Ein Predator ist eigentlich ein Raubtier, während das Monster hier eher ein Trophäenjäger ist - was in dieser Neuauflage auch mehrfach erwähnt wird. Aber das klingt natürlich nicht annähernd so cool. Dieses unfreiwillige Franchise ist ohnehin nur im weitesten Sinne Science Fiction. Es kommen zwar Raumschiffe und Aliens vor, aber sonst... Zum Beispiel verstehe ich nicht, wie die Predators an der Spitze der galaktischen Nahrungspyramide stehen können, wenn sie nur im Infrarotbereich sehen können (was allerdings Raum für interessante Effekte gibt). Wie haben solche Wesen denn überhaupt das Rad erfinden können, wenn sie die dazu notwendigen Materialien nicht sehen können?
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Die Geschichte begann 1987 eher als Horror-Thriller und Schwarzenegger-Vehikel (für die Jüngeren: er war der Dwayne Johnsson der 80er). Das Original macht aber auch heute noch Spaß, wenn man die unnötige Brutalität und Arnies unpassende Einzeiler der ersten Hälfte ignoriert. Die folgende Hetzjagd im lateinamerikanischen Dschungel ist aber grandios inszeniert (von Stirb-Langsam-Regisseur John McTiernan). Gleiches kann man leider nicht für die drei Jahre später erschienene Fortsetzung behaupten, die im Großstadt-Dschungel in einer dystopischen Zukunft spielt (was in den Folgefilmen zu Recht ignoriert wurde). Predators 2 hatte mit Lethal-Weapon-Star Danny Glover zwar einen soliden Hauptdarsteller, das Drehbuch wirkt aber so zerfleischt wie am Ende die Körper seiner Mitstreiter, darunter ein junger "Jayne" Adam Baldwin. Auch dabei: der im letzten Jahr verstorbene Bill Paxton in einem bizarren Auftritt irgendwo zwischen James Dean und Robert DeNiro, der eher wie eine Probeaufnahme für einen Fernsehkrimi wirkt.
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Jedenfalls kann man dieses Machwerk von Stephen Hopkins getrost ignorieren und gleich zum dritten Teil übergehen, der 20 Jahre später entstand (zwischendurch gab es wohl noch lausige Cross-Franchise-Breeds wie Alien vs. Predator etc.) Predators (2010) unter Leitung von Nimród Antal und Robert Rodriguez spielt wieder in einem "echten" Dschungel, allerdings auf einem fremden Planeten. Eine Darstellerriege mit hohem Wiedererkennungswert (und inzwischen zwei Oscar-Preisträgern) sorgte erneut für ein kurzweiliges Schlachtfest, darunter Adrien Brody (Der Pianist), Topher Grace (Die wilden 70er), Alice Braga (City of God), Danny Trejo (Machete) und Mahershali Ali (Moonlight).
Nachdem Ridley Scott die Alien-Welle inzwischen zu Tode geritten hat, will Twentieth Century Fox nun offenbar auch aus dem verwandten B-Franchise noch ein paar Dollars erpressen. Immerhin wurde mit Shane Black als Regisseur und Autor eine Legende engagiert, die übrigens im allerersten Film bereits eine kleine Rolle spielte, damit das Studio im Notfall einen Scriptdoktor vor Ort hatte. Wie man hört, hatte der Stahlharte Profi diesmal selbst mit den Produzenten zu kämpfen. Es ist ja bekannt, dass Studiobosse selbst nur in einem stark eingeschränkten Spektrum sehen können. Rausgekommen ist daher leider wieder nur ein Hybrid aus dem Katz-und-Maus-Spiel des Originals und Blacks skurillen Ensemble-Menagen wie Kiss Kiss Bang Bang oder Nice Guys. Diese Hetzjagd ging auf Kosten der rohen Spannung, und die Charakterzeichnungen wirken sprunghafter als sonst bei ihm üblich. Irgendwie verliert er diesmal den roten Faden (vielleicht ein Infrarot-Effekt). Da gibt es zum Beispiel diesen allerliebsten Weltraumhund, der erst Bedrohung, dann nach einer improvisierten Lobotomie Verbündeter ist und schließlich in einen Anhänger gelockt und vergessen wird. Es gibt einfach zu viele Handlungsbruchstücke ohne Payoff. Dem Franchise geschuldet müssen natürlich die meisten Figuren am Ende dem Predator zum Opfer fallen. Für so manchen Antihelden hätte ich mir allerdings einen denkwürdigeren Abgang gewünscht.
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Immerhin konnte Shane Black ein Traumteam zur Mitarbeit bewegen. Hauptdarsteller Boyd Holbrook (Narcos) ist zwar ein blasser Nachfolger von Arnie, Glover und Brody, das machen seine Kumpanen, das unwahrscheinliche Comedy-Duo Keegan-Michael Key und Trevante Rhodes (Moonlight), "Theon Greyjoy" Alfie Allen, Thomas Jane (bester Darsteller aus The Expanse) als Tourette-geplagter Grantler, Augusto Aguilera und Jake (Garys Sohn) Busey, allemal wett. Hinzu kommt der 11 jährige Fast-Oscar-Kandidat Jacob Tremblay (Raum), der seine potentiell nervige Rolle zum Glück sehr zurückhaltend anlegt (der erste Trailer ließ ja das Schlimmste befürchten).
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Und dann sind da die beiden Frauen, deren Rollen ich gern getauscht hätte. Schließlich hat die wunderbare Yvonne Strahovski aus Chuck reichlich Actionerfahrung, muss sich hier aber mit der passiven Rolle als zurückgelassene Ehefrau begnügen (in ihrer aktivsten Szene wirft sie ihr Telefon ins Spülwasser). Nichts gegen Olivia Munn (Psylocke in X-Men: Apocalypse), sie gibt ihr Bestes und kann durchaus mit den Männern mithalten. Hier liegt aber auch das (Drehbuch-)Problem: Sie wird als Wissenschaftlerin eingeführt (die einzige Alien-Biologin - auf Abruf - der USA), greift sich aber bei erster Gelegenheit ein Gewehr und ist fortan nur noch selten am Mikroskop zu beobachten. Das ist ein trauriger Verrat an sowohl der Wissenschafts- als auch der Damenwelt.
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Nun ja, niemand hat ein Meisterwerk erwartet. Auch wenn die Produktion soviel gekostet hat wie die drei Vorgänger zusammen, kann man aus einem B-Franchise nicht einfach einen A-Blockbuster machen. Und Shane Black hat seine Munition wohl langsam verschossen. Was bleibt, sind durchaus unterhaltsame 100 Minuten mit Witz und ein paar Überraschungen. Ein wirkliches Upgrade kann ich aber nicht erkennen, höchstens ein Update. Ordentlich (6/10).
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Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Die Original-"Trilogie" ist zur Einstimmung auf die Fortsetzung jüngst auf UHD-Blu-ray erschienen, in für meinen Geschmack guter Bildqualität - die Restaurierung läßt nun wieder (ruhiges) Filmkorn erkennen. Kauftipp: die britische Box ist deutlich günstiger und enthält trotzdem auf fast allen Scheiben den deutschen Ton.
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Sonntag, 16. September 2018
Samstag, 8. September 2018
Dreifacher Axel: I, Tonya (8/10)
Anders als Tennis (oder Fußball, dazumal) habe ich Eiskunstlauf nie so recht als Sport verfolgt. Ich kann einen Axel nicht von einem Tulup unterscheiden und habe keine Namen von Weltmeistern parat. Aber wenn das im Fernsehen lief (damals, als es nur drei Programme gab), habe ich schon gern zugeschaut, mehr aus ästhetischen Gründen. Die Kombination von Bewegung und Musik ist ja sehr mit dem Tanz verwandt. Tonya Harding, die 1992/94 an den Olympischen Spielen teilnahm, war mir nur grob geläufig. Deutschland war damals ohnehin von einer anderen Skaterin besessen, einer gewissen Katarina Witt. Aber die Amerikaner hatte definitiv das interessantere Leben, vor allem durch eine Episode, die sie schließlich ihre Karriere kostete, nämlich ein Anschlag auf ihre Rivalin Nancy Kerrigan.
Die Biographie I, Tonya bietet zwar einige technisch brillant nachgestellte Szenen auf dem Eis, diese sind aber stets Teil der Charakterchoreographie der Hauptfigur. Es ist nicht gerade eine Geschichte, die Amerikaner erbaulich finden. Tonya bezeichnete sich selbst als "Redneck" (etwa: Hinterwäldlerin). Mit ihrem athletischen Stil (durch den ihr als erster Frau ein dreifacher Axel in Kombination gelang), verbunden mit selbstgeschneiderten Kostümen und einer unorthodoxen Musikauswahl ("Heavy Metal") eckte sie bei den konservativen (und meist männlichen) Preisrichtern an, die lieber eine Posterfigur für das brave Amerika gesehen hätten. Sie wünschten sich Fred Astaire und bekamen John Travolta. Fun Fact: Nach ihrer Suspendierung hatte Tonya eine kurze Karriere als Boxerin...
I, Tonya ist halbdokumentarisch aufgebaut und mit nachgestellten und nachempfundenen Interviews durchsetzt, ohne einen absoluten Wahrheitsanspruch zu haben. Wer weiß schon, was damals wirklich passiert ist. Die Handlung ist dermaßen von Dummköpfen und Widerlingen bestimmt, dass man oft nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Trotz aller Satire kommt aber durchaus die tragische Komponente zum Ausdruck, vor allem dank der überragenden Darsteller. Nur für den eigentlichen Auftraggeber der Attacke auf Kerrigan vermochte ich nicht so recht Mitgefühl zu entwickeln. Es gibt einfach eine Art Dummheit, die nicht mehr zu entschuldigen ist. Das Muttersöhnchen Shawn behauptete auch noch dem FBI gegenüber, er sei ein international erfolreicher Geheimagent und arbeite für verschiedene amerikanische Spionageorganisationen. Nein, sind Sie nicht. Doch, bin ich! Nein, das wüssten wir doch. Bin ich aber...
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Margot Robbie hat sich ihre erste Oscar-Nominierung ehrlich erarbeitet. Nicht nur, dass sie verblüffend gut Skaten gelernt hat (natürlich wurden die Kunststücke gedoubelt und am Computer nachbereitet), sondern die Australierin verschwindet komplett in ihrer Figur (aus Portland, Oregon). Ihre Schönheit wurde durch die Maske (und wahrscheinlich auch durch das Weglassen von Schminke) geschickt zurückgenommen, aber die Emotionen zwischen Hartnäckigkeit, Triumph und Niederlage bis zu ihrem endgültigen Nervenzusammenbruch 1994 bringt sie ganz ohne technische Hilfsmittel rüber. Das hat nichts mit der glamourösen Brokerehefrau Naomi aus The Wolf of Wall Street oder der baseballschlägerschwingenden Harley Quinn aus dem Suicide Squad gemein. Es wird wohl nicht die letzte Oscar-Nominierung für die 28jährige gewesen sein.
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Der einzige Oscar-Gewinn für die Satire, die nicht einmal als Bester Film ins Rennen ging (mir aber besser gefiel als die meisten anderen Kandidaten), ging erwartungsgemäß an Allison Janney. Es ist, als ob die Akademie nur auf einen preiswürdigen Auftritt der sechsfachen Emmy-Gewinnerin (davon viermal für The West Wing, bei insgesamt 12 Nominierungen) gewartet hätte. Schließlich hatte sie denkwürdige Auftritte bereits in Der Eissturm, American Beauty, Juno, Spy und vielen anderen Kinofilmen. Klar, es waren fast alles sogenannte Nebenrollen, aber wer wollte die missen? Bei The West Wing fällt mir als erstes The Jackal ein, und gleich danach ihre Beförderung zum Chief of Staff nach Leo McGarrys (und Darsteller John Spence's) tragischem Tod: In herrlich lakonischer Abfolge teilen alle anderen Führungskräfte im Weißen Haus C.J. ihren Rücktritt mit, "weil sie nicht unter einer Frau arbeiten können" - bis hin zum Präsidenten selbst ;-) C.J. Cregg ist wahrlich eine der großen Frauenfiguren der amerikanischen Fernsehgeschichte. Der Oscar jedoch ist kein Karrierepreis, sondern den hat sich Allison Janney selbst verdient, mit ihrer Darstellung von Tonyas absolut abstoßenden Mutter, der sie trotzdem gerade so viel Schmerz mitgibt, dass man fast Mitgefühl entwickelt - bis sie ihre Tochter das nächste Mal demütigt oder schlägt oder mit einem Küchenmesser durchbohrt...
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Die weiteren Rollen in dieser vergleichsweise bescheidenen Produktion (die an 30 Tagen für schlappe 10 Millionen Dollar abgedreht wurde) sind weitgehend mit Unbekannten besetzt, abgesehen vielleicht vom vielbeschäftigten Bobby Cannavale als Reporter und "Winter Soldier" Sebastian Stan, der aber hinter dem Schnäuzer von Tonyas gewalttätiger Ehemann Jeff effektiv verschwindet. Regisseur Craig Gillespie, mir bisher nur durch die verschrobene Tragikomödie Lars und die Frauen (2007, mit Ryan Gosling, 8/10) bekannt, hat aus dem Drehbuch von Steven Rogers (nicht verwandt mit Captain America) eine außergewöhnliche Biographie gezaubert, einen dreifachen Axel sozusagen, den so niemand erwartet hätte. Sehr gut (8/10).
Die Biographie I, Tonya bietet zwar einige technisch brillant nachgestellte Szenen auf dem Eis, diese sind aber stets Teil der Charakterchoreographie der Hauptfigur. Es ist nicht gerade eine Geschichte, die Amerikaner erbaulich finden. Tonya bezeichnete sich selbst als "Redneck" (etwa: Hinterwäldlerin). Mit ihrem athletischen Stil (durch den ihr als erster Frau ein dreifacher Axel in Kombination gelang), verbunden mit selbstgeschneiderten Kostümen und einer unorthodoxen Musikauswahl ("Heavy Metal") eckte sie bei den konservativen (und meist männlichen) Preisrichtern an, die lieber eine Posterfigur für das brave Amerika gesehen hätten. Sie wünschten sich Fred Astaire und bekamen John Travolta. Fun Fact: Nach ihrer Suspendierung hatte Tonya eine kurze Karriere als Boxerin...
I, Tonya ist halbdokumentarisch aufgebaut und mit nachgestellten und nachempfundenen Interviews durchsetzt, ohne einen absoluten Wahrheitsanspruch zu haben. Wer weiß schon, was damals wirklich passiert ist. Die Handlung ist dermaßen von Dummköpfen und Widerlingen bestimmt, dass man oft nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Trotz aller Satire kommt aber durchaus die tragische Komponente zum Ausdruck, vor allem dank der überragenden Darsteller. Nur für den eigentlichen Auftraggeber der Attacke auf Kerrigan vermochte ich nicht so recht Mitgefühl zu entwickeln. Es gibt einfach eine Art Dummheit, die nicht mehr zu entschuldigen ist. Das Muttersöhnchen Shawn behauptete auch noch dem FBI gegenüber, er sei ein international erfolreicher Geheimagent und arbeite für verschiedene amerikanische Spionageorganisationen. Nein, sind Sie nicht. Doch, bin ich! Nein, das wüssten wir doch. Bin ich aber...
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Margot Robbie hat sich ihre erste Oscar-Nominierung ehrlich erarbeitet. Nicht nur, dass sie verblüffend gut Skaten gelernt hat (natürlich wurden die Kunststücke gedoubelt und am Computer nachbereitet), sondern die Australierin verschwindet komplett in ihrer Figur (aus Portland, Oregon). Ihre Schönheit wurde durch die Maske (und wahrscheinlich auch durch das Weglassen von Schminke) geschickt zurückgenommen, aber die Emotionen zwischen Hartnäckigkeit, Triumph und Niederlage bis zu ihrem endgültigen Nervenzusammenbruch 1994 bringt sie ganz ohne technische Hilfsmittel rüber. Das hat nichts mit der glamourösen Brokerehefrau Naomi aus The Wolf of Wall Street oder der baseballschlägerschwingenden Harley Quinn aus dem Suicide Squad gemein. Es wird wohl nicht die letzte Oscar-Nominierung für die 28jährige gewesen sein.
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Der einzige Oscar-Gewinn für die Satire, die nicht einmal als Bester Film ins Rennen ging (mir aber besser gefiel als die meisten anderen Kandidaten), ging erwartungsgemäß an Allison Janney. Es ist, als ob die Akademie nur auf einen preiswürdigen Auftritt der sechsfachen Emmy-Gewinnerin (davon viermal für The West Wing, bei insgesamt 12 Nominierungen) gewartet hätte. Schließlich hatte sie denkwürdige Auftritte bereits in Der Eissturm, American Beauty, Juno, Spy und vielen anderen Kinofilmen. Klar, es waren fast alles sogenannte Nebenrollen, aber wer wollte die missen? Bei The West Wing fällt mir als erstes The Jackal ein, und gleich danach ihre Beförderung zum Chief of Staff nach Leo McGarrys (und Darsteller John Spence's) tragischem Tod: In herrlich lakonischer Abfolge teilen alle anderen Führungskräfte im Weißen Haus C.J. ihren Rücktritt mit, "weil sie nicht unter einer Frau arbeiten können" - bis hin zum Präsidenten selbst ;-) C.J. Cregg ist wahrlich eine der großen Frauenfiguren der amerikanischen Fernsehgeschichte. Der Oscar jedoch ist kein Karrierepreis, sondern den hat sich Allison Janney selbst verdient, mit ihrer Darstellung von Tonyas absolut abstoßenden Mutter, der sie trotzdem gerade so viel Schmerz mitgibt, dass man fast Mitgefühl entwickelt - bis sie ihre Tochter das nächste Mal demütigt oder schlägt oder mit einem Küchenmesser durchbohrt...
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Die weiteren Rollen in dieser vergleichsweise bescheidenen Produktion (die an 30 Tagen für schlappe 10 Millionen Dollar abgedreht wurde) sind weitgehend mit Unbekannten besetzt, abgesehen vielleicht vom vielbeschäftigten Bobby Cannavale als Reporter und "Winter Soldier" Sebastian Stan, der aber hinter dem Schnäuzer von Tonyas gewalttätiger Ehemann Jeff effektiv verschwindet. Regisseur Craig Gillespie, mir bisher nur durch die verschrobene Tragikomödie Lars und die Frauen (2007, mit Ryan Gosling, 8/10) bekannt, hat aus dem Drehbuch von Steven Rogers (nicht verwandt mit Captain America) eine außergewöhnliche Biographie gezaubert, einen dreifachen Axel sozusagen, den so niemand erwartet hätte. Sehr gut (8/10).
Samstag, 1. September 2018
The Good Place: Die Hugo-Gewinner 2018
Es ist schon ein wenig peinlich, wenn man sich die Preisverleihung des Worldcon 76 auf YouTube anschaut. Das ist halt eine Veranstaltung von Nerds für Nerds, oder besser: von Fans für Fans. Es gibt ein paar Veteranen wie Bob Silverberg oder George R.R. Martin, die mit ihren Präsentationen zu fesseln wissen (selbst wenn es um den Preis für die beste Fan-Kunst geht), aber ansonsten bleibt der Unterhaltungswert gering. Ausnahme war dieses Jahr der Auftritt der Queen of Nerds, Multitalent Felicia Day, die souverän den neuen Preis für das beste Jugendbuch ("Young Adult") präsentieren und gleichzeitig von ihrer Begegnung mit N.K. Jemisin schwärmen konnte.
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Kein Zufall, dass ich bisher keinem der sonstigen Finalisten eine Rezension gewidmet habe. Als da waren:
Mein Favorit (und zugleich die einzige Reihe, die ich vorab kannte) waren Brandon Sandersons "Stormlight Archives". Mit dieser epischen Fantasy, nach deren gerade erschienener dritter Band noch lange kein Ende abzusehen ist, versucht er in die Fußstapfen von Robert Jordan (dessen "Wheel of Time" er ja bekanntlich zum Abschluss gebracht hatte) und George R.R. Martin zu treten. Ich bin nicht mehr von allem begeistert, was Sanderson veröffentlicht; vor allem seine Jugendromane sind mir zu schematisch, und er macht schon in jungen Jahren (er wurde 1975 geboren) den Fehler, seine mit toll konstruierten Magiesystemen gestalteten Welten überzustrapazieren. In den "Stormlight Archives" jedoch erreicht er eine sagenhafte Erzähldichte und schafft schillernde dreidimensionale Figuren, die überlebensgroß und trotzdem erkennbar menschlich sind. Und mehr und mehr verschwimmen die Grenzen von Gut und Böse - man stelle sich vor, bei Tolkien würde man erfahren, dass die Orcs die Ureinwohner von Mittelerde waren, bevor Elben, Menschen und Zwerge das Land eroberten...
Da ich so begeistert von Martha Wells' nun preisgekrönter Novelle Murderbot Diaries war, habe ich inzwischen die ursprüngliche Trilogie ihrer Raksura-Reihe gelesen. Das sind geradlinige Abenteuer in einer reichhaltig ausgestatteten Fantasiewelt, mit einer faszinierenden Hauptfigur (wenngleich sie gelegentlich ein bißchen weinerlich daherkommt). Die ersten beiden Bände waren in der Voters Package, den dritten habe ich dazugekauft. Allerdings verstehe ich die Preispolitik des Verlages (Tor) nicht. Für die Kindle-Version älterer Romane über zehn Euro zu verlangen, grenzt an Wucher. Gleiches gilt für die Fortsetzungen der Murderbot-Diaries Für die Novellen verlangen die Händler ebenfalls bis zu zehn Euro.
Vielschreiberin Seanan McGuire hatte auch wieder eine Serie im Rennen ("InCryptid"), da komme ich aber beim besten Willen nicht hinterher. Gerade erst habe ich mir die Folgebände von Parasite gekauft...
Von einem weiteren Finalisten habe ich immerhin den ersten Band gelesen: Marie Brennans "The Memoirs of Lady Trent". Sie erzählt amüsant in (loser) Tagebuchform aus einer Parallelwelt, die technologisch ungefähr im Victorianischen Zeitalter angekommen ist, mit allerdings stark abweichender Fauna. Es ist erstaunlich, dass beim Thema Drachen noch Originalität möglich ist. Leider bleiben Figurenzeichnung und Vielschichtigkeit etwas auf der Strecke - das ist höchstens Anne Brontë, keinesfalls Charlotte.
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Die große Überraschung gab es bei den Kurzformen, bereits bei den Finalisten. Neben der obligatorischen Doctor-Who-Episode und dem staffelbesten und doch mittelmäßigen Black-Mirror-Beitrag "U.S.S. Callister", einem naiv-verqueren Rap-Song von The Clipping (zum zweiten Mal: wird das ein Trend?) und einer Folge von Star Trek: Discovery (für diesen Mist kamen dann aber kaum Stimmen zusammen) gab es zwei Finalisten der Comedy-Serie The Good Place. Die war mir völlig unbekannt, was sich aber leicht beheben ließ: Die 25 zwanzigminütigen Episoden der ersten beiden Staffeln sind zwar nicht per Flatrate, aber zu sehr fairem Preis bei Amazon Prime erhältlich.
Welch ein Vergnügen! Visuell erinnert die Serie mich an Bryan Fullers ähnlich verschrobenes Kleinod Pushing Daisies, die vor zehn Jahren auch niemand verstanden hatte und nach 22 Episoden fallengelassen wurde. Das Konzept von The Good Place klingt zunächst arg bekannt, ergibt für mich aber etwas völlig Neues: Eleanor (Kristen Bell) wird nach ihrem überraschenden Tod vom Behördenleiter Michael (Ted Danson) überaus freundlich begrüßt. Sie ist am "Guten Ort" gelandet, eine Belohnung, die nur einem winzigen Promillteil der Verstorbenen zuteil wird. Michael hat diesen Ort (es gibt verschiedene) höchstpersönlich als kitschige Kleinstadt konstruiert, mit Frozen-Yoghurt-Cafes, Palästen und Hütten (je nach Vorliebe).
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Es gibt allerdings einen Haken: Eleanor erkennt schnell, dass sie nicht wirklich hier hingehört. Nicht, dass sie den "Schlechten Ort" bevorzugen würde, aber müsste es nicht wenigstens für einen "Mittleren Ort" reichen? Jedenfalls behält sie ihre Bedenken für sich und versucht sich einzuordnen. Nicht so einfach für eine egozentrische, eigennützige Egoistin wie Eleanor. Zum Glück gibt es Chidi (William Jackson Harper), einen ehemaligen Ethikprofessor, der sie mit philosophischer Nachhilfe unterstützt. Was in der zweiten Staffel zur Diskussion des Trolley-Problems führt (dieses Gedankenexperiment ist im Zuge von Autopilot-Fahrzeugen übrigens hochaktuell): Je nach Weichenstellung wird die Straßenbahn diese oder jene Menschengruppe überfahren: Nach welchen Kriterien entscheide ich? Der Teufel hat die Lösung natürlich parat, indem er nach dem Überfahren der ersten Gruppe die Bahn entgleisen läßt und so auch die zweite Gruppe erwischt...
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Das Charmante an The Good Place ist eigentlich, dass es jeder Beschreibung spottet. Erfinder Michael Schur, der zuvor auch die herrliche "Office"-Variante Parks and Recreation aus der Taufe gehoben hatte, hat hier jedenfalls einen Volltreffer gelandet. Allein wie der 70jährige Altstar Ted Danson (Cheers) sich seine herrlich absurden Dialoge auf der Zunge zergehen läßt, ist preiswürdig. Aber auch der Rest des Ensembles, teilweise mit Neulingen besetzt, schlägt sich fabelhaft. Oh, und hatte ich Janet (D'Arcy Carden) erwähnt? Sie ist so eine Art Enzyklopädie allen Wissens des Universums, fungiert zur Not aber auch als Telefon - was Jason (Manny Jacinto), den buddhistischen Mönch mit Schweigegelübde (lange Geschichte), nicht daran hindert, sich in sie zu verlieben...
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Es ist Vor- und Nachteil zugleich, dass sich die Serie nicht in ein Schema pressen läßt. So wird im furiosen Abschluss der ersten Staffel, im Hugo-Finalisten "Michael's Gambit", die komplette Situation auf den Kopf gestellt. Was zu einer etwas durchwachsenen zweiten Staffel führt, die allerdings mit der Episode 5, "The Trolley Problem", einen tollen Höhepunkt aufzuweisen hat, der verdient (und auch mit meiner Stimme) den diesjährigen Hugo einheimsen konnte. Jetzt bin ich wahnsinnig gespannt auf die dritte Staffel, die Ende des Monats anlaufen soll.
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Romane
Der Königspreis ging wie erwartet an N.K. Jemisin für The Stone Sky, in einem historischen Hattrick, der leider auch ein schlechtes Bild der Konkurrenz zeichnet. Ihre Nominierung in der Kategorie "Beste Serie" hat sie übrigens im Vorfeld abgelehnt, obwohl diese passender gewesen wäre. Trotzdem Glückwunsch an die brillante Autorin, die nebenbei auch eine engagierte Dankesrede hielt.Kein Zufall, dass ich bisher keinem der sonstigen Finalisten eine Rezension gewidmet habe. Als da waren:
New York 2140, Kim Stanley Robinson
Nachdem ich mich vor Jahren durch seine Mars-Trilogie gequält hatte ("Red Mars" war 1993 nominiert, "Green Mars" und "Blue Mars" gewannen 1994 und 1997), ignoriere ich seine weiteren Romane regelmäßig. Er hat viele gute Ideen, auch bessere als Andy Weir in "The Martian", aber seine Figuren lassen mich kalt, und seine Plots langweilen mich. Ich bevorzuge Spider Robinson, der in diesem Jahr Ehrengast war.Raven Strategem, Yoon Ha Lee
Die Fortsetzung von Ninefox Gambit habe ich nur gelesen (bzw. ab der 2. Hälfte quergelesen), weil sie in der Voters Package enthalten war. Die zentrale Figur ist durchaus interessant, erstickt aber wiederum in komplizierten politischen Intrigen. Und Schande, wieder eine geschlechtslose Figur ohne Kontur...Six Wakes, Mur Lafferty
Mur Lafferty hat eine treue Fanbasis, zu der auch Jo Walton gehört. Ich wurde nicht warm mit der Geschichte der sechs Raumfahrer, die ohne Erinnerungen aus dem Tiefschlaf aufwachen und den Mord an sich selbst (bzw. ihren Klonen) untersuchen müssen. Nicht übel, aber auch nicht wirklich preiswürdig.The Collapsing Empire, John Scalzi
John Scalzis bester Roman bleibt Old Man's War, der 2006 leider gegen Robert Charles Wilsons Spin verlor. Über seinen Gewinner Redshirts habe ich mich bereits genug aufgeregt. "The Collapsing Empire", der erste Band einer neuen Trilogie, ist enttäuschend routiniert und vorhersehbar aufgesetzt, mit recyceltem Weltenaufbau. Kann man lesen, muss man aber nicht.Provenance, Ann Leckie
Selbst die Fans der Gewinnerin von 2014 geben zu, dass Provenance nicht ihr bestes Werk ist. Statt Tee-Ritualen gibt es diesmal eine Besessenheit mit historischen Urkunden. Durchschnittsware. Und auch wenn diesmal den meisten Figuren wieder Geschlechter zugeordnet werden, gibt es wieder eine Person unspezifizierten Geschlechts, mit vielen holprigen Pronomina. Ich halte es für eine billige Anbiederung an die quere Gemeinschaft, wenn so eine Figur plakativ eingeführt wird und wir dann nichts über die Hintergründe erfahren. Und woher weiß eigentlich jede andere Figur, dass diese Person geschlechtsneutral anzusprechen ist?Kurzformen
Hier gewannen meine Favoriten, nur bei den Noveletten hatte Suzanne Palmer mit "The Secret Life of Bots" die Nase vorn. Glückwunsch auch an Martha Wells und Rebecca Roanhorse.Beste Serie
So haben sich die Organisatoren das bestimmt nicht vorgestellt - die neue Kategorie gewann erneut Altmeisterin Lois McMaster Bujold, diesmal mit ihrer Fantasy-Reihe "The World of the Five Gods", deren ursprünglicher Roman-Trilogie (inklusive Hugo-Gewinner "Paladin of Souls" von 2003) sie jüngst um eine Handvoll Novellen um den Tempeldiener Penric und seine Dämonin Desdemona erweiterte. Das war's dann zum Glück, mehr Serien hat sie nicht in petto - Bujold nahm den Hugo nicht selbst entgegen (vielleicht war's ihr selbst peinlich), ihre Dankesbotschaft verlas ihre Kollegin und Freundin Catherine Asaro, selbst erfolgreich mit der Skolian-Serie, die allerdings scharf an der Grenze zur Schnulze angesiedelt ist.Mein Favorit (und zugleich die einzige Reihe, die ich vorab kannte) waren Brandon Sandersons "Stormlight Archives". Mit dieser epischen Fantasy, nach deren gerade erschienener dritter Band noch lange kein Ende abzusehen ist, versucht er in die Fußstapfen von Robert Jordan (dessen "Wheel of Time" er ja bekanntlich zum Abschluss gebracht hatte) und George R.R. Martin zu treten. Ich bin nicht mehr von allem begeistert, was Sanderson veröffentlicht; vor allem seine Jugendromane sind mir zu schematisch, und er macht schon in jungen Jahren (er wurde 1975 geboren) den Fehler, seine mit toll konstruierten Magiesystemen gestalteten Welten überzustrapazieren. In den "Stormlight Archives" jedoch erreicht er eine sagenhafte Erzähldichte und schafft schillernde dreidimensionale Figuren, die überlebensgroß und trotzdem erkennbar menschlich sind. Und mehr und mehr verschwimmen die Grenzen von Gut und Böse - man stelle sich vor, bei Tolkien würde man erfahren, dass die Orcs die Ureinwohner von Mittelerde waren, bevor Elben, Menschen und Zwerge das Land eroberten...
Da ich so begeistert von Martha Wells' nun preisgekrönter Novelle Murderbot Diaries war, habe ich inzwischen die ursprüngliche Trilogie ihrer Raksura-Reihe gelesen. Das sind geradlinige Abenteuer in einer reichhaltig ausgestatteten Fantasiewelt, mit einer faszinierenden Hauptfigur (wenngleich sie gelegentlich ein bißchen weinerlich daherkommt). Die ersten beiden Bände waren in der Voters Package, den dritten habe ich dazugekauft. Allerdings verstehe ich die Preispolitik des Verlages (Tor) nicht. Für die Kindle-Version älterer Romane über zehn Euro zu verlangen, grenzt an Wucher. Gleiches gilt für die Fortsetzungen der Murderbot-Diaries Für die Novellen verlangen die Händler ebenfalls bis zu zehn Euro.
Vielschreiberin Seanan McGuire hatte auch wieder eine Serie im Rennen ("InCryptid"), da komme ich aber beim besten Willen nicht hinterher. Gerade erst habe ich mir die Folgebände von Parasite gekauft...
Von einem weiteren Finalisten habe ich immerhin den ersten Band gelesen: Marie Brennans "The Memoirs of Lady Trent". Sie erzählt amüsant in (loser) Tagebuchform aus einer Parallelwelt, die technologisch ungefähr im Victorianischen Zeitalter angekommen ist, mit allerdings stark abweichender Fauna. Es ist erstaunlich, dass beim Thema Drachen noch Originalität möglich ist. Leider bleiben Figurenzeichnung und Vielschichtigkeit etwas auf der Strecke - das ist höchstens Anne Brontë, keinesfalls Charlotte.
Dramatische Formen
Nachdem ich schon befürchtet hatte, dass die öde Blade-Runner-Fortsetzung sich bei den Langformen durchsetzen könnte, hat nun doch mein Favorit gewonnen: Wonder Woman. Das passt schön zu einem Jahr, in dem es fast nur Gewinnerinnen gibt. Leider werden die Hugos in Hollywood nicht beachtet, so dass niemand aus dem Filmteam den Preis entgegennahm.Embed from Getty Images
Die große Überraschung gab es bei den Kurzformen, bereits bei den Finalisten. Neben der obligatorischen Doctor-Who-Episode und dem staffelbesten und doch mittelmäßigen Black-Mirror-Beitrag "U.S.S. Callister", einem naiv-verqueren Rap-Song von The Clipping (zum zweiten Mal: wird das ein Trend?) und einer Folge von Star Trek: Discovery (für diesen Mist kamen dann aber kaum Stimmen zusammen) gab es zwei Finalisten der Comedy-Serie The Good Place. Die war mir völlig unbekannt, was sich aber leicht beheben ließ: Die 25 zwanzigminütigen Episoden der ersten beiden Staffeln sind zwar nicht per Flatrate, aber zu sehr fairem Preis bei Amazon Prime erhältlich.
Welch ein Vergnügen! Visuell erinnert die Serie mich an Bryan Fullers ähnlich verschrobenes Kleinod Pushing Daisies, die vor zehn Jahren auch niemand verstanden hatte und nach 22 Episoden fallengelassen wurde. Das Konzept von The Good Place klingt zunächst arg bekannt, ergibt für mich aber etwas völlig Neues: Eleanor (Kristen Bell) wird nach ihrem überraschenden Tod vom Behördenleiter Michael (Ted Danson) überaus freundlich begrüßt. Sie ist am "Guten Ort" gelandet, eine Belohnung, die nur einem winzigen Promillteil der Verstorbenen zuteil wird. Michael hat diesen Ort (es gibt verschiedene) höchstpersönlich als kitschige Kleinstadt konstruiert, mit Frozen-Yoghurt-Cafes, Palästen und Hütten (je nach Vorliebe).
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Es gibt allerdings einen Haken: Eleanor erkennt schnell, dass sie nicht wirklich hier hingehört. Nicht, dass sie den "Schlechten Ort" bevorzugen würde, aber müsste es nicht wenigstens für einen "Mittleren Ort" reichen? Jedenfalls behält sie ihre Bedenken für sich und versucht sich einzuordnen. Nicht so einfach für eine egozentrische, eigennützige Egoistin wie Eleanor. Zum Glück gibt es Chidi (William Jackson Harper), einen ehemaligen Ethikprofessor, der sie mit philosophischer Nachhilfe unterstützt. Was in der zweiten Staffel zur Diskussion des Trolley-Problems führt (dieses Gedankenexperiment ist im Zuge von Autopilot-Fahrzeugen übrigens hochaktuell): Je nach Weichenstellung wird die Straßenbahn diese oder jene Menschengruppe überfahren: Nach welchen Kriterien entscheide ich? Der Teufel hat die Lösung natürlich parat, indem er nach dem Überfahren der ersten Gruppe die Bahn entgleisen läßt und so auch die zweite Gruppe erwischt...
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Das Charmante an The Good Place ist eigentlich, dass es jeder Beschreibung spottet. Erfinder Michael Schur, der zuvor auch die herrliche "Office"-Variante Parks and Recreation aus der Taufe gehoben hatte, hat hier jedenfalls einen Volltreffer gelandet. Allein wie der 70jährige Altstar Ted Danson (Cheers) sich seine herrlich absurden Dialoge auf der Zunge zergehen läßt, ist preiswürdig. Aber auch der Rest des Ensembles, teilweise mit Neulingen besetzt, schlägt sich fabelhaft. Oh, und hatte ich Janet (D'Arcy Carden) erwähnt? Sie ist so eine Art Enzyklopädie allen Wissens des Universums, fungiert zur Not aber auch als Telefon - was Jason (Manny Jacinto), den buddhistischen Mönch mit Schweigegelübde (lange Geschichte), nicht daran hindert, sich in sie zu verlieben...
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Es ist Vor- und Nachteil zugleich, dass sich die Serie nicht in ein Schema pressen läßt. So wird im furiosen Abschluss der ersten Staffel, im Hugo-Finalisten "Michael's Gambit", die komplette Situation auf den Kopf gestellt. Was zu einer etwas durchwachsenen zweiten Staffel führt, die allerdings mit der Episode 5, "The Trolley Problem", einen tollen Höhepunkt aufzuweisen hat, der verdient (und auch mit meiner Stimme) den diesjährigen Hugo einheimsen konnte. Jetzt bin ich wahnsinnig gespannt auf die dritte Staffel, die Ende des Monats anlaufen soll.
Samstag, 4. August 2018
Monströse Action: Mission Impossible - Fallout (7/10)
Mission: Impossible - Fallout ist ein Monster von einem Actionfilm, das durch seine Set Pieces rast wie ein plutoniumgespeister Ultraschallflieger und auf den Zuschauer 147 Minuten lang einen Höhepunkt nach dem nächsten niederregnen lässt. Das spiegelt das monströse Ego des inzwischen 56jährigen Tom Cruise, der in Regisseur Christopher McQuarrie endlich den perfekten Erfüllungsgehilfen gefunden hat. Der schrieb vor langer Zeit mal pfiffige Drehbücher, hatte zuletzt allerdings auch Mitschuld an der jämmerlich gefloppten, unfreiwilligen Komödie Die Mumie. Sein neues Motto scheint zum Zeitgeist zu passen: Glaubwürdigkeit war gestern, und schlüssige Figuren interessieren nicht. Aber wenn alle fünf Minuten jemand aus dem Flugzeug springt, über Dächer sprintet oder Stuntleute verprügelt, igelt sich das Gehirn des Zuschauers vor Reizüberflutung ohnehin verschreckt im Schädel ein.
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Aber die Action... Der sechste unmögliche Auftrag ist eine Art Best-Of-Collection, die Elemente der Vorgänger aufnimmt und zu toppen versucht. Da gibt es die Verfolgungsjagden per Auto und Motorrad, Schusswechsel und Messerattacken, Parkour-Akrobatik über den Dächern von London, Hubschrauber-Zerstörungsorgien, und am Schluss nochmals Freeclimbing. Unterwasser-Stunts sind dagegen nur angedeutet, davon gab's ja genug im Vorgänger. Da ich mich mal wieder nicht vorher informiert hatte, ist der spektakuläre HALO-Stunt ein bisschen an mir vorbeigerauscht. High Altitude, Low Opening: Tom Cruise hatte ein Jahr lang trainiert, um höchstpersönlich aus fast acht Kilometern Höhe (mit Sauerstoffmaske) aus einem Flugzeug zu springen. Ob der Hallodri sich dabei auch selbst von einem Blitz hat treffen lassen, konnte ich nicht herausfinden. Klar ist jedenfalls, dass er bei Olympischen Spielen in seiner Altersklasse Titelchancen beim 100-Meter-Rennen hätte. Sprinten kann er wie kein anderer.
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Daneben gibt es die üblichen Reversals und Twists, für Kenner der Materie fast alle leicht vorhersehbar. Diesmal darf Benji mal eine Gesichtsmaske aufsetzen - Ethans Chance vergeht, als die notwendige Hardware bei einer Prügelei Schaden nimmt. Das Team mit Benji (Simon Pegg) und Luther (Ving Rhames) sowie Chef Hunley (Alec Baldwin) rückt ein wenig in den Hintergrund, dafür wird mit August Walker (Superman mit Schnäuzer Henry Cavill) eine neue Figur höchst holprig eingeführt. Schuld ist auch Hunleys undurchschaubare Vorgesetzte Erica Sloan (Angela Basset), die dem Team ihren Liebling Walker aufdrängt. Ethan sei das Skalpell, Walker der Hammer - also ich würde mich von Ethan nicht operieren lassen... Jedenfalls hat Walker am Ende eine leicht vorhersehbare McGuffin-Funktion und gibt mit seinem marmornen Körper (wie Alec Baldwin neidisch zu Protokoll gab) einen idealen Prügelknaben ab.
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Dann taucht auch noch Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) aus Rogue Nation auf, die als britische Agentin mal für, mal gegen das MIF-Team auftritt, aber trotz Drehbuchdefiziten eine willkommene Erscheinung ist (ich erinnere mich mit Schaudern an Paula Patton, die in Ghost Protocol grottenschlecht war). Nachdem die Superspionin sich lange ihres Kollegen James Bond würdig zeigt, muss sie sich am Ende der Dramaturgie zuliebe leider von einem über 50jährigen Waldschrat überwältigen lassen, der zuvor jahrelang angekettet in diversen Hochsicherheitsgefängnissen verbracht hatte. Na ja, vielleicht liegt's daran, dass die feurige Schwedin zur Drehzeit schwanger war... Als zweite Femme Fatale tritt eine gewisse Weiße Witwe auf, die nun wirklich zum Pingpongball der atemlosen Handlung wird (von ihrem Bruder wollen wir gar nicht erst sprechen). Immerhin hat Darstellerin Vanessa Kirby (bekannt als Prinzessin Margaret aus The Crown) ein paar hübsche Grübchen und macht mit Mikrofon und Messer gleichermaßen eine coole Figur.
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Was fehlt, ist der sorgfältige Spannungsaufbau des CIA-Einbruchs, der den ersten Films so ikonisch machte (Jean Reno seilt Tom Cruise ab und muss gegen Niesanfälle und Ratten bestehen), der emotionale Faden, der den zweiten und dritten Film durchzog (Damsels in Distress Thandie Newton und Michelle Monaghan) und das coole Teamwork aus dem vierten Teil. Auch die sonst üblichen Witzeleien kommen zu kurz, nur gegen Ende blitzt dann notwendigerweise Galgenhumor auf. Und wieder darf Tom Cruise Motorrad ohne Helm fahren, diesmal mitten durch Paris. Was dann auch sämtliche französischen Flics auf einmal in Rage bringt. Immerhin kann er sich am Ende charmant entschuldigen: Je suis désolé. Neben Paris und London spielt die Handlung übrigens auch kurz in Berlin, Ramstein Air Base und dann irgendwo in den asiatischen Karpaten, wofür Norwegen und Neuseeland doubeln mussten. Typisch für das amerikanische Geographieverständnis scheint mir, dass man die Kurzstrecke Ramstein-Paris per HALO-Jump bewältigt...
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Aufgrund der merkwürdigen Figurenkonstellationen war ich zu Anfang recht reserviert. Musste insbesondere in der ersten Hälfte die Weltuntergangsstimmung derart betont werden? Der Schotte Lorne Balf (Ghost in the Shell, Terminator Genisys) jedenfalls schlägt beim Score bei jeder Gelegenheit tragische Töne an. Zudem sind die Schurken radikale Atheisten (ein Widerspruch in sich), mehr oder weniger Überbleibsel aus dem Vorgänger Rogue Nation (inklusive Sean Harris als Solomon Lane). Da ist es auch nebensächlich, dass an sich eine fundamentale philosophische Frage erörtert wird: Rette ich ein Teammitglied und gefährde damit die Mission, oder rette ich Millionen Menschen, aber auf Kosten meiner Methoden (oder, um es mit Spock auszudrücken: "Do the needs of the many outweigh the needs of the one")? Leider ist dieses Thema so unmöglich in die Action verwurschtelt, dass es kaum sinnvolle Diskussionen auslösen wird. Wir sind es halt gewohnt, dass Superhelden zunächst sich selbst (und Martha) retten, dann aber doch noch die Welt.
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Aber was macht das alles, wenn die letzte Stunde des Films plötzlich unglaublich spannend und berührend wird? Nachdem alle Twists aus dem Weg geräumt sind, muss das Team einfach nur noch die Welt retten, mit ein bisschen Hilfe von Ethans Ex Julia (Michelle Monaghan). Und natürlich muss man James Bond ausstechen, der die Bomben immerhin beim Countdown 007 zu stoppen wusste. Hier kommt es auch noch auf die letzten Sekunden an...
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Dies ist übrigens das einzige Porträtfoto von Ving Rhames, das Getty Images zu bieten hat. Entweder ist der Luther-Darsteller Publicity-schüchtern, oder das Studio schämt sich seines Quotenschwarzen, der mit seiner wuchtige, warmherzigen Präsenz immerhin als einziges Teammitglied neben Ethan alle sechs Teile veredelt hat.
Wie soll man dieses Monster nun bewerten? Immerhin ist es nicht so müde-routiniert wie der Vorgänger. Und im Heimkino werden die 147 Minuten sicher auch nicht so anstrengend sein wie im Kinosaal, von der 3D-Brille, dem überteuerten Mineralwasser und der Zwangspause ganz zu schweigen. Dann bin ich mal großzügig: Gut (7/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
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Aber die Action... Der sechste unmögliche Auftrag ist eine Art Best-Of-Collection, die Elemente der Vorgänger aufnimmt und zu toppen versucht. Da gibt es die Verfolgungsjagden per Auto und Motorrad, Schusswechsel und Messerattacken, Parkour-Akrobatik über den Dächern von London, Hubschrauber-Zerstörungsorgien, und am Schluss nochmals Freeclimbing. Unterwasser-Stunts sind dagegen nur angedeutet, davon gab's ja genug im Vorgänger. Da ich mich mal wieder nicht vorher informiert hatte, ist der spektakuläre HALO-Stunt ein bisschen an mir vorbeigerauscht. High Altitude, Low Opening: Tom Cruise hatte ein Jahr lang trainiert, um höchstpersönlich aus fast acht Kilometern Höhe (mit Sauerstoffmaske) aus einem Flugzeug zu springen. Ob der Hallodri sich dabei auch selbst von einem Blitz hat treffen lassen, konnte ich nicht herausfinden. Klar ist jedenfalls, dass er bei Olympischen Spielen in seiner Altersklasse Titelchancen beim 100-Meter-Rennen hätte. Sprinten kann er wie kein anderer.
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Daneben gibt es die üblichen Reversals und Twists, für Kenner der Materie fast alle leicht vorhersehbar. Diesmal darf Benji mal eine Gesichtsmaske aufsetzen - Ethans Chance vergeht, als die notwendige Hardware bei einer Prügelei Schaden nimmt. Das Team mit Benji (Simon Pegg) und Luther (Ving Rhames) sowie Chef Hunley (Alec Baldwin) rückt ein wenig in den Hintergrund, dafür wird mit August Walker (Superman mit Schnäuzer Henry Cavill) eine neue Figur höchst holprig eingeführt. Schuld ist auch Hunleys undurchschaubare Vorgesetzte Erica Sloan (Angela Basset), die dem Team ihren Liebling Walker aufdrängt. Ethan sei das Skalpell, Walker der Hammer - also ich würde mich von Ethan nicht operieren lassen... Jedenfalls hat Walker am Ende eine leicht vorhersehbare McGuffin-Funktion und gibt mit seinem marmornen Körper (wie Alec Baldwin neidisch zu Protokoll gab) einen idealen Prügelknaben ab.
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Dann taucht auch noch Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) aus Rogue Nation auf, die als britische Agentin mal für, mal gegen das MIF-Team auftritt, aber trotz Drehbuchdefiziten eine willkommene Erscheinung ist (ich erinnere mich mit Schaudern an Paula Patton, die in Ghost Protocol grottenschlecht war). Nachdem die Superspionin sich lange ihres Kollegen James Bond würdig zeigt, muss sie sich am Ende der Dramaturgie zuliebe leider von einem über 50jährigen Waldschrat überwältigen lassen, der zuvor jahrelang angekettet in diversen Hochsicherheitsgefängnissen verbracht hatte. Na ja, vielleicht liegt's daran, dass die feurige Schwedin zur Drehzeit schwanger war... Als zweite Femme Fatale tritt eine gewisse Weiße Witwe auf, die nun wirklich zum Pingpongball der atemlosen Handlung wird (von ihrem Bruder wollen wir gar nicht erst sprechen). Immerhin hat Darstellerin Vanessa Kirby (bekannt als Prinzessin Margaret aus The Crown) ein paar hübsche Grübchen und macht mit Mikrofon und Messer gleichermaßen eine coole Figur.
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Was fehlt, ist der sorgfältige Spannungsaufbau des CIA-Einbruchs, der den ersten Films so ikonisch machte (Jean Reno seilt Tom Cruise ab und muss gegen Niesanfälle und Ratten bestehen), der emotionale Faden, der den zweiten und dritten Film durchzog (Damsels in Distress Thandie Newton und Michelle Monaghan) und das coole Teamwork aus dem vierten Teil. Auch die sonst üblichen Witzeleien kommen zu kurz, nur gegen Ende blitzt dann notwendigerweise Galgenhumor auf. Und wieder darf Tom Cruise Motorrad ohne Helm fahren, diesmal mitten durch Paris. Was dann auch sämtliche französischen Flics auf einmal in Rage bringt. Immerhin kann er sich am Ende charmant entschuldigen: Je suis désolé. Neben Paris und London spielt die Handlung übrigens auch kurz in Berlin, Ramstein Air Base und dann irgendwo in den asiatischen Karpaten, wofür Norwegen und Neuseeland doubeln mussten. Typisch für das amerikanische Geographieverständnis scheint mir, dass man die Kurzstrecke Ramstein-Paris per HALO-Jump bewältigt...
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Aufgrund der merkwürdigen Figurenkonstellationen war ich zu Anfang recht reserviert. Musste insbesondere in der ersten Hälfte die Weltuntergangsstimmung derart betont werden? Der Schotte Lorne Balf (Ghost in the Shell, Terminator Genisys) jedenfalls schlägt beim Score bei jeder Gelegenheit tragische Töne an. Zudem sind die Schurken radikale Atheisten (ein Widerspruch in sich), mehr oder weniger Überbleibsel aus dem Vorgänger Rogue Nation (inklusive Sean Harris als Solomon Lane). Da ist es auch nebensächlich, dass an sich eine fundamentale philosophische Frage erörtert wird: Rette ich ein Teammitglied und gefährde damit die Mission, oder rette ich Millionen Menschen, aber auf Kosten meiner Methoden (oder, um es mit Spock auszudrücken: "Do the needs of the many outweigh the needs of the one")? Leider ist dieses Thema so unmöglich in die Action verwurschtelt, dass es kaum sinnvolle Diskussionen auslösen wird. Wir sind es halt gewohnt, dass Superhelden zunächst sich selbst (und Martha) retten, dann aber doch noch die Welt.
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Aber was macht das alles, wenn die letzte Stunde des Films plötzlich unglaublich spannend und berührend wird? Nachdem alle Twists aus dem Weg geräumt sind, muss das Team einfach nur noch die Welt retten, mit ein bisschen Hilfe von Ethans Ex Julia (Michelle Monaghan). Und natürlich muss man James Bond ausstechen, der die Bomben immerhin beim Countdown 007 zu stoppen wusste. Hier kommt es auch noch auf die letzten Sekunden an...
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Dies ist übrigens das einzige Porträtfoto von Ving Rhames, das Getty Images zu bieten hat. Entweder ist der Luther-Darsteller Publicity-schüchtern, oder das Studio schämt sich seines Quotenschwarzen, der mit seiner wuchtige, warmherzigen Präsenz immerhin als einziges Teammitglied neben Ethan alle sechs Teile veredelt hat.
Wie soll man dieses Monster nun bewerten? Immerhin ist es nicht so müde-routiniert wie der Vorgänger. Und im Heimkino werden die 147 Minuten sicher auch nicht so anstrengend sein wie im Kinosaal, von der 3D-Brille, dem überteuerten Mineralwasser und der Zwangspause ganz zu schweigen. Dann bin ich mal großzügig: Gut (7/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Sonntag, 29. Juli 2018
Ant-Man and (also) the Wasp (7/10)
Die gute Nachricht: Nach ihrem Prinz-Eisenherz-Look vom Vorgänger hat Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) nun endlich wieder einen attraktiven Haarschnitt. Die schlechte Nachricht: Es gibt kaum mehr über sie zu berichten als ihre Frisur.
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Da gab es also fünf Drehbuchautoren (darunter Hauptdarsteller Paul Rudd), und keiner hat auch nur versucht, die Geschichte mal aus Sicht der Wespe zu betrachten. Ja, sie tritt Hintern in den Kämpfen mit diversen Schurken, aber ansonsten hat sie gemeinsam mit ihrem Vater Hank (Michael Douglas) nur eine einzige Motivation: ihre Mutter aus dem Mikrokosmos zu befreien. Währenddessen hadert Scott Lang mit seinem Hausarrest und versucht Abby ein guter Vater zu sein - oder ist es vielmehr so, dass Abby versucht, eine gute Tochter zu sein? Am Ende erklärt sie Hope, dass sie ihrem Papa selbst Heldentaten begehen wollte, der aber lieber Hope als Partnerin haben wolle. Das wäre dann ein guter Ausgangspunkt für einen dritten Film, den man dann vielleicht tatsächlich "Ant-Man AND the Wasp" hätte nennen können. Aber da ist Thanos vor...
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Zum Glück darf erneut Michael Peña als Luis rumblödeln. Diesmal gibt es eine herrliche verbalen Schlagabtausch um keineswegs ein Wahrheitsserum. Als Belohnung darf sich Luis aus der Modellautowunderkiste bedienen - und sucht sich selbstverständlich das bunteste Fahrzeug aus.
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Hauptgegenspieler ist Walton Goggins, den Tarantino in Django Unchained und The Hateful Eight zum Schurkenarchetyp geformt hatte. Sein Auftritt als Gangster "Sonny Burch" vollendet nun nach Tomb Raider und Maze Runner den Mistkerl-Hattrick des Kinojahres.
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Ebenfalls im mittelmäßigen Tomb-Raider-Neustart hatte die junge Britin Hannah John-Kamen einen Kleinauftritt (als Freundin von Lara Croft). Besser bekannt ist sie aus der SyFy-Billigserie Killjoys. Als "Ghost" ist sie hier für die exotischere Bedrohung zuständig. Ihre Rolle hat außer Eyecandy leider nicht viel Variation zu bieten. Ein bisschen Gravitas schließlich steuert Laurence Fishburn als Hanks ehemaliger Kollege bei.
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Marvels 20. Abenteuer im Avengers-Universum bietet erneut zwei kurzweilige Stunden. In den rasanten Actionszenen geht es zur Abwechslung mal nicht um die Rettung der Welt, sondern um die Ausbeutung von Hanks Erfindungen und damit letztendlich ums schnöde Geld (und zusätzlich die Familienzusammenführung). Im Effektgewitter sind Ant-Man und die Wespe mal ziemlich klein, mal ganz groß und zwischendurch irgendwie mittel. Um das zu genießen, schaltet man den Logikteil seines Gehirns aber besser aus - da gibt es jetzt also während der Fahrt miniaturisierbare Autos, in denen die Insassen nebst dem Laborgebäude im Gepäck mal eben mitschrumpfen. Gelungen ist die digitale Verjüngung von Michael Douglas und Michelle Pfeiffer in ein paar Rückblicken. Ansonsten kann ich über letztere vor allem berichten, dass sie auch mit 60 Jahren und weissen Haaren noch umwerfend aussieht. Gut (7/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
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Da gab es also fünf Drehbuchautoren (darunter Hauptdarsteller Paul Rudd), und keiner hat auch nur versucht, die Geschichte mal aus Sicht der Wespe zu betrachten. Ja, sie tritt Hintern in den Kämpfen mit diversen Schurken, aber ansonsten hat sie gemeinsam mit ihrem Vater Hank (Michael Douglas) nur eine einzige Motivation: ihre Mutter aus dem Mikrokosmos zu befreien. Währenddessen hadert Scott Lang mit seinem Hausarrest und versucht Abby ein guter Vater zu sein - oder ist es vielmehr so, dass Abby versucht, eine gute Tochter zu sein? Am Ende erklärt sie Hope, dass sie ihrem Papa selbst Heldentaten begehen wollte, der aber lieber Hope als Partnerin haben wolle. Das wäre dann ein guter Ausgangspunkt für einen dritten Film, den man dann vielleicht tatsächlich "Ant-Man AND the Wasp" hätte nennen können. Aber da ist Thanos vor...
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Zum Glück darf erneut Michael Peña als Luis rumblödeln. Diesmal gibt es eine herrliche verbalen Schlagabtausch um keineswegs ein Wahrheitsserum. Als Belohnung darf sich Luis aus der Modellautowunderkiste bedienen - und sucht sich selbstverständlich das bunteste Fahrzeug aus.
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Hauptgegenspieler ist Walton Goggins, den Tarantino in Django Unchained und The Hateful Eight zum Schurkenarchetyp geformt hatte. Sein Auftritt als Gangster "Sonny Burch" vollendet nun nach Tomb Raider und Maze Runner den Mistkerl-Hattrick des Kinojahres.
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Ebenfalls im mittelmäßigen Tomb-Raider-Neustart hatte die junge Britin Hannah John-Kamen einen Kleinauftritt (als Freundin von Lara Croft). Besser bekannt ist sie aus der SyFy-Billigserie Killjoys. Als "Ghost" ist sie hier für die exotischere Bedrohung zuständig. Ihre Rolle hat außer Eyecandy leider nicht viel Variation zu bieten. Ein bisschen Gravitas schließlich steuert Laurence Fishburn als Hanks ehemaliger Kollege bei.
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Marvels 20. Abenteuer im Avengers-Universum bietet erneut zwei kurzweilige Stunden. In den rasanten Actionszenen geht es zur Abwechslung mal nicht um die Rettung der Welt, sondern um die Ausbeutung von Hanks Erfindungen und damit letztendlich ums schnöde Geld (und zusätzlich die Familienzusammenführung). Im Effektgewitter sind Ant-Man und die Wespe mal ziemlich klein, mal ganz groß und zwischendurch irgendwie mittel. Um das zu genießen, schaltet man den Logikteil seines Gehirns aber besser aus - da gibt es jetzt also während der Fahrt miniaturisierbare Autos, in denen die Insassen nebst dem Laborgebäude im Gepäck mal eben mitschrumpfen. Gelungen ist die digitale Verjüngung von Michael Douglas und Michelle Pfeiffer in ein paar Rückblicken. Ansonsten kann ich über letztere vor allem berichten, dass sie auch mit 60 Jahren und weissen Haaren noch umwerfend aussieht. Gut (7/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Samstag, 30. Juni 2018
Die Hugo-Finalisten 2018: Kurzformen
Hugo-Gewinnerin Jo Walton (Among Others) beschreibt in ihrem Blog ein wichtiges Merkmal von SF und Fantasy: Der Weltenaufbau wird zu einem eigenen Charakter. Was nicht heißt, dass die menschlichen (oder un-menschlichen) Figuren unwichtig werden sollten. Je kürzer allerdings die Geschichten werden, desto mehr stehen die Ideen im Vordergrund. Dagegen ist nichts zu sagen, aber ich persönlich möchte beim Lesen Personen kennenlernen und mit ihnen mitfiebern. Vielleicht deshalb sagen mir nur wenige Kurzgeschichten zu. In den letzten Jahren hat es kaum Beispiele auf dem Niveau von Sturgeon, Dick oder LeGuin gegeben. Bei den diesjährigen Nominierungen bin ich jedenfalls nicht fündig geworden. Es drängt sich auch keine Rangfolge auf, trotz ein paar netter Beiträge.
6. "Children of Thorns" Aliette de Bodard
Dieses Abenteuer in einem verwunschenen Palast ist eine Coda zu einer mir unbekannten umfangreichen Fantasy-Serie. Für sich allein konnte ich damit nichts anfangen.
5. "Extracurricular Activities" Yoon Ha Lee
Diese Military SF um den Helden Shuos Jedao ist quasi ein Flashback zur Hugo-nominierten Romantrilogie der Autoren Yoon Ha Lee (Ninefox Gambit im letzten Jahr, "Raven Strategem" in diesem). Shuos Jedao ist offenbar ein intergalaktischer Ethan Hunt, der nur mit einem Kugelschreiber bewaffnet eine gegnerische Garnison infiltrieren kann und dabei nur einen leichten Schnupfen davonträgt. Seine Gegenspieler duellieren sich nämlich mit Viren. Wenn das nicht so bierernst geschrieben wäre, hätte ich mich vielleicht amüsiert. Punktabzug auch für eine weitere beliebig geschlechtslose Figur ("they").
No Award
4. "A Series of Steaks" Vina Jie-Min Prasad
Schmecken Steaks aus dem 3D-Printer weniger gut als "echte" Schlachterzeugnisse? Wäre interessanter gewesen, wenn mich die beiden weiblichen Hauptfiguren und ihre angedeutete Romanze überzeugt hätten.
3. "Small Changes Over Long Periods" K.M. Szpara
In der Nachfolge von Chuck Tingle und Stix Hiscock bietet der Transgender-Aktivist K.M. Szpara (der angeblich einen Master in Theologie abgeschlossen hat) derbe Erotik und erörtert die wichtige philosophische Frage, wie bei einem Trans-Mann die Wandlung zum Vampir vonstatten geht. Es stellt sich heraus, dass neben Blut gewaltige Zugaben Testosteron notwendig sind.
2. "The Secret Life of Bots" Suzanne Palmer
Dieses nette Nichts ist eine Variation auf den Animationsfilm The Secret Life of Pets, im Deutschen einfach nur "Pets" (den ich unterhaltsamer fand als den ambitionierten Disney-Zwilling Zootopia). Hauptfigur ist ein in die Jahre gekommener Wartungsroboter, der trotz seiner Winzigkeit (er misst nur wenige Zentimeter) fast im Alleingang sein Raumschiff und das Sonnensystem rettet. Tatsächlich bilden die Bots eine verschworene Gemeinschaft und legen schon mal eine Gedenkmillisekunde für außer Dienst gestellte Kameraden ein.
1. "Wind Will Rove" Sarah Pinsker
Als Folk-Freund habe ich mich für diese Reflektion auf Tradition und Wandlung entschieden. Sarah Pinsker (die mit dem Ego so groß wie ein Planet, siehe ihre nominierte Novelle) beschreibt, wie Musiker auf einem Generationenraumschiff verzweifelt versuchen, ihr traditionelles Liedgut zu bewahren (es gab einen Blackout und Speicherverluste). So gibt es dogmatische Folk-Sessions, bei denen immer und immer wieder die alten Tunes heruntergedudelt werden (eine Tradition besonders der Iren, der ich nicht viel abgewinnen kann). Aber Folk-Musik muss leben, muss ihre Lieder weiterentwickeln und auf aktuelle Situationen beziehen. So jedenfalls interpretiere ich den Weg der Hauptfigur (einer Fiddlerin) und die Evolution ihres Lieblingsliedes, eben jenes "Winds Will Rove".
6. "Clearly Lettered in a Mostly Steady Hand" Fran Wilde
Eine poetische Allegorie, zu der ich keinen Zugang finden konnte.
5. "Carnival Nine" Caroline M. Yoachim
Und noch ein Abklatsch von The Secret Life of Pets, diesmal mit Aufziehpuppen. Der "Maker" zieht allmorgendlich das Gewinde der Puppen auf, was je nach Anzahl der Windungen zu unterschiedlich langen Aktivitätsdauern führt. Die Geschichte selbst ist leider schematisch-kitschig.
No Award
4. "Sun, Moon, and Dust" Ursula Vernon
Ursula Vernons Tomatendieb gewann letzes Jahr als beste Novelette. Diese Fantasy um einen Kartoffelfarmer und drei Heldengeister, die in einem magischen Schwert gefangen sind, fand ich deutlich schwächer, insbesondere den vagen homoerotischen Funken am Ende.
3. "Fandom for Robots" Vina Jie-Min Prasad
Die zweite diesjährige Nominierung der Autorin aus Singapur, die "gegen die Weltmaschine schreibt", ist ähnlich belanglos, hat aber wie mein Favorit bei den Novellen als Hauptfigur einen Roboter mit zweifelhaftem TV-Geschmack (in diesem Fall Anime), was sogar in eigenen Fangeschichten mündet.
2. "The Martian Obelisk" Linda Nagata
Linda Nagata lebt in Hawaii und schreibt vor allem "Nanopunk", wie ich aus der Wikipedia erfahre. Der Obeliks auf dem Mars soll ein Denkmal werden für die aussterbende menschliche Zivilisation. Aber ist dieses wichtiger als das Überleben der letzten Menschen auf dem Nachbarplaneten?
1. "Welcome to your Authentic Indian Experience™" Rebecca Roanhorse
Fast zufällig landet dieses Garn um virtuelle Erlebniswelten und indianische Tradition auf dem ersten Platz. Es gewann bereits den Nebula (die Nominierungen überschneiden sich nur noch bei Wilde und Prasad). Ein bisschen sperrig erzählt, hat es dann doch etwas von Phil Dicks Splittern der Realität. Authentische Ureinwohner hat Amerika ja nicht mehr zu bieten, aber Rebecca Roanhorse gibt ihre Wurzeln an mit Ohkay Owingeh (mit "schwarzer" Beimischung). Wie Prasad ist sie in diesem Jahr auch für den Campbell als "beste neue Autorin" nominiert.
Noveletten
6. "Children of Thorns" Aliette de Bodard
Dieses Abenteuer in einem verwunschenen Palast ist eine Coda zu einer mir unbekannten umfangreichen Fantasy-Serie. Für sich allein konnte ich damit nichts anfangen.
5. "Extracurricular Activities" Yoon Ha Lee
Diese Military SF um den Helden Shuos Jedao ist quasi ein Flashback zur Hugo-nominierten Romantrilogie der Autoren Yoon Ha Lee (Ninefox Gambit im letzten Jahr, "Raven Strategem" in diesem). Shuos Jedao ist offenbar ein intergalaktischer Ethan Hunt, der nur mit einem Kugelschreiber bewaffnet eine gegnerische Garnison infiltrieren kann und dabei nur einen leichten Schnupfen davonträgt. Seine Gegenspieler duellieren sich nämlich mit Viren. Wenn das nicht so bierernst geschrieben wäre, hätte ich mich vielleicht amüsiert. Punktabzug auch für eine weitere beliebig geschlechtslose Figur ("they").
No Award
4. "A Series of Steaks" Vina Jie-Min Prasad
Schmecken Steaks aus dem 3D-Printer weniger gut als "echte" Schlachterzeugnisse? Wäre interessanter gewesen, wenn mich die beiden weiblichen Hauptfiguren und ihre angedeutete Romanze überzeugt hätten.
3. "Small Changes Over Long Periods" K.M. Szpara
In der Nachfolge von Chuck Tingle und Stix Hiscock bietet der Transgender-Aktivist K.M. Szpara (der angeblich einen Master in Theologie abgeschlossen hat) derbe Erotik und erörtert die wichtige philosophische Frage, wie bei einem Trans-Mann die Wandlung zum Vampir vonstatten geht. Es stellt sich heraus, dass neben Blut gewaltige Zugaben Testosteron notwendig sind.
2. "The Secret Life of Bots" Suzanne Palmer
Dieses nette Nichts ist eine Variation auf den Animationsfilm The Secret Life of Pets, im Deutschen einfach nur "Pets" (den ich unterhaltsamer fand als den ambitionierten Disney-Zwilling Zootopia). Hauptfigur ist ein in die Jahre gekommener Wartungsroboter, der trotz seiner Winzigkeit (er misst nur wenige Zentimeter) fast im Alleingang sein Raumschiff und das Sonnensystem rettet. Tatsächlich bilden die Bots eine verschworene Gemeinschaft und legen schon mal eine Gedenkmillisekunde für außer Dienst gestellte Kameraden ein.
1. "Wind Will Rove" Sarah Pinsker
Als Folk-Freund habe ich mich für diese Reflektion auf Tradition und Wandlung entschieden. Sarah Pinsker (die mit dem Ego so groß wie ein Planet, siehe ihre nominierte Novelle) beschreibt, wie Musiker auf einem Generationenraumschiff verzweifelt versuchen, ihr traditionelles Liedgut zu bewahren (es gab einen Blackout und Speicherverluste). So gibt es dogmatische Folk-Sessions, bei denen immer und immer wieder die alten Tunes heruntergedudelt werden (eine Tradition besonders der Iren, der ich nicht viel abgewinnen kann). Aber Folk-Musik muss leben, muss ihre Lieder weiterentwickeln und auf aktuelle Situationen beziehen. So jedenfalls interpretiere ich den Weg der Hauptfigur (einer Fiddlerin) und die Evolution ihres Lieblingsliedes, eben jenes "Winds Will Rove".
Short Stories
6. "Clearly Lettered in a Mostly Steady Hand" Fran Wilde
Eine poetische Allegorie, zu der ich keinen Zugang finden konnte.
5. "Carnival Nine" Caroline M. Yoachim
Und noch ein Abklatsch von The Secret Life of Pets, diesmal mit Aufziehpuppen. Der "Maker" zieht allmorgendlich das Gewinde der Puppen auf, was je nach Anzahl der Windungen zu unterschiedlich langen Aktivitätsdauern führt. Die Geschichte selbst ist leider schematisch-kitschig.
No Award
4. "Sun, Moon, and Dust" Ursula Vernon
Ursula Vernons Tomatendieb gewann letzes Jahr als beste Novelette. Diese Fantasy um einen Kartoffelfarmer und drei Heldengeister, die in einem magischen Schwert gefangen sind, fand ich deutlich schwächer, insbesondere den vagen homoerotischen Funken am Ende.
3. "Fandom for Robots" Vina Jie-Min Prasad
Die zweite diesjährige Nominierung der Autorin aus Singapur, die "gegen die Weltmaschine schreibt", ist ähnlich belanglos, hat aber wie mein Favorit bei den Novellen als Hauptfigur einen Roboter mit zweifelhaftem TV-Geschmack (in diesem Fall Anime), was sogar in eigenen Fangeschichten mündet.
2. "The Martian Obelisk" Linda Nagata
Linda Nagata lebt in Hawaii und schreibt vor allem "Nanopunk", wie ich aus der Wikipedia erfahre. Der Obeliks auf dem Mars soll ein Denkmal werden für die aussterbende menschliche Zivilisation. Aber ist dieses wichtiger als das Überleben der letzten Menschen auf dem Nachbarplaneten?
1. "Welcome to your Authentic Indian Experience™" Rebecca Roanhorse
Fast zufällig landet dieses Garn um virtuelle Erlebniswelten und indianische Tradition auf dem ersten Platz. Es gewann bereits den Nebula (die Nominierungen überschneiden sich nur noch bei Wilde und Prasad). Ein bisschen sperrig erzählt, hat es dann doch etwas von Phil Dicks Splittern der Realität. Authentische Ureinwohner hat Amerika ja nicht mehr zu bieten, aber Rebecca Roanhorse gibt ihre Wurzeln an mit Ohkay Owingeh (mit "schwarzer" Beimischung). Wie Prasad ist sie in diesem Jahr auch für den Campbell als "beste neue Autorin" nominiert.
Samstag, 23. Juni 2018
Spielberg Light: Die Verlegerin (6/10)
In den USA heißt Spielbergs jüngstes Oscar-Futter einfach The Post - die Amerikaner wissen, dass damit die "Washington Post" gemeint ist. 1971 war das die immerhin auflagenstärkste Lokalzeitung im (für US-Verhältnisse) Kaff Washington D.C. Zeitgleich zum Börsengang folgte die Post der New York Times in der Veröffentlichung der sogenannten "Pentagon Papers" (trotz gerichtlicher Verfügungen gegen die Times) und etablierte sich bundesweit als Sprachrohr für Pressefreiheit und regierungskritische Berichterstattung. Die Pentagon Papers enthielten eine über 6000 Seiten lange, streng geheime Studie über den Vietnamkrieg, waren vom ehemaligen Verteidigungsminister Robert McNamara in Auftrag gegeben und dann unter Verschluss gehalten worden ("für die Nachwelt"). Da die Ergebnisse in direktem Widerspruch zu den öffentlichen Aussagen der Regierungen seit Kennedy standen, riskierte Daniel Ellsberg, einer der Autoren der Studie, eine Anklage wegen Hochverrats und machte sie den beiden Zeitungen zugänglich. Das war übrigens damals lange nicht so einfach wie in unseren Zeiten von WikiLeaks - er musste die Papiere nach und nach aus dem Verteidigungsministerium herausschmuggeln und auf einen Kopierer legen.
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Der deutsche Verleihtitel Die Verlegerin verdeutlicht den Fokus des Drehbuchs von Josh Singer (Spotlight) und seiner jungen Kollegin Liz Hannah und stellt natürlich gleichzeitig werbewirksam die Hauptdarstellerin Meryl Streep in den Vordergrund. Tatsächlich wurde Katharine "Kay" Graham, Herausgeberin der Post seit dem Tode ihres Mannes Phil, 1972 der erste weibliche Chef einer Fortune-500-Firma. Leider bauscht Spielberg diesen Meilenstein künstlich auf. Es gibt zwar eindrückliche Momente, etwa wenn Kay Graham zum ersten Mal einen Börsenraum vollgestopft mit würdevollen weißen Männern betritt. Meryl Streep weiß auch Kays anfängliche Unsicherheit im Umgang mit den Alphamännern darzustellen. Von den Aufsichtsratmitgliedern über ihren Chefredakteur Benjamin Bradlee (Tom Hanks) bis zu ihrem Anwalt wird sie immer wieder belächelt und herablassend behandelt. Trotzdem hat sie die Entscheidungsbefugnis und nimmt sie im wichtigsten Moment auch wahr. Aber der Weg dahin wirkt auf mich nicht wahrhaftig und wird dann in typischer Spielberg-Manier am Ende untergraben durch das Spalier von bewundernden Frauen nach der Entscheidung des Supreme Courts für die Pressefreiheit. Kay Graham wurde bestimmt zum Vorbild für viele Frauen, aber dieser Prozess war sicher gradueller - und weniger kinotauglich. Der Pulitzer-Preis ging 1972 übrigens an die New York Times, erst ein Jahr später an die Post: für die Enthüllung der Watergate-Affäre. Einen weiteren Pulitzer gewann Kay Graham 1998 - für ihre Memoiren. Sie starb 2001.
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Neben Streep verblassen dann auch die männlichen Kollegen, die natürlich alle solide agieren (weniger würde man bei Spielberg nie erwarten). Tom Hanks' Chefredakteur wird auf einen reinen Handlungsträger reduziert, obwohl ihm das Script sogar Szenen mit seiner Ehefrau (Sarah Paulson) spendiert. Am überzeugendsten fand ich noch Bob Odenkirk (Better Call Saul) als Chefreporter, Bruce Greenwood als McNamara und Bradley Whitford (The West Wing, Cabin in the Woods) als Aufsichtsrat Arthur Parsons. Dank Spielbergs flüssiger Erzählweise und Januscz Kaminskis eleganter Kameraführung wird die Geschichte nie wirklich langweilig, bekommt aber auch nie den mitreißenden Schwung etwa des verwandten Oscar-Gewinners Spotlight. Das Zeitkolorit wird zwar ganz gut eingefangen, wirkt aber nie so beklemmend echt wie etwa in Mad Men (trotz dessen satirischer Sichtweise - vielleicht fehlt der Zigarettenqualm). Und den bedeutungsschweren Score von John Williams fand ich diesmal besonders manipulativ. So wirken sowohl das Lob auf die Pressefreiheit als auch der Ruf nach Geschlechtergleichheit aufgesetzt. Ein wenig hat mich das an Oprah Winfreys begeisternde #Time's-Up-Rede bei den diesjährigen Golden Globes erinnert. Das reine Heraufbeschwören von Veränderungen beschleunigt diese nicht unbedingt. Die TV-Milliardärin ist bestes Symbol, dass sich seit 1971 die Rolle von Frauen stark verändert hat. Was die Pressefreiheit betrifft, gibt es in den USA nur noch wenige Bastionen, die sich gegen das Establishment halten. Vor diesem Hintergrund ist Die Verlegerin einfach zu brav, Spielberg Light sozusagen. Ordentlich (6/10).
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Der deutsche Verleihtitel Die Verlegerin verdeutlicht den Fokus des Drehbuchs von Josh Singer (Spotlight) und seiner jungen Kollegin Liz Hannah und stellt natürlich gleichzeitig werbewirksam die Hauptdarstellerin Meryl Streep in den Vordergrund. Tatsächlich wurde Katharine "Kay" Graham, Herausgeberin der Post seit dem Tode ihres Mannes Phil, 1972 der erste weibliche Chef einer Fortune-500-Firma. Leider bauscht Spielberg diesen Meilenstein künstlich auf. Es gibt zwar eindrückliche Momente, etwa wenn Kay Graham zum ersten Mal einen Börsenraum vollgestopft mit würdevollen weißen Männern betritt. Meryl Streep weiß auch Kays anfängliche Unsicherheit im Umgang mit den Alphamännern darzustellen. Von den Aufsichtsratmitgliedern über ihren Chefredakteur Benjamin Bradlee (Tom Hanks) bis zu ihrem Anwalt wird sie immer wieder belächelt und herablassend behandelt. Trotzdem hat sie die Entscheidungsbefugnis und nimmt sie im wichtigsten Moment auch wahr. Aber der Weg dahin wirkt auf mich nicht wahrhaftig und wird dann in typischer Spielberg-Manier am Ende untergraben durch das Spalier von bewundernden Frauen nach der Entscheidung des Supreme Courts für die Pressefreiheit. Kay Graham wurde bestimmt zum Vorbild für viele Frauen, aber dieser Prozess war sicher gradueller - und weniger kinotauglich. Der Pulitzer-Preis ging 1972 übrigens an die New York Times, erst ein Jahr später an die Post: für die Enthüllung der Watergate-Affäre. Einen weiteren Pulitzer gewann Kay Graham 1998 - für ihre Memoiren. Sie starb 2001.
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Neben Streep verblassen dann auch die männlichen Kollegen, die natürlich alle solide agieren (weniger würde man bei Spielberg nie erwarten). Tom Hanks' Chefredakteur wird auf einen reinen Handlungsträger reduziert, obwohl ihm das Script sogar Szenen mit seiner Ehefrau (Sarah Paulson) spendiert. Am überzeugendsten fand ich noch Bob Odenkirk (Better Call Saul) als Chefreporter, Bruce Greenwood als McNamara und Bradley Whitford (The West Wing, Cabin in the Woods) als Aufsichtsrat Arthur Parsons. Dank Spielbergs flüssiger Erzählweise und Januscz Kaminskis eleganter Kameraführung wird die Geschichte nie wirklich langweilig, bekommt aber auch nie den mitreißenden Schwung etwa des verwandten Oscar-Gewinners Spotlight. Das Zeitkolorit wird zwar ganz gut eingefangen, wirkt aber nie so beklemmend echt wie etwa in Mad Men (trotz dessen satirischer Sichtweise - vielleicht fehlt der Zigarettenqualm). Und den bedeutungsschweren Score von John Williams fand ich diesmal besonders manipulativ. So wirken sowohl das Lob auf die Pressefreiheit als auch der Ruf nach Geschlechtergleichheit aufgesetzt. Ein wenig hat mich das an Oprah Winfreys begeisternde #Time's-Up-Rede bei den diesjährigen Golden Globes erinnert. Das reine Heraufbeschwören von Veränderungen beschleunigt diese nicht unbedingt. Die TV-Milliardärin ist bestes Symbol, dass sich seit 1971 die Rolle von Frauen stark verändert hat. Was die Pressefreiheit betrifft, gibt es in den USA nur noch wenige Bastionen, die sich gegen das Establishment halten. Vor diesem Hintergrund ist Die Verlegerin einfach zu brav, Spielberg Light sozusagen. Ordentlich (6/10).
Sonntag, 17. Juni 2018
Die Hugo-Finalisten 2018: Novellen
Während die Auswahl in der Kategorie "Roman" in diesem Jahr sehr enttäuschend ist - es sieht nach einem Hatrick für N.K. Jemisin aus - hatte ich an den Novellen überwiegend Freude. Es handelt sich eigentlich um Kurzromane, zwischen 100 und 200 Seiten lang, abgeschlossen oder Teil einer Serie. Nicht unter die Finalisten gekommen sind übrigens die beiden jüngsten Penric-Erzählungen von Lois McMaster Bujold, dafür ist ihre "World of the Five Gods" bei den Serien im Rennen. Hier meine Abstimmungsreihenfolge:
6. River of Teeth: Sarah Gailey
Die Grundidee ist eigentlich ganz nett: Im 19. Jahrhundert werden am Mississippi Flusspferde angesiedelt und lösen bald gewöhnliche Pferde als Reittiere ab. Vor diesem Hintergrund gibt es dann eine Wildwestgeschichte, die vor allem in der Figurenzeichnung jämmerlich scheitert. Insbesondere die wild durcheinandergeworfenen Gender-Typisierungen reiben sich mit dem historischen Hintergrund, vom bisexuellen Helden, der zu Beginn des Abenteuers erstmal einen blauäugigen Buchhalter vernascht, über die taffe, schwangere Kopfgeldjägerin bis hin zu einer Person, die das Geschlechterroulette verloren hat und deshalb nur mit "they" referenziert wird. Das ist reine Anbiederung an die LGBT-Gemeinde. Die bereits erhältliche Fortsetzung kann mir gestohlen bleiben!
5. The Black Tides of Heaven: JY Yang
Die quere Autor*in erfindet ein unwahrscheinliches Zwillingspaar, das sich in einer mittelalterlichen Fantasywelt auf unterschiedlichen Seiten eines weltumspannenden Konfliktes wiederfindet. Auch hier gibt es Abzüge für die beliebigen Geschlechtertypisierungen. Während manche Personen schon mit vier (4!) Jahren ein Geschlecht zugewiesen bekommen, warten die Zwillinge damit 17 Jahre, also ca. bis zur Halbzeitpause der Erzählung. Bis dahin werden sie einzeln mit "they" angesprochen, was zu Verwirrung und Verärgerung führt. Ansonsten sind Weltenaufbau wie Charakterisierungen hier aufgrund der Kürze nicht besonders überzeugend. Auch hierzu soll es eine Fortsetzung/Erweiterung geben - pah.
NO AWARD
4. And then there were (N-One): Sarah Pinsker
Das Ego der Autorin muss größer als ein Planet sein, denn wie sonst hätte sie sich trauen können, uns diese Geschichte vorzusetzen, in der sie alle Haupt- und Nebenrollen mit sich selbst besetzt. In Ich-Form erzählt Sarah von einem Kongress, an dem Sarahs aus ausgewählten parallelen Dimensionen teilnehmen. Da ist nämlich die Physikerin (oder "Quantologin") Sarah, die mal eben nicht nur Kommunikation, sondern auch Reisen zwischen alternativen Realitäten erfunden hat. Daneben haben die Sarahs trotz identischer Gene offenbar unendliche Talente, denn es gibt preisgekrönte Autorinnen genauso wie Grammy-gewinnende Musikerinnen - allerdings keine Ärztinnen. Unsere Erzählerin ist eine schnöde Versicherungsdetektivin, was aber praktisch ist, denn eine Sarah wurde gerade tot aufgefunden - ermordet? Das erklärt die an Agatha Christie angelehnte Titelvariation. Eigentlich führt die Autorin die so beliebte Multiverse-Theorie ad absurdum, aber sie zeigt eindrücklich die reale Wahrheit, dass kleinste Entscheidungen und Zufälle einen Lebenslauf aufs nachdrücklichste beeinflussen können. Spaßig und anregend!
3. Binti - Home: Nnedi Okorafor
Dies ist die Fortsetzung des Hugo-Gewinners vom vorletzen Jahr, genauso toll geschrieben, mit einer detailliert ausgemalten, exotischen Zukunft und einer faszinierenden Hauptfigur. Mein Hauptkritikpunkt ist, dass "Home" eigentlich die erste Hälfte eines Romans darstellt. Es endet mit einem Cliffhanger und bildet damit keine abgeschlossene Geschichte wie der erste Teil. Der Abschluss ist für faire 2 Euro als eBook erhältlich (ein Preismodell, das für Novellen leider nicht üblich ist), und daher werde ich ihn direkt als nächstes lesen (er käme dann in die Auswahl für nächstes Jahr). Ein weiterer Aspekt der Binti-Saga hat mich zudem gestört. Es ist in Ordnung, dass auch in einer Zukunft mit Raumschiffen und Alienkontakten Traditionen bewahrt werden. Aber müssen dazu auch abergläubische Rituale gehören? Was ich meine (nur ein Beispiel, kommt im Buch nicht vor!): Die Aufführung eines traditionellen Regentanzes ist schön, solange die Qualität der Darbietung nicht an der Regenmenge des folgenden Monats gemessen wird. Besonders genervt hat mich, dass Binti (und übrigens nur die Himba-Frauen) nicht ohne auf die Haut aufgetragenen Schutzschlamm (otjize) in die Öffentlichkeit gehen kann - auch auf dem Universitätsplaneten, der kein Wüstenklima hat. Das ist keine zu verteidigende Tradition mehr, sondern eine angelernte Neurose, und ein gutes Beispiel, wie eine an sich vernünftige Vorschrift verknöchert und nicht mehr hilft, sondern behindert.
2. Down Among the Sticks and Bones: Seanan McGuire
Seanan McGuire ist eine Vielschreiberin, was der Qualität ihres Werks nicht unbedingt bekommt. Bisher kenne ich nur einen kleinen Querschnitt, aber zum einen vermute ich, dass sie im Laufe der Jahre besser geworden ist, zum anderen gibt es wohl Erzählungen, in die sie mehr Arbeit hineinsteckt. So gewann sie mit ihrer Novelle Every Heart a Doorway letztes Jahr verdient ihren ersten Hugo. "Down Among the Sticks and Bones" ist nun eine Art (abgeschlossene) Vorgeschichte, um die Zeit der Zwillingsschwestern Jack (Jacqueline) und Jill(ian) in ihrer Fantasiewelt. Besonders reizvoll ist das Spiel mit den Geschlechterrollen (und dies ist ein Beispiel dafür, wie man das thematisieren kann, ohne penetrant zu wirken). Der Vater hat sich einen Sohn gewünscht und unterstützt Jills Tom-Boy-Verhalten, die Mutter dagegen formt Jack zu einer neurotischen Ballerina (und ach, wie wünschen sie sich, die Schwestern könnten die Namen tauschen!) In der Fantasiewelt, in die sie mit 11 Jahren gelangen und erst mit 17 wieder verlassen, lösen sich die Schwestern dann von den Erwartungen der Eltern. Jack wird das Mündel des herrschenden Vampir-Barons, während Jill beim ortsansässigen Frankenstein-Verschnitt in die Lehre geht. Das ist spannend, komisch und traurig zugleich. Bravo!
1. All Systems Red: Martha Wells
In einer fernen Zukunft besiedelt und terraformt die Menschheit ferne Planeten. Das ist ein kommerziell gesteuertes Verfahren. Mit der Bewertung eines neuen Siedlungsplaneten wird ein kleiner Trupp von Wissenschaftlern beauftragt, bewacht von einem Standard-Kampfandroiden (nach den Regeln der federführenden Gesellschaft muss den Prospektoren pro zehn Personen eine solche Maschine zugeteilt werden). Dieser Android ist allerdings nur nach außen ein Standardmodell. Nach einem traumatischen Einsatz, bei dem er aufgrund eines Programmierfehlers Unschuldige niedergemetzelt hatte, hat er kurzerhand sein eigenes Steuerprogramm gehackt und ist nun sein eigener Herr, auch wenn er seinen Auftrag, die Wissenschaftler zu beschützen, immer noch sehr ernst nimmt. Mit typischer Künstlicher Ironie nennt er sich den "Murderbot" und erzählt in Tagebuchform seine Erlebnisse. Sogleich sympathisch wird er uns, weil er in seiner Freizeit Fernsehserien konsumiert, insbesondere Seifenopern (die leider auch sein Menschenbild prägen). Außerdem ist er in seinen Fähigkeiten eingeschränkter als wir das sonst in der SF gewohnt sind. Er ist halt als Sparmodell konzipiert, das den Vorgaben genügen muss, aber auch nicht allzu teuer in der Produktion sein darf. So ist offenbar seine Multitasking-Fähigkeit stark eingeschränkt (im Gegensatz zu Data, der bei einem Gespräch mit Menschen zeitgleich noch Shakespeares Werk analysieren kann). Zudem ist er, auch aufgrund seiner Traumatisierung, extrem schüchtern im Umgang mit Menschen. Aber gerade diese Beschränkungen machen ihn zu einer faszinierenden Figur.
Die Texanerin Martha Wells, Jahrgang 1964, kann bereits auf umfangreiche Veröffentlichungen im SF- und Fantasy-Genre zurückblicken. Vor Jahren habe ich mal eine Urban Fantasy von ihr begonnen und nach ein paar Kapiteln wieder aufgegeben ("The Death of the Necromancer"). Vielleicht war das voreilig, jedenfalls werde ich ihr jetzt noch ein paar Chancen geben. Sie ist mit ihren Raksura-Fantasy-Romanen in diesem Jahr auch für die Beste Serie im Rennen. "All Systems Red", die erste Novelle in ihren "Murderbot Diaries", hat in diesem Jahr bereits den Nebula gewonnen und ist auch mein Favorit für den Hugo. Das ist mal waschechte Science Fiction, humorvoll und actiongeladen (auch wenn ich nicht so weit wie andere Rezensenten gehen würde, dies als Military SF zu klassifizieren).
6. River of Teeth: Sarah Gailey
Die Grundidee ist eigentlich ganz nett: Im 19. Jahrhundert werden am Mississippi Flusspferde angesiedelt und lösen bald gewöhnliche Pferde als Reittiere ab. Vor diesem Hintergrund gibt es dann eine Wildwestgeschichte, die vor allem in der Figurenzeichnung jämmerlich scheitert. Insbesondere die wild durcheinandergeworfenen Gender-Typisierungen reiben sich mit dem historischen Hintergrund, vom bisexuellen Helden, der zu Beginn des Abenteuers erstmal einen blauäugigen Buchhalter vernascht, über die taffe, schwangere Kopfgeldjägerin bis hin zu einer Person, die das Geschlechterroulette verloren hat und deshalb nur mit "they" referenziert wird. Das ist reine Anbiederung an die LGBT-Gemeinde. Die bereits erhältliche Fortsetzung kann mir gestohlen bleiben!
5. The Black Tides of Heaven: JY Yang
Die quere Autor*in erfindet ein unwahrscheinliches Zwillingspaar, das sich in einer mittelalterlichen Fantasywelt auf unterschiedlichen Seiten eines weltumspannenden Konfliktes wiederfindet. Auch hier gibt es Abzüge für die beliebigen Geschlechtertypisierungen. Während manche Personen schon mit vier (4!) Jahren ein Geschlecht zugewiesen bekommen, warten die Zwillinge damit 17 Jahre, also ca. bis zur Halbzeitpause der Erzählung. Bis dahin werden sie einzeln mit "they" angesprochen, was zu Verwirrung und Verärgerung führt. Ansonsten sind Weltenaufbau wie Charakterisierungen hier aufgrund der Kürze nicht besonders überzeugend. Auch hierzu soll es eine Fortsetzung/Erweiterung geben - pah.
NO AWARD
4. And then there were (N-One): Sarah Pinsker
Das Ego der Autorin muss größer als ein Planet sein, denn wie sonst hätte sie sich trauen können, uns diese Geschichte vorzusetzen, in der sie alle Haupt- und Nebenrollen mit sich selbst besetzt. In Ich-Form erzählt Sarah von einem Kongress, an dem Sarahs aus ausgewählten parallelen Dimensionen teilnehmen. Da ist nämlich die Physikerin (oder "Quantologin") Sarah, die mal eben nicht nur Kommunikation, sondern auch Reisen zwischen alternativen Realitäten erfunden hat. Daneben haben die Sarahs trotz identischer Gene offenbar unendliche Talente, denn es gibt preisgekrönte Autorinnen genauso wie Grammy-gewinnende Musikerinnen - allerdings keine Ärztinnen. Unsere Erzählerin ist eine schnöde Versicherungsdetektivin, was aber praktisch ist, denn eine Sarah wurde gerade tot aufgefunden - ermordet? Das erklärt die an Agatha Christie angelehnte Titelvariation. Eigentlich führt die Autorin die so beliebte Multiverse-Theorie ad absurdum, aber sie zeigt eindrücklich die reale Wahrheit, dass kleinste Entscheidungen und Zufälle einen Lebenslauf aufs nachdrücklichste beeinflussen können. Spaßig und anregend!
3. Binti - Home: Nnedi Okorafor
Dies ist die Fortsetzung des Hugo-Gewinners vom vorletzen Jahr, genauso toll geschrieben, mit einer detailliert ausgemalten, exotischen Zukunft und einer faszinierenden Hauptfigur. Mein Hauptkritikpunkt ist, dass "Home" eigentlich die erste Hälfte eines Romans darstellt. Es endet mit einem Cliffhanger und bildet damit keine abgeschlossene Geschichte wie der erste Teil. Der Abschluss ist für faire 2 Euro als eBook erhältlich (ein Preismodell, das für Novellen leider nicht üblich ist), und daher werde ich ihn direkt als nächstes lesen (er käme dann in die Auswahl für nächstes Jahr). Ein weiterer Aspekt der Binti-Saga hat mich zudem gestört. Es ist in Ordnung, dass auch in einer Zukunft mit Raumschiffen und Alienkontakten Traditionen bewahrt werden. Aber müssen dazu auch abergläubische Rituale gehören? Was ich meine (nur ein Beispiel, kommt im Buch nicht vor!): Die Aufführung eines traditionellen Regentanzes ist schön, solange die Qualität der Darbietung nicht an der Regenmenge des folgenden Monats gemessen wird. Besonders genervt hat mich, dass Binti (und übrigens nur die Himba-Frauen) nicht ohne auf die Haut aufgetragenen Schutzschlamm (otjize) in die Öffentlichkeit gehen kann - auch auf dem Universitätsplaneten, der kein Wüstenklima hat. Das ist keine zu verteidigende Tradition mehr, sondern eine angelernte Neurose, und ein gutes Beispiel, wie eine an sich vernünftige Vorschrift verknöchert und nicht mehr hilft, sondern behindert.
2. Down Among the Sticks and Bones: Seanan McGuire
Seanan McGuire ist eine Vielschreiberin, was der Qualität ihres Werks nicht unbedingt bekommt. Bisher kenne ich nur einen kleinen Querschnitt, aber zum einen vermute ich, dass sie im Laufe der Jahre besser geworden ist, zum anderen gibt es wohl Erzählungen, in die sie mehr Arbeit hineinsteckt. So gewann sie mit ihrer Novelle Every Heart a Doorway letztes Jahr verdient ihren ersten Hugo. "Down Among the Sticks and Bones" ist nun eine Art (abgeschlossene) Vorgeschichte, um die Zeit der Zwillingsschwestern Jack (Jacqueline) und Jill(ian) in ihrer Fantasiewelt. Besonders reizvoll ist das Spiel mit den Geschlechterrollen (und dies ist ein Beispiel dafür, wie man das thematisieren kann, ohne penetrant zu wirken). Der Vater hat sich einen Sohn gewünscht und unterstützt Jills Tom-Boy-Verhalten, die Mutter dagegen formt Jack zu einer neurotischen Ballerina (und ach, wie wünschen sie sich, die Schwestern könnten die Namen tauschen!) In der Fantasiewelt, in die sie mit 11 Jahren gelangen und erst mit 17 wieder verlassen, lösen sich die Schwestern dann von den Erwartungen der Eltern. Jack wird das Mündel des herrschenden Vampir-Barons, während Jill beim ortsansässigen Frankenstein-Verschnitt in die Lehre geht. Das ist spannend, komisch und traurig zugleich. Bravo!
1. All Systems Red: Martha Wells
In einer fernen Zukunft besiedelt und terraformt die Menschheit ferne Planeten. Das ist ein kommerziell gesteuertes Verfahren. Mit der Bewertung eines neuen Siedlungsplaneten wird ein kleiner Trupp von Wissenschaftlern beauftragt, bewacht von einem Standard-Kampfandroiden (nach den Regeln der federführenden Gesellschaft muss den Prospektoren pro zehn Personen eine solche Maschine zugeteilt werden). Dieser Android ist allerdings nur nach außen ein Standardmodell. Nach einem traumatischen Einsatz, bei dem er aufgrund eines Programmierfehlers Unschuldige niedergemetzelt hatte, hat er kurzerhand sein eigenes Steuerprogramm gehackt und ist nun sein eigener Herr, auch wenn er seinen Auftrag, die Wissenschaftler zu beschützen, immer noch sehr ernst nimmt. Mit typischer Künstlicher Ironie nennt er sich den "Murderbot" und erzählt in Tagebuchform seine Erlebnisse. Sogleich sympathisch wird er uns, weil er in seiner Freizeit Fernsehserien konsumiert, insbesondere Seifenopern (die leider auch sein Menschenbild prägen). Außerdem ist er in seinen Fähigkeiten eingeschränkter als wir das sonst in der SF gewohnt sind. Er ist halt als Sparmodell konzipiert, das den Vorgaben genügen muss, aber auch nicht allzu teuer in der Produktion sein darf. So ist offenbar seine Multitasking-Fähigkeit stark eingeschränkt (im Gegensatz zu Data, der bei einem Gespräch mit Menschen zeitgleich noch Shakespeares Werk analysieren kann). Zudem ist er, auch aufgrund seiner Traumatisierung, extrem schüchtern im Umgang mit Menschen. Aber gerade diese Beschränkungen machen ihn zu einer faszinierenden Figur.
Die Texanerin Martha Wells, Jahrgang 1964, kann bereits auf umfangreiche Veröffentlichungen im SF- und Fantasy-Genre zurückblicken. Vor Jahren habe ich mal eine Urban Fantasy von ihr begonnen und nach ein paar Kapiteln wieder aufgegeben ("The Death of the Necromancer"). Vielleicht war das voreilig, jedenfalls werde ich ihr jetzt noch ein paar Chancen geben. Sie ist mit ihren Raksura-Fantasy-Romanen in diesem Jahr auch für die Beste Serie im Rennen. "All Systems Red", die erste Novelle in ihren "Murderbot Diaries", hat in diesem Jahr bereits den Nebula gewonnen und ist auch mein Favorit für den Hugo. Das ist mal waschechte Science Fiction, humorvoll und actiongeladen (auch wenn ich nicht so weit wie andere Rezensenten gehen würde, dies als Military SF zu klassifizieren).
Samstag, 9. Juni 2018
Blue's Eleven: Jurassic World 2 (6/10)
Dies ist das Abenteuer von elf starken Frauen, die eine Reise ins Unbekannte antreten. Die Menschheit hat sie bereits aufgegeben, aber Blue und ihre Freundinnen verzweifeln nicht. Gerade erst einer Naturkatastrophe entronnen, planen sie bereits den Heist des Känozoikums. Sie mischen die Villa eines Milliardärs auf und setzen sich gegen ihre ärgste Widersacherin durch, eine lasergesteuerte Replikantin.
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Zu Beginn der Geschichte ist Blue einsam und verbittert - die Letzte ihrer Art (wir dickhäutigen Menschen erinnern uns kaum noch, aber ihre drei Schwestern wurden in Jurassic World dahingemetzelt). Daher fällt es ihr auch schwer, ihrem Menschenfreund Owen zu vertrauen, als dieser so urplötzlich wieder auf ihrer Insel erscheint. Aber die Umstände zwingen sie schnell, ihre Depression zu überwinden. Es heißt geschwind die Koffer zu packen und zu verschwinden, denn ein Vulkan bricht aus, und Lava verschlingt ihren Lebensraum. So findet sie sich unfreiwillig in Gesellschaft ihrer Verwandten wieder. Aber nicht alle können sich retten, und so müssen die Flüchtlinge aus der Ferne die Qualen von Brunhildes Schwester mit ansehen, die in der Hitze des Vulkanausbruchs dahinschmilzt (ein ikonisches Bild, welches wir Zuschauer nicht so schnell vergessen werden).
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Auf der Schiffsreise zeigt sich dann die starke Solidarität innerhalb der Familie. Blue ist verwundet und benötigt eine Bluttransfusion. In ihrer Not muss sie sich an jene Tante wenden, mit der sie eine respektvoll distanzierte Hassfreundschaft verbindet. Wer erinnert sich nicht an Tryxi mit ihrem Appetit auf Anwälte! Aber trotz aller Vorurteile lässt Tryxi ihre Nichte nicht im Stich und spendet ohne Zögern den notwendigen Kübel Blut. Hier zeigt sich wieder, dass Blut dicker als Wasser ist und auch Dinosaurier Gefühle haben! Kaum erwähnenswert, dass Blue die Operation auch ohne Betäubung durchsteht - man darf vermuten, dass äonenalte Autosuggestionstechniken zur Anwendung kamen.
Endstation der Reise ist besagte Milliardärsvilla bei London. Nicht unbedingt naheliegend, mag das damit zusammenhängen, dass schon Jurassic-Park-Gründer John Hammond aus England stammt. Leider konnte nach Richard Attenborough keine weitere britische Legende gewonnen werden, und so muss ein Amerikaner mit britisch-klingendem Namen genügen. James Cromwell mimt den reichen Aristokraten mit fragwürdigen Motiven vom Krankenbett aus. Aber die menschlichen Beweggründe sind hier ja nebensächlich. Zurück zu Blue und ihren Freundinnen, die von der Notlage immer mehr zu einem Team zusammengeschweisst werden. Jede darf ihre besonderen Fähigkeiten entfalten. Besonders bezaubernd ist in dieser Hinsicht Stiggy, die gern mit dem Kopf durch die Wand will - genau das, was die Lage erfordert. Schließlich kommt es zum Showdown, bei dem Team Blue ihre schwächlichen Menschenfreunde vor der bösen Replikantin beschützen müssen.
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Na also, es gibt doch noch Blockbuster mit rein weiblichen Hauptdarstellern! Allerdings herrscht schon ein Ungleichgewicht zwsichen den Stars (Blue, Tryxi, Brunhilde) und den Nebendarstellerinnen - hier hätte ich mir vom Script bessere Charakterisierungen gewünscht. Aus Sicherheitsgründen kamen in der Werbung übrigens eher die menschlichen Statisten zu Wort. Trotz dieser Publicity-Strategie drücken wir die Daumen für Blues Oscar-Nominierung. Die Entwicklung ihrer Figur war schon beeindruckend gespielt. Falls es nicht klappt mit dem Preis, kann sie ja immer noch den Moderator verspeisen...
Alles in allem eine kleine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Ordentlich (6/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
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Zu Beginn der Geschichte ist Blue einsam und verbittert - die Letzte ihrer Art (wir dickhäutigen Menschen erinnern uns kaum noch, aber ihre drei Schwestern wurden in Jurassic World dahingemetzelt). Daher fällt es ihr auch schwer, ihrem Menschenfreund Owen zu vertrauen, als dieser so urplötzlich wieder auf ihrer Insel erscheint. Aber die Umstände zwingen sie schnell, ihre Depression zu überwinden. Es heißt geschwind die Koffer zu packen und zu verschwinden, denn ein Vulkan bricht aus, und Lava verschlingt ihren Lebensraum. So findet sie sich unfreiwillig in Gesellschaft ihrer Verwandten wieder. Aber nicht alle können sich retten, und so müssen die Flüchtlinge aus der Ferne die Qualen von Brunhildes Schwester mit ansehen, die in der Hitze des Vulkanausbruchs dahinschmilzt (ein ikonisches Bild, welches wir Zuschauer nicht so schnell vergessen werden).
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Auf der Schiffsreise zeigt sich dann die starke Solidarität innerhalb der Familie. Blue ist verwundet und benötigt eine Bluttransfusion. In ihrer Not muss sie sich an jene Tante wenden, mit der sie eine respektvoll distanzierte Hassfreundschaft verbindet. Wer erinnert sich nicht an Tryxi mit ihrem Appetit auf Anwälte! Aber trotz aller Vorurteile lässt Tryxi ihre Nichte nicht im Stich und spendet ohne Zögern den notwendigen Kübel Blut. Hier zeigt sich wieder, dass Blut dicker als Wasser ist und auch Dinosaurier Gefühle haben! Kaum erwähnenswert, dass Blue die Operation auch ohne Betäubung durchsteht - man darf vermuten, dass äonenalte Autosuggestionstechniken zur Anwendung kamen.
Endstation der Reise ist besagte Milliardärsvilla bei London. Nicht unbedingt naheliegend, mag das damit zusammenhängen, dass schon Jurassic-Park-Gründer John Hammond aus England stammt. Leider konnte nach Richard Attenborough keine weitere britische Legende gewonnen werden, und so muss ein Amerikaner mit britisch-klingendem Namen genügen. James Cromwell mimt den reichen Aristokraten mit fragwürdigen Motiven vom Krankenbett aus. Aber die menschlichen Beweggründe sind hier ja nebensächlich. Zurück zu Blue und ihren Freundinnen, die von der Notlage immer mehr zu einem Team zusammengeschweisst werden. Jede darf ihre besonderen Fähigkeiten entfalten. Besonders bezaubernd ist in dieser Hinsicht Stiggy, die gern mit dem Kopf durch die Wand will - genau das, was die Lage erfordert. Schließlich kommt es zum Showdown, bei dem Team Blue ihre schwächlichen Menschenfreunde vor der bösen Replikantin beschützen müssen.
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Na also, es gibt doch noch Blockbuster mit rein weiblichen Hauptdarstellern! Allerdings herrscht schon ein Ungleichgewicht zwsichen den Stars (Blue, Tryxi, Brunhilde) und den Nebendarstellerinnen - hier hätte ich mir vom Script bessere Charakterisierungen gewünscht. Aus Sicherheitsgründen kamen in der Werbung übrigens eher die menschlichen Statisten zu Wort. Trotz dieser Publicity-Strategie drücken wir die Daumen für Blues Oscar-Nominierung. Die Entwicklung ihrer Figur war schon beeindruckend gespielt. Falls es nicht klappt mit dem Preis, kann sie ja immer noch den Moderator verspeisen...
Alles in allem eine kleine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Ordentlich (6/10).
Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Well I had an old dog and his name was Blue
Yes, I had an old dog and his name was Blue
Well I had an old dog and his name was Blue
Bet ya five dollars he's a good dog too
Samstag, 26. Mai 2018
O Solo Mio (5/10)
Wie heisst Du?
Han.
Und weiter?
Äh...
Hast du keine Familie?
Nö.
Dann nennen wir dich ... Solo.
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Das ist so ein typischer, nur leicht vereinfachter Dialog, den Altmeister Lawrence Kasdan (*1949) mit seinem jüngeren Sohn Jon(athan) (*1979) unserem Helden zwischen die Lippen zwängt. Das vom Hauptautor des auf ewig besten Star-Wars-Films, Das Imperium schlägt zurück, Erfinder von Indiana Jones und Autor/Regisseur eines weiteren Lieblingsfilms von mir: Der große Frust (1983). Der stellt sich bei mir auch ein ob eines Drehbuchs, dessen Kernidee auf einem Fehler von George Lucas beruht, der damals nicht wusste, was ein Parsec ist. 40 Jahre lang hatten wir Freude am Millenium Falcon ohne eine Erklärung für den Kessel-Lauf in zwölf Parsecs. Wir wissen, wer Solo ist, und wo Solo ist - nur Drax würde fragen, warum Solo ist. Jons Bruder Jake (*1974) hat mit der spaßigen, Rock-soliden Jumanji-Fortsetzung Willkommen im Dschungel gerade mehr zur Familienehre beigetragen als sein Vater in den letzten 20 Jahren.
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Statt über das Konzept, nicht vorhandene Lücken in einer perfekten Mythologie stopfen zu wollen, schimpfen nun alle auf den armen Alden Ehrenreich, der mich zuletzt in Hail, Caesar! mit seinem Spaghetti-Lasso bezaubern konnte ("Would that it were so simple.") Nein, der 28jährige ist kein Harrison Ford (der übrigens damals bereits 10 Jahre älter war), aber er schlägt sich wahrlich wacker. Fords Charme ist ja genauso mystisch wie seine Figuren und damit unkopierbar. Ehrenreich versteht es durchaus, Fords (ohnehin eingeschränkte) Mimik und Sprachrhythmen zu kopieren, aber das Material lässt ihm keinen Raum, seine Figur zum Leben zu erwecken. So bleibt seine Darstellung irgendwo zwischen misslungen (wie etwa Joseph Gordon-Levitt als junger Bruce Willis in Looper) und genial (Josh Brolin in Men in Black 3 als junger Tommy Lee Jones) im Mittelmaß kleben, so wie der Rest des Epos. Wo Disney draufsteht, ist auf Dauer halt auch nur Disney drin.
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Was bleibt, ist eine Abenteuergeschichte, der nie wirklich der Sprit ausgeht, die aber auch nie Lichtgeschwindigkeit erreicht. Woody Harrelson und "Vision" Paul Bettany sind solide wie immer, Thandie Newton (seit Westworld wieder angesagt) ist verschenkt, ebenso leider "Daenerys" Emilia Clarke. Immerhin wissen wir jetzt, dass ihr Capes stehen - Supergirl, anyone? Wirklich gelungen ist nur Donald Glovers Darstellung als Lando Calrissian - der 34jährige Atlanta-Star ist ein großes Talent. Oh, ja, und der inzwischen fast 50jährige "Wicket" Warwick Davis hat eine kleine Rolle, fast ohne Maske. Das ist leider reiner Fan-Service ohne Payoff. Und die immens talentierte Linda Hunt (die als einzige Frau einen Oscar für die Darstellung eines Mannes gewann) spricht einen übergroßen Regenwurm oder sowas.
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Genauer habe ich das nicht ausmachen können, denn die Kamerabilder waren im allgemeinen so dunkel und unscharf gehalten, dass man nur Schemen ausmachen konnte (ich übertreibe nur wenig, insbesondere was die 3D-Projektion anbelangt). Das passt zur Musik, einer uninspirierten John-Williams-Kopie mit einigen berühmten Zitaten. Na ja, von Regisseur Ron(ny) Howard erwartet niemand mehr Überraschungen. Sein letzter toller Film Frost/Nixon (2008, 9/10) war schon eher ein Ausrutscher, und seine dritte Dan-Brown-Adaption (2016, 2/10) war ein wahres Inferno. Aber was nützt es, sich über Mittelmaß aufzuregen? Die bislang teuerste Star-Wars-Geschichte wird wohl die bislang wenigsten Credits einspielen, aber trotzdem als Erfolg gewertet werden. Ob es zur handlungstechnisch vorbereiteten Fortsetzung reicht, wird sich zeigen. Annehmbar (5/10).
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Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Han.
Und weiter?
Äh...
Hast du keine Familie?
Nö.
Dann nennen wir dich ... Solo.
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Das ist so ein typischer, nur leicht vereinfachter Dialog, den Altmeister Lawrence Kasdan (*1949) mit seinem jüngeren Sohn Jon(athan) (*1979) unserem Helden zwischen die Lippen zwängt. Das vom Hauptautor des auf ewig besten Star-Wars-Films, Das Imperium schlägt zurück, Erfinder von Indiana Jones und Autor/Regisseur eines weiteren Lieblingsfilms von mir: Der große Frust (1983). Der stellt sich bei mir auch ein ob eines Drehbuchs, dessen Kernidee auf einem Fehler von George Lucas beruht, der damals nicht wusste, was ein Parsec ist. 40 Jahre lang hatten wir Freude am Millenium Falcon ohne eine Erklärung für den Kessel-Lauf in zwölf Parsecs. Wir wissen, wer Solo ist, und wo Solo ist - nur Drax würde fragen, warum Solo ist. Jons Bruder Jake (*1974) hat mit der spaßigen, Rock-soliden Jumanji-Fortsetzung Willkommen im Dschungel gerade mehr zur Familienehre beigetragen als sein Vater in den letzten 20 Jahren.
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Statt über das Konzept, nicht vorhandene Lücken in einer perfekten Mythologie stopfen zu wollen, schimpfen nun alle auf den armen Alden Ehrenreich, der mich zuletzt in Hail, Caesar! mit seinem Spaghetti-Lasso bezaubern konnte ("Would that it were so simple.") Nein, der 28jährige ist kein Harrison Ford (der übrigens damals bereits 10 Jahre älter war), aber er schlägt sich wahrlich wacker. Fords Charme ist ja genauso mystisch wie seine Figuren und damit unkopierbar. Ehrenreich versteht es durchaus, Fords (ohnehin eingeschränkte) Mimik und Sprachrhythmen zu kopieren, aber das Material lässt ihm keinen Raum, seine Figur zum Leben zu erwecken. So bleibt seine Darstellung irgendwo zwischen misslungen (wie etwa Joseph Gordon-Levitt als junger Bruce Willis in Looper) und genial (Josh Brolin in Men in Black 3 als junger Tommy Lee Jones) im Mittelmaß kleben, so wie der Rest des Epos. Wo Disney draufsteht, ist auf Dauer halt auch nur Disney drin.
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Was bleibt, ist eine Abenteuergeschichte, der nie wirklich der Sprit ausgeht, die aber auch nie Lichtgeschwindigkeit erreicht. Woody Harrelson und "Vision" Paul Bettany sind solide wie immer, Thandie Newton (seit Westworld wieder angesagt) ist verschenkt, ebenso leider "Daenerys" Emilia Clarke. Immerhin wissen wir jetzt, dass ihr Capes stehen - Supergirl, anyone? Wirklich gelungen ist nur Donald Glovers Darstellung als Lando Calrissian - der 34jährige Atlanta-Star ist ein großes Talent. Oh, ja, und der inzwischen fast 50jährige "Wicket" Warwick Davis hat eine kleine Rolle, fast ohne Maske. Das ist leider reiner Fan-Service ohne Payoff. Und die immens talentierte Linda Hunt (die als einzige Frau einen Oscar für die Darstellung eines Mannes gewann) spricht einen übergroßen Regenwurm oder sowas.
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Genauer habe ich das nicht ausmachen können, denn die Kamerabilder waren im allgemeinen so dunkel und unscharf gehalten, dass man nur Schemen ausmachen konnte (ich übertreibe nur wenig, insbesondere was die 3D-Projektion anbelangt). Das passt zur Musik, einer uninspirierten John-Williams-Kopie mit einigen berühmten Zitaten. Na ja, von Regisseur Ron(ny) Howard erwartet niemand mehr Überraschungen. Sein letzter toller Film Frost/Nixon (2008, 9/10) war schon eher ein Ausrutscher, und seine dritte Dan-Brown-Adaption (2016, 2/10) war ein wahres Inferno. Aber was nützt es, sich über Mittelmaß aufzuregen? Die bislang teuerste Star-Wars-Geschichte wird wohl die bislang wenigsten Credits einspielen, aber trotzdem als Erfolg gewertet werden. Ob es zur handlungstechnisch vorbereiteten Fortsetzung reicht, wird sich zeigen. Annehmbar (5/10).
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Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.
Sonntag, 20. Mai 2018
Alles nur Schau: Greatest Showman (5/10)
Die Kategorie "Comedy or Musical" der Golden Globes ist schon seit vielen Jahren ein ziemlicher Witz. Wann immer ein Musical oder gar ein Musikfilm (was für mich etwas vollkommen anderes ist, siehe etwa John Carneys Sing Street) in die Kinos kommt, wird dieser Film dann mit den Komödien des Jahres zusammengeworfen, sozusagen den anderen nicht ernstzunehmenden Werken des Jahres. Letztes Jahr hatte The Greatest Showman diese Ehre, nominal eine Biographie von P.T. Barnum (1810-1891), quasi dem Erfinder des Zirkus-Spektakels. Leider wirkt die Handlung eher wie ein tabellarischer Lebenslauf, bei dem sich die Autoren (Jenny Bicks und Bill Condon, der immerhin Chicago adaptiert hatte) reichlich Freiheiten nehmen. Das wäre in Ordnung, wenn dabei thematische Tiefe und spektakuläre Figuren entstanden wären. Aber das gezeigte victorianische New York bleibt bunte Kulisse, bevölkert von farblosen Protagonisten.
Nun ja, bei den meisten Kinomusicals ist eine durchdachte Handlung ohnehin ein unerwarteter Bonus, etwa bei Singin' in the Rain oder Cabaret, um zwei sehr unterschiedliche Beispiele anzuführen. Worauf es ankommt, sind Tanz und Musik, das Spektakel halt. Das Konzept stellt hier moderne Popmusik in anachronistischen Kontext. In Ordnung, das könnte funktionieren, wenn die Songs nicht so spannungslos wären! Sie stammen von Benji Pasek und Justin Paul, die für La La Land mindestens zwei hübsche Ohrwürmer komponiert hatten. Aber selbst diesen bescheidenen Vergleich verliert The Greatest Showman. Bezeichend, dass das einzige Lied mit Nachhall, das Oscar-nominierte This Is Me, unter Zeitdruck im Flieger auf dem Weg zur Präsentation entstand. Der schlimmste Beitrag ist die von Loren Allred eingespielte Schnulze Never Enough, die der damals weltberühmten "Schwedischen Nachtigall" Jenny Lind (M:I5-Widersacherin Rebecca Ferguson) untergeschoben wird. Ich muss gestehen, dass ich den Kieksern und der Jodelakrobatik "moderner" Popsongs ohnehin nichts abgewinnen kann, aber für diese Scharade einer amerikanischen Krähe (das Vorbild hat damals immerhin die garantiert Opern-versierte High Society Manhattans begeistert) sollten sich die Filmemacher schämen!
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Ansonsten ist die Musik meist zweckdienlich und wird von den mit Elan auftrumpfenden Darstellern überzeugend dargeboten. Für Hugh Jackman in der Titelrolle war dies eine Herzensangelegenheit. Leider hat er sich mit der Besetzung des Regieposten durch seinen australischen Kumpel und Werbefilmer Michael Gracey arg vertan. In seinem ersten Langfilm gelingen Gracey zwar etliche solide, manchmal sogar begeisternde Szenen, die sich aber nie zu einem überzeugenden Ganzen fügen. Zu den besseren Momenten gehören Duette von Hugh Jackman und Zac Efron sowie die akrobatische Liebesszene zwischen Efron und Zendaya, die übrigens trotz ihrer kleinen Rolle Starqualitäten versprüht (Schnulzenkönig Zac Efron passt hier ansonsten leider gut rein).
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Die Botschaft von Inklusion und Selbstverwirklichung, die etwa bei den Oscars von der Sängerin Keala Settle (im Film die bärtige Dame) zelebriert wurde, bleibt ganz an der Oberfläche und ist weit entfernt von der Realität der "Freaks", die P.T. Barnum für seinen Zirkus ausbeutete. Aber vielleicht ist das bezeichnend für die #MeToo-Debatte, die sich nach einigen Anfangserfolgen nun an Äußerlichkeiten aufreibt. Aber die Amerikaner schein drauf reinzufallen. The Greatest Showman war in den USA jedenfalls ein schleichender Hit und hat nach anfänglich mäßigen Einnahmen über 170 Millionen Dollar eingespielt, weltweit sogar über 430 Millionen. So sehr ich den Erfolg von Leinwand-Musicals begrüße, halte ich The Greatest Showman doch nur für einen müden Nachfolger von La La Land (welches immerhin eine großartige Emma Stone zu bieten hatte) und kann mich gerade noch zu einem Annehmbar (5/10) durchringen.
Nun ja, bei den meisten Kinomusicals ist eine durchdachte Handlung ohnehin ein unerwarteter Bonus, etwa bei Singin' in the Rain oder Cabaret, um zwei sehr unterschiedliche Beispiele anzuführen. Worauf es ankommt, sind Tanz und Musik, das Spektakel halt. Das Konzept stellt hier moderne Popmusik in anachronistischen Kontext. In Ordnung, das könnte funktionieren, wenn die Songs nicht so spannungslos wären! Sie stammen von Benji Pasek und Justin Paul, die für La La Land mindestens zwei hübsche Ohrwürmer komponiert hatten. Aber selbst diesen bescheidenen Vergleich verliert The Greatest Showman. Bezeichend, dass das einzige Lied mit Nachhall, das Oscar-nominierte This Is Me, unter Zeitdruck im Flieger auf dem Weg zur Präsentation entstand. Der schlimmste Beitrag ist die von Loren Allred eingespielte Schnulze Never Enough, die der damals weltberühmten "Schwedischen Nachtigall" Jenny Lind (M:I5-Widersacherin Rebecca Ferguson) untergeschoben wird. Ich muss gestehen, dass ich den Kieksern und der Jodelakrobatik "moderner" Popsongs ohnehin nichts abgewinnen kann, aber für diese Scharade einer amerikanischen Krähe (das Vorbild hat damals immerhin die garantiert Opern-versierte High Society Manhattans begeistert) sollten sich die Filmemacher schämen!
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Ansonsten ist die Musik meist zweckdienlich und wird von den mit Elan auftrumpfenden Darstellern überzeugend dargeboten. Für Hugh Jackman in der Titelrolle war dies eine Herzensangelegenheit. Leider hat er sich mit der Besetzung des Regieposten durch seinen australischen Kumpel und Werbefilmer Michael Gracey arg vertan. In seinem ersten Langfilm gelingen Gracey zwar etliche solide, manchmal sogar begeisternde Szenen, die sich aber nie zu einem überzeugenden Ganzen fügen. Zu den besseren Momenten gehören Duette von Hugh Jackman und Zac Efron sowie die akrobatische Liebesszene zwischen Efron und Zendaya, die übrigens trotz ihrer kleinen Rolle Starqualitäten versprüht (Schnulzenkönig Zac Efron passt hier ansonsten leider gut rein).
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Die Botschaft von Inklusion und Selbstverwirklichung, die etwa bei den Oscars von der Sängerin Keala Settle (im Film die bärtige Dame) zelebriert wurde, bleibt ganz an der Oberfläche und ist weit entfernt von der Realität der "Freaks", die P.T. Barnum für seinen Zirkus ausbeutete. Aber vielleicht ist das bezeichnend für die #MeToo-Debatte, die sich nach einigen Anfangserfolgen nun an Äußerlichkeiten aufreibt. Aber die Amerikaner schein drauf reinzufallen. The Greatest Showman war in den USA jedenfalls ein schleichender Hit und hat nach anfänglich mäßigen Einnahmen über 170 Millionen Dollar eingespielt, weltweit sogar über 430 Millionen. So sehr ich den Erfolg von Leinwand-Musicals begrüße, halte ich The Greatest Showman doch nur für einen müden Nachfolger von La La Land (welches immerhin eine großartige Emma Stone zu bieten hatte) und kann mich gerade noch zu einem Annehmbar (5/10) durchringen.
Samstag, 19. Mai 2018
Deadpool and still loving it (8/10)
Nach dem längsten Post-Credit-Szene des Jahres kommt nun der Film zur Werbekampagne. Die ja nicht übel war. Nur ein bißchen penetrant. Ryan Reynolds ist sich halt für keinen Scheiß zu hübsch. Und "das Studio, das Wolverine umgebracht hat", ließ diesmal (vergleichsweise) reichlich Dollars fließen. Trotzdem hat es bei den Superstars auch diesmal nur für Cameos gereicht (darunter Alan Tudyk, Matt Damon und, fast im Effektgewitter verschwunden, Brad Pitt). Der Erfolg ist Reynolds schon ein wenig in den Kopf gestiegen (und einige andere Gliedmaßen). Deshalb, und weil Ursprungsregisseur Tim Miller wegen "kreativer Differenzen" nicht zurückkehrte, ist die Fortsetzung ein ganz anderes Biest. Nachfolger David Leitch (kein Verwandter von Donovan), der schon bisher eher miese Trash-Action für Unsensible inszenierte (John Wick, Atomic Blonde), interessiert sich auch hier nicht für den emotionalen Gehalt, sondern setzt auf Schockeffekte und Parodie. Was dann seinen Höhepunkt in der längsten Sterbeszene der Filmgeschichte hat (wenn man mal von Opernverfilmungen und Shakespeare absieht). Was aber mehr das Zwerchfell als die Tränendrüsen animiert.
Herzstück von Deadpools Premiere war seine große Liebe Vanessa (Morena Baccarin). Diesmal kommt sie zwar vor, aber höchstens noch als Ferse. Ironisch, wenn sie dann Wade Wilson beschwört, das Herz am rechten Fleck zu tragen. Ersatzweise tritt ihm eine andere Frau ins Leben und in die Eier: Domino, gespielt von Neuentdeckung Zazie Beetz. Die in Berlin geborene New Yorkerin verdankt ihre wohltemperierte Hautfarbe der Vereinigung eines Deutschen und einer schwarzamerikanischen Mutter. Sie übertrumpft die Helden ein ums andere Mal mit ihrer speziellen Superkraft (nein, nicht das lose Mundwerk). Gibt es Trümpfe beim Domino? Na, egal. Leider ist sie dann doch nur ein kleines Steinchen im rasanten Handlungsablauf. Ansonsten sind Frauen Mangelware, auch das explosive Gemisch von Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) und ihrer neue australisch-japanische Freundin Yukio (Shiuli Kutsuna - Hi, Yukio!) kommen nur am Rande vor.
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Cable, nicht zu verwechseln mit Larry the Cable Guy, ist offenbar bei Comic-Fans beliebt. Er hat einen metallischen Arm, und seine furchtbarste Waffe ist ein blutiger Teddybär. Oder auch nicht - so genau habe ich das nicht verstanden, auch nicht den Ursprung seines Namens. Jedenfalls kommt er aus der Zukunft - hat er Deadpool die Nachricht von Logans Opfertod überbracht? Seit bei den X-Men Zeitreisen eingeführt wurden, ist sowieso jedwede Handlungslogik Banane. Fehlte nur noch, dass Deadpool Ryan Reynolds umbringt, um ihn daran zu hindern - aber wir wollen ja nicht spoilern... Bei der Besetzung dieser Figur ist den Machern jedenfalls ein Clou gelungen - niemand anders als der intergalaktische Superstar und Philanthrop Thanos konnte als Cable verpflichtet werden. Mittels aufwendiger CGI-Mittel sieht er hier fast menschlich aus, bringt aber immer noch seinen unverwechselbaren Charme und sein höllisch gutes Aussehen zur Geltung. Nach der jüngsten Ausdünnung der Akademie sollte da doch wohl eine Oscar-Nominierung drin sein, oder?
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Und dann gibt es noch den eigentlichen Schurken, massig, skrupellos und unerbittlich, der eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Und sich dann auch noch mit Juggernaut verbündet! Der 15jährige Neuseeländer Julian Dennison füllte schon in "Korg" Taika Waititis Wo die wilden Menschen jagen die Leinwand und drängte seinen schmächtigen Co-Star Sam Neill oft aus dem Bild. Nun will der traumatisierte Russell sich am Chef des Waisenhauses rächen, in dem er wegen seiner Mutantenfähigkeiten gefoltert wurde. Sein Opfer ist also nicht gerade ein Waisenknabe - Eddie Marsan ist ja seit seinem Auftritt als sadistischer Taxilehrer in Happy-Go-Lucky ein Spezialist für Figuren, denen man als Zuschauer einen möglichst schmerzhaften Tod wünscht. Trotzdem geht das natürlich nicht - was Deadpool darf, darf Deadpuddle noch lange nicht.
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Und wieder scheiden sich die Geister. Ich persönlich bin für eine Menge Albernheiten zu haben. Für mich ist Deadpool 2 der bessere Bond, mit Maurice Binders bester Titelsequenz seit seinem Tode. Wahrlich ein Film für die ganze (Mafia-)Familie! Ein weiteres Plus: Hans Zimmer hat nicht einen Ton zum Soundtrack beigesteuert! Dafür gibt es leider Kostproben von Céline Dion und Dolly Parton, und eine überrraschend gefühlvolle Version des a-ha-Kitschhits Take on Me. In Your Eyes, You're All Out of Love... Ich will Spaß (8/10)!
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Herzstück von Deadpools Premiere war seine große Liebe Vanessa (Morena Baccarin). Diesmal kommt sie zwar vor, aber höchstens noch als Ferse. Ironisch, wenn sie dann Wade Wilson beschwört, das Herz am rechten Fleck zu tragen. Ersatzweise tritt ihm eine andere Frau ins Leben und in die Eier: Domino, gespielt von Neuentdeckung Zazie Beetz. Die in Berlin geborene New Yorkerin verdankt ihre wohltemperierte Hautfarbe der Vereinigung eines Deutschen und einer schwarzamerikanischen Mutter. Sie übertrumpft die Helden ein ums andere Mal mit ihrer speziellen Superkraft (nein, nicht das lose Mundwerk). Gibt es Trümpfe beim Domino? Na, egal. Leider ist sie dann doch nur ein kleines Steinchen im rasanten Handlungsablauf. Ansonsten sind Frauen Mangelware, auch das explosive Gemisch von Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) und ihrer neue australisch-japanische Freundin Yukio (Shiuli Kutsuna - Hi, Yukio!) kommen nur am Rande vor.
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Cable, nicht zu verwechseln mit Larry the Cable Guy, ist offenbar bei Comic-Fans beliebt. Er hat einen metallischen Arm, und seine furchtbarste Waffe ist ein blutiger Teddybär. Oder auch nicht - so genau habe ich das nicht verstanden, auch nicht den Ursprung seines Namens. Jedenfalls kommt er aus der Zukunft - hat er Deadpool die Nachricht von Logans Opfertod überbracht? Seit bei den X-Men Zeitreisen eingeführt wurden, ist sowieso jedwede Handlungslogik Banane. Fehlte nur noch, dass Deadpool Ryan Reynolds umbringt, um ihn daran zu hindern - aber wir wollen ja nicht spoilern... Bei der Besetzung dieser Figur ist den Machern jedenfalls ein Clou gelungen - niemand anders als der intergalaktische Superstar und Philanthrop Thanos konnte als Cable verpflichtet werden. Mittels aufwendiger CGI-Mittel sieht er hier fast menschlich aus, bringt aber immer noch seinen unverwechselbaren Charme und sein höllisch gutes Aussehen zur Geltung. Nach der jüngsten Ausdünnung der Akademie sollte da doch wohl eine Oscar-Nominierung drin sein, oder?
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Und dann gibt es noch den eigentlichen Schurken, massig, skrupellos und unerbittlich, der eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Und sich dann auch noch mit Juggernaut verbündet! Der 15jährige Neuseeländer Julian Dennison füllte schon in "Korg" Taika Waititis Wo die wilden Menschen jagen die Leinwand und drängte seinen schmächtigen Co-Star Sam Neill oft aus dem Bild. Nun will der traumatisierte Russell sich am Chef des Waisenhauses rächen, in dem er wegen seiner Mutantenfähigkeiten gefoltert wurde. Sein Opfer ist also nicht gerade ein Waisenknabe - Eddie Marsan ist ja seit seinem Auftritt als sadistischer Taxilehrer in Happy-Go-Lucky ein Spezialist für Figuren, denen man als Zuschauer einen möglichst schmerzhaften Tod wünscht. Trotzdem geht das natürlich nicht - was Deadpool darf, darf Deadpuddle noch lange nicht.
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Und wieder scheiden sich die Geister. Ich persönlich bin für eine Menge Albernheiten zu haben. Für mich ist Deadpool 2 der bessere Bond, mit Maurice Binders bester Titelsequenz seit seinem Tode. Wahrlich ein Film für die ganze (Mafia-)Familie! Ein weiteres Plus: Hans Zimmer hat nicht einen Ton zum Soundtrack beigesteuert! Dafür gibt es leider Kostproben von Céline Dion und Dolly Parton, und eine überrraschend gefühlvolle Version des a-ha-Kitschhits Take on Me. In Your Eyes, You're All Out of Love... Ich will Spaß (8/10)!
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