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Mittwoch, 26. August 2015

Die BBC-Verfilmung des Hugo-Gewinners "Jonathan Strange & Mr. Norrell"

Man schreibt das Jahr 1806, und seit 300 Jahren ist in England keine Magie mehr ausgeübt worden. Da tauchen gleich zwei Zauberer auf, die diese verlorene Kunst zurückbringen wollen. Da ist zum einen Mr. Norrell, ein griesgrämiger Gelehrter, der Wert auf "anständige" Magie legt, Hunderte von Büchern zum Thema gehortet hat und nun in der Londoner Gesellschaft seine Anerkennung sucht. Und dann ist da Jonathan Strange, ein wohlhabender, unbekümmerter Lebemann, der per Zufall die verlorene Kunst entdeckt hat. Nachdem Norrell mit der Wiederbelebung der verstorbenen Lady Pole seinen Durchbruch erreicht, nimmt er Strange als seinen Schüler auf. Über die Jahre werden ihre unterschiedlichen Temperamente und Ziele sie zu Feinden machen, mit sehr persönlichen Konsequenzen. Norrell hat nämlich bei seinem ersten Kabinettstück einen Pakt mit einem üblen Bewohner der Feenwelt geschlossen, was beide Zauberer über Jahrzehnte verfolgen wird.

Die angewandte Magie ist übrigens nicht gerade kleinkalibrig. Norrell erweckt Statuen in einer Kirche zum Leben und gaukelt den Franzosen eine übermächtige britische Flotte vor. Strange wird gar zum Kriegsdienst eingezogen und trägt (von Wellingtons Attachée scherzhaft "Merlin" betitelt) entscheidend zu den Siegen gegen Napoleon bei, u.a. durch das Bauen von Straßen über Nacht und das Verhör verstorbener feindlicher Soldaten.

An sich sind das interessante Voraussetzungen für eine spannende, bewegende Geschichte. Leider hat mich bereits der zugrunde liegende Roman (der einzige der offenbar kränklichen Susanna Clarke) in dieser Hinsicht enttäuscht. Obwohl zu Zeiten von Jane Austen angesiedelt, erinnern Aufbau und Figuren eher an Dickens, reichen aber lange nicht an dessen Raffinesse und Reichhaltigkeit heran. Clarke breitet ihre Geschichte in 1.000 zähe Seiten aus, ohne den Leser am Ende für seine Mühen angemessen zu belohnen. Trotzdem gewann diese historische Fantasy 2005 den Hugo für den Besten Roman des Jahres (u.a. gegen Iain M. Banks' einzige Nominierung).

Die BBC hat die Geschichte nun in einer 7stündigen Mini-Serie aufwändig verfilmt, mit mäßigem Ergebnis. Zwar vergeht die Zeit beim Anschauen schneller als beim Lesen, aber die Grundprobleme der Vorlage bleiben erhalten. Bis zur Hälfte der Laufzeit gibt es kaum Sympathiefiguren, bis man sich allmählich für Jonathan Strange erwärmt, vor allem wegen der anrührenden Liebe zu seiner Frau Arabella (Charlotte Riley). Überhaupt kommen sie und Lady Pole (Alice Englert) noch am besten weg, auch wenn die Titelrollen durch Bertie Carvel und Eddie Marsan glänzend besetzt sind. Immerhin gibt es ansehnliche Schauwerte.

Die Serie kann man in Deutschland als Prime-Mitglied kostenlos bei Amazon Instant Video streamen, sogar wahlweise in Englisch oder Deutsch (dies ist bei Amazon im Gegensatz zu Netflix äußerst selten). Leider ist es mir nicht gelungen, auf meinem Samsung-Fernseher die Tonspur zu wechseln, so daß ich auf mein iPad ausweichen mußte. Dort ist die Sprachumschaltung zwar möglich, aber umständlich und muß nach jeder Pause und für jede Folge einzeln erneut erfolgen. Das kann Netflix besser!

TV der Zukunft: Die Netflix-Serie Sense8

Sense8 ist sensationelles Fernsehen, und das meine ich nicht als sinnentleertes Superlativ. Den Begriff "Fernsehen" nutze ich allerdings nur in Ermangelung einer modernen Bezeichnung für diese neue Art Kino: ein zehnstündiges Seh- und Hörerlebnis, aufgeteilt in zwölf Teile, nicht in wöchentlichen Happen, sondern in seiner Gesamtheit seit Juni zum Streamen bei Netflix verfügbar. Was nicht heißt, daß man die Serie am Stück konsumieren sollte (in moderner Lingo: Binge-Watching). Besser verteilt man diesen Genuß auf mehrere Abende, auch um eine Sinnesüberladung zu vermeiden.

Anläßlich ihrer jüngsten Kino-Extravaganz (Jupiter Ascending) hatte ich die Wachowskis bereits abgeschrieben, allerdings auch erwähnt, daß sie jemand benötigen, der ihre überbordende Fantasie in vernünftige Bahnen zu lenken weiß. Mit J. Michael Straczynski konnten sie einen solchen ordnenden Co-Autor gewinnen. Der gerade 61 gewordene TV-Veteran hat in den letzten Jahren mit durchwachsenem Erfolg fürs Kino geschrieben (u.a. trug er zur Story von Thor und dem mittelmäßigen Brad-Pitt-Zombie-Spektakel World War Z bei, schrieb außerdem das Buch zum grauenhaften Clint-Eastwood-Debakel Der fremde Sohn). Aber natürlich hat er seinen Platz im SF-Pantheon bereits sicher, und zwar als Schöpfer der grandiosen Space Opera Babylon 5 (1994 - 1998). Ein Geheimnis ihres Erfolges war ein von vornherein auf fünf Staffeln angelegter Handlungsbogen mit geschickter, stufenweiser Enthüllung der unterliegenden Mythologie, ein trotz störender Einflußnahme des produzierenden Senders aufgegangenes Konzept (nach der ersten Staffel mußte der Hauptdarsteller gewechselt werden, die vierte Staffel brachte die eigentliche Haupthandlung aufgrund einer drohenden Absetzung überhastet zu Ende). Es mag manchen verwundern (wer beginnt schon einen Roman zu schreiben, ohne das Ende zu kennen), aber diese Vorgehensweise ist bei Fernsehserien ungewöhnlich; selten planen ihre Macher ("Schöpfer") mehr als ein bis zwei Jahre im voraus. Und noch seltener ergibt sich daraus ein zufriedenstellendes Ganzes (wie bei Lost); manchmal kann man hoffen, daß die Serie erst nach einigen Jahren in sich zusammenbricht (wie das neue Battlestar Galactica), aber meist stellt das Ergebnis eine amorphe Ansammlung von beliebigen Miniaturhandlungssträngen dar (Star Trek DS 9). Im schlimmsten Fall werden die Geschichten wild zusammengewürfelt, wie etwa in der katastrophalen zweiten Staffel von Sleepy Hollow, nachdem die Assistenten die Show übernommen hatten ;-)

Zurück zu Sense8. Andy und Lana (vormals Larry) Wachowski und Straczynski haben ihr neues Projekt offenbar sorgfältig geplant. Ebenfalls auf fünf Jahre angelegt, hat Netflix immerhin gerade die zweite Staffel beauftragt. Neben der Zusammenarbeit beim Drehbuch war allerdings noch mehr Kollaboration von Nöten. Sense8 ist nämlich eine cineastische Weltreise mit Handlungsorten in neun Städten auf vier Kontinenten. Viele Szenen wurde an Originalschauplätzen gedreht, und so mußte sich das Produktionsteam aufteilen, und die Regie übernahmen je nach Drehort (unabhängig von den Episoden) neben den Wachowskis Tom Tykwer (der sich mit den Geschwistern ja bereits in Cloud Atlas glänzend verstanden hatte) in Berlin und Nairobi, James McTeigue (der mit V wie Vendetta bereits vor zehn Jahren ein Wachowski-Script erfolgreich umsetzen konnte) in Mexico City und Mumbai, außerdem der Zauberer der visuellen Effekte, Dan Glass, in Seoul. Tykwer steuerte zudem mit seinem langjährigen Bandkollegen Johnny Klimek die hypnotische Musik bei.

Worum geht es? Zunächst mal werden acht separate Geschichten erzählt, um acht Figuren Anfang 30, die mal mehr, mal weniger typisch für ihre jeweilige Heimatstadt stehen. Dabei wird sicher so manches Klischees gestreift, und aus dramaturgischen Gründen gelegentlich dick aufgetragen. Es sind Außenseiter, die schnell in kriminelle oder zumindest gewalttätige Situationen verstrickt werden. Jede denkbare Schattierung von Gangstern, aber auch faszinierende Lebensläufe werden uns hier präsentiert. Oft agieren die Darsteller, mindestens die Nebendarsteller in ihrer Heimatstadt, was ihr Spiel auf eine intime Ebene hebt. Zwar filtern die amerikanischen Autoren die für uns exotischen Schauplätze notgedrungen durch eine westliche Sichtweise, aber trotzdem hat man noch nie soviel Vielfalt in einer Fernsehserie zu Gesicht bekommen (und das in atemberaubend schönen Bildern; die Kameraführung ist Oscar-würdig). Dies sind die Hauptfiguren:
  1. Da ist der idealistische Chicagoer Polizist Will (Brian J. Smith, Genre-Fans bekannt aus Stargate Universe). Als er einen angeschossenen schwarzen Teenager ins Krankenhaus bringt, werden wir gleich mit der vollen Wucht der US-amerikanischen Hybris konfrontiert. Kaum jemand rührt einen Finger für den verletzten Jungen; selbst Wills Kollege und Freund erklärt ihm, daß dieser schließlich zu einem Gangster heranwachsen und (weiße) Polizisten umbringen werde...
  2. DJ Riley mit flippig weißgefärbten Haaren (Tuppence Middleton, mir eher durch ihren Namen als bisherige Rollen geläufig) gerät in London mit Drogenhändlern aneinander und flieht in ihre Heimat Island. Ihr Vater, ein übriggebliebener Hippie und gefeierter Konzertpianist, nimmt sie freudig auf, aber ihre Vergangenheit birgt ein traumatisches Ereignis...
  3. Sun (Doona Bae aus Cloud Atlas) ist Vizepräsidentin im Konzern ihres Vaters, neben Tabellenkalkulationen beherrscht sie jedoch auch asiatische Kampfkünste. Als sie Unterschlagungen ihres nichtsnutzigen Bruders aufdeckt, soll sie sich für die Ehre ihrer Familie opfern...
  4. Capheus (der Brite Aml Ameen, in Maze Runner unauffällig wie das gesamte Ensemble) schlägt sich in Kenia als kleiner Busunternehmer durch. Um Medikamente für seine AIDS-kranke Mutter zu besorgen, läßt er sich mit einem Crime Lord ein. Seine Geschichte ist zum einen die traurigste aufgrund der verzweifelten Situation in den Slums von Nairobi (niemand weiß, ob die teuren Schwarzmarktmedikamente nicht wirkungslose Kopien sind), anderseits zeigt er auch den größten Lebenswillen, wenn er seinem Vorbild Jean-Claude Van Damme nacheifert...
  5. Kala (Tina Desai aus dem sehenswerten Best Exotic Marigold Hotel) hat in Mumbai einen guten Job als Chemikerin und soll den Sohn eines privilegierten zwielichtigen Geschäftsmannes heiraten. Wird dies wirklich die erste Liebesheirat in der Familie? Traditionen (Ganesh-Tempel) und Moderne (Bollywood-Tanz) prallen aufeinander...
  6. Wolfgang (Max Riemelt aus Die Welle, deutschen Fernsehzuschauern wahrscheinlich bekannter als mir) betreibt in Berlin einen vom Vater geerbten Schlüsseldienst, ist im Nebenjob allerdings Spezialist fürs Safe-Knacken und kommt durch einen Diamantenraub seinem schwerkriminellen Onkel ins Gehege. Auch seine Vergangenheit birgt ein dunkles Geheimnis...
  7. Lito (der Spanier Miguel Ángel Silvestre, er war in Fliegende Liebende der "Verlobte") ist ein berühmter Actionheld des mexikanischen Kinos, ein Macho par excellence - nur ist er privat mit einem Mann liiert, was im konservativen Mexico City natürlich nicht bekannt werden darf. Als allerdings seine Kollegin Daniela bei ihm Zuflucht vor einem Gangster sucht und sich mit Lito und seinem Geliebten anfreundet, muß er sich zwischen Ruhm und Liebe entscheiden...
  8. Nomi (sexy Stimme: Jamie Clayton) wurde als Michael geboren, lebt jetzt aber in der Stadt der Liebe (und der Toleranz?) San Francisco mit ihrer Geliebten, wo sie von einem fragwürdigen Doktor für eine freundschaftliche Lobotomie zwangseingewiesen wird. In einer der am schwersten zu ertragenden Szenen versucht Nomis Mutter ihrem "Michael" zu erklären, wie die Operation "ihn" von den Wahnvorstellungen befreien wird (Jamie Clayton ist selbst, wie Lana Wachowski, Transgender, was dem Handlungsstrang zu einer beklemmende Authentizität verhilft).
Diese acht ungewöhnlichen Menschen kennenzulernen, wäre allein schon lohnenswert. Doch ihr Schicksal ist auf eine geheimnisvolle Weise verknüpft. Sie bilden einen Cluster von "Sensates", die unabhängig von Entfernung und kulturellem Hintergrund in einer Art telepathischer Verbindung stehen, die sich ihnen erst allmählich erschließt (warum dies erst jetzt passiert, wurde bisher nicht erklärt). Zunächst glauben sie Halluzinationen zu erleben, finden sich plötzlich in fremden Umgebungen wieder. Die ersten Kontakte geschehen paarweise, dann baut sich ein immer komplexeres Netzwerk auf. Die Sensates lernen, Kenntnisse und Fähigkeiten auszutauschen, zunächst eher instinktiv, dann immer zielstrebiger. Filmisch wird dies erst durch fremde Reflexionen im Spiegel, dann durch virtuelle Gespräche gezeigt, bei denen die Teilnehmer mal in die Umgebung des einen, dann des anderen Partners auftauchen. Es ist wunderbar spannend, diesen langsamen Prozeß zu beobachten und herbeizusehnen, und zur Belohnung gibt es einige grandiose Szenen, wie ich sie nie für möglich gehalten hätte. Das reicht von einer nachdenkliche Unterhaltung zwischen den Stelen des Berliner Holocaust-Denkmals über achtstimmiges Karaoke zu einer ungeheuer sinnlichen Sexszene (einer intime Orgie) bis hin zu einem einzigartigen Konzerterlebnis in der Harpa Hall in Reykjavik.

Doch Sense8 ist beileibe kein trockenes intellektuelles Werk mit Seifenopern-Komponenten. Es gibt genug Prügeleien, Verfolgungsjagden und Shootouts, um den Actionfan in uns allen zu befriedigen, und mehr und mehr muß der Cluster alle seine Fähigkeiten integrieren, um einzelne Sensates aus verzwickten Situationen zu retten. Er hat nämlich mächtige Feinde, die bereits in der ersten Episode ihren Auftritt haben, als nämlich Angelica (keine Jungfrau am Haken mehr: Daryl Hannah) sich nur durch Selbstmord vor dem finsteren Mr. Whispers (Terrence Mann, "Bob" aus den Dresden Files) retten kann (und damit möglicherweise den neuen Cluster gebiert). Und dann ist der der zwielichtige Jonas (Naveen Andrews aus Lost), der eine spezielle Verbindung zu Will hat - steht er auf der Seite der Sensates, oder hilft er Mr. Whispers bei der Jagd nach ihnen? So kann man die Serie auch einfach als spannendes Abenteuer betrachten. Mich spricht allerdings besonders an, daß hier bei allen dargestellten Konflikten und sogar Tragödien endlich mal wieder eine positive Utopie präsentiert wird. Die Verbindung der Sensates postuliert zumindest die Möglichkeit der Kommunikation über Kultur- und Geschlechterschranken hinweg, eine Fähigkeit, die uns die Evolution an sich nicht mitgegeben hat.

Es dauert eine Weile, bis man sich in der komplexen Welt von Sense8 orientiert hat. Die Pilotfolge hat bestimmt nicht nur mich etwas verwirrt und ratlos zurückgelassen. Ich glaube nicht, daß man dann diese Folge ein zweites Mal schauen sollte. Stattdessen empfehle ich, direkt die zweiten Folge anzuschließen. Ich verspreche, daß alles spätestens ab der dritten Folge nachträglich einen Sinn ergibt und ab dann den aufnahmebereiten Zuschauer komplett in seinen Bann schlägt. Vielleicht wäre es besser gewesen, nicht alle acht Hauptfiguren sofort einzuführen, vor allem da die wenigsten Schauspieler dem Zuschauer geläufig sein dürften. Im Nachhinein mag es aber besser sein, daß man beim Start dem gleichen Schock wie die acht Sensates ausgesetzt ist. Und Sense8 ist eine Serie, die man sicher mehrfach anschauen wird. Vielleicht hilft Einsteigern auch dieses Interview mit J. Michael Straczynski, in dem er auch die Art der Zusammenarbeit mit den Wachowskis erläutert (und übrigens Wert darauf legt, daß die Transgender-Figur seine und nicht Lanas Idee war und sich logisch aus ihrer Rolle im Cluster ergab).

Sense8 ist keine Show für Fans von Teenie-Serien, die unendlich darüber diskutieren können, wer wann wie oft mit wem verbändelt werden sollte. Sie wird auch nicht die Breitenwirkung von House of Cards haben, welches ich aufgrund seines zynischen Grundtons nicht besonders schätze. Und natürlich gibt es für die einen "zu viel Sex", für die anderen "zu wenig Action". Aufgrund der Kommentare in der IMDB muß man schließen, daß der Kern der Geschichte an vielen Zuschauern völlig vorbeigeht. Das ist aber in Ordnung, Qualität kann man leider nicht am Konsenzvermögen messen. Frank Darabonts geniale Stephen-King-Verfilmung Die Verurteilten (The Shawshank Redemption) steht ja nicht deshalb an der Spitze der IMDB Top 250, weil sie der beste Film aller Zeiten ist, sondern weil sie offenbar viele unterschiedliche Menschen anspricht  (mich eingeschlossen). Sense8 ist gedacht für eine Generation von Science-Fiction-Fans, die neben coolen Weltraumschlachten auch an menschlichen Schicksalen, vielleicht sogar am Schicksal der Menschheit interessiert ist. Es ist gedacht für meine Generation und die ihrer Regisseure, gerade endgültig aus den Zielgruppen der Werbewirtschaft herausgefallen und doch noch aufgeschlossen für neue Stoffe, die neuartig präsentiert werden. Insofern macht sich Netflix (neben HBO, Showtime und anderen) verdient um das Fernsehen der Zukunft. Inzwischen bietet Netflix übrigens einen interessanten 20minütigen Blick hinter die Kulissen der Produktion.

Montag, 24. August 2015

Die Hugos sind vergeben - oder auch nicht...

Am Wochenende wurden beim diesjährigen WeltCon die Gewinner bekanntgegeben. Als Konsequenz der Welpen-Slates bei den Nominierungen wurden nur zwei Preise in den Kernkategorien vergeben, beide für übersetzte Werke:

Bester Roman: The Three Body Problem, Cixin Liu, übersetzt von Ken Liu
Beste Novellette: The Day the World Turned Upside Down, Thomas Olde Heuvelt, übersetzt von Lia Belt

Immerhin hat damit in der Königskategorie mein Favorit gewonnen, der nur dank des Rückzugs von Marko Kloos überhaupt nachnominiert werden konnte.

Bei den dramatischen Präsentationen gewannen Guardians of the Galaxy und (etwas überraschend) Orphan Black. Es zeigt sich wohl eine gewisse GoT-Müdigkeit.



Es bleibt zu hoffen, daß es nächstes Jahr wieder einen fairen Wettbewerb gibt. Zwar wurde eine Regeländerung für den Nominierungsprozeß in Gang gesetzt, aber diese kann frühestens für 2017 in Helsinki in Kraft gesetzt werden.

Samstag, 8. August 2015

Alterserscheinungen? Mission Impossible: Rogue Nation (6/10)

Seit fast einem halben Jahr schwirren Berichte und Bilder seines neuesten Stunts durch die Medien. Der gerade 53 Jahre alt gewordene Tom Cruise hat offenbar persönlich an der Außenseite eines startenden Airbus A400 gehangen. Das ist auch gleich die Eröffnungsszene des neuen Films. Aber das Staunen hält sich in Grenzen. Das war's? Hätte man das nicht auch im Windkanal des Studios drehen können? Im Gegensatz zum Vorgänger, bei dem der Hotel-Stunt in Dubai noch ein zentrales Puzzlestück der spannenden Handlung war, hat der fünfte Teil des Cruise-Impossible-Franchise damit schon sehr frühzeitig sein Pulver verschossen. Eine Alterserscheinung? Die Coolness des genau 20 Jahre älteren Harrison Ford jedenfalls (der im März eine reale Bruchlandung bravourös überstanden hat) wird Cruise wohl nie erreichen.

An sich bin ich ein großer Fan der Mission-Impossible-Filme. Meine Favoriten sind die von John Woo bzw. Brad Bird inszenierten Teile 2 und 4. Es ist gar nicht leicht, in so einem Action-Spektakel den richtigen Ton zu treffen. Cruise-Kumpel Christopher McQuarrie, Oscar-prämierter Autor von Die üblichen Verdächtigen, zuletzt an der gelungenen Adaption von Edge of Tomorrow beteiligt, hätte sich auch diesmal auf das Drehbuch beschränken sollen. Bereits seine Regieleistung im mäßigen Jack Reacher konnte nicht überzeugen, und auch hier unterlaufen ihm etliche Patzer, so etwa, daß ein Schurke auf fünf Meter Distanz mit einer automatischen Waffe Hunt mehrfach verfehlt, und der offensichtlich computergenerierte Vierfachpurzelbaum des Fluchtautos von Ethan und Benji (es fehlt eigentlich nur noch der alberne Soundeffekt aus Der Mann mit dem goldenen Colt). Immerhin werden die beiden einigermaßen glaubwürdig durch Gurt und Airbag gerettet, während auch ein Superheld Hunts Motorrad-Crash ohne Helm kaum überlebt hätte. Gravierender und teilweise dem Drehbuch geschuldet ist allerdings die zu keiner Zeit wirklich spannende Handlung. Die Idee der "Rogue Nation" ist einfach zu abgehoben, und am Ende geht es um so viele Billionen Dollar, daß ich mich unfreiwillig an Dr. Evils maßlose Forderungen erinnert fühlte. Der Film zerfällt in Einzelteile unterschiedlicher Qualität - während die Attentatssequenz in der Wiener Oper zu kompliziert geraten ist, konnte mich immerhin der (wenngleich absolut sinnlose) Heist mit Taucheinsatz überzeugen.


Nachdem Brian De Palmas erste Mission aufgrund des Zerbrechens des IMF-Teams einen deprimierend-nihilistischen Beigeschmack hatte, führten die Folgefilme doch wieder einige interessantes Kollegen ein. Aber Ving Rhames als Luther hat auch diesmal kaum mehr als einen Gastauftritt, von Paula Pattons Jane ist nicht mehr die Rede (das ist vielleicht auch besser so), und Jeremy Renners Figur hätte man auch in Basil Exposition umtaufen können. Zum Glück ist da noch Simon Pegg als Benji, der in der heimlichen zweiten Hauptrolle Pfiff in all seine Auftritte bringt und die fehlende Präzision der Action mit seinem perfekten komischen Timing ausgleicht. Ein Volltreffer ist auch die Neuentdeckung Rebecca Ferguson als Ilsa Bond Faust, die als (möglicherweise kompromittierte) britische Agentin Ethan Hunt gleich zweimal das Leben retten darf. Sean Harris als Drahtzieher der Geheimorganisation Spectre Syndicate erreicht allerdings nicht die Intensität seiner Vorgänger Philip Seymour Hoffman und Michael Nyqvist. Alec Baldwin ist ja seit dem Ende "seiner" Show 30 Rock in jedem dritten Kinofilm zu sehen; hier wird er als Nachfolger von Peter Graves und Jon Voight eingeführt.

Alles in allem ist Mission Impossible: Rogue Nation nicht mal der schlechteste fünfte Teil dieses Sommers, aber doch eine kleine Enttäuschung. Das Konzept, jeder Fortsetzung durch einen stilsicheren Regisseur einen originellen Anstrich zu geben, geht diesmal nicht auf, und Tom Cruise täte gut daran, die Rennereien und Prügeleien langsam einem jüngeren Kollegen zu überlassen - die Fernsehserie hat damals doch auch etliche Wechsel im IMF-Team verkraftet. Kobra, übernehmen Sie! Ordentlich (6/10).

Mittwoch, 5. August 2015

SF-Klassiker #7: A Deepness in the Sky (Vernor Vinge, 1999)

Der inzwischen 70jährige Vernor Vinge ist der Stanley Kubrick der SF-Literatur. Von seinen neun veröffentlichten Romanen wurden fünf für den Hugo nominiert, drei davon (plus zwei Novellen) gewannen den begehrten Preis. Der emeritierte Mathematikprofessor und Computerwissenschaftler aus San Diego vertritt die Ansicht, daß unsere Zivilisation auf eine (nicht-apokalyptische) technologische Singularität zusteuert, durch die Schaffung von künstlicher Intelligenz oder die grundsätzliche Integration von Computern und Menschen. In seinem Werk spekuliert er über Szenarien der fernen Zukunft und ist damit wesensverwandt zu David Brin und Charles Stross (zumindest mit seinen Space Operas). Vinge war in den 70ern mit der Anthropologin Joan Vinge verheiratet, ebenfalls eine hervorragende SF-Autorin, deren Werk aber eher ökologisch und soziologisch ausgerichtet ist (sie gewann 1981 einen Hugo für ihren von Hans Christian Andersen inspirierte grandiosen ersten Tiamat-Roman Die Schneekönigin).

A Deepness in the Sky ist der zweite von drei Romanen in Vinges "Zones of Thought" benannten Reihe, in der die Galaxis in Bereiche mit unterschiedlichen physikalischen Möglichkeiten aufgeteilt ist. Da die Handlung von "Deepness" aber lange vor den anderen Beiträgen angesiedelt ist, empfiehlt es sich vielleicht, hier zu beginnen: Seit Jahrtausenden erforscht die Menschheit in Raumschiffen, die relativistische Geschwindigkeiten erreichen, ihre unmittelbare Nachbarschaft und hat inzwischen in einem ca. 400 Lichtjahre durchmessenden Einflußbereich Kolonien aufgebaut. Während die planetaren Zivilisationen (inklusive der Erde) kommen und gehen, sorgt seit etwa 5.000 Jahren die Handelsorganisation Queng Ho für eine gewisse technologische und kulturelle Kontinuität. Durch perfektionierten Kälteschlaf und medizinischen Fortschritt mißt sich die objektive Lebensdauer privilegierter Händler in Jahrhunderten, die subjektive Lebenszeit durchaus in Jahrtausenden (es ist üblich, nicht nur auf der Reise, sondern auch im oft Jahrzehnte währenden Handelskontakt mit planetaren Zivilisationen einen Großteil der Zeit im Kälteschlaf zu verbringen).

Die Geschichte beginnt, als ein Queng-Ho-Flottenkapitän auf dem Planeten Triland einen geheimnisvollen Einsiedler aufstöbert, nach dem offenbar das Flagschiff benannt ist: Pham Nuwen. Der macht sich mit der Flotte auf den Weg zu einem rätselhaften, nur 50 Lichtjahre entfernten Sternensystem mit einer Sonne (dem OnOff-Stern), die in 200 Jahren nur für 30 Jahre scheint. Man erhofft sich physikalische Erkenntnisse, aber natürlich auch profitable Geschäfte - und möglicherweise die für die Menschheit erste Begegnung mit intelligenten Aliens. Leider trifft man am Ziel auf eine zweite Flotte der "Emergents", brutale Abgesandte eines totalitären Mehrplanetensystems, und schnell eskalieren die Feindseligkeiten, bevor der vorgefundene Planet Arachna genauer untersucht werden kann.

Arachna beherbergt nämlich tatsächlich eine fremdartige Zivilisation, spinnenartige Lebewesen, durch die Evolution perfekt an den extremen Sonnenzyklus angepaßt. Während der Dunkelphase suchen sie Zuflucht in Höhlen (damit ist der Begriff Deepness verbunden) und verfallen in einen Jahrzehnte dauernden Winterschlaf, um nach dem Erwachen ihre Welt wieder aufzubauen. Im aktuellen Zyklus sind sie allerdings gerade an dem Punkt angelangt, daß ihre technologischen Möglichkeiten ein Wachbleiben auch während der Kälteperiode ermöglichen. Zunächst ohne es zu wissen, werden sie zum Zankapfel der Emergents, die sie versklaven , und der Queng Ho, die vom Technologieaustausch profitieren wollen. Die detaillierte Darstellung der Aliens (genannt Spinnen/Spiders), ihrer Gesellschaft, Traditionen und Familienbande, ist eine der Stärken des Romans. Vinge bedient sich dabei eines cleveren Tricks. Die Spinnen haben aufgrund ihres komplexen Sehvermögens (die Augen scheinen an den zehn Beinen platziert zu sein) kein Fernsehen oder Video entwickelt, sondern könenn im wesentlichen nur über ihre Radiosendungen "beobachtet" werden. Dadurch bekommt der Leser ein durch die Übersetzer der Menschen im Orbit gefiltertes, anthropomorphes Bild. Trotzdem gehören die eingeführten Spinnen-Figuren zu den überzeugendesten Alien-Charakteren, die ich kenne. Mit Sherkaner Underhill, Victory Smith, ihren Kindern und ihrem Freund Hrunkner Unnerby, den herausragenden Wissenschaftlern, Ingenieuren und Soldaten der Spinnen, konnte ich mich oft stärker identifizieren als mit den Menschen der Zukunft und ihren verblüffenden technischen Möglichkeiten. Erst gegen Ende zeigt sich, wie fremdartig die Aliens tatsächlich sind und wie stark sie von den menschlichen Besuchern unterschätzt wurden.

Aber auch die menschlichen Charaktere bleiben in Erinnerung. Da gibt es die "bösen" Emergents: der pragmatische, sich als Vermittler aufspielende Podmaster Tomas Nau; sein sadistischer Stellvertreter Ritser Brughel und seine wie ein menschlicher Computer wirkende rechte Hand Anne Reynolt (hinter ihrer Perfektion verbirgt sich ein schreckliches Geheimnis). Und natürlich die "guten" Queng Ho: der junge Ezr Vinh, der nach dem Konflikt als einziger verbliebener Sproß der Eigenerfamilien die Leitung übernehmen muß; seine große Liebe, die von Triland stammende Trixia Bonsol; die geniale, aber fehlgeleitete Qiwi Lin Lisolet, die beim Abflug noch ein Teenager war; und vor allem ein gewisser Pham Trinli, der das größte Geheimnis der Expedition verkörpert und vielleicht bereits seit Jahrtausenden bei den Queng Ho seine Intrigen spinnt...

Mehr will ich von der Handlung eigentlich nicht verraten. Es gelingt Vinge, mit seiner reichhaltigen, aber doch klaren Sprache die komplexen Zusammenhänge deutlich zu machen, ohne sich im esoterischen Wischiwaschi zu verlieren (wie es in Space Operas oft üblich ist). Aufgrund der Vielzahl der Charaktere und der Vielschichtigkeit der präsentierten Ideen bedarf es einer gewissen Anfangsanstrengung, bevor man in diesen Roman eintauchen kann. Aber der Lohn ist gewaltig, sowohl auf emotionaler Ebene als auch rein intellektuell. Allein die Kultur der kapitalistischen, aber ansonsten apolitischen Queng Ho, mit ihren Kälteschlaf-Zyklen, ihrer Freude an Bonsai-Züchtungen und anderen über Jahrtausende aufgebauten Traditionen ist so überzeugend wie faszinierend. Gerade durch den Kontrast zu den faschistischen Emergents erscheinen sie so glaubwürdig, wie es einer Zukunftserzählung nur gelingen kann. Und natürlich ist die Grenze zwischen "gut" und "böse" längst nicht so klar gezogen, wie es die Voraussetzungen vielleicht erscheinen lassen. Außerdem gefällt mir, daß es fast keine direkte Exposition gibt. Die raffinierten technologischen Extrapolationen werden fast beiläufig eingeführt und nur genau so weit erklärt, wie es für die Handlung von Nöten ist. Beispiel ist der Ramscoop-Antrieb, dessen Theorie bereits in den 60ern aufkam und der inzwischen von verschiedenen Autoren genutzt wird. Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit kommen hier übrigens genausowenig vor wie künstliche Intelligenz (was aufgrund von Vinges Hintergrund ein wenig verwundert).

Die Kindle-Edition ist ordentlich formatiert, nur selten sind mir Fehler aufgefallen ("show" statt "snow"). Ab und zu gibt es fehlerhafte Umbrüche innerhalb eines Satzes. Schlimmer ist die Preispolitik. Wenn man bedenkt, daß die meisten Leser (wie ich) die Romane bereits als Taschenbücher besitzen, ist der aktuelle Preis von 6,99€ leicht unverschämt, mehr noch die 12,99€ für das Bündel mit dem Vorgänger "A Fire Upon the Deep". Zum Glück konnte ich beide Bände in einem kurzzeitigen Amazon-Angebot für jeweils 3,99€ erstehen, was ich als fairen Preis ansehe.

Mittwoch, 29. Juli 2015

Marvel-Leichtgewicht: Ant-Man (7/10)

Insektenkundler werden von Hank Pyms Haustieren nicht besonders begeistert sein. Seine (computergenerierten) Ameisen sind deutlich zahmer und niedlicher angelegt als ihre in freier Wildbahn zu findenden Vorbilder. Gleiches gilt leider auch für die menschlichen Charaktere in diesem jüngsten Beitrag zum Avengers-Universum. Man will halt das überwiegend jugendliche Zielpublikum nicht verschrecken, begibt sich dadurch aber in bedenkliche Nähe harmloser 50er-Jahre-Abenteuerfilme (etwa Die unglaubliche Geschichte des Mr. C). Für Erwachsene gibt es immerhin eine gesunde Prise Komik, am besten dargereicht durch Michael Peñas Kleinganoven Luis (polizeibekannt durch den Diebstahl einer Smoothie-Maschine). Herrlich ist seine ellenlange Erläuterung, wie ihm mal wieder der Tip zum Heist des Jahrhunderts zugeflogen ist (ich traf einen Typen, der kannte jemand, dessen Schwester...) Zum Ende des Films gibt es dazu eine noch bessere Zugabe-Sequenz, an der sogar der inzwischen 93jährige Marvel-Übervater Stan Lee in seinem obligatorischen Cameo beteiligt ist.

Überhaupt kündigen bereits die das Marvel-Logo untermalenden Samba-Rhythmen eine entsprechende Erzählhaltung an. San Francisco bietet dazu eine beschwingte Lokation. Mehr noch als die Guardians nimmt sich der Film niemals ernst. Das ist eine durchaus willkommene Abwechslung zum gewichtigen Drama der Avengers, insbesondere des Erzählfadens um Captain America, der im nächsten Kinojahr zum "Bürgerkrieg" (einem Zerwürfnis innerhalb der Avengers) führen soll. Schade nur, daß die Geschichte und die Actionszenen von Ant-Man besonders abgegriffen erscheinen. Und es wird Zeit, daß Hollywood mal ein Moratorium für geschiedene Väter im Sorgerechtsstreit einführt. Das Thema ist in TV und Kino nun wirklich erschöpft - von Hawai Five-O mit Danno und seiner niedlichen Grace bis hin zu Dwayne Johnson in San Andreas (da hat mir der Trailer schon gereicht).

Ansonsten ist es kein Zufall, daß ich bisher nur Michael Peña namentlich erwähnt habe. Die übrigen Darsteller schlagen sich allemal wacker, von Michael Douglas als Dr. Pym in einer milden Altersrolle über Judy Greer, die nach Jurassic World ein weiteres Mal die treusorgende Mutter spielen darf, bis hin zu "Tauriel" Evangeline Lilly, deren Charme hier leider durch eine bizarre, helmartigen Frisur stark eingeschränkt ist. Besonders enttäuschend ist Corey Stoll in einer blassen Schurkenrolle, vor allem nach seiner beeindruckenden Leistung als Abgeordneter Peter Russo in House of Cards. Und Paul Rudd? Er bleibt auch hier der nette Kerl von nebenan, den man sofort wieder vergißt - oder erinnert sich noch jemand an Charlize Therons Soldaten-Verlobten Wally aus Gottes Werk und Teufels Beitrag? Jedenfalls wartet auf ihn nicht der kometenhafte Aufstieg eines Chris Pratt...

Es wird viel diskutiert, was Visionär Edgar Wright wohl aus dem Stoff herausgeholt hätte. Sicher wären seine Ameisen weniger putzig und seine Miniaturwelten schmutziger ausgefallen. Peyton Reed, der das Projekt von ihm übernommen hat, war mir bisher nur durch die mäßige RomCom Down With Love von 2003 (mit Renée Zellweger und Ewan McGregor) bekannt. Wie alle Beteiligten leistete er solide Arbeit, nur das Cameo von Hayley Atwell hat er leider total verhunzt: Wenn man sich schon die Mühe macht, sie für eine Rückblende ins Jahr 1989 auf "alt" zu schminken (während man Michael Douglas digital verjüngt hat), sollte man der Gründerin und Direktorin von SHIELD (und Vorgängerin von Nick Fury, der hier übrigens zum ersten Mal aussetzt) - sollte man Agent Peggy Carter doch wohl ein paar Dialogzeilen gönnen! Stattdessen wirkt sie wie eine verloren gegangene Statistin.

Nach all dem Gejammer muß ich gestehen, daß ich mich als Fan des Marvel-Kinouniversums trotzdem glänzend amüsiert habe. Die 3D-Effekte machen gerade die Miniaturszenen sehenswert, und trotz etwas zu langer Laufzeit (von an sich kurzen zwei Stunden) hat mich Ant-Man nie gelangweilt, vielleicht auch weil mir diese Figur bislang völlig unbekannt war. Daher vergebe ich gerade noch ein Gut (7/10).

Freitag, 24. Juli 2015

Verdienter Oscar für Julianne Moore: Still Alice (8/10)

Julianne Moore spielt Alice Howland, eine brillante Professorin für Linguistik mit drei erwachsenen Kindern, der kurz nach ihrem 50. Geburtstag plötzlich die Diagnose Alzheimer gestellt wird. Binnen weniger Jahre verliert sie ihre mentalen Fähigkeiten: Gedächtnis, Orientierung, Logik, Sprachvermögen. Der Film versucht dabei recht konsistent, die Geschichte aus Alices mehr und mehr zersplitterter, stark subjektiver Perspektive zu erzählen. Die beiden Regisseure Richard Glatzer und Wash Westmoreland haben den zugrunde liegenden (gut recherchierten, aber nicht auf einer realen Biographie beruhenden) Roman auch adaptiert. Der Stoff hat sie sehr persönlich angesprochen: Richard Glatzer starb kurz nach der Oscar-Verleihung an ALS. Diese Nervenkrankheit, an der auch Stephen Hawking leidet, unterscheidet sich allerdings stark von Alzheimer, denn sie greift nicht direkt die Persönlichkeit an, sondern beeinträchtigt die Kommunikationsfähigkeit mit der Außenwelt.

Für mich ist der traurigste Moment in Alices Krankengeschichte das Scheitern ihres sorgfältig vorbereiteten Selbstmordplans. Tatsache ist, daß Alice in diesem Moment nicht mehr Alice ist. Diese leere Hülle, die noch ungefähr wie Alice aussieht und noch ein paar lückenhafte Erinnerungen an ihr Leben hat, gleichzusetzen mit jener intelligenten, wohlartikulierten und warmherzigen Frau, die wir zuvor kennengelernt haben, ist eine Beleidigung derselben. Es ist richtig, daß ihre jüngste Tochter Lydia (Kristen Stewart) ihr zum Ende hin näherkommt, aber im Grunde konstruiert sich Lydia die Mutter, die sie in diesen Momenten braucht, aus den eigenen Erinnerungen. Ist es Alices Pflicht, dieses unwürdige Leben bis zum natürlichen Ende durchzustehen, nur damit ihre Angehörigen die Lücke in ihrer Mitte nicht anerkennen müssen? Alices Ehemann John (Alec Baldwin) kommt im Vergleich mit Lydia schlecht weg. Daß er Alice im Frühstadion der Krankheit nicht mehr Zeit widmet (sieh bittet ihn vergeblich, ein Sabbatical einzulegen), hat mich auch enttäuscht. Aber daß er dann aus Karrieregründen seine Frau quasi im Stich läßt, wirkt zwar hartherzig, aber vielleicht hat er nur als erster eingesehen, daß seine Alice nicht mehr existiert. Insofern bin ich offenbar anderer Meinung als die Filmemacher (wenn ich den Buch- und Filmtitel als Meinungsäußerung interpretieren darf).

Die Darstellung der Nebenfiguren ist ansonsten eine Drehbuchschwäche, sie hätten deutlich beser ausgearbeitet werden können. Alec Baldwin bringt immerhin sein gewichtiges Charisma ein, und Kristen Stewarts Rolle kommt ihren Stärken entgegen - wann immer sie unangepaßte Außenseiterinnen spielt, blüht ihre Darstellungskunst auf. Kate Bosworth als ältere Tochter jedoch wirkt oberflächlich (und ist aufgemacht wie eine Vampirin), während Hunter Parrish als dauergrinsender Sohn wenigstens einmal traurig dreinschauen darf. Aber natürlich ist das Julianne Moores Film, eine wenig glamouröse Paraderolle, die vielleicht nicht in der physischen Herausforderung, aber wohl in der Nuancierung Eddie Redmaynes Spiel als Stephen Hawking in den Schatten stellt. Schön, daß es bei der fünften Nominierung nun endlich geklappt hat, im untypischen Alter von 54 Jahren (meist sind die Oscar-Gewinnerinnen deutlich jünger, ab und zu auch mal viel älter, so wie etwa Jessica Tandy oder natürlich Katherine Hepburn bei ihren letzen beiden Triumphen).

Still Alice leistet einen wichtigen Beitrag zur Ent-Tabuisierung von Alzheimer, insbesondere durch die Konzentration auf eine relativ junge Betroffene. Die Gehirnkrankheit wird damit aber beileibe nicht zum ersten Mal thematisiert. Bereits 2001 erzählte der gelungene britische Film Iris den Alzheimer-bedingten geistigen Verfall von Iris Murdock, allerdings aus der Perspektive von Ehemann John Bayley, der der angesehenen Schriftstellerin in seiner Biographie ein anrührendes Denkmal gesetzt hatte. Passenderweise gewann damals Jim Broadbent als (älterer) John Bayley einen Oscar, Judi Dench und Kate Winslet waren beide für die Titelrolle nominiert. Gerade durch die Rückblenden wurde die Krankheit aber nur als Endpunkt eines erfüllten Lebens dargestellt, in entsprechender melodramatischer Breite. Still Alice hat einen schärferen Fokus und wirkt dadurch analytischer, zum Glück allerdings nicht so klinisch steril wie Hanekes Amour (das handelt zwar nicht von Alzheimer, wirft aber ähnliche Fragen auf). Unzulässig romantisiert wurde das Thema eher in Sarah Polleys An ihrer Seite (2006), was für mich aber auch an der (trotzdem Oscar-nominierten) Hauptdarstellerin Julie Christie lag, die mich noch in keiner Rolle überzeugen konnte. Still Alice wird ebenfalls Weichspülerei vorgeworfen, aber bereits in dieser abgeschwächten Form ist Julianne Moores herzzerreißende Darstellung nur schwer zu ertragen. Vor allem dafür vergebe ich ein Sehr gut (8/10).

Freitag, 17. Juli 2015

Neu auf Blu-ray: Keira Knightley in "Grow Up!? - Erwachsen werd ich später" (8/10)

Geht es nach Hollywood, so halten Freundschaften aus der Schulzeit für immer, und die Prom-Königin und der Football-Jock bleiben ihr Leben lang zusammen. In der Realität sieht das allerdings anders aus. Jugendliche gruppieren sich meist nach flüchtigen Gemeinsamkeiten, aus relativ kleinen Klassenverbänden kristallisieren sich eher zufällig Freundes- und Liebesbeziehungen. Werden solche Cliquen nach dem Schulabschluß nicht durch äußere Umstände auf natürliche Weise zerschlagen, können sie, begünstigt durch die menschliche Trägheit, tatsächlich eine lange Lebensdauer haben. Solche Cliquen wirken aber oft genauso wie Familienbande und enge Kollegenkreise als soziale Zwangsjacken, die die Lebensweise ihrer Mitglieder stark normierend eingrenzen.

Die 28jährige Megan (Keira Knightley) ist Teil einer solchen Clique, die gerade den zehnten Jahrestag des Highschool-Abschlusses feiert. Das erste Pärchen daraus ist bereits verheiratet und erwartet Nachwuchs, das zweite plant gerade die Hochzeit. Nur Megan ist ein wenig der Nachzügler, sie hat sich noch nicht entschieden, was sie mit ihrem College-Abschluß anstellen soll und flüchtet bei Entscheidungsdruck gern in die elterliche Wohnung. In diese Situation platzt ihr Freund Anthony mit seinem Heiratsantrag hinein, um sie endlich auf die rechte Bahn zu bringen. Verwirrt nimmt Megan zwar den Antrag an, sucht dann aber für eine Bedenkwoche Zuflucht bei der 16jährigen Zufallsbekanntschaft Annika (Chloe Moretz) und (unfreiwillig) deren geschiedenem Vater Craig (Sam Rockwell). Der spießigen Zwangsjacke  beraubt, kann sich ihre Persönlichkeit plötzlich entfalten, wenngleich nicht ohne Hindernisse und Peinlichkeiten...

Die gerade 30 gewordene Keira Knightley hat in den letzten Jahren eine gute Balance gefunden zwischen Filmen mit größerem Profil (zuletzt mit Oscar-Nominierung in The Imitation Game) und kleineren britischen und amerikanischen Werken. Nach ihren schönen Rollen in Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt und Can a Song Save Your Life? hat sie mich nun besonders begeistert in Grow Up!? - Erwachsen werd ich später (der schwer übersetzbare Originaltitel lautet: "Laggies", selbst im UK umbenannt zu "Say When"). Ob ihrer Schönheit und ihre ansteckenden, überschwänglichen Lebensfreude (ihr Reklametanz mit Walkman und Werbeschild ist ein Highlight des Kinojahres) vergißt man leicht, welch eine kluge und ausdrucksstarke Darstellerin sie sein kann.

Laggies kam hierzulande gar nicht erst in die Kinos. Die Marketingabteilungen tun sich sicher schwer bei der Einordnung. Ich würde es als leichtes, amüsantes Drama bezeichnen. Das Drehbuch von Andrea Seigel kommt vor allem zum Schluß nicht ganz ohne Klischees aus, ist aber insgesamt erfreulich unangepaßt und wurde von der jungen Regisseurin Lynn Shelton an Lokationen in Seattle, Washington mit luftiger Leichtigkeit inszeniert. Dazu paßt der Soundtrack aus jungen, wenig bekannten Popsongs. Auch die Nebenrollen sind überzeugend besetzt. Sam Rockwell ist eigentlich immer sehenswert, ob als Redshirt Guy in Galaxy Quest, als Zaphod Beeblebrox im Hitchhiker oder als zwielichtiger Wissenschaftler in Iron Man. Chloe Grace Moretz hat zum Glück gegenüber ihrer Rolle in Scorseses nicht kindgerechten Kinderfilm Hugo Cabret ihre Niedlichkeit zurückgenommen, und die junge Kaitlyn Dever beeindruckt als Annikas beste Freundin.

Es ist schade, daß Laggies kaum ein Publikum zu finden scheint, und wahrscheinlich nur aufgrund der berühmten Hauptdarstellerin überhaupt bei uns auf Blu-ray erschienen ist. Es wird wohl ein Werk bleiben, das nur wenige Zuschauer anspricht. Trotzdem vergebe ich ein persönliches Sehr gut (8/10).

Dienstag, 14. Juli 2015

Generationendrama: Terminator Genisys (5/10)

I can't see you mama
but I can hardly wait
ooh to touch and to feel you mama
oh I just can't keep away
in the heat and the steam of the city
oh its got me running and I just can't brake
so say you'll help me mama
cos its getting so hard

(Genesis 1983)

Auch wenn diese Textzeilen einen kleinen Spoiler beinhalten, fühle ich mich doch verpflichtet, zur Erklärung des dyslexischen Filmtitels beizutragen. In diesem zweiten vierten Teil der Reihe schließt sich der Kreis zum vertrackten oedipalen Drama: Nachdem John Connor seinen Vater Kyle Reese erneut in den Tod geschickt hat, gelingt ihm der Sprung in die Gegenwart (also seine Vergangenheit), und er kann selbst um die Gunst der schönen Sarah buhlen. Wer würde es ihm verdenken, denn durch verschiedene paradoxe Verstrickungen der Zeitlinien hat diese dritte Sarah Connor nun die zauberhafte Gestalt von Emilia Clarke, und John Connor wird - aufgepaßt: inzestuöse Metaebene - vom charismatischen Australier Jason Clarke dargestellt. Natürlich ist "Pops" nicht glücklich darüber (der 67jährige ehemalige Actionstar Arnold Schwarzenegger muß sich jetzt mit Vaterrollen begnügen).

Leider vermag das moderne Kino das Potential von Zeitreisen nicht so recht auszuloten. Wenn schon ein Terminator ins Jahr 1997 zurückgesendet wird, sollte der nicht besser Titanic verhindern und damit den Judgement Day bei den Oscars, als James Cameron sich zum König der Welt ausrufen ließ? Dieser ist übrigens offiziell an Genisys nicht beteiligt, wird aber wohl reichlich Tantiemen einfordern können, denn schließlich besteht ein gutes Drittel der Neuauflage aus aufgewärmten Szenen seiner bahnbrechenden ersten beiden Filme. Des weiteren - wenn man einen österreichischen Muskelmann so erfolgreich digital verjüngen kann, warum hat man dann nicht Michael Biehn als Kyle Reese reaktiviert, statt den blassen Milchbubi Jai Courtney zu besetzen, der bereits im fünften Die-Hard-Debakel seine Untauglichkeit unter Beweis gestellt hatte?

Regisseur Alan Taylor hat dem halbgaren Drehbuch des Cutters Patrick Lussier und der auch nicht gerade profilierten Autorin Laeta Kalogridis (Shutter Island) immerhin ein paar ordentliche Actionszenen entrungen. Emilia Clarke wußte er ja bereits als werdende Drachenmutter in Fire and Blood in Szene zu setzen, auch wenn er sie mit ihren prächtigen dunklen Haaren vielleicht gar nicht wiedererkannt hat. Ihr gelingt es jedenfalls, die emotionale Bindung Sarahs zu ihrem Pops fühlbar zu machen, auch wenn der Zuschauer ansonsten nicht so viel von ihr zu sehen bekommt wie in Game of Thrones;-) Ansonsten veredelt der frischgebackene Oscar-Gewinner J.K. Simmons einige Szenen mit seinem patentierten trockenen Humor, und Sandrine Holt (Beziehungsweise New York) hat einen willkommenen Kurzauftritt als FBI-Agentin.

Wie leider allzu oft wird also auch für den Terminator eine Marke zu Tode geritten (es sind für die nächsten Jahre noch zwei weitere Folgen angedroht). Aus einer einfachen, spannend umgesetzten Idee wird eine verworrene Geschichte, die trotzdem vorhersehbar endet, und der Szenenapplaus bei Arnis Sprung aus dem Hubschrauber ("I'll be back") wirkt auf mich teils nostalgisch, teils mitleidig. Annehmbar (5/10).

Sonntag, 12. Juli 2015

Die BBC in den 60ern: Nick Hornbys "Funny Girl"

Funny Girl ist der Titel eines (durchaus sehenswerten) Wyler-Films von 1968, der die Geschichte der erfolgreichen amerikanischen Entertainerin Fanny Brice (1891-1951) erzählt und Barbra Streisand für ihr bestechendes Leinwand-Debut einen Oscar einbrachte. Nick Hornbys Roman hat damit überhaupt nichts zu tun - er erzählt die fiktive Biographie der britischen Komikerin Sophie Straw, die Mitte der 60er bei der britischen BBC eine erfolgreiche Karriere als TV-Komödiantin startet. Da ansonsten kaum Parallelen erkennbar sind, halte ich bereits den Romantitel für eine Fehlkalkulation.

Nick Hornby ist zudem nicht gerade für seine starken Frauenfiguren bekannt. Für seine Protagonisten etwa in High Fidelity oder About a Boy ist Weiblichkeit fast synonym mit einem unergründlichen Geheimnis. So wird das Funny Girl (im Deutschen: "Miss Blackpool") auch eher durch die Männer in seinem Umfeld charakterisiert: den unsterblich in sie verliebten Produzenten Dennis, das Autorenteam der sehr unterschiedlichen Homosexuellen Bill und Tony sowie Sophies Co-Star Clive, der an seiner Herabsetzung durch eine Paranthese leidet - der Name der Fernsehserie lautet "Barbara (and Jim)".

Das klingt jetzt alles sehr negativ, aber tatsächlich ist die Geschichte durchaus unterhaltsam - nicht besonders witzig, aber amüsant, zwar vorhersehbar, aber trotzdem bewegend, kaum satirisch, aber doch mit authentischem Zeitbild. Es ist nur im Nachhinein, daß man sich wundert, wie Sophie so widerstandslos zum Star werden, wie insbesondere Bill (der seine Sexualität offen auslebt) fast mühelos Repressalien vermeiden, wie Dennis dann doch sein Glück finden kann. Allzu oft überschreitet Hornby die Grenze von Nostalgie zur Sentimentalität. Insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Mißbrauchsenthüllungen über BBC-Mitarbeiter fehlt mir hier satirische Schärfe. Zudem sind die Figuren einfach zu brav gezeichnet, fast als wenn der Ruf der fiktiven Charaktere geschützt werden sollte.

Während Nick Hornbys Veröffentlichungen nach seinem Durchbruch 1995 mit "High Fidelity" (und der wunderbaren Verfilmung durch Stephen Frears) für meinen Geschmack von Roman zu Roman schwächer wurden, lieferte er 2009 mit "Juliet, Naked" endlich wieder einen tollen Text ab, der nach langer Zeit wieder aus seiner Leidenschaft für Pop-Musik schürfte und sehr überzeugende, gebrochene Charaktere zu bieten hatte. Der Titel bezieht sich übrigens auf das klassische Hitalbum "Juliet" des (fiktiven) Rockstars Tucker Crowe und die Veröffentlichung einer fast bis auf Demolevel abgespeckten Version (eben "Juliet, Naked"), deren unterschiedliche Beurteilung eine Beziehungskrise bei den Hauptfiguren auslöst.

Zwischendurch zeigte Hornby ein erstaunliches Talent für die Adaption von Fremdmaterial. 2009 war sein Drehbuch für An Education sogar für einen Oscar nominiert. Letztes Jahr lieferte er das Buch für für Jean-Marc Vallées rundum gelungenes Der große Trip, während ironischerweise die Verfilmung seines eigenen Romans A Long Way Down (ohne seine Beteiligung) trotz einer von Pierce Brosnan und Toni Collette angeführten Star-Riege floppte. Mit Brooklyn kommt demnächst seine dritte Romanadaption ins Kino. Die Arbeit an An Education mag übrigens Inspiration für seine Darstellung der 60er Jahre gewesen sein, aber die dichte Atmosphäre des Films und insbesondere das brillante Spiel Carey Mulligans in der Hauptrolle stellen Funny Girl ziemlich in den Schatten.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Melissa McCarthy als Spionin Susan Cooper: Spy (8/10)

Niemand vermag momentan auf der großen Leinwand so gekonnt Beleidigungen zu verteilen wie Melissa McCarthy. Ihre giftigen Wortschwälle sind präzise wie Fausthiebe und durchschlagend wie Kung-Fu-Tritte. Und wenn diese so perfekt auf sie zugeschnitten sind wie von Regisseur und Autor Paul Feig in Spy (mit dem überflüssigen deutschen Untertitel "Susan Cooper Undercover"), dann sprühen die Funken, daß James Bond nur staunen kann: Wortkunst trifft auf Martial Arts. Nicht daß letztere vernachlässigt würden - Melissas "Agentin wider Willen" Susan Cooper weiß sich durchaus auch mit herkömmlicher Gewalt durchzusetzen. Nach zehn Jahren Schreibtischtätigkeiten braucht sie allerdings eine Weile, um das zu erkennen. Bisher hat sie die schmutzige Arbeit anderer gesteuert, insbesondere die von Staragent Bradley Fine (Jude Law empfiehlt sich etwas verspätet für die  Bond-Nachfolge). Nachdem dieser allerdings außer Gefecht gesetzt ist und die vier (4!) verbleibenden CIA-Agenten kompromittiert wurden, bewirbt sich die allseits belachte, übergewichtige Susan als letzte Hoffnung der freien Welt und wird zur Strafe in zunehmend demütigenden Maskeraden auf Informationsjagd geschickt. Alles weitere ist zwar vorhersehbar, aber ungeheuer unterhaltsam...

Melissa McCarthy wurde 2011 pünktlich zu ihrem 40. Geburtstag mit Paul Feigs Brautalarm ("Bridesmaids") zum Kinostar. Zwar hat mich  der zotige Humor nach dem Buch von Kirsten Wiig und Annie Mumolo überhaupt nicht angesprochen (verkauft wurde das als Hangover für Frauen), aber trotz aller Erniedrigungen, die ihre Figur erleiden mußte, kam Melissa bei diesem Frauenquintett noch am besten weg. Natürlich hatte ich sie noch gut in Erinnerung als patente, zu Panikattacken neigende Köchin Sookie bei den Gilmore Girls. Parallel zu ihrem Späteinstieg ins Kinogeschäft hatte die gewiefte Standup-Komikerin mit der Sitcom Mike & Molly noch einen TV-Erfolg, ist jetzt aber wohl ausgebucht mit Filmprojekten (sie wirkt bei der mit Frauen besetzten Neuauflage der Ghostbusters mit - Buch und Regie: Paul Feig). 2013 hatte sie an der Seite von Sandra Bullock bereits einen Hit mit der ebenfalls von Paul Feig inszenierten Buddykomödie Taffe Mädels, aber meiner Meinung hat Feig erst in seinem speziell für sie entwickelten Drehbuch für Spy (mein deutscher Titelvorschlag: "Die Spionin") ihr Potential optimal ausgeschöpft. Er trifft nach meinem Geschmack genau die richtige Balance zwischen Albernheit und Charme, und Melissa füllt nun als seltener weiblicher Star die Kinokassen.

Wie immer bei solchen Filmen lohnt es sich, die negativen Kritiken zu lesen, wo sich z.B. viele IMDB-Nutzer als bigott oder zumindest prüde outen, und noch öfter als dämlich. Ich habe zwar volles Verständnis, wenn man mit dieser Art Humor nicht klarkommt, aber da gibt es wirklich Leute, denen die Darstellung des CIA "nicht realistisch" erschien! Kleiner Tip: Gleich zu Beginn kämpfen die Angestellten dieses geheiligten Geheimdienstes mit einer Fledermausinvasion - wer das ernstnehmen kann, sollte sich auf Dokumentationen beschränken. Merkwürdigerweise erschien mir das geschilderte Agentenmilieu eher britisch als amerikanisch, sei es durch die Anklänge an Bond (u.a. wird Susan mit einer tollen, wenngleich nicht gerade modischen Kollektion von technischen Gimmicks ausgestattet), oder durch die Besetzung einiger Nebenrollen. Die europäischen Handlungsorte, insbesondere Paris mit Susans billiger Absteige, werden allerdings nicht unbedingt in vorteilhaftes Licht getaucht.

Melissa wäre jedoch nur halb so gut, wenn sie nicht mit exzellenten Partnern konfrontiert würde. Die stets wunderbare Allison Janney, einst Stabschefin im West Wing, füllt routiniert die Schuhe eines Deputy Directors der CIA, ohne in Klischees zu verfallen - sie ist zwar zunächst herablassend skeptisch, dann aber pragmatisch und spart bei Erfolg auch nicht mit Lob. Jude Law wurde bereits erwähnt und darf nach langer Zeit mal wieder mit Eleganz und Oberflächlichkeit glänzen. Rose Byrne als Oberschurkin Rayna bringt Susans verbalen Attacken eine wohldosierte stoische Ruhe entgegen, die schelmische Morena Baccarin,  "Companion Inara" aus Firefly, hat ein willkommenes Cameo als Agentenkollegin, und der mir bislang unbekannte britische Komiker Peter Serafinowicz spielt den herrlich abgedrehten italienischen Verbindungsmann Aldo, der Susan ständig an die Wäsche will (wie gesagt, wer diese Art Humor nicht mag...) Melissas komischster Co-Star ist allerdings, wer hätte das gedacht, Mr. Transporter Jason Statham, der sein Image als Action-Superheld in Wort und Tat gewaltig auf die Schippe nehmen darf. Paul Feig hat ihm Sprüche auf den leidensfähigen Leib geschrieben, bei denen Schwarzenegger, Willis & Co. neidisch werden müßten.

Beinahe hätte ich diesen Hochgenuß aufs Heimkino verschoben, aber in der fünften Woche seit dem Kinostart (der in Deutschland immerhin über eine halbe Million Zuschauer angelockt hat) hat's zum Glück gerade noch geklappt. Sehr gut (8/10).

Dienstag, 7. Juli 2015

Die Hugo-Kurzformen: No Award

Nachdem ich mich nun endlich durch alle Kurzgeschichten, Noveletten und Novellen des (in diesen Kategorien vollständigen) Voters Package gequält habe, habe ich mich in allen drei Kategorien für "No Award" als erste Wahl entschieden. Klar, daß mir nicht alles gefallen muß, gerade da ich kein Freund der Kurzform bin. Aber durch die traurigen oder gar räudigen Welpen-Vorschlagslisten bietet die Auswahl weder solide Unterhaltung (was ja eigentlich eines der Ziele der üblen Kampagne war) noch irgendwie intelligente oder neue Ideen. Stattdessen gibt es abstruse Abenteuer, undurchschaubare Charaktere, wirre Weltenaufbauten und dämliche metaphysische oder religiöse Sichtweisen. Hervorzuheben ist dabei der selbsternannte neue Star und Erneuerer der Science Fiction, John C. Wright. Er ist ein guter Beleg für das Scheitern der amerikanischen Ivy-League-Erziehung, denn trotz umfangreicher klassischer Bildung kann er sein Faktenwissen nicht vernünftig auf die Realität anwenden (er brüstet sich damit, daß er Marx mit Aristoteles widerlegen kann). Dazu hat er dieser wenig erfolgreiche Schreiberling noch die Dreistigkeit, Tips für den Autorennachwuchs zu veröffentlichen (seine Aufsatzsammlung "Transhuman and Subhuman" ist als "Best Related Work" nominiert). Ach gäbe es doch die Möglichkeit (wie in seiner wirren Novelle "The Plural of Helen of Troy"), ihn per Zeitmaschine ins fünfte Jahrhundert v.Chr. zu transportieren! Ihm zufolge war übrigens Marilyn Monroe eine Inkarnation der Schönen Helena und hat JFK derart den Kopf verdreht, daß dieser am Ende sich selbst (als sein älteres Ich) umgebracht hat...

Es gibt eine kleine Ausnahme bei den Kurzgeschichten, wo es durch verschiedene Rückzieher tatsächlich einen Beitrag jenseits der Vorschlagslisten gab. Das ist "The Day the World Turned Upside Down" des Niederländers Thomas Olde Heuvelt, übersetzt von Lia Belt. Das ist eine hübsche Fantasy-Geschichte um Trauer und Liebesverlust, mit dem zugegeben schrägen Gimmick, daß die Welt des Erzählers eines Tages buchstäblich auf den Kopf gestellt wird und alles nicht Niet- und Nagelfeste gen Himmel verschwindet. Ein einziger preiswürdiger Beitrag pro Kategorie ist aber zu wenig, und daher habe ich das Werk auch nur auf Platz Zwei hinter "No Award" gesetzt.

Freitag, 3. Juli 2015

Mehr vom Teddybär: Ted 2 (6/10)

Morgan Freeman spricht mir bei seinem Auftritt als Staranwalt Patrick Meighan aus dem Herzen: Warum sollte es mich kümmern, ob Ted Bürgerrechte zustehen, wenn er doch nichts zu unserer Zivilisation beizutragen hat? Im Gegenteil, wenn er eine Person wäre, würde der kleinkriminelle Teddybär mit der großen Schnauze sicher bereits in einer Besserungsanstalt einsitzen. Insofern taugt die Prämisse für den "Drama"-Anteil dieses aufgewärmten Sequels schon mal überhaupt nicht. Darüber hinaus ist die Lachquote eher durchwachsen. Einen repräsentativen Querschnitt bietet ja bereits der Trailer.

Seth MacFarlanes Ansatz scheint mir oft darauf hinauszulaufen, absurde Situationen zu schaffen und dann zu hoffen, daß etwas Komisches dabei herauskommt. Aber bei diesem Humorroulette gewinnt meist nur die Bank. Mark Wahlberg und Konsorten hatten bestimmt viel Spaß beim Dreh, während der Zuschauer sich wundert. Liam Neesons Cameo ist immerhin ein Schmunzeln wert (offenbar gab es die Pointe nach den Credits, da hatte ich den Saal allerdings schon verlassen). Michael Dorn als Klingone auf dem ComiCon wirkt nur auf einer Metaebene als Cool-Faktor. Überhaupt ComiCon - eine solch aufwendige Kulisse hätte doch mehr hergeben müssen, oder?  Viele Szenen zitieren (offenbar schlecht) die Filmgeschichte. An einigen Stellen mußte ich aber trotzdem lachen ("Die Scheune kam aus dem Nichts!").

Immerhin ist Amanda Seyfrieds dauerkiffende Advokatin den Eintritt wert (Mila Kunis kehrte wegen ihrer Schwangerschaft nicht zurück). Die süße Blondine hat auch die einzige Szene mit Gänsehauteffekt, wenn sie am Lagerfeuer zur Gitarre mit ihrer Musical-tauglichen Stimme "Mean Ol' Moon" anstimmt, ein von Filmkomponist Walter Murphy und Brachiallyriker MacFarlane aus klassischen Vorlagen zusammengeklauter "Evergreen". Ansonsten gibt's mehr vom Gleichen, und oft das Gleiche nochmal - wie das bei vom Erfolg erzwungenen Sequels halt so üblich ist. Wenn man nicht mehr erwartet hat, ist das gerade noch ordentliche Unterhaltung (6/10).

Sonntag, 28. Juni 2015

Die Hugo-nominierten TV-Folgen

Meine Rangfolge der nominierten Beiträge in der Kategorie "Dramatische Kurzform" sieht wie folgt aus:

1. Game of Thrones, The Mountain and the Viper

Obwohl mir persönlich Episode 6, "The Laws of Gods and Men", etwas besser gefiel, ist diese Episode 8 allen übrigen Kandidaten qualitativ haushoch überlegen. Leider ist es D&D (so das Fankürzel für die Chefautoren David Benioff und D.B. Weiss) in diesem Jahr gelungen, die Staffel 5 ziemlich vor die Wand zu fahren (dazu vielleicht in einem späteren Beitrag mehr). Trotzdem ist auch diesmal wieder Folge 8, Hardhome, nominierungswürdig, wenngleich ihre Bedeutung durch das Ende des jämmerlich überladenen Staffelfinales leider fast negiert wird.

2. Grimm, Once We Were Gods

Die dritte Staffel von Grimm bietet nach wie vor solide Unterhaltung auf hohem Niveau, auch wenn der eine oder andere übergreifende Handlungsstrang leicht mißlungen ist. Die Serie lebt aber von ihren Figuren, vor allem dem Traumpaar Monroe und Rosalee, und dadurch macht für mich gerade den von vielen gehaßten "Fall der Woche" immer wieder am meisten Spaß. "Once We Were Gods" ist so eine Episode, nicht unbedingt die beste der Staffel, aber bestimmt erinnerungswürdig. Ägyptische Mythologie scheint bei SF-Fans immer noch punkten zu können (siehe "Stargate"), und das ist für mich als einfache Kehrseite-Schlich-kennen durchaus in Ordnung.

3. Orphan Black, By Means Which Have Never Yet Been Tried

Die Abenteuer der von Tatiana Maslany nach wie vor talentiert und unterhaltsam verkörperten Klone sind mir inzwischen dank Netflix ein wenig ans Herz gewachsen, auch wenn die Fortsetzung nur Variationen der ersten Staffel bietet (die Serie geht noch mindestens in die vierte Runde). Man muß halt die abstrusen Handlungswirren weitgehend ignorieren und Spaß an den Darstellungen finden. Meine Favoriten sind Sarahs schwuler Bruder Felix (Jordan Gavaris) und natürlich ihre lesbische, bebrillte Klonschwester Cosima, um deren Gesundheit man sich leider Sorgen machen muß. Die blumigen Episodentitel sind übrigens dem Werk von Francis Bacon entlehnt (eine Info, die ich dem Unaffiliated Critic verdanke). Das nominierte Staffelfinale bietet zwar die üblichen Cliffhanger und neuen Verwicklungen (u.a. eine neue Gruppe von männlichen Klonen), in Erinnerung bleibt aber die herzerwärmende Party, bei der Tatiana mit sich selbst (und sich selbst, und sich selbst, und sich selbst) tanzen darf.

4. No Award

Dabei hätte es preiswürdige Episoden von Person of Interest oder Agents of Shield gegeben...

5. The Flash, Pilot

Die Pilotfolge war zwar unterhaltsam und führte einige liebenswerte Figuren ein, der Handlungsverlauf beißt sich aber bereits in der ersten Staffel derart in den eigenen Schwanz, daß das Gesamterlebnis dieser DC-Show eher frustriert.

6. Dr. Who, Listen

Ebenfalls dank Netflix konnte ich mir diese Folge mal isoliert anschauen, was ja bei Dr. Who durch das Fehlen einer ernstzunehmenden fortlaufenden Handlung unproblematisch ist. Die Folge von Hauptautor Steven Moffat (der mit seinem Dr.-Who-Kollegen Mark Gatiss auch Sherlock ausgeheckt hat) hat leider meine Vorurteile gegen die Serie nur verstärkt, die gerade mit dem zwölften Doktor in die neunte Staffel der Neuauflage geht. Zu meiner Verteidigung möchte ich anbringen, daß ich immerhin die erste Staffel nach ihrem Erscheinen in Gänze konsumiert hatte (sie wurde vor zehn Jahren im digitalen Kabelnetz tatsächlich im Original angeboten). Mit dem neuen Doktor Peter Capaldi kann ich nun gar nichts anfangen (Christopher Eccleston hatte mich weitaus mehr überzeugt), aber seine aktuelle "Begleiterin" Clara gefällt mir immerhin vom Aussehen her (ok, Jenna Coleman ist bildhübsch), während Rose (Billie Piper) mir nur auf die Nerven ging. Die Geschichte von Listen jedenfalls ist hanebüchen, und ich bleibe bei meiner Meinung, daß die ehemalige Kinderserie Dr. Who als Zielgruppe höchstens noch für anspruchslose Jugendliche geeignet ist.

Die Hugo-nominierten Romane

Hier meine Rangfolge der in diesem Jahr für den Hugo nominierten Romane:

1. The Three-Body-Problem von Liu Xixin

Dieser nachnominierte Roman ist für mich der einsame Spitzenreiter in der Kategorie. Das betrifft sowohl die literarische Qualität als auch die solide Zentrierung im Genre.

2. "Skin Game" von Jim Butcher

Es ist richtig, daß dieser 15. Teil nicht der stärkste in den Dresden Files ist, und es gibt auch keinen Grund, warum ausgerechnet dieser Band nun einen Preis gewinnen sollte. Aber er bietet das höchste Lesevergnügen in der Auswahl, und es sind noch keine Ermüdungserscheinungen sichtbar in der Saga des Warden von Chicago. Außerdem gibt es da diesen unglaublichen Jedi-Moment...

Ich verspreche, die nächsten Romane von Butcher an dieser Stelle ausführlich vorzustellen. Ansonsten verweise ich auf die Kritik (bzw. Lobhymne) von Patrick Rothfuss (einem wunderbaren Fantasy-Autor, der leider noch langsamer schreibt als George R.R. Martin), wenngleich ich den "Herrn der Ringe" und Robin Hobbs Werke höher ansiedeln würde, während ich mit Pratchett nichts anfangen kann ;-)

Patrick's Review of Skin Game
3. The Goblin Emperor  von Katherine Addison

Gerade noch preiswürdig wäre dieser schöne Fantasy-Roman, der aber wohl zu Recht nur Außenseiterchancen hat. Das Werk der Autorin werde ich aber weiterverfolgen.

4. No Award

Irgendwo muß man die Grenze ziehen...

5. Ancillary Sword von Ann Leckie

Für den Nebula hat's dieses Jahr nicht gereicht, und viele Leser halten diesen Band für schwächer als den preisgekrönten Vorgänger. Siege eines Autors in aufeinander folgenden Jahren hat es nur zweimal gegeben, und Ann Leckie erreicht nun wirklich nicht die Klasse von Orson Scott Card ("Ender's Game" und "Speaker for the Dead") oder gar Lois McMaster Bujold ("The Vor Game" und Barrayar).

6. "The Dark Between the Stars" von Kevin J. Anderson

Diese überlange Space Opera war zum Glück im Voters Package enthalten. Trotzdem habe ich nicht viel mehr als 100 Seiten (lt. meinem Kindle genau 17%) ausgehalten. Die Schreibe strotzt nur so vor Ungenauigkeiten und schlampigen Konstrukten ("rundherum gab es nichts als Lichtjahre"). Es wird eine Unzahl von Figuren eingeführt, die mir als Leser alle völlig gleichgültig waren, und die gern exposéartig mit einer halben Seite Hintergrund vorgestellt werden. Diese Art von Quantität vor Qualität erinnert an Daily Soaps im Fernsehen, und dafür ist, wie ich glaube, das Wort "Schund" erfunden worden.