The Empire Strikes Back bleibt unübertroffen und sollte nicht kopiert werden. Für Buch und Regie der Fortsetzung ist übrigens Rian Johnson zuständig, die Dreharbeiten haben bereits begonnen. Der gerade 42 Jahre alt gewordene Kalifornier ist bislang vor allem bekannt für Buch und Regie der mittelmäßigen SF-Merkwürdigkeit Looper (mit Joseph Gordon-Levitt als verstörend mißlungenem jungen Bruce Willis) und die Regie bei der von vielen als TV-Höhepunkt gefeierte Folge Ozymandias von Breaking Bad. Bis Mai 2017 muß ich jedenfalls J.J. Abrams, vielleicht neben Irvin Kershner, die beste Regie bei einem Star-Wars-Film bescheinigen. Da lag die Meßlatte bisher aber nicht besonders hoch. In diesem Sinne frohe Weihnachten!
Mit den genannten Einschränkungen habe ich mich tatsächlich für 12 bis 14 Parsecs beschwingt unterhalten gefühlt. Auf die dritte Dimension werde ich allerdings bei der Blu-ray verzichten. Sehr gut (8/10)!
Es ist (fast) alles richtig, was bereits geschrieben wurde: Das Erwachen der Macht ist nicht nur Fortsetzung, sondern zum Teil auch ein Remake und Beginn einer Variation auf die ursprüngliche Trilogie. Aber auch wenn einem Fan vielleicht zu viel bekannt vorkommt, gelingt es J.J. Abrams doch weitgehend, das Feeling der alten Filme zu reproduzieren. Da gibt es Low-Tech-Raumschiffreparaturen, trottelige Sturmtruppen und altmodisch unbeholfene Lichtschwertduelle. Dabei sind allerdings die Effekte flüssiger, die Dialoge geschmeidiger und die Explosionen heftiger.
Geblieben sind jene handlungsdienlichen Zufälle, wie sie nur im Krieg der Sterne möglich sind. Und so treffen wir auf einem Wüstenplaneten namens Jakku, der auch Tatooine heißen könnte, die Helden der nächsten Generation. Und hier zeigt sich, insbesondere gegenüber den mißlungenen Prequels, ein Glücksgriff für die Episode VII. Die beiden 23jährigen Jungschauspieler aus London haben mit Sicherheit eine vielversprechende Karriere vor sich. Daisy Ridley als kesse Rey und John Boyega als tollpatschiger Finn sind sympathische Identifikationsfiguren mit schauspielerischem Talent und genügen nebenbei noch den erhöhten Anforderungen der heutigen auf politische Korrektheit ausgerichteten Filmwelt. Rey ist eben keine Prinzessin, sondern füllt eher die Schuhe von Luke Skywalker und braucht auch keine männlichen Haudegen, ihr aus der Patsche zu helfen. Über Finns Rolle will ich noch weniger sagen, um auch die ersten fünfzehn Minuten des Films nicht zu spoilern. Er steht für die Emanzipation einer bisher gesichtslosen Fraktion und ist nebenbei noch schwarz und komisch und weiß damit jedes Klischee weiträumig zu umschiffen. Zum Glück schließt die ethnische Diversität erst mal aus, daß sich Rey und Finn später als Geschwister entpuppen, denn ihre Romanze beginnt vielversprechend...
Auch die übrigen Rollen sind facettenreich, im Zweifel mit Briten besetzt. Domhnall Gleason (Ex Machina) als Nachfolger von Peter Cushing kommt dabei am schlechtesten weg, hier wäre sein Vater die bessere Wahl gewesen. Viel Aufhebens wurde im Vorfeld um die Rollen von Oscar-Gewinnerin Lupita Nyong'o (12 Years a Slave) und Game-of-Thrones-Star Gwendoline Christie (Brienne of Tarth) gemacht, aber leider verschwinden die beiden hinter dem Motion Capturing bzw. dem Visier einer Rüstung. Der gänzlich überflüssige Auftritt des 86jährigen Max von Sydow sollte vielleicht eine Hommage an Alec Guiness sein. Oscar Isaac als verwegenem X-Wing-Pilot gelang erneut das Kunststück, von mir nicht erkannt zu werden, und unter die Rebellen mischen sich auch die Abrams-Kumpel Ken Leung (Lost) und Greg Grunberg (Alias). Nur für schwule Liebesgeschichten scheint es in jener fernen Galaxie noch zu früh zu sein, wenn man mal von C3PO absieht, der mit R2D2 aber nur einen Kurzauftritt hat. Auch bei den Droids übernimmt mit dem knuddeligen BB-8 ein jüngerer Star das Ruder, windschnittiger und doch fast genauso anrührend.
Nicht nur mit Domhnall Gleason hat auch die Dunkle Seite der Macht eine Verjüngungskur durchgemacht. Als Darth-Vader-Verschnitt Kylo Ren fand ich den 32jährigen Adam Driver zutiefst unangenehm, auch wenn seine Figur durchaus stimmig erklärt wird (aber kann diese Heulsuse wirklich das Erzeugnis von ... - und ... sein - ach, sei's drum). Ohnehin fehlt das Mysterium des Darth Vader, das in den ersten Episoden so fabelhaft inszeniert worden war. Immerhin hat hier jemand den deutschen Begriff des Licht"schwerts" buchstäblich umgesetzt. Wie in der Episode IV bekommt man den fädenziehende Sith-Lord im Hintergrund nur kurz als Hologramm zu Gesicht. Andy Serkis legt ihn irgendwo zwischen Gollum und Thanos an, mit bisher wenig Persönlichkeit.
Ach ja, und dann waren da noch die "Altstars". Keine Überraschung ist es, daß Han Solo hier eine zentrale Rolle spielt. Harrison Ford sieht man seine 73 Jahre zwar an, aber er füllt immer noch die Leinwand wie kein anderer, und seine sarkastische Art bietet ein bewährtes Gegengewicht zu manch alberner Handlungswendung. Die Chemie mit Leia stimmt auch noch, und Carrie Fisher muß ich hier mal in Schutz nehmen. Sie tritt als elegante, selbstbewußte Dame auf und muß ihre 58 Lebensjahre nicht verstecken. Wenn ich daran denke, wie gleichaltrige Kolleginnen wie Daryl Hannah oder Melanie Griffith ihre Gesichter entstellen ließen, habe ich nichts als Respekt für Ms. Fisher, die die Schauspielerei ohnehin nur nebenbei betreibt und u.a. erfolgreiche (und lesenswerte) Romane veröffentlicht hat. In ihrem zu kurzen Auftritt vermag sie jedenfalls eine Menge Wärme und Weisheit zu vermitteln, auch wenn sie wieder durch eine, sagen wir, unkonventionelle Frisur gestraft ist (bei der Promotion, siehe Photo, ist sie dann besser gestylt). Mark Hamill hingegen hat ja ohnehin ein Charaktergesicht, das er als Riddler in The Flash und Professor in Kingsman effektvoll in Erinnerung gebracht hat. Ich vermute, daß er im Folgefilm mehr im Mittelpunkt stehen wird.
Also haben J.J. Abrams und Lawrence Kasdan (der mit Das Imperium schlägt zurück den für alle Zeiten besten Star-Wars-Film geschrieben hat) mit Hilfe von Michael Arndt (Little Miss Sunshine) gute Arbeit geleistet. Alles in allem ist der der realen Alterung der Darsteller angepaßte Zeitsprung plausibel, auch wenn ich nicht verstehe, daß die Guten immer noch dem "Widerstand" angehören. Hätte sich das mit dem Fall des Imperiums nicht umkehren müssen? Bei aller Freude muß ich ansonsten aber warnen, daß ein solcher Nostalgietrip wirklich nur einmalig gelingen kann (was Abrams leider bereits bei Star Trek bewiesen hat). Für die Fortsetzung müssen sich die Verantwortlichen wirklich etwas Neues ausdenken. Also bitte keine Figur in Carbonite einfrieren! The Empire Strikes Back bleibt unübertroffen und sollte nicht kopiert werden. Für Buch und Regie der Fortsetzung ist übrigens Rian Johnson zuständig, die Dreharbeiten haben bereits begonnen. Der gerade 42 Jahre alt gewordene Kalifornier ist bislang vor allem bekannt für Buch und Regie der mittelmäßigen SF-Merkwürdigkeit Looper (mit Joseph Gordon-Levitt als verstörend mißlungenem jungen Bruce Willis) und die Regie bei der von vielen als TV-Höhepunkt gefeierte Folge Ozymandias von Breaking Bad. Bis Mai 2017 muß ich jedenfalls J.J. Abrams, vielleicht neben Irvin Kershner, die beste Regie bei einem Star-Wars-Film bescheinigen. Da lag die Meßlatte bisher aber nicht besonders hoch. In diesem Sinne frohe Weihnachten!
Mit den genannten Einschränkungen habe ich mich tatsächlich für 12 bis 14 Parsecs beschwingt unterhalten gefühlt. Auf die dritte Dimension werde ich allerdings bei der Blu-ray verzichten. Sehr gut (8/10)!
Sonntag, 20. Dezember 2015
Zwischenruf an Emma Stone
Liebe Emma,
fast drei Jahre ist es her, daß ich mich gemeldet habe. Jetzt habe ich das Gefühl, Du könntest ein paar tröstende Worte gebrauchen. Sei gewiß, daß wir (ältere Männer) Dich immer noch schätzen und bewundern. In den USA stehst Du immer noch auf Platz Zwei der beliebtesten Jungschauspielerinnen, natürlich nach Jennifer Lawrence, aber vor Kristen Stewart, die sich erst langsam von ihren zwielichtigen Teenager-Rollen emanzipiert. Auch wenn die Spiderman-Millionen sicher noch nicht aufgebraucht sind, gründet sich Dein Ruhm momentan allerdings eher auf Talk-Shows und andere Fernsehauftritte. Schade übrigens, daß es mit der Star-Wars-Audition nicht geklappt hat.
Was das Kino betrifft, gab es nach der Euphorie über die Oscar-Nominierung (im "Besten" Film des Jahres) eine Durststrecke. In der Nachfolge von Scarlett Johansson konntest Du Woody Allen leider nicht zu filmischen Glanzleistungen inspirieren. Nach dem zweiten Flop verstehe ich, daß Du die dritte Hauptrolle in Folge dankend an Kristen Stewart abgegeben hast. Bei Woody weiß man halt nie. Das mußte bereits vor gut 20 Jahren Jodie Foster feststellen, als er die zweifache Oscar-Gewinnerin mit Schatten und Nebel in einem seiner sperrigsten Filme besetzte.
Aber genug um den heißen Brei herumgetanzt: Was war los mit Aloha? Wie bist Du an ein Projekt geraten, das sich mit Clint Eastwoods dumpf-patriotischem, ziellosem American Sniper die zweifelhafte Ehre des Schlechtesten Films des Jahres teilt (und den bedauernswerten Bradley Cooper in der Hauptrolle)? Für den man neue Kategorien erfinden müßte, um sein Scheitern zu beschreiben? Als Du plötzlich als zackiger Captain der US Air Force auftauchtest, dachte ich noch, ich sei in eine M*A*S*H-artige Parodie geraten. Aber dann ging's erst richtig los mit Satelliten, Hackern, chinesischen Spionen, Atombomben in Privatbesitz, stummen Männergesprächen mit Untertiteln, Eingeborenen-Mystik, 10-Sekunden-Flashbacks, Hofstaat im Schlamm (war das wirklich der "echte" König des Inselreichs?), Verhandlungen um Handy-Empfang, Ex-Geliebte, unehelicher Tochter, zerhackstückelten Tänzen... Seit Jahren hat mich kein Film so ratlos zurückgelassen (selbst Roy Anderssons Songs From The Second Floor konnte ich noch mehr Sinn abtrotzen).
Und was ist mit Cameron Crowe? Ist er krank, bloß dem Alkohol und anderen Drogen verfallen, oder wurde er von Aliens entführt und durch eine Pflanze ersetzt? Wie inkompetent muß man sein, um Dich mit Bill Murray und Alec Baldwin agieren lassen, ohne den geringsten Unterhaltungswert herauszuschlagen? Wie schafft man es, Hawaii so lieblos zu fotografieren, daß jede Five-0-Folge mehr Lokalkolorit vermittelt? Ja, es ist 15 Jahre her, daß das ehemalige Wunderkind der Rockszene der 70er mit Almost Famous ein kraftvolles Denkmal setzte, und danach schien seine Kreativität langsam zu versiegen. Und sicher darf jeder Regisseur mal danebenliegen. Aber dieses Desaster muß doch vorhersehbar gewesen sein! Dabei muß man gar nicht darauf eingehen, daß Deine blonde Figur eine chinesisch-hawaiianische Mutter haben soll, was eine völlig am Thema vorbeigehende Diskussion um politische Korrektheit ausgelöst hatte. Die später geschasste Studiochefin Amy Pascal soll allerdings früh die Qualität des Drehbuchs bemängelt haben (um es freundlich auszudrücken), aber das konnte dieses Trainwreck offenbar nicht mehr stoppen (nicht zu verwechseln mit Amy Schumers amüsanter Komödie mit dem Titel Trainwreck).
Nun ja, Kopf hoch, Du hast ja bereits wieder einige Eisen im Feuer, darunter ein Projekt mit dem für Whiplash Oscar-nominierten Autorenfilmer Damien Chazelle. Bis dahin muß ich mich halt mit merkwürdigen Musikvideos und ähnlichen YouTube-Clips begnügen.
Mit den besten Wünschen für das neue Jahr
Paul Kahl
fast drei Jahre ist es her, daß ich mich gemeldet habe. Jetzt habe ich das Gefühl, Du könntest ein paar tröstende Worte gebrauchen. Sei gewiß, daß wir (ältere Männer) Dich immer noch schätzen und bewundern. In den USA stehst Du immer noch auf Platz Zwei der beliebtesten Jungschauspielerinnen, natürlich nach Jennifer Lawrence, aber vor Kristen Stewart, die sich erst langsam von ihren zwielichtigen Teenager-Rollen emanzipiert. Auch wenn die Spiderman-Millionen sicher noch nicht aufgebraucht sind, gründet sich Dein Ruhm momentan allerdings eher auf Talk-Shows und andere Fernsehauftritte. Schade übrigens, daß es mit der Star-Wars-Audition nicht geklappt hat.
Was das Kino betrifft, gab es nach der Euphorie über die Oscar-Nominierung (im "Besten" Film des Jahres) eine Durststrecke. In der Nachfolge von Scarlett Johansson konntest Du Woody Allen leider nicht zu filmischen Glanzleistungen inspirieren. Nach dem zweiten Flop verstehe ich, daß Du die dritte Hauptrolle in Folge dankend an Kristen Stewart abgegeben hast. Bei Woody weiß man halt nie. Das mußte bereits vor gut 20 Jahren Jodie Foster feststellen, als er die zweifache Oscar-Gewinnerin mit Schatten und Nebel in einem seiner sperrigsten Filme besetzte.
Aber genug um den heißen Brei herumgetanzt: Was war los mit Aloha? Wie bist Du an ein Projekt geraten, das sich mit Clint Eastwoods dumpf-patriotischem, ziellosem American Sniper die zweifelhafte Ehre des Schlechtesten Films des Jahres teilt (und den bedauernswerten Bradley Cooper in der Hauptrolle)? Für den man neue Kategorien erfinden müßte, um sein Scheitern zu beschreiben? Als Du plötzlich als zackiger Captain der US Air Force auftauchtest, dachte ich noch, ich sei in eine M*A*S*H-artige Parodie geraten. Aber dann ging's erst richtig los mit Satelliten, Hackern, chinesischen Spionen, Atombomben in Privatbesitz, stummen Männergesprächen mit Untertiteln, Eingeborenen-Mystik, 10-Sekunden-Flashbacks, Hofstaat im Schlamm (war das wirklich der "echte" König des Inselreichs?), Verhandlungen um Handy-Empfang, Ex-Geliebte, unehelicher Tochter, zerhackstückelten Tänzen... Seit Jahren hat mich kein Film so ratlos zurückgelassen (selbst Roy Anderssons Songs From The Second Floor konnte ich noch mehr Sinn abtrotzen).
Und was ist mit Cameron Crowe? Ist er krank, bloß dem Alkohol und anderen Drogen verfallen, oder wurde er von Aliens entführt und durch eine Pflanze ersetzt? Wie inkompetent muß man sein, um Dich mit Bill Murray und Alec Baldwin agieren lassen, ohne den geringsten Unterhaltungswert herauszuschlagen? Wie schafft man es, Hawaii so lieblos zu fotografieren, daß jede Five-0-Folge mehr Lokalkolorit vermittelt? Ja, es ist 15 Jahre her, daß das ehemalige Wunderkind der Rockszene der 70er mit Almost Famous ein kraftvolles Denkmal setzte, und danach schien seine Kreativität langsam zu versiegen. Und sicher darf jeder Regisseur mal danebenliegen. Aber dieses Desaster muß doch vorhersehbar gewesen sein! Dabei muß man gar nicht darauf eingehen, daß Deine blonde Figur eine chinesisch-hawaiianische Mutter haben soll, was eine völlig am Thema vorbeigehende Diskussion um politische Korrektheit ausgelöst hatte. Die später geschasste Studiochefin Amy Pascal soll allerdings früh die Qualität des Drehbuchs bemängelt haben (um es freundlich auszudrücken), aber das konnte dieses Trainwreck offenbar nicht mehr stoppen (nicht zu verwechseln mit Amy Schumers amüsanter Komödie mit dem Titel Trainwreck).
Nun ja, Kopf hoch, Du hast ja bereits wieder einige Eisen im Feuer, darunter ein Projekt mit dem für Whiplash Oscar-nominierten Autorenfilmer Damien Chazelle. Bis dahin muß ich mich halt mit merkwürdigen Musikvideos und ähnlichen YouTube-Clips begnügen.
Mit den besten Wünschen für das neue Jahr
Paul Kahl
Klassische Rezension: Almost Famous (10/10)
Inzwischen nicht mehr in der Top250 der IMDB, gehört Almost Famous noch immer zu meinen Lieblingsfilmen nicht nur des Musikgenres. In meiner Rezension direkt nach dem Kinobesuch hatte ich damals noch nicht einmal die junge Anna Paquin als weiteres Groupie und den großartigen Philip Seymour Hoffman als Musikjournalisten-Legende Lester Bangs erwähnt. Inzwischen habe ich natürlich den Film auf Blu-ray genossen. Hier also, als Gegengewicht zu Cameron Crowes jüngstem Desaster, meine jugendlich-enthusiastische Kritik von 2001 zum Höhepunkt seiner Karriere:
Manchmal (viel zu selten) gelingt es einem Kinofilm, in knapp zwei Stunden eine komplett eigene Welt zu erschaffen, mit Orten, die man persönlich besuchen, Ereignissen, die man miterleben, und Menschen, die man gern kennenlernen möchte. Almost Famous ist ein solcher Film. Er erzeugt eine unstillbare Sehnsucht nicht nur nach einer vergangenen Zeit, sondern auch nach der Unschuld und den Idealen der Jugend. Für immer möchte man in den 70ern verbleiben, als Simon & Garfunkel noch als jugendgefährdend galten, auch arme Rockstars schon als Helden verehrt wurden und Sex und Liebe so leicht verwechselbar waren. Wer möchte nicht ebenfalls mit "Stillwater" auf Tour gehen, mit dem jungen William an seinen Reportagen feilen und vielleicht einen Kuß des süßen Groupies Penny Lane erhaschen? Doch ach, der Alltag hat mich wieder, und mir bleibt nur die Hoffnung, daß Almost Famous noch vielen Zuschauern ein ähnlich glückliches Erlebnis verschaffen kann.
Die Handlung soll auf den Erinnerungen des Regisseurs und Autors (Oscar fürs beste Originaldrehbuch) Cameron Crowe beruhen, der tatsächlich schon als Jugendlicher für den "Rolling Stone" über berühmte Rockgruppen geschrieben hat. So ist der 15jährige hochbegabte, aber schüchterne William das Alter Ego des Autors. Seine Musikbesessenheit ist auch Protesthaltung gegen seine konservative alleinerziehende Mutter, vor der seine Schwester mit 18 in eine Ausbildung zur Stewardeß geflohen ist. William schreibt zunächst für lokale Musikmagazine, bis ein Redakteur des "Rolling Stone" auf ihn aufmerksam wird und ihm (ohne Kenntnis seines zarten Alters) den Auftrag zu einer umfangreichen Reportage über die aufstrebende (für den Film erfundene) Rockgruppe "Stillwater" erteilt. So kommt es, daß der lebensunerfahrene 15jährige, unter strengen Auflagen seiner Mutter (täglich anrufen, keine Drogen!) in den Tourbus zu Musikern, Roadies und Groupies steigt. Die kommenden Tage werden sein Leben verändern, er wird Freundschaft und Liebe, aber auch den Loyalitätskonflikt eines ehrgeizigen Journalisten kennenlernen. Nicht nur für ihn ist dies ein entscheidender Abschnitt, sondern auch für die Band an der Schwelle des kommerziellen Erfolgs, der eine schwere Krise bevorsteht, und für das Groupie (nein, Verzeihung: das "Band-Aid") Penny Lane ("Wir schlafen nicht mit den Musikern, wir blasen ihnen höchstens mal einen!"), das im Konflikt zwischen Schein und Realität gefangen scheint. Und so ist Almost Famous eine Geschichte über das Erwachsenwerden und den Zerfall von Idealen, gleichzeitig eine Reflexion über den Wandel des Musik"geschäfts" in den 70ern, als der Spaß an der Musik immer mehr zugunsten des Kommerz verdrängt wurde.
Ein Regisseur ist dann am besten, wenn er dem Stoff besonders verbunden ist. Eine solche Verbundenheit hat zu Meisterwerken wie Der große Frust von Lawrence Kasdan und Schindlers Liste von Stephen Spielberg geführt. Auch Cameron Crowe hat sich hier selbst weit übertroffen (z.B. gegenüber dem schon sehr guten Jerry Maguire, der ein ähnliches Thema im Sportbereich behandelt.) Offenbar hat er lange gezögert, diesen persönlichen Stoff anzugehen. Jetzt aber verdanken wir ihm einen herrlichen Musikfilm. Wenn ich das richtig verstanden habe, spielen die Darsteller der Band selbst die Songs im Stil der 70er Jahre, die u.a. von Peter Frampton beigesteuert wurden. Das wirkt authentisch und völlig ungekünstelt und trägt wesentlich zum Gelingen des Projektes bei. Natürlich gibt es daneben jede Menge Klassiker der 60er und 70er zu hören. Und dann ist da das exquisite Darstellerensemble, noch in den kleinsten Nebenrollen perfekt ausgesucht. Niemandem merkt man an, daß da Rollen verkörpert werden - die Schauspieler gehen in ihren Figuren auf. Das gilt für den unglaublichen Patrick Fugit in der Hauptrolle (der 17jährige wuchs zum Entsetzen der Crew während der Dreharbeiten um sieben Zentimeter und kam in den Stimmbruch) wie für Frances McDormand (Fargo), die als satirisch überspitzt gezeichnete, überbehütende Mutter völlig ohne Ironie und dadurch ungeheuer witzig daherkommt. Das gilt ebenfalls für die Band, insbesondere Billy Crudup als Gitarrist und Kopf der Gruppe, und vor allem für Kate Hudson als Penny Lane. Sie ist das Herz des Films - strahlend schön, komisch, unschuldig, verdorben, geheimnisvoll, innerlich zerrissen und doch voller Wärme. Wer hätte das der Tochter von Amerikas Darling Goldie Hawn zugetraut? Ihre Oscar-Nominierung war mehr als verdient.
Ich hoffe, ich habe deutlich gemacht, daß dies mehr als nur ein Geheimtip ist und auch keine besondere Vorliebe für Rockmusik der 70er voraussetzt. In den USA hat sich dieses Meisterwerk schleichend durchgesetzt und wird inzwischen in der IMDB-Liste der beliebtesten Filme aller Zeiten auf Platz 61 geführt. In Deutschland wird der Film nicht besonders gut vermarktet, aber vielleicht wird er doch mehr als nur fast berühmt. Ein zumindest deutschsprachiger älterer Herr war jedenfalls begeistert, und ihn hat Cameron Crowe in seiner Dankesrede für den Oscar auch besonders erwähnt: Regie-Altmeister Billy Wilder.
Manchmal (viel zu selten) gelingt es einem Kinofilm, in knapp zwei Stunden eine komplett eigene Welt zu erschaffen, mit Orten, die man persönlich besuchen, Ereignissen, die man miterleben, und Menschen, die man gern kennenlernen möchte. Almost Famous ist ein solcher Film. Er erzeugt eine unstillbare Sehnsucht nicht nur nach einer vergangenen Zeit, sondern auch nach der Unschuld und den Idealen der Jugend. Für immer möchte man in den 70ern verbleiben, als Simon & Garfunkel noch als jugendgefährdend galten, auch arme Rockstars schon als Helden verehrt wurden und Sex und Liebe so leicht verwechselbar waren. Wer möchte nicht ebenfalls mit "Stillwater" auf Tour gehen, mit dem jungen William an seinen Reportagen feilen und vielleicht einen Kuß des süßen Groupies Penny Lane erhaschen? Doch ach, der Alltag hat mich wieder, und mir bleibt nur die Hoffnung, daß Almost Famous noch vielen Zuschauern ein ähnlich glückliches Erlebnis verschaffen kann.
Die Handlung soll auf den Erinnerungen des Regisseurs und Autors (Oscar fürs beste Originaldrehbuch) Cameron Crowe beruhen, der tatsächlich schon als Jugendlicher für den "Rolling Stone" über berühmte Rockgruppen geschrieben hat. So ist der 15jährige hochbegabte, aber schüchterne William das Alter Ego des Autors. Seine Musikbesessenheit ist auch Protesthaltung gegen seine konservative alleinerziehende Mutter, vor der seine Schwester mit 18 in eine Ausbildung zur Stewardeß geflohen ist. William schreibt zunächst für lokale Musikmagazine, bis ein Redakteur des "Rolling Stone" auf ihn aufmerksam wird und ihm (ohne Kenntnis seines zarten Alters) den Auftrag zu einer umfangreichen Reportage über die aufstrebende (für den Film erfundene) Rockgruppe "Stillwater" erteilt. So kommt es, daß der lebensunerfahrene 15jährige, unter strengen Auflagen seiner Mutter (täglich anrufen, keine Drogen!) in den Tourbus zu Musikern, Roadies und Groupies steigt. Die kommenden Tage werden sein Leben verändern, er wird Freundschaft und Liebe, aber auch den Loyalitätskonflikt eines ehrgeizigen Journalisten kennenlernen. Nicht nur für ihn ist dies ein entscheidender Abschnitt, sondern auch für die Band an der Schwelle des kommerziellen Erfolgs, der eine schwere Krise bevorsteht, und für das Groupie (nein, Verzeihung: das "Band-Aid") Penny Lane ("Wir schlafen nicht mit den Musikern, wir blasen ihnen höchstens mal einen!"), das im Konflikt zwischen Schein und Realität gefangen scheint. Und so ist Almost Famous eine Geschichte über das Erwachsenwerden und den Zerfall von Idealen, gleichzeitig eine Reflexion über den Wandel des Musik"geschäfts" in den 70ern, als der Spaß an der Musik immer mehr zugunsten des Kommerz verdrängt wurde.
Ein Regisseur ist dann am besten, wenn er dem Stoff besonders verbunden ist. Eine solche Verbundenheit hat zu Meisterwerken wie Der große Frust von Lawrence Kasdan und Schindlers Liste von Stephen Spielberg geführt. Auch Cameron Crowe hat sich hier selbst weit übertroffen (z.B. gegenüber dem schon sehr guten Jerry Maguire, der ein ähnliches Thema im Sportbereich behandelt.) Offenbar hat er lange gezögert, diesen persönlichen Stoff anzugehen. Jetzt aber verdanken wir ihm einen herrlichen Musikfilm. Wenn ich das richtig verstanden habe, spielen die Darsteller der Band selbst die Songs im Stil der 70er Jahre, die u.a. von Peter Frampton beigesteuert wurden. Das wirkt authentisch und völlig ungekünstelt und trägt wesentlich zum Gelingen des Projektes bei. Natürlich gibt es daneben jede Menge Klassiker der 60er und 70er zu hören. Und dann ist da das exquisite Darstellerensemble, noch in den kleinsten Nebenrollen perfekt ausgesucht. Niemandem merkt man an, daß da Rollen verkörpert werden - die Schauspieler gehen in ihren Figuren auf. Das gilt für den unglaublichen Patrick Fugit in der Hauptrolle (der 17jährige wuchs zum Entsetzen der Crew während der Dreharbeiten um sieben Zentimeter und kam in den Stimmbruch) wie für Frances McDormand (Fargo), die als satirisch überspitzt gezeichnete, überbehütende Mutter völlig ohne Ironie und dadurch ungeheuer witzig daherkommt. Das gilt ebenfalls für die Band, insbesondere Billy Crudup als Gitarrist und Kopf der Gruppe, und vor allem für Kate Hudson als Penny Lane. Sie ist das Herz des Films - strahlend schön, komisch, unschuldig, verdorben, geheimnisvoll, innerlich zerrissen und doch voller Wärme. Wer hätte das der Tochter von Amerikas Darling Goldie Hawn zugetraut? Ihre Oscar-Nominierung war mehr als verdient.
Ich hoffe, ich habe deutlich gemacht, daß dies mehr als nur ein Geheimtip ist und auch keine besondere Vorliebe für Rockmusik der 70er voraussetzt. In den USA hat sich dieses Meisterwerk schleichend durchgesetzt und wird inzwischen in der IMDB-Liste der beliebtesten Filme aller Zeiten auf Platz 61 geführt. In Deutschland wird der Film nicht besonders gut vermarktet, aber vielleicht wird er doch mehr als nur fast berühmt. Ein zumindest deutschsprachiger älterer Herr war jedenfalls begeistert, und ihn hat Cameron Crowe in seiner Dankesrede für den Oscar auch besonders erwähnt: Regie-Altmeister Billy Wilder.
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