Die Qualitätskurve der TV-Serie The Expanse nimmt momentan den umgekehrten Verlauf der Neuauflage von Kampfstern Galactica (ab 2003). Die fing super-stark an, bot über zwei Staffeln die beste TV-Science-Fiction der Dekade und verlor sich dann in immer abstruseren (und düsteren) Handlungseinfällen. Zuletzt wurde uns verkauft, dass Starbuck und einige andere Hauptfiguren von Anfang an Zylonen-Schläfer gewesen sein sollten. Solche Twists um der Twists selbst sind leider typisch für das Fernsehen des 21. Jahrhunderts. Einer der Schuldigen ist J.J. Abrams, dessen Durchbruch, die Agentenserie Alias mit Jennifer Garner, anfangs ebenfalls tolle und gut vorbereitete Wendungen bot, bevor den Autoren dann nichts sinnvolles mehr einfiel (am Ende wurde dann sogar der langweiligsten Figur Michael Vaughn noch eine Geheimidentität untergeschoben).
The Expanse basiert allerdings auf einer auf neun Bände angelegten Serie von Romanen des Autorenteams James S.A. Corey. Das Pseudonym steht für Daniel Abraham und Ty Franck, die die Fernsehserie auch mitproduzieren. Und auch wenn mir der erste Band genauso wenig gefallen hatte wie die einführende Staffel, haben die beiden sicherlich ein Konzept für den Handlungsrahmen. In der nunmehr dritten Staffel (mit wie zuvor 13 Episoden) zahlt sich das nun langsam aus, und plötzlich flimmert endlich wieder eine würdige SF-Serie über unsere Bildschirme (na ja, flimmern tun moderne Fernseher eigentlich nicht mehr). Beinahe wäre es übrigens damit vorbei gewesen, aber nach der Absetzung durch SyFy (die nach der Umbenennung von SciFi vergessen haben, wie man gute Shows pflegt) ist glücklicherweise Amazon Prime Studios eingesprungen. Die ersten Staffeln hatte ich paradoxerweise noch auf Netflix gesehen (dort sind sie nicht mehr streambar), momentan gibt es nur die aktuelle dritte Staffel per Flatrate im Prime-Programm. Das wird sich sicher mit der kommenden vierten Staffel ändern.
Im 24. Jahrhundert hat die Menschheit das Sonnensystem weitgehend erschlossen. Es gibt drei Machtkonzentrationen: die von den Vereinten Nationen kapitalistisch-demokratisch geführte Erde, der militaristisch regierte Mars und den anarchistischen Asteroidengürtel ("Belt"). Die Raumfahrttechnik ist einigermaßen realistisch extrapoliert. Wir befinden uns allerdings nicht auf der Enterprise. Bei Notmanövern wird nicht einfach ein bisschen mit der Kamera gewackelt. Jene phantastischste aller Star-Trek-Techniken, nämlich die "Künstliche Schwerkraft" und der Beschleunigungsausgleich (bei Perry Rhodan heißt das Andruck-Konverter) werden uns nicht untergeschoben. Dafür kommt immer noch eine nützliche Erfindung des 20. Jahrhunderts zum Einsatz: der Sicherheitsgurt. Trotzdem sind die Beschleunigungen der Raketenantriebe von 5G und mehr gefährlich für Besatzung und Passagiere. Als Ausgleich hat die Medizintechnik Fortschritte gemacht. Knochenbrüche sind binnen Tagen geheilt, und sogar eine verletzte Wirbelsäule kann ersetzt werden. Allerdings ist dafür immer noch Schwerkraft Voraussetzung, entweder durch Beschleunigung oder (wie bei 2001: Odyssee im Weltall) durch einen rotierenden Zylinder.
Nachdem ich mir die Mühe gemacht hatte, diesen Abschnitt zu schreiben, fand ich bei Youtube folgende ausführliche Beschreibung des Expanse-Universums:
Im Zentrum der Erzählung steht die Rocinante, im Grunde ein Piratenschiff, nicht zufällig nach Don Quixotes treuem Gaul benannt, das die gemischte Besatzung sich von der marsianischen Marine ausgeliehen hat.Sie steht meist zwischen allen politischen Loyalitäten und hat entscheidenden Anteil an der Lösung der Krisen der bislang drei Handlungsstränge. In der ersten Staffel (10 Episoden, nach Leviathan Wakes) wird ein Protomolekül außersolarer Herkunft entdeckt, dessen Enträtselung wie ein Krimi-Thriller aufgebaut ist (mit Thomas Jane als Ermittler Joe Miller). In der zweiten Staffel wird diese Ermittlung zum Abschluss gebracht, und es entbrennt ein Krieg um die militärische Nutzung des Protomoleküls (Caliban's War). Mitte der dritten Staffel wird der Konflikt beigelegt, und die restlichen sieben Folgen (Abaddon's Gate) kreisen um das geheimnisvolle Objekt, das von einer Protomolekül-Konzentration konstruiert wird. Wahrscheinlich aufgrund der drohenden Absetzung wurde hier die Handlung stark beschleunigt. Fast zufällig sind dadurch ungeheuer packende 13 Folgen entstanden. Vermutlich noch in diesem Herbst soll es weitergehen.
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Ich habe hoffentlich nicht den Eindruck erzeugt, dass die Rocinante als primitive Enterprise durchs Weltall düst und Konflikte löst (am ehesten ist sie mit der Serenity verwandt). Die Handlungsträger sind über das gesamte Sonnensystem verteilt und oft auch hochkarätig besetzt. Da gibt es etwa politische Intrigen in der UN, wo Chrisjen Avasarala (die Iranerin mit der rauchigen Stimme Shohreh Aghdashloo) im Hintergrund die Fäden zieht und sich gegen Kriegstreiber Sadavir Errinwright (Shawn Doyle) behaupten muss, eine geheime Forschungsstation des Großindustriellen Jules-Pierre Mao (charismatisch: François Chau) auf dem Jupitermond Io, marsianische Space Marines und die zentrale Belter-Station Tycho mit ihrem Boss Fred Johnson (Chad L. Coleman). Aber immer wieder kehrt die Erzählung zum Kernteam der Rocinante zurück: Kapitän James Holden, Ingenieurin Naomi, Pilot Alex und Mechaniker (und "Mädchen für alles") Amos.
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Einer der Gründe für meine Einstiegsschwierigkeiten war sicher (neben der Tatsache, dass man mitten ins Belter-Chaos geworfen wird) die Besetzung von James Holden. Mit Steven Strait konnte ich mich einfach nicht anfreunden. Mit seiner (faktisch sicher korrekten) blassen Haut, seinem Mukkibudenkörper und den sinnlichen Lippen wirkt er mehr wie ein Gigolo als ein Kapitän. Holden soll natürlich kein James T. Kirk sein, aber ich habe mich immer noch nicht komplett an ihn gewöhnt (Steven Strait hat inzwischen einen Credit als Executive Producer und wird uns sicher erhalten bleiben). Auch mit Dominique Tipper als Naomi habe ich so meine Probleme, aber das liegt mehr an Naomis Persönlichkeit.. Dafür sind der abtrünnige Marsianer Alex (Cas Anvar) und "Jayne"-Variante Amos (Wes Chatham; harte Schale, weicher Kern) einfach fabelhaft.
In der dritten Staffel gibt es ein paar nennenswerte Neuzugänge. Zunächst ist da Bobbie Draper, eine der erwähnten marsianischen Space Marines. Wie cool ist das? Vielen Kritikern in der IMDB gefällt Frankie Adams nicht, aber mir ist sie schnell ans Herz gewachsen. Neben ihrer eindrucksvollen Statur und einem leicht exotischen Gesicht mit Aboriginee-Einschlag spricht die Neuseeländerin auch noch mit dem entzückenden Akzent ihrer Heimat (den ja Peter Jackson weltberühmt gemacht hat). Überhaupt scheint die Serie ihre Darsteller aus allen Ecken der Welt zu ermutigen, mit Akzent oder sogar Dialekt zu sprechen. Das macht das Zuhören zwar etwas mühsamer, aber auch unerhört authentisch. Gerade bei den Beltern geht mir das allerdings manchmal zu weit. Vielleicht war Gaststar Jared Harris (Staffel 1/2) schuld. Der Londoner, bekannt u.a. als Bösewicht in Codename U.N.C.L.E., spricht hier eher Gassen- als Queens-English. An sich ist es ja nachvollziehbar, dass sich die Sprache der Parias des Sonnensystems in ein hässliches Pigeon-English verwandelt (von den Hauptdarstellern spricht allein Naomi ähnlich).
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In diese Kerbe schlägt auch Cara Gee als Camina Drummer, Vize von Fred Johnson und nun Kommandantin des (einzigen) Belter-Kriegsschiffes Behemoth. Die Kanadierin ist gemäß ihren Fotos eigentlich eine attraktive, stylische Frau. Mit Goth-Makeup, Belter-typischen Tätowierungen, dem harten Akzent und ihrer heiseren Stimme entringt sie dem Begriff "herb" eine ganz neue Bedeutung. Aber ihr Machtkampf mit ihrem ersten Offizier Ashford (fabelhaft verkörpert vom 70jährigen Veteran David Strathairn) ist eines der Highlights der dritten Staffel. Auch wenn man gelegentlich Untertitel zuschalten muss, um die beiden zu verstehen. Da tröstet das gepflegte Amerikanisch der Texanerin Elizabeth Mitchell als Pastorin Anna Volovodov, die im Auftrag der inzwischen zur UN-Generalsekretärin (falls ich das richtig verstanden habe) aufgestiegenen Chrisjen mit der Erdmarine zu Abbaddons Gate unterwegs ist. In Lost hatte ich sie als Konkurrentin von Evangeline Lilly manchmal gehasst, diesmal formt sie eine der sympathischsten Figuren.
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2017 war ich noch unglücklich, dass der Folge Leviathan Wakes der Hugo als beste dramatische Präsentation (Kurzform) zugesprochen wurde (vor allem, weil der spätere Emmy-Gewinner San Junipero den Sieg verdient gehabt hätte). In diesem Jahr habe ich die Abschlussfolge Abaddon's Gate selbst nominiert, und sie ist noch vor Janet(s) mein Favorit, der besten Folge der ansonsten (auf hohem Niveau) durchwachsenen dritten Staffel von The Good Place. Jetzt hoffe ich, dass The Expanse bei Amazon noch lange Zeit die erreichte Qualität halten kann. Die Chancen stehen eigentlich gut, bei noch sechs verbleibenden Romanen als Vorlage.
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Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Samstag, 23. März 2019
Samstag, 16. März 2019
Mein erster Hugo-Favorit 2019: "Spinning Silver" von Naomi Novik
Schon vor drei Jahren zeigte Naomi Novik mit dem Hugo-nominierten Uprooted, dass ihr Talent auch jenseits der kommerziell erfolgreichen, am Ende aber ziemlich abgenudelten Temeraire-Serie noch tolle Garne spinnen kann. Spinning Silver ist nun der zweite Roman dieser Webart, irgendwo zwischen Fantasy und Märchen einzuordnen, fest in einem mystisch angehauchten Europa des 19. Jahrhunderts angesiedelt. Eher der Fantasy zugehörig sind die Ich-Erzähler (von denen es diesmal gleich mehrere gibt), ein detaillierter Weltenaufbau und die Ausarbeitung der Figuren über den Archetyp hinaus. Eher märchenhaft erscheint mir die Darstellung von Magie und die schicksalsbestimmte Handlung (die allerdings mit reichlich Überraschungen aufwartet)
Nach der polnisch beeinflussten Landschaft von Uprooted finden wir uns in Spinning Silver nun eher in einem zaristischen Russland wieder. Neben der Macht des Zaren gibt es allerdings das Reich der Staryk, kalte, arrogante Fremdlinge, die in einer parallelen Feenwelt hausen und im Winter die Wälder des Zarenreichs heimsuchen und so manche Bauerschaft tyrannisieren. Vor diesem Hintergrund sind alle möglichen Märchenmotive verwoben: Aschenputtel, Goldesel, Rumpelstilzchen, Schneekönigin. Es gibt Prinzessinnen, die eine ungehörige Eigeninitiative entwickeln, und Prinzen, die weniger edel als erwartet agieren.
Der Hauptteil der Geschichte ist erzählt aus der Sicht dreier junger Frauen: Miryem, Wanda und Irina. Später kommen einige Passagen aus der Sicht des jungen Zaren Mirnatius, Irinas Zofe Magreta und Wandas jüngerem Bruder Stepon hinzu. Hauptfigur und am plastischsten gezeichnet ist die etwa 19jährige Miryem (Miriam), Tochter eines jüdischen Geldverleihers, der sich allerdings aufgrund seiner Gutmütigkeit als schlechter Geschäftsmann herausstellt. Als die Familie, die von allen Dorfbewohnern nur ausgenutzt wird, nahe dem Hungertod ist, nimmt Miryem die Sache selbst in die Hand und fordert persönlich die Zahlungen der Schuldner ein, mit wachsendem Erfolg. Allerdings erweckt ihre Fähigkeit, auf diese Weise Silber in Gold zu verwandeln, die Aufmerksamkeit eines Staryk-Lords, der Gold über alles begehrt...
Einer von Miryems Schuldnern ist ein Alkoholiker und Witwer, der seine drei Kinder tyrannisiert, bis sich schließlich als Rückzahlung seine älteste Tochter Wanda als Dienstmädchen bei Miryems Familie verdingt. Wanda ist robust und fleißig, aber vollkommen ungebildet; Miryems Buchhaltung hält sie zunächst für Magie. Aber bald entwickelt sie, und später auch ihre Brüder Sergey und Stepon (was ein russischer Name sein mag, oder auch ein Wortspiel), freundschaftliche Bande mit Miryem, deren tagträumerischen Vater und der kränklichen Mutter. Deren Vater wiederum lebt übrigens als reicher Geschäftsmann in der Regionshauptstadt Vysnia, allerdings im jüdischen Viertel, welches noch kein Ghetto ist, aber doch abgegrenzt vom Rest der Stadt, die von einem Grafen regiert wird. Dessen Tochter Irina ist die dritte Erzählerin; sie ist zwar nicht besonders hübsch und überhaupt widerspenstig, aber der Graf hegt doch Hoffnungen, sie mittels einer List mit dem jungen Zaren zu verheiraten. Der birgt allerdings ein dunkles Geheimnis (und hier kommt Rumpelstilzchen ins Spiel)...
Mit seinen unterschiedlichen Erzählstimmen ist Spinning Silver komplexer als Uprooted und erfordert vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit. Ich persönlich hatte allerdings (anders als einige Rezensenten bei Amazon) keine Probleme, jeweils zu Beginn eines Abschnitts die Erzählerin zu identifizieren. Aufgrund der unterschiedlichen Bildungshintergründe unterscheidet sich auch ihr Sprachstil (besonders einfach drückt sich der vielleicht zwölfjährige Stepon aus). Es hat durchaus eine Weile gedauert, bis ich mich in der Geschichte zurechtfand. Besonders gefallen hat mir dann, wie schon beim Vorgänger, dass der Handlungsverlauf überhaupt nicht vorhersehbar ist. Die Welt ist faszinierend geschildert, das Schicksal der Figuren ist packend, und gegen Ende wird reichlich Spannung aufgebaut. Robin Hobb hätte die Charaktere sicherlich viel tiefgründiger ausgelotet, aber das wäre dann waschechte Fantasy (und mindestens in Trilogie-Länge). Auch die Romanze(n), hier nur angedeutet, hätte man mit viel Herzschmerz auspolstern können. Naomi Novik bleibt standfest und gibt ihrem Märchen nach knapp 500 kurzweiligen Seiten das gebührende Happy End, welches allerdings anders aussieht als bei den Gebrüdern Grimm.
Und wenn sie nicht erfroren sind, dann leben sie noch heute - zufrieden, wohlversorgt und im Kreise ihrer Freunde und Familien.
Nach der polnisch beeinflussten Landschaft von Uprooted finden wir uns in Spinning Silver nun eher in einem zaristischen Russland wieder. Neben der Macht des Zaren gibt es allerdings das Reich der Staryk, kalte, arrogante Fremdlinge, die in einer parallelen Feenwelt hausen und im Winter die Wälder des Zarenreichs heimsuchen und so manche Bauerschaft tyrannisieren. Vor diesem Hintergrund sind alle möglichen Märchenmotive verwoben: Aschenputtel, Goldesel, Rumpelstilzchen, Schneekönigin. Es gibt Prinzessinnen, die eine ungehörige Eigeninitiative entwickeln, und Prinzen, die weniger edel als erwartet agieren.
Der Hauptteil der Geschichte ist erzählt aus der Sicht dreier junger Frauen: Miryem, Wanda und Irina. Später kommen einige Passagen aus der Sicht des jungen Zaren Mirnatius, Irinas Zofe Magreta und Wandas jüngerem Bruder Stepon hinzu. Hauptfigur und am plastischsten gezeichnet ist die etwa 19jährige Miryem (Miriam), Tochter eines jüdischen Geldverleihers, der sich allerdings aufgrund seiner Gutmütigkeit als schlechter Geschäftsmann herausstellt. Als die Familie, die von allen Dorfbewohnern nur ausgenutzt wird, nahe dem Hungertod ist, nimmt Miryem die Sache selbst in die Hand und fordert persönlich die Zahlungen der Schuldner ein, mit wachsendem Erfolg. Allerdings erweckt ihre Fähigkeit, auf diese Weise Silber in Gold zu verwandeln, die Aufmerksamkeit eines Staryk-Lords, der Gold über alles begehrt...
Einer von Miryems Schuldnern ist ein Alkoholiker und Witwer, der seine drei Kinder tyrannisiert, bis sich schließlich als Rückzahlung seine älteste Tochter Wanda als Dienstmädchen bei Miryems Familie verdingt. Wanda ist robust und fleißig, aber vollkommen ungebildet; Miryems Buchhaltung hält sie zunächst für Magie. Aber bald entwickelt sie, und später auch ihre Brüder Sergey und Stepon (was ein russischer Name sein mag, oder auch ein Wortspiel), freundschaftliche Bande mit Miryem, deren tagträumerischen Vater und der kränklichen Mutter. Deren Vater wiederum lebt übrigens als reicher Geschäftsmann in der Regionshauptstadt Vysnia, allerdings im jüdischen Viertel, welches noch kein Ghetto ist, aber doch abgegrenzt vom Rest der Stadt, die von einem Grafen regiert wird. Dessen Tochter Irina ist die dritte Erzählerin; sie ist zwar nicht besonders hübsch und überhaupt widerspenstig, aber der Graf hegt doch Hoffnungen, sie mittels einer List mit dem jungen Zaren zu verheiraten. Der birgt allerdings ein dunkles Geheimnis (und hier kommt Rumpelstilzchen ins Spiel)...
Mit seinen unterschiedlichen Erzählstimmen ist Spinning Silver komplexer als Uprooted und erfordert vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit. Ich persönlich hatte allerdings (anders als einige Rezensenten bei Amazon) keine Probleme, jeweils zu Beginn eines Abschnitts die Erzählerin zu identifizieren. Aufgrund der unterschiedlichen Bildungshintergründe unterscheidet sich auch ihr Sprachstil (besonders einfach drückt sich der vielleicht zwölfjährige Stepon aus). Es hat durchaus eine Weile gedauert, bis ich mich in der Geschichte zurechtfand. Besonders gefallen hat mir dann, wie schon beim Vorgänger, dass der Handlungsverlauf überhaupt nicht vorhersehbar ist. Die Welt ist faszinierend geschildert, das Schicksal der Figuren ist packend, und gegen Ende wird reichlich Spannung aufgebaut. Robin Hobb hätte die Charaktere sicherlich viel tiefgründiger ausgelotet, aber das wäre dann waschechte Fantasy (und mindestens in Trilogie-Länge). Auch die Romanze(n), hier nur angedeutet, hätte man mit viel Herzschmerz auspolstern können. Naomi Novik bleibt standfest und gibt ihrem Märchen nach knapp 500 kurzweiligen Seiten das gebührende Happy End, welches allerdings anders aussieht als bei den Gebrüdern Grimm.
Und wenn sie nicht erfroren sind, dann leben sie noch heute - zufrieden, wohlversorgt und im Kreise ihrer Freunde und Familien.
Freitag, 8. März 2019
Mehr Supergirl als Wonder Woman: Captain Marvel (7/10)
Captain Marvel hat alles, was das Herz eines Genre-Fans begehrt: Raumschiffe, Aliens, Laserduelle, Piloten, Agenten, Prügeleien, und sogar eine coole Katze. Das wäre ein toller Film, wenn es nicht bereits das 21. Marvel-Abenteuer wäre (mit Avengers: Endgame ist ihm der 22. dicht auf den Fersen). Im Kino habe ich mich schon gut amüsiert, aber im Nachhinein stellt sich ein gewisser Ermüdungseffekt ein. Zumal die Heldin, auch das ein Gesetz der Serie, gegenüber ihren Vorgängern nochmals einen draufsetzen muss: stärker als der Hulk, technisch versierter als Iron Man, edler als Captain America, mystischer als Thor, beweglicher als Black Widow, nützlicher als Hawkeye ;-) Das ist mehr Supergirl als Wonder Woman, und ihre schier unendliche Macht könnte zumindest in einer Fortsetzung schnell langweilig werden. In den Foren wird schon diskutiert, ob Carol Danvers im Kampf gegen Superman bestehen könnte. Falsches Universum natürlich; gegen Thanos allerdings - wieviel wiegen die Unendlichkeitssteine?
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Nichts auszusetzen habe ich an der Hauptdarstellerin Brie Larson. Auch andere hochgehandelte Kandidatinnen, etwa Emily Blunt (Edge of Tomorrow), hätten sich dem Drehbuch unterwerfen müssen. Der Hass, der der Oscar-Gewinnerin (Raum) nun entgegenschlägt, hat ohnehin nichts mit ihrer schauspielerischen Leistung zu tun. Da wird ihr doch tatsächlich vorgeworfen, dass Spider-Man Tom Holland den knackigeren Hintern hat. Und dass sie zu wenig lächelt! Immerhin wird sie einmal im natürlichen Habitat der Frauen gezeigt: in der Küche, beim Abwasch. Aber dann auch wieder als Kampfpilotin, wobei in dieser Rolle mehr ihre Freundin Maria Rambeau (Neuling Lashana Lynch) glänzen darf. So wird denn doch noch ein passender Beitrag zum Internationalen Frauentag draus.
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Captain Marvel spielt 1995, und es spielt mit den technischen Wundern der 90er: Telefonzellen, Pager, Videocassetten, Audiodateien am Computer. Das ist für manchen Schmunzler gut, und überhaupt liegen die Stärken des Abenteuers in den intimen Momenten, etwa den Familienszenen mit Maria und ihrer knuffigen 11jährigen Tochter. Bei den Actionszenen hingegen verlor ich öfter die Orientierung; hier zeigt sich der Mangel an Erfahrung (oder Eignung) des Regie-Teams von Anna Boden und Ryan Fleck, die bislang für (meiner Meinung nach) mittelmäßige Indie-Filme bekannt waren. Sie verantworten auch gemeinsam mit Geneva Robertson-Dworet, die bereits die jüngste Tomb-Raider-Inkarnation verwurschtelt hatte, das zweckdienliche Drehbuch, das wie bei Marvel üblich viele weitere Handschriften erkennen lässt. Schön ist der Bezug zu den Guardians, aber im Endeffekt braucht man vor allem einen Protector, der die Avengers aus der Bredouille befreien kann...
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Immerhin gibt uns die Zeitebene Gelegenheit, einen jüngeren Nick Fury kennenzulernen, noch ohne die Aura von Coolness und mit zwei gesunden Augen. Hier hat die Computertechnik des 21. Jahrhunderts ganze Arbeit geleistet, um Samuel L. Jackson zu verjüngen. Nur bei seinem Sidekick Phil Coulsen (Clark Gregg) gibt es gelegentlich einen WTF-Moment.
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Nicht manipulieren musste man Annette Benings Alter, sie macht auch mit 60 noch eine gute Figur und hat sichtlich Spaß an ihrer Rolle (für eine fünfte Oscar-Nominierung wird's diesmal wohl trotzdem nicht reichen). Jude Law darf als Kree ohne Blaufärbung seinen spitzbübigen Charme spielen lassen, während Gemma Chan (Crazy Rich Asians) hinter ihrem Make-up zwar kaum zu erkennen ist, aber trotzdem noch die Blicke (zumindest dieses männlichen Zuschauers) anzieht. Ohnehin werden all diese Stars von einem Flerken in den Schatten gestellt, dessen Darsteller ich zur Vermeidung von Spoilern hier nicht nennen werde (unbedingt auf die zweite Post-Credit-Szene warten!). Oh, und es gibt gleich zu Beginn ein liebevolles Tribut an Stan Lee, welches ich ebenfalls nicht spoilern möchte.
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Obschon schematisch, macht Captain Marvel doch viel Spaß und bietet einige visuelle Wunder, dazu sympathische Figuren und einige (zumindest für mich) überraschende Wendungen. Trotz der Querverweise ist es in sich geschlossener als die jüngste Avengers-Extravaganz. Daher (ohne vergleichen zu wollen) vergebe ich die gleiche Wertung wie für das überbewertete Spektakel des letzten Jahres: Gut (7/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
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Nichts auszusetzen habe ich an der Hauptdarstellerin Brie Larson. Auch andere hochgehandelte Kandidatinnen, etwa Emily Blunt (Edge of Tomorrow), hätten sich dem Drehbuch unterwerfen müssen. Der Hass, der der Oscar-Gewinnerin (Raum) nun entgegenschlägt, hat ohnehin nichts mit ihrer schauspielerischen Leistung zu tun. Da wird ihr doch tatsächlich vorgeworfen, dass Spider-Man Tom Holland den knackigeren Hintern hat. Und dass sie zu wenig lächelt! Immerhin wird sie einmal im natürlichen Habitat der Frauen gezeigt: in der Küche, beim Abwasch. Aber dann auch wieder als Kampfpilotin, wobei in dieser Rolle mehr ihre Freundin Maria Rambeau (Neuling Lashana Lynch) glänzen darf. So wird denn doch noch ein passender Beitrag zum Internationalen Frauentag draus.
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Captain Marvel spielt 1995, und es spielt mit den technischen Wundern der 90er: Telefonzellen, Pager, Videocassetten, Audiodateien am Computer. Das ist für manchen Schmunzler gut, und überhaupt liegen die Stärken des Abenteuers in den intimen Momenten, etwa den Familienszenen mit Maria und ihrer knuffigen 11jährigen Tochter. Bei den Actionszenen hingegen verlor ich öfter die Orientierung; hier zeigt sich der Mangel an Erfahrung (oder Eignung) des Regie-Teams von Anna Boden und Ryan Fleck, die bislang für (meiner Meinung nach) mittelmäßige Indie-Filme bekannt waren. Sie verantworten auch gemeinsam mit Geneva Robertson-Dworet, die bereits die jüngste Tomb-Raider-Inkarnation verwurschtelt hatte, das zweckdienliche Drehbuch, das wie bei Marvel üblich viele weitere Handschriften erkennen lässt. Schön ist der Bezug zu den Guardians, aber im Endeffekt braucht man vor allem einen Protector, der die Avengers aus der Bredouille befreien kann...
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Immerhin gibt uns die Zeitebene Gelegenheit, einen jüngeren Nick Fury kennenzulernen, noch ohne die Aura von Coolness und mit zwei gesunden Augen. Hier hat die Computertechnik des 21. Jahrhunderts ganze Arbeit geleistet, um Samuel L. Jackson zu verjüngen. Nur bei seinem Sidekick Phil Coulsen (Clark Gregg) gibt es gelegentlich einen WTF-Moment.
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Nicht manipulieren musste man Annette Benings Alter, sie macht auch mit 60 noch eine gute Figur und hat sichtlich Spaß an ihrer Rolle (für eine fünfte Oscar-Nominierung wird's diesmal wohl trotzdem nicht reichen). Jude Law darf als Kree ohne Blaufärbung seinen spitzbübigen Charme spielen lassen, während Gemma Chan (Crazy Rich Asians) hinter ihrem Make-up zwar kaum zu erkennen ist, aber trotzdem noch die Blicke (zumindest dieses männlichen Zuschauers) anzieht. Ohnehin werden all diese Stars von einem Flerken in den Schatten gestellt, dessen Darsteller ich zur Vermeidung von Spoilern hier nicht nennen werde (unbedingt auf die zweite Post-Credit-Szene warten!). Oh, und es gibt gleich zu Beginn ein liebevolles Tribut an Stan Lee, welches ich ebenfalls nicht spoilern möchte.
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Obschon schematisch, macht Captain Marvel doch viel Spaß und bietet einige visuelle Wunder, dazu sympathische Figuren und einige (zumindest für mich) überraschende Wendungen. Trotz der Querverweise ist es in sich geschlossener als die jüngste Avengers-Extravaganz. Daher (ohne vergleichen zu wollen) vergebe ich die gleiche Wertung wie für das überbewertete Spektakel des letzten Jahres: Gut (7/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Samstag, 2. März 2019
Wahnsinnig reiche ASIATEN (6/10)
Neben Black Panther gab es im amerikanischen Kinojahr 2018 noch ein weiteres kulturelles Phänomen. Crazy Rich Asians ist angeblich der erste amerikanische Film mit rein asiatischen Darstellern seit Jahrzehnten. Gemeint ist natürlich "der erste amerikanische Blockbuster". In den 90ern gab es schließlich durchaus profitable Filme von Ang Lee (seine Einwanderer-Trilogie mit dem Höhepunkt Das Hochzeitsbankett) und Wayne Wang (Töchter des Himmels - The Joy Luck Club). Trotzdem: Mit ähnlichem Enthusiasmus, mit dem Afroamerikaner Black Panther feierten, schlossen "Asienamerikaner" offenbar Crazy Rich Asians in ihr Herz. Viele zog es zum ersten Mal in ihrem Leben ins Kino. Da gibt es eine Marketinglücke, die jetzt zumindest mit Fortsetzungen ausgebeutet werden soll (die Romanvorlage von Kevin Kwan ist erster Band einer Trilogie).
Niemand würde auf die Idee kommen, einen Film namens "Wahnsinnig reiche Europäer" zu drehen und den dann um das schwedische Königshaus kreisen zu lassen (mit ein paar Dänen und Norwegern als exotischen Nebendarstellern). In Crazy Rich Asians kommen weder Inder noch Japaner vor, keine Vietnamesen, Koreaner und noch nicht einmal "echte" Chinesen. Es spielt im Stadtstaat Singapur, wo Malaisisch und Mandarin gesprochen wird, und die Hauptdarsteller sind zum Teil Amerikaner oder Briten mit ungefähr passender Herkunft, zum Teil Asiaten mit zumeist westlicher Filmerfahrung aus dem Großraum China. Doch selbst Singapur fühlte sich nicht angemessen repräsentiert. So wie es in Black Panther nicht um Afrikaner geht, interessiert sich Crazy Rich Asians nicht für Asiaten, sondern nur für das Selbstwertgefühl asienstämmiger US-Einwanderer. Das führte dann in den USA zum für eine romantische Komödie unerhörten Kassenumsatz von 175 Millionen Dollar (eine ansonsten für schwache Comicverfilmungen typische Größenordnung, siehe etwa X-Men: Apokalypse).
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Anderswo machte der Film niemanden reich. In Deutschland fiel der Marketingabteilung nichts besseres ein, als die Asiaten aus dem Titel zu entfernen. Als "Crazy Rich" gelangte die damit belanglose 08/15-Komödie nicht einmal in die Top100. Gern würde ich jetzt berichten, dass den deutschen Zuschauern da etwas entgangen ist. Ich wollte den Film mögen und hatte mir sogar die britische UHD-Blu-ray kommen lassen. Aber wenn man sich den kulturellen Ballast einmal wegdenkt, bleibt nur eine sehr schematische Komödie übrig, zwar mit sympathischen Darstellern, aber wenig Romanze, eher zum Schmunzeln als zum Lachen. Und wer sein Selbstwertgefühl darin findet, dass es auch in Asien fiese Milliardäre gibt, der tut mir schon ein wenig leid. Für den Vergleich mit dem schwedischen Königshaus muss ich mich schon fast entschuldigen, denn Gustav und Silvia leben sicher nicht im selben Prunk wie die vornehmste (=reichste) Familie von Singapur, unter matriarchischem Vorsitz von Eleanor Young (Michelle Yeoh) und ihrer greisen Mutter Ah Ma (die inzwischen 92jährige Lisa Lu) - die zu allem Überfluss auch noch Christen sind und damit für eine weitere Minderheit stehen (auch in Singapur weniger als 20 Prozent).
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Das adrette junge Paar im Zentrum der Romanze, Rachel und Nick, wird gespielt von Constance Wu (Fresh Off the Boat) und Neuling Henry Golding, und mit einem besseren Script hätten sie sicher ein paar Funken schlagen können. So sind die Nebenfiguren weitaus interessanter, wenngleich ihre Handlungsstränge dann auch eher frustrierend zerfleddern. Michelle Yeoh (Tiger & Dragon) als Nicks Mutter Eleanor zeigt ihre Starqualität (sie hätte bessere Rollen verdient), und die Londonerin Gemma Chan als Nicks Schwester Astrid ist nicht nur bildhübsch, sondern vermag auch eine unterschwellige Melancholie zu vermitteln (sie hat mir auch gut gefallen im ansonsten oberflächlichen amerikanischen Remake von Echte Menschen). Die Show stiehlt allerdings eine gewisse Awkwafina, Rapperin, Trompetenvirtuosin, Mandarin-Expertin, die schon als nerdiger Hacker in Ocean's Eight ein spaßiger Farbtupfer war und hier die Leinwand zum Explodieren bringt (was bei der dahinplätschernden Geschichte und der augenermüdenden Ausstattung hochwillkommen ist).
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Das Spannungsfeld zwischen der in New York aufgewachsenen Ökonomieprofessorin und dem Kronprinz der Milliardärsfamilie aus Singapur hätte sicher besser ausgeschlachtet werden können (und ist es nicht bezeichnend, dass Aschenputtel heutzutage einen akademischen Grad haben kann?) Die Regie von Jon M. Chu (Die Unfassbaren 2) wirkte auf mich ziemlich uninspiriert. Einzig die Musikauswahl mit einer Mischung aus Ost und West ist ganz nett. Ich habe eine Schwäche für angelsächsische Hits in chinesischer Interpretation: Money - oder auch hybride Originale: Waiting for Your Return. Und wer schon immer mal sehen wollte, wie man eine katholische Kirche für eine Hochzeit in einen Dschungel verwandelt (inklusive Bächlein, durch das die Braut zum Altar flaniert), der ist hier richtig aufgehoben. Ich selbst war vom Gebaren der Superreichen gelegentlich angeekelt, habe mich dann aber doch immer wieder von den netten Darstellern einfangen lassen. Nur das (Spoiler!) Happy End habe ich nicht so recht verstanden. Wird Rachel nun ihre Professur aufgeben, Nick sein Firmenerbe, oder wie will man sich arrangieren? Na ja, es müssen wohl noch Probleme für die Fortsetzung offenbleiben. Für die "erfolgreichste romantische Komödie seit einer Dekade" ziemlich mau. Tatsächlich hat das Genre eine Durststrecke (zuletzt herausragend war 2011, welch ein wahnsinniger Zufall, Crazy, Stupid, Love). Daher noch Ordentlich (6/10).
Niemand würde auf die Idee kommen, einen Film namens "Wahnsinnig reiche Europäer" zu drehen und den dann um das schwedische Königshaus kreisen zu lassen (mit ein paar Dänen und Norwegern als exotischen Nebendarstellern). In Crazy Rich Asians kommen weder Inder noch Japaner vor, keine Vietnamesen, Koreaner und noch nicht einmal "echte" Chinesen. Es spielt im Stadtstaat Singapur, wo Malaisisch und Mandarin gesprochen wird, und die Hauptdarsteller sind zum Teil Amerikaner oder Briten mit ungefähr passender Herkunft, zum Teil Asiaten mit zumeist westlicher Filmerfahrung aus dem Großraum China. Doch selbst Singapur fühlte sich nicht angemessen repräsentiert. So wie es in Black Panther nicht um Afrikaner geht, interessiert sich Crazy Rich Asians nicht für Asiaten, sondern nur für das Selbstwertgefühl asienstämmiger US-Einwanderer. Das führte dann in den USA zum für eine romantische Komödie unerhörten Kassenumsatz von 175 Millionen Dollar (eine ansonsten für schwache Comicverfilmungen typische Größenordnung, siehe etwa X-Men: Apokalypse).
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Anderswo machte der Film niemanden reich. In Deutschland fiel der Marketingabteilung nichts besseres ein, als die Asiaten aus dem Titel zu entfernen. Als "Crazy Rich" gelangte die damit belanglose 08/15-Komödie nicht einmal in die Top100. Gern würde ich jetzt berichten, dass den deutschen Zuschauern da etwas entgangen ist. Ich wollte den Film mögen und hatte mir sogar die britische UHD-Blu-ray kommen lassen. Aber wenn man sich den kulturellen Ballast einmal wegdenkt, bleibt nur eine sehr schematische Komödie übrig, zwar mit sympathischen Darstellern, aber wenig Romanze, eher zum Schmunzeln als zum Lachen. Und wer sein Selbstwertgefühl darin findet, dass es auch in Asien fiese Milliardäre gibt, der tut mir schon ein wenig leid. Für den Vergleich mit dem schwedischen Königshaus muss ich mich schon fast entschuldigen, denn Gustav und Silvia leben sicher nicht im selben Prunk wie die vornehmste (=reichste) Familie von Singapur, unter matriarchischem Vorsitz von Eleanor Young (Michelle Yeoh) und ihrer greisen Mutter Ah Ma (die inzwischen 92jährige Lisa Lu) - die zu allem Überfluss auch noch Christen sind und damit für eine weitere Minderheit stehen (auch in Singapur weniger als 20 Prozent).
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Das adrette junge Paar im Zentrum der Romanze, Rachel und Nick, wird gespielt von Constance Wu (Fresh Off the Boat) und Neuling Henry Golding, und mit einem besseren Script hätten sie sicher ein paar Funken schlagen können. So sind die Nebenfiguren weitaus interessanter, wenngleich ihre Handlungsstränge dann auch eher frustrierend zerfleddern. Michelle Yeoh (Tiger & Dragon) als Nicks Mutter Eleanor zeigt ihre Starqualität (sie hätte bessere Rollen verdient), und die Londonerin Gemma Chan als Nicks Schwester Astrid ist nicht nur bildhübsch, sondern vermag auch eine unterschwellige Melancholie zu vermitteln (sie hat mir auch gut gefallen im ansonsten oberflächlichen amerikanischen Remake von Echte Menschen). Die Show stiehlt allerdings eine gewisse Awkwafina, Rapperin, Trompetenvirtuosin, Mandarin-Expertin, die schon als nerdiger Hacker in Ocean's Eight ein spaßiger Farbtupfer war und hier die Leinwand zum Explodieren bringt (was bei der dahinplätschernden Geschichte und der augenermüdenden Ausstattung hochwillkommen ist).
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Das Spannungsfeld zwischen der in New York aufgewachsenen Ökonomieprofessorin und dem Kronprinz der Milliardärsfamilie aus Singapur hätte sicher besser ausgeschlachtet werden können (und ist es nicht bezeichnend, dass Aschenputtel heutzutage einen akademischen Grad haben kann?) Die Regie von Jon M. Chu (Die Unfassbaren 2) wirkte auf mich ziemlich uninspiriert. Einzig die Musikauswahl mit einer Mischung aus Ost und West ist ganz nett. Ich habe eine Schwäche für angelsächsische Hits in chinesischer Interpretation: Money - oder auch hybride Originale: Waiting for Your Return. Und wer schon immer mal sehen wollte, wie man eine katholische Kirche für eine Hochzeit in einen Dschungel verwandelt (inklusive Bächlein, durch das die Braut zum Altar flaniert), der ist hier richtig aufgehoben. Ich selbst war vom Gebaren der Superreichen gelegentlich angeekelt, habe mich dann aber doch immer wieder von den netten Darstellern einfangen lassen. Nur das (Spoiler!) Happy End habe ich nicht so recht verstanden. Wird Rachel nun ihre Professur aufgeben, Nick sein Firmenerbe, oder wie will man sich arrangieren? Na ja, es müssen wohl noch Probleme für die Fortsetzung offenbleiben. Für die "erfolgreichste romantische Komödie seit einer Dekade" ziemlich mau. Tatsächlich hat das Genre eine Durststrecke (zuletzt herausragend war 2011, welch ein wahnsinniger Zufall, Crazy, Stupid, Love). Daher noch Ordentlich (6/10).
Samstag, 23. Februar 2019
Bitterböse Komödie: Vice (9/10)
Vice führt unwiderlegbare Beweise an für eine Tatsache, die in gewissen Kreisen natürlich als Fake News gebrandmarkt werden wird: Dick Cheney hat ein Herz. Zugegeben, es musste mehrere Infarkte durchleiden und wurde schließlich durch ein jüngeres ersetzt. Aber es existiert, es schlägt, es pumpt Blut durch seine Leibesfülle (immer noch - der ehemalige Vizepräsident ist gerade 78 geworden). Reine Spekulation von Adam McKays filmischer Biographie ist es hingegen, dass Cheney jemals Entscheidungen aufgrund von Gefühlen oder gar Empathie getroffen hat. Die herzerwärmende Szene, in der Cheney nach dem Coming Out seine lesbische Tochter Mary in die Arme schließt, ist allerdings ein raffinierter Drehbuchkniff, um ein Minimum an Sympathie für diesen unbeliebtesten Politiker der letzten fünfzig Jahre zu erzeugen. Damit nenne ich bewusst einen Zeitraum, der auch einen anderen Tricky Dick einschließt. Kaum zu glauben, dass 2009, zum Ende von Cheneys Amtszeit, noch 13 Prozent der Amerikaner zu ihm hielten!
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Vor drei Jahren nahm sich der 50jährige Regisseur und Drehbuchautor Adam McKay mit The Big Short die Bankenkrise vor. Im Nachfolger Vice geht es nun nicht nur um Dick Cheney, sondern um die US-amerikanische Politikkultur der letzten 30 Jahre. Und wieder zieht McKay alle satirischen Register, mit noch größerem künstlerischen Erfolg. Die Machart erinnert an Michael Moores polemische Dokumentationen (Fahrenheit 9/11), aber mit hochkarätig nachgespielten und dazuerfundenen Dramaszenen. Diesmal gibt es zwar nicht Margot Robbie in der Badewanne, aber immerhin Naomi Watts als Fox-Nachrichtensprecherin, dazu an Shakespeare angelehnte Dialoge und Jesse Plemmons als Kommentator aus dem einfachen Volk. Das ist stellenweise höchst komisch; am besten das "falsche" Ende nach einer Stunde, als alles auf ein Happy End weist, bis zu jenem fatalen Anruf von Bush Jr., der einen erfahrenen Mitstreiter sucht. Aber meist bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Unfassbar ist der Kontrast zur idealisierten Utopie von The West Wing, wo der Vizepräsident tatsächlich nur eine fotogene Schießbudenfigur war, nicht der Strippenzieher im Hintergrund, im Dienst der Rüstungs- und Energiekonzerne, insbesondere natürlich des Molochkonzerns Halliburton, als dessen CEO Cheney zwischen seinen Posten als Verteidigungsminister (unter Bush Sr.) und Vizepräsident (über Bush Jr.) ein kleines Vermögen anhäufte (wobei ihm Macht offenbar stets wichtiger war als Geld). Um seine Schlussrede im Film zu zitieren: Man muss sich mit der Realität auseinandersetzen, dass es Monster gibt in dieser Welt.
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Christian Bale gehört nicht zu meinen Lieblingsschauspielern. Der 45jährige Dark Knight gab sein Debut im zarten Alter von 13 Jahren in Spielbergs Reich der Sonne, hat sich 2004 für Der Maschinist 30 Kilo runtergehungert und nun für Vice 20 Kilo zugefuttert, dazwischen 2011 als Muskelpaket einen Oscar für The Fighter gewonnen. Mit seiner diesjährigen vierten Nominierung ist er der Geheimfavorit hinter Rami Malek (obwohl mein Herz immer noch für Viggo Mortensen schlägt). Ich muss zugeben, dass Bale (und den Maskenbildnern) in der Darstellung von Dick Cheney über vier Jahrzehnte hinweg nicht nur eine verblüffende Mimikry gelungen ist, sondern dass er der Figur soviel Leben einhaucht, wie dies bei einem solchen undurchschaubaren Monster überhaupt möglich ist. Ihm zur Seite steht ein glänzendes Ensemble. McKay schöpft aus einem Fundus von Komikern mit dramatischem Potential, so etwa Steve Carell als schmieriger Donald Rumsfeld und Blödelbarde Tyler Perry als Colin Powell (Will Ferrell hat zum Glück nur produziert). Spot-on sind die Oscar-nominierten Nebendarsteller Sam Rockwell als George W. und Amy Adams als Cheneys Ehefrau Lynne (wenngleich mir ihre merkwürdigen Perücken aufgefallen sind). Ebenfalls hervorheben möchte ich Jesse Plemmons (übrigens mit Kirsten Dunst verlobt) als Erzähler Kurt mit einer mysteriösen Verbindung zur Hauptfigur (er spielte bereits in Hostiles an der Seite von Bale, ein vollkommen misslungener Western, über den ich ansonsten schweigen möchte), dazu Alison Pill (Scott Pilgrim, Midnight in Paris) als Mary Cheney, Justin Kirk (Weeds) als Cheneys schleimiger Chief of Staff und Eddie Marsan als Cheneys Chefberater (der Londoner mit dem Wieselgesicht taucht immer öfter in amerikanischen Filmen auf). In McKays nächstem Projekt soll Jennifer Lawrence die Hauptrolle übernehmen, ich bin schon sehr gespannt!
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Am Boxoffice ist Vice natürlich mehr oder weniger gefloppt. Lehrreiche Filme werden fast nie von denjenigen angeschaut, denen es nützen könnte. Und die jüngste Presidency hat der Farce ja noch einen draufgesetzt. Trump ist Cheney ohne den Mittelsmann. Ohne jedwede Subtilität treibt er jenes fragwürdige politische Kontrukt (Unitary Executive Theory) auf die Spitze, nach dem jede Handlunge des Präsidenten rechtmäßig ist, "da sie vom Präsidenten ausgeht". Das ist quasi die Unfehlbarkeitsdoktrin der katholischen Kirche auf die amerikanische "Demokratie" angewandt.
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Bei den Globes gewann Bale als Komödiendarsteller (Green Book siegte in der Kategorie Musical/Komödie), ansonsten ging Vice bei den Preisverleihungen meist leer aus. Bei den Oscars wird es nicht anders aussehen. Von den Kandidaten haben mir dieses Jahr die Komödien, vor allem BlacKkKlansman und Vice, am besten zugesagt, vielleicht weil man den Realitäten unserer Welt ohnehin nur noch mit Humor ins Auge sehen kann. Herausragend (9/10).
Samstag, 16. Februar 2019
Schwarzer Humor: BlacKkKlansman (9/10)
Das Internet wimmelt nur so von "Experten", die dem Kassenknüller und Kultphänomen Black Panther jetzt auch den Oscar als Besten Film zusprechen wollen (einer von acht Nominierten ist er bereits). Dabei gibt es einen künstlerisch viel besseren Konkurrenten, der auch von Schwarzen Panthern handelt, allerdings nur ein Vierzehntel des Umsatzes gemacht hat: BlacKkKlansman. In Deutschland war das Zuschauerverhältnis nur 1:5, aber das Interesse am Kino hat hierzulande ohnehin stark nachgelassen. Die Werke von Ryan Coogler und Spike Lee haben übrigens in den USA jeweils mehr Umsatz gemacht als im Rest der Welt zusammen (das ist gerade wegen des stark wachsenden asiatischen Marktes ungewöhnlich).
BlacKkKlansman hat auf politischer Ebene genau das, was ich bei Black Panther vermisst hatte: eine spezifische, nachvollziehbare Geschichte, die ein Schlaglicht auf den alltäglichen amerikanischen Rassismus bis zum heutigen Tag wirft. Trotzdem bietet die Komödie, die man auch ein Drama mit komischen Untertönen nennen könnte, ebenfalls süffige Unterhaltung, über die fast exakt gleiche Laufzeit von 135 Minuten (und nicht so albern, wie der deutsche Trailer vermuten lässt). Das ist aber auch eine dolle Geschichte, die Spike Lee mit folgender Einblendung einführt:
Es gab ihn wirklich: Ron Stallworth, erster schwarzer Polizeidetektiv in Colorado Springs, der (mithilfe eines weißen Kollegen, im Film "Flip Zimmerman") den Ku-Klux-Klan infiltrierte und so mehrere Anschläge verhindern konnte. Erst 2014 veröffentlichte er seine Geschichte als Tatsachenbericht. Spike Lees Autorenteam verlegt die Handlung um ein paar Jahre zurück (von 1978 nach 1971), um sie stärker mit Schlüsselmomenten der Bürgerrechtsbewegung verknüpfen zu können, erfand ihm als Freundin die Präsidentin eines Studentenverbands und machte aus seinem weißen Kollegen einen jüdiischen Polizisten, um ein erhöhtes Spannungspotential zu erzeugen. Solche Veränderungen halte ich nicht nur für legitim, sondern begrüße sie bei der Umsetzung von Büchern in Filmen. Für buchstäbliche Übertragungen gibt es Dokumentationen, und selbst die sind immer nur ein Blickpunkt auf die Wahrheit. Kinofilme müssen unterhalten und sollten dabei (wenn man Glück hat) ihre zugrundeliegenden Wahrheiten herausarbeiten. Und allein schon die aberwitzige Diskussion im Klan (bei der einem das Lachen im Halse steckenbleibt), ob man den Holocaust nun leugnen oder feiern sollte, rechtfertigt die Umdeutung von Flip Zimmermann.
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Spike Lee ist einer der tragischen Helden des amerikanischen Kinos. Er wird im März 62 Jahr alt, und nach meinem Gefühl konnte er sein Potential in seiner Karriere bislang kaum realisieren. Filmtechnisch und als Geschichtenerzähler halte ich ihn für ebenbürtig mit seinen eine gute Dekade älteren New Yorker Kollegen Martin Scorsese und Francis Ford Coppola. Aber nicht nur seine Hautfarbe hat ihm im Weg gestanden. Immerhin hat er sich seit seinem Debut mit unabhängigen, kleinen Filmen (1986: She's Gotta Have It) hochgearbeitet zu mittelgroßen Studioproduktionen (1998: Malcolm X; 2006: Inside Man). Viele Stars gaben sich bei ihm die Ehre, oft mehrfach: Laurence Fishburn (School Daze), Samuel L. Jackson (Do the Right Thing), Denzel Washington (nach Mo' Better Blues noch dreimal), Wesley Snipes (Jungle Fever), Alfre Woodard (Crooklyn), Delroy Lindo (Clockers), Isaiah Washington (Girl 6), sowie auch gern seine Geschwister Joie, Cinqué und David und sein Vater Bill Lee (der hauptberufliche Bassist spielte u.a. für Bob Dylan und Peter, Paul & Mary). Dazu natürlich auch mal ein paar Weiße, darunter Danny Aiello, John Turturro, Harvey Keitel und Mira Sorvino.
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Auch Spike Lee selbst spielte am Anfang regelmäßig mit, wobei ich schon den Eindruck habe, dass der 1,65 Meter kleine Schauspieler vor und hinter der Kamera mit Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen hatte. Mehr geschadet hat ihm wohl sein wütender, oft militanter Umgang mit Rassismus. Er tendiert ja unverhohlen eher zu Malcolm X als zu Martin Luther King. Da sein politischer Aktionismus ihn zeitweise künstlerisch beeinträchtigt hat, habe ich seine jüngsten Filme bislang gemieden (darunter auch das wohlwollend aufgenommene Chi-Raq und das Remake von Chan-Wook Parks Oldboy, das mir schon im Original nicht so zugesagt hatte). Umso größer meine Überraschung, welch wunderbarer Balanceakt ihm mit BlacKkKlansman gelungen ist. Ich sehe es eher als gelassenes Drama, das trotz des ernsten Stoffs zum Schmunzeln einlädt und sogar mit einem Happy End aufwartet. Der Regisseur lässt aber keinen Zweifel daran, dass hier zwar eine Schlacht gewonnen wurde, der Krieg aber noch in vollem Gange ist. Das hätte ich aber auch ohne den aufgesetzten Epilog erkannt, der Spike-Lee-typisch einen direkten Bezug zu rechsextremen Kundgebungen im Jahr 2017 herstellt.
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Bei der Besetzung zeigt Spike Lee mal wieder ein feines Händchen. Die Titelrolle teilen sich John David Washington und Adam Driver. John David zeigt ähnliche Präsenz, wenngleich (noch?) nicht die gleiche Starqualität wie sein Vater Denzel Washington. Vielleicht liegt es auch an Bart und Afro, die sein Gesicht verstecken. Adam Driver mag ich selten, aber hier ist er einfach hervorragend. Star-Wars-Fans werden sicher dankbar vernehmen, dass er als Flip Zimmerman niemals sein Hemd auszieht. Übrigens muss man vielleicht erklären: Ron trat in Telefonaten mit dem KKK in Verbindung, zuletzt sogar mit dessen Bundeschef David Duke, während Flip ihn bei Meetings "vertrat". Als streithafte Black-Power-Studentenführerin Patrice brilliert Laura Harrier, in der ich niemals Spider-Man-Gespielin (und Vulture-Tochter) Liz wiedererkannt hätte. Auch die weiteren Polizeikollegen (darunter Veteran Robert John Burke und Steves Bruder Michael Buscemi) und die Klanmitglieder sind stimmig besetzt.
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Der Film beginnt mit einer Hetzrede eines gewissen "Dr. Kennebrew Beauregard", den Alec Baldwin genüsslich in Saturday-Night-Live-Manier interpretiert. Als Gegengewicht gibt es gegen Ende einen besonderer Gastauftritt der 91jährige Bürgerrechtsikone Harry Belafonte (Matilda), als Zeitzeuge eines Lynchmordes.
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Dazu gibt es zu Beginn und gegen Ende des Films zwei ungleiche Vorträge, die sicher absichtlich als ideologische Bookends platziert wurden. Rons erster Einsatz führt ihn zu einer Rede des Gewerkschaftsorganisators Kwame Ture (Corey Hawkins aus Kong: Skull Island und Straight Outta Compton), der mit geschliffener Rhetorik und warmherzigem Engagement die Black Power ausruft. Gegen Ende wird Ron dann als Leibwächter des Klanchefs David Duke Zeuge von dessen holpriger, in der Ausführung fast bemitleidenswerten Rede, die die White Supremacy zu beschwören versucht. Es ist ein besonderer Coup, David Duke vom unbeholfenen Star der Wilden Siebziger Topher Grace spielen zu lassen, der dafür auch nur eine ältere Variante von Eric Forman zum besten geben muss.
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Es ist eine Schande, dass Spike Lee in diesem Jahr bei den Academy Awards seine erste Nominierung als bester Regisseur bekommen hat. Zuvor war nur seine Dokumentation 4 Little Girls nominiert, sowie sein Drehbuch von Do The Right Thing. Gewonnen hat die Kategorie 1990 der (vergleichsweise) schwächste Film im Wettbewerb, der gefällige Club der Toten Dichter. Do The Right Thing halte ich für einen der besten Filme der 80er, und immer noch einen der besten Filme über Rassismus. Er ging damals nicht einmal für den Besten Film des Jahres ins Oscar-Rennen. Im Zuge der neuen politischen Korrektheit vergab die amerikanische Akademie 2016 einen Ehrenpreis an Spike Lee - immerhin. Für BlacKkKlansman stehen die Chancen auch nicht besonders - bei den BAFTAs hat es gerade für den Drehbuchpreis gereicht. Ich persönlich würde lieber einen Marathon mit Spike Lees schwächsten Werken schauen als auch nur 10 Minuten des haushohen Favoriten für den Besten Film (und BAFTA-Gewinners) Roma. Für mich ist BlacKkKlansman Spike Lees bester Joint seit eben Do The Right Thing. Herausragend (9/10).
Dies ist meine Rangliste der Oscar-Kandidaten:
BlacKkKlansman (9/10)
The Favourite (8/10)
Green Book (8/10)
A Star Is Born (8/10)
Black Panther (8/10)
Bohemian Rhapsody (5/10)
Roma (3/10)
Vice (? - kommt erst im März in unsere Kinos)
BlacKkKlansman habe ich mir übrigens als UHD-Blu-ray aus England besorgen müssen. Bild- und Tonqualität sind exzellent, aber die Extras leider mehr als mager.
BlacKkKlansman hat auf politischer Ebene genau das, was ich bei Black Panther vermisst hatte: eine spezifische, nachvollziehbare Geschichte, die ein Schlaglicht auf den alltäglichen amerikanischen Rassismus bis zum heutigen Tag wirft. Trotzdem bietet die Komödie, die man auch ein Drama mit komischen Untertönen nennen könnte, ebenfalls süffige Unterhaltung, über die fast exakt gleiche Laufzeit von 135 Minuten (und nicht so albern, wie der deutsche Trailer vermuten lässt). Das ist aber auch eine dolle Geschichte, die Spike Lee mit folgender Einblendung einführt:
Dis joint is based on some fo‘ real, fo‘ real sh*t
Es gab ihn wirklich: Ron Stallworth, erster schwarzer Polizeidetektiv in Colorado Springs, der (mithilfe eines weißen Kollegen, im Film "Flip Zimmerman") den Ku-Klux-Klan infiltrierte und so mehrere Anschläge verhindern konnte. Erst 2014 veröffentlichte er seine Geschichte als Tatsachenbericht. Spike Lees Autorenteam verlegt die Handlung um ein paar Jahre zurück (von 1978 nach 1971), um sie stärker mit Schlüsselmomenten der Bürgerrechtsbewegung verknüpfen zu können, erfand ihm als Freundin die Präsidentin eines Studentenverbands und machte aus seinem weißen Kollegen einen jüdiischen Polizisten, um ein erhöhtes Spannungspotential zu erzeugen. Solche Veränderungen halte ich nicht nur für legitim, sondern begrüße sie bei der Umsetzung von Büchern in Filmen. Für buchstäbliche Übertragungen gibt es Dokumentationen, und selbst die sind immer nur ein Blickpunkt auf die Wahrheit. Kinofilme müssen unterhalten und sollten dabei (wenn man Glück hat) ihre zugrundeliegenden Wahrheiten herausarbeiten. Und allein schon die aberwitzige Diskussion im Klan (bei der einem das Lachen im Halse steckenbleibt), ob man den Holocaust nun leugnen oder feiern sollte, rechtfertigt die Umdeutung von Flip Zimmermann.
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Spike Lee ist einer der tragischen Helden des amerikanischen Kinos. Er wird im März 62 Jahr alt, und nach meinem Gefühl konnte er sein Potential in seiner Karriere bislang kaum realisieren. Filmtechnisch und als Geschichtenerzähler halte ich ihn für ebenbürtig mit seinen eine gute Dekade älteren New Yorker Kollegen Martin Scorsese und Francis Ford Coppola. Aber nicht nur seine Hautfarbe hat ihm im Weg gestanden. Immerhin hat er sich seit seinem Debut mit unabhängigen, kleinen Filmen (1986: She's Gotta Have It) hochgearbeitet zu mittelgroßen Studioproduktionen (1998: Malcolm X; 2006: Inside Man). Viele Stars gaben sich bei ihm die Ehre, oft mehrfach: Laurence Fishburn (School Daze), Samuel L. Jackson (Do the Right Thing), Denzel Washington (nach Mo' Better Blues noch dreimal), Wesley Snipes (Jungle Fever), Alfre Woodard (Crooklyn), Delroy Lindo (Clockers), Isaiah Washington (Girl 6), sowie auch gern seine Geschwister Joie, Cinqué und David und sein Vater Bill Lee (der hauptberufliche Bassist spielte u.a. für Bob Dylan und Peter, Paul & Mary). Dazu natürlich auch mal ein paar Weiße, darunter Danny Aiello, John Turturro, Harvey Keitel und Mira Sorvino.
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Auch Spike Lee selbst spielte am Anfang regelmäßig mit, wobei ich schon den Eindruck habe, dass der 1,65 Meter kleine Schauspieler vor und hinter der Kamera mit Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen hatte. Mehr geschadet hat ihm wohl sein wütender, oft militanter Umgang mit Rassismus. Er tendiert ja unverhohlen eher zu Malcolm X als zu Martin Luther King. Da sein politischer Aktionismus ihn zeitweise künstlerisch beeinträchtigt hat, habe ich seine jüngsten Filme bislang gemieden (darunter auch das wohlwollend aufgenommene Chi-Raq und das Remake von Chan-Wook Parks Oldboy, das mir schon im Original nicht so zugesagt hatte). Umso größer meine Überraschung, welch wunderbarer Balanceakt ihm mit BlacKkKlansman gelungen ist. Ich sehe es eher als gelassenes Drama, das trotz des ernsten Stoffs zum Schmunzeln einlädt und sogar mit einem Happy End aufwartet. Der Regisseur lässt aber keinen Zweifel daran, dass hier zwar eine Schlacht gewonnen wurde, der Krieg aber noch in vollem Gange ist. Das hätte ich aber auch ohne den aufgesetzten Epilog erkannt, der Spike-Lee-typisch einen direkten Bezug zu rechsextremen Kundgebungen im Jahr 2017 herstellt.
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Bei der Besetzung zeigt Spike Lee mal wieder ein feines Händchen. Die Titelrolle teilen sich John David Washington und Adam Driver. John David zeigt ähnliche Präsenz, wenngleich (noch?) nicht die gleiche Starqualität wie sein Vater Denzel Washington. Vielleicht liegt es auch an Bart und Afro, die sein Gesicht verstecken. Adam Driver mag ich selten, aber hier ist er einfach hervorragend. Star-Wars-Fans werden sicher dankbar vernehmen, dass er als Flip Zimmerman niemals sein Hemd auszieht. Übrigens muss man vielleicht erklären: Ron trat in Telefonaten mit dem KKK in Verbindung, zuletzt sogar mit dessen Bundeschef David Duke, während Flip ihn bei Meetings "vertrat". Als streithafte Black-Power-Studentenführerin Patrice brilliert Laura Harrier, in der ich niemals Spider-Man-Gespielin (und Vulture-Tochter) Liz wiedererkannt hätte. Auch die weiteren Polizeikollegen (darunter Veteran Robert John Burke und Steves Bruder Michael Buscemi) und die Klanmitglieder sind stimmig besetzt.
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Der Film beginnt mit einer Hetzrede eines gewissen "Dr. Kennebrew Beauregard", den Alec Baldwin genüsslich in Saturday-Night-Live-Manier interpretiert. Als Gegengewicht gibt es gegen Ende einen besonderer Gastauftritt der 91jährige Bürgerrechtsikone Harry Belafonte (Matilda), als Zeitzeuge eines Lynchmordes.
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Dazu gibt es zu Beginn und gegen Ende des Films zwei ungleiche Vorträge, die sicher absichtlich als ideologische Bookends platziert wurden. Rons erster Einsatz führt ihn zu einer Rede des Gewerkschaftsorganisators Kwame Ture (Corey Hawkins aus Kong: Skull Island und Straight Outta Compton), der mit geschliffener Rhetorik und warmherzigem Engagement die Black Power ausruft. Gegen Ende wird Ron dann als Leibwächter des Klanchefs David Duke Zeuge von dessen holpriger, in der Ausführung fast bemitleidenswerten Rede, die die White Supremacy zu beschwören versucht. Es ist ein besonderer Coup, David Duke vom unbeholfenen Star der Wilden Siebziger Topher Grace spielen zu lassen, der dafür auch nur eine ältere Variante von Eric Forman zum besten geben muss.
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Es ist eine Schande, dass Spike Lee in diesem Jahr bei den Academy Awards seine erste Nominierung als bester Regisseur bekommen hat. Zuvor war nur seine Dokumentation 4 Little Girls nominiert, sowie sein Drehbuch von Do The Right Thing. Gewonnen hat die Kategorie 1990 der (vergleichsweise) schwächste Film im Wettbewerb, der gefällige Club der Toten Dichter. Do The Right Thing halte ich für einen der besten Filme der 80er, und immer noch einen der besten Filme über Rassismus. Er ging damals nicht einmal für den Besten Film des Jahres ins Oscar-Rennen. Im Zuge der neuen politischen Korrektheit vergab die amerikanische Akademie 2016 einen Ehrenpreis an Spike Lee - immerhin. Für BlacKkKlansman stehen die Chancen auch nicht besonders - bei den BAFTAs hat es gerade für den Drehbuchpreis gereicht. Ich persönlich würde lieber einen Marathon mit Spike Lees schwächsten Werken schauen als auch nur 10 Minuten des haushohen Favoriten für den Besten Film (und BAFTA-Gewinners) Roma. Für mich ist BlacKkKlansman Spike Lees bester Joint seit eben Do The Right Thing. Herausragend (9/10).
Dies ist meine Rangliste der Oscar-Kandidaten:
BlacKkKlansman (9/10)
The Favourite (8/10)
Green Book (8/10)
A Star Is Born (8/10)
Black Panther (8/10)
Bohemian Rhapsody (5/10)
Roma (3/10)
Vice (? - kommt erst im März in unsere Kinos)
BlacKkKlansman habe ich mir übrigens als UHD-Blu-ray aus England besorgen müssen. Bild- und Tonqualität sind exzellent, aber die Extras leider mehr als mager.
Samstag, 9. Februar 2019
Driving Dr. Shirley: Green Book (8/10)
Das Grüne Buch für motorisierte Neger (so benannt nach dem Herausgeber, Victor Hugo Green, aber auch dem grünen Cover) war zwischen 1936 und 1966 ein wichtiger Begleiter für Schwarzamerikaner, insbesondere wenn sie in die Südstaaten reisten. Es listet Motels und Restaurants auf, in denen sie willkommen sind, und warnt u.a. vor "Sundown towns", in denen es Schwarzen verboten ist, sich nach Sonnenuntergang innerhalb der Stadtgrenzen zu bewegen. Das war offenbar auch 1962 noch gängige Praxis, als der Jamaika-stämmige Pianovirtuose Dr. Don Shirley zu einer Tour durch den "Tiefen Süden" aufbrach. Als Fahrer und Bodyguard engagierte er den Bouncer Tony "Lip" Vallelonga, und der musste sowohl seine Lippe (er nennt sich selbst einen genialen "Bullshitter") als auch seine Muskeln spielen lassen, um seinen Boss heil durch die Rassismushölle zu chauffieren. Die Konzertauftritte selbst, oft in Herrschaftshäusern, mit Unterstützung zweier russischer Kollegen an Kontrabass und Cello, wirken zunächst wie Kunstoasen in einer Wüste von Banausen, aber hinter der Fassade der Superreichen und Mächtigen verbergen sich die gleichen Dünkel und Vorurteile wie im Hinterland ("Wir haben die [farbigen] Bediensteten gefragt, was Ihnen wohl schmecken könnte...")
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Green Book basiert auf Interviews, die Tonys Sohn Nick Vallelonga mit seinem Vater und Dr. Shirley (mit Titeln u.a. in Musik und Psychologie) geführt hatte (die beide 2013 verstarben). Das nach langer Entwicklungszeit mit Regisseur Peter Farrelly und dessen Kumpel Brian Hayes Currie fertiggestellte Produkt geht nun bei der Akademie als Originaldrehbuch ins Oscar-Rennen. Niemand muss sich also wundern, dass die Hauptfigur des Films Nicks Vater Tony ist. Es handelt sich nicht um eine Biographie von Don Shirley, und die nachträglichen Einwände von Shirleys Familie halte ich daher für sinnlos. Natürlich ist anzunehmen, dass die Freundschaft der beiden ungleichen Männer im Film stark übertrieben wird (auch wenn es durchaus verbriefte Aussagen Shirleys in diese Richtung gibt). Aber es ist nun mal Hollywood-Praxis, eine solche "wahre" Geschichte in zwei Stunden auf einen unterhaltsamen Kern zu reduzieren. Und die Begegnung zwischen dem derben, ungebildeten Italoamerikaner mit Mafia-Verbindungen und dem mehrsprachigen, vielgereisten Feingeist bietet genug Potential für Sentiment, aber auch Überraschungen. Immer wieder kollidieren die Welten des Familienmenschen und die des einsamen Künstlers, und dabei lernen beide dazu.
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Schwerer als die Frage nach der Echtheit der Freundschaft wiegt schon der Vorwurf, dass der Film den alltäglichen Rassismus des Jahres 1962 verharmlost, oft verbunden mit Anfeindungen an den Regisseur, der bislang gemeinsam mit seinem Bruder Bobby Farrelly für meist überalberne Komödien bekannt ist (einsamer Glanzpunkt 1998: Verrückt nach Mary). Für mich wurden durchaus genug Repressalien gezeigt. Für meinen Geschmack hat Peter Farrelly genau den richtigen Ton für diesen Film getroffen, der weder Politthriller noch Anprangerung sein will, sondern nur eine kleine, warmherzige Geschichte erzählt, einen winzigen Mosaikstein im Porträt der 60er Jahre durch das Hollywood-Kino, welches sicher noch nicht abgeschlossen ist. Und er hat zwei glanzvolle Darsteller zu Oscar-Nominierungen geführt.
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Mahershala Ali, in Hidden Figures noch Eye Candy, müsste eigentlich ein großer Star sein. Er hat eine Ausstrahlung, die mich an James Stewart erinnert, aber aufgrund seiner Hautfarbe ist er bislang auf Nebenrollen beschränkt. Das könnte ihm in diesem Jahr immerhin (nach Moonlight) den zweiten Oscar einbringen. Nächste Woche wird er schon 45, aber vielleicht klappt's ja noch mit den Hauprollen. Und, ich widerspreche mir, eigentlich spielt er in Green Book die zweite Hauptrolle, und stärker als zuvor zeigt er, was in ihm steckt. Sein Porträt eines Genies zwischen allen Stühlen, weder in der schwarzen Kultur verwurzelt noch vom weißen Publikum als Mensch anerkannt, ist absolut erstaunlich. Seinen Gegenpart hatte ich im Trailer erst gar nicht erkannt. Viggo Mortensen hat sich für die Rolle des Bodyguards nicht nur zehn Kilo angefuttert, sondern ist auch sonst in Tonys Haut geschlüpft, in seinen Sprachrhythmen und der Körpersprache, ohne jemals in Richtung Karikatur zu geraten. Das wäre wohl einfach gewesen, denn Tony Lip war nach seiner Chauffeurskarriere als Schauspieler u.a. in den Sopranos zu sehen. Aber Viggo schafft eine ganz eigene Figur, gerade zu Beginn nicht gerade sympathisch, aber immer nachvollziehbar. Und dafür, dass er 2001 bereits einen 87jährigen gespielt hat, trumpft der 60jährige mit unerschöpflicher Energie auf und überzeugt nun als junger Familienvater. Ihm zur Seite steht die wunderbare Linda Cardellini (Hawkeyes Ehefrau) in einer kleinen, aber wichtigen Rolle, auch als Empfängerin von Tonys (historisch verbürgten) Liebesbriefen, die mit etwas Poesienachhilfe von Don entstanden.
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Es ist jetzt 30 Jahre her, dass Morgan Freeman die damals 80jährige Jessica Tandy zu ihrem Oscar-Gewinn chauffierte. Driving Miss Daisy ("Miss Daisy und ihr Chauffeur") war auch damals schon kein Meisterwerk, setzte aber ein Zeichen mit seinem Gewinn als Bester Film. In diesem Jahr sind die Voraussetzungen umgekehrt. Aber wieder gilt der Passagier als sicherer Oscar-Kandidat, und wieder würde ich diese Ehre eher dem Fahrer gönnen. Außerdem hoffe ich nicht, dass die Akademie in zwei Wochen diese Mücke einer Botschaft zum Elefanten des Besten Films macht. Das würde in meinen Augen das Verdienst dieses schönen Films eher schmälern, und wenn man schon um Proporz bemüht ist, sollte man den Hauptpreis eher an Black Panther vergeben. Viel wichtiger finde ich, dass mit Octavia Spencer eine schwarze Produzentin an Green Book beteiligt ist. Und übrigens: Ich hätte Peter Farrelly ja eine Nominierung als bester Regisseur gegönnt, aber viel erschrockener war ich, dass Urgestein Spike Lee in diesem Jahr zum ersten Mal in dieser Kategorie nominiert ist (vor drei Jahren wurde er bereits mit dem Ehrenoscar abgespeist, aber dazu voraussichtlich nächste Woche mehr). In einem Jahr ohne herausragenden Beitrag gilt der Golden-Globe-Gewinner immer noch als Top-Favorit für die Oscars. Bei mir kommt es wie die bisher gesichteten Konkurrenten über ein Sehr gut nicht hinaus (8/10).
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Samstag, 2. Februar 2019
Meins! The Favourite (8/10)
The Favourite ist merkwürdig vom Vor- bis zum Abspann, der zunächst von Elton Johns Skyline Pigeon (ärakonform nur mit Cembalobegleitung) und dann nur noch von Vogelgezwitscher untermalt ist. Das ist keine Überraschung für Kenner des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos, der vor seinem Ausflug nach Hollywood sein Publikum bereits mit etlichen selbsterdachten Arthouse-Hits verstört hatte. In Dogtooth (2009, 1/10) wurden da drei Teenager von ihren Eltern gefangengehalten und mit Sprachverwirrungen terrorisiert, in seinem ersten englischsprachigen Film The Lobster (2015, 4/10) nonkonforme Bürger in Tiere verwandelt. Aber diesmal ist alles anders! Vor allem wohl, weil das Drehbuch nicht vom Regisseur (und seinem regulären Co-Autor Efthymis Filippou) stammt, sondern auf einem aus historischen Gerüchten entstandenen Originaldrehbuch der bislang unbekannten Deborah Davis beruht, welches wohl vom TV-erfahrenen Tony McNamara "aufgefrischt" wurde. Die Kombination der vielschichtigen Vorlage mit der schrägen Inszenierung funktioniert bei diesem Oscar-Favoriten prächtig.
Großen Anteil daran hat allerdings auch das Darstellertrio. Nominell in der Hauptrolle (und dadurch auch Oscar-Favoritin) spielt Olivia Colman mit viel Mut zur Häßlichkeit (und zusätzlich angefutterten Pfunden) die schicksalsgeplagte Queen Anne, die England von 1702 bis 1714 regierte. Schon zeitgenössische Porträts zeichnen ein wenig schmeichelhaftes Bild der Matrone, deren 17 Kinder alle nicht überlebten, und die nach dem Tod des Ehemanns ihre letzten Jahre einsam und kränklich verbrachte. Das eröffnete das Spielfeld für die beiden historisch verbürgten Nebenbuhlerinnen um die Gunst der Königin. Früh etabliert war Annes Altersgenossin Sarah Churchill, Herzogin von Marlborough (Rachel Weisz), die lange die Geschicke des Landes steuerte, bis ihr schließlich ihre jüngere Cousine Abigail Hill (Emma Stone) den Einfluss streitig machte. Eigentlich ist es absurd, dass Emma Stone und Rachel Weisz nun als Nebendarstellerinnen ins Oscar-Rennen gehen, in dem allerdings Regina King (Beale Street) Favoritin ist. Es ist jedenfalls ein ungeheures Vergnügen, den drei Hofdamen beim Tanz zuzuschauen. Dagegen sind die Männer am Hofe Staffage, etwa Sarahs Ehemann und General ("Mycroft" Mark Gatiss), Oppositionsführer Harley (Nicholas Hoult), ganz zu schweigen von Abigails armseligem Gatten, zu dem mir jetzt weder Gesicht noch Name einfällt. Immerhin ist ihm eine der acht Kapitelüberschriften gewidmet: "Welch ein Outfit!"
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The Favorite ist natürlich ein Kostümfilm, mit herrlich überzogenen Gewändern, Perücken und Schminkmasken, und damit sind vor allem die Männer beschrieben. Offenbar versuchte der englische Hof die Dekadenz des feindlichen Sonnenkönigs Ludwig XIV. noch zu übertreffen. Dazu kommt die opulente Ausstattung der Schlafgemächer, Speisesäle und Besprchungsräume. Aber entgegen der Konvention schwelgt die Kamera nicht in der Bebilderung dieser Opulenz, sondern zeigt die formale Schönheit quasi aus der Sicht der kleinen Leute, der Bediensteten, für die das Schloss kaum Museumscharakter hatte, sondern sicher vor allem ein beängstigender Ort war, wo ein Blick in die falsche Richtung schnell den Zorn der Monarchin erwecken konnte (wenn sie gerade meinte, "wie ein Dachs" auszusehen). So gibt es durch extreme Weitwinkelaufnahmen fast keine geraden Linien, sondern man sieht buchstäblich Gewölbe, mit schier unendlichen Korridoren und zugigen Kaminzimmern. Genauso schräg ist die Musikuntermalung, die teilweise aus zeitgenössischen Stücken und teilweise aus atonalen Spannungsmomenten besteht, manchmal sogar geschickt übereinander gemischt. So entsteht formal so etwas wie ein "Anti-Kostümfilm".
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Obwohl die Figuren und der grobe geschichtliche Ablauf verbürgt sind, ist die Handlung von The Favourite reine Fantasie. Unter dieser Prämisse entstehen die besten Historienfilmen, denn sie können zwar eine vergangene Zeit heraufbeschwören, spiegeln aber notwendig unsere Gegenwart. Und was könnte aktueller sein als die Geschichte von Politikern, die das Wohl des Landes oder gar des Volkes zwar auf den Lippen, aber kaum im Herzen tragen? So werden Entscheidungen aufgrund des Wohlklangs der Argumente getroffen. Mit einem Feldzug ist es wie mit einer Party: Man sollte modegerecht zu spät kommen! Und das Volk soll ruhig hungern, denn nur mit einer Steuererhöhung kann der General ruhmreiche Schlachten schlagen! Der Mann mit der schönsten Perücke (gleichzeitig der geschickteste Intrigant) soll Premierminister werden! Ja, es gibt hier viel zu Lachen, aber manchmal bleibt die fette Mahlzeit einem doch im Halse stecken. Komischer Höhepunkt ist übrigens ein historisch zweifelhafter Balztanz der Herzogin, der die Königin vor Eifersucht fast tobsüchtig macht (aber Sarah hat so ihre Mittel, um die Herrscherin wieder zu beruhigen).
So bizarr die Vorgänge auch sind, so schräg das ganze abgefilmt ist, so kalt und berechnend die Handlungen der Hauptfiguren oft sind, so anrührend ist doch das Schicksal der drei Frauen in Szene gesetzt, selbst das von Abigail, eine Paraderolle für Emma Stone, die noch nie so scheußlich unsympathisch agieren durfte. Für mich jedenfalls hat der Widerspruch von bizarrem Spaß und feinem Pathos fabelhaft funktioniert. Sehr gut (8/10)!
Großen Anteil daran hat allerdings auch das Darstellertrio. Nominell in der Hauptrolle (und dadurch auch Oscar-Favoritin) spielt Olivia Colman mit viel Mut zur Häßlichkeit (und zusätzlich angefutterten Pfunden) die schicksalsgeplagte Queen Anne, die England von 1702 bis 1714 regierte. Schon zeitgenössische Porträts zeichnen ein wenig schmeichelhaftes Bild der Matrone, deren 17 Kinder alle nicht überlebten, und die nach dem Tod des Ehemanns ihre letzten Jahre einsam und kränklich verbrachte. Das eröffnete das Spielfeld für die beiden historisch verbürgten Nebenbuhlerinnen um die Gunst der Königin. Früh etabliert war Annes Altersgenossin Sarah Churchill, Herzogin von Marlborough (Rachel Weisz), die lange die Geschicke des Landes steuerte, bis ihr schließlich ihre jüngere Cousine Abigail Hill (Emma Stone) den Einfluss streitig machte. Eigentlich ist es absurd, dass Emma Stone und Rachel Weisz nun als Nebendarstellerinnen ins Oscar-Rennen gehen, in dem allerdings Regina King (Beale Street) Favoritin ist. Es ist jedenfalls ein ungeheures Vergnügen, den drei Hofdamen beim Tanz zuzuschauen. Dagegen sind die Männer am Hofe Staffage, etwa Sarahs Ehemann und General ("Mycroft" Mark Gatiss), Oppositionsführer Harley (Nicholas Hoult), ganz zu schweigen von Abigails armseligem Gatten, zu dem mir jetzt weder Gesicht noch Name einfällt. Immerhin ist ihm eine der acht Kapitelüberschriften gewidmet: "Welch ein Outfit!"
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The Favorite ist natürlich ein Kostümfilm, mit herrlich überzogenen Gewändern, Perücken und Schminkmasken, und damit sind vor allem die Männer beschrieben. Offenbar versuchte der englische Hof die Dekadenz des feindlichen Sonnenkönigs Ludwig XIV. noch zu übertreffen. Dazu kommt die opulente Ausstattung der Schlafgemächer, Speisesäle und Besprchungsräume. Aber entgegen der Konvention schwelgt die Kamera nicht in der Bebilderung dieser Opulenz, sondern zeigt die formale Schönheit quasi aus der Sicht der kleinen Leute, der Bediensteten, für die das Schloss kaum Museumscharakter hatte, sondern sicher vor allem ein beängstigender Ort war, wo ein Blick in die falsche Richtung schnell den Zorn der Monarchin erwecken konnte (wenn sie gerade meinte, "wie ein Dachs" auszusehen). So gibt es durch extreme Weitwinkelaufnahmen fast keine geraden Linien, sondern man sieht buchstäblich Gewölbe, mit schier unendlichen Korridoren und zugigen Kaminzimmern. Genauso schräg ist die Musikuntermalung, die teilweise aus zeitgenössischen Stücken und teilweise aus atonalen Spannungsmomenten besteht, manchmal sogar geschickt übereinander gemischt. So entsteht formal so etwas wie ein "Anti-Kostümfilm".
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Obwohl die Figuren und der grobe geschichtliche Ablauf verbürgt sind, ist die Handlung von The Favourite reine Fantasie. Unter dieser Prämisse entstehen die besten Historienfilmen, denn sie können zwar eine vergangene Zeit heraufbeschwören, spiegeln aber notwendig unsere Gegenwart. Und was könnte aktueller sein als die Geschichte von Politikern, die das Wohl des Landes oder gar des Volkes zwar auf den Lippen, aber kaum im Herzen tragen? So werden Entscheidungen aufgrund des Wohlklangs der Argumente getroffen. Mit einem Feldzug ist es wie mit einer Party: Man sollte modegerecht zu spät kommen! Und das Volk soll ruhig hungern, denn nur mit einer Steuererhöhung kann der General ruhmreiche Schlachten schlagen! Der Mann mit der schönsten Perücke (gleichzeitig der geschickteste Intrigant) soll Premierminister werden! Ja, es gibt hier viel zu Lachen, aber manchmal bleibt die fette Mahlzeit einem doch im Halse stecken. Komischer Höhepunkt ist übrigens ein historisch zweifelhafter Balztanz der Herzogin, der die Königin vor Eifersucht fast tobsüchtig macht (aber Sarah hat so ihre Mittel, um die Herrscherin wieder zu beruhigen).
So bizarr die Vorgänge auch sind, so schräg das ganze abgefilmt ist, so kalt und berechnend die Handlungen der Hauptfiguren oft sind, so anrührend ist doch das Schicksal der drei Frauen in Szene gesetzt, selbst das von Abigail, eine Paraderolle für Emma Stone, die noch nie so scheußlich unsympathisch agieren durfte. Für mich jedenfalls hat der Widerspruch von bizarrem Spaß und feinem Pathos fabelhaft funktioniert. Sehr gut (8/10)!
Samstag, 26. Januar 2019
Netflix-Blockbuster: Bird Box (8/10)
Bird Box ist ein Zombiefilm ohne Zombies, der die Stärken des Genres in höchst unterhaltsamer Weise variiert: die Angst vor den Nachbarn, der Belagerungszustand, Helden und Feiglinge, unkonventionelle Todesarten und die Flucht ins Unbekannte. Es ist aber kein Splatterfilm, auch wenn natürlich reichlich Blut fließt. Offiziell ab 16 freigegeben, ist es durchaus auch für jüngere Jugendliche geeignet, wenn sie nicht gerade in den USA leben (es wird geflucht, um Himmels willen!)
Das Konzept ist denkbar einfach und funktioniert im Film deshalb auch fabelhaft: Weltweit treten geheimnisvolle Phänomene auf, die Menschen bei Sichtkontakt direkt in den Wahnsinn und den Selbstmord treiben. Monster, die man nicht zu sehen bekommt, waren in der Filmgeschichte schon immer am effektivsten. Hier kündigen sie sich nur durch Lichterspiele, aufgewehte Blätter und das Kreischen von Vögeln an (daher die titelgebende Kiste). Nun kommen die aus der Werbung bekannten Augenbinden ins Spiel (Stevie Wonders Sonnenbrille war wohl nicht verfügbar). In der realen Welt hat dies Nachahmer via der "Bird Box Challenge" schon umgebracht - ich kann nur alle Dummköpfe auffordern, auch mal das Autofahren mit verbundenen Augen auszuprobieren! Aber bitte nur, wenn vernünftige Menschen schlafen...
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Den 2014 veröffentlichten Debutroman des Rocksängers Josh Malerman hat Eric Heisserer besser als zuletzt Arrival umgesetzt. Der Hauptteil des Abenteuers, die Ereignisse ab dem Auftreten der Phänomene, wird als Rückblende erzählt, ausgehend von einer atemberaubenden Bootsfahrt fünf Jahre später. Offenbar hat der Adapteur das Ende des Films etwas positiver als in der Vorlage gestaltet, was ich nur begrüßen kann. Deprimierende apokalyptische Alpträume gibt es schon genug. Den kleinen Aha-Moment zum Schluss hätte man übrigens durchaus vorher erraten können, wenn man denn Zeit zum Nachdenken bekommen hätte. Dazu ist die Geschichte aber einfach zu spannend erzählt. Die dänische Regisseurin Susanne Bier, deren Oscar-Gewinner von 2011, In einer besseren Welt, mir weitaus weniger gefallen hatte als die Vorgänger Zwischen Brüdern (2004, mit Hippolyta Connie Nielsen) und Nach der Hochzeit (2006, mit Mads Mikkelsen und Sidse Babett Knudsen), inszeniert diesmal geschickt und lässt ihr fabelhaftes Ensemble glänzen (auch wenn man keine große psychologische Tiefe erwarten sollte). Und das ist natürlich der Hauptgrund, warum dieser Horrorthriller funktioniert.
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Hauptdarstellerin Sandra Bullock wird im Juli 55 Jahre alt. Wenn man ihr zusieht, kann man es nicht so recht glauben. Sie spielt inzwischen nicht mehr das nette Mädchen von nebenan, sondern starke Frauen, ist aber immer noch höllisch attraktiv (auch ohne viel Makeup). Und wenn Cary Grant mit 60 noch 30jährige becircen durfte, muss es wohl möglich sein, Sandy als werdende Mutter zu besetzen! Sie ist immer noch einer der Stars mit der größten Leinwandpräsenz und zieht Millionen Zuschauer an. Die zehn Jahre jüngere Sarah Paulsen sieht dagegen alt aus, ist als Sandys Schwester (in einer kleinen Rolle) aber überzeugend besetzt. In einer zweiten Hauptrolle glänzt der junge Moonlight-Star Trevante Rhodes (er war schon der ältere Black, jung nur im Vergleich zu seiner Leading Lady). Dann agieren da John Malkovitch (der zwar nur seine bekannte Persona variiert, aber trotzdem immer sehenswert ist), die pfiffige Jacki Weaver (Silver Linings Playbook), die quirlige Rosa Salazar (die demnächst als Alita zu sehen sein wird), der spinnerte Tom Hollander (der sich jüngst gefühlt in jeden dritten Film mogelt), die warmherzige Parminder Nagra (die Hauptdarstellerin aus Bend it like Beckham hat anders als ihr Co-Star Keira Knightley zwar eine solide, aber doch etwas enttäuschende Karriere) und, stets willkommen, Pruitt Taylor Vince (Die Legende vom Ozeanpianisten) in einer leider selten gewordenen sympathischen Rolle.
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Bird Box ist nach Bright der zweite Netflix-Blockbuster. Es ist nicht ganz einfach, Streaming mit Kino zu vergleichen, aber die veröffentlichten Zahlen scheinen plausibel. Netflix hat inzwischen ca. 140 Millionen Nutzer weltweit. Bright hatte in den ersten drei Tagen bereits 11 Millionen Zuschauer, Bird Box binnen zwei Wochen schon 45 Millionen Abrufe (was deutlich mehr Zuschauer bedeutet). In Kinoumsätzen ausgedrückt würde ich das mal locker mit 500 Millionen Dollar gleichsetzen. Die Zukunft des Kinos ist angekommen! Netflix ist gerade der MPAA beigetreten (nicht der Monty-Python-Zweig der Anonymen Alkoholiker, sondern der einflussreiche amerikanische Filmverband) und platziert sich auf Augenhöhe mit den sechs anderen Mitgliedern: Paramount, Warner, Fox, Universal, Columbia, Walt Disney. Hier kehrt sich ein 70 Jahre alter Paradigmenwechsel um. 1948 entschied der Supreme Court der USA, dass die Produktion und Verbereitung von Kinofilmen nicht in gleicher Hand liegen dürfe, und zerschlug das Kartell der Studios, die gleichzeitig auch die großen Kinoketten besaßen. Jetzt haben die Studios mittels Streaming wieder die Möglichkeit, die komplette Produktkette zu beherrschen. Und diesmal wird kein Gericht diese globale Entwicklung stoppen können...
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Bird Box wird gern mit dem Überraschungshit des letzten Jahres, A Quiet Place, verglichen. Gemeinsam haben die beiden Horrorthriller aber nur, dass sie auf einem einfachen Konzept beruhen (na ja, und dass es eine Geburt gibt, Opfertode, etc.) Bird Box ist keinesfalls eine Kopie, schließlich erschien der Roman vor dem Drehbuch des Krasinski-Projekts. Darüber hinaus fand ich A Quiet Place viel weniger plausibel (es geht hier nur um innere Logik, es ist ja Horror und keine SF), und es begang den Fehler, seine Monster zu zeigen (merkwürdige, spinnenartige Aliens, die auf leisteste Geräusche reagieren, menschliches Atmen jedoch nicht hören können). Im Endeffekt ist es eine Frage des Geschmacks, und Bird Box hat mich einfach viel mehr begeistert. Das erste Geschenk des jungen Kinojahrs: Sehr gut (8/10).
Übrigens eine Bitte an Netflix: Wenn schon Kino, dann will ich auch die Option haben, den Abspann bis zum Ende zu sehen! Momentan muss man da schon sehr schnell und kontraintuitiv reagieren, um nicht stattdessen plötzlich den Trailer für den nächsten Film auf dem Schirm zu haben!
Das Konzept ist denkbar einfach und funktioniert im Film deshalb auch fabelhaft: Weltweit treten geheimnisvolle Phänomene auf, die Menschen bei Sichtkontakt direkt in den Wahnsinn und den Selbstmord treiben. Monster, die man nicht zu sehen bekommt, waren in der Filmgeschichte schon immer am effektivsten. Hier kündigen sie sich nur durch Lichterspiele, aufgewehte Blätter und das Kreischen von Vögeln an (daher die titelgebende Kiste). Nun kommen die aus der Werbung bekannten Augenbinden ins Spiel (Stevie Wonders Sonnenbrille war wohl nicht verfügbar). In der realen Welt hat dies Nachahmer via der "Bird Box Challenge" schon umgebracht - ich kann nur alle Dummköpfe auffordern, auch mal das Autofahren mit verbundenen Augen auszuprobieren! Aber bitte nur, wenn vernünftige Menschen schlafen...
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Den 2014 veröffentlichten Debutroman des Rocksängers Josh Malerman hat Eric Heisserer besser als zuletzt Arrival umgesetzt. Der Hauptteil des Abenteuers, die Ereignisse ab dem Auftreten der Phänomene, wird als Rückblende erzählt, ausgehend von einer atemberaubenden Bootsfahrt fünf Jahre später. Offenbar hat der Adapteur das Ende des Films etwas positiver als in der Vorlage gestaltet, was ich nur begrüßen kann. Deprimierende apokalyptische Alpträume gibt es schon genug. Den kleinen Aha-Moment zum Schluss hätte man übrigens durchaus vorher erraten können, wenn man denn Zeit zum Nachdenken bekommen hätte. Dazu ist die Geschichte aber einfach zu spannend erzählt. Die dänische Regisseurin Susanne Bier, deren Oscar-Gewinner von 2011, In einer besseren Welt, mir weitaus weniger gefallen hatte als die Vorgänger Zwischen Brüdern (2004, mit Hippolyta Connie Nielsen) und Nach der Hochzeit (2006, mit Mads Mikkelsen und Sidse Babett Knudsen), inszeniert diesmal geschickt und lässt ihr fabelhaftes Ensemble glänzen (auch wenn man keine große psychologische Tiefe erwarten sollte). Und das ist natürlich der Hauptgrund, warum dieser Horrorthriller funktioniert.
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Hauptdarstellerin Sandra Bullock wird im Juli 55 Jahre alt. Wenn man ihr zusieht, kann man es nicht so recht glauben. Sie spielt inzwischen nicht mehr das nette Mädchen von nebenan, sondern starke Frauen, ist aber immer noch höllisch attraktiv (auch ohne viel Makeup). Und wenn Cary Grant mit 60 noch 30jährige becircen durfte, muss es wohl möglich sein, Sandy als werdende Mutter zu besetzen! Sie ist immer noch einer der Stars mit der größten Leinwandpräsenz und zieht Millionen Zuschauer an. Die zehn Jahre jüngere Sarah Paulsen sieht dagegen alt aus, ist als Sandys Schwester (in einer kleinen Rolle) aber überzeugend besetzt. In einer zweiten Hauptrolle glänzt der junge Moonlight-Star Trevante Rhodes (er war schon der ältere Black, jung nur im Vergleich zu seiner Leading Lady). Dann agieren da John Malkovitch (der zwar nur seine bekannte Persona variiert, aber trotzdem immer sehenswert ist), die pfiffige Jacki Weaver (Silver Linings Playbook), die quirlige Rosa Salazar (die demnächst als Alita zu sehen sein wird), der spinnerte Tom Hollander (der sich jüngst gefühlt in jeden dritten Film mogelt), die warmherzige Parminder Nagra (die Hauptdarstellerin aus Bend it like Beckham hat anders als ihr Co-Star Keira Knightley zwar eine solide, aber doch etwas enttäuschende Karriere) und, stets willkommen, Pruitt Taylor Vince (Die Legende vom Ozeanpianisten) in einer leider selten gewordenen sympathischen Rolle.
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Bird Box ist nach Bright der zweite Netflix-Blockbuster. Es ist nicht ganz einfach, Streaming mit Kino zu vergleichen, aber die veröffentlichten Zahlen scheinen plausibel. Netflix hat inzwischen ca. 140 Millionen Nutzer weltweit. Bright hatte in den ersten drei Tagen bereits 11 Millionen Zuschauer, Bird Box binnen zwei Wochen schon 45 Millionen Abrufe (was deutlich mehr Zuschauer bedeutet). In Kinoumsätzen ausgedrückt würde ich das mal locker mit 500 Millionen Dollar gleichsetzen. Die Zukunft des Kinos ist angekommen! Netflix ist gerade der MPAA beigetreten (nicht der Monty-Python-Zweig der Anonymen Alkoholiker, sondern der einflussreiche amerikanische Filmverband) und platziert sich auf Augenhöhe mit den sechs anderen Mitgliedern: Paramount, Warner, Fox, Universal, Columbia, Walt Disney. Hier kehrt sich ein 70 Jahre alter Paradigmenwechsel um. 1948 entschied der Supreme Court der USA, dass die Produktion und Verbereitung von Kinofilmen nicht in gleicher Hand liegen dürfe, und zerschlug das Kartell der Studios, die gleichzeitig auch die großen Kinoketten besaßen. Jetzt haben die Studios mittels Streaming wieder die Möglichkeit, die komplette Produktkette zu beherrschen. Und diesmal wird kein Gericht diese globale Entwicklung stoppen können...
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Bird Box wird gern mit dem Überraschungshit des letzten Jahres, A Quiet Place, verglichen. Gemeinsam haben die beiden Horrorthriller aber nur, dass sie auf einem einfachen Konzept beruhen (na ja, und dass es eine Geburt gibt, Opfertode, etc.) Bird Box ist keinesfalls eine Kopie, schließlich erschien der Roman vor dem Drehbuch des Krasinski-Projekts. Darüber hinaus fand ich A Quiet Place viel weniger plausibel (es geht hier nur um innere Logik, es ist ja Horror und keine SF), und es begang den Fehler, seine Monster zu zeigen (merkwürdige, spinnenartige Aliens, die auf leisteste Geräusche reagieren, menschliches Atmen jedoch nicht hören können). Im Endeffekt ist es eine Frage des Geschmacks, und Bird Box hat mich einfach viel mehr begeistert. Das erste Geschenk des jungen Kinojahrs: Sehr gut (8/10).
Übrigens eine Bitte an Netflix: Wenn schon Kino, dann will ich auch die Option haben, den Abspann bis zum Ende zu sehen! Momentan muss man da schon sehr schnell und kontraintuitiv reagieren, um nicht stattdessen plötzlich den Trailer für den nächsten Film auf dem Schirm zu haben!
Samstag, 19. Januar 2019
Farb- und leblos: Roma (3/10)
Es ist schon ein Kreuz mit den Netflix-Filmen. Abgesehen vom gelungenen Fantasy-Abenteuer Bright hat mich noch kein Langfilm des Streamingvorreiters so recht überzeugen können (mein nächster Versuch wird Publikumsliebling Bird Box mit Sandra Bullock sein). Aber nun pumpt das junge Studio, das neuerdings Milliarden in Eigenproduktionen investiert, Millionen in die Oscar-Kampagne für das neue, bereits bei den Golden Globes preisgekrönte "Meisterwerk" Roma des zweifachen Oscar-Preisträgers Alfonso Cuarón (für Regie und Schnitt von Gravity). Das American Film Institute (AFI) fühlte sich sogar berufen, einen Special Award zu vergeben, da Mexiko ja nicht zum Homeland gehört und bald auch noch hinter einer Mauer verschwinden wird. Wenn von Kritikerseite überhaupt etwas negatives zu vermerken war, dann über die Veröffentlichungspolitik: Nach einer Woche in ausgewählten Arthouse-Kinos lief das Werk direkt bei Netflix, also "im Fernsehen". Meine Vermutung ist allerdings, dass die Zuschauer im Kino genauso eingeschlafen wären wie zu Hause im Fernsehsessel.
Es ist weniger so, dass der Kaiser keine Kleider anhat, als dass die Kleider keinen Kaiser enthalten. Es sind in der Tat exquisite Bilder, die Cuarón als sein eigener Kameramann komponiert hat. Die Schwarzweissbilder im Widescreen-Format von 2.35 : 1 (was auf einem 16:9-Fernseher mit schwarzen Balken oben und unten maskiert wird) sind ungeheuer detailliert und kontrastreich, die Kamerafahrten elegant, die Nahaufnahmen scharf bis in die Poren. Ein Großteil des Budgets von angeblich 15 Millionen Dollar ist offenbar in die authentische Ausstattung und CGI-Nachbildung des "historischen" Nobelviertels Roma in Mexico City geflossen (die Geschichte spielt Anfang der 70er). Von den Nippes auf den Kaminsimsen bis zur Ford-Galaxy-Limousine, den Wäscheleinen auf dem Dach bis zu den Fliesen im Eingangsbereich stimmt alles. Es ist, als ob man durch ein Fotoalbum der Familie Cuarón blättert, oder einem nostalgischen Diavortrag über Alfonsos Jugend beiwohnt. Aber für mich (und das liegt sicher im Auge des Betrachters) entwickeln sich daraus keine Geschichte, keine Spannung, keine große Sympathie für die Figuren. Alles ist gleichförmig schön und leblos. Das ist mehr ein gut zweistündiger Aufenthalt beim Kunsthandwerker als ein Museumsbesuch. Das beginnt gleich mit der Titelsequenz. Für eine lange Zeit sieht man nur Putzwasser auf den Fliesen der Einfahrt (und auch das erschließt sich erst nach und nach), aber selbst die geringe Spannung, die sich aufbaut, verpufft dann, wenn man aus mittlerer Entfernung schließlich das Putzmädchen mit Wischmop entdeckt. Und übrigens: Der extrem direktionale Dolby-Atmos-Surroundsound hat mich hier eher irritiert, insbesondere bei Perspektivenwechseln, wenn die Dialoge plötzlich von vorn nach rechts hinten wandern. Und die Untertitel (es wird natürlich spanisch und mixtekisch gesprochen) hätte man durchaus ausserhalb des Bildbereichs platzieren können.
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Cuarón behauptet, Roma bestehe zu 90% aus seinen Erinnerungen. Es ist aber aus der Sicht des mixtekischen (darf man das so schreiben?) Dienstmädchens Cleo erzählt (deren Vorbild Libo ist der Film gewidmet). Wie gut kann sich der Sohn wohlsituierter Eltern wohl in dieses einfache Mädchen vom Land hineinversetzen, das zwar fast wie ein Familienmitglied behandelt wird, aber doch von der Willkür der Herrschaften abhängig ist? Einen genauen Eindruck davon, wie genau die Familie zu ihr steht, konnte ich übrigens lange nicht gewinnen. Klar, die Kinder lieben ihre Cleo, aber die Mutter Doña Sofia etwa erlebt man lange nur am Rande, und da kommt sie neurotisch und herrisch rüber (was auch durch die Besetzung mit der streng wirkenden Marina de Tavira unterstrichen wird). Umso größer die Überraschung, als sie nach einer Krise plötzlich Wärme und Mitgefühl für Cleo zeigt. Mir scheint das eine unzulässige nostalgische Verklärung, die mit den Realitäten wenig zu tun haben kann. Hinzu kommt, dass die Laiendarstellerin Yalitza Aparicio als Cleo zwar sympathisch rüberkommt und durchaus natürlich agiert, aber mangels Erfahrung ihrem Innenleben selten Ausdruck geben kann. So wirkt ihre Figur oft nur dumm und naiv. Auch eine Krise gegen Ende, aus der sie als kleine Heldin hervorgeht (und die für sie eine Katharsis bedeutet) kann diese Banalität nicht wieder gut machen (aber oft sind es ja die letzten Szenen, die die nachträgliche Beurteilung der Kinogänger am meisten beeinflussen). Mir sind nur wenige gute Momente im Gedächtnis geblieben. Allein die Einparkversuche mit der Limousine in der viel zu schmalen Einfahrt haben mich zum Schmunzeln gebracht (nicht verstanden habe ich allerdings, warum die Hundeköttel von den Dienstmädchen nicht sofort entsorgt wurden).
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Es gibt ja Künstler, die werfen einen blauen Farbklecks an die Wand und bringen dann die Kunstkritiker dazu, diesen als die seit Deep Thought beste Antwort auf das Leben, das Universum und überhaupt alles zu interpretieren. In den für mich nicht enden wollenden 135 Minuten von Roma finden Kinokritiker offenbar genug ähnliche Bedeutungsschwere und Symbolik, um tausende von Kolumnen mit ihren Ergüssen zu füllen. Guillermo Del Toro zählt das Werk seines Landsmanns nun zu seinen fünf Lieblingsfilmen. Vielleicht erkennt er seine eigene Kindheit darin, wer weiss. Ich bin kein großer Fellini-Fan (abgesehen von seinem herzergreifenden Oscar-Gewinner La Strada), aber selbst dessen konfus-autobiographischer Namensvetter Roma hat mir mehr zugesagt, ganz zu schweigen von anderen Vorbildern wie Fellinis vergnüglichem internationalen Durchbruch Die Müßiggänger oder gar Buñuels Meisterwerk Die Vergessenen (Los Olvidados). Nun ja, das mexikanische Triumvirat aus Iñárritu, Del Toro und Cuarón hat vier der fünf jüngsten Regie-Oscars eingesackt, und der nächste erscheint zumindest möglich (wenn die Akademie sich nicht wegen der Netflix-Connection sträubt). Von Cuarón liebe ich eigentlich nur Gravity, bis dahin hatten mich sowohl seine Arthouse-Hits (2000: Y tu mamá tambien) als auch seine Hollywood-Beiträge (1998: Great Expectations, mit Gwyneth Paltrow) ziemlich kalt gelassen. Leider ist auch sein jüngster Oscar-Favorit nichts für mich. Mäßig interessant (3/10).
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Es ist weniger so, dass der Kaiser keine Kleider anhat, als dass die Kleider keinen Kaiser enthalten. Es sind in der Tat exquisite Bilder, die Cuarón als sein eigener Kameramann komponiert hat. Die Schwarzweissbilder im Widescreen-Format von 2.35 : 1 (was auf einem 16:9-Fernseher mit schwarzen Balken oben und unten maskiert wird) sind ungeheuer detailliert und kontrastreich, die Kamerafahrten elegant, die Nahaufnahmen scharf bis in die Poren. Ein Großteil des Budgets von angeblich 15 Millionen Dollar ist offenbar in die authentische Ausstattung und CGI-Nachbildung des "historischen" Nobelviertels Roma in Mexico City geflossen (die Geschichte spielt Anfang der 70er). Von den Nippes auf den Kaminsimsen bis zur Ford-Galaxy-Limousine, den Wäscheleinen auf dem Dach bis zu den Fliesen im Eingangsbereich stimmt alles. Es ist, als ob man durch ein Fotoalbum der Familie Cuarón blättert, oder einem nostalgischen Diavortrag über Alfonsos Jugend beiwohnt. Aber für mich (und das liegt sicher im Auge des Betrachters) entwickeln sich daraus keine Geschichte, keine Spannung, keine große Sympathie für die Figuren. Alles ist gleichförmig schön und leblos. Das ist mehr ein gut zweistündiger Aufenthalt beim Kunsthandwerker als ein Museumsbesuch. Das beginnt gleich mit der Titelsequenz. Für eine lange Zeit sieht man nur Putzwasser auf den Fliesen der Einfahrt (und auch das erschließt sich erst nach und nach), aber selbst die geringe Spannung, die sich aufbaut, verpufft dann, wenn man aus mittlerer Entfernung schließlich das Putzmädchen mit Wischmop entdeckt. Und übrigens: Der extrem direktionale Dolby-Atmos-Surroundsound hat mich hier eher irritiert, insbesondere bei Perspektivenwechseln, wenn die Dialoge plötzlich von vorn nach rechts hinten wandern. Und die Untertitel (es wird natürlich spanisch und mixtekisch gesprochen) hätte man durchaus ausserhalb des Bildbereichs platzieren können.
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Cuarón behauptet, Roma bestehe zu 90% aus seinen Erinnerungen. Es ist aber aus der Sicht des mixtekischen (darf man das so schreiben?) Dienstmädchens Cleo erzählt (deren Vorbild Libo ist der Film gewidmet). Wie gut kann sich der Sohn wohlsituierter Eltern wohl in dieses einfache Mädchen vom Land hineinversetzen, das zwar fast wie ein Familienmitglied behandelt wird, aber doch von der Willkür der Herrschaften abhängig ist? Einen genauen Eindruck davon, wie genau die Familie zu ihr steht, konnte ich übrigens lange nicht gewinnen. Klar, die Kinder lieben ihre Cleo, aber die Mutter Doña Sofia etwa erlebt man lange nur am Rande, und da kommt sie neurotisch und herrisch rüber (was auch durch die Besetzung mit der streng wirkenden Marina de Tavira unterstrichen wird). Umso größer die Überraschung, als sie nach einer Krise plötzlich Wärme und Mitgefühl für Cleo zeigt. Mir scheint das eine unzulässige nostalgische Verklärung, die mit den Realitäten wenig zu tun haben kann. Hinzu kommt, dass die Laiendarstellerin Yalitza Aparicio als Cleo zwar sympathisch rüberkommt und durchaus natürlich agiert, aber mangels Erfahrung ihrem Innenleben selten Ausdruck geben kann. So wirkt ihre Figur oft nur dumm und naiv. Auch eine Krise gegen Ende, aus der sie als kleine Heldin hervorgeht (und die für sie eine Katharsis bedeutet) kann diese Banalität nicht wieder gut machen (aber oft sind es ja die letzten Szenen, die die nachträgliche Beurteilung der Kinogänger am meisten beeinflussen). Mir sind nur wenige gute Momente im Gedächtnis geblieben. Allein die Einparkversuche mit der Limousine in der viel zu schmalen Einfahrt haben mich zum Schmunzeln gebracht (nicht verstanden habe ich allerdings, warum die Hundeköttel von den Dienstmädchen nicht sofort entsorgt wurden).
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Es gibt ja Künstler, die werfen einen blauen Farbklecks an die Wand und bringen dann die Kunstkritiker dazu, diesen als die seit Deep Thought beste Antwort auf das Leben, das Universum und überhaupt alles zu interpretieren. In den für mich nicht enden wollenden 135 Minuten von Roma finden Kinokritiker offenbar genug ähnliche Bedeutungsschwere und Symbolik, um tausende von Kolumnen mit ihren Ergüssen zu füllen. Guillermo Del Toro zählt das Werk seines Landsmanns nun zu seinen fünf Lieblingsfilmen. Vielleicht erkennt er seine eigene Kindheit darin, wer weiss. Ich bin kein großer Fellini-Fan (abgesehen von seinem herzergreifenden Oscar-Gewinner La Strada), aber selbst dessen konfus-autobiographischer Namensvetter Roma hat mir mehr zugesagt, ganz zu schweigen von anderen Vorbildern wie Fellinis vergnüglichem internationalen Durchbruch Die Müßiggänger oder gar Buñuels Meisterwerk Die Vergessenen (Los Olvidados). Nun ja, das mexikanische Triumvirat aus Iñárritu, Del Toro und Cuarón hat vier der fünf jüngsten Regie-Oscars eingesackt, und der nächste erscheint zumindest möglich (wenn die Akademie sich nicht wegen der Netflix-Connection sträubt). Von Cuarón liebe ich eigentlich nur Gravity, bis dahin hatten mich sowohl seine Arthouse-Hits (2000: Y tu mamá tambien) als auch seine Hollywood-Beiträge (1998: Great Expectations, mit Gwyneth Paltrow) ziemlich kalt gelassen. Leider ist auch sein jüngster Oscar-Favorit nichts für mich. Mäßig interessant (3/10).
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Sonntag, 6. Januar 2019
Tribut an Freddie: Bohemian Rhapsody (5/10)
Den Erfolg von Tribute Bands habe ich noch nie verstanden. Was hat man davon, einer Beatles-Kopie dabei zuzusehen, die Originalhits Note für Note nachzududeln - mit Bonus, falls der Bassist linkshändig spielt? Vor allem, wenn es guterhaltene Konzertaufnahmen gibt - zugegeben, die sind bei den Beatles etwas rar. Das war aber keine Entschuldigung für Brian May und Roger Taylor, nach Freddie Mercurys Tod mit Adam Lambert ihre eigene Queen-Tribute-Band zu starten. John Deacon hielt sich klugerweise aus der Sache heraus, wie auch aus dem problemgeplagten Biopic Bohemian Rhapsody, das leider weder Rock noch Pop geworden, sondern eher zum Schlager geraten ist. Das Originellste an diesem Biopic ist noch die Neuaufnahme der Fox-Fanfare durch Brian May und Roger Taylor (à la God Save the Queen). Aber wen kümmert's bei einer halben Milliarde Umsatz weltweit und gut zwei Millionen Zuschauern allein in Deutschland?
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Das Projekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Nach viel Hin und Her bezüglich der Besetzung ("Borat" Sacha Baron Cohen wollte die Hauptrolle übernehmen, was am Veto von Brian May scheiterte) wurde schließlich ein Drehbuch von Anthony McCarten (Die dunkelste Stunde) und Peter Morgan (The Queen) angefertigt, beide eher als Autoren braver Historienepen bekannt. Und Regisseur Bryan Singer hatte am Anfang vielleicht eine Vision (von ihm hätte ich erwartet, dass Mercurys Sexualität besser thematisiert worden wäre), diese ist aber offenbar seinen psychischen Problemen zum Opfer gefallen (nachdem schon mehrfach der Kamerachef Thomas Sigel einspringen musste, wurde der Film schließlich von Dexter Fletcher fertiggestellt). So konnten mich gerade die dramatischen Szenen nicht überzeugen, und bei Rami Malek hatte ich schon ab und zu das Gefühl, er spiele gegen seine Zahnprothese an.
Bohemian Rhapsody zeigt fast willkürlich ausgewählte Episoden und wird so weder dem Menschen Freddie Mercury noch der Band Queen gerecht. Und von diesen Episoden sind gefühlt die Hälfte auch noch erfunden, um nicht zu sagen: erlogen. Das beginnt mit Kleinigkeiten: Wir sind erst bei 1975 angekommen, und die Band spielt "Fat Bottomed Girls" von 1978. Oder, gravierender: Der Name des Albums "A Night at the Opera" wird dem Studioboss erklärt mit dem "opernhaften Sound". Tatsächlich rührt er natürlich vom gleichnamigen Film der Marx Brothers her; nicht zufällig hieß Queens nächstes Album "A Day at the Races" (wegen des rasanten Sounds?) Laut IMDB freundeten die Jungs sich deshalb sogar mit Groucho Marx an, der ja erst 1977 starb. Und die wichtigsten Ereignisse (u.a. Freddies Coming Out, AIDS-Diagnose) werden chronologisch durcheinandergewirbelt und in ein dramatisches Korsett gezwängt. Auch hier würde ich weniger von dramatischer Freiheit als von Geschichtsfälschung sprechen. Die "Trennung" von Queen und Freddies Solovertrag werden aufgebauscht und müssen als Kernkonflikt herhalten. Allerdings ergibt sich daraus eine der schönsten Sequenzen des Films, nämlich die "Versöhnung" beim Manager. Wer Freddies mäßiges Soloalbum kennt, wird hier nur zustimmen können, wenn der Sänger zugibt, dass seine beste Arbeit nur mit Brian, John und Roger gemeinsam entstehen konnte. Dazu gehören die Szenen im Studio zu den besten des Films, davon hätte ich gern mehr gesehen. Die Bandkollegen sind mit Gwilym Lee (May), Ben Hardy (Taylor) und Joseph Mazzello ("Tim" aus Jurassic Park als "Deaky") übrigens überzeugend besetzt.
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Die Single Bohemian Rhapsody landet regelmäßig auf den vorderen Plätzen der besten Songs aller Zeiten. Er bietet eine perfekte Mischung aus Progressive Rock und Pop, hat einen spannenden Aufbau, geheimnisvollen Text, ins Ohr gehende Melodien, mitreißende Rhythmik und natürlich brillante Gesangs- und Instrumentalparts. Mit A Night at the Opera meldeten Queen sich als legitime Nachfolger der Beatles an. In seiner Vielfalt und Experimentierfreude, in der vielschichtigen Produktion und der musikalischen Substanz erinnert es tatsächlich an das Weisse Album, dessen Brillanz es natürlich nicht erreichen kann (trotzdem gehört es zu meinen zehn Lieblingsalben). Mit den Beatles gemeinsam hatte Queen auch, dass sich hier vier Kreative auf Augenhöhe gefunden hatten, wobei Mercurys exaltierter Gesang und Mays Gitarrenzauber doch oft im Vordergrund standen, die beiden steuerten auch die meisten Kompositionen bei. Dabei kann man John Deacon ein wenig mit George Harrison vergleichen. Er schrieb nicht viele Songs für die Gruppe, aber die hatten es in sich. Auf A Night at the Opera war das die zweite Single You're My Best Friend.
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Für einen Film, der "Bohemian Rhapsody" heißt, kommt das gleichnamige Lied merkwürdig schlecht weg. Der Film zeigt die Entstehung und den Kampf um die Single-Veröffentlichung des Sechsminutentitels (die Studiobosse wurden mithilfe von DJ Kenny Everett listig übertölpelt). Den Rest muss man sich denken - geht der Film davon aus, dass die Zuschauer das bereits wissen? Selbst wenn das auf viele zutrifft, ist das unzulässig. Die Single stand in England neun Wochen auf Nummer Eins (und ist laut Wikipedia immer noch die drittmeistverkaufte Single dort). Diese Diskrepanz ist für mich ein weiteres Indiz für das Chaos bei Dreh und Schnitt.
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Der Erfolg des Films beruht also wohl auf den perfekt nachgestellten Konzertszenen, ist also eher ein Tribut als eine Biographie. Das hat für mich aber wenig künstlerischen Wert. So leid es mir um Rami Malek und Komparsen tut, kann ich doch nur empfehlen, statt dieses Films ein Originalkonzert anzuschauen. Da gibt es etwa auf Blu-ray perfekt festgehalten einen technisch großartigen Mitschnitt von 1981, mit dem Live-Aid-Auftritt als Bonus: Rock Montreal. Für Bohemian Rhapsody selbst kann ich mich gerade noch zu einem Annehmbar durchringen (5/10).
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Das Projekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Nach viel Hin und Her bezüglich der Besetzung ("Borat" Sacha Baron Cohen wollte die Hauptrolle übernehmen, was am Veto von Brian May scheiterte) wurde schließlich ein Drehbuch von Anthony McCarten (Die dunkelste Stunde) und Peter Morgan (The Queen) angefertigt, beide eher als Autoren braver Historienepen bekannt. Und Regisseur Bryan Singer hatte am Anfang vielleicht eine Vision (von ihm hätte ich erwartet, dass Mercurys Sexualität besser thematisiert worden wäre), diese ist aber offenbar seinen psychischen Problemen zum Opfer gefallen (nachdem schon mehrfach der Kamerachef Thomas Sigel einspringen musste, wurde der Film schließlich von Dexter Fletcher fertiggestellt). So konnten mich gerade die dramatischen Szenen nicht überzeugen, und bei Rami Malek hatte ich schon ab und zu das Gefühl, er spiele gegen seine Zahnprothese an.
Bohemian Rhapsody zeigt fast willkürlich ausgewählte Episoden und wird so weder dem Menschen Freddie Mercury noch der Band Queen gerecht. Und von diesen Episoden sind gefühlt die Hälfte auch noch erfunden, um nicht zu sagen: erlogen. Das beginnt mit Kleinigkeiten: Wir sind erst bei 1975 angekommen, und die Band spielt "Fat Bottomed Girls" von 1978. Oder, gravierender: Der Name des Albums "A Night at the Opera" wird dem Studioboss erklärt mit dem "opernhaften Sound". Tatsächlich rührt er natürlich vom gleichnamigen Film der Marx Brothers her; nicht zufällig hieß Queens nächstes Album "A Day at the Races" (wegen des rasanten Sounds?) Laut IMDB freundeten die Jungs sich deshalb sogar mit Groucho Marx an, der ja erst 1977 starb. Und die wichtigsten Ereignisse (u.a. Freddies Coming Out, AIDS-Diagnose) werden chronologisch durcheinandergewirbelt und in ein dramatisches Korsett gezwängt. Auch hier würde ich weniger von dramatischer Freiheit als von Geschichtsfälschung sprechen. Die "Trennung" von Queen und Freddies Solovertrag werden aufgebauscht und müssen als Kernkonflikt herhalten. Allerdings ergibt sich daraus eine der schönsten Sequenzen des Films, nämlich die "Versöhnung" beim Manager. Wer Freddies mäßiges Soloalbum kennt, wird hier nur zustimmen können, wenn der Sänger zugibt, dass seine beste Arbeit nur mit Brian, John und Roger gemeinsam entstehen konnte. Dazu gehören die Szenen im Studio zu den besten des Films, davon hätte ich gern mehr gesehen. Die Bandkollegen sind mit Gwilym Lee (May), Ben Hardy (Taylor) und Joseph Mazzello ("Tim" aus Jurassic Park als "Deaky") übrigens überzeugend besetzt.
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Die Single Bohemian Rhapsody landet regelmäßig auf den vorderen Plätzen der besten Songs aller Zeiten. Er bietet eine perfekte Mischung aus Progressive Rock und Pop, hat einen spannenden Aufbau, geheimnisvollen Text, ins Ohr gehende Melodien, mitreißende Rhythmik und natürlich brillante Gesangs- und Instrumentalparts. Mit A Night at the Opera meldeten Queen sich als legitime Nachfolger der Beatles an. In seiner Vielfalt und Experimentierfreude, in der vielschichtigen Produktion und der musikalischen Substanz erinnert es tatsächlich an das Weisse Album, dessen Brillanz es natürlich nicht erreichen kann (trotzdem gehört es zu meinen zehn Lieblingsalben). Mit den Beatles gemeinsam hatte Queen auch, dass sich hier vier Kreative auf Augenhöhe gefunden hatten, wobei Mercurys exaltierter Gesang und Mays Gitarrenzauber doch oft im Vordergrund standen, die beiden steuerten auch die meisten Kompositionen bei. Dabei kann man John Deacon ein wenig mit George Harrison vergleichen. Er schrieb nicht viele Songs für die Gruppe, aber die hatten es in sich. Auf A Night at the Opera war das die zweite Single You're My Best Friend.
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Für einen Film, der "Bohemian Rhapsody" heißt, kommt das gleichnamige Lied merkwürdig schlecht weg. Der Film zeigt die Entstehung und den Kampf um die Single-Veröffentlichung des Sechsminutentitels (die Studiobosse wurden mithilfe von DJ Kenny Everett listig übertölpelt). Den Rest muss man sich denken - geht der Film davon aus, dass die Zuschauer das bereits wissen? Selbst wenn das auf viele zutrifft, ist das unzulässig. Die Single stand in England neun Wochen auf Nummer Eins (und ist laut Wikipedia immer noch die drittmeistverkaufte Single dort). Diese Diskrepanz ist für mich ein weiteres Indiz für das Chaos bei Dreh und Schnitt.
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Der Erfolg des Films beruht also wohl auf den perfekt nachgestellten Konzertszenen, ist also eher ein Tribut als eine Biographie. Das hat für mich aber wenig künstlerischen Wert. So leid es mir um Rami Malek und Komparsen tut, kann ich doch nur empfehlen, statt dieses Films ein Originalkonzert anzuschauen. Da gibt es etwa auf Blu-ray perfekt festgehalten einen technisch großartigen Mitschnitt von 1981, mit dem Live-Aid-Auftritt als Bonus: Rock Montreal. Für Bohemian Rhapsody selbst kann ich mich gerade noch zu einem Annehmbar durchringen (5/10).
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