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Samstag, 7. Dezember 2019

Jetzt auch als Augwurm: Last Christmas (8/10)

Oft ist es am besten, einen Film ohne viel Vorwissen zu erleben. Drei Wochen nach Bundesstart (der ohnehin saisonal so verfrüht war wie Lebkuchen im November) übernahm ich also spontan den Altersvorsitz im kleinen Saal 6 des Cinestar Original im Sony Center für eine Vorstellung von Last Christmas. Ich verlinke diesmal bewusst keinen Trailer, denn der verrät schon viel zu viel über dieses weihnachtliche Kleinod, das leider kein großer Hit geworden ist. Selbst das weibliche Publikum, auch an diesem Abend traditionsgerecht in der Überzahl, strömte nicht wie erhofft in die Kinos. Dabei waren in diesem Jahrzehnt gelungene romantische Komödien Mangelware. Vielleicht sind Gefühle einfach aus der Mode gekommen.



Mag auch sein, dass das Konzept zu clever war, das Emma Thompson über Jahre hinweg gemeinsam mit ihrem Ehemann Greg Wise entwickelt hatte. (Er war übrigens der Schuft Willoughby in Sinn und Sinnlichkeit (1995), für dessen Adaption sie einen Oscar gewann.) Es ist in ungewöhnlicher Weise von Whams Weihnachtsklassiker inspiert. Nicht, dass der Erzählrahmen für die Romanze oder der "Twist" besonders originell wären, aber es kommt eben auf die Details und die Figuren an. Und dafür hat Dame Emma ein gutes Händchen. Und es gelingt ihr nebenbei auch auf unaufdringliche Weise ein Stimmungsbild der Brexit-Hauptstadt. In Paul Feig (Susan Cooper Undercover, Ghostbusters), dem britischsten aller amerikanischen Regisseure, fand sie einen gleichgesinnten Ausführenden für diese in London gefilmte Produktion. Wer den Paradiesvogel einmal in einem Making Of erlebt hat, weiß, dass er jeden Tag mit einem neuen Anzug zum Dreh kommt, ansonsten aber für jeden Schabernack zu haben ist. Er steht einfach für Eleganz und Esprit (auch wenn mir Brautalarm gar nicht gefallen hat). Wer allerdings George Michaels Popschnulzen gar nicht ertragen kann, ist hier falsch.

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Romanzen stehen und fallen mit ihren Hauptdarstellern, und ach, Emilia Clarke, die gerade 33 geworden ist, aber locker für 26 durchgeht, könnte von mir aus jedes Jahr zwei davon drehen. Niemand hat so ausdrucksstarke Augenbrauen und ein solch entwaffnendes Lachen wie die Drachenmutter außer Dienst. Und wer hätte gedacht, dass sie auch eine schöne Singstimme hat? Wie im Cape macht ihre Kate auch im Elfenkostüm eine gute Figur. Ihr Partner Tom ist überraschend mit Henry Golding besetzt, dem reichen Schönling aus Crazy Rich Asians, was aber fabelhaft funktioniert, wie überhaupt das ungewöhnliche Casting zum Gelingen des Films beiträgt (und den Kitsch in Grenzen hält). Höhepunkt ist erwartungsgemäß Emma Thompson selbst als Kates, Verzeihung, Katarinas Mutter, Immigrantin aus Jugoslawien (Kroatien, offenbar) mit komödiantisch gebrochenem Akzent. Ähnlich wunderbar ist Michelle Yeoh (Tiger & Dragon) als Kates Chefin "Santa". Lustigerweise hatte sie in Crazy Rich Asians Henry Goldings Mutter gespielt.

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Eigentlich nur als Ersatz für Woody Allens A Rainy Day in New York, den das Cinestar leider nicht zeigt, bin ich mit Last Christmas im regnerischen London gelandet. Bereut habe ich das keineswegs, insbesondere weil die Heimkino-Auswertung ja erst in der warmen Jahreshälfte erfolgen wird, und dafür ist die Geschichte vielleicht doch zu sentimental. Also vergebe ich ein festliches Sehr gut (8/10).

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Bonus: meine DVD-Rezension zu Sinn und Sinnlichkeit:

"Sinn und Sinnlichkeit" oder vielleicht besser "Verstand und Gefühl", dieser Titel steht für die beiden Schwestern Elinor und Marianne, grandios gespielt von Emma Thompson und Kate Winslet. Aber natürlich ist die Sache nicht ganz so einfach - Elinor bleibt nicht gefühllos, und Marianne kommt zum Schluß auch noch zu Verstand. Doch bis es soweit ist, martern uns Emma Thompson (Drehbuch) und Ang Lee (Regie) in Vertretung von Jane Austen fast mit falschen Hoffnungen, Mißverständnissen, peinlichen Situationen, versöhnen uns dann aber doch wieder mit Witz, Lebensmut und Poesie. Wer dies alles übersteht, wird am Ende reich belohnt und braucht sich seiner Tränen nicht zu schämen. Jede Nebenrolle ist hier perfekt besetzt, man achte besonders auf Alan Rickman als Colonel Brandon, der als Bösewicht ("Die Hard") bekannt wurde und zuletzt eine recht mürrische Stimme Gottes in Kevin Smiths Bravourstück "Dogma" abgab. Hier ist er plötzlich zerbrechlich und herzenswarm; wunderbar, wie gut manchmal eine Besetzung gegen den Typ aufgeht. Und am stammelnden Hugh Grant ("Excellent", "Perfect"), dem einzigen Briten der Welt mit lupenreinem Queens-English, kann man sich sowieso nie sattsehen. Man hat jederzeit das Gefühl, daß hier das Optimum aus diesem Stoff herausgeholt wurde - gäbe es doch mehr Literaturverfilmungen diesen Ranges (9/10).

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Sonntag, 24. November 2019

Aus der Klamottenkiste gestreamt: Mumford (Lawrence Kasdan, 1999: 9/10)

Es gibt zwei Persönlichkeitstypen, die Psychologen werden wollen. Die einen wollen ihre Mitmenschen verstehen lernen, was aber kein Studium vermitteln kann. Die anderen haben bereits einen gutes Verständnis ihrer Mitmenschen und wollen dieses auf eine anerkannte Grundlage stellen. Bei diesen kann man nur hoffen, dass ihnen das Studium ihre Instinkte nicht mit theoretischen Modellen übertüncht.



Zum zweiten Typ gehört definitiv Dr. Mumford (Loren Dean), der eines Tages in der Kleinstadt Mumford auftaucht und eine psychotherapeutische Praxis eröffnet. Seine Instinkte sind unverfälscht, denn tatsächlich hat er sein Studium, seine Zeugnisse und Zertifikate erfunden. Trotzdem hat er schnell eine florierende Praxis, denn er kann zuhören und bringt selbst für die merkwürdigsten Macken Verständnis auf. Da ist der Apotheker Henry (Pruitt Taylor Vince), dessen romantisch-sexuellen Phantasien als Film im Film in elegantem Schwarzweiß inszeniert sind (tatsächlich beginnt Mumford mit einer solchen Sequenz, mit Henrys Voiceover im Stil von Marlowe, wobei sein Alter Ego eine, sagen wir, stark idealisierte Version seiner selbst ist). Da sind die Goth-Schülerin Nessa (Multitalent Zooey Deschanel in ihrer ersten Rolle), die Mumford unentgeltlich behandelt (pro Boner, wie Nessa sarkastisch bemerkt),  Besserwisser-Anwalt Lionel (Martin Short), die frustrierte Hausfrau Althea (Galactica-Präsidentin Mary McDonnell) mit einem Shopping-Problem, und Tech-Billionär Skip, der vom Patienten zu Mumfords Freund wird. Ex-Profi Jason Lee zeigt als Skip nebenbei ein paar Skateboard-Kunststücke, aber er hat noch eine größere Überraschung in der Garage...

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Zu Mumfords wichtigster Patientin wird allerdings die chronisch erschöpfte Sofie (Hope Davis), die er mit Spaziergängen und anregenden Unterhaltungen wieder auf die Beine bringt. Und natürlich entwickelt sich mehr zwischen Therapeut und Patientin als die Regularien erlauben. Zu den genannten Personen gesellen sich noch Alfre Woodard als Mumfords hübsche Nachbarin, Ted Danson als Altheas egomanischer Ehemann sowie David Paymer und Jane Adams als Mumfords misstrauische Kollegen. Fürwahr eine illustre Gesellschaft.

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Mumford ist also eine romantische Komödie, aber auch so viel mehr. Der deutsche Verleihtitel Dr. Mumford verkürzt dies leider, denn gleichberechtigt neben dem Doktor steht die Kleinstadt Mumford im Zentrum der Handlung, oder vielmehr ihre Bewohner. Die meisten von Lawrence Kasdans Regieprojekten zwischen 1981 und 1999 sind solche Ensemble-Werke, sorgfältig konstruiert und besiedelt mit faszinierenden Figuren, die leicht stilisiert und doch erkennbar menschlich gezeichnet sind. In seinen besten Filmen erzielte Kasdan einen Realmärchen-Effekt, der dem Zuschauer das Herz erwärmt, ohne kitschig zu wirken. Glanzstück dieser Phase ist Der große Frust (The Big Chill, 1983), der zu meinen zwanzig Lieblingsfilmen zählt. Ähnlich gelungen sind Silverado (1985) und Grand Canyon (1991). Nebenbei war er als Autor noch an ein paar kleinen Filmen beteiligt, Abenteuergeschichten wie Raiders of the Lost Ark und The Empire Strikes Back. Er schrieb auch das Drehbuch zu Bodyguard (1992) mit Kevin Costner und Whitney Houston. Vielleicht wäre das unter seiner eigenen Führung toll geworden, aber unter Mick Jackson wurde die  Kitsch-Schmonzette zwar zum Kassenerfolg, kann heute aber höchstens als Guilty Pleasure genossen werden.

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Mumford wollte im Kino niemand sehen. Vielleicht liegt es am unscheinbaren Hauptdarsteller-Paar Loren Dean und Hope Davis, die zwar wunderbar agieren, denen aber ein Quentchen Star-Qualität fehlt. Unvorstellbar allerdings, dass Johnny Depp für die Hauptrolle im Gespräch war. Das wäre ein komplett anderer Film geworden, und wahrscheinlich kein besserer. Kritiker packen den Regisseur Lawrence Kasdan gern in die Ecke Kunsthandwerk. Ist das die Strafe für wohlkonstruierte Geschichten und humanistische Botschaften? Immerhin sind ein paar Oscar-Nominierungen abgefallen, für die Drehbücher von Der Große Frust, Grand Canyon und Die Reisen des Mr. Leary (Accidental Tourist, 1988). Für letzteren gewann "Thelma" Geena Davis übrigens ihren Oscar als beste Nebendarstellerin. Immerhin vergab Roger Ebert für Mumford 4,5/5 Sternen, mehr als für Der große Frust (2,5/5). Vielleicht war er in der Zwischenzeit auf den Geschmack gekommen. Meine Wertung: Herausragend (9/10).

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Mumford ist nicht als Blu-ray erhältlich, dafür aber in tadelloser HD-Qualität mit deutschem und Originalton bei iTunes. Amazon Prime bietet nur die deutsche Fassung, andere Anbieter ebenfalls die OV. Siehe die informative Seite Wer streamt es?

Samstag, 16. November 2019

Von vorgestern: Yesterday (5/10)

Eine Welt ohne die Beatles kann ich mir nicht vorstellen, aber ob sie so aussehen würde wie in Yesterday? Darin ist der Endzwanziger Jack Malik nach einem globalen Blackout offenbar der einzige, der sich an die Fab Four erinnern kann. Als (erfolgloser) Singer-Songwriter kann er etliche ihrer Klassiker rekonstruieren und kommt damit mächtig ins Geschäft. Merkwürdig, dass ihm ausgerechnet Can't Buy Me Love nicht einfällt, denn dieser frühe Titel enthält die bescheidene Moral des Films. Kleiner Gag am Rande: An seiner Pinwand mit den möglichen ausschlachtbaren Songs steht auch John Lennons Soundcollage Revolution No. 9...



Der aus Cambridgeshire stammende TV-Darsteller Himesh Patel ist keine schlechte Wahl für die Hauptrolle. Er singt und spielt alle Lieder selbst. Yesterday zur Gitarre und The Long and Winding Road am Klavier klingen hübsch, Back in the USSR rockt ganz gut ab, aber oft gehen die Nuancen flöten. Mit am besten gefiel mir übrigens seine gefühlvolle Something-Darbietung in der James-Corden-Show (inspiriert vom künftigen Bond-Girl Ana de Armas), die leider aus dem ohnehin schon zu langen Film rausgeschnitten wurde (zu sehen in den Extras der UHD-Blu-ray). Dazu ist es unwahrscheinlich, dass die frühen Knaller wie She Loves You und I Want To Hold Your Hand ein heutiges Publikum noch elektrisieren könnten. Jacks Help-Version schließlich klingt fast wie ein Grunge-Song und wäre damit vielleicht schon wieder hitfähig. Aber insgesamt halte ich es für eine Utopie, dass die rohen Songs bei Millennials eine Resonanz erzeugen könnten, auch wenn eine super aufgelegte Kate McKinnon (Ghostbusters) als Marketingspezialistin ihr übelstes tut, um Jacks eher an Bob Dylan angelehnte Persona den Massen zu verkaufen.

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Überhaupt glaube ich nicht an den Verlauf der Ereignisse. Im Film wird Superstar Ed Sheeran über einen lokale TV-Auftritt auf Jack aufmerksam und nimmt ihn fürs Vorprogramm mit auf Tour, bevor die Amerikaner ihn vereinnahmen. In der Realität hätte das Studio Jack wahrscheinlich in einen Kellerraum gesetzt und Songs schreiben lassen, die dann von Taylor Swift und anderen Stars mit markttauglichem Image verwurschtelt worden wären - und dabei wären sicherlich schlimmere Dinge rausgekommen als "Hey Dude". Jacks Karriereverlauf dient im Film allerdings nur als Hindernis in der Romanze mit seiner Jugendfreundin Ellie (Lily James aus Mamma Mia: Here We Go Again). Und ach, ist das alles brav, fast möchte ich sagen, feige konstruiert: You've Got To Hide Your Love Away! Einzig nette Idee ist es, Robert Carlyle als einen 76jährigen, abgeklärten John Lennon auftreten zu lassen (der ohne Ruhm natürlich nicht mit 40 von einem enttäuschten Fan erstochen wurde), auch wenn er am Ende doch nur die übliche Weisheit von sich gibt: All You Need is Love!

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Yesterday ist ein gutes Beispiel für destruktive Interferenz im Filmgeschäft. Da gab es eine nette Idee vom TV-Autor Jack Barth, die in die Hände von Romantik-Routinier Richard Curtis geriet. Der variiert aber inzwischen nur noch sein geniales Frühwerk, mit stark abfallenden Ergebnissen. Jack Malik hat weder den spitzbübigen Charme von Hugh Grant in Vier Hochzeiten und ein Todesfall noch dessen schrulligen Freundeskreis aus Notting Hill (Joel Fry als Jacks Roady Rocky ist wirklich eine schlechte Kopie von Rhys Ifans Spike) noch dessen unbeholfenenTanzkünste aus Tatsächlich... Liebe. Und nachdem Curtis mit seinen jüngeren Regieleistungen Radio Rock Revolution und Alles eine Frage der Zeit kommerziell nicht überzeugen konnte, wurde nun ausgerechnet Danny Boyle als Regisseur angeheuert, dessen trocken-realistischer Humor aus Trainspotting und Tontaubheit aus Slumdog Millionaire sich kaum stärker von Curtis' Empfindsamkeit unterscheiden könnten. Die Making-Of-Featuretten wollen uns weismachen, dass die beiden an einem Strang gezogen haben - höchstens im Sinne eines Seilziehen-Wettbewerbs. Curtis wird nächstes Jahr 64, und Paul McCartneys berühmte Frage müssen wir wohl mit Nein beantworten: Will you still need me, will you still feed me, when I'm 64? Annehmbar (5/10).

Samstag, 9. November 2019

Bill Murray Double Tap

Wer hätte gedacht, dass Bill Murray auf seine alten Tage noch unter die Zombies geht - er wird nächsten September 70! Vor zehn Jahren hatte er ja bereits sein Cameo in Zombieland, aber in diesem Jahr folgt gleich ein Doppelschlag. Und der zeigt, wie unterschiedlich die lebenden Toten auf Film gebannt werden können.

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Bei Jim Jarmusch kündigt die Auferstehung der Toten einen Weltuntergang an. Deshalb wäre The Dead Live Again auch ein besserer Titel für seinen 13. Film als The Dead Don't Die. Trotz vieler Zitate bricht Jarmusch denn auch mit den meisten Konventionen. Niemand wächst über sich hinaus und wird zum Helden, und niemand wird gerettet, bis auf Tilda Swinton. Die spielt diesmal aber wirklich sich selbst, wovon nicht mal ihr übertrieben schottischer Akzent ablenken kann, und wird schließlich stilgerecht von einem Raumschiff abgeholt, nachdem sie mit ihrem Katana noch ein paar Zombies fachgerecht geköpft hat. Zwischendurch taucht auch noch ein verzottelter Tom Waits auf - der wird im Dezember bereits 70 (und nein, das ist nicht sein eigenes Haar, er hat seine eigene Perückenmacherin).



Bill Murray, Adam Driver und Chloë Sevigny als depperte Dorfpolizisten schaut man eine Weile lang gern zu, bis sich irgendwann herausstellt, dass das Drehbuch des 65jährigen Independant-Urgesteins diesmal konzeptlos ins Leere eiert, ganz ähnlich wie vor zehn Jahren in Limits of Control. Auch das Durchbrechen der vierten Wand hilft hier nicht mehr, und Mel Brooks hat das in Spaceballs ohnehin schon besser vorgemacht. Die besten Szenen finden sich bereits im Trailer. Schade - Jarmusch' Vampirfilm Only Lovers Left Alive war schließlich ein Heidenspaß! Erträglich (4/10).



In Zombieland: Double Tap ("Doppelt hält besser") dürfte Bill Murray eigentlich nicht mehr vorkommen, schließlich wurde er bereits im Vorgänger entleibt. Aber quasi als Entschuldigung bekommen wir im Abspann noch eine herrliche Rückblende präsentiert, die insbesondere um Murrays Virtuosität mit einem Klappstuhl kreist. Bis dahin dürfen wir uns an weiteren Eskapaden des ursprünglichen Quartetts vergnügen, immer auf der Suche nach dem Zombie Kill of the Year, wiederum mit viel Charme erzählt von Columbus Jesse Eisenberg. Außer der Reihenfolge in den Credits hat sich da nicht viel verändert - statt Woody Harrelson gebührt jetzt natürlich Oscar-Preisträgerin Emma Stone die "und"-Position. Übrigens herzlichen Glückwunsch nachträglich zum 31, Geburtstag, Emma! Und obwohl Little Rocks' Suche nach Gleichaltrigen die Handlung bestimmt, hat Big Miss Sunshine Abigail Breslin doch am wenigsten zu tun (und darf ich die Vermutung äußern, dass sie sich nicht wohl in ihrer Haut fühlt?) Ansonsten habe ich in diesem Jahr noch nie so viel gelacht, und gegen Ende wird's sogar ein bisschen spannend!

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Willkommen sind allemal die Neuzugänge, vor allem die 25jährige Zoey Deutch als blondes, rosaumhülltes Klischee Madison. Ich war bislang immer ein bisschen irritiert von ihren toten Augen (selbst in Vampire Academy), aber als Wichitas strohdoofe Rivalin ist die Tochter von Lea Thompson (Marty McFlys Mutter!) und dem renommierten TV-Regisseur Howard Deutch wirklich fabelhaft. In einem weniger ausgefeilten Part ist Rosario Dawson (Sin City, Death Proof, Clerks II) eher verschwendet, aber immerhin inspiriert sie Woody Harrelson zu einer spaßigen Elvis-Parodie (die Suche nach Little Rock führt die Truppe nämlich nach Graceland). Originell ist das Ganze sicher nicht, aber auch kein Cash-In, sondern ein Werk der Liebe und einer der unterhaltsamsten Filme des Jahres. Ich hätte nichts gegen einen dritten Teil in weiteren zehn Jahren! Deshalb vergebe ich auch die gleiche Wertung wie für den Vorgänger: Sehr gut (8/10).

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Samstag, 26. Oktober 2019

Keine Terminierung in Sicht - Terminator: Dark Fate

Terminator: Dark Fate verhält sich zu James Camerons bahnbrechenden Actionknallern von 1984 und 1990 wie Das Erwachen der Macht zur ursprünglichen Star-Wars-Trilogie (ich bin nicht der erste, der diesen Vergleich zieht, aber er passt einfach zu gut). Es ist eine Fortsetzung, die über große Strecken wie ein Remake wirkt, setzt auf die Kombination der vertrauten Altstars mit frischen Gesichtern und kommt inszenatorisch möglichst altmodisch daher, wenngleich allein aus Budget-Gründen mehr Computertechnik zum Einsatz kommen muss. Und ich gebe zu, auch diesmal spricht mich das Ergebnis an. Manchmal ist man ja froh über ein Actionspektakel mit Figuren, mit denen man mitfiebern kann, und klaren Grenzen zwischen Gut und Böse. Grautöne gibt es nur im Bart von Arnold Schwarzenegger, nicht in seiner Figur (welchem Lager diese zuzurechnen ist, will ich hier nicht verraten).



Aber der 72jährige ehemalige Gouvernator ist nicht der Altstar, der die Handlung bestimmt (tatsächlich tritt er erst in der zweiten Hälfte auf), sondern seine neun Jahre jüngere Mitstreiterin Linda Hamilton. Sarah Connor is back! Und allein ihre Stimme bringt Terminator-Herzen zum vibrieren... Leider stellt ihre Präsenz ihr vermeintlich jüngeres Ich Dani Ramos ziemlich in den Schatten. Der junge kolumbianische Seifenopernstar Natalia Reyes ist das schwächste Glied in der Besetzungskette. Das liegt aber zum Teil am Drehbuch, das ihr einfach zu wenig zu tun gibt. Sie arbeitet ja in einer Fabrik - hätte man sie nicht zu einer Art mechanischem Genie machen können? Vielleicht kann sie aus Heftpflaster und Büroklammern Exterminatoren basteln, oder wenigstens Determinatoren?  Diese Schwäche wird aber mehr als wettgemacht durch Mackenzie Davis (Der Marsianer, Blade Runner 2049) als die geheimnisvolle Grace. Dies ist die bislang beste Rolle für die 32jährige, der jetzt hoffentlich mal ein paar Hauptrollen angetragen werden! Der Terminator Gabriel Luna hingegen bleibt blass, vor allem wenn man an Vorbild Kristanna Loken in Rebellion der Maschinen (2003) denkt, dem ersten (und immer noch besten) Versuch eines dritten Terminator-Teils.

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Dieser Teil wie auch die beleidigend schlechten Neuversuche Erlösung (2009) und Genisys (2015) werden im Handlungskonstrukt von Dark Fate ignoriert. Dieses kann dafür erstmals wieder eine direkte Beteiligung von James Cameron vorweisen, auch wenn der 65jährige die Regie Tim Miller (Deadpool) überlassen hat, da er selbst ja an seinen Avatar-Fortsetzungen werkelt (die so eine Art filmisches BER-Projekt darstellen: Teil 2 ist für 2021 angekündigt). Erstaunlich ist nur, dass anders als bei Alita: Battle Angel, das Cameron mit mäßigem Erfolg von Robert Rodriguez drehen ließ, diesmal auf 3D verzichtet wurde - vielleicht hat sich in dieser Hinsicht Tim Miller durchgesetzt.

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Nachdem Cameron den 6. Terminator-Teil zunächst als Abschluss des Franchise bezeichnet hatte, ist nun doch die Rede von einer "neuen Trilogie". Schon bei Star Wars hat man gesehen, welch schlechte Idee das sein kann, und zudem fehlt dann - aber ich will ja nicht spoilern. Und nachdem die LKW-Verfolgungsjagden nun bereits mit Flugzeug-Verfolgungsjagden gesteigert wurden, bietet sich dann nur noch ein Terminator 7: Moonraker an. Wie auch immer, wenn eine Zeitreisensaga auf der Stelle tritt, ist dies ein kreatives Paradox. In einem Kinojahr mit vielen enttäuschenden oder erwartet mittelmäßigen Spektakeln (Mortal Engines, Men in Black: International, Gemini Man) bietet Terminator: Dark Fate immerhin spannende Unterhaltung, und deshalb schäme ich mich auch nicht für meine Wertung: Gut (7/10)

Sonntag, 20. Oktober 2019

Herzzerreissend: Stan & Ollie (8/10)

Als Stan Laurel im Februar 1965 starb, waren Steve Coogan (*14.10.1965) und John C. Reilly (*24.5.1965) noch nicht geboren. Genauso wie ich müssen sie ihn über Fernsehausstrahlungen entdeckt haben, anders als ich immerhin unter dem Label Laurel & Hardy. In Deutschland wurden sie als Dick & Doof  ins Kinderprogramm verbannt, insbesondere ihre Kurzfilme vom Ende der Stummfilmzeit (1927/28). Dabei boten insbesondere ihre "langen" Tonfilme (selten länger als 60 Minuten) Unterhaltung für die ganze Familie.

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Ihre Geschichten beruhten oft auf Wiederholung und Eskalation. Selten wurde Spannung oder Pathos aufgebaut, und doch sind sie auch heute noch faszinierend. Ihre Zeitlosigkeit verdanken sie vor allem den komischen Einfällen von Stan Laurel, der zwar praktisch nie als Autor, geschweige denn als Regisseur aufgeführt wurde, aber unermüdlich Situationen und Gimmicks erfand und in allen Phasen des Drehs der kreative Kopf war. Seine Einfälle ergänzten die handfesten Prügeleien und Zerstörungsorgien um eine surreale Komponente. Da gibt es sein Daumenfeuerzeug aus Way Out West, das er ein Jahr später in Blockheads pfiffig zitierte beim Versuch, seine Handpfeife zu entzünden. Im Blockheads-Treppenhaus ist es Stans raffiniertes Spiel mit Schattenjalousien. Mehr noch als Sons of the Desert von 1933 (der unter anderem Pate stand für den auch heute noch aktiven Fanclub) ist für mich Way Out West von 1937 mein Lieblingsfilm von Laurel & Hardy. Es gibt dort einen irrsinnigen Stunt mit einem Maultier, aber die wärmste Erinnerung gilt dem Tänzchen und anschließenden Lied der beiden Komödianten.



Mit diesem Tänzchen beginnt und endet auch Jon S. Bairds Biographie Stan & Ollie (Drehbuch: Jeff Pope nach einem Tatsachenbericht von A.J. Marriot). Nach einem kurzen Einblick auf die Dreharbeiten ihres berühmten (und damals megaerfolgreichen) Westerns springen wir ins Jahr 1953. Nachdem Stan Laurel sich 1939  im Streit vom ausbeuterischen Produzenten Hal Roach (Danny Huston) getrennt hatte, war das Duo vom Glück verlassen und lieferte nur noch eine Handvoll mittelmäßige Filme. Tragischer war, dass sie keinerlei Rechte und damit auch keine finanziellen Erträge aus ihren frühen Erfolgen hatten. In dieser Situation starteten sie eine Theatertour durch Großbritannien und Irland, die zur Abschiedstournee geraten sollte (Oliver Hardy erlitt gegen Ende einen Herzinfarkt und starb im August 1957). Das ist eine herzzerreißende Geschichte, die nur erträglich ist durch die authentische Rekonstruktion ihrer komischen Auftritte und das Porträt der tiefen Freundschaft dieser zwei so unterschiedlichen Männer. Und obwohl ich so viel Lob über Laurel ausgeschüttet habe (der wie Chaplin, Keaton, Lloyd und Groucho Marx zu den großen Komikern seiner Zeit gezählt werden muss), so ist sein Erfolg doch untrennbar mit Ollie verknüpft, dem Tollpatsch mit dem weichen Äußeren und weichen Kern, den alle nur Babe nannten. Trotz seiner Statur war der übrigens der Frauenheld der zwei und konnte mit seinem niedlichen Winken bis zum Schluss noch die Frauen betören.



Steve Coogan ist im UK einer der beliebtesten Komiker, im Ausland allerdings weniger bekannt. Sein Versuch, in David Nivens Fußstapfen zu treten, scheiterte 2004 spektakulär im Remake von In 80 Tagen um die Welt, welches allerdings ohnehin mehr als Jackie-Chan-Vehikel konzipiert war. Als Stan Laurel ist er ideal besetzt (der wurde übrigens in Lancashire geboren und emigrierte mit etwa 20 Jahren in die USA). Er trifft dessen Manierismen perfekt, so etwa das typische Haareraufen, nähert sich gekonnt dessen Tonfall an und lässt doch stets die Intelligenz hinter der Fassade des Blödian erkennen. John C. Reilly, der ebenfalls Erfahrung als Witzfigur hat (Walk Hard), aber auch  dramatische Rollen stemmen und für Chicago sogar eine Oscar-Nominierung vorweisen kann, ist ihm ebenbürtig, muss allerdings gegen heftige Prothesen und einen schweren Fettanzug anspielen. Die berühmten Double Takes und die typische Missbilligung von Stans Eskapaden gelingen ihm trotzdem tadellos.

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Stan & Ollie war an den Kinokassen nicht besonders erfolgreich. Keine Ahnung, ob das daran liegt, dass die beiden Legenden längst vergessen sind, oder ob dem Publikum die Handlung zu deprimierend war. Sicherlich ist die Geschichte recht konventionell und ohne großes filmisches Flair erzählt, aber das passt eigentlich sehr gut zum Thema. Ich war jedenfalls mehr davon angetan als von den erfolgreichen Musikerbiographien der letzen Jahre (Bohemian Rhapsody, Rocketman). Sehr gut (8/10).

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Gerade ist hierzulande immerhin die Blu-ray von Stan & Ollie veröffentlicht worden, wenngleich ohne viele Extras. Nur im UK gibt es eine Blu-ray-Ausgabe mit fünf der besten Stan&Ollie-Filmen, die allerdings vermutlich auf den gleichen Mastern wie die deutschen DVD-Ausgaben beruhen. Eine saubere Restauration ihrer Klassiker steht noch aus, was leider auch für Chaplins Meisterwerke gilt (merkwürdigerweise gilt die Aufmerksamkeit der Verlage in letzter Zeit eher Buster Keaton, der lange Zeit komplett in Vergessenheit geraten war).

Samstag, 12. Oktober 2019

Witzlos: Joker (1/10)

Joker beginnt widersprüchlich, steigert sich dann in eine Kakaphonie des Beliebigen und kriecht dann in einem jämmerlichen Anticlimax über die Schlusslinie. Seine Spannung beschränkt sich auf die Hoffnung, dass die Tortur bald vorbei sei, und seine Pointen sind so vorhersehbar wie der Bart eines alten Witzes. Der Trailer suggeriert einen operettenhaften Thriller, der Film dümpelt für 122 Minuten vor sich hin. Am Ende wird aus der Hauptfigur ein vages Symbol der Unzufriedenheit, mit einem holprigem Manifest zur Anarchie. Bis dahin liegt über jeder Szene eine bleierne Bedeutungsschwere, denn dies soll ja die Comicverfilmung werden, die auch Martin Scorsese als Film anerkennt (der Meister hat gerade eine Kontroverse ausgelöst, indem er sich abfällig über das Marvel-MCU geäußert hat). Und die Massen fallen drauf rein, erst recht die Über-Nerds, die dieses Machwerk in die Top10 der IMDB gewuchtet haben.



Regisseur und Co-Autor (mit Scott Silver, 8 Mile) Todd Phillips etabliert sich hier als Anti-Tarantino. Er zitiert und paraphrasiert die Filmgeschichte, hat seine Vorbilder aber nicht verstanden und verhunzt jeglichen Bezug. Robert De Niro spielt einen Talkshow-Host wie einst sein Co-Star Jerry Lewis in King of Comedy, nur völlig ohne Ironie oder Chuzpe (wenngleich natürlich kompetent). Es gibt  Gewaltexzesse wie in Taxi Driver, aber sie sind nicht als Spannungsentladungen konzipiert, sondern als willkürliche Ausschläge des Drehbuchseismographen. Einfachste Regeln werden missachtet, so etwa diese: Werden Superratten in einem Film eingeführt, müssen diese irgendwann auch zubeissen! Die Auflösung des ohnehin nicht besonders originellen Twists um die hübsche Nachbarin (Deadpools Domino Zazie Beetz) ist so unfassbar missglückt, dass ich die Leistung des Cutters Jeff Groth extra herausheben muss. Als Komödienspezialist sollte Phillips eigentlich etwas von Timing verstehen, aber aus den Hangover-Filmen hat er offenbar nur sein mangelndes Gespür für Subitilität mitgebracht. Nicht dass ich Fan dieser erfolgreichen Brachialkomödien wäre, die immerhin Bradley Cooper und Zach Galifianakis zu Stars machten (wobei es strittig ist, ob letzterer wirklich eine Bereicherung ist). Die Hangover-Trilogie setzt Komplizenschaft des Zuschauers voraus. Wer nicht über die Demütigung von Minderheiten lachen kann, bleibt außen vor.

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Joaquin Phoenix möchte soo gern einen Oscar gewinnen! In seinen drei bisherigen Nominierungsjahren gab es aber immer jemand, der klar besser war: Benicio Del Toro (Traffic) im Gladiator-Jahr 2001, Philip Seymour Hoffman (Capote) 2006 gegen seinen Johnny Cash in Walk the Line, und Daniel Day-Lewis (Lincoln) 2013 gegen Freddie Quell in The Master. Ich mag Joaquin durchaus, sein Johnny Cash war spot-on, und in der Hauptrolle von Her war er fabelhaft. Aber gegen das Potential seines jüngeren Bruders River wirkte er immer etwas blass. Dieses kann man etwa in der brandneuen 4K-Ausgabe von Rob Reiners gelungener King-Verfilmung Stand By Me erkennen, doppelt bittersüß, weil sowohl River als auch seine Figur Chris früh sterben mussten. Ein anderer Vergleich wiegt schwerer - Heath Ledgers Joker wirkte wie gewaltsam einem Comic entsprungen, brillant und verstörend, over the top und doch nachvollziehbar. Mir ist der Dark Knight zu düster, aber Ledgers Performance bleibt für die Ewigkeit. Phoenix' Joker kann man gerade mal attestieren, Jared Leto aus dem Suicide Squad übertroffen zu haben (aber da lag die Messlatte schon ganz am Boden). Schauspielern ist halt mehr als Mut zur Hysterie. Für die kommenden Academy Awards gilt Joaquin trotzdem vielen als Favorit, aber es sind ja noch ein paar Monate bis dahin. Meine Hoffnung ist, dass die immer noch überaltete Akademie vor den Gewaltszenen zurückschreckt und sich für jemand anders entscheidet. Wie auch immer,  den MTV-Award für das beste Lachen hat Phoenix bereits sicher.

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Joker steht weder als Psychodrama für sich allein, noch fügt es sich in das Batman-Universum ein, Bei vielen Kartenspielen ist der Joker Platzhalter für eine beliebige Karte. Hier steht er für eine Karte, die es gar nicht gibt: die Null. Und da der Film auch weder Trümpfe noch Geheimnisse zu bieten hat, handelt es sich für mich um einen Null ouvert. Es lebe der Nihilismus! Ärgerlich (1/10)

Sonntag, 29. September 2019

Klassiker auf Blu-ray #23: Local Hero (Bill Forsyth, 1983)

1982 war in Großbritannien die Welt schon nicht mehr in Ordnung. Das war zwar lange vor dem Brexit, aber Margaret Thatcher war schon einige Jahre im Amt, hatte den Falklandkrieg angezettelt, damit begonnen, das soziale Netz rigoros abzubauen und eine schonungslose Industrialisierung voranzutreiben. Da kommt in einem kleinen schottischen Fischerdorf der junge Amerikaner Mac MacIntire (Peter Riegert) an, Akquisiteur des Ölkonzerns Knox von Felix Happer (Burt Lancaster). Er soll das Dorf, den Strand und überhaupt alles bis eine Meile inland aufkaufen, für den Endpunkt einer Pipeline und den Bau einer Raffinerie. Entgegen den Erwartungen hängen die Dorfbewohner, repräsentiert vom Hotelier, Buchhalter und gelegentlichen Barkeeper Urquhart (Denis Lawson), überhaupt nicht an ihrem Lebensstil und ihren Fischgründen und geben in Gedanken bereits die verheißenen Millionen aus. Wer also wird zum Helden auserkoren, der die Idylle vor dem Ausverkauf retten kann?



Local Hero entspricht so gar nicht den gängigen Klischees. Es gibt kein Aufbäumen Davids gegen Goliath, keine überhitzten politische Diskussionen, keine Rettung in letzter Sekunde. Regisseur und Autor Bill Forsyth (Jahrgang 1946) hatte zuvor mit That Sinking Feeling (1979) und Gregory's Girl (1980) hübsche kleine Sozialdramen gedreht (die auch "Kitchen Sink Dramas" genannt wurden), doch niemand hatte von ihm ein solch lyrisches, universellen Werk erwartet. Es war ein Glücksfall des britischen Kinos, begünstigt von einem ansehnlichen, obwohl immer noch bescheidenen Budget von etwa vier Millionen Pfund, möglich durch den Sog des überraschenden Oscargewinners des Vorjahrs, die Stunde des Siegers ("Chariots of Fire"). Dieses konventionelle Sportdrama bleibt vor allem durch seinen Vangelis-Triumphmarsch im Gedächtnis, welchen Forsyth übrigens in einer kleinen Hommage kurz zitiert. Forsyth selbst hat das Filmemachen offenbar bereits 1999 aufgegeben, offenbar konnte er die Diskrepanz zwischen erforderlicher Anstrengung und künstlerischem Erfolg nicht überbrücken (das lese ich jedenfalls aus dem aktuellen Interview, welches das Kronjuwel der Jubiläumsedition ist).

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Local Hero lebt ganz von seinen Figuren, die vielleicht auch deshalb authentisch wirken, weil abgesehen von Burt Lancaster keine Stars besetzt wurden. Für mich ist dies allerdings, neben der Hauptrolle in Louis Malles Atlantic City, Lancasters bewegendste Altersrolle (er war gerade 70 und starb zehn Jahre später). Ansonsten ist allein der Glasgower Peter Capaldi berühmt geworden, damals als 24jähriger der schottische Vertreter Oldsen des Konzerns, inzwischen natürlich der 12. Doctor Who. Frauen lernen wir übrigens in dieser schottischen Männergesellschaft wenig kennen. Es gibt lediglich Urquharts bezaubernde Frau Stella (zu Darstellerin Jennifer Black bietet die IMDB nicht einmal ein Porträtfoto) und die diplomierte Meerjungfrau Marina (Jenny Seagrove), in die Oldsen verschossen ist. Die sich entwickelnde Romanze ist aber nur leise angedeutet, wie man überhaupt viel zwischen den Zeilen lesen muss. All das geschieht vor dem Hintergrund der herrlichen schottischen Locations (Forsyth gibt im Interview verschämt zu, dass er gemogelt und Bilder der West- und Ostküste gemischt hat). Ein besonderer Clou ist Happers Leidenschaft für den Sternenhimmel. Er hofft, einen Kometen zu entdecken und sinniert noch über den richtigen Namen: "Happers Komet" oder "Komet Happer" vielleicht? Daher hat Mac auch einen Nebenauftrag, nämlich auf gewisse Sternbilder zu achten und Sichtungen sofort zu melden. Hier kommt die rote Telefonzelle des Dorfs ins Spiel, ein Relikt, welches jungen Leuten heute höchstens noch als Tardis bekannt ist.



Und dann gibt es noch die besondere Zutat, die für sich allein vielleicht bereits Local Hero zu fortwährendem Ruhm gereicht. Und das ist natürlich die Filmmusik von Dire-Straits-Mastermind Mark Knopfler. Soundtracks waren mehr ein Hobby des Weltklassegitarristen. Sein berühmtester Film in dieser Funktion war 1987 Die Braut des Prinzen, aber dessen effektive Klanguntermalung unterschied sich grundsätzlich von Local Hero, in dem die Musik fast als eigener Charakter auftritt, sowohl bei der Untermalung der Landschaftsaufnahmen als auch bei den folkloristischen Amateur-Darbietungen beim Ceilidh-Tanz. Erst ganz am Ende ertönt das triumphale Saxofonsolo von Mike Brecker zum Titelsong. Knopfler war damals, nach dem Erfolg von Love over Gold (meines Lieblingsalbums von Dire Straits), auf der Höhe seiner Kompositionskunst, und Going Home bot im Folgejahr auch ein passendes Finale für das grandiose Live-Album Alchemy. Bill Forsyth gewann 1984 für Local Hero den BAFTA als bester Regisseur, Mark Knopfler ging leider leer aus. Die Amerikaner konnten mit der versponnenen schottischen Geschichte nichts anfangen (obwohl die Darsteller ihren schottischen Akzent stark unterdrückt hatten), bei den Oscars war von Local Hero nicht die Rede. Immerhin vergab Roger Ebert in seiner liebevollen Rezension die Höchstwertung von vier Sternen.

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Ich selbst habe Local Hero erst in meiner Studienzeit lieben gelernt, bei einer der vielen Retrospektiven in den Münsteraner Programmkinos. Erst jetzt, nachdem ich die mäßige DVD schon vor Jahren abgestoßen hatte, wurde der Film sorgfältig in 2K-Qualität neu abgetastet und ist nun in den USA (via Criterion) und im UK (via Spirit Entertainment) in hochwertigen Blu-ray-Ausgaben erschienen. Zum erwähnten halbstündigen Interview mit Bill Forsyth gesellt sich in meiner UK-Ausgabe ein Gespräch mit Mark Knopfler - die 70jährige Legende erinnert sich auch heute noch gern an die Zusammenarbeit und arbeitet gerade an einer Musical-Version der Geschichte. Vielleicht erbarmt sich ja noch ein deutscher Verlag dieses Kleinods - bis dahin empfehle ich den Import, möglichst vor dem Brexit (bei dem Zollprobleme vorprogrammiert sind).

Samstag, 21. September 2019

Mit Brad Pitt durch die Zeiten: Tarantinos 8 1/2 (7/10) und Ad Astra (5/10)

Nach einigen schwachen Darbietungen (Allied, War Machine) und einem privaten Pit Stop (Trennung von Angelina Jolie, Alkoholprobleme) zeigt Brad Pitt in diesem Jahr endlich mal wieder Starpower und ausgefeilte Figuren. Dabei könnten die beiden aktuellen Rollen des 55jährigen kaum unterschiedlicher sein. Vielleicht reicht es gerade deshalb im kommenden Frühjahr für seine vierte Oscar-Nominierung als Schauspieler (er gewann bereits einen Goldjungen als Produzent von 12 Years a Slave).



In Quentin Tarantinos "neuntem Film" Once Upon a Time... in Hollywood (im deutschen Verleihtitel wurden die Punkte weggelassen, um uns nicht zu überfordern) spielt Brad Pitt als Cliff Booth genauso brillant auf wie Co-Star Leonardo DiCaprio als Rick Dalton, wobei der Ältere (!) als Stuntdouble des Jüngeren möglicherweise in die Supporting-Kategorie verbannt werden wird. Die darstellerischen Leistungen sind auch schon das beste, was es über Tarantinos Epos zu vermelden gibt. Die drei Kinostunden sind selbst für Fans und Kenner des alten Hollywoods exzessiv, was leider auch für den Soundtrack gilt, wo bei einer Autofahrt schon mal fünf verschiedene Songs angespielt werden.

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Langweilig wird es dann aber doch nicht, zumindest wenn man wie ich bei der Sichtung von Michelle Phillips und Cass Elliot (für Laien: Mama Michelle und Mama Cass) eine Gänsehaut bekommt und zumindest schmunzeln muss, wenn DiCaprios Rick Dalton in eine ikonische Szene von Gesprengte Ketten hineinprojiziert wird. Das ist übrigens auch im Film nur ein Wunschtraum, und der tatsächliche Star Steve McQueen wird hier verblüffend authentisch verkörpert von Damian Lewis. Nicht schmunzeln konnte ich allerdings über Mike Moh als Bruce Lee. Diese schlechte Karikatur ist eine unreflektierte Fortsetzung der Demütigungen, die die Actionlegende in Hollywood über sich ergehen lassen musste, bevor er sich (erst kurz vor seinem viel zu frühen Tod) mit seinem Meisterwerk Der Mann mit der Todeskralle ("Enter the Dragon") international Respekt verschaffte.

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Aber dies ist eine der wenigen nicht so gelungenen Szenen. Dafür gibt es zum Beispiel eine rührende Sequenz zwischen DiCaprio und der zehnjährigen Julia Butters am Set der TV-Western-Serie Lancer. Auch das Casting von Schauspielersprossen funktioniert. Insbesondere die 24jährige Margaret Qualley, Tochter von Andy McDowell, ist umwerfend als Manson-Jüngerin Pussycat, die sich von Cliff Booth zur Manson-Farm chauffieren lässt.

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Des weiteren tauchen auf: Dakota Fanning, Lena Dunham, Rumer Willis (Tochter von Bruce Willis und Demi Moore) Harley Quinn Smith (Tochter von Kevin Smith) und Maya Hawke (die Tochter von Ethan Hawke und Tarantino-Spezi Uma Thurman war gerade prominenter zu begutachten in der enttäuschenden dritten Staffel von Stranger Things). Und dann gibt es noch Cameos von Kurt Russell (als Erzähler), Al Pacino (hua!) und Bruce Dern. In den Credits unterscheidet Tarantino dann auch die normale Crew und "die Gang", zu der auch Zoë Bell und Michael Madsen gehören.

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Und immer wieder bringt Margot Robbie als Sharon Tate die Leinwand zum Leuchten. Robbie als Tate schaut sich übrigens Tate als Freya Karlson in einer Kinovorstellung von Rollkommando ("The Wrecking Crew") an. Das war eine Krimikomödie mit Dean Martin als Superspion Matt Helm, umgeben von vielen schönen Frauen (u.a. Nancy Kwan). Immer wenn der verlebte 50jährige verführerisch wirken sollte, stolzierte er mit alkoholseliger Grimasse auf das Opfer zu, und aus dem Off erklang einer seiner Hits (die auch heute noch Frauenherzen zum Schmelzen bringen können). Auch Tate bekommt am Ende ihre Portion Dino ab, aber bis dahin brilliert sie eher mit komischem Slapstick (Stuntkoordinator war übrigens: Bruce Lee). Würde sich heute niemand mehr für interessieren, wenn es nicht diese Tragödie gegeben hätte, die auch ihren Schatten über Tarantinos Epos wirft und am Ende dann auch zur (einzigen) Gewaltorgie Anlass gibt, die mir persönlich eher den Magen umgedreht hat.

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Ich persönlich habe ansonsten kein Problem mit Tarantinos Umdichtung der Realität. Man darf halt nicht vergessen, dass dies keine Dokumentation ist, sondern eine für den Meister typische Geschichtsstunde, die seine sehr persönliche Sicht auf die Periode wiedergibt (was ja auch der Leone-inspirierte Titel betont). Wenn also Dalton und Booth ins Schwärmen geraten: "Roman F*cking Polanski, Regisseur von Rosemarys Baby", dann sprechen sie nur als Stellvertreter für den Regisseur, denn Roman Polanski erlangte erst Jahre später mit seinem Meisterwerk Chinatown Kultstatus.

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Once Upon a Time... ist also keine Katastrophe wie The Hateful Eight, aber auch kein neues Pulp Fiction. Der Film ist eine Anreihung teilweise toller Szenen, findet aber keinen Spannungsbogen. Tatsächlich glaube ich, dass diesmal die angedrohte Zweitverwertung als Miniserie bei Netflix sinnvoll sein könnte, da die Struktur ohnehin schon episodisch ist. Tarantino will nach dem zehnten Film (als Regisseur) aufhören, wobei seine Zählweise eigenwillig ist: Kill Bill zählt als ein Film (in Ordnung), aber sein Grindhouse-Beitrag Death Proof müsste eigentlich nur halb zählen, womit wir bei 8 1/2 angelangt wären (Filmkenner: grinst). Meine Wertung: ein großzügiges Gut (7/10).



Noch nie ist ein Mensch für eine Aussprache mit dem entfremdeten Vater weiter gereist als Roy McBride: Ad Astra. Gleich der Neptun muss es sein, nach der Degradierung von Pluto der äußerste Planet unseres Sonnensystems, wobei Regisseur James Gray und sein unbekannter Co-Autor Ethan Gross offenbar mit Science nichts am Helm haben. Die Reise vom Mond zum Mars dauert drei Wochen, aber unterwegs fängt man einen Notruf ab, stoppt mal eben, um zu helfen, und düst dann weiter. So funktioniert Raketentechnik nicht. Auch kommt man auf dem Weg vom Mars zum Neptun nicht einfach an Jupiter und Saturn vorbei. Das ist eine Verkürzung des Planetensystems auf eine Dimension! Ansonsten hinterlässt McBride auf seiner Reise eine verblüffende Anzahl von Weltraumleichen (in naher Zukunft ist man sogar auf dem Mond nicht vor Piraten sicher). Da war selbst Passengers konzeptionell überzeugender, und Vergleiche mit Gravity lasse ich gar nicht erst zu.

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Na gut, dann ist dies also eine Science-Fiction-Hülle mit ein paar eingestreuten Actionszenen für ein Vater-Sohn-Drama. Das ist aber im Endeffekt auch nicht sehr überzeugend. Was im Gedächtnis bleibt, ist Brad Pitts zentrale Performance als Major Roy McBride, selbst ein Weltraumheld und doch überschattet von seinem legendären Vater. Tatsächlich sind alle anderen kaum mehr als Statisten: Liv Tyler als seine Ex, Ruth Negga als Mars-Administratorin, der 84jährige Donald Sutherland als Kollege von McBrides Vater, und schließlich der 72jährige Tommy Lee Jones als besonders stoischer Clifford McBride. Es erschließt sich mir allerdings nicht, warum man einen solchen Star castet und ihm dann nichts zu tun gibt. Aber eben: Brad Pitt, bedächtig, mit hypnotisierenden inneren Monologen, unterstützt von Max Richters sphärischen Weltraumklängen. Muss halt jeder selbst beurteilen, ob er diese zweistündige Reise mit ihm antreten möchte. Für mich war's annehmbar (5/10).

Samstag, 14. September 2019

Manege frei: Amazons "Carnival Row"

Momentan werfen Netflix und Amazon Prime in so schneller Folge neue Serien auf den Markt, dass kein normaler (arbeitender) Mensch da hinterherkommen kann, selbst wenn er sich nur auf Science Fiction & Fantasy beschränkt. Demnächst kommen dann noch Apple (November) und Disney (Frühjahr) hinzu. Und die meisten Streaming-Ergüsse werden von der Kritk wohlwollend aufgenommen, wenn nicht sogar umjubelt. Eine seltene Ausnahme war jüngst der Netflix-Rohrkrepierer Another Life, der kaum Fürsprecher gefunden hat. Was tut mir Starbuck Katee Sackhoff in der Hauptrolle leid, die aufgrund ihres Fitness-Regimes ohnehin schon älter als ihre 39 Jahre aussieht und dann zur Dompteurin einer Raumschiffbesatzung von 20jährigen verdonnert wird, die sich eher wie 10jährige verhalten.



Aber auch mit dem Netflix-Prestigeprojekt Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands konnte ich nichts anfangen. Jim Hensons Film von 1982 ist auch heute noch hübsch anzusehen (bei Netflix in UHD-Qualität verfügbar), Handlung und Figuren haben seitdem aber eher noch an Komplexität verloren. Die Neuauflage (eigentlich eine Vorgeschichte) mäandert zwischen albern und leblos - unglaublich viel Aufwand wurde in die Modernisierung der Puppentechnik gesteckt, aber der Charme der Vorlage ist damit verloren gegangen.



Da hat diesmal Amazon Prime die Nase vorn, mit der ersten Staffel der neuen Fantasyserie Carnival Row. Sie spielt in einer dem viktorianischen London nachempfundenen Metropole mit einem Flüchtlingsproblem: Nach einem verheerenden Krieg strömen Feen, Faune, Zentauren und andere Fabelwesen in die Burgue. Anders als bei Bright kann Lindsay Ellis Carnival Row kein Lazy Worldbuilding vorwerfen. Die Welt beruht auf einem Konzept von Travis Beacham, der bislang eher für dumpfe Actionabenteuer (Pacific Rim) bekannt ist, diesmal aber eine stimmige Mythologie ausgearbeitet hat. Bei der Umsetzung wurde er unterstützt von René Echevarria, der als Produzent von Deep Space Nine bekannt ist, sich allerdings zwischenzeitlich mit Terra Nova ziemlich blamiert hatte. Herausgekommen ist eine düstere, atmosphärische Kulisse mit hohen Produktionsstandards und gediegenen Computereffekten, dazu weitgehend nachvollziehbare Figuren und eine spannende, einigermaßen schlüssige Geschichte. Da sind die Amazon-Millionen mal in die richtige Richtung geflossen.



Nicht billig waren sicher auch die Hauptdarsteller, die absolut gegen ihr Image besetzt sind. Orlando Bloom als Polizeidetektiv Philo ist mit ungepflegtem Bart und grummeliger Stimme kilometerweit vom ätherischen Legolas entfernt. Das ehemalige Top-Model und Valerians Laureline Cara Delevingne als Fee Vignette wird mancher überhaupt nicht erkennen. Sie ist mit dunklen Haaren, buschigen Augenbrauen, und zumeist grimmigem Gesichtsausdruck das Gegenteil vom Feenklischee. An die eher an Kolibris erinnernden Flügel übrigens muss man sich gewöhnen, denn sie widersprechen jedem Gefühl von Schwerkraft und Physik. Auch sprechen Feen offenbar mit schmutzigem englischem Akzent und fluchen gern - ade Tinkerbell!  Mir jedenfalls hat das verhinderte Liebespaar gut gefallen, auch wenn die Drehbücher ihnen gelegentlich merkwürdig unlogische Handlungen vorschreiben (warum lässt sich Vignette in der Bibliothek gefangennehmen?) Anfangs dachte ich übrigens, es gäbe nur weibliche Feen, oder nur diese könnten fliegen - später treten dann doch ein paar fliegende Männchen auf. Überhaupt ist Vignettes Einführung ein wenig konfus - zunächst wirkt sie wie eine taffe Soldatin, später geht sie ziemlich unbeholfen in Auseinandersetzungen.

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In den acht einstündigen Folgen geht es natürlich nicht nur um unsere romantischen Leads (auch wenn mir Folge 3 mit ihrem Rückblick auf das erste Treffen der beiden mit am besten gefallen hat). Es gibt verschiedene Handlungsstränge. Da wäre der politische: Jared Harris spielt den Kanzler Absolom Breakspear (die Burgue ist offenbar eine Art paralamentarischer Demokratie), Indira Varma (Ellaria Sand) seine intrigante Gattin, Artie Froushan seinen missratenen Sohn, und Caroline Ford die Tochter des Oppositionsführers Longerbane. Es wird hart gerungen um die Rechte der Flüchtlinge; manchmal mit Holzhammer-Parallelen zur heutigen Welt. Die Hauptreligion in Burgue verehrt übrigens den "Märtyrer", dessen Ebenbild an den Wänden hängt wie in Bayern die Cruzifixe, nur dass jener offenbar gehängt statt gekreuzigt wurde. Das ist eine plastische Illustration, wie Abbilder des Gekreuzigten auf Fremde wirken müssen...

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Dann gibt es den gesellschaftlichen Strang: Die Geschwister Imgogen (Tamzin Merchant) und Ezra (Andrew Gower) Spurnrose gehören zur Upper Class, wohnen im besten Viertel, haben Faun-Bedienstete (kurzzeitig muss sich auch Vignette als Dienstmädchen bei ihnen verdingen), aber nach unglücklichen Investitionen geraten sie in Geldnot. Da zieht gegenüber ein reicher junger Mann ein, den Imogen gern um die Finger wickeln würde  (Jane Austen lässt grüßen: Tamzin Merchant gab Georgiana Darcy gegenüber Keira Knightleys Eliza Bennet). Es gibt allerdings einen unerhörten Haken: der neue Nachbar ist ein Faun (mit Hufen und Gehörn) und damit gesellschaftlich natürlich nicht akzeptabel. Diese Geschichte hat ihre Stärken, wird dann aber leider etwas überhastet zum Abschluss gebracht.

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Und dann ist da Carnival Row, das Rotlichtviertel der Burgue. Hier treffen wir auf Vignettes Freundin und Ex-Geliebte, die Prostituierte Tourmaline (Karla Crome); den Schausteller Runyan Millworthy (Simon McBurney), der mit Kobolden eine Art Marionettentheater inszeniert; die Hellseherin Haruspex (Borg-Queen Alice Krige), Mitglieder eines Faun-Kults, und andere schillernde Figuren. Hier ermittelt auch Detektiv Philo, denn es geschehen Morde an nicht-menschlichen Immigranten. Schnell ist ein Verschnitt von Jack the Ripper gestoppt, aber für die schlimmsten Morde scheint ein übernatürliches Wesen verantwortlich zu sein, welches weder Mensch noch bekanntes Fabelwesen ist. Und die Mordopfer scheinen alle eine Verbindung zu Philo zu haben...

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Carnival Row versucht das Publikum von Game of Thrones zu ködern, mit unkaschierter Gewalt, überraschenden Wendungen, und auch einigen Sexszenen. Also Orlando Bloom kann auch mit über 40 Jahren noch ohne Scham seinen Oberkörper entblößen, und wer bin ich, mich zu beschweren, dass die 27jährige Cara Delevigne ihre Brüste zur Schau stellt (übrigens: die Flügel von Feen leuchten beim Orgasmus - ein Detail, welches in der Filmgeschichte bislang sträflich vernachlässigt wurde). Nicht alle Handlungsstränge funktionieren gleich gut, manche Dialoge knirschen gewaltig, aber immerhin wird versucht, die Geschichte von den Figuren her aufzubauen, nicht umgekehrt. Strittig ist das Pacing. Einige Folgen wurden als langweilig empfunden, weil "nichts passiert". Leider ist dies Symptom einer um sich greifenden Krankheit. Zuschauer haben keine Geduld mehr, lassen sich auf subtile Figurenentwicklungen nicht mehr ein. Mir persönlich waren viele Entwicklungen immer noch zu überhastet, ich hätte gern mehr Zeit mit den Charakteren verbracht. Natürlich ist es viel schwieriger, pfiffige Dialoge und überzeugenden Charakterbögen zu schreiben als Action und Twists. Kaum eine Serie kann auf so geniales Material wie die Romane von George R.R. Martin zurückgreifen. Man erinnere sich, dass in GoT viele der interessantesten Figuren nie eine Waffe in die Hand nahmen (Littlefinger, die Queen of Thorns). Aber nein, es muss Blut fließen, es muss geprügelt oder wenigstens gebumst werden. Aber ich als Senior gehöre eh nicht mehr zur Zielgruppe moderner Serien. Da ist es schon erstaunlich, dass ich in Carnival Row immerhin gediegene Unterhaltung gefunden habe. So bin ich doch gespannt auf die bereits beschlossene zweite Staffel.

Samstag, 31. August 2019

Filmware seziert: Der YouTube-Channel von Lindsay Ellis

Lindsay Ellis, Jahrgang 1984, hat in Filmschulen in New York und Los Angeles studiert und 2011 mit einem MFA (Master of Fine Arts) abgeschlossen. Seit 2008 hostet sie in verschiedenen Channeln Video-Essays mit Filmkritiken. Zeitweise war sie als Nostalgia Chick bekannt, bevor sie vor einigen Jahren mit ihrer Kollegin Angelina Meehan einen eigenen Channel gründete (Jüngere werden bemerken, dass ich mich nicht gut in dieser Medienlandschaft auskenne). Noch habe ich mich nicht allzu weit in die Vergangenheit zurückgearbeitet, aber ihre neueren Produktionen konzentrieren sich oft auf spezielle Aspekte von Filmen (und gelegentlich Fernsehserien), weniger auf die vollständige Analyse eines einzelnen Werks.

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Kennengelernt habe ich Ellis über ihre Hugo-Nominierung im aktuellen Jahr, in der Kategorie "Related Work", für ihre umfassende Analyse der Hobbit-Trilogie: The Hobbit Duology in 3 Parts. Zum ersten Mal habe ich mich benüßigt gefühlt, für diese Kategorie eine Stimme abzugeben, da ich dank des Voteres Package auch zwei weitere Beiträge gelesen habe: Jo Waltons informativ-unterhaltsame Informal History of the Hugos und Ursula LeGuins kluge Conversations on Writing. Gewonnen hat schließlich ein Regenbogen-Projekt, wie man überhaupt in diesem Jahr von den Regenbogen-Hugos sprechen kann, mit Entscheidungen, die ich persönlich absolut nicht unterschreiben kann.



Das Hobbit-Projekt fußt auf Ellis' Liebe für die HdR-Trilogie, die ihre Generation ähnlich geprägt hat wie Star Wars (oder in meinem Fall eher Star Trek) die meine. Umso größer ihre Enttäuschung über Peter Jacksons Mittelerde-Folgeprojekt. Minutiös und doch unterhaltsam erklärt sie die turbulente Entstehungsgeschichte und die verheerenden künstlerischen Konsequenzen. Für den dritten Teil ist sie dann sogar (allein, nur in Begleitung von Angelina) nach Neuseeland gereist und hat u.a. ein aufschlussreiches Interview mit John Callen geführt. Und dass dieser Name niemandem etwas sagt, spricht schon für sich, denn Callen war in der Rolle von Oin zu sehen, eines jener Zwerge, die in der Trilogie mehr und mehr zu Statisten degradiert wurden. Im Gespräch geht es vor allem um die Ausbeutung neuseeländischer Fachkräfte und das erpresserische Vorgehen der US-amerikanischen Studios, die schließlich die Bildung von Gewerkschaften verhindern und gleichzeitig noch etliche Millionen zusätzliche Steuerersparnisse bei der neuseeländischen Regierung durchdrücken konnten. Ellis' Urteil über die Hobbit-Trilogie fällt deutlich drastischer aus als meines, der ich in meiner Naivität bis zum Schluss noch gehofft hatte, dass sich zumindest eine abgerundete Geschichte aus dem Chaos schälen würde. Na ja, im Zweifel sind die Hormone Schuld, wenn ich Tauriel mochte...



Ausgehend von der Hugo-nominierten Duology habe ich mich also mal ein bisschen umgeschaut und war zunächst erschrocken von den vorherrschend behandelten Themen der letzten Jahre. Zunächst einmal hat Ellis diese Faszination mit Disney, insbesondere Disney-Trickfilmen der letzten 30 Jahre. Sie erklärt das selbst in ihrer Q&A damit, dass dies Thema ihrer ersten Seminare an der Filmhochschule war. Übrigens sind ihre Essays auch dann sehenswert, wenn man den speziellen Film selbst nicht gesehen hat oder auch je sehen möchte (etwa jener über den Glöckner von Notre Dame). Besonders aufschlussreich sind auch die kulturelle Einordnung bezüglich Rassismus- und Feminismusfragen (ohne dass das aufdringlich dogmatisch wird) und ihre Hintergrundinformationen zu den Vorgängen im Studio. Hervorzuheben ist ihr vernichtender Blick auf das Remake von Beauty and the Beast, und dabei erwähnt sie noch nicht einmal die überproduzierten, seelenlosen Neuaufnahmen der ursprünglich hübschen Lieder.



Ellis' zweite Obsession gilt merkwürdigerweise ... den Transformern. Es mag an traumatischen Kindheitserlebnissen liegen, sie scheint sich auch mit dem zugehörigen Spielzeug (eigentlich die Quelle der Tragödie) und den Comics auszukennen. Jedenfalls kann es kaum ein größeres Opfer für die Filmwissenschaft geben, als Michael Bays Transformer-Filme freiwillig mehrfach anzuschauen, wie es wohl notwendig war für ihre Reihe The Whole Plate (Transformers und Filmwissenschaften), in der sie jeweils ein theoretisches Konstrukt anhand dieser Blockbuster erörtert. Am besten hat mir dabei die Feminismus-Episode The Male Gaze gefallen, die sehr anschaulich erklärt, wie der Regisseur den Inhalt von Dialogen und Handlung untergräbt, indem er die Kamera auf die Schauwerte von Megan Fox fokussiert. Weniger gelungen vielleicht die Abhandlung über Marxismus, die doch sehr an der Oberfläche bleibt. Und dann vergleicht Ellis noch Star Wars mit der faschistischen Ästhetik von Leni Riefenstahl...



Neben diesen beiden Schwerpunkten gibt es natürlich auch immer wieder Essays zu anderen Filmen, die Ellis entweder angesprochen oder auch angewidert haben. Manchmal vermisse ich allerdings eine Leidenschaft für ihre Subjekte, ob positiv oder negativ. Selten gerät sie ins Schwärmen, meist verpackt sie ihre Gefühle in Ironie. Begeisterung ist am ehesten in ihrem Beitrag zu Guardians of the Galaxy, Vol. 2 zu bemerken, ein Film, der sie offenbar auf sehr persönlicher Ebene angesprochen hat. Manchmal versteckt sie sich auch hinter neutraler Theorie, etwa wenn sie in My Monster Boyfriend auf eine Wertung des Anlasses, nämlich The Shape of Water, komplett verzichtet und sich stattdessen in den Tiefen der (Horror-)Filmgeschichte verliert. Auf der anderen Seite kann sie vernichtend gut erklären, warum Bright der schlechteste Film der letzten zehn Jahre ist, übrigens ohne ein einziges Mal den Autor Max Landis zu nennen. Das ist natürlich Sarkasmus, sei es aufgrund seines schlechten Benehmens im Zuge der #MeToo-Bewegung oder weil eigentlich nur das Outline von ihm stammt und dann von Regisseuer David Ayer komplett verhunzt wurde. Jedenfalls stimme ich vollständig mit Ellis' Analyse überein und hatte doch auch beim zweiten Sehen großen Spaß am Netflix-Hit.



Ellis' Erfolg (mit momentan fast 800.000 Abonnenten und schon mal mehreren Millionen Abrufen pro Video) beruht natürlich auch auf ihrer Präsentation, dem satirischen Ton und dem cleveren Schnitt ihrer Co-Autorin Angelina Meehan. Wenn Ellis ein Aspekt besonders stört, hat sie eine patentwürdige Art sich zu winden etabliert. Anderseits kann sie in kürzester Zeit eine Höllenvielfalt von Informationen vermitteln. Dabei finde ich ihre Schneewittchen-Ästhetik eher zweifelhaft, mir gefällt Lindsay besser bei Aufnahmen außerhalb des Studios, mit natürlicher Hautfarbe, etwa in der örtlichen Cheese Factory (die offenbar in der Big Bang Theory katastrophal misrepräsentiert ist). Im genannten Auftritt erklärt sie übrigens das Thema Fair Use und Product Placement, welches natürlich auch zu ihrem Geschäftsmodell gehört Aber auch dies ist bei Ellis mit feiner Ironie gewürzt, wenn sie im jüngsten Video etwa wieder ihre Funyans futtert oder zum Ende auf die ihrer Faulheit entgegenkommenden Audible-Optionen von Amazon zu sprechen kommt. Schlussendlich will und soll sie natürlich auch Geld verdienen, und wer würde es ihr verübeln - insbesondere, wenn so aufschlussreiche Beiträge wie ihre jüngste Duologie zu Games of Thrones dabei rauskommt. Die sollte man übrigens wirklich erst nach der letzten Staffel anschauen!




Wem übrigens die beiden Episoden zu lang sind, gibt es hier eine kürzere, wenngleich etwas trocken erzählte Analyse aus einem anderen Channel, von Daniel Netzel (selbstverständlich ebenfalls mit Spoilern):


Samstag, 24. August 2019

Aus der Klamottenkiste gestreamt: Matchstick Men ("Tricks", 2003: 8/10)

Durch den Siegeszug des Streamingmarktes gibt es inzwischen viele ältere Filme aus der zweiten Reihe, die gar nicht mehr oder (wie gerade Addams Family Values) nur nachgelagert als Blu-ray veröffentlicht werden. Dafür kann man sie oft bei iTunes oder Amazon Prime für kleines Geld in HD-Qualität erstehen (wenn sie gerade nicht per Flatrate erhältlich sind). Man muss allerdings achtgeben, ob die Originalversion mitgeliefert wird (das ist leider wie in den Anfangszeiten von DVDs nicht selbstverständlich). Da ich nicht auf die Apple-App für meinen LG-Fernseher warten wollte, habe ich mir also zähneknirschend ein Apple TV danebengestellt und besitze inzwischen mehr digitale Filmkopien als DVDs. So habe ich etwa Shazam! fürs Heimkino bei iTunes gekauft, mit Dolby Vision, Dolby Atmos und 90 Minuten unterhaltsamen Extras. Aber mehr noch als bei aktuellen Filmen bieten die Anbieter eine Fundgrube für vergessene ältere Filme. Beim mauen Angebot des modernen Kinos finde ich immer mehr Trost beim Griff in die Klamottenkiste.



Matchstick Men sind Con-Artists, Trickbetrüger, was auch ein besserer deutscher Titel gewesen wäre als das schnöde Tricks. Roy (Nicolas Cage) und sein Protegé Frank (Sam Rockwell) gehören zu den besten ihres Fachs. Sie nehmen Geld von den Gierigen und verteilen es an die Bedürftigen (im Verhältnis 50/50). Abgesehen von diesem zweifelhaften Berufsethos könnten sie als Persönlichkeiten allerdings nicht unterschiedlicher sein. Frank ist ein extrovertierter, impulsiver Lebemann, Roy dagegen ein von Neurosen geplagter Einzelgänger mit Hygienefimmel. Das ändert sich allerdings, als die 14jährige Angela (Alison Lohman) in sein Leben tritt, eine Tochter aus einer vor langer Zeit gescheiterten Beziehung, über deren Existenz er bislang höchstens heimlich spekuliert hatte. Sie trägt Unruhe in sein Leben, Schmutz auf den Teppich und Fastfood in die Küche. Nicht dass Roys bisherige Diät gesünder war, trotz all der guten Inhaltsstoffen von Dosen-Thunfisch. Aber mithilfe seines neuen Therapeuten (Bruce Altman) beginnt er an der neuen Vaterrolle aufzublühen. Es sieht so aus, als ob jede Änderung in Roys Routine eine Besserung sein könnte. Er lässt sich sogar von Frank breitschlagen, endlich wieder einen größeren Coup zu wagen. Der dann natürlich gehörig schief geht: Wer schwimmen geht, muss damit rechnen, nass zu werden.

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Matchstick Men war 2003 ein Flop an den Kinokassen, was ich wie so oft nicht so recht verstehe. Roger Ebert schrieb eine begeisterte ****-Rezension (seine Höchstwertung), aber die meisten Kritiker störten sich entweder an den Plotmechanismen (für mich funktioniert der Film allerdings auch noch, wenn man die Twists kennt) und der Darstellung von Nicolas Cage als psychisch labilem Sonderling. Wann immer solche psychischen Störungen ("mental illness") im Film porträtiert werden, gibt es extrem unterschiedliche Reaktionen und unversöhnliche Meinungen. Zum einen wird erwartet, dass die Störung repräsentativ für eine Patientengruppe ist, zum zweiten wird dem Darsteller schnell vorgeworfen zu chargieren. Sie wird nicht korrekt dargestellt, sie wird nicht ernstgenommen, sie wird übertrieben, das Porträt ist nicht typisch. Hier ist meine Meinung: Es gibt keine korrekte Art, eine solche Störung darzustellen. Jedes Krankheitsbild ist individuell, weder Neurotiker noch Autisten lassen sich über einen Kamm scheren. Wichtig ist mir die Konsistenz innerhalb der Erzählung. Und so verstehe ich nicht, warum das Publikum Jack Nicholson in Besser geht's nicht und Tom Hanks in Forrest Gump liebt, nicht aber Sigourney Weaver in Snow Cake oder Ben Affleck in The Accountant. Na ja, Zuschauer sind im Idealfall so individuell wie die Protagonisten.

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Uno, dos, tres. Was Matchstick Men betrifft, find ich, dass Nic Cage Roys Neurosen sogar klug unterspielt. Regisseur Ridley Scott unterstützt den Effekt oft mit raffinierten Kamera- und Schneide-Tricks. Wunderbar auch die kontrastierende Musikauswahl, etwa mit Sinatra-Liedern (Roy besitzt natürlich eine Vinyl-Sammlung). Es ist auch spaßig, Sam Rockwell (Three Billboards) in einer frühen Rolle zu sehen, kurz nach seinem herrlichen Auftritt als Redshirt in Galaxy Quest. Kein falscher Lotteriegewinn war auch das Casting der 23jährigen (!) Alison Lohman, die die 14jährige Angela verblüffend authentisch spielt, nur mit Zöpfen und einer Zahnspange ausgestattet. Sie ist inzwischen wohl zweifache Mutter, konzentriert sich laut IMDB auf  "Coaching" und nimmt nur noch gelegentlich Rollen an - schade!

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Wie ich schon mehrfach ausgeführt habe, ist die Filmographie von Regisseur Ridley Scott recht durchwachsen. Trotzdem ist es schade, dass es nie für den Regie-Oscar gereicht hat (nicht einmal bei Gladiator konnte sich die Akademie für ihn entscheiden). In den letzten 20 Jahren gefielen mir eher seine "kleinen" Filme, neben Matchstick Men vor allem Ein gutes Jahr (2006), eine schöne Romanze zwischen Russell Crowe und Marion Cotillard. Tricks ist bei iTunes und Amazon für kleines Geld (momentan 3,99 Euro) in HD mit OV erhältlich, in guter Bild- und Tonqualität. Sehr gut (8/10).